Die neutestamentliche Gemeinde in Matthäus 23 (3.Teil)

3. Dezember 2016

In der neutestamentlichen Gemeinde wird „Leiterschaft“ durch Dienst ersetzt.

Das sehen wir in Vers 12 unseres Kapitels Matthäus 23:

„Aber der grösste von euch sei euer Diener. Und jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, und jeder, der sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“

Wir können mehrere Parallelstellen zitieren:

„Ihr wisst, dass die Machthaber der Völker über sie herrschen, und die Grossen missbrauchen ihre Macht über sie. Unter euch soll es nicht so sein; sondern wer unter euch gross sein will, der sei euer Diener, und wer unter euch wichtiger sein will, sei euer Sklave; wie auch der Menschensohn nicht gekommen ist, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben als Lösegeld zu geben für viele.“ (Matthäus 20,25-28)

„Die Könige der Völker knechten sie, und die über sie herrschen, lassen sich Wohltäter nennen. Aber ihr sollt nicht so sein; sondern der Grösste unter euch soll werden wie der Jüngste, und der Leitende wie der Dienende. Denn wer ist wichtiger, der am Tisch sitzt oder der bedient? Nicht der, der am Tisch sitzt? Aber ich bin mitten unter euch wie der, der bedient.“ (Lukas 22,25-27)

„Ihr nennt mich ‚Meister‘ und ‚Herr‘, und das sagt ihr gut; denn ich bin es. Wenn also ich, der Herr und Meister, eure Füsse gewaschen habe, dann sollt auch ihr einander die Füsse waschen; denn ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit auch ihr so tut, wie ich euch getan habe.“ (Johannes 13,13-15)

Ein „Leiter“ in der neutestamentlichen Gemeinde hat keine Privilegien. Jesus beanspruchte keine Privilegien vor seinen Jüngern und behandelte sie auch nicht autoritär. Sie anerkannten ihn als ihren Meister, weil sie in ihm eine echte Weisheit, Geistlichkeit und Autorität sahen, die sich in seinen Worten und in seinem Beispiel manifestierte. Deshalb war er es würdig, dass sie ihm nachfolgten. Und deshalb konnte er seinen Jüngern dienen, ohne seine Autorität zu verlieren.
Das ist das Beispiel, das Jesus allen Leitern unter seinen Jüngern nach ihm hinterliess. Ein echter christlicher Leiter sucht nicht ein „Amt“, eine „höhere Stellung“, oder Privilegien. Er knechtet seine Glaubensgeschwister nicht. Im Gegenteil, er übt seine Verantwortung zum Wohlergehen seiner Glaubensgeschwister aus. Ein echter christlicher Leiter wird immer ein Beispiel dieser Haltung geben, die auch im Herrn selber war: „Wir sollen (…) nicht uns selber zu Gefallen leben. Jeder von uns lebe dem andern zu Gefallen, indem er das Gute tut und ihn auferbaut. Denn auch der Christus hat nicht sich selber zu Gefallen gelebt …“ (Römer 15,1-3)

Aus der nichtchristlichen Welt sind wir es gewohnt, dass „Leiterschaft“ gleichbedeutend ist mit „herrschen“ oder „andere knechten“. Deshalb musste Jesus sehr klar sagen, dass in seinem Reich die Dinge anders sind. Ja, es gibt eine Vielfalt von Gaben und Funktionen in der Gemeinde (Römer 12,4-5, 1.Korinther 12,4-6); und einige dieser Funktionen schliessen das ein, was wir gemeinhin „Leiterschaft“ nennen. Aber in der christlichen Gemeinde begründet diese Vielfalt der Funktionen keine hierarchische Struktur und keine Unterscheidung zwischen „Geistlichen“ und „Laien“ (Siehe die vorhergehenden Betrachtungen.) Wer eine „Leiterschaftsfunktion“ innehat, steht deswegen nicht „über“ seinen Glaubensgeschwistern.

Es ist interessant zu beobachten, wie sorgfältig sich die Schreiber des Neuen Testaments in dieser Hinsicht ausdrücken: In einem weltlichen Kontext haben sie kein Problem zu sagen, ein Leiter sei „über“ anderen. Aber sie gebrauchen dieses Wort „über“ nicht, wenn sie sich auf einen christlichen Leiter beziehen. Betrachten wir nochmals genau Matthäus 20,25-27: „… die Grossen missbrauchen ihre Macht über sie. Unter euch soll es nicht so sein; sondern wer unter euch gross sein will, (…) und wer unter euch wichtiger sein will …“

In vielen gegenwärtigen Kirchen ist „Leiterschaft“ zu einer Machtposition geworden, verbunden mit viel Einfluss und manchmal auch finanziellem Gewinn. Infolgedessen fühlen sich jene Personen zu diesen Positionen hingezogen, die genau das suchen: Macht, Einfluss, und Reichtum. Das heisst, die Leiterschaftsstellungen werden allmählich von den ungeistlichsten Menschen eingenommen; von jenen, die in Bibelstellen wie den folgenden beschrieben werden:
„… Menschen mit verdorbenem Sinn, die die Wahrheit nicht haben, die fälschlich denken, die Gottesfurcht sei ein Mittel, Geld zu gewinnen …“ (1.Timotheus 6,5)
„… Feinde des Kreuzes Christi, deren Bestimmung das Verderben ist, deren Gott der Bauch ist, und deren Ehre in ihre Schande ist; die [nur] an das Irdische denken.“ (Philipper 3,18-19)
(Über die falschen Apostel): „… wenn jemand euch knechtet, wenn jemand euch aufzehrt, wenn jemand das Eure nimmt, wenn jemand sich selbst erhöht, wenn euch jemand ins Gesicht schlägt.“ (2.Korinther 11,20)
„… der es liebt, der Erste von ihnen zu sein, Diotrephes, nimmt uns nicht auf. (…) und nicht zufrieden damit, nimmt er auch die Brüder nicht auf; und jene, die [sie aufnehmen] wollen, hindert er daran und schliesst sie aus der Versammlung aus.“ (3.Johannes 9-10)

So entstehen Kirchen, die dem Anschein nach aufblühen, aber in geistlichem Elend leben; die voll von Habsucht, Intrigen, Lügen, Betrug, und weltlichem Ehrgeiz sind. Wo solche Dinge zu beobachten sind, und die Versammlung ergreift keine Massnahmen, um diese schlechten Leiter zu korrigieren und sie durch echte geistliche Leiter zu ersetzen, da können wir wissen, dass es sich nicht um neutestamentliche Gemeinde handelt.

Die Situation ist ganz anders an Orten wie China, wo die echte Gemeinde unter ständiger Bedrohung lebt. In China muss ein Gemeindeleiter damit rechnen, in Armut zu leben, und er geht ein erhöhtes Risiko ein, Verfolgung und Tod zu erleiden. Einige der wichtigsten christlichen Leiter in China können nicht einmal einer Gemeinde vorstehen, weil sie sich versteckt halten müssen; ihr ganzer Dienst besteht aus Fasten und Gebet, und Beratung anderer Leiter, die aktiv das Evangelium verkünden.
Dieselbe Situation – oder sogar noch schlimmer – besteht in vielen islamischen Ländern.
In solchen Umständen ist es viel wahrscheinlicher, dass tatsächlich die geistlicheren Christen Leiterschaft anstreben. Sie werden auf dieser Erde nicht belohnt werden dafür; deshalb wird ihre Belohnung vom Herrn umso grösser sein.

Es wäre traurig, wenn die Gemeinde nur in Verfolgungszeiten geistlich aufblühen könnte. Aber in Zeiten der Freiheit könnten wir zumindest die Leiter nach diesem Kriterium prüfen: Wäre diese Person auch unter den Umständen der chinesischen Gemeinde ein Leiter? Ist er in Leiterschaft, weil er dienen will, oder weil er herrschen will?

Die neutestamentliche Gemeinde in Matthäus 23 (2.Teil)

17. November 2016

„Aber ihr sollt euch nicht ‚Rabbi‘ nennen lassen; denn einer ist euer Meister, der Christus; und ihr alle seid Brüder. Und nennt niemanden auf Erden euren Vater, denn einer ist euer Vater, der in den Himmeln ist. Lasst euch auch nicht Meister(Lehrer) nennen, denn einer ist euer Meister, der Christus.“

Die neutestamentliche Gemeinde unterscheidet nicht zwischen „Geistlichen“ und „Laien“.

In der Ordnung des Alten Testaments war das Priestertum sehr wichtig. Ein Priester ist ein Mittler zwischen Gott un den Menschen: Er steht vor Gott, um die Opfer des Volkes darzubringen, und um für das Volk Fürbitte zu leisten. Und er steht vor dem Volk, um ihm die Worte Gottes zu überbringen.
Aber interessanterweise finden wir auch im Alten Testament, dass dies nicht die ursprüngliche Absicht Gottes war: „Wenn ihr nun auf meine Stimme hört, und meinen Bund hält, dann werdet ihr mein besonderes Eigentumsvolk unter allen Völkern sein; denn mir gehört die ganze Erde. Und ihr werdet für mich ein Königreich von Priestern sein, und ein heiliges Volk …“ (2.Mose 19,5-6) Nach der ursprünglichen Absicht Gottes sollten also alle Israeliten Priester sein. Sie alle sollten direkten Zugang zu Gott haben. Aber sie hielten es nicht aus, dass Gott direkt zu ihnen sprach: „Das ganze Volk beobachtete das Donnergetöse und die Blitze, und den Lärm der Trompete, und den Berg, der rauchte; und als das Volk es sah, zitterten sie, und stellten sich in weiter Entfernung auf. Und sie sagten zu Mose: Sprich du zu uns, und wir werden auf dich hören; aber Gott soll nicht mehr zu uns sprechen, damit wir nicht sterben.“ (2.Mose 20,18-19). So wurde die Figur des Mittlers eingeführt, auf Verlangen des Volkes. Und infolgedessen richtete Gott das israelitische Priestertum ein (2.Mose 28).

Aber im Neuen Testament kehrte Gott zu seiner ursprünglichen Absicht zurück. Der Hebräerbrief stellt klar heraus, dass das alttestamentliche Priestertum durch das vollkommene Opfer Jesu abgeschafft wurde:

„Wenn es also durch das levitische Priestertum Vollkommenheit gegeben hätte (…), wozu hätte dann noch ein anderer Priester nach der Ordnung Melchisedeks aufstehen müssen, und nicht nach der Ordnung Aarons? Denn wenn das Priestertum wechselt, wechselt notwendigerweise auch das Gesetz. Denn der, von dem dieses gesagt wird, war von einem anderen Stamm, von dem niemand am Altar gedient hatte. (…) Denn das frühere Gebot wurde ungültig gemacht wegen seiner Schwäche und Nutzlosigkeit – denn das Gesetz hat nichts vollkommen gemacht -, und es wurde eine bessere Hoffnung eingeführt, durch die wir uns Gott nähern. (…) Jesus wurde zum Bürge eines besseren Bundes gemacht. Und jene Priester waren viele, weil der Tod sie daran hinderte, zu bleiben; aber dieser bleibt für ewig und hat deshalb ein unwandelbares Priestertum. Deshalb kann er auch jene vollständig retten, die sich durch ihn Gott nähern, weil er ewig lebt, um für sie zu flehen. Denn ein solcher Hoherpriester gebührte uns: heilig, ohne Bosheit, ohne Verunreinigung, abgesondert von den Sündern, und höher erhoben als die Himmel, der es nicht nötig hat wie die Hohenpriester, täglich zuerst Opfer für seine eigenen Sünden darzubringen und dann für die des Volkes; denn er tat dies ein für allemal, indem er sich selber opferte.“ (Hebräer 7,11-13.18-19.22-27)

Ein wiederkehrendes Thema im Hebräerbrief ist der direkte Zugang zu Gott.

