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	<title>Christlicher Aussteiger</title>
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	<description>Persönliches, Nachdenkliches, Provozierendes und anderes aus dem peruanischen Hochland</description>
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		<title>Interessante Parallelen zwischen der Geschichte Israels und der Kirchengeschichte &#8211; Teil 3</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Jan 2012 20:22:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>NovumTestamentum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Nachdenkliches und Herausforderndes]]></category>
		<category><![CDATA[Evangelikale]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Synagogen In der Zeit nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft musste der Prophet Haggai das Volk tadeln wegen seiner Langsamkeit im Wiederaufbau des Tempels: &#8222;Dieses Volk da sagt: &#8216;Jetzt ist die Zeit noch nicht gekommen, das Haus des Herrn wiederaufzubauen.&#8217; Darum erging das Wort des Herrn durch den Propheten Haggai folgendermassen: Ist etwa für [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=christlicheraussteiger.wordpress.com&amp;blog=7800286&amp;post=594&amp;subd=christlicheraussteiger&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Synagogen</strong></p>
<p>In der Zeit nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft musste der Prophet Haggai das Volk tadeln wegen seiner Langsamkeit im Wiederaufbau des Tempels:<br />
&#8222;Dieses Volk da sagt: &#8216;Jetzt ist die Zeit noch nicht gekommen, das Haus des Herrn wiederaufzubauen.&#8217; Darum erging das Wort des Herrn durch den Propheten Haggai folgendermassen: Ist etwa für euch die Zeit gekommen, in getäfelten Häusern zu wohnen, während dieses Haus in Trümmern liegt? (&#8230;) während ein jeder von euch an seinem (eigenen) Haus seine Freude hat.&#8220; (Haggai 1,2-4.9)</p>
<p>Diese Bibelstelle wird von zeitgenössischen Kirchen oft dazu missbraucht, für ihre eigenen Bauvorhaben Werbung zu machen. Damit setzen sie sich aber gerade dem von Haggai angekündigten Gericht aus, denn wie schon in der <a href="http://christlicheraussteiger.wordpress.com/2012/01/14/interessante-parallelen-zwischen-der-geschichte-israels-und-der-kirchengeschichte-teil-1/">ersten Folge</a> angedeutet, haben solche denominationell-institutionellen Gebäude überhaupt keine Berechtigung, sich &#8222;Haus Gottes&#8220; zu nennen. Einmal, weil Gott verboten hat, an irgendeinem anderen Ort als dem von ihm bestimmten (in Jerusalem) ein &#8222;Haus Gottes&#8220; zu erbauen (5.Mose 12). Und dann auch, weil das neutestamentliche &#8222;Haus des Herrn&#8220; gar kein Gebäude aus Holz und Stein ist, sondern die Gemeinschaft der Gläubigen selber.<br />
Aber wie zur Zeit Haggais die Israeliten mehr daran interessiert waren, ihre eigenen Häuser aufzubauen statt des Hauses des Herrn, so sind auch die aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen mehr daran interessiert, ihre eigenen Denominationen und Institutionen zu vergrössern, statt das gemeinschaftliche und einzige geistliche &#8222;Haus Gottes&#8220; zu fördern.</p>
<p>In jener Zeit nach dem Exil entstand allmählich eine Einrichtung, die zur Zeit Jesu und bis heute als so wesentlich gilt für die jüdische Identität, dass man sehr erstaunt ist, wenn man feststellt, dass sie im Alten Testament überhaupt nicht erwähnt wird: die Synagoge. Die von Gott verordnete &#8222;gottesdienstliche&#8220; Einrichtung für Israel ist der Tempel mit seinem Priestertum. Aber nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft begann allmählich die Synagoge den Tempel zu verdrängen als Zentrum des religiösen Lebens; und die Autorität der Lehrer (Rabbiner) begann mit der Autorität der Priester zu wetteifern.<br />
Etwas ganz ähnliches geschah nach der Reformation: In den reformierten Kirchen wurde das katholische Priestertum abgeschafft. <em>(Es muss dazu bemerkt werden, dass es keinerlei neutestamentliche Grundlage gibt für ein solches Priestertum. Im Neuen Testament sind alle Gläubigen Priester &#8211; 1.Petrus 2,5.9 &#8211; unter dem einzigen Hohenpriester Jesus &#8211; Hebräer 4,14-16.)</em> An dessen Stelle wurde das Lehramt gesetzt. In dieser Hinsicht ähnelt also die katholische Kirche dem Tempel mit seinem Priestertum, während die reformierten Kirchen den Synagogen mit ihren Lehrern ähneln.<br />
Dazu passt, dass der Tempel ebenso wie die römisch-katholische Kirche ein zentralisiertes System darstellt; die reformierten Kirchen dagegen wie die Synagogen ein weitgehend dezentralisiertes.</p>
<p>In den Synagogen bzw. unter den Rabbinern begannen sich bald unterschiedliche Strömungen herauszubilden. So kennen wir aus der Zeit Jesu insbesondere die Pharisäer, welche eine strenge Absonderung und Gesetzeserfüllung betonten; und andererseits die Sadduzäer, welche nicht an übernatürliche Dinge wie Geistwesen oder die Auferstehung von den Toten glaubten (Apg.23,8). Ich denke, wir können gut im christlichen Raum die Pharisäer mit den evangelikal-fundamentalistischen Theologen vergleichen und die Sadduzäer mit den liberal-modernistischen.</p>
<p>Wir stellen ausserdem fest, dass Israel nach der Gefangenschaft nicht mehr in die grosse Sünde zurückfiel, derentwillen sie unter das Gericht Gottes gekommen waren: den Götzendienst. Beim Kommen Jesu und seinen Konfrontationen mit dem Volk wurde aber deutlich, dass es andere Arten gab, wie das Volk ebenso von Gott abfallen konnte. &#8211; In ähnlicher Weise sind die Kirchen der Reformation nie mehr in den katholischen Bilder- und Heiligendienst zurückgefallen. Sie haben aber ihre eigenen Wege, sich ebenso von Gott zu entfernen.</p>
<p>Trotz aller Unterschiede gab es eine wichtige Gemeinsamkeit zwischen dem Tempel und den Synagogen: Der &#8222;Gottesdienst&#8220; war immer noch an gewisse &#8222;heilige Orte&#8220; und an den Vorsitz gewisser &#8222;heiliger Personen&#8220; gebunden. Erst Jesus machte dieser Vorstellung ein Ende (siehe Johannes 4,19-24). &#8211; Auch die katholischen und evangelischen/evangelikalen Kirchen haben aber wieder ihre &#8222;heiligen Gebäude&#8220; errichtet und ihre &#8222;heiligen Männer&#8220; (und Frauen) auf die Kanzeln gestellt, und machen diese zum Zentrum ihrer &#8222;Gottesdienste&#8220;.</p>
<p>Ich bin schon öfters Kirchenmitgliedern begegnet, die den wöchentlichen &#8222;Gottesdienstbesuch&#8220; &#8211; auch in einer noch so weit vom Evangelium abgefallenen Kirche &#8211; damit begründeten, dass Jesus und die Apostel ja auch regelmässig die Synagogenversammlungen besuchten. Sie übersehen dabei, dass Jesus und die Apostel nicht zum passiven Zuhören in die Synagoge gingen, sondern weil sie dort die Gelegenheit hatten, die Synagogenbesucher zu evangelisieren. (Solche Gelegenheiten werden einem Nachfolger Jesu in den heutigen Kirchen kaum noch gegeben.)<br />
Wesentlich an diesem Argument scheint mir aber der zugrundeliegende Vergleich von Synagoge und heutiger Kirche zu sein. Wenn auch das daraus abgeleitete Argument falsch ist, so scheint mir doch der Vergleich an sich richtig zu sein. Tatsächlich kann wohl alles, was im Neuen Testament von den Synagogen gesagt wird, auch von den heutigen Kirchen gesagt werden. So wie die Juden zur Zeit Jesu gewohnheitsmässig zur Synagoge gingen und wohl (fälschlich) dachten, sie nähmen an einer von Gott verordneten Einrichtung teil, so gehen auch viele Christen heute gewohnheitsmässig zu einem denominationellen, pfarrerzentrierten &#8222;Gottesdienst&#8220; und fragen sich gar nicht mehr, ob diese Einrichtung wirklich biblisch verordnet sei.<br />
So wie zur Zeit Jesu die Synagoge und das Rabbinertum (entgegen ihren ursprünglichen Gründungsabsichten) zu einer Brutstätte von aller Art Heuchelei, Manipulation und Machtmissbrauch geworden war (man lese Matthäus 23), so muss man von vielen Kirchen heute dasselbe sagen. Obwohl in manchen Kirchen (insbesondere den evangelikalen) immer noch viel theoretisch richtige Lehre verkündet wird, stimmt das Leben nicht mehr damit überein; so wie auch Jesus von den Schriftgelehrten und Pharisäern sagte: &#8222;Alles nun, was sie euch sagen, tut und befolgt; aber nach ihren Werken tut nicht, denn sie sagen es und tun es nicht.&#8220; (Matthäus 23,3)<br />
So wie Jesus in der Synagoge öfters die Vorsitzenden verärgerte und sogar als Unruhestifter vertrieben wurde (Matthäus 12,9-14, Lukas 4,16-30, 13,10-17), so ist auch für viele heutige Kirchen die Verkündigung des biblischen Evangeliums und ein Leben konsequenter Nachfolge ein Ärgernis. Jesus sagte seinen Jüngern voraus:<br />
&#8222;Sie werden euch aus der Synagoge ausschliessen; ja, die Stunde kommt, wo jeder, der euch tötet, meinen wird, Gott eine Opfergabe darzubringen. Und dies werden sie tun, weil sie den Vater und mich nicht erkannt haben.&#8220; (Johannes 16,2)<br />
Es wäre kurzsichtig, diese Voraussage nur auf die jüdischen Synagogen jener Zeit anzuwenden. Sich christlich nennende Herrscher und Kirchenführer haben im Lauf der Geschichte Hunderttausende, vielleicht Millionen von echten Nachfolgern Jesu umbringen lassen. Die Annahme ist also nicht allzu weit hergeholt, dass auch in den endzeitlichen Christenverfolgungen die offiziellen Kirchen eine entscheidende Rolle spielen werden.</p>
<p>Als Jesus kam und anfing, den Synagogenführern Ärger zu machen, da verbündeten sich die sonst verfeindeten Richtungen (Pharisäer und Sadduzäer) zusammen mit den Priestern, um ihn aus der Welt zu schaffen. Ist der Gedanke zu weit hergeholt, dass sich auch in der letzten Zeit die evangelikal-fundamentalistischen Führer mit den liberal-modernistischen zusammenschliessen werden gegen die echten Christen? Anfänge davon sind bereits zu beobachten. Siehe <a href="http://christlicheraussteiger.wordpress.com/2011/09/05/evangelische-allianz-paktiert-mit-okumene-und-vatikan/">&#8222;Die Evangelische Allianz paktiert mit der Ökumene und dem Vatikan&#8220;</a>.</p>
<p><strong>Das Kommen Jesu</strong></p>
<p>Die Geschichte des Alten Bundes endet mit dem Wirken Jesu auf Erden bei seinem ersten Erscheinen. Die Geschichte der christlichen Kirche gemäss ihrer gegenwärtigen Verordnung wird mit dem zweiten Kommen Jesu enden. Was können wir da für Parallelen ziehen?</p>
<p>Die Juden erwarteten sehnsüchtig den Messias, von dessen Kommen sie in den Schriften der Propheten gelesen hatten. Aber als er wirklich kam, erkannten die meisten von ihnen ihn nicht. Insbesondere die offiziellen Leiter ihres Staates und ihrer Religion erkannten ihn nicht &#8211; trotz all ihrer Bibelkenntnis! Und jene wenigen Leiter, die zumindest ahnten, wer er sein könnte, unternahmen alles in ihrer Macht Stehende, um sein Auftreten zu verhindern &#8211; so wie Herodes der Kindermörder.</p>
<p>Das ist eine wirklich erstaunliche und bestürzende Tatsache.</p>
<p>Heutige Christen &#8211; soweit sie nicht unter der Gefangenschaft der rationalistischen Bibelkritik stehen &#8211; erwarten ebenso sehnsüchtig das zweite Kommen Jesu, studieren die biblischen Prophezeiungen, versuchen sogar exakte &#8222;Endzeitfahrpläne&#8220; aufzustellen. Wäre es möglich, dass viele unter diesen Bibelkundigen &#8211; und noch mehr unter den offiziellen Leitern ihrer Kirchen &#8211; den Herrn nicht erkennen oder nicht anerkennen werden, wenn er wirklich kommt?</p>
<p>Ich bin sicher, dass die meisten der Angesprochenen bei einem solchen Gedanken entrüstet aufschreien werden. Und doch: die biblische Parallele legt nahe, dass es genau so sein wird.</p>
<p>Warum erkannten so viele Juden beim ersten Kommen Jesu ihren Messias nicht?</p>
<p>Ich glaube, ein wichtiger Grund liegt darin, dass viele von ihnen einen Messias <em>zu ihren Gunsten</em> erwarteten, und nur wenige einen Messias <em>zu Gottes Verherrlichung</em>. Es ist für uns Menschen ein schwerverdaulicher Gedanke, dass Gott zuerst seine eigene Ehre im Auge hat und nicht die Erfüllung unserer Bedürfnisse oder Wünsche. Ich muss zugeben, dass auch ich mit diesem Punkt ab und zu Mühe habe. (Für einen Menschen wäre solche &#8222;Ehrsucht&#8220; ja eine grobe Sünde. Für Gott ist sie aber nur angemessen, weil ihm ja solche Ehre tatsächlich gebührt.)<br />
Die meisten erwarteten deshalb, dass der Messias sie von den Römern befreien würde; nicht aber, dass er zu ihnen sagen würde: &#8222;Kehrt um!&#8220;, oder gar: &#8222;Ihr Schlangenbrut!&#8220; &#8211; Eine heutige Parallele dazu ist vielleicht, dass viele Christen (irrtümlich, wie ich meine) erwarten, noch vor Beginn der &#8222;Trübsal&#8220; entrückt zu werden. Es wird heute viel darüber gepredigt, dass Jesus zu unserer Erlösung kam und wiederkommt; aber wenig darüber, dass er zum Gericht kommen wird.</p>
<p>Für die religiösen und politischen Leiter muss das ein noch grösseres Ärgernis sein als für uns gewöhnliche Sterbliche. Das muss es gewesen sein, was Herodes in solche Panik versetzte: &#8222;Wenn dieses Kind tatsächlich der verheissene König ist, <em>dann verliere ich meinen Thron!</em>&#8220; Ja, wenn Jesus wiederkommt, dann werden alle Könige, Präsidenten, Minister und Diktatoren abdanken müssen. Auch alle Kirchenführer, Pfarrer und Pastoren werden von ihren Kanzeln herabsteigen müssen. Sie werden &#8222;ihre&#8220; Schäfchen dem rechtmässigen Hirten Jesus zurückgeben müssen. Ich fürchte, allzuviele von ihnen werden dann ebenso eifersüchtig an ihrem &#8222;Thron&#8220; festhalten wollen wie Herodes an dem seinen.</p>
<p>Jene unter den Juden, die Jesus wirklich als Messias anerkannten und ihm nachfolgten, waren mehrheitlich Menschen, die nicht allzu vieles zu verlieren hatten. Arme Fischer waren eher dazu bereit, ihre Arbeit und ihren Verdienst aufzugeben, als reiche Jünglinge. Der Zöllner Matthäus muss zwar gut verdient haben, wurde aber als Kollaborateur der Römer verachtet &#8211; auch keine sehr beneidenswerte Stellung. Aussätzige und Blinde konnten sowieso nur gewinnen, wenn sie Jesus nachfolgten. Der Ratsherr Nikodemus hingegen konnte es sich seiner Stellung wegen nicht leisten, ihm öffentlich nachzufolgen. Jesus heimlich bei Nacht aufzusuchen (Joh.3), und in einer Ratsversammlung ein ganz vorsichtiges Votum zu seinen Gunsten abzugeben (Joh.7,50-51), war das Äusserste, was er riskieren konnte. Er scheint überhaupt der einzige Angehörige des Rates gewesen zu sein, der Jesus nicht ablehnte. &#8211; So ist anzunehmen, dass es auch beim zweiten Kommen Jesu vielen, die heute in der Christenheit Rang und Namen haben, eher mulmig zumute sein wird.</p>
<p>Auf die Wiederkunft Jesu vorbereitet zu sein, ist deshalb nur in zweiter Linie eine Frage der Bibelkenntnis. In erster Linie geht es darum, ob wir wirklich meinen, was wir sagen, wenn wir ihn &#8222;Herr&#8220; nennen. Ob wir bereit sind, ihm wirklich den Ehrenplatz zu geben, der ihm gebührt, und unseren eigenen Rang und Namen, unseren Einfluss und unsere Ehre, unser Hab und Gut, und sogar unser eigenes Leben aufzugeben um seinetwillen. Eine tägliche Herausforderung, der ich mich nur im Vertrauen auf Gottes übernatürliche Hilfe stellen kann.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/christlicheraussteiger.wordpress.com/594/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/christlicheraussteiger.wordpress.com/594/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/christlicheraussteiger.wordpress.com/594/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/christlicheraussteiger.wordpress.com/594/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/christlicheraussteiger.wordpress.com/594/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/christlicheraussteiger.wordpress.com/594/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/christlicheraussteiger.wordpress.com/594/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/christlicheraussteiger.wordpress.com/594/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/christlicheraussteiger.wordpress.com/594/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/christlicheraussteiger.wordpress.com/594/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/christlicheraussteiger.wordpress.com/594/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/christlicheraussteiger.wordpress.com/594/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/christlicheraussteiger.wordpress.com/594/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/christlicheraussteiger.wordpress.com/594/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=christlicheraussteiger.wordpress.com&amp;blog=7800286&amp;post=594&amp;subd=christlicheraussteiger&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Interessante Parallelen zwischen der Geschichte Israels und der Kirchengeschichte &#8211; Teil 2</title>
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		<pubDate>Sat, 21 Jan 2012 21:00:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>NovumTestamentum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Nachdenkliches und Herausforderndes]]></category>
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		<description><![CDATA[Von Gott eingesetzte Richter Mehrere Jahrhunderte lang hatte der Staat Israel eine &#8211; aus menschlicher Sicht &#8211; äusserst &#8222;unordentliche&#8220; Regierungsform: Urplötzlich pflegten vom Heiligen Geist erfüllte Menschen aufzustehen, deren Autorität so allgemein anerkannt wurde, dass sie ganze Stämme im Krieg anführten und auch in zivilen Angelegenheiten ihr Urteil als bindend anerkannt wurde (weshalb sie &#8222;Richter&#8220; [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=christlicheraussteiger.wordpress.com&amp;blog=7800286&amp;post=590&amp;subd=christlicheraussteiger&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Von Gott eingesetzte Richter</strong></p>
<p>Mehrere Jahrhunderte lang hatte der Staat Israel eine &#8211; aus menschlicher Sicht &#8211; äusserst &#8222;unordentliche&#8220; Regierungsform: Urplötzlich pflegten vom Heiligen Geist erfüllte Menschen aufzustehen, deren Autorität so allgemein anerkannt wurde, dass sie ganze Stämme im Krieg anführten und auch in zivilen Angelegenheiten ihr Urteil als bindend anerkannt wurde (weshalb sie &#8222;Richter&#8220; genannt wurden). Wenn ein Richter starb, brach manchmal die wildeste Anarchie aus; und niemand wusste zum voraus, wann und wo der nächste Richter erscheinen würde.<br />
Ausserdem war das Territorium Israels noch längst nicht allgemein anerkannt oder respektiert: Immer wieder fielen andere Völker ein, raubten und plünderten, oder unterwarfen sich Teile des Landes bzw. der Bevölkerung. Sowohl im Inneren wie im Äusseren herrschte also eine grosse Unsicherheit, und man brauchte einen gefestigten Glauben, um in einer solchen Situation darauf vertrauen zu können, dass Gott tatsächlich alles unter Kontrolle hatte.</p>
<p>Ich denke, diese Zeit kann man gut mit den ersten Jahrhunderten des Christentums vergleichen. Mancherorts waren die Strukturen und Gebräuche noch nicht eindeutig festgelegt. Von aussen her herrschte eine ständige Unsicherheit: man wusste nie, wann die nächste Verfolgung losbrechen würde. Ohne glaubensstarke, von Gottes Geist geleitete Leiter hätte die Gemeinde in jener Zeit kaum überleben können. Aber auch die einzelnen Christen brauchten einen starken, persönlichen Glauben.</p>
<p><strong>&#8222;Wir wollen einen König haben!&#8220;</strong></p>
<p>Dann kam der Moment, wo die Israeliten diese direkte Abhängigkeit von Gottes Leitung satt hatten und zu Samuel, dem letzten Richter, sagten: &#8222;Gib uns einen König, wie ihn alle anderen Nationen haben!&#8220; &#8211; Die Regierungszeit von Saul, dem ersten König, war katastrophal. Aber zur Zeit Davids gelang es dem Volk Israel, die ihm feindlich gesinnten Völker definitiv zu besiegen, womit eine (relativ kurze) Periode inneren und äusseren Friedens begann.</p>
<p>So kam auch in der Geschichte der christlichen Kirche ein Moment, wo die Kirche einen König erhielt. Das begann mit dem römischen Kaiser Konstantin, der Christ wurde &#8211; zumindest äusserlich. Wie es in seinem Herzen aussah, kann aus der Geschichte nicht restlos geklärt werden. Fest steht, dass Konstantin den Christenverfolgungen ein Ende machte, und dass er von der überwiegenden Mehrheit der Christen nicht nur als politischer, sondern auch als religiöser Führer anerkannt wurde. Beweis dafür ist, dass es Konstantin war, der das berühmte Konzil von Nicäa (325) einberief und dabei auch den Vorsitz innehatte. Dieses Konzil brachte zwar die erste theologisch ausgefeilte Erklärung der göttlichen Dreieinigkeit hervor &#8211; ein Glaubensbekenntnis, das bis heute hoch geschätzt wird -, aber kirchenpolitisch gesehen war es eine Katastrophe. Das Bekenntnis von Nicäa war den Konzilsteilnehmern von Konstantin praktisch aufgezwungen worden, sodass sich die scheinbare Einheit sogleich nach dem Konzil wieder auflöste in jahrzehntelange wüste theologische Streitereien und Intrigen.<br />
Konstantins Nach-Nachfolger Theodosius machte dann die Kirche vollends zur &#8222;römisch-katholischen&#8220; Kirche: Er erklärte die römische Version des Christentums zur obligatorischen Staatsreligion. Innerhalb eines halben Jahrhunderts waren damit die Heiden von Verfolgern zu Verfolgten geworden. Wie Israel zur Zeit Davids, musste die Kirche jetzt ihre Widersacher nicht mehr fürchten, sondern wurde von diesen gefürchtet.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund war es nur natürlich, dass in der Folge nicht nur der römische Staat, sondern auch die Kirche zentral von Rom aus geleitet wurde. Zur Machtstellung des Papstes war es von da her nicht mehr weit. Die Kirche war tatsächlich zu einer Monarchie geworden. Und auf allen Ebenen hatten sich hierarchische Leitungsstrukturen verfestigt, die die Leitung des Heiligen Geistes immer mehr aus der Kirche verdrängten.</p>
<p>Es ist von daher interessant, dass während der Richterzeit das &#8222;Haus Gottes&#8220; &#8211; die Stiftshütte &#8211; ein einfaches Zelt war. Eine bewegliche &#8222;Wohnung Gottes&#8220;, die auf den Wanderungen Israels überallhin mitgenommen werden konnte. Von den ersten Königen jedoch wurde stattdessen ein Tempel aus Holz und Stein errichtet. (Die Vorarbeiten dazu begannen unter David, und der eigentliche Bau wurde von seinem Sohn Salomo ausgeführt). Beachten wir, dass die Stiftshütte von einem Propheten errichtet wurde, der Tempel hingegen von einem König.<br />
So wie König Salomo die Wohnung Gottes &#8222;festzementierte&#8220;, so wurde unter dem Einfluss der römischen Kaiser (und gewisser Kirchenführer) die kirchliche Hierarchie und Liturgie &#8222;festzementiert&#8220;. Und so wie Salomo einen heidnischen Baumeister anstellte &#8211; Hiram von Tyrus -, so sind zur Zeit Konstantins und Theodosius&#8217; viele heidnische Einflüsse in die Kirche eingedrungen.</p>
<p>Natürlich kann man auch hier die Parallele nicht in alle Einzelheiten weiterführen. Ich könnte keinen der römischen Kaiser oder Päpste direkt mit Saul, mit David oder mit Salomo gleichsetzen. Aber die grundsätzlichen Ähnlichkeiten scheinen mir der Erwähnung wert.</p>
<p><strong>Das geteilte Reich</strong></p>
<p>Salomo war der dritte König Israels und zugleich der letzte, der das Reich im Frieden regieren konnte. Kurz nach seinem Tod brach das Reich auseinander. Ebenso teilte sich auch das Römische Reich bald nach Konstantin in eine West- und eine Osthälfte, die fortan getrennte Wege gingen. Da die Kirche mit der Staatsregierung verbunden worden war, hatte das natürlich Auswirkungen auf die Kirche. Ost- und Westkirche (d.h. die orthodoxe und die römisch-katholische Kirche) lebten sich immer weiter auseinander, bis sie schliesslich einander gegenseitig verurteilten und verfluchten.<br />
Gleichzeitig entfernten sich beide Kirchen immer weiter von den Grundlagen des Wortes Gottes &#8211; genauso wie auch das Volk Israel in der Zeit des geteilten Reiches immer weiter von Gott abfiel. Mit gelegentlichen Reformen und halbherziger Umkehr; aber aufs Ganze gesehen müssen wir von einer Zeit des Abfalls von Gott sprechen.</p>
<p><strong>Die babylonische Gefangenschaft und die Rückkehr nach Jerusalem</strong></p>
<p>Diese Zeit des Abfalls mündete schliesslich in die babylonische Gefangenschaft Israels aus (und für das Nordreich vorher schon in die assyrische Gefangenschaft). Die Propheten hatten dieses Gericht Gottes bereits vorhergesagt. Ein grosser Teil des Volkes wurde nach Babylonien deportiert, wo sie nur geringe Freiheiten hatten und die Babylonier vieles unternahmen, um sie zu ihrer Religion zu bekehren. (Im Buch Daniel nachzulesen.)<br />
Die kirchengeschichtliche Parallele dazu liegt auf der Hand. Martin Luther schrieb ein ganzes Buch mit dem Titel: &#8222;Die babylonische Gefangenschaft der Kirche&#8220;. Jahrhundertelang war die Kirche gefangen in Unmündigkeit, Aberglauben, und aus der Bibel nicht zu begründenden Gebräuchen.<br />
Tatsächlich gibt es in der babylonischen Religion gewisse Parallelen zum römischen Katholizismus. Z.B. versuchten die Babylonier in den ihnen unterworfenen Gebieten ihre Religion durchzusetzen, indem sie die einheimische Führungsschicht dieser Länder &#8222;umerzogen&#8220; &#8211; nicht viel anders als die katholische Kirche im Mittelalter. Ohne Vermittlung der Priester und Teilnahme an den vorgeschriebenen Zeremonien konnte man in der babylonischen Religion nicht mit den Göttern in Verbindung treten. Auch gewisse Symbole wie z.B. die Verehrung einer &#8222;Gottesmutter&#8220; mit ihrem Sohn sind babylonischen Ursprungs.</p>
<p>Erst als das babylonische Reich von den Persern und Medern eingenommen wurde, erhielten die Israeliten die Freiheit, wieder in ihr Land zurückzukehren. Dieses Ereignis ist in der Kirchengeschichte offensichtlich mit der Reformation zu vergleichen. So wie die Israeliten aufgefordert wurden, zurück nach Jerusalem zu ziehen, so erging in der Reformationszeit der Ruf, zum ursprünglichen Wort Gottes zurückzukehren. Aber so wie viele Israeliten sich an das Leben in Babylon gewöhnt hatten und dort blieben, so leisteten auch längst nicht alle Kirchenchristen dem reformatorischen Ruf Folge.</p>
<p><strong>Der Verlust der Unabhängigkeit</strong></p>
<p>Auch nach der Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft war Israel kein unabhängiger Staat mehr. Die Juden befanden sich nacheinander unter persischer, griechischer und römischer Herrschaft. Erst in jüngerer Vergangenheit (1948) wurde Israel zum ersten Mal seit der babylonischen Gefangenschaft wieder ein unabhängiger Staat.<br />
Wenn wir nun die babylonische Gefangenschaft als Typus einer &#8222;Gefangenschaft&#8220; der Kirche unter eine bestimmte Denkströmung und Kultur verstehen &#8211; in diesem Fall die römisch-katholische -, können wir dann auch in den anderen, späteren Besatzungsmächten eine solche Bedeutung sehen?</p>
<p>Die Weltsicht und Religion der Perser war stark vergeistigt und dualistisch; d.h. alles wurde als Ausdruck einer ständigen Auseinandersetzung zwischen einer guten und einer bösen Macht verstanden. Die Perser waren in Angelegenheiten der Religion toleranter als die Babylonier. Es waren die Perser, welche den Juden erlaubten, nach Jerusalem zurückzukehren und ihren Tempel wieder aufzubauen.<br />
So sehen wir auch in den Reformationskirchen eine ähnliche Schwerpunktverschiebung: Während die Glaubenstreue eines Katholiken vornehmlich an seiner Unterordnung unter der Hierarchie, und an seiner Teilnahme an den Riten und Sakramenten gemessen wird, so war das Kriterium der Reformatoren, ob etwas (lehrmässig) &#8222;richtig oder falsch&#8220; war. &#8211; Auch lockerte sich die staatliche Bevormundung in religiösen Angelegenheiten. Besonders in den calvinistischen Ländern (in den lutherischen weniger) fand eine allmähliche Bewegung in Richtung Glaubens- und Gewissensfreiheit statt.<br />
Dennoch haben wir auch hier eine geistige &#8222;Fremdherrschaft&#8220;, eine Überschattung des Evangeliums durch eine ihm fremde Denkrichtung. Den &#8222;rechten Glauben&#8220; an der Übereinstimmung mit der &#8222;rechten Lehre&#8220; festzumachen, ist eine unzulässige Reduktion des Evangeliums. Deshalb kam es im 17.Jahrhundert zu einer Periode, die von manchen Historikern als &#8222;Zeit der toten Orthodoxie&#8220; bezeichnet wird: Die Grundwahrheiten des Evangeliums wurden zwar noch richtig und biblisch (&#8222;orthodox&#8220;) gelehrt, aber nicht mehr auf das wirkliche Leben angewandt.</p>
<p>Das griechische Denken war hauptsächlich humanistisch (d.h. auf den Menschen als solchen zentriert) und philosophisch-intellektuell. Die griechischen Götter waren im Grunde nichts als überzeichnete Abbilder von Menschen, mit höchst menschlichen Bedürfnissen, Schwächen und Fehlern. Die Griechen strebten danach, ihr menschliches Potenzial so weit wie möglich zu entwickeln: sei es im intellektuellen Bereich (Philosophie, Rhetorik, Geometrie&#8230;) oder im körperlichen (militärisches Training, Sport, Olympiaden&#8230;). Als &#8222;am höchsten entwickelte&#8220; Menschen galten die Philosophen.<br />
So begann auch in der Kirche während des 19.Jahrhunderts der Rationalismus zu dominieren: eine Denkrichtung, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt und meint, alles könne und müsse mit dem menschlichen Verstand erklärt werden. Diese &#8222;moderne&#8220; liberale Theologie fragt hauptsächlich danach, ob etwas &#8222;logisch&#8220; oder &#8222;vernünftig&#8220; sei. Was übernatürlich oder dem menschlichen Verstand nicht einsichtig ist, wird von dieser Theologie abgelehnt. Wir können deshalb durchaus sagen, dass die Mehrheit der Kirche während des 19. und 20. Jahrhunderts vom griechischen Geist beherrscht wurde.</p>
<p>Die Römer übernahmen zwar das griechische Denken, waren aber von sich aus eher pragmatisch orientiert. Sie kümmerten sich mehr um die praktische Verwaltung und Verteidigung ihres Reiches, als um Philosophie. Während die Griechen bedeutende Schritte auf demokratische Regierungsformen hin unternommen hatten, regierten die Römer von Cäsar an wieder weitgehend diktatorisch. &#8211; In religiöser Hinsicht finden wir im römischen Reich eine merkwürdige Mischung von Toleranz und Totalitarismus: Einerseits war die Ausübung aller möglichen auch noch so abwegigen Religionen erlaubt. Deshalb erreichte die Ausbreitung der ursprünglich orientalischen Mysterienreligionen in der Römerzeit ihren Höhepunkt. Andererseits war die Verehrung des Kaisers streng obligatorisch. Die Christen wurden nicht deshalb verfolgt, weil sie Christus anbeteten; sie wurden verfolgt, weil sie sich weigerten, zusätzlich zu Christus auch noch den Kaiser anzubeten. Die ersten Leser der Johannesoffenbarung dachten bei dem &#8222;Tier&#8220; in Kapitel 13 sicher zuerst an den Machtapparat des römischen Kaisers.<br />
Man kann sich fragen, ob wir uns gegenwärtig im Übergang von der Herrschaft des griechischen Geistes zu der des römischen Geistes befinden. Welteinheitsbestrebungen wie damals die &#8222;Pax Romana&#8220; sind wieder hochaktuell. Unter den Evangelikalen geben die Kirchen der USA mit ihrer Strategieversessenheit, ihrem Marketingdenken und ihren auf das Diesseitige ausgerichteten Zielsetzungen den Ton an. Orientalische Religionen und Praktiken verbreiten sich wieder über den ganzen Erdball, und finden inzwischen auch in den meisten Kirchen offene Türen. &#8222;Vernunft&#8220; wird nicht mehr so grossgeschrieben wie auch schon; dafür suchen manche Christen nach immer wilderen Manifestationen übernatürlicher Kräfte aus eher zweifelhaften Quellen. Und nicht zuletzt: Unter dem Vorwand von &#8222;Toleranz&#8220; und &#8222;politischer Korrektheit&#8220; werden die Freiheiten für echte, bekennende Christen immer mehr eingeschränkt.</p>
<p>Ich muss da jedoch eine kleine Mahnung zur Vorsicht anbringen: Je näher wir an die Gegenwart kommen, desto schwieriger wird es, Zeit- und Denkströmungen angemessen zu beurteilen und einzuordnen. Aus dem fehlenden historischen Abstand heraus können Nebensächlichkeiten gross erscheinen, während die wirklich einflussreichen Strömungen oft erst im Nachhinein erkannt werden.</p>
<p>Einen Grundgedanken möchte ich jedoch hervorheben: Seit der Reformation ist zwar in der Kirche manches erneuert worden und ist manche biblische Wahrheit neu entdeckt worden. Aber so wie Israel auch nach der Rückkehr aus Babylon noch nicht wirklich frei und unabhängig war, so ist auch die Kirche mit alldem noch nicht wirklich frei geworden von geistiger &#8222;Fremdherrschaft&#8220;.</p>
<p style="text-align:right;"><em>(Fortsetzung folgt)</em></p>
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		<item>
		<title>Interessante Parallelen zwischen der Geschichte Israels und der Kirchengeschichte &#8211; Teil 1</title>
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		<pubDate>Sat, 14 Jan 2012 18:51:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>NovumTestamentum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Nachdenkliches und Herausforderndes]]></category>
		<category><![CDATA[Haus Gottes]]></category>
		<category><![CDATA[Heiliger Geist]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
		<category><![CDATA[Kirchengeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Typologie]]></category>

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		<description><![CDATA[Der folgende Artikel ist, wie ich zugebe, weitgehend spekulativ. Ich gehe von dem Grundgedanken aus, dass es gewisse &#8222;Muster&#8220; des Handelns Gottes in der Geschichte gibt, die sich in ähnlicher Weise wiederholen. So spricht z.B. Jesus davon, dass die drei Tage und drei Nächte, die Jonas im Bauch des Fisches verbringen musste, eine Art Vorzeichen [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=christlicheraussteiger.wordpress.com&amp;blog=7800286&amp;post=586&amp;subd=christlicheraussteiger&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der folgende Artikel ist, wie ich zugebe, weitgehend spekulativ. Ich gehe von dem Grundgedanken aus, dass es gewisse &#8222;Muster&#8220; des Handelns Gottes in der Geschichte gibt, die sich in ähnlicher Weise wiederholen. So spricht z.B. Jesus davon, dass die drei Tage und drei Nächte, die Jonas im Bauch des Fisches verbringen musste, eine Art Vorzeichen oder &#8222;Vor-Bild&#8220; davon waren, dass er selber, Jesus, drei Tage und drei Nächte begraben sein müsse. (Matthäus 12,40-41.) Oder er verglich sich mit den Propheten Elias und Elisa, die beide mehrheitlich Nicht-Israeliten dienten und von ihrem eigenen Volk abgelehnt wurden, so wie auch Jesus selbst von seinem Volk abgelehnt wurde (Lukas 4,24-27). An anderer Stelle sagte er, Johannes der Täufer sei (in einem gewissen Sinn) der wiedergekommene Prophet Elias gewesen (Matthäus 17,11-13). Theologen würden sagen, Elias sei ein &#8222;Typus&#8220; von Johannes bzw. von Jesus gewesen.<br />
Diese &#8222;Typologie&#8220; ist dabei nie eine völlig exakte Parallele und ist deshalb mit Vorsicht anzuwenden. Z.B. befand sich Jonas aufgrund seines Ungehorsams gegen Gott im Bauch des Fisches; Jesus dagegen musste gerade infolge seines äussersten Gehorsams sterben und begraben werden.</p>
<p>Da nun Jesus selber solche Parallelen zieht zwischen alttestamentlichen Ereignissen und gewissen Aspekten seines eigenen Lebens und Wirkens, ist die Frage naheliegend, ob es weitergehende Parallelen gibt zwischen der Geschichte des alttestamentlichen und des neutestamentlichen Gottesvolkes. Dass dies auf einer ganz grundsätzlichen, elementaren Ebene der Fall ist, bezeugt Paulus:</p>
<blockquote><p>&#8222;Diese Dinge <em>(er bezieht sich auf Vorkommnisse während der Wanderung Israels durch die Wüste)</em> aber sind als Vorbilder für uns geschehen, damit wir uns nicht nach Bösem gelüsten lassen, wie es jene gelüstet hat. Werdet auch nicht Götzendiener gleich etlichen von ihnen (&#8230;) Lasst uns auch nicht Unzucht treiben, wie etliche von ihnen Unzucht trieben und an einem Tage 23&#8217;000 fielen. Lasst uns auch nicht Christus versuchen, wie etliche von ihnen ihn versuchten und von den Schlangen umgebracht wurden. Murrt auch nicht, wie etliche von ihnen murrten und vom Verderber umgebracht wurden. Dies aber widerfuhr jenen zum Exempel; geschrieben aber wurde es zur Warnung für uns, auf die das Ende der Welt gekommen ist.&#8220; (1.Kor.10,6-11)</p></blockquote>
<p>Ob nun aber solche Parallelen auf konkrete Ereignisse der Kirchengeschichte übertragen werden können, ist eine offene Frage, die in der Bibel nicht beantwortet wird. Einige Ausleger haben versucht, in den sieben Gemeinden von Offenbarung 2 und 3 sieben Etappen der Kirchengeschichte zu sehen &#8211; nicht mit vollem Erfolg, wie ich meine; dennoch ist es ein interessanter Ansatz.<br />
Ich möchte hier einen anderen, aber in gewisser Weise ähnlichen Ansatz versuchen, indem ich der Frage nachgehe, ob vielleicht die <em>Geschichte Israels</em> in gewisser Weise die Geschichte des neutestamentlichen Gottesvolkes &#8222;typologisch&#8220; vorzeichnet. Auch dieser Ansatz wird sicher &#8211; wie die erwähnte Auslegung von Offenbarung 2 und 3 &#8211; unvollständig und unbefriedigend bleiben. Es gibt aber einige wirklich auffallende Parallelen, die ich im folgenden beschreiben möchte.</p>
<p><strong>Anfänge des Gottesvolkes</strong></p>
<p>Man kann sich darüber streiten, ob der Anfang der Geschichte Israels als Volk bei Abraham oder bei Moses anzusetzen sei. Für die hier vorliegende Betrachtung erscheint es mir sinnvoller, bei Moses anzufangen, weil der Durchzug durch das Rote Meer in 1.Korinther 10,1-2 als &#8222;Typus&#8220; der christlichen Taufe beschrieben wird, und mit einer Massentaufe fing auch das neutestamentliche Gottesvolk an (Apg.2,41). Den Zeitraum von Abraham bis Moses könnte man aus diesem Blickwinkel als (keineswegs unwichtige!) &#8222;Vorgeschichte&#8220; auffassen, so wie auch das Erdenleben Jesu eine (keineswegs unwichtige) Vorgeschichte zur Kirchengeschichte war.<br />
Vor dem Auszug aus Ägypten stand das Passahmahl. Dabei wurde ein Lamm geopfert, dessen Blut die Israeliten vor dem Todesengel beschützte. In ähnlicher Weise musste Jesus, das &#8222;Lamm Gottes&#8220; (Joh.1,29) geopfert werden, damit wir durch sein Blut Vergebung unserer Sünden erhalten können.<br />
Auch diese Parallele ist im Grunde nicht exakt: Das Alte Testament bringt das Passah nicht mit Sündenvergebung in Verbindung; dazu dient das Opfer am Versöhnungstag (3.Mose 16). Dennoch macht der Apostel (und Rabbiner) Paulus diesen Vergleich ausdrücklich: &#8222;&#8230;denn als unser Passahlamm ist Christus geopfert worden&#8220; (1.Kor.5,7). Tatsächlich wurde Jesus zur Zeit des Passahfestes geopfert.</p>
<p><strong>Exodus</strong></p>
<p>Nach diesem Opfer also konnte der Auszug aus Ägypten stattfinden. Wir können das &#8222;Sklavenhaus Ägypten&#8220; als typologisches &#8222;Vor-Bild&#8220; der Versklavung unter die Sünde ansehen, aus der die Glaubenden durch das Opfer Jesu befreit werden. Unter dieser Perspektive ist folgende Stelle in der Offenbarung interessant:<br />
&#8222;Und ihre Leichname <em>(der zwei Propheten)</em> werden auf der Gasse der grossen Stadt liegen, die bei geistlicher Deutung Sodom und Ägypten heisst, in der auch ihr Herr gekreuzigt worden ist.&#8220; (Offb.11,8)<br />
Wegen des Hinweises auf die Kreuzigung Jesu kann es sich bei der &#8222;grossen Stadt&#8220; nur um Jerusalem handeln. Jerusalem, die heilige Stadt, ein &#8222;geistliches Ägypten&#8220;?? Tatsächlich begann die christliche Kirche in Jerusalem, und aus der Jerusalemer Gesellschaft mussten die ersten Christen ausziehen und herausgerettet werden, ganz ähnlich wie die Israeliten seinerzeit aus Ägypten ausziehen und herausgerettet werden mussten. So heisst es auch in Hebräer 13,12-14:<br />
&#8222;Daher hat auch Jesus, um durch sein eigenes Blut das Volk zu heiligen, ausserhalb des Tores gelitten. So lasst uns nun zu ihm vor das Lager hinausgehen und seine Schmach tragen! Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern wir suchen die zukünftige.&#8220;<br />
Es stellt sich hier die Frage, ob dann auch das neue, geistliche Jerusalem, d.h. die christliche Kirche, in der letzten Zeit wieder zu einem &#8222;geistlichen Ägypten&#8220; werden wird, aus welchem die wahren Gläubigen anlässlich der Wiederkunft Jesu ausziehen und herausgerettet werden müssen? &#8211; Aber ich greife vor&#8230;</p>
<p><strong>Gesetz und Geist</strong></p>
<p>Die nächste wichtige Station in der Wanderung der Israeliten war der Berg Sinai, wo Moses die Zehn Gebote erhielt (und verschiedene andere Gebote Gottes). Offenbar war es wichtig, dass das Volk Israel möglichst bald nach seiner Befreiung eine klare Richtlinie dessen erhielt, was Gott von ihm erwartete. Dieses Gesetz Gottes war die Grundlage für alles spätere Handeln Gottes mit und an seinem Volk.<br />
Da nun dieses Gesetz Gottes ein für allemal gegeben wurde, war es für das neutestamentliche Gottesvolk nicht nötig, nochmals ein Gesetz Gottes zu erhalten. (Ausser wir betrachten die Bergpredigt als solches; aber dabei handelt es sich im Grunde um eine Auslegung und Erläuterung des bereits gegebenen Gesetzes.) Nach einiger Betrachtung erscheint es mir angebracht zu sagen, dass im Neuen Testament die <em>Ausgiessung des Heiligen Geistes</em> den Platz einnimmt, der im Alten Testament der Gesetzgebung am Sinai zukommt. Zur Begründung stütze ich mich auf folgende Stellen, die diesen Unterschied zwischen dem Alten und dem Neuen Bund hervorheben:<br />
- &#8222;Nein, das ist der Bund, den ich nach jenen Tagen mit dem Hause Israel schliessen will, spricht der Herr: Ich werde mein Gesetz in ihr Inneres legen und es ihnen ins Herz schreiben; ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein. Da wird keiner mehr den andern, keiner seinen Bruder belehren und sprechen: Erkennet den Herrn!, sondern sie werden mich alle erkennen, klein und gross, spricht der Herr&#8230;&#8220; (Jeremias 31,33-34)<br />
(Tatsächlich ist es die Aufgabe des Heiligen Geistes, das Gesetz Gottes &#8222;in unser Herz zu schreiben&#8220; und uns die Dinge Gottes zu lehren.)<br />
- &#8222;Wenn aber der Dienst des Todes, mit Buchstaben in Steine eingegraben, zu Herrlichkeit gelangt ist, sodass die Söhne Israels nicht in das Angesicht Moses schauen konnten wegen des herrlichen Glanzes seines Angesichts, der verging; wie sollte nicht der Dienst des Geistes noch mehr in Herrlichkeit sein?&#8220; (2.Kor.3,7-8)<br />
(Hier wird genau der erwähnte Unterschied hervorgehoben, dass der Alte Bund &#8222;Dienst des Buchstabens war&#8220;, der Neue Bund hingegen &#8222;Dienst des Geistes&#8220;.)</p>
<p><strong>Das Haus Gottes</strong></p>
<p>Eine weitere wichtige Station bestand im Bau der Stiftshütte als &#8222;Wohnung Gottes&#8220;. Die ganze Anordnung und Ausstattung der Stiftshütte ist sehr symbolträchtig. Für mein Thema hier ist mir als Grundgedanke wichtig: Gott möchte hier auf Erden eine &#8222;Wohnung&#8220; haben, wo sich seine Gegenwart in besonderer Weise manifestieren kann. War das im Alten Testament ein materielles Gebäude, so ist es im Neuen Testament ein &#8222;geistliches Haus&#8220; aus &#8222;lebendigen Steinen&#8220;: die Gemeinschaft der Gläubigen selber! (1.Petrus 2,4-10) &#8211; &#8222;Wisst ihr nicht, dass<em> ihr</em> der Tempel Gottes seid, und dass der Geist Gottes in euch wohnt?&#8220; (1.Kor.3,16)<br />
Im Gegensatz zum Alten Testament haben wir im Neuen Testament keine ausdrückliche oder ausführliche &#8222;Bauanleitung&#8220; zum Bau dieses geistlichen &#8222;Hauses Gottes&#8220;. Die Apostel müssen aber eine ziemlich klare Vorstellung davon gehabt haben, wie dieses &#8222;Gebäude&#8220; &#8211; zumindest in den Grundzügen &#8211; aussehen sollte. Paulus schreibt nämlich kurz vor der soeben zitierten Stelle, und im selben Zusammenhang: &#8222;Nach der mir verliehenen Gnade Gottes habe ich als ein weiser Baumeister den Grund gelegt; ein anderer aber baut darauf weiter. Doch jeder sehe zu, wie er darauf weiterbaut.&#8220; (1.Kor.3,10) &#8211; Wenn wir also das Werk und die Anweisungen der Apostel ansehen, wie sie im Neuen Testament überliefert sind, dann denke ich, sollten wir doch den grundsätzlichen &#8222;Bauplan&#8220; des neutestamentlichen Hauses Gottes, der Gemeinde, einigermassen erkennen können.</p>