(Da wir Jesus als Hohepriester haben,) „lasst uns also mit Freimut zum Gnadenthron hinzutreten, damit wir Barmherzigkeit erhalten und Gnade finden zur rechtzeitigen Hilfe.“ (Hebräer 4,16)

„Da wir Freimut haben, ihr Brüder, ins Allerheiligste einzutreten durch das Blut Jesu, das er geweiht hat als einen neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang, das heisst sein Fleisch; und einen grossen Priester über das Heim Gottes, so lasst uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen in Fülle des Glaubens, das Herz besprengt [zur Reinigung] von einem bösen Gewissen, und den Körper gewaschen mit reinem Wasser.“ (Hebräer 10:19-22)

Die „Hebräer“, die noch unter der Ordnung des Alten Bundes aufgewachsen waren, müssen sich des grossen Vorrechts sehr wohl bewusst gewesen sein, das ihnen zuteil wurde, als Jesus das vollkommene Opfer darbrachte, das alle anderen Opfer unnötig machte. Sie waren von keinem irdischen Priester mehr abhängig, um sich Gott nähern zu dürfen! Das Opfer Jesu, und das Priestertum Jesu, waren ein für allemal genügend!

Deshalb sagt auch Paulus in 1.Timotheus 2,5:

„Denn Gott ist ein einziger, und ein einziger ist Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Christus Jesus …“

In der neutestamentlichen Gemeinde gibt es kein besonderes Priestertum mehr. Ein Christ braucht keine Vermittlung eines anderen Christen, um sich Gott nähern zu können. Das einzige Priestertum Jesu genügt vollkommen!

Es gibt einige neutestamentliche Stellen, wo die Christen „Priester“ genannt werden. Aber diese Stellen gebrauchen das Wort „Priester“ im Sinne der ursprünglichen Absicht Gottes: Alle Christen sind „Priester“ in dem Sinne, dass sie direkten Zugang zu Gott haben. In der Ordnung des Neuen Bundes gibt es keine Christen, die „priesterlicher“ wären als andere. Das heisst, es gibt keine „Geistlichen“ oder „Kleriker“, die eine Klasse von „besonderen“ Christen bilden würden, unterschieden von den „Laien“.

Was es gibt, sind die unterschiedlichen Funktionen der Christen. Aber so wie diese Vielfalt der Funktionen keine hierarchische Struktur begründet, so bergründet sie ebensowenig eine Unterscheidung zwischen „Geistlichen“ und „Laien“. Jedes Glied am „Leib Christi“ hat eine Funktion; und in den Schriftstellen, die darüber sprechen, finden wir keine Unterscheidung zwischen „geistlichen“ und „laizistischen“ Funktionen.

Die neutestamentliche Gemeinde in Matthäus 23 (Teil 1)

3. November 2016

In einer Reihe früherer Betrachtungen haben wir die Worte des Herrn in Matthäus 18 über die Gemeinde untersucht. Ich möchte mich nun einer anderen Schriftstelle zuwenden:

„Aber ihr sollt euch nicht ‚Rabbi‘ nennen lassen; denn einer ist euer Meister, der Christus; und ihr alle seid Brüder. Und nennt niemanden auf Erden euren Vater, denn einer ist euer Vater, der in den Himmeln ist. Lasst euch auch nicht Meister(Lehrer) nennen, denn einer ist euer Meister, der Christus. Aber der grösste von euch sei euer Diener. Und jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, und jeder, der sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“ (Matthäus 23,8-12)

Es lohnt sich, das ganze Kapitel zu lesen, denn es ist eines, über das in den heutigen Kirchen kaum je gepredigt wird!

In diesem Abschnitt kommt zwar das Wort „Gemeinde“ nicht vor; aber er sagt uns einige wesentliche Dinge über die Beziehungen zwischen ihren Gliedern.

Die neutestamentliche Gemeinde ist keine Hierarchie.

„Ihr alle seid Brüder.“ Mit diesen Worten (Zusammenhang beachten!) stellte Jesus alle seine Nachfolger auf dieselbe Stufe. Es sollte unter ihnen keine „Meister“ über „Schülern“ geben, keine „Väter“ über „Söhnen“. Es gibt nur Einen, der über die Gemeinde herrscht: Jesus selber.

Wir dürfen diese Stelle nicht so spitzfindig auslegen, als ob Jesus hier nur den Gebrauch der drei Titel „Rabbi“, „Vater“ und „Meister“ verboten hätte. Tun wir etwa besser, wenn wir stattdessen die Titel „Pfarrer“, „Pastor“, oder vielleicht „Professor“ oder „Doktor“ benützen? – Lesen wir den Zusammenhang. Jesus spricht hier gegen jede besondere Behandlung, die jemand seines „höheren Ranges“ wegen beansprucht oder erhält. Als Beispiel erwähnt er die Schriftgelehrten (Rabbiner, Theologen) seiner Zeit: „… und sie lieben die Ehrenplätze bei den Banketten und in den Synagogen, und die Begrüssungen auf den Plätzen, und dass die Menschen sie ‚Rabbi, Rabbi‘ nennen.“ (Verse 6-7) Die Parallelstellen Markus 12,38 und Lukas 20,46 erwähnen ausserdem, dass sie „gerne in feinen Kleidern umhergehen.“ All dies sind typische Attribute einer Person, die eine gewisse hierarchische Position innehat; und wir können dieselben Attribute bei den Leitern vieler heutiger Kirchen beobachten:

  • Sie tragen besondere Kleidung.
  • Sie werden besonders respektvoll begrüsst.
  • Sie tragen einen besonderen Titel.
  • Bei Anlässen haben sie herausgehobene (Sitz-)Plätze inne.

Nach den Worten Jesu hat nichts von dem Platz in der neutestamentlichen Gemeinde!

Es ist immer gut nachzuforschen, an wen sich eine bestimmte Bibelstelle richtet. Matthäus 23,1: „Dann sprach Jesus zu der Volksmenge und zu seinen Jüngern (den zukünftigen Aposteln): …“ Damit ist klar, dass es nach der Absicht Jesu auch keine hierarchischen Unterschiede zwischen den Aposteln und den „gewöhnlichen Christen“ geben sollte.

Und die Apostel hielten sich daran! Wenn wir die Apostelgeschichte und die apostolischen Briefe lesen, finden wir nirgends, dass jemand das Wort „Apostel“ als einen Ehrentitel gebraucht hätte, wenn er einen Apostel ansprach. Nirgends lesen wir, dass sich die Apostel durch besondere Kleidung oder besondere Sitzplätze ausgezeichnet hätten, oder dass sie irgendein anderes besonderes Vorrecht von seiten anderer Christen eingefordert oder erhalten hätten.

Es ist richtig, dass die Apostel eine besondere Funktion in der Gemeinde erfüllten. Wir müssen verstehen, dass jeder Christ seine besondere „Funktion“ im „Leib Christi“ hat. (Siehe Römer 12,3-8, 1.Korinther 12,4-31). Aber diese Verschiedenheit der Funktionen begründet keine hierarchische Rangordnung. (Die Unterscheidung zwischen „Funktion“ und „Rang“ ist schwierig zu verstehen in der heutigen Zeit, wo wir daran gewöhnt sind, dass jede Institution hierarchisch funktioniert. So Gott will, werde ich in zukünftigen Betrachtungen auf diesen Punkt zurückkommen.) – Und die Apostel erfreuten sich eines besonderen Respekts in den Gemeinden – aber nicht, weil sie eine bestimmte „hierarchische Position“ innegehabt hätten, sondern wegen ihrer geistlichen Reife, ihrer Nähe zu Jesus, und ihrer besonderen Eigenschaft als Zeugen der Auferstehung.

Die Tendenz zu einer hierarchischen Organisation der Gemeinden begann allmählich im Lauf des zweiten Jahrhunderts, nach dem Tod der Apostel, und war die Erfüllung von Paulus‘ Warnung in Apostelgeschichte 20,29-32. Aber diese Tendenz konnte sich nicht vollständig durchsetzen, solange die christliche Gemeinde eine machtlose Minderheit in der Welt war. Die grosse Veränderung geschah erst dreihundert Jahre nach den Anfängen der Gemeinde, zur Zeit der Kaiser Konstantin und Theodosius. Konstantin tat den ersten Schritt, indem der das Christentum als „erlaubte Religion“ im Römischen Reich offiziell anerkannte. Damit hörten die Verfolgungen auf, und Konstantin gewann die Sympathie vieler Christen. Dann wagte er es, in innerkirchliche Angelegenheiten einzugreifen: Es war Konstantin, der das berühmte Konzil von Nicäa (325) einberief, und er war es, der das Konzil entscheidend beeinflusste, das Nicänische Glaubensbekenntnis zu unterschreiben.

Heute feiern viele Historiker dieses Konzil als einen Sieg der biblischen Lehre über die Irrlehre des Arianismus. Aber Konstantin interessierte sich kaum für diese Lehrfrage. Sein einziges Interesse lag darin, die Einheit des Reiches zu bewahren; und zu diesem Zweck musste er erreichen, dass eine der streitenden Parteien einen vollständigen Sieg über die andere errang. So masste er sich eine kirchliche Funktion an, die ihm nicht zukam. (Tatsächlich war Nicäa nur ein vorübergehender „Sieg“. Kurz danach errang der Arianismus mehr Einfluss als je zuvor.)
Aber Konstantin ist nicht der einzige, der hier getadelt werden muss. Warum beschlossen die Kirchenführer nicht, die Angelegenheit unter sich zu regeln? Warum erlaubten sie Konstantin, über innere Angelegenheiten der Kirche zu entscheiden? Hatte die damalige Kirche bereits ihr geistliches Unterscheidungsvermögen verloren? und gab es auch dort „keinen Weisen, der unter seinen Brüdern hätte Recht sprechen können“?

Wie dem auch immer sei, mit Konstantin begann die Verstaatlichung der Kirche. Theodosius führte diesen Prozess zu Ende, indem er das Christentum zur obligatorischen Staatsreligion des Römischen Reiches erklärte. Wir können uns leicht die Folgen dieses Erlasses vorstellen. Die Kirchen füllten sich mit falschen Christen!
Zu jener selben Zeit wurde die Kirche neu strukturiert nach dem Vorbild der weltlichen Verwaltung. D.h. die Kirche nahm dieselben hierarchischen Strukturen an und dieselben geographischen Einteilungen, welche die römischen Kaiser zur Verwaltung ihres Reiches benützten. Diese Veränderung beunruhigte kaum noch jemanden, da die Kirche bereits daran gewöhnt war, sich mit dem Staat zu vermischen; und die echten Christen waren zu jener Zeit bereits eine kleine Minderheit in der Kirche. So kam es, dass die Kirche römisch wurde.