<p><em>(Fortsetzung folgt)</em></p>
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		<item>
		<title>Traurige Geschichte von einem kleinen Jungen</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Dec 2011 17:47:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>NovumTestamentum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aus der Schule geplaudert]]></category>
		<category><![CDATA[Nachdenkliches und Herausforderndes]]></category>
		<category><![CDATA[Kreativität]]></category>
		<category><![CDATA[Lehrer]]></category>
		<category><![CDATA[Schule]]></category>
		<category><![CDATA[zeichnen]]></category>

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		<description><![CDATA[Es war einmal ein kleiner Junge, der ging zur Schule. Er war noch ein sehr kleiner Junge. Und es war eine sehr grosse Schule. Aber als der kleine Junge herausfand, dass er direkt in sein Schulzimmer gelangen konnte, wenn er durch die äussere Tür hineinging, da freute er sich. Und die Schule sah nicht mehr [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=christlicheraussteiger.wordpress.com&amp;blog=7800286&amp;post=583&amp;subd=christlicheraussteiger&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es war einmal ein kleiner Junge,<br />
der ging zur Schule.<br />
Er war noch ein sehr kleiner Junge.<br />
Und es war eine sehr grosse Schule.<br />
Aber als der kleine Junge herausfand,<br />
dass er direkt in sein Schulzimmer gelangen konnte,<br />
wenn er durch die äussere Tür hineinging,<br />
da freute er sich.<br />
Und die Schule sah nicht mehr<br />
so riesig aus.</p>
<p>Eines Morgens,<br />
als der kleine Junge schon eine Zeitlang zur Schule gegangen war,<br />
sagte die Lehrerin:<br />
&#8222;Heute werden wir zeichnen.&#8220;<br />
&#8222;Gut!&#8220;, dachte der kleine Junge.<br />
Er zeichnete gern.<br />
Er konnte alles mögliche zeichnen:<br />
Löwen und Tiger,<br />
Hühner und Kühe,<br />
Eisenbahnen und Schiffe -<br />
Und er nahm seine Schachtel mit Malkreiden hervor<br />
und begann zu zeichnen.<br />
Aber die Lehrerin sagte: &#8222;Warte!<br />
Wir fangen noch nicht an!&#8220;<br />
Und sie wartete, bis alle sie anschauten.<br />
&#8222;Jetzt&#8220;, sagte die Lehrerin,<br />
&#8222;werden wir Blumen zeichnen.&#8220;<br />
&#8222;Gut!&#8220;, dachte der kleine Junge.<br />
Er zeichnete gern Blumen.<br />
Und er zeichnete einige schöne Blumen<br />
mit seinen orangen und blauen und lila Malkreiden.<br />
Aber die Lehrerin sagte: &#8222;Warte!<br />
Ich zeige euch, wie man es macht.&#8220;<br />
Und die Blume war rot, mit einem grünen Stiel.<br />
&#8222;So&#8220;, sagte die Lehrerin.<br />
&#8222;Jetzt könnt ihr beginnen.&#8220;<br />
Der kleine Junge sah die Blume der Lehrerin an.<br />
Dann sah er seine eigene Blume an.<br />
Seine eigene Blume gefiel ihm besser.<br />
Aber er sagte nichts.<br />
Er drehte nur sein Papier um<br />
und zeichnete eine Blume wie die Blume der Lehrerin.<br />
Sie war rot, mit einem grünen Stiel.</p>
<p>An einem anderen Tag,<br />
als der kleine Junge gerade<br />
die äussere Tür ganz allein aufgemacht hatte,<br />
sagte die Lehrerin:<br />
&#8222;Heute modellieren wir mit Lehm.&#8220;<br />
&#8222;Gut!&#8220;, dachte der kleine Junge.<br />
Er arbeitete gerne mit Lehm.<br />
Er konnte alle möglichen Dinge aus Lehm formen:<br />
Schlangen und Schneemänner,<br />
Elefanten und Mäuse,<br />
Autos und Lastwagen -<br />
Und er begann seinen Lehmklumpen<br />
zu ziehen und zu kneten.<br />
Aber die Lehrerin sagte: &#8222;Warte!<br />
Wir fangen noch nicht an!&#8220;<br />
Und sie wartete, bis alle sie anschauten.<br />
&#8222;Jetzt&#8220;, sagte die Lehrerin,<br />
&#8222;werden wir einen Teller machen.&#8220;<br />
&#8222;Gut!&#8220;, dachte der kleine Junge.<br />
Er machte gern Teller.<br />
Und er begann einige zu machen,<br />
in allen Grössen und Formen.<br />
Aber die Lehrerin sagte: &#8222;Warte!<br />
Ich zeige euch, wie man es macht.&#8220;<br />
Und sie zeigte allen,<br />
wie man einen tiefen Suppenteller macht.<br />
&#8222;So&#8220;, sagte die Lehrerin.<br />
&#8222;Jetzt könnt ihr beginnen.&#8220;<br />
Der kleine Junge sah den Teller der Lehrerin an.<br />
Dann sah er seine eigenen Teller an.<br />
Seine eigenen Teller gefielen ihm besser.<br />
Aber er sagte nichts.<br />
Er rollte nur seinen Lehm wieder zu einem Klumpen zusammen,<br />
und machte einen Teller wie den Teller der Lehrerin.<br />
Es war ein tiefer Suppenteller.</p>
<p>Und bald<br />
lernte der kleine Junge zu warten,<br />
und zuzusehen,<br />
und die Dinge genauso zu machen wie die Lehrerin.<br />
Und bald hörte er auf,<br />
von sich aus Dinge zu machen.</p>
<p>Dann geschah es,<br />
dass der kleine Junge und seine Familie<br />
in ein anderes Haus zogen<br />
in einer anderen Stadt.<br />
Und der kleine Junge<br />
musste zu einer anderen Schule gehen. Diese Schule war noch grösser<br />
als die andere,<br />
und es gab keine äussere Tür<br />
zu seinem Schulzimmer.<br />
Er musste eine grosse Treppe hinaufsteigen<br />
und durch einen langen Korridor gehen,<br />
bis er zu seinem Schulzimmer kam.</p>
<p>Und am ersten Tag,<br />
als er dort war,<br />
sagte die Lehrerin:<br />
&#8222;Heute machen wir eine Zeichnung.&#8220;<br />
&#8222;Gut!&#8220;, dachte der kleine Bub.<br />
Und er wartete, bis die Lehrerin<br />
ihm sagen würde, was er zu tun hätte.<br />
Aber die Lehrerin sagte nichts.<br />
Sie ging nur im Schulzimmer umher.<br />
Als sie zu dem kleinen Jungen kam,<br />
sagte sie: &#8222;Willst du nichts zeichnen?&#8220;<br />
&#8222;Doch&#8220;, sagte der kleine Junge.<br />
&#8222;Was zeichnen wir?&#8220;<br />
&#8222;Das weiss ich nicht, solange du es nicht zeichnest&#8220;, sagte die Lehrerin.<br />
&#8222;Wie soll ich es machen?&#8220; fragte der kleine Junge.<br />
&#8222;Warum, mach es so wie du willst&#8220;, sagte die Lehrerin.<br />
&#8222;Und egal mit welcher Farbe?&#8220; fragte der kleine Junge.<br />
&#8222;Egal mit welcher Farbe&#8220;, sagte die Lehrerin.<br />
&#8222;Wenn alle dasselbe zeichneten,<br />
und mit denselben Farben,<br />
wie wüsste ich dann, wer was gezeichnet hat,<br />
und wem welches Bild gehört?&#8220;<br />
&#8222;Ich weiss nicht&#8220;, sagte der kleine Junge.</p>
<p>Und er begann eine rote Blume zu zeichnen,<br />
mit einem grünen Stiel.</p>
<p><em>(Helen E.Buckley, &#8222;One Little Boy&#8220;. Zitiert in: Raymond und Dorothy Moore, &#8222;The Successful Homeschool Family Handbook&#8220;.)</em></p>
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	</item>
		<item>
		<title>Guten Tag, ihr unwürdigen Sünder! (Teil 2)</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Dec 2011 20:38:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>NovumTestamentum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Nachdenkliches und Herausforderndes]]></category>
		<category><![CDATA[billige Gnade]]></category>
		<category><![CDATA[Billy Graham]]></category>
		<category><![CDATA[Evangelikale]]></category>
		<category><![CDATA[Evangelische]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinde]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeindezucht]]></category>
		<category><![CDATA[Heiligkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Luther]]></category>
		<category><![CDATA[Pharisäer]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtfertigung]]></category>
		<category><![CDATA[Sünder]]></category>
		<category><![CDATA[Zöllner]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein wenig Geschichte Diese ganze Verwirrung hat einen historischen Hintergrund. Martin Luther legte grosses Gewicht auf die Lehre von der Erlösung durch Glauben, nicht durch Werke; und dass kein Mensch &#8211; auch ein Christ nicht &#8211; aus sich selber heraus gut sein kann; aber dass Gott ihm aus Gnade vergibt. Und er ging mit dieser [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=christlicheraussteiger.wordpress.com&amp;blog=7800286&amp;post=579&amp;subd=christlicheraussteiger&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ein wenig Geschichte</strong></p>
<p>Diese ganze Verwirrung hat einen historischen Hintergrund. Martin Luther legte grosses Gewicht auf die Lehre von der Erlösung durch Glauben, nicht durch Werke; und dass kein Mensch &#8211; auch ein Christ nicht &#8211; aus sich selber heraus gut sein kann; aber dass Gott ihm aus Gnade vergibt. Und er ging mit dieser Lehre bis zu dem Extrem, dass er sagte, ein Christ sei &#8222;simul iustus et peccator&#8220;, gleichzeitig Gerechter und Sünder. Bei anderer Gelegenheit sagte er sinngemäss: &#8222;Ich dachte, den alten Adam ersäuft zu haben; aber der Schuft kann schwimmen.&#8220;</p>
<p>Luther war zweifellos ein sehr grosser und bedeutender Reformator. Aber derselbe Luther stellte auch das Prinzip des <em>&#8222;sola scriptura&#8220;</em> auf. D.h. dass es in der Kirche keine Lehrautorität ausserhalb der Heiligen Schrift gibt. Weder die &#8222;kirchliche Tradition&#8220;, noch der Papst, noch irgendein berühmter Pfarrer oder Theologe, kann die letzte Autorität sein in Fragen der christlichen Lehre. Somit müssen wir dieses Prinzip auch auf die Lehren von Luther selber anwenden, und müssen sagen: &#8222;In diesem Punkt haben Sie sich geirrt, Doktor Martinus. Die Schrift bestätigt das &#8216;simul&#8217; nicht; und sie sagt auch nicht, der alte Mensch könne schwimmen.&#8220; (Die Frage des &#8216;simul&#8217; haben wir schon oben behandelt.)</p>
<p>Vom historischen Hintergrund her können wir verstehen, dass Luther in diesem Punkt über das Ziel hinausgeschossen hat. In jener Zeit hatten die Menschen ein ganz anderes Lebensgefühl als die heutigen modernen und postmodernen Menschen. Das Sündenbewusstsein durchdrang alles. Man fühlte ständig auf seinen Schultern die drückende Last der Sünde &#8211; eine Last, die nur erleichtert werden konnte mittels guter Werke zugunsten einer allmächtigen Kirche. Einige gingen so weit, dass sie all ihr Hab und Gut aufwendeten, um (wie sie glaubten) ihre Seele, oder die Seele eines Verwandten, aus dem Fegefeuer zu retten, wo sie für ihre Sünde leiden mussten. Die Bemühungen, sich von der Sünde zu befreien, nahmen einen grossen Teil des Lebens ein. Jene armen Menschen bereuten ihre Sünden bereits; sie waren bereits auf der Suche nach Erlösung. Aber es war sehr nötig ihnen zu sagen, dass ihre eigenen Bemühungen dazu weder nützlich noch notwendig waren, sondern dass die Gnade Jesu alles war. Und einmal zum Glauben gekommen, musste man ihnen sagen, dass ihre Bekehrung und Erlösung nicht ihr eigenes Verdienst war: Nicht sie selber waren es, die &#8222;so gut&#8220; waren, dass sie die Erlösung verdient hätten. Und so können wir verstehen, dass Luther diese Wahrheit überbetont hat. Es geschieht manchmal, wenn die Kirche weit vom Weg abgeirrt ist, dass eine starke Persönlichkeit es für notwendig erachtet, sie so kräftig zurückzuziehen, dass sie im Endergebnis auf der anderen Seite vom Weg abkommt.</p>
<p>Das war es, was mit Luthers Lehre geschah. Diese Lehre war nötig für ein Volk, das übermenschliche Anstrengungen unternahm, um sich selber von der Last der Sünde zu befreien; und das nachher auf diese Anstrengungen stolz war. Aber die heutige Situation ist anders. Der moderne Mensch, auch der moderne Christ, spürt sehr wenig echte Überführung von seiner Sünde; und er unternimmt noch weniger Anstrengungen, sich davon zu befreien. Die kostbare Gnade, die Luther verkündet hatte, ist unter der Predigt der modernen Kirche zu einer billigen Gnade verkommen. Heute wird &#8222;Gnade für alle&#8220; verkündet, auch für jene, die ihre Sünde gar nicht bereuen. Angesichts dieser modernen Kirche muss laut gesagt werden: &#8222;Es ist nicht möglich, Christ und Sünder zugleich zu sein. &#8216;Christ&#8217; und &#8216;Sünder&#8217; sind Gegensätze wir Feuer und Wasser.&#8220;</p>
<p>Damit stellt sich die Frage: Was sind denn jene, die sich &#8222;Christen&#8220; und &#8222;Sünder&#8220; zugleich nennen? Sind sie Heilige, die noch nicht verstanden haben, dass sie heilig sind? Oder sind sie Sünder, die irrtümlich glauben, sie seien Christen? &#8211; Soweit ich sie bis jetzt kennengelernt habe, muss ich annehmen, dass für die Mehrheit Letzteres zutrifft: Sie haben völlig recht, wenn sie sich selber &#8222;Sünder&#8220; nennen; aber sie irren sich sehr, wenn sie denken, dass sie so Christen sein könnten. Tatsächlich ist die Mehrheit von ihnen noch nicht bis zu Römer 3,24 gelangt: sie sind nie von ihrer Sünde umgekehrt und sind nie zum echten rettenden Glauben an Christus gekommen. Beweis dafür ist, dass sie weiterhin in Sünde leben; und dass sie die Wirksamkeit des Opfers Jesu <em>zur Befreiung von der Sünde</em> leugnen.</p>
<p><strong>Kann der alte Adam schwimmen?</strong></p>
<p>Anscheinend fühlte sich Luther entmutigt, als er feststellte, dass er auch nach seiner Bekehrung noch sündigte. (Hier sehen wir wieder den grossen Unterschied zwischen jener Zeit und der heutigen Kirche: Die heutigen &#8222;Christen&#8220; sündigen zwar auch, aber es bekümmert sie nicht mehr.) So kam er zur (falschen) Schlussfolgerung, &#8222;der alte Adam könne schwimmen&#8220;. Aber die betreffende Bibelstelle ist sehr klar:</p>
<blockquote><p><em><strong>&#8222;&#8230; unser alter Mensch ist mit (Jesus) gekreuzigt worden, damit der Leib der Sünde zunichte gemacht werde, damit wir nicht mehr der Sünde dienen. (&#8230;) Denn was er (Christus) gestorben ist, das ist er der Sünde ein für allemal gestorben; was er aber lebt, das lebt er für Gott. So auch ihr &#8230;&#8220; (Römer 6,6.10-11)</strong></em></p></blockquote>
<p>In einem echten Christen ist der &#8222;alte Mensch&#8220; ganz klar tot, und nichts weist darauf hin, er könne auferstehen.<br />
Warum sündigen dann auch die echten Christen ab und zu? &#8211; Die Antwort finden wir in Römer 8:</p>
<blockquote><p><em><strong>&#8222;Denn das Trachten des Fleisches ist Tod, das Trachten des Geistes aber Leben und Frieden; denn das Trachten des Fleisches ist Feindschaft gegen Gott; denn es unterwirft sich dem Gesetz Gottes nicht; </strong></em><strong>es vermag das ja auch nicht.</strong><em><strong> (&#8230;) Also sind wir nun, ihr Brüder, Schuldner nicht dem Fleisch, nach dem Fleisch zu leben. Denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, müsst ihr sterben; wenn ihr aber durch den Geist die Taten des Leibes tötet, werdet ihr leben.&#8220; (Römer 8,6-7.12-13)</strong></em></p></blockquote>
<p>Hier spricht Paulus nicht vom &#8222;alten Menschen&#8220;, sondern vom &#8222;Fleisch&#8220;. Das ist nicht dasselbe! Der &#8222;alte Mensch&#8220; ist die Natur des nicht wiedergeborenen Menschen, die ihn unweigerlich in die Sünde zieht. Das ist der &#8222;Sünder&#8220; von Natur aus. Das &#8222;Fleisch&#8220; hingegen ist einfach schwach. Mit &#8222;Fleisch&#8220; fasst Paulus alle Anstrengungen, Neigungen und Möglichkeiten zusammen, die der Mensch von sich aus hat, ohne die Hilfe Gottes. Dieses &#8222;Fleisch&#8220; kann sogar gut und religiös sein (siehe Philipper 3,4-7). Aber es kann nicht wirklich den Willen Gottes erfüllen, wie wir soeben gelesen haben.</p>
<p>Ein Christ sündigt also ab und zu, nicht weil er noch Sünder wäre, sondern weil er einfach Mensch ist und deshalb schwach. Und Römer 8 zeigt uns einen Ausweg aus dieser Schwachheit: &#8222;nach dem Geist&#8220; zu leben und zu denken, statt &#8222;nach dem Fleisch&#8220;. D.h. uns auf die Kraft und die Möglichkeiten Gottes und seines Geistes abzustützen, statt auf unsere eigenen menschlichen Anstrengungen.</p>
<p>Wir können den Unterschied wie folgt illustrieren: Stellen wir uns ein aus Holz geschnitztes Zebra vor, mit weissen und schwarzen Streifen. Ist das ein Zebra aus weissem Holz mit aufgemalten schwarzen Streifen, oder ist es aus schwarzem Holz mit aufgemalten weissen Streifen? Auf den ersten Blick können wir den Unterschied vielleicht gar nicht erkennen. Aber wenn wir ein wenig Schleifpapier nehmen und zu schleifen anfangen, dann wird die Farbe bald abgehen, und die wirkliche Farbe des Holzes wird sichtbar. So ist es auch mit dem Unterschied zwischen dem Sünder und dem Christen. Die wahre Natur des Sünders ist Sünde, wie sehr er sich auch bemühen mag, gute Taten zu tun und sogar in der Kirche mitzuarbeiten und sich einen christlichen Anschein zu geben. Diese Anstrengungen sind wie aufgemalte weisse Streifen. Wenn Gott anfängt, dieses Leben zu &#8222;schleifen&#8220; und auf die Probe zu stellen, dann wird mit der Zeit seine wahre Natur zum Vorschein kommen. &#8211; Ebenso ist es mit dem Christen. Seine wahre Natur ist Heiligkeit, obwohl er noch ab und zu in Sünde fällt. Diese Sünden sind wie aufgemalte schwarze Streifen. Wenn Gott das Leben des Christen auf die Probe stellt, dann wird er nach und nach von diesen schwarzen Streifen befreit, und seine wahre Natur wird deutlicher sichtbar werden.</p>
<p>Das ist die grosse Wahrheit von Offenbarung 22,11-12:</p>
<blockquote><p><em><strong>&#8222;Wer Unrecht tut, der tue noch (mehr) Unrecht, und wer unrein ist, der verunreinige sich noch (mehr); und der Gerechte übe noch (mehr) Gerechtigkeit, und der Heilige heilige sich noch (mehr)! Siehe, ich komme bald und mein Lohn mit mir, um jedem zu vergelten, wie sein Werk ist.&#8220;</strong></em></p></blockquote>
<p>Einige, die sehr &#8222;reformiert&#8220; sein möchten, lehren, die Erlösung sei nichts anderes als eine Art göttlicher Etikettenschwindel. Als ob Gott sagen würde: &#8222;Der Sünder Soundso möchte der Strafe für seine Sünden entgehen und hat meinen Namen angerufen; also klebe ich ihm jetzt die Etikette &#8216;gerecht und heilig&#8217; auf, obwohl sein Leben immer noch so ungerecht und sündig ist wie vorher.&#8220; Eine solche Lehre stellt Gott als Lügner dar. Die Rechtfertigung wäre keine Rechtfertigung, wenn der &#8222;Gerechtfertigte&#8220; weiterhin ungerecht wäre. (Aus diesem Irrtum heraus übersetzen einige Bibelausgaben &#8222;gerechtsprechen&#8220; und &#8222;Gerechtsprechung&#8220;, statt &#8222;rechtfertigen&#8220; und &#8222;Rechtfertigung&#8220;. Noch besser wäre eigentlich der Ausdruch &#8222;Gerecht<em>machung</em>&#8222;.) Man kann nicht &#8222;theoretisch gerecht und praktisch ungerecht&#8220; sein. Gott prangert diese Haltung mit starken Worten an:</p>
<blockquote><p><em><strong>&#8222;Wie? da stiehlt man und mordet, bricht die Ehe und schwört Meineide, opfert dem Baal und läuft andern Göttern nach, die man nicht kennt &#8211; und dann kommt ihr und tretet vor mein Angesicht in diesem Hause, das nach meinem Namen genannt ist, und sprecht: &#8216;Wir sind frei!&#8217; &#8211; um all diese Greuel weiterhin zu treiben! Ist denn dieses Haus, das nach meinem Namen genannt ist, in euren Augen eine Räuberhöhle geworden? Auch ich, fürwahr, ich sehe es, spricht der Herr.&#8220; (Jeremia 7,9-11)</strong></em></p></blockquote>
<p>Was sagte Jesus zu der Ehebrecherin, nachdem er ihr vergeben hatte? - <em><strong>&#8222;Auch ich verurteile dich nicht; geh, sündige von jetzt an nicht mehr!&#8220; (Johannes 8,11)</strong></em><br />
Und was sagte Jesus zum Gelähmten, den er geheilt hatte? -<em><strong> &#8220;Siehe, du bist gesund geworden; sündige nicht mehr, damit dir nicht etwas Schlimmeres widerfährt!&#8220; (Johannes 5,14)</strong></em></p>
<p>Das <em><strong>&#8222;Sündige nicht mehr&#8220;</strong></em> gehört untrennbar zum Werk der Wiederherstellung, das Jesus in einem Menschen tut. Legt Jesus uns damit eine unerträgliche Last auf? &#8211; Keineswegs. Das Gebot &#8222;Sündige nicht mehr&#8220; gehört in dieselbe Kategorie wie das vorangehende Gebot, das er zum Gelähmten sagte: <em><strong>&#8222;Steh auf, nimm dein Bett und geh umher!&#8220; (Johannes 5,8)</strong></em> Wahrlich eine unerträgliche Last! Dieser Mann <em>konnte</em> doch gar nicht gehen! Aber der Gelähmte sah es nicht so. Im Gegenteil, für ihn war das eine Botschaft übernatürlicher Befreiung: Wenn Jesus es mir sagt, dann kann ich! Und er stand auf und ging umher.<br />
- Dasselbe gilt für das Gebot &#8222;Sündige nicht mehr&#8220;. Für jene, die das übernatürliche Geschenk Jesu verachten, ist dieses Gebot eine unerträgliche Last, eine &#8222;Gesetzlichkeit&#8220;, eine &#8222;altmodische Forderung&#8220;. Aber für jene, die den Herrn wirklich kennengelernt haben und auf ihn vertrauen, ist es eine Botschaft übernatürlicher Befreiung: Von mir selber aus kann ich nicht. Aber wenn der Herr Jesus es mir sagt, dann kann ich!</p>
<p><strong>Die faulen Früchte der &#8222;unwürdigen Sünder&#8220;</strong></p>
<p>Ginge es nur um einen Streit um Worte, dann hätte ich mir nicht die Mühe gemacht, diesen Artikel zu schreiben. Aber diese Lehre der &#8222;unwürdigen Sünder&#8220; hat ganze evangelische Gemeindeverbände verdorben. Mit dieser Lehre ist die ganze christliche Ethik auf den Kopf gestellt worden. Die Pharisäer zur Zeit Jesu verachteten die Ehebrecher, die Prostituierten, die Diebe, die Landesverräter. Aber die heutigen Pharisäer verachten jene ernsthaften Christen, die von ganzem Herzen Jesus gefallen möchten!<br />
Heute gilt es als &#8222;gut&#8220; und &#8222;mitleidig&#8220;, die nicht-reuigen Sünder weiter ihr sündiges Leben leben zu lassen, auch innerhalb der Kirche. Als ob das Mitleid wäre, zuzulassen, dass die Christen weiterhin bestohlen, betrogen, missbraucht und misshandelt werden von ihren &#8222;Mitbrüdern&#8220;, und sogar von ihren Pastoren! &#8211; Und es gilt als &#8222;böse&#8220;, Sünde zu konfrontieren und Sünder zur Umkehr zu rufen. Heute ist es also &#8222;böse&#8220;, dieselbe Botschaft zu verbreiten, die Jesus und die Apostel während ihrer ganzen Wirkungszeit verkündigten. (Siehe Matthäus 4,17; 9,13; Lukas 24,47; Apostelgeschichte 2,38; 3,19; 14,15; u.v.a.m.)</p>
<p>Die sogenannte &#8222;Gemeindezucht&#8220; ist derart pervertiert worden, dass sie jetzt nicht mehr dazu dient, unbussfertige Sünder zu korrigieren. Im Gegenteil, die &#8222;Gemeindezucht&#8220; dient jetzt dazu, jene zum Schweigen zu bringen und aus der Gemeinde auszuschliessen, die die Sünde aufdecken. Diese werden jetzt &#8222;lieblos&#8220;, &#8222;mitleidslos&#8220;, &#8222;Rebellen&#8220; und &#8222;Kirchenspalter&#8220; genannt. (Insbesondere, wenn sie die Sünde eines Leiters aufdecken.) Ich kann schon gar nicht mehr zählen, wie oft mir evangelikale sogenannte Geschwister &#8222;Lieblosigkeit&#8220; vorgeworfen haben, weil ich in einem konkreten Fall erklärte, sexueller Kindsmissbrauch sei eine Sünde, die nach einer disziplinarischen Massnahme rufe. Wäre es dann &#8222;liebevoller&#8220; zu schweigen, damit mehr Kinder zu Opfern werden?</p>
<p>Mit dieser falschen Lehre sind einige Kirchen tatsächlich zu Räuberhöhlen geworden. Sie wurden zu Zufluchtsorten für allerart Verbrecher, die sich dort unter dem Mantel einer falsch verstandenen &#8222;christlichen Gnade&#8220; verkriechen können. Wie folgendes Beispiel illustriert::</p>
<blockquote><p>&#8222;Charles Colson erzählte die Geschichte von Mickey Cohen, dem Anführer der Mafia von Los Angeles vor etwa dreissig Jahren. Mickey Cohen ging zu einer Evangelisation von Billy Graham und sprach ein Gebet, um Jesus als seinen Erlöser anzunehmen. Trotzdem führte er weiterhin die Mafia an in allen ihren ungesetzlichen und unmoralischen Aktivitäten. Schliesslich ging ein mutiger Christ, der ebenfalls Teil der Mafia gewesen war, zu Mickey und erklärte ihm, dass er nicht so weiterleben könne, wie er in der Vergangenheit gelebt hatte. Mickey widersetzte sich und sagte, an der Evangelisation hätte ihm niemand gesagt, er solle aufhören, die Mafia anzuführen. Der Christ zeigte ihm aus der Schrift, dass er aufhören sollte, solche Dinge zu praktizieren. Als Mickey das hörte, sagte er: &#8216;Wenn mir jemand das alles von Anfang an erklärt hätte, dann hätte ich nicht Jesus angenommen.&#8217; Er führte weiterhin die Mafia an, bis er an Krebs starb.&#8220;<br />
<em>(Quelle (auf Spanisch): Zeitschrift &#8222;PlaticAMOS&#8220; vom Dezember 2001, bei </em><a href="http://www.amos524.org/"><em>http://www.amos524.org</em></a><em> )</em></p></blockquote>
<p>Diese Situation hat das Zeugnis von Jesus Christus befleckt, überall da, wo es solche Kirchen von &#8222;unwürdigen Sündern&#8220; gibt. Ich kann es in meiner persönlichen Umgebung beobachten: Die Mehrheit der Menschen haben schlechte Erfahrungen gemacht mit Evangelischen/Evangelikalen, und deshalb haben sie kein Interesse am Evangelium. Tatsächlich richten sich die Worte des Apostels Paulus an die gegenwärtigen Kirchen:</p>
<blockquote><p><em><strong>&#8222;Du, der du dich des Gesetzes </strong></em><em>(der Bibel)</em><em><strong> rühmst, entehrst Gott durch die Übertretung des Gesetzes </strong></em><em>(der Bibel)</em><em><strong>. Denn der Name Gottes wird um euretwillen unter den Völkern gelästert, wie geschrieben steht.&#8220; (Römer 2,23-24)</strong></em></p></blockquote>
<p>Es ist die Ehre Gottes, der gute Ruf Gottes, der hier auf dem Spiel steht.</p>
<p><strong>Schluss</strong></p>
<p>Wenn Sie ein &#8222;unwürdiger Sünder&#8220; sind, dann bekehren Sie sich! Es wird Ihnen nichts nützen, einfach die Worte zu ändern und sich von jetzt an &#8222;Heiliger&#8220; zu nennen. Das wird Ihre Natur nicht ändern. Kehren Sie zu Jesus um, von Herzen und mit Taten! Dann vertrauen Sie auf ihn für Ihre Wiedergeburt und die Wiederherstellung Ihres Lebens.</p>
<p>Wenn Sie ein Christ sind, der wirklich den Herrn liebt und sucht, dann schliessen Sie sich nicht einer Kirche von &#8222;unwürdigen Sündern&#8220; an! Die dortigen Leiter verachten, tadeln und entmutigen jeden, der nach Heiligkeit sucht. Sie werden Sie &#8222;gesetzlich&#8220;, &#8222;lieblos&#8220;, &#8222;Perfektionist&#8220;, und Schlimmeres nennen. Sie werden alles tun, was in ihrer Macht steht, um Sie auf die Ebene desselben erbärmlichen, heuchlerischen Lebens hinunterzuziehen, das sie selber leben. Suchen Sie eine Gemeinschaft von Christen, die den Herrn wahrhaftig lieben.</p>
<p>Ich möchte nicht missverstanden werden. Es ist auch in dieser Angelegenheit möglich, sich ins andere Extrem zu verirren. So geschah es in einigen Teilen der Gemeinde des 2. und 3. Jahrhunderts, die lehrten, es gebe keine Vergebung mehr für Sünden, die nach der Taufe begangen werden. So geschah es auch in einigen Teilen des frühen Methodismus und der Heiligungsbewegung des 19.Jahrhunderts, wo eine so vollständige Vollkommenheit gepredigt wurde, dass wer sie erreichte, von keiner Versuchung mehr besiegt werden könnte. Eine solche Lehre führt zur Verzweiflung für jene, die eine solche Vollkommenheit anstreben und sie nicht erreichen. Sie kann auch zu einer übertriebenen Gemeindezucht führen, welche die Umkehr und Wiederherstellung selbst jenen verweigert, die wirklich reuig sind. &#8211; Aber gegenwärtig sehe ich keine Gefahr, dass diese Strömung wieder die Oberhand gewinnen könnte. Zumindest nicht, solange man noch in einer evangelikalen Kirche unter Gemeindezucht gestellt werden kann, nur weil man die Sünde Sünde nennt.</p>
<p>Im übrigen möchte ich betonen, dass die Rechtfertigung und Heiligung immer ein Geschenk Gottes ist; kein Verdienst des Menschen. Aber ebenso möchte ich betonen, dass Gott dieses Geschenk tatsächlich jedem geben <em><strong>will</strong></em>, der danach strebt. Die schlimmste Sünde der &#8222;unwürdigen Sünder&#8220; besteht darin, dass sie dieses Geschenk verachten und mit Füssen treten, oder dessen Existenz überhaupt leugnen; und dass sie jene, die es suchen, daran hindern, es zu empfangen. Da sie selber das Vorrecht eines Lebens in der Nachfolge Jesu nicht kennen, wollen sie es auch niemand anderem zugestehen. Sie sind hierin wie jene Pharisäer, von denen Jesus sagte: &#8222;Ihr schliesst das Himmelreich vor den Menschen zu. Denn ihr kommt nicht hinein, und die, welche hinein wollen, lasst ihr nicht hinein.&#8220; (Matthäus 23,13) Hoffen und beten wir, dass der Herr selber diesen Usurpatoren die Schlüssel des Himmelreichs entreisst und sie jenen zurückgibt, denen sie rechtmässig gehören: nämlich jenen, die wirklich hinein wollen.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/christlicheraussteiger.wordpress.com/579/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/christlicheraussteiger.wordpress.com/579/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/christlicheraussteiger.wordpress.com/579/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/christlicheraussteiger.wordpress.com/579/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/christlicheraussteiger.wordpress.com/579/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/christlicheraussteiger.wordpress.com/579/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/christlicheraussteiger.wordpress.com/579/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/christlicheraussteiger.wordpress.com/579/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/christlicheraussteiger.wordpress.com/579/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/christlicheraussteiger.wordpress.com/579/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/christlicheraussteiger.wordpress.com/579/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/christlicheraussteiger.wordpress.com/579/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/christlicheraussteiger.wordpress.com/579/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/christlicheraussteiger.wordpress.com/579/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=christlicheraussteiger.wordpress.com&amp;blog=7800286&amp;post=579&amp;subd=christlicheraussteiger&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Guten Tag, ihr unwürdigen Sünder!</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Dec 2011 18:17:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>NovumTestamentum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Nachdenkliches und Herausforderndes]]></category>
		<category><![CDATA[billige Gnade]]></category>
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		<category><![CDATA[Kirche]]></category>
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		<description><![CDATA[Vorbemerkung: Dies ist die Wiedergabe eines Artikels, den ich ursprünglich auf Spanisch veröffentlichte, im Bezug auf eine hier sehr konkrete und sehr verbreitete Situation. Da ich nicht mehr allzuviel Kontakt ausserhalb von Perú habe, kann ich nicht beurteilen, wie weit das Folgende auch auf den deutschsprachigen Raum zutrifft. Ich veröffentliche es hier trotzdem, &#8222;nur für [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=christlicheraussteiger.wordpress.com&amp;blog=7800286&amp;post=575&amp;subd=christlicheraussteiger&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><span style="text-decoration:underline;">Vorbemerkung:</span></em><em> Dies ist die Wiedergabe eines Artikels, den ich ursprünglich auf Spanisch veröffentlichte, im Bezug auf eine hier sehr konkrete und sehr verbreitete Situation. Da ich nicht mehr allzuviel Kontakt ausserhalb von Perú habe, kann ich nicht beurteilen, wie weit das Folgende auch auf den deutschsprachigen Raum zutrifft. Ich veröffentliche es hier trotzdem, &#8222;nur für den Fall, dass&#8230;&#8220;.</em></p>
<p>In gewissen evangelischen/evangelikalen Kreisen herrscht die Gewohnheit zu sagen: &#8222;Ich bin ja nur ein unwürdiger Sünder.&#8220; &#8222;Wir sind doch alle unwürdige Sünder.&#8220; Manche wiederholen diese Worte ohne nachzudenken, weil die anderen es auch sagen. Aber Gott möchte nicht, dass wir Papageien sind, die alles gedankenlos nachplappern. Er möchte, dass wir alles prüfen, was wir hören (1. Thessalonicher 5,21). Prüfen wir also diese Gewohnheit, und sehen wir, was die Bibel dazu sagt.</p>
<p><strong>¿Warum sagen sie: &#8222;Ich bin ein unwürdiger Sünder&#8220;?</strong></p>
<p>Ich habe mehrere Evangelische/Evangelikale gefragt, warum sie diese Worte benützen. Wie gesagt, manche wussten nichts zu antworten, weil sie noch gar nie darüber nachgedacht hatten. Einige sagten: &#8222;Hat uns nicht Jesus beigebracht, wir sollen so beten?&#8220; &#8211; Damit bezogen sie sich auf das Gleichnis vom Pharisäer und vom Zöllner (Lukas 18,9-14), wo Jesus sagt:</p>
<blockquote><p><em><strong>&#8222;Der Zöllner aber stand von ferne und wollte nicht einmal seine Augen zum Himmel erheben, sondern er schlug an seine Brust und sprach: O Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser ging mehr gerechtfertigt nach Hause als jener. Denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden; wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden.&#8220; (Lukas 18,13-14)</strong></em></p></blockquote>
<p>Warum handelte der Zöllner so? Offenbar, weil er sich seiner Sünde bewusst war, und so vor Gott seine <em><strong>Reue</strong></em> ausdrückte. Er wusste sehr gut, dass er vor Gott nicht gerecht war mit dem Leben, das er lebte; und suchte <em><strong>Vergebung</strong></em>. Jesus erzählte dieses Gleichnis <em><strong>&#8222;zu etlichen, die auf sich selber vertrauten als Gerechte, und die übrigen verachteten&#8220;</strong></em> (Vers 9). Diese, die Pharisäer, brauchten <em>auch</em> Vergebung; aber sie waren sich dessen nicht bewusst.</p>
<p>Wenn jetzt mein evangelischer/evangelikaler Freund in seinem Gebet in der Kirche dieselben Worte braucht wie der Zöllner, wird er dieselbe Belohnung erhalten? &#8211; Nicht unbedingt. Reue und Umkehr sind Dinge des Herzens und der Taten, nicht der Worte, die wir benützen. Und unter jenen, die ich befragte, war keiner, der geantwortet hätte, er bete so, weil er seine Sünden bereute. Stattdessen antworteten sie, sie beteten so, &#8222;weil der Herr gesagt hat, wir sollen so beten&#8220;. Sehen wir, was für eine Haltung sich hier offenbart:</p>
<p>Die Pharisäer hatten gelernt, dass sie, um gerecht zu sein, zeigen müssten, dass sie das Gesetz Gottes in jedem Detail befolgten. Oder besser gesagt, das &#8222;Zeigen&#8220; vor den Menschen war noch wichtiger als das Befolgen. Deshalb dachte der Pharisäer im Gleichnis, gerechtfertigt zu sein, indem er sich seines Gehorsams rühmte. Vor den Menschen <em>erweckte er den Anschein</em> von etwas, was in seinem Herzen nicht Wirklichkeit war.</p>
<p>Und was lernen heute die Gemeindeglieder, welche die Worte des Zöllners wiederholen? Es wird ihnen gesagt, um gerechtfertigt zu werden, müssten sie &#8222;demütig&#8220; sein und sich selber &#8222;Sünder&#8220; nennen. Somit tun sie es, denn sie wollen, dass die anderen Gemeindeglieder sehen, dass sie die richtigen Worte gebrauchen. Das heisst, <em>auch sie erwecken nur einen Anschein!</em> Sie gebrauchen Worte, die in ihrem ursprünglichen Zusammenhang Reue und Umkehr ausdrückten; aber da ist keine Umkehr in ihren Herzen und in ihren Leben. Die Mehrheit jener, die sagen &#8222;ich bin ein unwürdiger Sünder&#8220;, <em>glauben in Wirklichkeit gar nicht, dass sie Sünder sind.</em></p>
<p>Machen Sie die Probe. Nennen <em>Sie</em> einmal jemanden &#8222;unwürdiger Sünder&#8220;, der gewohnheitsmässig diese Worte gebraucht, und beobachten Sie die Reaktion. Ich tat das einmal in einer solchen Gemeinde, die mich eingeladen hatte. Nach der Gebetszeit begrüsste ich die Versammlung: &#8222;Guten Tag, ihr unwürdigen Sünder.&#8220; Ich blickte in einige sehr, sehr verärgerte Gesichter. Da war es mit der Demut vorbei! &#8211; Ich sagte ihnen: &#8222;Warum ärgern Sie sich? Ich habe doch nur dasselbe gesagt, was Sie selber vor einigen Minuten in Ihren Gebeten gesagt haben.&#8220; &#8211; Aber eben: sie hatten ihre Gebete ja gar nicht ernst gemeint. Sie waren gar nicht überführt von ihrer Sünde. Sie hatten lediglich so gebetet, um vorzuzeigen, dass sie die &#8222;richtigen Worte&#8220; wussten.</p>
<p>In Wirklichkeit ist diese Art des &#8222;Anschein Erweckens&#8220; noch schlimmer als die der Pharisäer. Ja, die Pharisäer waren stolz; aber sie zeigten ihren Stolz wenigstens offen. Jene hingegen, die sagen &#8222;Ich bin ein unwürdiger Sünder&#8220;, ohne wirklich daran zu glauben, verstecken ihren Stolz hinter einer falschen Demut.</p>
<p>- Ich bin mir bewusst, dass auch die gegenteilige Strömung existiert, jene des &#8222;positiven Bekenntnisses&#8220;. Dort wird den Leuten beigebracht, zu &#8222;bekennen&#8220;, sie seien gesund, während sie noch krank im Bett liegen; zu &#8222;bekennen&#8220;, sie seien siegreich, während in Wirklichkeit alles schiefgeht; und zu &#8222;bekennen&#8220;, sie seien heilig, während sie noch in einer Vielzahl von Sünden gefangen sind. In keiner Bibelstelle wird uns angeraten, so etwas zu tun. Ein echter Christ darf sich &#8222;heilig&#8220; nennen, weil das die Wirklichkeit seines Lebens ist; aber Gott sagt nicht zu einem falschen Christen, er solle sich &#8222;heilig&#8220; nennen, wenn in seinem Leben keine Heiligkeit vorhanden ist. Aber das ist ein anderes Problem, das in einem eigenen Artikel behandelt werden müsste.</p>
<p><strong>Ein Christ ist ein Heiliger</strong></p>
<p>Gibt es eine biblische Grundlage dafür, einen Christen &#8222;Sünder&#8220; zu nennen? Das Neue Testament ist hierin konsequent: die Christen heissen &#8222;Heilige&#8220;, und die Nichtchristen heissen &#8222;Sünder&#8220;. Paulus schrieb seine Briefe an die &#8222;Heiligen&#8220; in Korinth, Ephesus, Philippi, usw. Nicht an die &#8222;Sünder in Korinth&#8220;. &#8211; An die Römer schrieb er klar, dass ein Christ der Sünde gestorben ist:</p>
<blockquote><p><em><strong>&#8222;Was sollen wir nun sagen? Wollen wir in der Sünde verharren, damit die Gnade noch grösser werde? Das sei ferne! Die wir der Sünde abgestorben sind, wie sollten wir ferner in ihr leben? (&#8230;) So sollt auch ihr euch als solche ansehen, die für die Sünde tot sind, aber für Gott leben in Christus Jesus, unserem Herrn.&#8220; (Römer 6,1-2. 11)</strong></em></p></blockquote>
<p>Was die Sünder oder &#8222;Ungerechten&#8220; betrifft, so ist die Schrift klar darin, dass diese keine echten Christen sein können:</p>
<blockquote><p><em><strong>&#8222;Oder wisst ihr nicht, dass Ungerechte das Reich Gottes nicht ererben werden? Irrt euch nicht! Weder Unzüchtige noch Götzendiener, noch Ehebrecher noch Lustknaben noch Knabenschänder, noch Diebe noch Habsüchtige, noch Trunkenbolde noch Lästerer noch Räuber werden das Reich Gottes ererben. Und das sind euer etliche gewesen. Aber ihr habt euch abwaschen lassen, ja, ihr seid geheiligt worden, ja, ihr seid gerechtfertigt worden durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes.&#8220; (1. Korinther 6,9-10)</strong></em></p></blockquote>
<p>Klarer kann man den abgrundtiefen Unterschied zwischen einem &#8222;Sünder&#8220; und einem &#8222;Gerechten&#8220; oder &#8222;Heiligen&#8220; nicht ausdrücken.</p>
<p>Wie sollen wir dann das Gleichnis vom Pharisäer und vom Zöllner verstehen? &#8211; Jesus verurteilt hier sicher nicht das Streben nach Heiligkeit. Im Gegenteil, der Zöllner suchte genau das: Vergebung seiner Sünden und eine Wiederherstellung seines Lebens. Deshalb nennt ihn Jesus &#8222;gerechtfertigt&#8220;. Nicht weil er ein Sünder war, sondern weil er seine Sünde bereute! Und ebendiese Umkehr bewirkte, dass der Zöllner aufhörte, ein Sünder zu sein, und zu einem Gerechten wurde.<br />
Was Jesus hier verurteilt, ist die <em>Selbst</em>gerechtigkeit, d.h. das &#8222;Vertrauen auf sich selbst als Gerechter&#8220;. Und ironischerweise ist es genau das, was jene tun, die sich selber &#8222;unwürdige Sünder&#8220; nennen: Sie glauben, dadurch gerechtfertigt zu werden, dass sie vor den Menschen zeigen, wie &#8222;demütig&#8220; sie sind, statt die Gerechtigkeit zu suchen, die von Jesus Christus kommt.</p>
<p><strong>Einige häufige Fragen und Einwände</strong></p>
<p>Die &#8222;unwürdigen Sünder&#8220; pflegen auf die Darlegung dieser Wahrheiten mit 1.Johannes 1,8 zu antworten:</p>
<blockquote><p><em><strong>&#8222;Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst irre, und die Wahrheit ist nicht in uns.&#8220;</strong></em></p></blockquote>
<p>Bedeutet das, dass ein Christ sich &#8222;Sünder&#8220; nennen soll? &#8211; Keineswegs, und zwar aus drei Gründen:</p>
<p>1. Der unmittelbar vorangehende Vers versichert: <em><strong>&#8222;Das Blut Jesu, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde.&#8220; (1.Johannes 1,7)</strong></em> Wie soll jemand weiterhin &#8222;Sünder&#8220; sein, wenn er soeben von aller Sünde gereinigt worden ist? Wahrscheinlicher ist, dass Vers 8 sich auf jene Sünden bezieht, die <em>vor der Bekehrung zu Jesus</em> begangen wurden. Natürlich hat jeder Christ solche Sünden in seinem Leben, denn niemand wird als Christ geboren.</p>
<p>2. Auch wenn wir annehmen, unser Vers spreche von gegenwärtigen Sünden eines Christen: Macht ihn das schon zum Sünder? &#8211; Nein, denn dann kommt sofort Vers 9 zur Anwendung:</p>
<blockquote><p><em><strong>&#8222;Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, sodass er uns die Sünden vergibt und uns von aller Ungerechtigkeit reinigt.&#8220;</strong></em></p></blockquote>
<p>Also auch wenn ein Christ einmal eine Sünde begeht, dann wird er diese Sünde sogleich bereuen und sie vor dem Herrn bekennen, und dann reinigt ihn der Herr, und der Christ ist wiederum rein von der Sünde. &#8211; Beachten wir, dass der Herr nicht nur &#8222;von der Strafe für die Ungerechtigkeit&#8220; reinigt. Er reinigt uns von der Ungerechtigkeit selber!</p>
<p>3. Wenn wir einige Verse weiterlesen, dann wird die Absicht dieses ganzen Abschnitts klar. Leider hat irgendwann einmal in der Geschichte irgendein Schreiber beschlossen, nach 1.Johannes 1,10 ein neues Kapitel zu beginnen. Aber die Kapiteleinteilung ist nicht von Gott inspiriert, und in diesem besonderen Fall ist sie sehr unglücklich, weil sie den Zusammenhang auseinanderreisst. 1. Johannes 2,1-6 erklärt nämlich die Absicht der vorangehenden Verse:</p>
<blockquote><p><em><strong>&#8222;Meine Kinder, dies schreibe ich euch, damit ihr nicht sündigt. Und wenn jemand sündigt </strong></em><em>(d.h. wenn trotz allem ein Christ sündigt, was aber nicht der Normalfall ist)</em><em><strong>, dann haben wir einen Beistand beim Vater, Jesus Christus, den Gerechten. (&#8230;) Und daran erkennen wir, dass wir ihn erkannt haben: wenn wir seine Gebote halten. Wer sagt: Ich habe ihn erkannt, und hält seine Gebote nicht, der ist ein Lügner, und in dem ist die Wahrheit nicht.&#8220; (1. Johannes 2,1.3-4)</strong></em></p></blockquote>
<p>Johannes hat also Vers 1,8 offensichtlich nicht als Ausrede geschrieben, damit Christen weiter in Sünde leben könnten, ohne umzukehren. Im Gegenteil, er schrieb diesen Vers im Zusammenhang eines Ratschlags, <em>wie wir von der Sünde frei sein können</em>. Wer noch daran zweifelt, möge auch 1.Johannes 3,6-8 lesen:</p>
<blockquote><p><em><strong>&#8222;Jeder, der in ihm bleibt, sündigt nicht. Jeder, der sündigt, hat ihn nicht gesehen und ihn nicht erkannt. Kinder, niemand soll euch irreführen! Wer die Gerechtigkeit tut, ist gerecht, wie jener gerecht ist. Wer die Sünde tut, stammt vom Teufel; denn der Teufel sündigt von Anfang an. Dazu ist der Sohn Gottes erschienen, die Werke des Teufels zu zerstören.&#8220;</strong></em></p></blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<p>- Ein anderer Einwand, den ich hörte, kommt aus Römer 3,9-10:</p>
<blockquote><p><em><strong>&#8222;Denn wir haben soeben Juden und Griechen als schuldig erwiesen, dass sie alle unter der Herrschaft der Sünde seien, wie geschrieben steht: Es ist keiner gerecht, auch nicht einer &#8230;&#8220;</strong></em></p></blockquote>