Die hierarchische Struktur, die wir im römischen Katholizismus sehen, und die auch von den meisten evangelischen und evangelikalen Kirchen mit nur geringfügigen Änderungen übernommen wurde, beruht also nicht auf dem Neuen Testament. Sie ist ein Erbe der weltlichen Regierung Roms.

Die neutestamentliche Gemeinde in Matthäus 18 (Teil 3)

22. Oktober 2016

Die christliche Versammlung ist der Ort, wo Sünde konfrontiert und korrigiert wird, und Gerechtigkeit hergestellt wird.

In der vorhergehenden Betrachtung sprachen wir über den Konsens, der entsteht, wenn alle ernsthaft und aufrichtig die Führung des Heiligen Geistes suchen. Damit möchte ich nicht den Eindruck erwecken, nur eine Gemeinde ohne Sünde und Konflikte sei eine neutestamentliche Gemeinde. Aber die neutestamentliche Gemeinde geht mit ihren Sünden und Konflikten auf biblische Weise um. Genau darüber spricht die erste Hälfte unseres Abschnitts Matthäus 18,15-20:

„Wenn dein Bruder gegen dich sündigt, geh und weise ihn unter vier Augen zurecht. Wenn er auf dich hört, hast du deinen Bruder gewonnen.“ (Vers 15)
Der erste Schritt besteht darin, dass eine private Sünde privat zurechtgewiesen werden sollte. Sie sollte noch nicht vor andere Personen getragen werden. Aber der Herr sagt auch nicht: „Vergib und vergiss!“, wie in vielen Kirchen fälschlich gelehrt wird. Nein, die Sünde muss konfrontiert werden. Die neutestamentliche Gemeinde unternimmt die nötigen Schritte, um sich von Sünde rein zu halten. So heisst es auch in Epheser 5.11: „Und nehmt nicht an den unfruchtbaren Taten der Finsternis teil, sondern weist sie zurecht.

Wir stellen fest, dass hier, in Matthäus 18,15, der Herr über private Sünden spricht. Eine öffentliche Sünde sollte von Anfang an öffentlich und vor Zeugen konfrontiert werden, wie Petrus in Apg.5,3-4 und 8,20-23 zeigt, sowie Paulus in Galater 2,11-14.

Wenn der fehlbare Bruder nach der privaten Konfrontation nicht umkehrt, dann soll er mit einem oder zwei weiteren Zeugen konfrontiert werden (Matthäus 18,16). Und „wenn er auf sie nicht hören will, dann sage es der Versammlung (Gemeinde) …“ (Vers 17)

„Gemeinde“ bedeutet hier „Versammlung“. Es bedeutet nicht „nur die Leiter“! Dieser Punkt muss betont werden, weil einige Kirchen und Gruppen erklären, Matthäus 18,15-17 zu praktizieren, aber in Wirklichkeit die (tatsächlich oder vermeintlich) fehlbaren Mitglieder vor die Leiter der Organisation bringen, welche dann nach ihrem eigenen Ermessen einen „Schuldspruch“ fällen. Das ist es nicht, was die Worte des Herrn bedeuten. Wenn eine Sache vor die „Versammlung“ gebracht wird, dann bedeutet das, dass sie öffentlich gemacht wird. Das ganze Volk Gottes wird informiert; und wenn eine Art „Gerichtsprozess“ durchgeführt wird, dann hat das ganze Volk Gottes das Recht, daran teilzunehmen. Dadurch wird verhindert, dass einzelne Leiter sich zu exklusiven Richtern aufschwingen, die oft Richter und Partei zugleich sind, und die hinter verschlossenen Türen Urteile fällen, ohne dass jemand kontrollieren oder Rechenschaft fordern könnte, ob es dabei mit rechten Dingen zuging. Solche willkürlichen Schuldsprüche werden in heutigen kirchlichen Organisationen allzu oft gefällt. Genau um dies zu verhindern, stellt der Herr hier ein Prinzip auf, das sogar in der weltlichen Justiz beachtet wird (und wieviel mehr sollte es im Volk Gottes beachtet werden!), nämlich dass Gerichtsprozesse öffentlich sein sollen. Noch mehr: Das Wort „ekklesia“ (Gemeinde / Versammlung) bedeutete im damaligen Griechisch ursprünglich „die Versammlung aller stimmberechtigten Bürger“. Jeder Bürger des Reiches Gottes hat ein Mitspracherecht, wenn es darum geht, einen Mitbürger zu konfrontieren und wiederherzustellen, der gesündigt hat.

Dasselbe finden wir in Galater 6,1: „Ihr Brüder, wenn jemand von einer Übertretung überrascht wird, dann sollt ihr, die geistlichen, ihn zurechtbringen in einem demütigen Geist; und achte auf dich selber, dass nicht auch du versucht wirst.“ Auch hier richtet sich der Aufruf, den fehlbaren Bruder zurechtzubringen, nicht nur an einige wenige Leiter, sondern an alle geistlich Gesinnten. (Gemäss Römer 8,1-16 und 1.Korinther 2,12-15 sollten wenn möglich alle Christen „geistlich“ sein!)

Beachten wir, dass das Ziel dieses Prozesses darin besteht, den Fehlbaren zurechtzubringen. Nicht ihn zu erniedrigen, nicht ihn zu verwerfen und zu verdammen. Aber beachten wir auch, dass dieses „Zurechtbringen“ nur dann geschehen kann, wenn der Fehlbare umkehrt. In Lukas 17,3 (Parallelstelle zu Matthäus 18,15) heisst es: „Wenn dein Bruder gegen dich sündigt, weise ihn zurecht; und wenn er umkehrt, vergib ihm.“ Wenn ein Sünder nicht umkehrt, nicht einmal nachdem er vor der Versammlung konfrontiert und überführt wurde, dann muss der Geschädigte ihm nicht vergeben. „Und wenn er auch auf die Versammlung (Gemeinde) nicht hören will, dann sei er dir wie ein Heide und ein Zöllner.“ (Matthäus 18,17). Im Gegensatz zu einer weitverbreiteten Lehre ist die Umkehr notwendig, damit Vergebung, Wiederherstellung und Versöhnung geschehen kann.

Das sollte uns nicht seltsam erscheinen, da ja dasselbe für die Beziehung zum Herrn selber gilt. Nur wer von seiner Sünde umkehrt, kann in eine persönliche Beziehung zu Jesus eintreten und gerettet werden. Das war die Botschaft, die Jesus vom Anfang bis zum Ende seiner irdischen Mission verkündigte (Matthäus 4,17; Lukas 24,47); und das war auch die Botschaft, die seine Apostel verkündeten (Apostelgeschichte 2,38; 3,26; 14,15; 26,18; usw). Der Herr gab zwar sein Leben für alle Menschen; aber seine Vergebung erreicht nur diejenigen, die umkehren.

Zurück zum Thema „Versammlung“. Unglücklicherweise ist dies ein Punkt, der heute fast unmöglich durchzuführen ist, weil wir gegenwärtig in einer nach biblischen Massstäben sehr irregulären Situation leben. An den allermeisten Orten finden sich die Christen unter verschiedene Konfessionen und Gemeindeverbände zerstreut, während die Mehrheit der Mitglieder dieser Verbände gar keine Christen nach biblischen Massstäben sind. Deshalb ist eine Versammlung der Mitglieder einer konfessionellen Kirche oder eines Gemeindeverbandes in keiner Weise eine Versammlung des Volkes Gottes. Um wieder eine „Versammlung“ im Sinne des Neuen Testamentes haben zu können, müssten alle echten Christen ihre jeweiligen Kirchen verlassen, und sich zusammen mit den echten Christen aus den anderen Kirchen versammeln.

Das ist gar keine so weit hergeholte oder revolutionäre Idee, wie es scheinen mag. Das ist nämlich tatsächlich schon geschehen, an Orten, wo es Erweckung gab. Wenn es gegenwärtig unmöglich scheint, dann liegt das daran, dass wir gegenwärtig sehr weit von einer Erweckungssituation entfernt sind, und dass die gegenwärtigen Kirchen sehr weit davon entfernt sind, „Gemeinde“ im Sinne des Neuen Testaments zu sein. In einer echten Erweckung zieht der Heilige Geist selber die Trennlinien: Nicht zwischen den verschiedenen Denominationen, sondern zwischen den echten und den falschen Christen in jeder Denomination. „Dann werdet ihr wieder den Unterschied sehen zwischen dem Gerechten und dem Bösen; zwischen dem, der Gott dient, und dem, der ihm nicht dient.“ (Maleachi 3,18)

Aber auch in der gegenwärtigen irregulären Situation bin ich der Meinung, dass wir zumindest folgendes fordern dürfen: Dass Sünden und Konflikte, die innerhalb einer Kirche oder eines Gemeindeverbandes nicht auf eine für beide Seiten zufriedenstellende bzw. gerechte Weise gelöst werden können, nicht als „interne Angelegenheiten“ der betreffenden Kirche oder des betreffenden Verbandes betrachtet werden dürfen. Dass solche Fälle – insbesondere wenn Leiter involviert sind – vor eine „Versammlung“ von Glaubensgeschwistern gebracht werden, die nicht demselben Gemeindeverband angehören, und die in der Lage sind, die Angelegenheit unparteiisch zu untersuchen. Wenn ein Gemeindeverband nicht dazu bereit ist, seine Probleme auf diese Weise behandeln zu lassen, dann können wir sicher sein, dass da keine neutestamentliche Gemeinde ist, sondern ein sektiererischer Geist.

Das Wort „Versammlung“ schliesst auch ein, dass es da keine Rangunterschiede gibt. In unserer Stelle in Matthäus 18 ist nirgends die Rede von irgendeinem Unterschied zwischen „Leitern“ und „Geleiteten“, oder zwischen „Geistlichen“ und „Laien“. Wo es um das Konfrontieren von Sünde geht, da gilt kein Ansehen der Person. Um es noch klarer zu sagen: Auch das einfachste Gemeindemitglied darf (und soll!) auch den mächtigsten „Leiter“ wegen einer Sünde zurechtweisen, und ihn sogar vor die „Versammlung“ bringen, wenn er nicht umkehrt. Matthäus 23,8-12 bekräftigt, dass es tatsächlich das ist, was der Herr sagen will.
Dabei muss „Sünde“ natürlich der Bibel gemäss definiert werden. Allzu viele religiöse Organisationen definieren fälschlich als „Sünde“ eine ganze Reihe von Handlungen, die u.a. genau das einschliessen, was der Herr hier ausdrücklich gebietet, nämlich einen Leiter zurechtzuweisen, wenn er sündigt.

Das einzige, was in der Versammlung des Volkes Gottes einen Unterschied macht, ist die geistliche Reife bzw. Weisheit jedes Mitglieds. In 1.Korinther 6,5 tadelt Paulus die Gemeinde in Korinth, weil es „keinen einzigen Weisen unter euch gibt, der zwischen seinen Brüdern Recht sprechen könnte“. Die korinthische Gemeinde war nicht in der Lage, im Konfliktfall die Gerechtigkeit wiederherzustellen.