<p>&#8222;Da siehst du&#8220;, sagen die &#8222;unwürdigen Sünder&#8220;, &#8222;dass es keinen Gerechten gibt auf der Welt, wir sind alle Sünder.&#8220;</p>
<p>Das ist eine wirklich fürchterliche Auslegung dieser Stelle: eine Auslegung, die den Gesamtzusammenhang des Römerbriefs völlig ausser acht lässt, und die zudem die durch Jesus vollbrachte Erlösung leugnet. Wer die ersten drei Kapitel des Römerbriefs vollständig und zusammenhängend liest, wird den Gedankengang leicht verstehen: Paulus beweist in diesen Kapiteln den <em>Nichtchristen</em>, dass sie Sünder sind und deshalb erlöst werden müssen. Auf <em>Nichtchristen</em> angewendet, ist es zweifellos wahr, dass &#8222;alle Sünder sind&#8220;. Aber Paulus fährt nicht fort: &#8222;&#8230; und somit werden wir alle für den Rest unseres Lebens unwürdige Sünder bleiben.&#8220; Im Gegenteil, er sagt (paraphrasiert): &#8222;Gerade deswegen, weil du ein Sünder bist, deswegen brauchst du Jesus!&#8220; Und dann erklärt er, dass durch die Erlösung in Jesus Christus <em>der Sünder aufhören kann, ein Sünder zu sein:</em></p>
<blockquote><p><em><strong>&#8222;Jetzt aber ist ohne Zutun des Gesetzes die Gerechtigkeit Gottes geoffenbart worden, die vom Gesetz und den Propheten bezeugt wird, nämlich die Gerechtigkeit Gottes durch den Glauben an Jesus Christus für alle, die an ihn glauben. Denn es ist kein Unterschied; alle haben gesündigt und ermangeln der Ehre vor Gott, und werden gerechtfertigt ohne Verdienst, durch seine Gnade mittels der Erlösung, die in Christus Jesus ist &#8230;&#8220; (Römer 3,21-24)</strong></em></p></blockquote>
<p>Wenn also jemand sich unter die &#8222;Sünder&#8220; und &#8222;Ungerechten&#8220; von Römer 3,9-10 einschliesst, dann sagt er damit, dass er noch nicht bis zu Römer 3,24 gekommen ist. In anderen Worten, dass er noch nicht zum Glauben an Jesus Christus gekommen ist.</p>
<p style="text-align:right;"><em>(Fortsetzung folgt)</em></p>
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	</item>
		<item>
		<title>Diese falsch verschalteten Gehirnzellen&#8230;</title>
		<link>http://christlicheraussteiger.wordpress.com/2011/11/21/diese-falsch-verschalteten-gehirnzellen/</link>
		<comments>http://christlicheraussteiger.wordpress.com/2011/11/21/diese-falsch-verschalteten-gehirnzellen/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 21 Nov 2011 17:06:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>NovumTestamentum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aus der Schule geplaudert]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Entwicklung des Kindes]]></category>
		<category><![CDATA[Gehirnzellen]]></category>
		<category><![CDATA[Jean Piaget]]></category>
		<category><![CDATA[Lernprobleme]]></category>
		<category><![CDATA[Raymond Moore]]></category>
		<category><![CDATA[Rebeca Wild]]></category>
		<category><![CDATA[Schule]]></category>
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		<category><![CDATA[Unterricht]]></category>

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		<description><![CDATA[Haben Lernprobleme etwas damit zu tun, dass das Gehirn eines Kindes auf fehlerhafte oder ineffiziente Weise organisiert ist? Und wenn es so ist, könnte diese ungünstige Organisation des Gehirns durch den Schulunterricht verursacht worden sein? Mehrere Foschungsarbeiten bestätigen, dass es tatsächlich so ist. Aber bevor wir uns die wissenschaftlichen Hintergründe ansehen, möchte ich ein Beispiel [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=christlicheraussteiger.wordpress.com&amp;blog=7800286&amp;post=570&amp;subd=christlicheraussteiger&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Haben Lernprobleme etwas damit zu tun, dass das Gehirn eines Kindes auf fehlerhafte oder ineffiziente Weise organisiert ist? Und wenn es so ist, könnte diese ungünstige Organisation des Gehirns durch den Schulunterricht verursacht worden sein?</p>
<p>Mehrere Foschungsarbeiten bestätigen, dass es tatsächlich so ist. Aber bevor wir uns die wissenschaftlichen Hintergründe ansehen, möchte ich ein Beispiel aus der Praxis beschreiben.</p>
<p>Ein Schüler der zweiten Sekundarklasse (achtes Schuljahr) braucht Hilfe bei seinen Aufgaben. &#8222;Worum geht es?&#8220; &#8211; &#8222;Präpositionen &#8211; Propositionen &#8211; ich erinnere mich nicht mehr an das Wort, aber es war etwas mit Positionen.&#8220; &#8211; &#8222;Mal sehen, zeige mir doch dein Heft.&#8220; &#8211; &#8222;Hier ist es &#8211; ach ja: <em>Proportionen</em>.&#8220; (Was im Deutschen auch &#8222;Dreisatz&#8220; genannt wird.) &#8211; Während der folgenden drei Stunden beschäftigen wir uns mit Aufgaben wie diese:<br />
<em>&#8222;In einer Fabrik stellen 12 Maschinen in 7 Tagen 126 Stücke her. Wenn die Fabrik zwei zusätzliche Maschinen anschafft, wieviele Stücke werden dann in zehn Tagen hergestellt?&#8220;</em><br />
Die Aufgaben sind nicht übertrieben schwierig. Und es handelt sich um eine Art von Problemen, die häufig im täglichen Leben vorkommen. Jede Hausfrau, die mit ihren Kindern einkaufen geht, sieht sich ab und zu einer solchen Situation gegenübergestellt: <em>In einem Laden gibt es 16 Eier zu 4.50, im anderen Laden kostet das Dutzend 3.50. Wo sind die Eier günstiger?</em><br />
Aber mein Schüler hat enorme Schwierigkeiten. In seinen Rechnungen vergisst er ständig, mit welcher Zahl multipliziert und durch welche geteilt werden soll; und oft verrechnet er sich. Er verfängt sich in den Einzelheiten der mechanischen Vorgehensweisen, und er gelangt nicht zum Verständnis des <em><strong>Prinzips</strong></em>, das der Proportionalität zugrunde liegt. (Siehe dazu auch: <a href="http://christlicheraussteiger.wordpress.com/2011/04/29/mathematikunterricht-eine-frage-der-burokratie-oder-der-prinzipien/">&#8222;Mathematikunterricht: eine Frage der Bürokratie oder der Prinzipien?&#8220;</a>.)<br />
In Wirklichkeit ist das ein sehr einfaches Prinzip. Zwei Grössen sind proportional, wenn sie &#8222;gleichmässig&#8220; miteinander zu- bzw. abnehmen. D.h. sie nehmen jeweils um den gleichen Faktor zu bzw. ab. Wenn sich die eine Zahl verzehnfacht, dann verzehnfacht sich auch die andere. Wenn sich die eine Zahl halbiert, dann halbiert sich auch die andere. Wie in dieser Abbildung, welche die <em>proportionale</em> Vergösserung einer Zeichnung zeigt:</p>
<p><a href="http://christlicheraussteiger.files.wordpress.com/2011/11/proporcion.gif"><img class="aligncenter size-full wp-image-571" title="proporcion" src="http://christlicheraussteiger.files.wordpress.com/2011/11/proporcion.gif?w=450&#038;h=306" alt="" width="450" height="306" /></a></p>
<p>Dieses Prinzip kommt in der Mathematik häufig vor: beim Erweitern und Kürzen von Brüchen; in den ähnlichen geometrischen Figuren; in der Gleichung einer Geraden. Und im Alltagsleben im Verhältnis zwischen Menge und Preis einer Ware; zwischen Geschwindigkeit bzw. Zeit und zurückgelegter Distanz, usw. Mein junger Freund ist recht intelligent; dennoch hat er grösste Schwierigkeiten, dieses Prinzip zu begreifen.</p>
<p>- Einige Wochen später bringt derselbe Schüler Hausaufgaben zu einem anderen Thema: Lineare Funktionen und ihre graphische Darstellung. Wir machen einige Beispiele und untersuchen einige Graphiken, und mein Schüler versteht bald die wichtigsten Prinzipien. Z.B. dass in der Gleichung <em><strong>y = ax + b</strong></em> die Konstante <em><strong>b</strong></em>dem Abschnitt der <em><strong>y</strong></em>-Achse entspricht, der von der Geraden abgeschnitten wird (wo <em><strong>x</strong></em> Null ist); und dass der Koeffizient <em><strong>a</strong></em> der &#8222;Steigung&#8220; der Geraden entspricht. &#8211; Nur hat er wiederum Mühe mit den technischen Details seiner Multiplikationen und Divisionen.</p>
<p>Warum war dieses Thema der Funktionen &#8222;einfach&#8220; für ihn, während die Proportionalität &#8222;schwierig&#8220; war? (In gewisser Hinsicht handelte es sich sogar um<em>dasselbe</em> Thema!) &#8211; In der Primarschule, als er erst zehnjährig war, wurde er bereits gezwungen, Aufgaben mit Proportionen zu lösen. Und nicht etwa nach dem noch eher verständlichen Dreisatz-Schema, sondern als abstrakte Gleichung mit Brüchen (&#8222;wenn 15 : x = 24 : 16, dann x = 16 · 15 : 24&#8243;). Er wurde gelehrt, dieses Vorgehen mechanisch zu wiederholen (&#8222;diese Zahl wird hier oben hingeschrieben und diese andere dort unten&#8220;), ohne irgendeine Erfahrung aus dem wirklichen Leben damit in Verbindung zu bringen, und ohne die zugrundeliegenden Prinzipien zu verstehen. &#8211; Mit der Analyse von Funktionen hingegen war er in der Primarschule noch nicht belästigt worden.</p>
<p>Das ist etwas, was ich so häufig beobachte, dass es bereits voraussagbar geworden ist: <em>Die Sekundarschüler haben ihre grössten Lernschwierigkeiten in genau jenen Themen, die ihnen bereits in der Primarschule (zu früh) beigebracht wurden.</em> Sie haben weniger Probleme mit jenen Themen, von denen sie in der Sekundarschule zum ersten Mal hören. Offenbar hat ihnen der Unterricht, den sie in der Primarschule erhielten, überhaupt nicht geholfen, irgendetwas zu verstehen.</p>
<p><em>(Anmerkung: Ich bin nicht genau darüber informiert, wie das im deutschsprachigen Raum ist. Hier in Perú &#8211; und überhaupt in ganz Amerika, Nord und Süd &#8211; findet ein ehrgeiziges und völlig fehlgeleitetes Bildungs-Wettrennen statt nach dem Motto: &#8222;Immer mehr immer früher&#8220;. Sechsjährige Kinder müssen jetzt lernen, bis tausend zu rechnen; Achtjährige müssen das Bruchrechnen lernen und Neunjährige müssen Gleichungen lösen. Falls es auf der anderen Seite des Atlantiks noch nicht so weit ist, springt bitte gar nicht erst auf diesen Zug auf! Die Fortsetzung wird klarstellen weshalb.)</em></p>
<p>Sehen wir uns jetzt also einige Forschungsergebnisse an, welche die soeben gemachte Beobachtung bestätigen und erklären.</p>
<p>Jean Piaget, der Pionier in der Erforschung der Entwicklung der kindlichen Intelligenz, fand, dass sich das Denken eines Primarschülers hauptsächlich auf &#8222;konkrete Operationen&#8220; stützt &#8211; das Verschieben und Neuanordnen von Gegenständen, Handhabung von Werkzeugen, Erfahrungen des täglichen Lebens&#8230; -, dass sein Denken aber noch nicht nach abstrakten Konzepten funktioniert. Diese Phase der &#8222;konkreten Operationen&#8220; beginnt durchschnittlich im Alter von etwa sieben bis acht Jahren (wobei es eine sehr grosse Bandbreite von individuellen &#8222;Entwicklungsfahrplänen&#8220; gibt) und kann bis zum Alter von dreizehn Jahren oder noch später dauern, wo sich schliesslich die Fähigkeit zum abstrakten Denken voll entwickelt. In Piagets Worten:</p>
<blockquote><p>&#8222;Bis zu diesem Alter (etwa elf bis zwölf Jahre) <em><strong>sind die Operationen der kindlichen Intelligenz ausschliesslich &#8216;konkret&#8217;</strong></em>, d.h. sie beziehen sich auf nichts anderes als die Wirklichkeit an sich, und insbesondere auf die <em><strong>berührbaren Gegenstände</strong></em>, die manipuliert werden können und mit denen tatsächliche Erfahrungen gemacht werden. (&#8230;) Wenn wir sie hingegen bitten, über reine Hypothesen nachzudenken, über eine nur verbale Formulierung einer Problemstellung, dann verlieren sie sofort den Boden unter den Füssen und fallen in die vor-logische Intuition der Kleinkinder zurück. Z.B. können alle neun- bis zehnjährigen Kinder Farbtöne der Reihe nach ordnen, sogar noch besser als Grössen; aber sie sind völlig ausserstande, eine Frage wie die folgende zu beantworten, sogar wenn sie schriftlich vorgelegt wird: <em>&#8222;Edith hat dunklere Haare als Lili. Edith ist blonder als Susanne. Welches der drei Mädchen hat die dunkelsten Haare?&#8220;</em> - Im allgemeinen antworten sie, da Edith und Susanne blond seien, müsse Lili die dunkelsten Haare haben. (&#8230;) Auf verbaler Ebene erreichen sie also nicht mehr als eine Anordnung unkoordinierter Paare, in derselben Weise wie die Fünf- oder Sechsjährigen beim Anordnen konkreter Gegenstände. Das ist der Grund, warum sie in der Schule so grosse Schwierigkeiten haben, insbesondere arithmetische Textaufgaben zu lösen, die sich doch auf wohlbekannte Operationen beziehen: <em><strong>Wenn sie die Gegenstände handhaben könnten, würden sie ohne Hindernisse schlussfolgern</strong></em>, aber die scheinbar gleichen Gedankengänge, wenn sie auf der Ebene sprachlicher Formulierungen verlangt werden, stellen in Wirklichkeit <em><strong>andere und viel schwierigere Gedankengänge dar</strong></em>, da sie sich auf blossen Hypothesen ohne effektive Wirklichkeit beziehen.&#8220;<br />
<em>(Jean Piaget, &#8222;Die mentale Enwicklung des Kindes&#8220;)</em></p></blockquote>
<p>Wir haben also ein erstes Problem mit der <em><strong>Lehrmethode</strong></em> in der Primarschule: Worte abzuschreiben oder Zahlen in ein Heft zu schreiben, sind keine konkreten Operationen; das ist eine höchst abstrakte Methode. Als solche ist sie <em>nicht geeignet für das Gehirn eines Kindes</em>. Als Ergebnis löst das Kind seine Aufgaben auf mechanische Weise, aber es versteht nicht, was es tut. Der Mathematiker Paul Lockhart sagt dazu:</p>
<blockquote><p>&#8222;Warum möchtest du kleine Kinder darauf trainieren, dass sie 427 + 389 zusammenzählen können? Das ist nicht die Art von Fragen, die Achtjährige normalerweise stellen. Sogar viele <em>Erwachsene</em> verstehen den Stellenwert im Dezimalsystem nicht wirklich, und du erwartest von Achtjährigen, eine klare Vorstellung davon zu haben? <em><strong>Oder kümmert es dich nicht, ob sie es verstehen?</strong></em> Es ist einfach zu früh für diese Art von technischem Training. Man kann es natürlich tun, aber letztlich schadet es den Kindern mehr, als es ihnen nützt.&#8220;<br />
<em>Paul Lockhart, &#8222;A Mathematician&#8217;s Lament&#8220; (Klage eines Mathematikers)</em></p></blockquote>
<p>Raymond und Dorothy Moore haben Hunderte von Forschungsarbeiten gesammelt über die Frage: Ab welchem Alter ist es angebracht, dass ein Kind einem formellen Unterricht ausgesetzt wird (wie er in der Schule geschieht)? Die Ergebnisse stimmen darin überein, dass die meisten Kinder <em><strong>nicht die dazu nötige körperliche, emotionelle und mentale Reife erreichen, bevor sie acht bis zehn Jahre alt sind</strong></em>. (Siehe <a href="http://christlicheraussteiger.wordpress.com/2011/01/08/einschulung-besser-spat-als-fruh/">&#8222;Besser spät als früh&#8220;</a>.) Vor diesem Alter sollten die Kinder kreative Bastel- und andere Handarbeiten ausführen, zeichnen und malen, mit einer grossen Vielfalt von Stoffen experimentieren (Wasser und Sand; Körner und Samen; Holz; Plastillin; Stoff- und Wollresten; usw.), Geschichten hören, mit Holzklötzen und Brettspielen spielen, im Freien spielen, einen Garten anlegen, Essen zubereiten, ihre Eltern bei deren täglichen Arbeiten begleiten, bedürftigen Menschen helfen, usw. &#8211; aber sie sollten nicht unbeweglich in einem Schulzimmer sitzen und abstrakte Schulbuchaufgaben lösen. Die von den Moores vorgelegten Forschungsergebnisse zeigen, dass ein Kind in seiner späteren Entwicklung gestört wird, wenn es bereits im Alter von sechs oder fünf Jahren zur Schule gehen muss.</p>
<p>Damit stimmt die Erfahrung von Finnland überein &#8211; ein Land, das in internationalen Bildungsvergleichen an der Spitze steht:</p>
<blockquote><p>&#8222;Die Sekundarschüler hier <em>(in Finnland)</em> <em><strong>haben selten mehr als eine halbe Stunde Hausaufgaben pro Nachmittag.</strong></em> Sie haben keine Schuluniformen, keine Ehrengesellschaften, und keine Spezialklassen für hochbegabte Schüler. Es gibt wenige normierte Prüfungen; wenige Eltern führen einen Kampf darum, ihre Kinder an die Universität zu bringen; und <em><strong>die Kinder gehen nicht zur Schule, bevor sie 7 Jahre alt geworden sind.</strong></em> Aber im internationalen Vergleich <em><strong>sind die finnischen Teenager unter den intelligentesten der Welt.</strong></em>&#8222;<br />
<em>Ellen Gamerman, &#8222;Why are Finnish kids so smart?&#8220; (Warum sind finnische Kinder so schlau?), bei WSJ.com</em></p></blockquote>
<p>Wir haben also ein zweites Problem mit dem <em><strong>Alter</strong></em>, in welchem das Schulsystem seine Konzepte den Kindern aufzwingt. Die meisten Schulkinder <em>können gar nicht verstehen</em>, was ihr Lehrer ihnen beizubringen versucht! Ihr Gehirn ist einfach noch nicht bereit dazu.</p>
<p>Wir müssen hier verstehen, dass jedes Kind seinen eigenen &#8222;Entwicklungsfahrplan&#8220; hat, der von Kind zu Kind höchst unterschiedlich ist. Die Altersangaben in den zitierten Forschungsarbeiten sind als grobe Durchschnittswerte zu verstehen, von denen es im Einzelfall grosse Abweichungen geben kann. Man wird deshalb immer wieder ein frühentwickeltes Kind finden, das mit dem Schulunterricht wenig Mühe hat und ihn tatsächlich versteht. Man darf aber solche Kinder nicht als &#8222;Muster&#8220; dafür nehmen, was das Beste ist für die Mehrheit ihrer Altersgenossen! Gerade wegen der grossen Bandbreite in der Entwicklung der Kinder ist es ein Unsinn, alle Kinder gleichen Alters in dasselbe (schulische) Schema zu zwängen.</p>
<p>Über die mathematischen Grundoperationen sagt Piaget:</p>
<blockquote><p>&#8222;Wir wissen, dass dem Kleinkind nur die ersten paar Zahlen zugänglich sind, weil es intuitive Zahlen sind, die wahrnehmbaren Figuren entsprechen. Die unbegrenzte Folge der Zahlen und vor allem <em><strong>die Operationen des Zuzählens (und dessen Umkehrung, das Wegzählen)</strong></em> und der Multiplikation (mit ihrer Umkehrung, der Division) <em><strong>sind dagegen im Durchschnitt nicht zugänglich bis zum Alter von sieben Jahren.</strong></em>&#8222;<br />
<em>(Jean Piaget, &#8222;Die mentale Enwicklung des Kindes&#8220;)</em></p></blockquote>
<p>Eine detailliertere Untersuchung über spezifische mathematische Operationen fand folgendes:</p>
<blockquote><p>&#8222;Während mehrerer Jahre und in Hunderten von Städten untersuchte das &#8216;Siebnerkomitee&#8217; das mentale Alter, in welchem bestimmte Themen bis zur &#8216;Vollständigkeit&#8217; gelehrt werden können. Typischerweise fanden sie, dass <em><strong>das Zusammenzählen von gleichnamigen Brüchen ein mentales Alter von 10 bis 11 Jahren erforderte, und das Zusammenzählen von ungleichnamigen Brüchen 14 bis 15 Jahre. Das Teilen durch eine zweistellige Zahl erforderte ein mentales Alter von 12 bis 13 Jahren.</strong></em>&#8222;<br />
<em>Vincent J. Glennon and C. W. Hunnicutt, &#8222;What does Research say about Arithmetic?&#8220; (Was sagen die Forschungen über die Arithmetik?), National Educational Association of the USA, Washington D.C.</em></p></blockquote>
<p>Nach dem etwas veralteten Konzept des &#8222;Intelligenzquotienten&#8220; (mentales Alter geteilt durch chronologisches Alter) würde das also bedeuten, dass zehnjährige Kinder, die ungleichnamige Brüche zusammenzählen müssen, einen IQ von 140 bis 150 haben müssten, um wirklich verstehen zu können, was sie tun! Aber das gegenwärtige Schulsystem zwingt Kinder (hier in Perú) dazu, dies bereits im Alter von acht Jahren zu tun! Es erstaunt daher gar nicht, dass die Kinder verwirrt werden. <em><strong>Diese Kinder könnten mit viel weniger Schulstunden, Stress und Aufwand viel mehr leisten, wenn es ihnen ganz einfach erlaubt würde, ein paar Jahre länger Kinder zu sein.</strong></em></p>
<p>&#8222;Aber meine Kinder / meine Schüler lösen Aufgaben mit solchen Operationen und können es&#8220;, wird jemand sagen. Ja, Kinder können viele Dinge tun, wenn sie dazu gezwungen werden und ihnen mit Strafe gedroht wird. Sie können sehen, was der Lehrer tut, und es nachahmen; sie können ein Vorgehen auswendiglernen und es reproduzieren. Aber <em>sie verstehen dabei nicht, was sie tun</em>. Wenn ich sie frage: &#8222;Warum machst du es auf diese Art?&#8220;, oder &#8222;Warum schreibst du diese Zahl hierhin?&#8220;, dann können sie keine Erklärung abgeben. Und sie sind nicht in der Lage, ihre auswendiggelernten Techniken auf wirkliche Situationen und auf konkrete Gegenstände (wie z.B. Kuchenstücke) anzuwenden. Ihr Lernen gleicht dem Lernen eines Papageis, der sagen kann: &#8222;Eins plus zwei gibt drei.&#8220; Kann der Papagei etwa zusammenzählen? Natürlich nicht. Er hat nur gelernt, einige Worte wiederzugeben, ohne ihren Sinn zu verstehen. Ebenso bringt die Schule den Kindern bei, mathematische Symbole wiederzugeben, ohne deren Sinn zu verstehen.</p>
<p>Rebeca Wild, eine Pionierpädagogin in Ecuador, machte dieselbe Beobachtung:</p>
<blockquote><p>&#8222;In dieser Etappe (der operativen Phase, von ca. 7-8 bis 13-15 Jahren) beginnt das Kind, sich die Konzepte der Erhaltung der Masse, des Gewichts, der Zahl, der Länge und des Raumes anzueignen. Diese Konzepte assimiliert es einzig und allein mit Hilfe konkreter Materialien und Situationen. Wenn man in dieser Phase versucht, Symbole zur Unterstützung des Lernprozesses zu verwenden, wie vereinfacht sie auch sein mögen &#8211; sehr graphische und &#8222;kindliche&#8220; Symbole -, dann sieht sich das Kind gezwungen, als eine Art Verteidigungsmassnahme auf das <em>Auswendiglernen</em>zurückzugreifen, um auf Verlangen das gewünschte Wissen wiederholen zu können.<br />
(&#8230;) Die Anzahl Stunden, die gerade in einem Land wie Ecuador darauf verwendet werden, Regeln zu diktieren und auswendigzulernen, ist eindrücklich: Grammatikregeln, Rechenregeln, Rechtschreibregeln, Verhaltensregeln, usw. Claparède formulierte das folgende Gesetz: <em><strong>Alles, was seinerzeit auswendiggelernt wurde, ist später viel schwieriger zu verstehen.</strong></em> Es erstaunt nicht, dass wir so oft beobachten, wie sehr diese Praxis des Lernens von Regeln deren intelligente Anwendung erschwert. Diese Tatsache wird gewohnheitsmässig anerkannt in den Kritiken am Schulsystem, die in Ecuador so oft vorgebracht werden; aber selten werden die Gründe verstanden, die in Wirklichkeit dazu führen.&#8220;<br />
<em>Rebeca Wild, &#8222;Erziehung zum Sein&#8220;</em></p></blockquote>
<p>Die Schlussfolgerung aus all diesen Daten ist offensichtlich: Es ist viel besser für die Kinder, einige Jahre länger zu warten, bevor sie zur Schule gehen. Sie sollten zuerst und vor allem einfach Kinder sein dürfen, spielen und experimentieren und vieles selber entdecken. Und wenn sie dann zur Schule gehen (wenn überhaupt), dann sollten sie nicht gezwungen werden, Dinge zu lernen, die sie noch nicht verstehen können. Der Unterricht muss sich dem Verständnis des Kindes anpassen, nicht das Verständnis des Kindes an den Unterricht.</p>
<p>Wenn ich mit Eltern und Lehrern über diese Dinge spreche, dann sind die meisten entsetzt: &#8222;Mein fünfjähriges Kind nicht zur Schule schicken? Aber dann verliert es doch ein Jahr!&#8220; Nach ihrer Ansicht scheint &#8222;ein Jahr zu verlieren&#8220; (nach den Normen des Schulsystems) das Allerschlimmste zu sein, was einem Kind passieren kann. Diese Vorstellung ruft bei ihnen schreckliche irrationale Ängste hervor. Aber in Wirklichkeit würde dieses Kind ein Jahr <em><strong>gewinnen</strong></em>. Es gewönne ein Jahr mehr, um Kind zu sein und viele Dinge auf kindgemässe Weise zu lernen und zu entdecken. Es gewönne ein Jahr mehr, um sein Gehirn reifen zu lassen und dann besser verstehen zu können, was ihm beigebracht wird.<br />
Ein Jahr älter und reifer zu sein schadet keinem Kind. Vielmehr schadet ihm ein Unterricht, der es zwingt, Dinge zu tun, die es nicht versteht; und der bewirkt, dass seine Gehirnzellen falsch verschaltet werden (wie wir bald sehen werden).</p>
<p>&#8222;Aber ist dann dieses Kind nicht &#8216;zu alt&#8217;, wenn es die Schule abschliesst?&#8220; &#8211; Keineswegs. Die Forschungen zeigen, dass in der Pubertät innerhalb von kurzer Zeit sämtliche Kenntnisse erworben werden können, die während sechs Jahren Primarschule gelehrt werden:</p>
<blockquote><p>William Rohwer legt nahe, dass für viele Kinder die Anstrengungen zur Förderung der unabhängigen Wahrnehmung oder der kognitiven Fähigkeiten <em><strong>mit grösserer Wahrscheinlichkeit Erfolg hätten, &#8216;wenn sie &#8230; bis gegen Ende des Primarschulalters verschoben würden.&#8217;</strong></em>Rohwer meint auch, dass das gesamte Wissen, &#8216;das nötig ist, um die Anforderungen der Sekundarschule erfolgreich zu meistern, innerhalb von nur zwei oder drei Jahren erworben werden kann, wenn der formelle Unterricht bis zu diesem Alter hinausgeschoben wird.&#8217; (&#8230;)<br />
Der Psychiater J.T.Fisher unterstützt Rohwer aufgrund seiner persönlichen und klinischen Erfahrung. <em><strong>Dr. Fisher begann die Schule im Alter von dreizehn Jahren und schloss die Sekundarschule mit sechzehn Jahren ab.</strong></em> Er fühlte sich &#8216;später enttäuscht, als er herausfand, dass dies nicht bewies, dass er ein Genie sei&#8217;. Vielmehr musste er akzeptieren, was die Psychologen sagten, die &#8216;bewiesen hatten, dass <em><strong>ein normales Kind, das seine Schulbildung in der Pubertät beginnt, bald denselben Stand erreichen kann, zu dem es gelangt wäre, wenn es mit fünf oder sechs Jahren in die Schule eingetreten wäre.&#8220;</strong></em><br />
(&#8230;) Mit anderen Worten, die Eltern brauchen nicht zu fürchten, dass die ersten Jahre ihrer Kinder verschwendet seien, wenn sie sie nicht zur Schule schicken. Im Gegenteil, wenn man die Kinder für sich selber in einer relativ freien Umgebung Dinge erfinden oder lösen lässt, dann können sie kreativere Persönlichkeiten werden und bessere Problemlösungsfähigkeiten entwickeln. (&#8230;)<br />
Oft wurde Piaget gefragt, ob er für die nordamerikanischen Programme sei, die für immer kleinere Kinder formellen Unterricht anbieten. Nach John L.Phillip antwortete er auf die Frage, ob die Gehirnentwicklung des Kindes beschleunigt werden könne, das sei die &#8216;amerikanische Frage&#8217;. Er dachte, es sei &#8216;wahrscheinlich möglich, aber<em><strong> man sollte sie nicht beschleunigen.</strong></em>&#8222;<br />
<em>Raymond y Dorothy Moore, &#8222;Better Late Than Early&#8220; (Besser spät als früh)</em></p></blockquote>
<p>Die Primarschule ist also <em>nicht einmal nötig</em> - der Kindergarten erst recht nicht. Und wie wir gesehen haben, bewirkt der Primarschulunterricht in vielen Kindern mehr Verwirrung als echtes Lernen.</p>
<p>Die Befunde der Gehirnforschung lassen uns besser verstehen, warum das so ist:</p>
<blockquote><p>&#8222;Der Prozess der Myelinisation im menschlichen Gehirn ist erst abgeschlossen, wenn die meisten von uns über zwanzig Jahre alt sind. Obwohl einige Versuche mit Tieren zeigten, dass die Gesamtmenge an Myelin einige Grade der Stimulierung widerspiegeln könnte, glauben die Wissenschafter, dass dessen Entwicklungsordnung hauptsächlich von einem genetischen Programm vorherbestimmt ist.<br />
(&#8230;) Die Gehirnregionen funktionieren nicht effizient, solange sie nicht myelinisiert sind. Wenn man deshalb versucht, Kinder dazu zu bringen, dass sie akademische Fähigkeiten beherrschen, bevor das Gehirn die nötige Reife erreicht hat, können Störungen in ihren Lernmustern auftreten. Wie wir gesehen haben, besteht die funktionelle Plastizität im Kern darin, dass irgendeine Form des Lernens &#8211; Lesen, Mathematik, Rechtschreibung, Schönschreiben, usw. &#8211; von irgendeinem von mehreren Gehirnsystemen übernommen werden kann. Natürlich möchten wir, dass die Kinder jeden Bereich des Lernens mit jenem System verbinden, das für die jeweilige Aufgabe das beste ist. Aber wenn das geeignete System noch nicht verfügbar ist, oder noch nicht richtig funktioniert, und die Kinder werden zum Lernen gezwungen, dann organisiert sich das Gehirn in einer Weise, wo die weniger anpassungsfähigen und &#8222;untergeordneten&#8220; Systeme dazu trainiert werden, diese Aufgaben zu erledigen.</p>
<p>(&#8230;) Jene Bereiche, welche ihre Myelindosis am spätesten erhalten, sind die Assoziationsbereiche, die für die Manipulation von sehr abstrakten Konzepten verantwortlich sind, wie z.B. Symbole (X, Y, Z; Graphen von Funktionen), die andere Symbole darstellen (Zahlenverhältnisse), die wiederum wirkliche Dinge darstellen (Flugzeuge, Eisenbahnzüge, Wasserquellen). Diese Art des Lernen hängt stark von der<em> [konkreten]</em>Erfahrung ab, und kann deshalb auf vielen möglichen neuralen Wegen geschehen. Wenn unreife Gehirne zu einem Lernen auf höherer Ebene gezwungen werden, dann müssen sie gezwungenermassen mit Systemen einer niedrigeren Ebene arbeiten, und das schädigt die gewünschte Fähigkeit.</p>
<p>Ich behaupte, dass <em><strong>viele der gegenwärtigen schulischen Misserfolge das Ergebnis von akademischen Anforderungen sind, die den Schülern wie mit einer Dampfwalze aufgezwungen wurden, bevor ihre Gehirne dazu bereit waren.</strong></em></p>
<p>(&#8230;) Die abstrakten Regeln der Grammatik und des Sprachgebrauchs sollten nicht vor der Sekundarschule <em>[7. Schuljahr]</em> gelehrt werden. Dann, wenn die Schüler dazu bereit sind, kann ihnen die Herausforderung dieser Art abstrakten und logischen Denkens sogar Freude bereiten. Aber nur wenn die Schaltungen <em>[ihrer Gehirne]</em> nicht schon zu sehr verstopft sind von einem stümperhaften Regeln-Lernen.</p>
<p>Eine Schülerin der dritten Sekundarklasse, die meine Hilfe in Grammatik suchte, war verzweifelt verwirrt über die einfachsten Bestandteile der Sprache. Obwohl sie intelligent war und in ihrem Alter diesen Stoff innerhalb einer Woche hätte beherrschen können, war sie ein Opfer von sinnlosem &#8222;Grammatikdrill&#8220; seit der zweiten Primarschulklasse gewesen. Während Michelle und ich um den einfachen Unterschied zwischen Adjektiven und Verben kämpften, wünschte ich oft, ich könnte einen neurologischen Staubsauger nehmen und alle diese unorganisierten Synapsen einfach herausblasen, die sich ständig in unseren Weg stellten. Wir brauchten sechs Monate . . . Aber schliesslich ging ihr eines Tages das Licht auf. &#8222;Das ist ja einfach!&#8220;, rief sie aus. Ja, es ist einfach, wenn die Gehirne reif sind zum Lernen, und wenn der Schüler einen Grund hat, das Gelernte auf echte literarische Vorbilder anzuwenden.&#8220;<br />
<em>Jane M. Healy, &#8222;Endangered Minds, Why Children Don’t Think and What We Can Do About It&#8220; (Gefährdete Gehirne: Warum die Kinder nicht denken, und was wir dagegen tun können), New York, 1990.</em></p></blockquote>
<p>Das erklärt nun vollkommen meine Beobachtungen mit den Sekundarschülern. Sie waren in der Primarschule gezwungen worden, allzu fortgeschrittene Konzepte zu lernen. Deshalb hatte diese Art des Lernens zu einer mangelhaften Organisation ihres Gehirns geführt. Noch viele Jahre später litten sie unter den Auswirkungen dieser falsch verschalteten Gehirnzellen: Sie konnten nicht richtig verstehen, was sie in jenen Jahren gezwungenermassen mechanisch wiedergeben mussten. Im allgemeinen haben die Sekundarschüler genau mit jenen Themen Schwierigkeiten, welche in der Primarschule allzu frühzeitig forciert werden: Teilen durch mehrstellige Zahlen; Bruchrechnen und Dezimalbrüche; z.T. jetzt auch Gleichungen; und in der Grammatik das Bestimmen der Satzglieder.</p>
<p>Woher also diese ganze Hysterie, die Kinder in immer früherem Alter zur Schule zu schicken, und in immer kürzerer Zeit immer mehr Wissen in ihre kleinen Köpfe zu stopfen? Wir haben gesehen, dass die wissenschaftlichen Befunde in keiner Weise dieses &#8222;Bildungswettrennen&#8220; unterstützen. Im Gegenteil, es schadet den Kindern und bewirkt, dass sie später grössere Lernprobleme haben. Warum nehmen die Bildungsplaner, die Schuldirektoren und Lehrer, ganz zu schweigen von den Eltern, diese Untersuchungen über die Entwicklung des Kindes einfach nicht zur Kenntnis? Warum werden Millionen von Kindern einem Schulsystem unterworfen, das den Eigenheiten und Bedürfnissen der Kinder völlig widerspricht?</p>
<p>Über die Gründe kann ich nur spekulieren; es könnten folgende sein:</p>
<p>- Das Gewicht der Tradition? Die Lehrer von heute wurden von Lehrern ausgebildet, die von Lehrern ausgebildet wurden, die von Lehrern ausgebildet wurden &#8230; usw, und keiner von ihnen hielt inne und dachte darüber nach, warum wir eigentlich die Dinge so tun, wie wir sie tun. Einfach weil es einfacher ist, auf dem gewohnten Weg weiterzugehen. Mit anderen Worten: Wenn die Lehrer selber unter falsch verschalteten Gehirnzellen leiden (aufgrund ihrer eigenen Ausbildung), dann können wir von ihnen nicht erwarten, dass sie es mit ihren Schülern besser machen&#8230;</p>
<p>- Die verborgenen Einflüsse hinter dem Schulsystem? Enorme wirtschaftliche und politische Interessen profitieren davon, dass das Schulsystem so bleibt, wie es ist. (Nur schon der Verkauf von Schulbüchern ist ein Millionengeschäft. Und natürlich sind die Lehrer eine wichtige politische &#8222;pressure group&#8220;.)</p>
<p>- Die Ausbildung der Lehrer? Der Staat ist kein Erzieher; der Staat ist lediglich eine Verwaltungsinstanz. Er verwaltet Schulen, Lehrer, Kinder&#8230; Wenn es der Staat ist, der die zukünftigen Lehrer ausbildet, dann ist es nur natürlich, dass diese nicht zu Erziehern ausgebildet werden, sondern zu Funktionären des Staates. Das könnte erklären, warum die hier zitierten Daten in der Lehrerausbildung überhaupt nicht erwähnt werden &#8211; oder wenn, dann rein theoretisch, ohne nachzufragen, wie das Schulsystem in Anwendung dieser Daten geändert werden müsste.</p>
<p>- Die Verantwortungslosigkeit der Eltern? In den letzten Jahren haben sich mehr und mehr Eltern angewöhnt, ihre Kinder der Obhut anderer Personen zu überlassen, von früh bis spät und in immer früherem Alter. Wenn die Eltern keine Verantwortung mehr übernehmen wollen für die Erziehung ihrer eigenen Kinder, wer kümmert sich dann um sie? Es bleibt niemand mehr übrig ausser dem höchst mangelhaften Schulsystem.</p>
<p>- Oder vielmehr ein verdrehter Ehrgeiz und Konkurrenzkampf unter den Eltern und Lehrern? &#8222;Mein vierjähriges Kind kann schon lesen.&#8220; &#8211; &#8222;Meine Schüler können im Alter von acht Jahren schon Gleichungen lösen.&#8220; &#8211; &#8222;Was, dein Kind ist schon sechs Jahre alt und kann noch nicht zweistellige Zahlen zusammenzählen?&#8220; &#8211; Was für eine verkehrte Persönlichkeit muss jemand haben, der es nötig hat, auf solche Weise sein Selbstvertrauen zu heben! &#8211; indem er unerträgliche Lasten auf die Schultern der Kinder legt, nur um zu beweisen, dass er selber &#8222;etwas wert ist&#8220; als Vater, Mutter, Lehrer oder Lehrerin. Der beste Lehrer ist nicht der, der in der kürzesten Zeit das meiste Wissen in die Köpfe der Kinder stopft. Ein guter Lehrer ist der, der das Interesse der Kinder am Entdecken und Verstehen zu wecken weiss; der die Kinder ernst nimmt und sich um ihr Wohlergehen kümmert; der die Kinder gemäss ihrem eigenen Verständnis zu lehren weiss.<br />
Jesus sagte:<br />
<em>&#8222;Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. Wer also sich selbst erniedrigt wie dieses Kind, der ist der Grösste im Himmelreich. Und wer in meinem Namen ein Kind wie dieses aufnimmt, der nimmt mich auf. Und wer einem dieser Kleinen, die an mich glauben, Anstoss gibt, für den wäre es besser, wenn ihm ein Mühlstein um den Hals gehängt würde und er in der Tiefe des Meeres versenkt würde.&#8220; (Matthäus 18,3-6)</em></p>
<p>- Bis hierher sind das alles noch mehr oder weniger unschuldige Mutmassungen. John Taylor Gatto kam nach dreissigjähriger Erfahrung als Lehrer in New York und nach ausgedehnten Forschungen über die Ursprünge des amerikanischen (und deutschen!) Schulsystems zu einer noch unfreundlicheren Schlussfolgerung: Die Mängel des gegenwärtigen Schulsystems wurden <em>geplant mit der Absicht</em>, auf diese mangelhafte Weise zu funktionieren. Viele grosse Unternehmer, Politiker, und andere einflussreiche Leute profitieren davon, dass die grosse Masse der Bevölkerung es gewohnt ist, mechanisch den erhaltenen Befehlen Folge zu leisten, ohne sie zu verstehen und ohne nachzudenken. (Siehe dazu auch über das <a href="http://christlicheraussteiger.wordpress.com/2010/08/15/das-tier-in-der-offenbarung-1/">Milgram-Experiment</a> und dessen erschreckende Ergebnisse.) Sie profitieren von einer Bevölkerungsmehrheit ohne Kreativität, ohne Originalität, ohne eigenständiges Denken. Und das ist genau die Art Menschen, die vom gegenwärtigen Schulsystem hervorgebracht werden. Gatto zitiert eine Menge historischer Quellen und persönlicher Zeugnisse, die nahelegen, dass das Schulsystem genau zu diesem Zweck geplant wurde.<br />
(Siehe &#8222;Underground History of American Education&#8220; bei <a href="http://www.johntaylorgatto.com/">http://www.johntaylorgatto.com</a>.)</p>
<p>Unabhängig davon, welche der angeführten Gründe wirklich zutreffen: ist irgendeiner von ihnen wichtiger als das Wohlergehen der Kinder? Rechtfertigt irgendeiner dieser Gründe die intellektuelle, psychische (und hier in Perú immer noch auch körperliche) Misshandlung, die in so vielen Schulen im Namen einer falsch verstandenen &#8222;Bildung&#8220; geschieht? Ist es gerechtfertigt, die gesunde Entwicklung der Kinder zu behindern, indem ihnen unangebrachte Methoden, Bücher und Lehrpläne aufgezwungen werden, entworfen von Menschen, die selber weder aufrichtige persönliche Beziehungen zu Kindern haben, noch deren Bedürfnisse verstehen?</p>
<p>Eltern, Lehrer, Bildungspolitiker: Im Namen Gottes und der Kinder, haltet dieses Bildungswettrennen und diese sinnlose Konkurrenz auf! Erlaubt den Kindern, Kinder zu sein und auf kindgemässe Weise zu lernen. Ihr selber werdet davon profitieren, denn später werdet ihr die Kinder mit viel weniger Mühe, Stress und nervlichem Aufwand lernen sehen. Wenn einem Kind erlaubt wird, auf natürliche Weise zu reifen, dann wird es die Dinge mit viel weniger Schulstunden lernen und verstehen können.</p>
<p>-</p>
<p>Gut, und warum erscheint dies in einem Blog mit dem Namen &#8222;<em>Christlicher</em> Aussteiger&#8220;? &#8211; Alle die angeführten Forschungen bestätigen, was Gott uns schon lange in der Bibel gesagt hat: <em><strong>Die Familie</strong></em> ist die einzige &#8222;Erziehungs- und Bildungseinrichtung&#8220;, die Gott angeordnet hat. Die Kinder entwickeln sich besser, wenn sie in einer gesunden Familie aufwachsen. Die Schule kann &#8211; zumindest bis zum Anfang der Pubertät &#8211; höchstens eine &#8222;Ergänzung&#8220; zur Familie sein; und wie wir sahen, ist sie eine sehr mangelhafte Ergänzung. Das Lernen durch konkrete Operationen, die praktischen Erfahrungen des wirklichen Lebens, und die persönlichen Vertrauensbeziehungen, alle diese so wichtigen Elemente für die Entwicklung des Kindes, sind <em>in der Familie</em> natürlicherweise vorhanden. Ein echtes christliches Leben wird die Familie wieder ins Zentrum stellen als Grundlage der Gesellschaft und als grundlegende Bildungseinrichtung, und wird aus familienfeindlichen Institutionen wie z.B. dem gegenwärtigen Schulsystem aussteigen.</p>
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		<title>Die Welt danach, oder: Die vollkommene Gerechtigkeit Gottes</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Nov 2011 15:58:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>NovumTestamentum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gleichnisse]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinde]]></category>
		<category><![CDATA[Gerechtigkeit Gottes]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichnis]]></category>
		<category><![CDATA[Himmel]]></category>
		<category><![CDATA[Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Welt danach]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Gleichnis Vergangene Nacht hatte ich einen merkwürdigen Traum. Ich träumte, das Jüngste Gericht sei bereits vorbei, und ich befand mich in der neuen Welt Gottes. Obwohl ich Christ war, hatte ich vor dem höchsten Richter vor Furcht gezittert. Ich hatte mich an jede kleinste Sünde erinnert, die ich einmal begangen hatte, an jedes unredliche [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=christlicheraussteiger.wordpress.com&amp;blog=7800286&amp;post=567&amp;subd=christlicheraussteiger&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Ein Gleichnis</em></p>
<p>Vergangene Nacht hatte ich einen merkwürdigen Traum. Ich träumte, das Jüngste Gericht sei bereits vorbei, und ich befand mich in der neuen Welt Gottes. Obwohl ich Christ war, hatte ich vor dem höchsten Richter vor Furcht gezittert. Ich hatte mich an jede kleinste Sünde erinnert, die ich einmal begangen hatte, an jedes unredliche Wort, an jeden habsüchtigen Gedanken &#8230; und er &#8211; er wusste es alles, alles! Aber wie erleichtert war ich, als ich schliesslich den Urteilsspruch hörte: &#8222;Mein Sohn ist mit seinem eigenen vergossenen Blut vor meinem Thron für dich eingetreten. Da du dein Vertrauen auf ihn gesetzt hast und dieses sündige Leben mit ihm gekreuzigt hast, bist du begnadigt von deiner Schuld. Gehe ein in die Freude deines Herrn!&#8220;</p>
<p>Jetzt befand ich mich in der wunderbaren Welt Gottes. Die Beschreibung dieses neuen Himmels und der neuen Erde aus den letzten Kapiteln der Johannesoffenbarung war mir wohlvertraut. Aber die Wirklichkeit war noch viel wunderbarer, viel erhabener und überwältigender als jede Beschreibung.</p>
<p>Das Haus, das mir zur Wohnung gegeben wurde, ähnelte dem Haus, in dem ich während manchen Jahren meines Erdenlebens gewohnt hatte. Nur dass sich die Verteilung der Zimmer geändert hatte. Während einiger Zeit hatten meine Frau und ich in jenem Haus einige bedürftige Kinder aufgenommen. In dem himmlischen Haus wurden uns jetzt jene Zimmer gegeben, in denen damals jene Kinder geschlafen hatten. Die Kinder dagegen &#8211; d.h. jene von ihnen, die sich später zu Christus bekehrt hatten und auch in die himmlische Stadt gekommen waren &#8211; wohnten in dem Zimmer, das damals unser Schlafzimmer gewesen war.</p>
<p>Die Wände des Hauses &#8211; wie in jedem Haus der himmlischen Stadt &#8211; waren durchscheinend, sodass alle Menschen, die im Haus wohnten, die ganze Zeit anwesend zu sein schienen und wir uns in jedem Moment freimütig unterhalten konnten &#8211; sogar mit einigen Bewohnern von Nachbarhäusern. Und diese Verständigung war viel intensiver und tiefgehender als jede Kommunikation, die wir auf der Erde gekannt hatten. Es schien, als ob wir sogar gegenseitig unsere Gedanken lesen konnten &#8211; obwohl es nicht wirklich so war; aber unsere Kommunikation ging wirklich bis zur allerpersönlichsten Ebene unserer Gefühle und Gedanken.<br />
Als ich noch auf der Erde lebte, fühlte ich mich manchmal ziemlich unbehaglich bei dem Gedanken, jemand könnte alle meine Gedanken kennen. Aber jetzt, in der neuen Welt Gottes, war nichts Unbehagliches mehr dabei. Schliesslich waren wir alle im Blut Jesu reingewaschen, unsere Gedanken waren seinem Willen gemäss, und es gab keine bösen Absichten gegen irgendjemanden. Es war sogar geradezu eine Erleichterung, nicht mehr so viele unzulängliche Worte gebrauchen zu müssen, um auszudrücken, was wir fühlten und dachten.</p>
<p>Das Wunderbarste daran war, dass unser himmlischer Vater in diesem selben Haus zu wohnen schien, und dass wir mit ihm jederzeit auf dieselbe tiefgehende und unmittelbare Weise in Verbindung treten konnten wie unter uns. Sein unendlicher Reichtum an Liebe, Weisheit, Führung und Trost stand uns ständig zur Verfügung. Die Beziehung zum Vater war umso wunderbarer, als uns die Erinnerung an das Gericht noch ganz gegenwärtig war. Er, der allmächtige und gerechte Richter, hätte uns nach dem Buchstaben des Gesetzes gar nicht an diesem Ort aufnehmen dürfen. Aber er, in der Person seines Sohnes, hatte sich selbst für uns dahingegeben, um dem Urteil Genüge zu tun und uns freizukaufen. Das war der deutlichste Beweis dafür, wie echt und tief seine Liebe zu uns war. Diese Liebe erfüllte uns mit tiefster Ehrfurcht. Oft wollten wir einfach nur ihn anbeten, anbeten, anbeten &#8230;</p>