Leider müssen wir dasselbe von den meisten heutigen Kirchen sagen. Einfachste Rechtsgrundsätze, die sogar in der weltlichen Rechtsprechung gelten, werden einfach übergangen. Entweder gilt das ungeschriebene Gesetz, dass Sünde toleriert werden muss, und den Opfern von Sünde, Betrug und Missbrauch wird gesagt: „Du musst vergeben und vergessen“. Oder die „Gemeindezucht“ wird hauptsächlich dazu eingesetzt, die Machtstellung der Leiterschaft auszubauen und Kritik an den Leitern zum Schweigen zu bringen. Schuldsprüche und „disziplinarische Massnahmen“ werden zum voraus abgesprochen von einem Klüngel von „Eingeweihten“, die als Kläger und Richter zugleich fungieren. Dem Angeklagten wird keine ordentliche Gelegenheit zur Verteidigung gegeben; die Verhandlungen finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt; Aussagen von Belastungszeugen werden anonym vom Kläger-Richter vorgetragen („Uns ist bekanntgeworden …“, „Es wurde über dich gesagt …“); Entlastungszeugen werden nicht angehört; Schuldsprüche werden nicht gesetzmässig begründet; und es gibt keine Möglichkeit der Apellation an eine höhere Instanz.
In den meisten evangelikalen Kirchen und Organisationen, in denen ich während meines Lebens aktiv mitarbeitete, wurde all dies als normal angesehen. Aber das Wort Gottes sagt, dass eine solche Situation sehr weit von der Normalität entfernt ist. Eine Kirche, die nicht gerecht urteilt, fällt selber unter das Urteil Gottes.

Die neutestamentliche Gemeinde in Matthäus 18 (Teil 2)

12. Oktober 2016

Die christliche Versammlung handelt im Konsens.

„Wenn zwei von euch auf der Erde übereinstimmen über alles, was sie bitten, dann wird es ihnen geschehen von meinem Vater, der im Himmel ist. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“

Auf den ersten Blick scheint diese Verheissung der Erfahrung zu widersprechen: Viele Gebete, die in Gebetsversammlungen „in Übereinstimmung“ ausgesprochen werden, werden nicht erhört. Aber wir wissen, dass der Herr nicht lügt, und dass er alle seine Verheissungen erfüllt. Also liegt das Problem entweder bei unserer Erfahrung, oder bei unserem Verständnis der Worte des Herrn.

Wollte der Herr wirklich sagen, dass zwei oder drei Christen vereinbaren könnten, irgendetwas vom Vater zu erbitten – Reichtum, Berühmtheit, vielleicht sogar den Tod ihrer Feinde -, und der Vater würde ihnen all dies geben? – Ich glaube nicht, dass dies dem Charakter des Herrn entsprechen würde. Er gab seine Verheissungen nicht zu dem Zweck, seine Jünger zu egoistischen Wünschen zu ermutigen. Und wie gesagt, erfüllt sich die Verheissung erfahrungsgemäss ja auch nicht auf diese Weise. Vielmehr denke ich, wir müssen das Wort „übereinstimmen“ anders verstehen.

Im griechischen Original ist das Wort „symfonéo“, „zusammenklingen“. Von daher kommt unser Wort „Symphonie“. Wer oder was bewirkt in einer Symphonie, dass die Instrumente „übereinstimmen“, „zusammenklingen“? Es ist nicht das Instrument, das von sich aus spielt oder entscheidet, was es spielen soll. Es ist auch nicht der einzelne Musiker, der darüber entscheidet. Es ist nicht einmal eine „Vereinbarung“ zwischen mehreren Musikern. Jeder Musiker hat vor sich ein Notenblatt, das ihm sagt, was er spielen soll. Und das Orchester hat einen Dirigenten, der jeden einzelnen anweist, wann und wie er spielen soll. Es ist also nötig, dass alle Musiker nach derselben Partitur spielen, und auf die Zeichen des Dirigenten achten.

Auf die christliche Versammlung angewandt, entspricht die Partitur der geschriebenen Offenbarung Gottes, und der Dirigent ist der Herr selber. Nur wenn jeder „Musiker“ (Christ) sich an das geschriebene Wort Gottes hält und auf die Zeichen Gottes achtet, gibt es eine „Symphonie“. Wenn jeder seinen eigenen Wünschen folgt, gibt es keine Symphonie. Aber wenn einer der Musiker die Rolle des Dirigenten an sich reisst und den anderen befehlen will, wann und wie sie spielen sollen, dann gibt es auch keine Symphonie. In vielen gegenwärtigen Kirchen und Denominationen besteht das grösste Problem darin, dass ihre Leiter das Orchester dirigieren möchten und über die anderen „Musiker“ herrschen. So gelangt man nicht zu dem „Zusammenklingen“, das der Herr hier beschreibt. Er sagt nicht, dass alle mit einem von ihnen (einem „Leiter“) übereinstimmen sollten, sondern alle unter sich. Er spricht hier über einen geistlichen Konsens, der dann entsteht, wenn jedes Mitglied in persönlichem Kontakt mit Gott steht, seinen Willen tut, und seiner Führung folgt. Wo diese Voraussetzungen gegeben sind, da kommt es zur Einmütigkeit, weil alle miteinander den Willen Gottes erkennen.

Die neutestamentliche Gemeinde ist also imstande, Entscheidungen mittels eines geistlichen Konsenses zu treffen. Dieser Konsens entspringt nicht dem Diktat eines Leiters, auch nicht einer Mehrheitsabstimmung, und auch nicht einem „diplomatischen Kompromiss“ zwischen unterschiedlichen Meinungen. Er entspringt dem Gehorsam eines jeden Mitglieds der Führung Gottes gegenüber. Wenn man zu einem solchen geistlichen Konsens kommt, dann erfahren die Beteiligten eine grosse Gewissheit, dass sie im Willen Gottes sind. Deshalb können sie dann auch den Vater bitten mit der Gewissheit, dass er antworten wird, weil sie wissen, dass ihre Bitte seinem Willen entspricht. (Siehe 1.Johannes 5,14-15.) Kapitel 15 in der Apostelgeschichte berichtet, wie die Urgemeinde eine Streitfrage in gemeinsamer Übereinstimmung lösen konnte, weil alle der Führung des Heiligen Geistes folgten.

Manche der gegenwärtigen Kirchen können sich nicht einmal vorstellen, was ein solcher Konsens ist, weil sie noch nie etwas Ähnliches erfahren haben. Sie sind es sich gewohnt, dass alle Entscheidungen mit menschlichen Mitteln getroffen werden: Einseitige Entscheidungen von seiten der Leiterschaft, die dann mit Druck durchgesetzt werden; oder demokratische Abstimmungen und Mehrheitsbeschlüsse; oder nicht enden wollende Diskussionen, um jene, die „dagegen“ sind, zu „überzeugen“ und zu manipulieren, damit ein Anschein von Einmütigkeit entsteht. Oder sogar die Manipulation mittels falscher Informationen, Drohungen, Versprechungen von finanziellen Vorteilen oder einflussreichen Stellungen, usw. Wo wir solche Dinge beobachten, da können wir wissen, dass es sich nicht um neutestamentliche Gemeinde handelt.

Die neutestamentliche Gemeinde in Matthäus 18

1. Oktober 2016

Mit diesem Artikel beginne ich eine Serie von biblischen Betrachtungen über die neutestamentliche Gemeinde. Ich möchte aufzeigen, was das Wort Gottes sagt, und daraus einige Konsequenzen und Anwendungen für die aktuelle Situation ableiten. Viele Gruppen nennen sich „christliche Gemeinde“; aber wenige geben wirklich dem Wort Gottes die oberste Priorität. In einer neutestamentlichen Gemeinde gilt das Wort Gottes mehr als die Traditionen eines Gemeindeverbandes oder dessen Leiter.

Anstelle einer langen Diskussion darüber, woher das Wort „Gemeinde“ im Neuen Testament kommt und was es genau bedeutet (worüber es mindestens drei unterschiedliche Theorien gibt), oder ob man dieses Wort überhaupt noch verwenden oder nicht lieber anders übersetzen oder überhaupt einem anderen theologischen Konzept den Vorrang geben sollte, möchte ich lieber mitten hineinspringen und mit Matthäus 18,15-20 beginnen. Das ist eine der ganz wenigen Bibelstellen, wo der Herr Jesus selber das Wort „Gemeinde“ verwendet:

„Wenn dein Bruder gegen dich sündigt, geh und weise ihn unter vier Augen zurecht. Wenn er auf dich hört, hast du deinen Bruder gewonnen. Wenn er aber nicht hört, dann nimm mit dir noch einen oder zwei, damit ‚aus dem Mund zweier oder dreier Zeugen jede Sache bestätigt werde.‘ Und wenn er auf sie nicht hören will, dann sage es der Versammlung (Gemeinde); und wenn er auch auf die Versammlung (Gemeinde) nicht hören will, dann sei er dir wie ein Heide und ein Zöllner.
Mit Gewissheit sage ich euch: Was ihr auf der Erde bindet, wird im Himmel gebunden werden, und was ihr auf der Erde löst, wird im Himmel gelöst werden. Nochmals sage ich euch mit Gewissheit: Wenn zwei von euch auf der Erde übereinstimmen über alles, was sie bitten, dann wird es ihnen geschehen von meinem Vater, der im Himmel ist. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“

In diesem Abschnitt finden wir einige Kriterien über die neutestamentliche Gemeinde. Wir werden sie klarer sehen, wenn wir die wesentlichen Aussagen des Herrn in diesem Abschnitt aufzählen, und sie mit dem vergleichen, was der Herr nicht gesagt hat.

„Zwei oder drei“ genügen, um „Gemeinde“ zu bilden.

Das heisst, um „Gemeinde“ zu sein, ist es nicht nötig, sich als Institution zu konstituieren, noch eine formelle Leiterschaft zu haben, noch eine gewissen Mindestzahl an „Mitgliedern“ zu haben. Der Herr erwähnt nichts von alldem. Nichts von dem Genannten ist ein Kriterium dafür, ob eine bestimmte Gruppe von Menschen „Gemeinde“ im neutestamentlichen Sinn sei. „Zwei oder drei versammelt“ genügen.
Wenn es jedoch in einer Stadt ausser diesen „zwei oder drei“ noch weitere wahre Christen gibt, dann sollten wir fragen, wie es um die gegenseitigen Beziehungen zwischen diesen Christen bestellt ist. Um diese Frage werden wir uns, so Gott will, bei einer anderen Gelegenheit kümmern.

Sofern es im Namen des Herrn geschieht.