<p>Natürlich wussten wir, dass der Vater auf dieselbe Weise auch in allen anderen Häusern der Stadt gegenwärtig war. Dennoch schien es uns, die wir in diesem Haus wohnten, dass er auf ganz besondere Weise <em>unser</em> Vater war.<br />
Tatsächlich fühlten wir, dass wir endlich ganz und <em>wirklich</em> nach Hause gekommen waren. Obwohl wir alle erwachsen aussahen &#8211; wie Erwachsene unbestimmbaren Alters -, fühlten wir uns wie Kinder. Wir waren frei von dem Stress und den Sorgen, die unser irdisches Leben bestimmt hatten: um das Geld, um die Arbeit, um das Essen &#8230; Der Vater gab uns alles; wozu sollten wir uns sorgen? Manchmal gab uns der Vater zu verstehen, dass wir schon unser Erdenleben in dieser selben Freiheit hätten leben können, wenn wir nur völlig auf ihn vertraut hätten. Dann fühlten wir eine leise Trauer um die verlorenen Gelegenheiten, die in unseren Erinnerungen auftauchten. Aber dann trösteten wir uns damit, dass wir schliesslich in diese unsere Heimat vollkommenen Vertrauens gekommen waren. Tatsächlich war dies der Ort, den wir unbewusst ständig gesucht hatten, während wir noch auf der Erde lebten.</p>
<p>Eines Tages fragte ich einen Nachbarn: &#8222;Wie oft geht ihr hier eigentlich zur Kirche?&#8220; &#8211; &#8222;Wie bitte?&#8220;, antwortete er lachend, &#8222;du bist ja bereits hier! Wir <em>sind</em> doch die Kirche! Wohin sonst möchtest du denn noch gehen?&#8220; &#8211; &#8222;Aber habt ihr keine Versammlungen?&#8220; &#8211; &#8222;Jetzt gerade sind wir doch zusammen versammelt, und der Vater ist auch bei uns. &#8216;Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind &#8230;&#8217; &#8220; &#8211; Ich schwieg, denn meine Frage erschien mir selber jetzt ebenso lächerlich wie ihm. Ich hatte ganz vergessen, wo ich mich befand.</p>
<p>Eines Tages sah ich auf der Strasse einen Mann, der die Leute um etwas zu essen bat. Ich war sehr überrascht, dass es sogar in dieser himmlischen Stadt Bettler gab. Ich gab ihm etwas zu essen, und versuchte zugleich etwas über seine Lebensumstände herauszufinden. Er sagte, nein, er sei weder arm noch besorgt, denn die Leute gäben ihm immer genug zu essen. &#8222;Ich weiss, dass der Vater für mich sorgt, und das ist die besondere Art und Weise, wie er es in meinem Fall tut. Er hat mir diesen Platz zugewiesen, weil es keinen nützlichen Dienst gibt, den ich in dieser Stadt verrichten könnte.&#8220; &#8211; &#8222;Keinen nützlichen Dienst? Aber wir sind doch alle geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zum voraus vorbereitet hat, damit wir in ihnen wandeln!&#8220; &#8211; &#8222;Mein Fehler bestand darin, dass ich das nicht gelernt habe, solange ich auf der Erde lebte. Der Vater hatte mir einen Dienst zugewiesen, aber ich gebrauchte ihn, um mir selbst zu dienen. Ich tat die Werke, die mir selber gut schienen, und die meine Organisation wachsen liessen, und die mich vor den Menschen gut dastehen liessen. So verpasste ich die Werke, die der Vater für mich vorbereitet hatte.&#8220; &#8211; &#8222;Und das bereust du jetzt &#8230; &#8220; &#8211; &#8222;Ja, aber ich bin dankbar, dass der Vater in seiner Gnade mich an diesem Ort aufgenommen hat. Viele meiner Kollegen konnten nicht einmal in diese Welt Gottes hineinkommen. Andere arbeiten hier als Schuhputzer oder Strassenwischer oder in einem anderen nützlichen und ehrenwerten Dienst an den Heiligen. Mir hat es dazu nicht gereicht; aber ich weiss, dass ich mich genau am richtigen Ort befinde, den mir der Vater in seiner vollkommenen Gerechtigkeit zugewiesen hat, und ich nehme es mit Dankbarkeit an.&#8220;<br />
Es kostete mich einige Mühe zu verstehen, dass es sogar im Himmel solche &#8222;sozialen Unterschiede&#8220; geben sollte. (Der Leser möge sich erinnern, dass ich nicht in Wirklichkeit dort war, sondern es nur träumte, und dabei immer noch meinen irdischen Verstand hatte.) Aber dann erinnerte ich mich, dass geschrieben steht: &#8222;Wenn jemandes Werk, das er darauf aufgebaut hat, bleibt, dann wird er Lohn empfangen. Wenn jemandes Werk verbrennt, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so, wie durch Feuer hindurch.&#8220; Und auch: &#8222;Denn wir alle müssen vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden, damit jeder empfange, je nachdem er im Leibe gehandelt hat, sei es gut oder böse.&#8220; &#8211; Und ich erinnerte mich auch, dass dieser himmlische Bettler weder besorgt noch verbittert war. Im Gegenteil, er war dankbar, dass der Vater ihn aufgenommen hatte und für ihn sorgte.<br />
Mit der Zeit lernte ich ihn besser kennen. In seinem Erdenleben war er Pfarrer einer Mega-Gemeinde gewesen. Seine Bekehrung und sein Ruf zum geistlichen Dienst waren echt gewesen; aber dann wurde er ein Opfer der Versuchung der Macht, wie so viele andere seiner Kollegen. Er hatte sich das Ziel gesetzt, die grösste Kirche der Stadt zu haben. Nach vielen Jahren harter Arbeit erreichte er dieses Ziel tatsächlich. &#8222;Aber&#8220;, sagte er, &#8222;ich verstehe jetzt, dass ich mich in Wirklichkeit nicht gross um die Beziehung meiner Mitglieder zum Vater gekümmert habe. Wenn jemand sein Übergabegebet gesprochen hatte, getauft war, und die Anforderungen an die Gemeindemitgliedschaft erfüllte, dann war ich damit zufrieden. Und natürlich lebte ich ein komfortables Leben mit ihren Zehnten. Aber bis jetzt habe ich erst sehr wenige Mitglieder jener Kirche hier gefunden &#8211; ich fürchte, die Mehrheit konnte nicht hierher kommen.&#8220; Er bekannte auch, dass obwohl er sich &#8222;Diener Gottes&#8220; nannte, seine wahre Herzenshaltung darin bestanden hatte, dass die Gemeindeglieder ihm dienen sollten. &#8222;Solange ich auf der Erde lebte, war es allzu einfach, mich selbst darüber hinwegzutäuschen. Schliesslich hatte ich Tausende von Menschen zusammengebracht, die Jesus Christus als ihren Herrn und Erlöser bekannten &#8211; bewies das nicht, dass ich ein echter Diener des Herrn war? &#8211; Aber jetzt, wo ich hier bin, kann ich mich nicht mehr selbst betrügen; ich kenne jetzt mein Herz. In Wirklichkeit war ich schon auf der Erde ein Bettler: ich bettelte um Geld und um die Anerkennung der Leute.&#8220; Und mit Tränen in den Augen fügte er hinzu: &#8222;Ich verdiene es gar nicht, hier zu sein. Das ist nur die Gnade Gottes, ganz allein die Gnade Gottes &#8230;&#8220;</p>
<p>Nach dieser Begegnung begann mich die Neugier zu stechen: Wenn die bekanntesten Pastoren auf Erden hier Bettler und Schuhputzer waren, wer waren dann die wirklich wichtigen Leute in dieser himmlischen Stadt? Ich begann sie zu suchen; aber es war nicht einfach. In dieser Stadt gab es keine besonderen Luxuspaläste, die so als die Wohnung einer wichtigen Persönlichkeit erkenntlich gewesen wären. (Obwohl natürlich <em>alle</em> Häuser &#8222;luxuriös&#8220; waren in dem Sinne, dass sie auf vollkommene Weise erbaut waren.) Ich begann, nach den Aposteln Jesu zu fragen, da sie ohne Zweifel wichtige Persönlichkeiten sein mussten. Aber niemand konnte mir sagen, wo ich sie finden könnte. Die einzige Information, die ich auftreiben konnte, war: &#8222;Sie haben über die zwölf Stämme Israels gerichtet. Jetzt, nachdem diese Aufgabe beendet ist, ruhen sie aus von ihren Werken.&#8220;</p>
<p>Meine erste Begegnung mit einer &#8222;wichtigen Persönlichkeit&#8220; war purer Zufall. Ich sah eine Menge Leute durch eines der Stadttore hinausgehen und fragte sie: &#8222;Wohin geht ihr?&#8220; &#8211; &#8222;Wir gehen Federico besuchen. Wir haben immer die besten Zeiten mit ihm zusammen.&#8220; &#8211; Ich ging mit ihnen zur Stadt hinaus, bis sie zu einem Wald am Ufer des Flusses lebendigen Wassers kamen. Dort wohnte Federico &#8211; er hatte nicht einmal ein Haus. Aber um die Wahrheit zu sagen: seine Wohnstatt zwischen den Bäumen war schöner als das vornehmste Haus. Sein Dach aus grünen Blättern sah herrlicher aus als die kunstvollste Stuckdecke. Das grüne Gras unter seinen Füssen war weicher als der teuerste Perserteppich. Die Aussicht auf die herrliche Schöpfung Gottes war besser als die Bilder der berühmtesten Maler. Und wozu Türen und Schlösser, wo es doch an diesem Ort weder Diebe noch Räuber noch wilde Tiere gab? Man sah auf den ersten Blick, dass Federico an diesem Ort glücklicher war als irgendwo sonst.<br />
Und warum suchten ihn die Leute auf? &#8211; Es schien, dass sie sich ganz einfach an seiner Gesellschaft erfreuten. Er war ihr Freund, zeigte Verständnis, sprach von den Angelegenheiten des Vaters. &#8222;Federico spiegelt auf besondere Weise das Angesicht des Vaters wider&#8220;, sagte jemand. Und ein anderer: &#8222;Wir erleben die Gegenwart des Vaters stärker, wenn wir bei Federico sind.&#8220; Tatsächlich schien mein Umgang mit dem Vater und mein Verständnis seiner Worte tiefer und intensiver zu werden, während ich mich an diesem Ort befand.<br />
Während seines irdischen Lebens war Federico ein Waldenserprediger im vierzehnten Jahrhundert gewesen &#8211; einer der vielen, deren Namen in keinem Geschichtsbuch erwähnt sind. Als reisender Händler war er durch weite Gegenden Frankreichs, Italiens und Österreichs gekommen, während er seine Waren verkaufte und gleichzeitig jenen, die ein aufrichtiges Interesse zeigten, das Evangelium anbot. Jedesmal, wenn er dies tat, riskierte er sein Leben; denn er konnte nie mit Sicherheit wissen, ob sein Gesprächspartner wirklich an seiner Errettung interessiert war, oder ob es sich um einen Denunzianten handelte, der ihn an die kirchliche Obrigkeit verraten würde. Und so geschah es, dass ihn schliesslich die Inquisition aufgriff. Er wurde gefangengesetzt, auf schreckliche Weise gefoltert, und als &#8222;Ketzer&#8220; zum Tod verurteilt. So ging die Kirche jener Zeit mit den Verkündigern des wahren Evangeliums um.</p>
<p>Mit der Zeit lernte ich weitere &#8222;wichtige Persönlichkeiten&#8220; kennen. Sie wohnten an allen möglichen Orten, und führten sehr unterschiedliche Leben; aber etwas war ihnen allen gemeinsam: Sie sahen &#8222;erfüllter&#8220; und glücklicher aus.</p>
<p>Ich begann zu verstehen, dass die &#8222;Wichtigkeit&#8220; einer Person im Himmel nach anderen Massstäben gemessen wurde als auf der Erde. Niemand zeichnete sich durch besondere Reichtümer aus, denn der Vater gab allen genug; alle vertrauten auf seine vollkommene Versorgung; und es gab keine Habsucht. Ebensowenig gab es Auszeichnungen aufgrund von &#8222;Macht&#8220; oder &#8222;Autorität&#8220;: Da es weder Verbrechen noch Streitfälle gab, genügte die vollkommene Regierung des Vaters; Menschen als Regierungsbeamte waren nicht notwendig.<br />
So weit ich sehen konnte, zeichneten sich die &#8222;wichtigen&#8220; Menschen in erster Linie durch ihren guten Ruf aus. Sie waren die &#8222;echtesten&#8220; Geschwister, und die ihrer Gesellschaft wegen meistgesuchten. &#8211; Aber später erkannte ich, dass nicht einmal das ihre wichtigste Auszeichnung war. Sie selber nahmen überhaupt nicht wichtig, was die Leute über sie sagten, oder ob sie von vielen oder von wenigen Menschen aufgesucht wurden. Wirklich wichtig war nur <em>ihre Nähe zum Vater</em>. Sie waren es, die sich der nächsten und vertrauensvollsten Beziehung zum Vater erfreuten. Und das war spürbar, wenn man sich in ihrer Gegenwart befand.</p>
<p>Als ich die Geschichte einiger von ihnen erfuhr, verstand ich, dass sie alle durch viel Leiden gegangen waren, während sie auf der Erde lebten. Ihre Liebe zum Herrn hatte sie dazu gedrängt, Reichtümer und einflussreiche Stellungen abzulehnen; und nicht wenige von ihnen waren aus den wichtigen Institutionen der Gesellschaft und der Kirche ausgeschlossen worden. Eine beträchtliche Anzahl von ihnen war den Märtyrertod gestorben.<br />
Nicht alle waren Prediger gewesen; im Gegenteil: Viele waren einfache Menschen gewesen, die einfach ihren Nächsten halfen und ihren Glauben bezeugten. Wenn ich sie nach dem Werk fragte, das sie auf Erden vollbracht hatten, dann sagten sie: &#8222;Ich habe nichts Besonderes getan; in Wirklichkeit tat ich sehr wenig. Ich habe nur getan, was der Herr mir auftrug. Jetzt besteht mein Glück darin, hier dasselbe weiter zu tun.&#8220;</p>
<p>Eines Tages traf ich zu meiner grossen Überraschung einen Mann an, der vor vielen Jahren aus meinem eigenen Gemeindeverband ausgeschlossen worden war wegen Irrlehre und Rebellion. Hier galt er offenbar als eine wichtige Persönlichkeit. Wie man mir damals gesagt hatte, hatte er die Mitglieder seiner Gemeinde von Tür zu Tür aufgesucht, um ihnen zu sagen, dass das Gericht Gottes über unseren Gemeindeverband fallen würde. Ich fühlte mich ein wenig beschämt, als ich ihn traf; aber in den Umständen des Himmels konnte ich meine Gedanken über ihn nicht verbergen. &#8222;Und&#8220;, antwortete er, &#8222;warum bist du nie direkt zu mir gekommen, um mich zu fragen, was ich in Wirklichkeit lehrte?&#8220; &#8211; &#8222;Weil ich gelehrt worden bin, mich von Irrlehrern fernzuhalten.&#8220; &#8211; &#8222;Genau das ist es, was ich selber tat. In meiner Kirche wurde gelehrt, die Umkehr von der Sünde sei zur Erlösung nicht notwendig, und Umkehr zu predigen sei lieblos. So füllte sich die Kirche mit aller Art Lügnern, Kriminellen, Ehebrechern&#8230; Ich fühlte einen grossen Schmerz um ihre Seelen. Jemand musste sie warnen; aber niemand tat es, also musste ich es selber tun. Da man mir nicht erlaubte, in der Kirche zu sprechen, musste ich persönlich zu ihnen gehen. Ich las mit ihnen Matthäus 3,7-12, Matthäus 4,17, Lukas 24,46-47 und Apostelgeschichte 2,36-38, und betonte jedesmal das Wort <em>&#8216;Umkehr&#8217;</em>. Das war meine ganze Irrlehre. Du kannst nicht alles glauben, was dir ein Gemeindeleiter sagt.&#8220;<br />
Ich schwieg, noch beschämter. Ich erinnerte mich, was nachher geschehen war: Sein Arbeitgeber, ein Mitglied desselben Gemeindeverbandes, hatte ihn entlassen. Seine Familie litt sehr, aber niemand in der Gemeinde war daran interessiert, ihnen zu helfen. Seine Frau hielt die Spannungen und die Ablehnung, die ihnen die &#8222;Geschwister&#8220; zu spüren gaben, nicht aus. Sie wurde chronisch krank und starb zwei Jahre später. Danach wusste ich nichts mehr von ihm.<br />
Er verstand, was ich dachte, und antwortete: &#8222;Sorge dich nicht, das ist alles vergangen. Ich bin jetzt mehr als entschädigt, denn ich kann allezeit das Angesicht meines geliebten Vaters sehen. Um des Herrn willen bin ich geschmäht und verfolgt und verleumdet worden. Deshalb bin ich jetzt selig, wie der Herr gesagt hat, und ich kann dir versichern, das ist wahr.&#8220; &#8211; Dann fügte er hinzu: &#8222;Durch alle Zeiten hindurch, angefangen bei Jesus selbst und seinen Aposteln, bis hin zu den letzten treuen Zeugen, die in der grossen Trübsal ihre Leben hingegeben haben, sind die Verkündiger des wahren Evangeliums immer verfolgt worden von der offiziellen Kirche. Warum denkst du, gerade deine Zeit sei eine Ausnahme?&#8220;</p>
<p>Aber bevor ich antworten konnte, erwachte ich. Da verstand ich, dass die meisten Dinge nicht so sind, wie sie aus dem Blickwinkel dieser Erde aussehen.</p>
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		<title>Lernprojekt: Modellbogen-Geometrie</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Nov 2011 16:42:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>NovumTestamentum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aus der Schule geplaudert]]></category>
		<category><![CDATA[Geometrie]]></category>
		<category><![CDATA[Homeschooling]]></category>
		<category><![CDATA[Konstruktion]]></category>
		<category><![CDATA[Lernprojekt]]></category>
		<category><![CDATA[Mathematik]]></category>
		<category><![CDATA[Modellbogen]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich bin nach Einzelheiten darüber gefragt worden, wie unsere Kinder und Nachhilfeschüler beim Konstruieren von Modellbogen Geometrie lernten. Deshalb möchte ich einen Artikel diesem Thema widmen. Vorbemerkungen: Es ist uns wichtig, dass unsere Homeschooling-Lernprojekte mit den eigenen Interessen unserer Kinder zu tun haben. Es ist also nicht so, dass wir eines Tages fanden: &#8222;Modellbogen wären [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=christlicheraussteiger.wordpress.com&amp;blog=7800286&amp;post=560&amp;subd=christlicheraussteiger&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich bin nach Einzelheiten darüber gefragt worden, wie unsere Kinder und Nachhilfeschüler beim Konstruieren von Modellbogen Geometrie lernten. Deshalb möchte ich einen Artikel diesem Thema widmen.</p>
<p><strong>Vorbemerkungen:</strong></p>
<p>Es ist uns wichtig, dass unsere Homeschooling-Lernprojekte mit den eigenen Interessen unserer Kinder zu tun haben. Es ist also nicht so, dass wir eines Tages fanden: &#8222;Modellbogen wären doch eine originelle Art, Geometrie zu lernen&#8220;, und dann versuchten, dieses Programm den Kindern schmackhaft zu machen. Vielmehr beobachteten wir, dass unsere Kinder mit Eifer Modellbogen zusammenbauten und immer wieder neue haben wollten. Ab und zu versuchten sie von sich aus, eigene Modelle zu konstruieren. Das &#8222;Modellbogenfieber&#8220; griff auch auf einige ihrer Freunde über. Da war es naheliegend, ihnen zu helfen, ihre Fertigkeiten darin zu verbessern.</p>
<p>Andere Kinder werden andere Vorlieben und Interessen haben, die Anlass zum Erlernen der Mathematik und Geometrie geben. Bei einem ist es vielleicht das Kochen nach Rezept; bei einem anderen das Orientierungslaufen und Landkartenlesen; bei wieder einem anderen sind es vielleicht Strickmuster. (Im Ernst! Nach Howard Gardner, dem Entdecker der &#8222;mehrfachen Intelligenzen&#8220;, ist es vorwiegend die mathematische Intelligenz, die beim Stricken aktiviert wird.)</p>
<p><strong>Voraussetzungen:</strong></p>
<p>Die Kinder sollten zumindest mit den einfachsten Grundbegriffen der Geometrie vertraut sein: mit den Namen der geometrischen Figuren, mit dem Begriff des Winkels, und w.m mit der Parallelität. Auch sollten sie schon etwas Übung darin haben, mit dem Massstab Strecken abzumessen.</p>
<p><strong>Einführung für die Kinder:</strong></p>
<p>Das einfachste Projekt für Anfänger ist wahrscheinlich eine rechteckige Schachtel. Als Einführung kann man einige Schachteln z.B. von Zahnpasta, Teebeuteln oder Medikamenten mitbringen, sie öffnen und untersuchen, wie sie zusammengesetzt sind. (Schachteln nicht aufschneiden, sondern vorsichtig an den Klebestellen aufreissen.) So können die Kinder sehen, wie aus einem entsprechend geformten flachen Stück Karton durch Falten und Kleben eine Schachtel entsteht. Dann können sie eine eigene Schachtel mit selbst gewählten Massen konstruieren. Wahrscheinlich werden sie dabei selber merken, dass es verschiedene Arten gibt, eine Schachtel &#8222;aufzuklappen&#8220;, je nachdem, ob man die Seitenwände alle an den Boden anfügt oder aneinander.</p>
<p>Dieses Modell erfordert als einzige geometrische Konstruktion das Rechteck. Etwas räumliches Vorstellungsvermögen ist nötig, um zu verstehen, wo die Klebefalten anzubringen sind. (Faustregel: Besser zuviele Klebefalten als zuwenig! Wenn man beim Zusammenkleben feststellt, dass eine Klebefalte unnötig ist, kann man sie immer noch abschneiden; aber eine fehlende anzufügen, ist etwas umständlicher.)</p>
<p><strong>Rechteckskonstruktion:</strong></p>
<p>Man muss die Kinder zuerst daran gewöhnen, sowohl Strecken wie Winkel nach Mass zu zeichnen. Manche Kinder werden z.B. die erste Seite des Rechtecks mit dem Massstab abmessen, aber die rechten Winkel der anliegenden Seiten nach Augenmass zeichnen. Wenn sie dann diese Seiten abmessen und deren Endpunkte verbinden, werden sie feststellen (oder man muss sie darauf hinweisen), dass die entstandene vierte Seite nicht genau die richtige Länge hat. (Evtl. kann man mit diesem Hinweis auch warten, bis die Kinder beim Zusammenkleben der Schachtel die Erfahrung machen, dass sie schief wird.)</p>
<p>Somit muss das Zeichnen eines rechten Winkels (mit Zeichendreieck oder evtl. Transporteur) geübt werden.</p>
<p><strong>Anfängerprojekte</strong></p>
<p>Hier einige weitere mögliche Konstruktionen für Anfänger:</p>
<p><em>Haus mit Giebel.</em></p>
<p>Die Seitenwand (mit dem Giebel) kann als Rechteck mit aufgesetztem Dreieck aufgefasst werden. Man könnte die Kinder auffordern, die eine Seitenwand frei zu zeichnen, und dann die gegenüberliegende Wand dazu kongruent zu konstruieren; aber die meisten sind damit überfordert. Besser ist es, sie zum Zeichnen des Giebeldreiecks auf eine der folgenden Arten anzuleiten:</p>
<p>a) aus Grundlinie (= obere Rechtecksseite) und den anliegenden Winkeln (mit Transporteur).</p>
<p>b) aus Grundlinie und Höhe, basiert in der Mitte der Grundlinie.</p>
<p>Etwas fortgeschritteneren Schülern könnte man hier auch die Konstruktion eines Dreiecks aus seinen drei Seiten (mit Zirkel) beibringen. Zudem könnte man hier auf die Kongruenzsätze beim Dreieck eingehen.</p>
<p>Die Länge der zwei Dachteile (von der unteren Kante bis zum First) muss am bereits gezeichneten Giebeldreieck abgemessen werden. Vielleicht kommen die Kinder selber darauf; sonst muss man sie darauf hinweisen.</p>
<p><em>Andere Häuser.</em></p>
<p>Das Thema &#8222;Haus&#8220; kann beliebig abgewandelt werden. Z.B:</p>
<p>- Ein Haus mit Giebel, das den Giebel nicht in der Mitte hat. Hier ist wichtig, dass die gegenüberliegende Hauswand spiegelverkehrt gezeichnet wird.</p>
<p>- Ein Haus, das um die Ecke gebaut ist. Zuerst mit Flachdach, das ist einfacher. Ein um die Ecke gebautes Haus mit Giebeldach (zwei Dachfirste rechtwinklig zueinander) ist schon eine erhebliche Knacknuss, die von den wenigsten Kindern ohne Hilfe gelöst werden kann. Die einfachste Lösung besteht darin, als Hilfskonstruktion den Grundriss des Hauses zu zeichnen; aus dieser Zeichnung kann die Länge der Dachfirste bis zum Schnittpunkt abgelesen werden. Die übrigen Masse der Dachteile ergeben sich aus den Massen der Seitenwände.<br />