Dieser Punkt ist hinwiederum wesentlich. Damit eine Gruppe oder Versammlung neutestamentliche Gemeinde sein kann, muss ihre Versammlung im Namen des Herrn Jesus Christus geschehen. Das bedeutet insbesondere, dass eine Gruppe, die sich in ihrem eigenen Namen versammelt, nicht neutestamentliche Gemeinde ist. Unzählige Gruppen, Institutionen und Kirchen behaupten, „Gemeinde“ zu sein, aber sie versammeln sich im Namen ihrer eigenen Organisation. Vielleicht erklären sie in ihren Versammlungen, dass sie „im Namen Jesu Christi“ versammelt seien; aber in der Praxis zeigen sie, dass sie ihrer eigenen Organisation einen höheren Stellenwert einräumen: Sie arbeiten, lehren und evangelisieren, um mehr Mitglieder zu ihrer eigenen Organisation hinzuzugewinnen. Wenn jemand sie fragt: „Zu was für einer Gemeinde gehörst du?“, dann identifizieren sie sich mit dem Namen ihrer eigenen Organisation. Und im allgemeinen nehmen sie keine Korrektur an von einem Christen, der nicht zu ihrer eigenen Organisation gehört. Das kann sowohl in den mächtigsten Institutionen geschehen (z.B. in der römisch-katholischen Kirche), wie auch in den kleinsten unabhängigen Grüppchen. Wo diese Anzeichen zu beobachten sind, da ist ein wichtiges Kennzeichen der neutestamentlichen Gemeinde nicht erfüllt.

Es geht hier nicht um ein äusserliches „Namensschild“. Es gibt Gruppen, die sich „Gemeinde Jesu Christi“ nennen; aber wenn man sie näher kennenlernt, stellt man fest, dass sie mit diesem Namen ausschliesslich ihre eigene Organisation meinen. Es ist die innere Haltung, nicht das äussere Etikett, was darüber entscheidet, ob eine Gruppe sich wirklich im Namen Jesu versammelt.

Es ist bedeutungsvoll, dass praktisch alle echten geistlichen Erweckungen in der Geschichte ohne einen eigenen Namen und ohne konfessionelle oder institutionelle Ansprüche begannen. Es war lediglich ihre Umgebung – und hauptsächlich ihre Feinde -, welche den Erweckten Übernamen gaben wie „Täufer“, „Quäker“, „Methodisten“, „Pietisten“, „Pfingstler“, usw. Zu einem späteren Zeitpunkt begannen dann diese Gruppen von erweckten Christen diese Übernamen als ihre eigenen anzunehmen, und sich mit diesen Namen zu identifizieren. Und das signalisierte dann meistens auch schon das Ende der Erweckung und den Beginn eines schleichenden Abfalls vom Glauben, der sich darin manifestierte, dass sie nun sein wollten „wie alle anderen (Denomi-)Nationen“.

Ein wesentliches Hindernis zum Verständnis der neutestamentlichen Schriften besteht darin, dass fast zu jeder Zeit der grössere Teil der Christen geistlich in einer Gruppe aufgewachsen ist, die sich mit ihrem eigenen konfessionellen Erbe stärker identifiziert als mit der Heiligen Schrift. Dieses besondere konfessionelle Erbe wird dann ständig in die Schrift hineingelesen und verstellt die Sicht darauf, was wirklich geschrieben steht.
Aber „lebendig und wirksam ist das Wort Gottes, und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, und dringt durch bis zur Trennung von Seele und Geist, Gelenken und Mark; und hat Macht, Überlegungen und Gedanken des Herzens zu richten.“ (Hebräer 4,12). Dieses „lebendige und wirksame Wort“ (inbegriffen seine Beschreibungen der christlichen Gemeinde) kann von jedem erfahren werden, der dazu bereit ist, seine konfessionellen Traditionen beiseitezulegen, und der aufrichtig Gott sucht, um von ihm belehrt zu werden durch sein Wort und seinen Heiligen Geist.

David und Goliath – Eine endzeitliche Perspektive

19. September 2016

Von Hadyn Olsen, Neuseeland

Kürzlich, nachdem ich die Geschichte des historischen Zusammentreffens zwischen David und Goliath gelesen hatte, war ich betroffen über die Bedeutung dieser Botschaft für die endzeitliche Periode, in die wir eintreten.

Viel mehr als eine Kindergeschichte, spricht diese Geschichte vom Zusammenprall zweier Reiche. Das Reich Gottes und das Reich satans.

Die Heiligen Schriften bezeugen mehrere solche dramatischen Zusammenstösse zwischen diesen beiden Reichen. Denken wir an die Zeit Moses und den Auszug aus Ägypten, die Plagen, und das Rote Meer. Denken wir an Josua vor Jericho; oder an Elias auf dem Karmel. Und da ist natürlich der Herr Jesus selber und die vielen Gelegenheiten, wo er die Macht des Königreiches unter Beweis stellte.

In all diesen Ereignissen sehen wir etwas von der Natur dieser entgegengesetzten Reiche, und von der Überlegenheit des Reiches Gottes über das Reich satans. Wir können auch etwas lernen über unser eigenes Leben und über den Konflikt, dem wir selber täglich gegenüberstehen. Jedes dieser historischen Ereignisse kann uns Dinge lehren, die Gott uns wissen lassen möchte; und über den Sieg, den er mit uns teilen möchte.

Wir werden einen weiteren grossen Zusammenstoss zwischen Gottes Reich und dem Reich satans erleben. Zweifellos wird er ebenso gross, oder sogar noch grösser sein, als alle vorhergehenden. Und dann wird Gott einmal mehr seine alles überragende Grösse und seine Macht über satan zeigen.

Auf dieses Ziel hin ruft unser Geist aus: „Komm, Herr Jesus!“

Wenn wir in 1.Samuel 17 über die Schlacht zwischen David und Goliath lesen, können wir zuallererst sehen, dass es drei Hauptpersonen gibt, die drei verschiedene „Völker“ repräsentieren.

Da ist Goliath und die Philister. Sie stellen die Welt dar; oder genauer, die unerlösten, rebellischen Menschen. Sie können beschrieben werden mit „Der Geist dieser Weltzeit“.

Da stehen sie, herausfordernd und spottend. Absichtlich und arrogant stossen sie Beleidigungen gegen Gott und sein Volk aus. Sie repräsentieren den Menschen, voll von seiner eigenen Macht und Herrlichkeit.

Das ist die voll ausgereifte Frucht vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse: Der Stolz des Lebens, der herablassend auf Gott hinunterblickt. Die Fülle des Menschen, der „wie Gott“ sein möchte und sogar alles, was Gottes ist, zerstören möchte in seinem Drang, die Erde zu beherrschen.

Wir bemerken in der Beschreibung Goliaths wiederholt die Zahl sechs, die Zahl des Menschen. Er war sechs Ellen gross; seine Rüstung bestand aus sechs Stücken; und seine Lanzenspitze wog sechshundert Schekel. Wir könnten sagen, er repräsentiert alles, was im Begriff „Antichrist“ enthalten ist, so wie er dasteht, Gott lächerlich macht, und Gottes Volk zum Kampf herausfordert.

Wenn wir die heutige Welt ansehen, dann sehen wir, dass sich Goliath wiederum zum Kampf rüstet. Wir hören wieder die Herausforderung: „Wo ist euer Gott?“, und die Beleidigungen, die über die Gemeinde Jesu spotten und sie zur Konfrontation herausfordern. Das war schon immer das Wesen des antichristlichen Geistes.

Die zweite Hauptperson in dieser Geschichte ist König Saul und sein Heer. Diese Gruppe repräsentiert das Volk Gottes, aber unter der Herrschaft des Fleisches.
Sie sind ein geschlagenes Heer. Da stehen sie Goliath gegenüber, ängstlich, eingeschüchtert, ohne Salbung oder Kraft von Gott.

Wir mögen fragen: „Warum? Wie kann das sein?“

Wie kann das Volk Gottes sich in einer solchen Situation und in einer solchen Verfassung befinden? Die Antwort ist: Obwohl sie das Volk Gottes sind, werden sie immer noch vom Geist dieser Weltzeit beherrscht. Sie stehen unter der Herrschaft Sauls – die Herrschaft des Fleisches.

Lasst uns sie ansehen. Da stehen sie in ihrer ganzen weltlichen Rüstung. Sie sind ausgerüstet mit allem, was die Welt für wertvoll ansieht. Sie haben ihre Pferde und Wagen und fleischlichen Waffen – und natürlich haben sie ihren König, der so hoch über alle anderen erhoben steht. In so mancher Hinsicht sehen sie genau wie alle anderen Völker aus.

Ich kann nicht umhin mich zu fragen, wie viele unserer Denominationen und kirchlichen Organisationen genau wie die Armee Sauls sind. Sie sind voll von den Wegen der Welt, und ihre Macht kommt vom Geld, von Organisation, und von der Kraft des Fleisches. Wir sehen in ihnen denselben Geist dieser Welt, der sich selbst anpreist mit Werbetricks, Verkaufstechniken und allen Arten menschlicher Gewandtheit.

Es gibt noch eine weitere charakteristische Eigenschaft der „Saulskirche“: Ungehorsam gegen das Wort Gottes.

König Saul kümmerte sich mehr um den äusserlichen Anschein von Erfolg und Macht, als um den Gehorsam Gottes Wort gegenüber. Er gehorchte Gott, solange es ihm diente, und so lange sein eigener Ehrgeiz und sein eigener Wunsch, in den Augen des Volkes erfolgreich zu sein, nicht in Gefahr standen.

Dasselbe sehen wir heute in den Denominationen. Erfolg, Macht, und äussere Erscheinung sind die wichtigsten Kriterien. Gottes Willen und seine Ziele werden oft kompromittiert zugunsten von menschlichen Interessen und menschlichen Traditionen.

Deshalb werden sie an dem Tag, wo Goliath sie konfrontiert, alleingelassen werden. Sie werden entdecken, dass nach den Massstäben dieser Welt Goliath viel mächtiger ist als sie, und dass sie gegen ihn keine Chance haben.

Wie erschreckend wird jener Tag sein … auch wenn sie heute noch so erfüllt sind von ihrer eigenen Kraft, und hypnotisiert von ihrem eigenen Lobpreis und ihren positiven Bekenntnissen.

Dank sei Gott, gibt es eine dritte Gruppe in dieser Geschichte. Sie wird durch David repräsentiert.

Ja, David war einer vom Volk Gottes. Aber er gehörte nicht zu Sauls Armee. Ebenso gibt es auch heute eine dritte Gruppe. Sie sind überall zerstreut. Sie haben keinen besonderen Ort und keine besondere Organisation, die sie ihr eigen nennen könnten. Aber sie sind ausgesondert durch zwei besondere Kennzeichen:

Sie haben ein Herz nach Gottes Herz, und … sie gehören nicht zu König Saul.

Diese „David-Gruppe“ ist klein, unbedeutend, unbeeindruckend und unwichtig; genauso wie David damals. Aber Gottes Hand liegt auf ihnen.

David hütete seine Schafe draussen in der Wüste, als ihn der Ruf erreichte, aufs Schlachtfeld zu gehen. Er tat, was Gott seiner Obhut anvertraut hatte – obwohl es etwas Unbedeutendes und nach aussen hin Unwichtiges war.

Ebenso fragen auch heute manche: „Was tust du für Gott? Was ist dabei herausgekommen, dass du das System verlassen hast?“ Sie messen alles nach äusserlichen Kriterien und verbringen ihre Leben damit, umherzurennen und grosse Dinge für Gott zu organisieren, aber letzten Endes erreichen sie damit wenig.

David kannte Sauls Wege nicht. Er hatte keine von Sauls Vorbereitungsschulen besucht. Er wusste nicht einmal, wie man eine Rüstung saubermacht; geschweige denn, wie man sie in der Schlacht benützt. Alles, was David wusste, hatte er draussen in den gewöhnlichen Umständen des täglichen Lebens gelernt. Er hatte die einfachen Dinge wie Wahrheit, Liebe und Treue gelernt. Er hatte gelernt, jeden Tag mit Gott zu leben.

Aber das ist der Weg Gottes. Er nimmt immer die niedrigen Dinge, die närrischen Dinge, und die Dinge, die nichts gelten, um jene zunichte zu machen, die etwas gelten.

Ebenso bereitet Gott auch heute ein Volk zu. Sie gelten gegenwärtig nichts. Einige von ihnen haben die Denominationen verlassen; andere befinden sich noch in ihnen und fragen sich, warum sie sich dem allem nicht mehr zugehörig fühlen. Sie können sich nicht mehr für das neuste Seminar oder die neuste Evangelisationsmethode begeistern. Stattdessen seufzen und weinen sie über den Mangel an Gottes Gegenwart in der Gemeinde; und sie trauern über die Art und Weise, wie menschliche Macht diesen Mangel ausgefüllt hat.

Als David auf dem Schauplatz erschien, unterstützte ihn keine Organisation. Er hatte keine Ausweise oder Empfehlungsschreiben. Er hatte nur die Salbung. Gott wusste, wo er David haben wollte. Gott brachte die Dinge zusammen, so wie er es immer tut … als die Zeit erfüllt war.

David konnte vor Goliath standhalten, weil Gott mit ihm war. Nicht mehr und nichts weniger. Sein Geist stand furchtlos auf gegen dieses Monster. Er wusste, dass ein noch viel Mächtigerer an seiner Seite stand.

Als David zu Goliath sprach, um ihn herauszufordern, war es vielmehr Gott selber, der sprach.

Als David den Stein nahm und ihn in seine Schleuder legte, war es Gott, der ihn auswählte und vorbereitete.

Als David den Stein gegen sein Ziel schleuderte, da war es wiederum Gott, der ihn an die richtige Stelle lenkte.

So ist aller echte Dienst für Gott. Es ist Gott im Menschen, der die Arbeit tut und die Frucht hervorbringt.

Viele heutzutage versuchen, grosse Dinge für Gott zu tun. Sie benützen alle Ressourcen dieser Welt, um es zu schaffen. Aber Gott tut es nicht. Sie denken, menschliche Anstrengung sei der Schlüssel zu göttlicher Fruchtbarkeit. Sie haben Gottes Weg völlig verfehlt.

Gott wünscht sich ein Volk, das gestorben ist gegenüber den Wegen der Menschen und gegenüber den Methoden der Menschen, was die Arbeit des Reiches Gottes betrifft. Er bereitet ein Volk vor, das bereit ist, auf ihn zu warten, und sich so zu bewegen, wie er sie bewegt, und zu arbeiten gemäss seiner Kraft, die mächtig in ihnen wirkt.

Es mag lange dauern, bis Gott einen Menschen zu dieser Haltung bringt … aber Gott hat Zeit.

Der Tag des grossen Konflikts wird kommen. Zu welcher Gruppe wirst du gehören? Zu Goliath? oder zu König Saul? … oder zu David?

Heute mag das schwer zu sagen sein; aber der Tag wird es ans Licht bringen. Das steht fest. Der Tag wird es ans Licht bringen. Denn dann werden wir uns an dem Platz befinden, den unser Herz sich ausgesucht hat.

Lasst uns heute den Herrn anrufen, solange es noch heute ist … Lasst uns ihn bitten, unsere Herzen zu verändern und uns zur Gruppe Davids zu führen. Mögen wir danach trachten und es lernen, mit Gott zu gehen und treu zu sein in allem, was er uns zu tun befiehlt. Mögen wir die Wege der Demut lernen und damit zufrieden sein, einfach jeden Tag vor ihm zu leben. Mögen wir uns auch ständig vor den Wegen Sauls hüten.

Gott sei gelobt für seine alles überragende Grösse und Herrlichkeit.

 


Anm.d.Ü: Ich denke, die ganze Geschichte von David und Saul ist eine grossartige Illustration mit vielen Anwendungen auf die Beziehung zwischen dem echten Volk Gottes und dem kirchlichen System der Namenschristen. (Siehe auch: „Die Haltung Davids gegenüber Saul: ein Beispiel bedingungsloser Unterordnung?“
In einem Punkt habe ich jedoch eine andere Perspektive als der vorliegende Artikel. Ich glaube nicht, dass die letzte Etappe der Endzeit durch eine Konfrontation zwischen „Goliath“ und „Saul“ gekennzeichnet sein wird. Im Gegenteil glaube ich, dass in der letzten Etappe „Saul“ und sein ganzes Heer sich auf „Goliaths“ Seite geschlagen haben wird, um gemeinsam „David“ zu bekämpfen. Die Anfänge dieser Entwicklung sind bereits sichtbar; die institutionellen Kirchen sind bereits stark infiltriert von Gedanken und Agenten des Antichristen. „Antichrist“ bedeutet wörtlich „Anstelle von Christus“. Der Antichrist versucht (meistens) nicht, das Christentum frontal zu bekämpfen; er versucht, es durch seine eigene Fälschung zu ersetzen. Die Religion des Antichristen wird sich „Christentum“ nennen.

Möchtest du WIRKLICH Erweckung? (Teil 4)

7. Juni 2016

In einer Erweckung ist alle Ehre für Gott, nicht für dich oder für deine Gemeinde.

Einige Christen, insbesondere Leiter, beten um Erweckung, weil sie denken, damit würde ihre Gemeinde mehr Mitglieder gewinnen, oder sie selber würden dadurch bekannt werden. („Wir sind die schnellstwachsende Gemeinde in unserer Stadt!“) Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein.

Heute werden Männer der Vergangenheit wie Martin Luther, John Wesley, William Carey, und viele andere als Glaubenshelden gepriesen. Aber zu Lebzeiten hatten diese Prediger keinen guten Ruf. Luther wurde exkommuniziert und geächtet, und seine Feinde taten alles, um zu erreichen, dass sein Ruf wenig besser war als des Teufels. – Über Wesley und die frühen Methodisten sagten die zeitgenössischen christlichen Leiter: „… Er und seine unbeholfenen Laien – seine zerlumpte Legion von Kesselflickern, Kutschern und Strassenwischern – schreiten voran und vergiften das Denken der Menschen.“ – An einer Pastorenkonferenz wurde der Missionspionier William Carey „ein erbärmlicher Schwärmer“ genannt, als er vorschlug, der Missionsbefehl (Matthäus 28,18-20) könnte für die gegenwärtige Kirche weiterhin gültig sein.

Jesus sagte: „Kein Prophet ist willkommen in seiner eigenen Heimat“ (Lukas 4:24). Ähnlich könnten wir sagen: „Kein Prophet ist willkommen, solange er lebt.“ Wenn du Erweckung wünschst, so bereite dich darauf vor, abgelehnt, verleumdet, verfolgt, misshandelt und aus der Kirche ausgeschlossen zu werden. Weder in der Welt noch in der Kirche wirst du einen guten Ruf haben, ausser vielleicht nach deinem Tod.

Jesus kümmerte sich nicht darum, was er vor den Menschen für einen Ruf hatte:
„Aber ich suche nicht meine eigene Ehre; es gibt einen, der sie sucht, und richtet.“ (Johannes 8,50)
„Ehre von Menschen nehme ich nicht an … Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander annehmt, aber nicht die Ehre sucht, die vom einzigen Gott kommt?“ (Johannes 5,41.44)

Und Paulus sagte:
„… Denn wenn ich noch den Menschen gefiele, wäre ich kein Diener Christi.“ (Galater 1,10)
„Denn ich denke, Gott hat uns Apostel als die Letzten ausgestellt, als zum Tod Verurteilte; denn wir sind vor der Welt, vor den Engeln und vor den Menschen zum Schauspiel geworden. … Wir mühen uns ab, indem wir mit unseren eigenen Händen arbeiten; wir werden verflucht, und segnen; wir werden verfolgt und ertragen es. Wir werden verleumdet und beten; wir sind bis jetzt wie der Abschaum der Welt geworden, der Kehricht aller.“ (1.Korinther 4,9-13)

Was das Ansehen der Gemeinde betrifft, so kann keine Erweckung kommen, ohne dass zuvor ein Zerbruch der Gemeinde stattfindet. Ein Sünder muss zuerst „sein Leben verlieren“, um errettet zu werden. Er muss sich bewusst werden, wie schrecklich und abscheulich seine Sünde in den Augen Gottes ist; er muss diese ganze Hässlichkeit seines Lebens ans Licht bringen und bekennen; und es ist gut möglich, dass er seinen guten Ruf verliert, wenn er das tut.
Die Gemeinde, welche die Sünde in ihrer eigenen Mitte zugelassen hat, wird durch denselben Prozess gehen müssen, wenn sie Erweckung erleben will. Sie wird zulassen müssen, dass ihre Lauheit ans Licht kommt, der Mangel an Gottesfurcht in ihren Mitgliedern und Leitern, die Falschheit ihrer Worte und Taten, die Missbräuche und Betrügereien, die von ihren Leitern begangen werden, usw. Die Gemeinde wird „ihr Leben verlieren“ müssen und ihr Ansehen, damit Gott ihr vergeben und sie reinigen kann, und sie so tauglich wird für eine Erweckung.
Sowohl eine Einzelperson wie auch eine christliche Gemeinschaft muss zuerst durch einen Zerbruch gehen, bevor Gott von neuem in ihrer Mitte wirken kann.

Da die meisten Gemeinden unfähig dazu sind, in diesem Sinn „ihr Leben zu verlieren“, bringt Gott normalerweise „neue Weinschläuche“ hervor, wenn er eine Erweckung bringen will. Er sieht, dass die existierenden Gemeinden niemals eine Erweckung innerhalb ihrer eigenen Ordnungen und Traditionen aufnehmen könnten, und deshalb beginnt er etwas völlig Neues. Wenn du also Erweckung wünschst, dann denke daran, dass eine solche mit grösster Wahrscheinlichkeit NICHT in „deiner Gemeinde“ beginnen wird.