Man kann hier auch zeigen, dass wenn sich der Giebel in der Mitte befindet, die Länge des Dachfirsts genau der Durchschnitt der Längen der beiden unterschiedlichen Seitenwände ist. Sätze über Ähnlichkeit und Proportionen, Strahlensatz usw. kommen hier ins Spiel.</p>
<p>- Turm mit pyramidenförmiger Spitze. Am einfachsten ist das mit einem quadratischen Grundriss, dann besteht das Dach aus vier gleichen Dreiecken.</p>
<p><em>Ein einfaches Auto.</em></p>
<p><img title="Modellbogen-Auto" src="http://christlicheraussteiger.files.wordpress.com/2011/11/modellbogen-auto.gif?w=450&#038;h=684" alt="" width="450" height="684" /></p>
<p>Dieses einfache Automodell besteht nur aus zwei gleichen Seiten und dem Dach dazwischen; unten ist es offen. Mit dem Konstruieren muss bei einer der Seiten angefangen werden, die (mit Ausnahme der Räder) aus lauter geraden Linien bestehen sollte. (Auf runde Formen sollte bei Anfängern verzichtet werden. Von unseren Nachhilfeschülern haben nur die Fortgeschritteneren, und erst in der zwölften Lektion, als erste runde Form einen Zylinder konstruiert.) &#8211; Kinder, die noch nicht mit dem Zirkel umgehen können, benützen für die Räder einen runden Gegenstand als Schablone (Münze, Klebeband-Rolle, o.ä.).<br />
Dann wird über dieser Seite für das Dach ein Streifen in der gewünschten Breite des Autos konstruiert (Parallelität beachten!) und in Rechtecke unterteilt, deren jeweilige Länge an den Seitenlinien der bereits gezeichneten Seitenwand abgemessen wird.<br />
Schliesslich wird auf der gegenüberliegenden Seite dieses Streifens die andere Seitenwand kongruent (d.h. spiegelverkehrt) zur ersten konstruiert. &#8211; Auch hier werden viele Kinder nur die Seitenlängen abmessen, während sie die Winkel nach Augenmass zeichnen. Es gibt verschiedene Arten, mit den Kindern die Kongruenz nachzuprüfen: Winkel und/oder Diagonalen nachmessen; warten, bis man beim Zusammenkleben sieht, ob das Auto schief wird; wenn auf normalem Papier gezeichnet wird, kann man es auch so falten, dass die Seitenwände übereinanderliegen, und gegen das Licht halten. Mit der Zeit werden die Kinder erkennen, dass Vielecke (mit mehr als drei Ecken) nur dann kongruent sind, wenn sie nicht nur in den Seitenlängen, sondern auch in den Winkeln übereinstimmen.</p>
<p><strong>Eigene Projekte</strong></p>
<p>Nachdem die Kinder diese ersten Konstruktionen gemeistert haben, können sie eigene Modelle mit geradlinigen Formen erfinden und konstruieren, z.B. weitere Hausformen; Möbel wie Tische, Stühle usw; geometrische Körper; einen Eisenbahnzug; usw. Oft haben die Kinder selber ganz originelle Ideen. (Eine Schülerin hat z.B. einen Bleistift aus Papier gebastelt.) Natürlich muss man beim Konstruieren manchmal helfen. Dabei lernen die Kinder fast von selber neue geometrische Konstruktionen.</p>
<p><strong>Runde Formen</strong></p>
<p>Die einfachste runde Form für die Modellbogenkonstruktion ist der Zylinder. Als Einführung kann man einen Kartonzylinder zeigen (z.B. leere WC-Papierrolle) und die Kinder fragen, was sich beim Aufschneiden und Auseinanderziehen für eine Form ergibt. (Die wenigsten kommen auf Anhieb darauf!) Dann führt man die Demonstration aus.<br />
Jetzt ist es unumgänglich, die Zahl Pi einzuführen, damit aus dem Kreisradius der Umfang berechnet werden kann. Als Näherungswert für Modellbogenkonstruktionen ist 3,14 ausreichend (oder 22/7, wenn man lieber das Bruchrechnen üben will). Beim Zusammenkleben zeigt sich dann, ob die Rechnung richtig war.<br />
Zudem ist hier die Gelegenheit, die Handhabung des Zirkels zu üben, wenn das nicht schon vorher getan wurde.</p>
<p>Bei runden Formen muss darauf geachtet werden, dass die Klebefalten in kleine Teile unterteilt werden &#8211; je kleiner, desto genauer das Ergebnis, aber desto schwieriger das Zusammenbauen.</p>
<p>Der Zylinder eignet sich als Grundform für verschiedene Modelle, z.B: Pfanne, runder Turm, Räder (für detailgetreuere Automodelle), usw.</p>
<p><em>Kegel und Kegelstumpf:</em></p>
<p>Dass ein Kreissektor beim Zusammenkleben der beiden Seiten (Radien) einen Kegel ergibt, kann leicht vorgeführt werden. Wenn die genauen Masse des Kegels unwesentlich sind, dann kann man ihn einfach aus einem Halbkreis basteln. Wie findet man aber die richtigen Masse des Kreissektors, um einen Kegel mit gewünschtem Radius (r) und gewünschter Höhe (h) zu erhalten?<br />
Dazu zeichnen wir als Hilfskonstruktion den Aufriss des Kegels, d.h. ein gleichschenkliges Dreieck mit Grundlinie 2r und Höhe h. Die Länge der Schenkel dieses Dreiecks ist die Mantellinie des Kegels. Diese entspricht dem Radius (R) des Kreissektors, den wir zeichnen müssen. (Als Alternative kann man R auch mit Hilfe des Satzes von Pythagoras berechnen.)</p>
<p><a href="http://christlicheraussteiger.files.wordpress.com/2011/11/kegel.gif"><img class="aligncenter size-full wp-image-562" title="Kegel" src="http://christlicheraussteiger.files.wordpress.com/2011/11/kegel.gif?w=450" alt=""   /></a></p>
<p>Der Umfang des Grundkreises unseres Kegels (=2rPi) entspricht dem Bogen unseres Kreissektors. Mit ein wenig Algebra kommt man darauf, dass somit der Öffnungswinkel des Sektors 360º · r / R betragen muss.</p>
<p>Diese Überlegungen sind in der Regel für Primarschüler noch zu anspruchsvoll. Ich habe meinen Kindern gezeigt, wie man es macht, aber sie können es noch nicht selbständig. Wenn sie einen Kegel konstruieren wollen, bringen sie mir die gewünschten Masse, und ich berechne ihnen daraus die erforderlichen Masse des Kreissektors. Diesen können sie dann mit Massstab, Zirkel und Transporteur selber konstruieren. &#8211; Für Sekundarschüler hingegen ist es eine gute Übung, einige Kegelkonstruktionen selber zu berechnen.</p>
<p>Für einen Kegelstumpf geht man analog vor, indem man diesen als die Differenz zwischen einem grossen und einem kleinen Kegel auffasst.</p>
<p>Die Kombination von Zylinder und Kegel kann man u.a. verwenden für: Runde Türme mit spitzem Dach; Flugzeugrümpfe; Raketen. Oft ist es hier erforderlich, Tangenten an einen Kreis zu konstruieren, oder einander berührende Kreise. Das sind Gelegenheiten, neue Konstruktionen zu lernen.<br />
<em>(Unten: Runder Turm mit kegelförmigem Dach.)</em></p>
<p><img title="Modellbogen-runderTurm" src="http://christlicheraussteiger.files.wordpress.com/2011/11/modellbogen-runderturm.gif?w=437&#038;h=631" alt="" width="437" height="631" /></p>
<p><em>Andere runde Formen:</em></p>
<p>In diesem Stadium könnten jetzt die Kinder andere runde Formen ausprobieren, z.B. ein Automodell mit gerundeten Seitenlinien. Die Länge des Dachstreifens kann in diesem Fall gemessen werden, indem man einen Faden der Seitenlinie entlang legt, diesen dann geradezieht und mit dem Massstab seine Länge misst.</p>
<p>Sehr schwierig hingegen sind kugelige Formen, Zwiebeldächer, Parabolspiegel, usw. Diese müssen aus Sektoren oder Kegelstümpfen annäherungsweise zusammengesetzt werden. Das gehört aber schon zur &#8222;Hohen Schule&#8220; der Modellbaukunst und erfordert sehr genaues Konstruieren und/oder höhere Mathematik.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/christlicheraussteiger.wordpress.com/560/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/christlicheraussteiger.wordpress.com/560/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/christlicheraussteiger.wordpress.com/560/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/christlicheraussteiger.wordpress.com/560/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/christlicheraussteiger.wordpress.com/560/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/christlicheraussteiger.wordpress.com/560/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/christlicheraussteiger.wordpress.com/560/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/christlicheraussteiger.wordpress.com/560/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/christlicheraussteiger.wordpress.com/560/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/christlicheraussteiger.wordpress.com/560/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/christlicheraussteiger.wordpress.com/560/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/christlicheraussteiger.wordpress.com/560/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/christlicheraussteiger.wordpress.com/560/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/christlicheraussteiger.wordpress.com/560/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=christlicheraussteiger.wordpress.com&amp;blog=7800286&amp;post=560&amp;subd=christlicheraussteiger&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Noch ein Ausstieg</title>
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		<pubDate>Mon, 17 Oct 2011 14:29:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>NovumTestamentum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aus meiner Lebensgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Nachdenkliches und Herausforderndes]]></category>
		<category><![CDATA[Altersvorsorge]]></category>
		<category><![CDATA[aussteigen]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
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		<category><![CDATA[Versorgung]]></category>

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		<description><![CDATA[Hatte ich doch gedacht, ich sei jetzt so ziemlich aus allen äusseren Umständen ausgestiegen, die mich noch an Menschenwerk statt Gottes Werk festhalten. Irrtum! Da kam dieses Jahr ein Brief, der mich daran erinnerte, dass ich noch zu einer Institution gehörte, die ich nicht zu hinterfragen wagte. Ich spreche von der Schweizerischen AHV (Alters- und [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=christlicheraussteiger.wordpress.com&amp;blog=7800286&amp;post=557&amp;subd=christlicheraussteiger&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hatte ich doch gedacht, ich sei jetzt so ziemlich aus allen äusseren Umständen ausgestiegen, die mich noch an Menschenwerk statt Gottes Werk festhalten. Irrtum! Da kam dieses Jahr ein Brief, der mich daran erinnerte, dass ich noch zu einer Institution gehörte, die ich nicht zu hinterfragen wagte. Ich spreche von der Schweizerischen AHV (Alters- und Hinterbliebenenversicherung). Für Nicht-Schweizer: Die AHV gilt in der Schweiz als grösste soziale Errungenschaft des 20.Jahrhunderts und ist inzwischen zu einer heiligen Kuh geworden. Ich muss also damit rechnen, dass dieser Artikel von einigen Lesern als Sakrileg aufgefasst wird.</p>
<p>Nun wurde ich also in besagtem Brief aufgefordert, &#8222;die genaue Rechtsform Ihres Unternehmens (AG, GmbH, etc.)&#8220; bekanntzugeben, und die &#8222;Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung&#8220; dieses (gar nicht existierenden) Unternehmens einzureichen, sowie &#8222;Einzelheiten über Ihre Arbeitsstunden&#8220;, eine &#8222;detaillierte Aufstellung der Einnahmen und Aufwendungen pro Monat&#8220;, &#8222;Belege des Bruttoeinkommens Ihrer/Ihres Ehepartners/-in&#8220; (ganz im herrschenden Zeitgeist: Obwohl sie mich als &#8222;Herrn Soundso&#8220; ansprechen, sind die sich anscheinend über das Geschlecht meiner Ehefrau im Unklaren), &#8211; und anderes mehr.</p>
<p>Dabei weiss der Funktionär der AHV genau, dass ich weder Unternehmer noch Angestellter bin, dass ich in bescheidenen Verhältnissen lebe und auf Unterstützung Dritter angewiesen bin, und dass ich unter diesen Umständen von Gesetzes wegen sowieso den Mindestbeitrag bezahle, egal wie viele Bücher voll Belege ich einreiche.</p>
<p>Nun ist das nicht das erste Mal, dass ich von der AHV ein unsinniges Schreiben erhalte. Dieses Mal aber empfand ich den Vorfall als enen &#8222;Stubs&#8220; von Gott, grundsätzlich darüber nachzudenken, wie er die AHV beurteilt, und ob es richtig sei, weiterhin in dieser Institution zu verbleiben.</p>
<p>Fürsorge für Alte und Bedürftige ist natürlich etwas Gutes und Lobenswertes. Effektiv ist die AHV eine der Institutionen, die dazu beigetragen haben, dass es in der Schweiz während der letzten Jahrzehnte und bis heute so gut wie keine (finanzielle) Armut gibt. Und sie zeugt von Solidarität unter dem schweizerischen Volk.</p>
<p>Aber das ist nur die eine Seite der Medaille. Wenn wir dem Urgedanken solcher sozialer Einrichtungen nachforschen, stossen wir auf die biblischen Anweisungen, sich um die Armen, Witwen und Waisen zu kümmern. Diese Anweisungen richten sich aber nicht an staatliche Institutionen, sondern in erster Linie an die Familienangehörigen der Bedürftigen (1.Timotheus 5,8.16), und in zweiter Linie an deren Mitchristen, also die geistliche Familie (Galater 2,10, Römer 15,26-27, Jakobus 2,15-16). Das ist die Art und Weise, wie die Armen- und Altersfürsorge jahrhundertelang funktioniert hat und in Ländern wie Perú auch heute noch weitgehend funktioniert. So kommen wir als Familie z.B. zusammen mit zwei weiteren Geschwisterfamilien für den Lebensunterhalt meiner betagten Schwiegereltern auf. Die Existenz und Notwendigkeit einer AHV ist also nicht nur ein Zeugnis für die Solidarität des Schweizervolkes. Sie ist ebenso ein Zeugnis dafür, dass die Einrichtungen, die traditionellerweise und biblischerweise für die Altersvorsorge zuständig waren, nämlich die natürliche und die geistliche Familie, nicht mehr funktionieren und in Auflösung begriffen sind oder sich bereits aufgelöst haben.</p>
<p>In dieser Situation ist es zwar besser, eine staatliche Altersvorsorge zu haben als gar keine. Aber ein wichtiges Element geht dabei verloren, nämlich die mitmenschliche Fürsorge. Es ist nicht dasselbe, ob ich meine Schwiegereltern unterstütze, denen ich persönlich nahestehe und mit deren Verhältnissen ich vertraut bin, oder ob ich Geld an eine anonyme Institution einzahle, deren Funktionäre mich nicht einmal kennen und mir nur ab und zu einen mehr oder weniger absurden Brief schreiben. In einem <a href="http://christlicheraussteiger.wordpress.com/2010/08/25/das-tier-in-der-offenbarung-2/">früheren Artikel</a> habe ich ausführlicher über die Gefahren dieser Ver-Institutionalisierung der mitmenschlichen Hilfe geschrieben. In ähnlichem Sinn schreibt auch Randy Alcorn in &#8222;Geld, Besitz und Ewigkeit&#8220;:</p>
<blockquote><p>&#8222;Früher mussten die Menschen auf Gott vertrauen, dass er die Mittel für die Arztrechnungen zur Verfügung stellte, wenn sie krank wurden. Wenn sie krank blieben, waren sie und ihre Familien von Gott, der Familie und der christlichen Gemeinschaft abhängig, was die materielle und persönliche Unterstützung anging. Eine Person, die verletzt war und nicht mehr arbeiten konnte, wurde von ihrer Familie, der Kirche, den Nachbarn und der Gemeinschaft versorgt. Ihre „Versicherung“ bestand in ihrer eigenen Beteiligung an dieser Gemeinschaft. Die Menschen sorgten füreinander, halfen einander und beteten füreinander. Gott wirkte durch diese persönlichen Beziehungen, um nicht nur materielle, sondern auch emotionale und geistliche Bedürfnisse zu decken. Wenn jemand starb, traten andere an seine Stelle, um bei der Versorgung der Familie zu helfen. Mit den Versicherungen wurde all das anders. Aber hat es sich zum Besseren gewandelt?<br />
Vor hundert Jahren versammelten sich die Nachbarn und Gemeindemitglieder, wenn ein Haus abbrannte, gaben aus ihrem Vermögen an Zeit und Geld und halfen beim Wiederaufbau. (Das haben Sie doch sicher schon im Film gesehen, bei den Amish oder in „Unsere kleine Farm“!) Aber heute hat das die Versicherungsgesellschaft übernommen. Freunde, Nachbarn und Gemeindeglieder sind dann vielleicht kurz traurig und bieten kurzfristig emotionale Unterstützung an, aber dann kehren sie wieder in ihr eigenes Leben zurück, über ihren leidenden Nachbarn kaum betroffen und minimal an ihrem Unglück Anteil nehmend.<br />
(&#8230;)<br />
Um diese beiden Quellen der Fürsorge zu unterscheiden, nennen wir die vertraglich geregelte Versicherung durch eine Versicherungsgesellschaft „formelle Versicherung“ und die spontane Versorgung durch eine geographische oder geistliche Gemeinschaft „informelle Versicherung“. Die Geschichte hat gezeigt, dass mit der breiten Einführung der formellen Versicherungen die Rolle der informellen Versicherung durch die Gemeinschaft minimiert und letztendlich fast abgeschafft worden ist. Wenn eine Person ausreichend formell versichert ist, dann gibt es wenig oder gar keinen sichtbaren Bedarf an informeller Versicherung.<br />
Der Tod der informellen Versicherung durch die Gemeinschaft ist nicht nur für die formelle Versicherung, sondern auch für die endlose Zahl an staatlichen Programmen ein Problem, die Geld austeilen, ohne die ganzheitliche Versorgung zu bieten, die ganz natürlich in einem Netzwerk gewachsener Beziehungen geschieht. Der Fehler liegt nicht nur beim Staat oder bei den Anbietern formeller Versicherungen, sondern auch bei den Mitgliedern der Gemeinschaft, die nicht erkennen, dass diese informellen Versicherungen nach wie vor nötig sind. Versicherungen treiben Menschen nicht nur aus unterstützenden Beziehungen heraus, sondern sie treten auch in die Lücke, die Menschen reißen, die sich aus Beziehungen verabschieden.<br />
Ungeachtet dessen, wer daran schuld ist, hat aber eine tragische Erosion der Gemeinschaft, der kirchlichen Beziehungen und des Engagements stattgefunden. Die natürlichen Ereignisse im Leben, die einst die Leute zusammengebracht haben, tun das nicht mehr. Weil für alles vorgesorgt ist, beteiligen sich die Menschen nur noch selten sinnvoll am Leben ihrer Mitmenschen.&#8220;</p></blockquote>
<p>- Ein anderes Detail ist mir erst jetzt aufgefallen: Warum nennt sich die AHV überhaupt &#8222;Versicherung&#8220;? Ist nicht bei jeder anderen Versicherung der Kunde frei, jenen Beitrags- und Leistungsplan auszuwählen, der ihm am besten entspricht? Oder hat man je von einer Versicherung gehört, die alljährliche Bescheinigungen über Vermögen und Einkommen ihrer Kunden anfordert und demgemäss deren Beiträge bemisst? Das sollte korrekterweise nicht &#8222;Versicherungsbeitrag&#8220; heissen, sondern &#8222;Steuer&#8220;, bzw. &#8222;Staatliche Umverteilung von Reichtum und Armut nach kommunistischem Muster&#8220;.</p>
<p>Nun gehöre ich ja zu jenen, die von dieser Umverteilung profitieren (d.h. falls ich das Rentenalter erreiche), da ich die meiste Zeit meines Lebens nahe am Existenzminimum gelebt habe und deshalb weder ein guter Steuerzahler noch ein guter Konsument war. Ich bin aber zum Schluss gekommen, dass es mit meinem Vertrauen auf Gott als meinen Versorger unvereinbar ist, mich weiterhin in so hohem Mass von solcher staatlicher Umverteilung abhängig zu machen. In letzter Konsequenz ist die staatliche Fürsorge eine antichristliche Fälschung der christlichen Nächstenliebe. Auf diese Art Fürsorge zu vertrauen statt auf die Versorgung Gottes, ist in letzter Konsequenz Götzendienst.</p>
<p>Nun könnte jemand fragen, ob ich damit nicht &#8222;Ungehorsam gegen die Obrigkeit&#8220; predige, entgegen Römer 13. Aber für Auslandschweizer ist die AHV freiwillig. Ich bin also durchaus berechtigt, auszutreten.<br />
Ausserdem sollte genau gelesen werden, was nach Römer 13 die Aufgabe der Obrigkeit ist: &#8222;Tue das Gute, und du wirst Lob von ihr haben; denn Gottes Dienerin ist sie für dich zum Guten. (&#8230;) eine Rächerin zum Zorngericht für den, der das Böse verübt.&#8220; &#8211; Ebenso auch 1.Petrus 2,14: &#8222;&#8230;um die Übeltäter zu bestrafen und die zu beloben, die das Rechte tun.&#8220; Das &#8222;Untertan-Sein&#8220; bezieht sich also einzig darauf, sich der staatlichen Rechtsprechung zu fügen, insofern diese die guten Taten lobt und die bösen bestraft. Es steht hier aber nichts davon, dass der Staat Kranke pflegen, Alte und Arme versorgen, Kinder erziehen oder Reichtum und Armut umverteilen solle &#8211; geschweige denn, dass der Bürger unter einen Zwang gestellt werden solle, von solchen staatlichen Tätigkeiten Gebrauch zu machen. Das alles gehört, wie bereits erwähnt, in den Zuständigkeitsbereich der Familie &#8211; in erster Linie der natürlichen und in zweiter Linie der geistlichen. Beim Nachdenken über dieses Thema ist mir wieder neu bewusst geworden, wie wichtig es ist, gerade im Dienst am <em>Nächsten</em> &#8211; d.h. an den Menschen in meiner unmittelbaren Umgebung &#8211; einen Schwerpunkt zu setzen und damit die &#8222;informelle Versicherung&#8220; zu stärken.</p>
<p>Jemand anders wird vielleicht sagen: &#8222;Wie kannst du nur so leichtsinnig deine Altersvorsorge aufs Spiel setzen? Wir leben nun einmal in dieser Welt und können nicht einfach so zu den Zuständen der familiären, gemeindlichen oder nachbarschaftlichen Altersvorsorge zurückkehren.&#8220; &#8211; Ich weiss. Ich fordere ja nicht, die AHV abzuschaffen und gesamtgesellschaftlich zur familiären und christlichen Sozialhilfe zurückzukehren. Obwohl das aus biblischer Sicht und für eine christlich geprägte Gesellschaft das Richtige wäre &#8211; für die gegenwärtige gottferne Gesellschaft wäre es vollkommen unrealistisch und unmöglich. <strong>Aber ich bin überzeugt, dass ich als Christ dazu berufen bin, mit meinem Leben in dieser Welt Zeichen zu setzen, nicht für das, was realistischerweise </strong><em><strong>ist</strong></em><strong>, sondern für das, was nach Gottes Willen </strong><em><strong>sein soll</strong></em><strong>.</strong> Auch wenn es riskiert ist und etwas kostet. Auch wenn ich damit zum Vertreter einer Lebensform werde, die es in weitem Umkreis nicht mehr gibt und nicht verstanden wird. Der christlichen Berufung gerecht zu werden, ist mir wichtiger als die Frage, ob ich mein Alter in Reichtum oder in Armut verbringen werde. Deshalb bin ich &#8211; einmal mehr &#8211; ein &#8222;christlicher Aussteiger&#8220;.</p>
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