Und auch wenn eine Gemeinde wirklich geistlich erneuert wird und eine Erweckung beginnt, so wird Gott eifersüchtig über seiner Ehre wachen. Er wird nicht erlauben, dass die Leute sagen: „Wie tiefsinnig sind doch die Predigten von Pfarrer Soundso!“, oder: „Wie beeindruckend sind doch die Versammlungen in der Gemeinde XY!“, wo sie sagen sollten: „Wie barmherzig und gnädig ist unser Gott!“

Hören wir noch einmal Finney:
„Der Geist kann betrübt werden, wenn Menschen sich der Erweckung rühmen. Manchmal, wenn eine Erweckung beginnt, wird sie in den Zeitungen angepriesen. Sehr oft wird sie dadurch getötet.
Bei einer gewissen Gelegenheit begann eine Erweckung. Sofort kam ein Brief des Pfarrers an, in welchem er die Erweckung rühmte. Ich sah den Brief und sagte zu mir: ‚Das wird das letzte sein, was wir von dieser Erweckung hören.‘ Nach wenigen Tagen war die Heldentat zu Ende. Das ist nicht aussergewöhnlich. Die Leute veröffentlichen Dinge, die die Gemeinde stolz machen, und dann kann nichts mehr getan werden, um die Erweckung zu retten.
Unter dem Vorwand, etwas zur Ehre und zum Lob Gottes zu schreiben, veröffentlichen einige von uns Dinge, die uns selbst erhöhen, indem wir unseren eigenen Anteil an der Sache hervorheben. Das ist nicht hilfreich, sondern hat im Gegenteil eine schlechte Wirkung.“

Zusammengefasst: Wenn Gott eine Erweckung sendet, dann wird sich kein Leiter und keine Gemeinde dessen rühmen können. Viel wahrscheinlicher ist es, dass viele Leiter und viele Gemeinden ihren guten Ruf und ihr Ansehen verlieren werden. Gott gibt seine Ehre niemandem sonst (Jesaja 42,8).
Bist du bereit, diesen Preis zu bezahlen?


Schluss

Ich begann diese Artikelserie mit der Ankündigung, mich auf einige „negative“ Aspekte von Erweckungen zu konzentrieren. Ich nannte sie „negativ“, weil viele Gemeindechristen heute denken, diese Dinge seien negativ. Wir haben so viele Predigten darüber gehört, dass man sich der Leiterschaft und der Ordnung der Gemeinde unterordnen solle (insbesondere unserer eigenen Denomination); dass es nie Spaltung geben solle in der Gemeinde (während seltsamerweise viele Pastoren, die das sagen, „ihre Schafe“ eifersüchtig vom Einfluss anderer christlicher Denominationen absondern); dass Gott nicht zulassen wird, dass ein Christ leidet; und dass wir uns für das Wachstum „unserer Gemeinde“ einsetzen sollen. Angesichts derartiger Lehren werden die vier Aspekte von Erweckungen, die ich hier beschrieben habe, unweigerlich „negativ“ erscheinen.

Wir haben gesehen, dass in Wirklichkeit alle diese Aspekte dem Willen Gottes gemäss sind. Alle diese Aspekte waren im Dienst Jesu und der Apostel zu beobachten. Jesus und die Apostel verursachten Unordnung und Spaltung; sie erlitten Verfolgung und sogar den gewaltsamen Tod; und sie erhielten für ihr Werk keinerlei Ehre oder Ansehen von Menschen. Was für ein Recht haben wir, „negativ“ zu nennen, was eindeutig der Wille Gottes ist?

Es möge mich also niemand missverstehen. In keiner Weise möchte ich sagen, Erweckung sei etwas „Negatives“. Vielmehr möchte ich dieses sagen: Wenn die Ordnungen und Traditionen deiner Gemeinde dir noch „heilig“ sind; wenn das Ansehen und das Wachstum „deiner“ Gemeinde und „deines“ Dienstes dir noch wichtiger sind als die Ehre Gottes, dann denke nochmals darüber nach, ob es dir wirklich ernst ist mit dem Wunsch nach einer geistlichen Erweckung.

Möchtest du WIRKLICH Erweckung? (Teil 3)

18. Mai 2016

Eine Erweckung bringt Verfolgung.

Viele Leiter und Anhänger vergangener Erweckungen mussten Verfolgung leiden. Manchmal kam die Verfolgung von seiten der Heiden, die sich dem Christentum widersetzten. Aber noch häufiger waren es gerade die Leiter der „christlichen“ Kirchen, welche die Erweckung verfolgten.

Von der Opposition der katholischen Kirche gegen Luther haben wir schon gesprochen. Nachdem er exkommuniziert worden war, wurde Luther auch noch vom Kaiser unter die Reichsacht gestellt. Das bedeutete praktisch sein Todesurteil, denn jeder, der ihn fand, konnte ihn straflos töten. Luther überlebte nur, weil der Kurfürst von Sachsen ihm wohlgesinnt war und ihn auf der Wartburg verborgen hielt. – Während die Reformation fortschritt, wurden Tausende von „Protestanten“ von der Inquisition und von katholischen Herrschern ermordet.

So unglaublich es erscheint, verfolgten doch die Leiter der Reformation ihrerseits die Täufer mit fast derselben Grausamkeit. Tausende von Täufern wurden in Flüssen und Seen ertränkt – eine grausame Art, sich über ihre Überzeugungen lustig zu machen, indem die Reformierten erklärten: „Da ihr euch gerne ein zweites Mal taufen lässt, taufen wir euch jetzt ein drittes Mal.“
Es ist gesagt worden: „Die Vertreter der Erweckung von gestern verfolgen die Erweckung von morgen“. Hier haben wir ein Beispiel dieser traurigen Wahrheit.

John Wesley schien an Verfolgung gewöhnt zu sein. Dies ist eine Zusammenfassung von Tagebucheinträgen Wesleys in der Anfangszeit der Erweckung:
„Sonntag, 5.Mai, morgens – Predigte in St.Anna; sie sagten mir, ich solle nie mehr zurückkommen.
Sonntag, 5.Mai, nachmittags – Predigte in St.John; die Diakone sagten: ‚Geh raus und bleibe draussen.‘
Sonntag, 12.Mai, morgens – Predigte in St.Judas; dahin darf ich auch nicht mehr zurückkehren.
Sonntag, 12.Mai, nachmittags – Predigte in St.George, auch da wurde ich hinausgeworfen.
Sonntag, 19.Mai, morgens – Predigte nochmals woanders; die Diakone beriefen eine ausserordentliche Sitzung ein und sagten, ich könne nicht mehr hierher zurückkommen.
Sonntag, 19.Mai, nachmittags – Predigte auf der Strasse; sie vertrieben mich von der Strasse.
Sonntag, 26.Mai, morgens – Predigte auf einer Wiese; ich musste fliehen, als jemand während des Gottesdienstes einen Stier auf mich losliess.
Sonntag, 2.Juni, morgens – Predigte am Eingang der Stadt; sie vertrieben mich von der Strasse.
Sonntag, 2.Juni, nachmittags – Zum Nachmittagsgottesdienst predigte ich draussen auf dem Feld; zehntausend Personen kamen.“

Eine andere Anekdote über Wesley:
Eines Tages war Wesley zu Pferd unterwegs, und plötzlich wurde ihm bewusst, dass drei ganze Tage ohne Verfolgung vergangen waren. Man hatte ihm nicht einmal einen Stein oder ein Ei nachgeworfen. Wesley hielt sein Pferd an und kniete nieder: „Könnte es sein, dass ich gesündigt habe oder zurückgefallen bin?“, fragte er, und bat Gott, ihm zu zeigen, ob er irgendwie fehlgegangen war. – Ein rauher Bursche, der auf der anderen Seite der Hecke vorüberging, hörte das Gebet, erkannte Wesley und dachte: „Ich werde diesem Prediger eine Lektion erteilen.“ Er ergriff einen Backstein und warf ihn nach Wesley. Der Backstein verfehlte sein Ziel knapp; aber Wesley erhob sich und rief aus: „Danke, Herr, alles ist gut! Ich bin noch in deiner Gegenwart.“

Eines der bekanntesten Werke der christlichen Literatur, und der Weltliteratur überhaupt, ist John Bunyans „Pilgerreise“. Dieses Buch wurde im Gefängnis von Bedford geschrieben. Was für ein Verbrechen hatte Bunyan begangen? – Er hatte ohne eine offizielle Erlaubnis der Kirche von England das Evangelium gepredigt. Dafür wurde er zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt.

Auch die Heilsarmee war in ihren Anfangsjahren oft das Ziel von Verfolgung. Andrew Strom fasst zusammen: „Während des Jahres 1882 wurden allein in England 669 Heilssoldaten körperlich angegriffen, und 56 Lokale der Heilsarmee ganz oder teilweise zerstört. Es formten sich ‚Skelett-Armeen‘ von Verbrechern und Schlägern, um die Heilsarmisten anzugreifen … Und erstaunlicherweise waren an vielen Orten die örtlichen Pastoren daran beteiligt, diese Mobs aufzureizen.“

Gegenwärtig findet eine der erstaunlichsten und am längsten dauernden Erweckungen in China statt. Aber China ist gleichzeitig eines der Länder mit der stärksten Christenverfolgung. Viele christliche Leiter sind im Gefängnis und werden gefoltert. Es gibt sehr wenig religiöse Freiheit.

Verwundern wir uns darüber nicht. Jesus selber wurde verfolgt, und nach nur drei Jahren öffentlichen Dienstes wurde er getötet. Die Wirkungszeit seines Wegbereiters, Johannes des Täufers, war noch kürzer. Und Jesus warnte seine Jünger zum voraus, sie sollten sich auf dasselbe Schicksal vorbereiten:
„Wenn jemand mir nachfolgen will, verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich, und folge mir nach. Denn jeder, der sein Leben retten will, wird es verlieren; und jeder, der sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.“ (Matthäus 16,24.25)
„Dann werden sie euch der Drangsal überliefern und euch töten, und ihr werdet von allen Völkern gehasst sein um meines Namens willen… Aber wer bis zum Ende ausharrt, wird gerettet werden.“ (Matthäus 24,9.13)
„Sie werden euch aus den Synagogen ausschliessen; und es wird sogar die Stunde kommen, wo jeder, der euch tötet, denken wird, er leiste Gott einen Dienst.“ (Johannes 16,2)
„Fürchte nichts, was du leiden wirst. Siehe, der Teufel wird einige von euch ins Gefängnis werfen, damit ihr geprüft werdet, und ihr werdet zehn Tage lang Drangsal haben. Sei treu bis zum Tod, und ich werde dir die Krone des Lebens geben.“ (Offenbarung 2,10)

Aus der Geschichte der alten Kirche weiss man, dass elf der zwölf Apostel den Märtyrertod starben. Johannes war der einzige, der eines natürlichen Todes starb; aber auch er erlitt die Verbannung nach Patmos. Paulus zählt folgende Gründe auf, sich zu rühmen:
„Sind sie Diener Christi? Ich spreche, als ob ich wahnsinnig wäre: Ich noch mehr. Unter viel mehr Mühen; unter unzähligen Schlägen; öfter in Gefängnissen; viele Male in Todesgefahr. Von den Juden erhielt ich fünfmal die vierzig Schläge weniger einen. Dreimal wurde ich mit Ruten geschlagen; einmal gesteinigt; dreimal erlitt ich Schiffbruch; eine Nacht und einen Tag lang trieb ich als Schiffbrüchiger auf hoher See; …“ (2.Korinther 11,23-25)

Über diese Dinge kann ich nur mit Furcht und Zittern schreiben, weil ich von mir selber nicht weiss, wie ich solche Situationen überstehen würde. Ich glaube, es ist überhaupt nur durch die Gnade Gottes möglich, solche Verfolgung um Christi willen auszuhalten. Paulus schrieb an die Philipper: „Denn euch ist es gegeben um Christi willen, nicht nur an ihn zu glauben, sondern auch für ihn zu leiden …“ (Philipper 1,29)
Es ist eine Gabe Gottes und ein besonderes Vorrecht, für den Glauben an Jesus zu leiden. Nachdem die Apostel geschlagen worden waren, „gingen sie von dem Rat fort, voll Freude, dass sie für würdig erachtet worden waren, um des Namens (Jesu) willen Schmach zu leiden.“ (Apostelgeschichte 5,14)

Bist du bereit, mit den Aposteln dieses Vorrecht zu teilen?

Möchtest du WIRKLICH Erweckung? (Teil 2)

6. Mai 2016

Eine Erweckung bringt Spaltung.

Fast alle Leiter von Erweckungen wurden angeklagt, „die Kirche zu spalten“. Im allgemeinen hatten sie nicht die Absicht, Spaltungen zu verursachen. Aber Gott wirkte sichtbar durch sie; und die Leiter der etablierten Kirchen widersetzten sich diesem Werk Gottes. So wurde eine Spaltung unvermeidlich: die Nachfolger des Wirkens Gottes auf der einen Seite, und die Nachfolger der etablierten Leiterschaft auf der anderen Seite.

Am klarsten sehen wir das wohl bei Martin Luther. Bis heute wirft ihm die katholische Kirche vor, „die einige Kirche gespalten zu haben“. Aber Luther hatte nie diese Absicht. Er war ein katholischer Mönch, der katholischen Kirche verpflichtet, und hatte ein einziges Ziel: die Kirche auf den Weg der Heiligen Schrift zurückzuführen. Er gelangte mit seinen Anliegen bis vor den Papst, in der Hoffnung, wenigstens der Papst wäre daran interessiert, die Kirche aus ihrer Verdorbenheit herauszuholen. Aber die Antwort des Papstes bestand darin, dass er zuerst Luther einfach ignorierte; dann Theologen sandte, die ihn widerlegen und zum Widerruf zwingen sollten; und als das nichts fruchtete, ihn zu exkommunizieren. (Somit ist die historische Wahrheit, dass nicht Luther die Kirche spaltete, sondern der Papst, indem der Luther und seine Anhänger ausschloss.)
Da die kirchlichen Leiter sich nicht reformieren wollten, wurde es nötig, eine gesonderte reformierte Kirche zu bilden. Dasselbe geschah in vielen anderen Erweckungen.

John Wesley war anglikanischer Pfarrer. Aber als er über die Wiedergeburt zu predigen begann, verschloss ihm eine Kirche nach der anderen ihre Türen, bis er sich gezwungen sah, auf freiem Feld zu predigen. Damit begannen seine Anhänger nach und nach zur Kirche auf Distanz zu gehen, bis sie schliesslich eine eigene Kirche bildeten (die Methodisten).

William Booth war ein methodistischer Prediger, der etwa hundert Jahre nach Wesley lebte. Er hatte einen starken Ruf, die Heilsbotschaft zu den Leuten auf der Strasse zu bringen: zu den Arbeitslosen, den Armen, den Trinkern, den Landstreichern. Sein Motto war: „Sucht die Seelen, und sucht die schlimmsten von ihnen!“ So begann er auf eine Art zu evangelisieren, die diese Art von Menschen anzog: mit Märschen in den Strassen, mit lauter und volkstümlicher Musik, und mit sehr einfachen und direkten Predigten auf der Strasse. Aber die christlichen Leiter (inbegriffen die Methodisten) fanden, diese Methoden seien eine „Entweihung des Evangeliums“. Es kümmerte sie nicht, dass Tausende von Menschen durch Booths Dienst gerettet wurden. So musste er sich aus der methodistischen Kirche zurückziehen und seine eigene Bewegung gründen, die Heilsarmee.

Ich bin sicher, dass alle diese Gottesmänner eine Erweckung ohne Spaltung vorgezogen hätten, wenn es möglich gewesen wäre. Aber die Opposition der etablierten Leiter verunmöglichte dies. Deshalb zogen die Erweckungsprediger die Spaltung vor, denn die einzige Alternative dazu wäre gewesen, die Erweckung zu ersticken.

Jesus selber warnte seine Nachfolger: „Denkt nicht, ich sei gekommen, Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, um den Mann mit seinem Vater zu entzweien und die Tochter mit ihrer Mutter, und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter; und die Feinde des Menschen werden seine eigenen Hausgenossen sein. Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert…“ (Matthäus 10,34-37)
Jesus selber war sehr „konfliktiv“. (Tatsächlich bewirkte er eine radikale Spaltung unter den Juden seiner Zeit.) – Wir können die oben zitierten Verse auch auf unsere „geistlichen Väter“ anwenden, d.h. auf die Kirche und die Tradition, die uns ins Christentum eingeführt hat. Wenn eine Erweckung kommt, dann werden die „geistlichen Söhne und Töchter“ viel radikaler in ihrem Eifer für den Herrn. Die lauen Kirchen werden sich diesem Radikalismus entgegenstellen, und das wird zu Entzweiung zwischen „geistlichen Eltern und Kindern“ führen.

Im 1.Korintherbrief spricht Paulus mit starken Worten gegen die Spaltungen unter Geschwistern, und betont, dass der Leib Christi eins ist. Aber im selben Brief spricht er auch von einer Art Spaltung oder Trennung, die nötig ist: „Denn zuallererst, wenn ihr als Gemeinde zusammenkommt, höre ich, dass es unter euch Spaltungen gibt; und zum Teil glaube ich es. Denn es ist nötig, dass es unter euch Entzweiungen gibt, damit jene unter euch offenbar werden, die bewährt sind.“ (1.Kor.11,18-19). – Er spricht auch von Fällen, wo es nötig ist, sich abzusondern: „… dass ihr euch mit niemandem zusammentut, der sich Bruder nennen lässt, aber ein Unzüchtiger ist oder Habsüchtiger oder Götzendiener oder Lästerer oder Trinker oder Dieb. Mit einem solchen sollt ihr nicht einmal zusammen essen.“ (1.Kor.5,11) – „Lasst euch nicht mit den Ungläubigen unter dasselbe Joch spannen. … Deshalb, sagt der Herr, zieht aus aus ihrer Mitte und sondert euch ab, und rührt das Unreine nicht an; dann werde ich euch aufnehmen…“ (2.Kor.6,14-18)
In anderen Worten: Es ist nötig, dass es eine Trennung gibt zwischen den echten Gläubigen (den „Bewährten“), und jenen, die es nicht sind. Wenn es in der Kirche „Geschwister“ gibt, die gar nicht wiedergeboren sind, dann wird es notwendigerweise eine Trennung geben zwischen ihnen und den echten Christen – unabhängig davon, ob jemand diese Trennung bewusst sucht oder nicht. Es ist nicht möglich, dass das Licht und die Finsternis miteinander Gemeinschaft haben; und alle Versuche, eine solche Gemeinschaft herbeizuführen, sind zum Scheitern verurteilt. (Das ist der Fehler des Ökumenismus.)

Daraus können wir lernen, dass eine Spaltung nicht das Schlimmste ist, was einer Kirche passieren kann. Viel schlimmer ist es, wenn sich die Kirche von falschen Christen infiltrieren und sich schliesslich von ihnen dominieren lässt. In diesem Fall stirbt die Kirche geistlich, erstickt auch das geistliche Leben der wenigen echten Christen, die sich noch in ihr befinden, und verunehrt den Namen des Herrn vor der ganzen Welt.

Eine Erweckung geschieht normalerweise in einer Situation, wo die Kirche lau geworden ist. Es ist deshalb anzunehmen, dass in einer solchen Situation viele Mitglieder und Leiter der Kirchen blosse Namenschristen sind, die nie wiedergeboren wurden. Natürlich empfinden sie es als Bedrohung, wenn einige ihrer Mitglieder das echte, biblische Christentum wiederentdecken. Sie werden sagen, „die Gemeinde spaltet sich“. – In Wirklichkeit ist es nicht „die Gemeinde“, die sich spaltet. Es ist nur die falsche Vereinigung von echten Christen mit Namenschristen, die auseinanderbricht (wobei die Namenschristen gar nie „Gemeinde“ im Sinne des Wortes Gottes waren).

Manchmal sagen mir Gemeindeleiter: „Man muss bei seiner angestammten Denomination bleiben und seine Kirche so annehmen, wie sie ist. Schliesslich gibt es keine vollkommene Gemeinde.“ Ich antworte, wenn wir so denken wollen, dann war die Reformation von Anfang an ein Fehler, denn dann hätten die Reformatoren die katholische Kirche annehmen sollen, wie sie war. Leiter, die so denken, sollten deshalb konsequenterweise nach Rom zurückkehren. (Mittlerweile tun sie es tatsächlich!)
Wenn wir andererseits auf dem Wort Gottes aufbauen wollen und mit den Reformatoren und Täufern darin einverstanden sind, dass sich die katholische Kirche vom Wort Gottes entfernt hat, dann müssen wir anerkennen, dass sich auch die evangelischen und evangelikalen Kirchen in vielen Aspekten vom Wort Gottes entfernt haben, und dass es deshalb richtig ist, eine neue Reformation zu fordern.

Charles Finney sagte:
„Wir vergleichen unseren geistlichen Zustand immer mit einem bestimmten Massstab. Wenn wir Christus in seiner Fülle als Massstab nehmen, dann bekommen wir eine angemessene Einschätzung unseres Zustandes. Aber wenn wir unsere Kirche oder unsere Freunde als Messrute nehmen, dann werden wir uns wahrscheinlich (irrtümlich) als geistliche Riesen sehen.
Deshalb haben wir manchmal so gegensätzliche Ansichten über den Zustand der Kirche, und unserer eigenen Herzen. Wir gebrauchen unterschiedliche Massstäbe. Während der eine demütig ist und den Zustand der Kirche beklagt, glaubt ein anderer, solche Klagen seien ‚richtend‘. Diesem anderen scheint die Kirche gesund zu sein, aber sein Vergleichsmassstab ist nicht Christus. Wer die Augen verschliesst, wird den Staub nicht sehen, der ihn bedeckt. Er mag glauben, er sei rein, während alle anderen wissen, dass er schmutzig ist.“

Zusammengefasst: Wenn Gott Erweckung sendet, wird es sehr wahrscheinlich eine Spaltung geben zwischen echten und falschen Christen; zwischen den Nachfolgern der Bewegung Gottes und der etablierten Leiterschaft der Kirchen. Sehr wahrscheinlich werden die Nachfolger der Erweckung angeklagt werden, „die Kirche zu spalten“. Mit Jesus und den Aposteln geschah dasselbe.
Bist du bereit, diesen Preis zu zahlen?


 PS: Zur obigen (schon viele Jahre alten) Originalfassung des Artikels möchte ich noch hinzufügen, dass leider alle historischen Erweckungs- und Reformationsbewegungen nach kürzerer oder längerer Zeit selber wieder zu (traditionellen) „Kirchen“ wurden, und damit selber wieder erweckungs- und reformationsbedürftig. Ich möchte deshalb keine dieser Bewegungen konkret als Beispiel für heute verstanden wissen, sondern als Beispiel vielmehr ihr anfängliches Prinzip nehmen, kirchlich-traditionelle Formen hinter sich zu lassen und zu dem zurückzukehren, „was von Anfang an war“.