Möchtest du WIRKLICH Erweckung? (Teil 4)

7. Juni 2016

In einer Erweckung ist alle Ehre für Gott, nicht für dich oder für deine Gemeinde.

Einige Christen, insbesondere Leiter, beten um Erweckung, weil sie denken, damit würde ihre Gemeinde mehr Mitglieder gewinnen, oder sie selber würden dadurch bekannt werden. („Wir sind die schnellstwachsende Gemeinde in unserer Stadt!“) Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein.

Heute werden Männer der Vergangenheit wie Martin Luther, John Wesley, William Carey, und viele andere als Glaubenshelden gepriesen. Aber zu Lebzeiten hatten diese Prediger keinen guten Ruf. Luther wurde exkommuniziert und geächtet, und seine Feinde taten alles, um zu erreichen, dass sein Ruf wenig besser war als des Teufels. – Über Wesley und die frühen Methodisten sagten die zeitgenössischen christlichen Leiter: „… Er und seine unbeholfenen Laien – seine zerlumpte Legion von Kesselflickern, Kutschern und Strassenwischern – schreiten voran und vergiften das Denken der Menschen.“ – An einer Pastorenkonferenz wurde der Missionspionier William Carey „ein erbärmlicher Schwärmer“ genannt, als er vorschlug, der Missionsbefehl (Matthäus 28,18-20) könnte für die gegenwärtige Kirche weiterhin gültig sein.

Jesus sagte: „Kein Prophet ist willkommen in seiner eigenen Heimat“ (Lukas 4:24). Ähnlich könnten wir sagen: „Kein Prophet ist willkommen, solange er lebt.“ Wenn du Erweckung wünschst, so bereite dich darauf vor, abgelehnt, verleumdet, verfolgt, misshandelt und aus der Kirche ausgeschlossen zu werden. Weder in der Welt noch in der Kirche wirst du einen guten Ruf haben, ausser vielleicht nach deinem Tod.

Jesus kümmerte sich nicht darum, was er vor den Menschen für einen Ruf hatte:
„Aber ich suche nicht meine eigene Ehre; es gibt einen, der sie sucht, und richtet.“ (Johannes 8,50)
„Ehre von Menschen nehme ich nicht an … Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander annehmt, aber nicht die Ehre sucht, die vom einzigen Gott kommt?“ (Johannes 5,41.44)

Und Paulus sagte:
„… Denn wenn ich noch den Menschen gefiele, wäre ich kein Diener Christi.“ (Galater 1,10)
„Denn ich denke, Gott hat uns Apostel als die Letzten ausgestellt, als zum Tod Verurteilte; denn wir sind vor der Welt, vor den Engeln und vor den Menschen zum Schauspiel geworden. … Wir mühen uns ab, indem wir mit unseren eigenen Händen arbeiten; wir werden verflucht, und segnen; wir werden verfolgt und ertragen es. Wir werden verleumdet und beten; wir sind bis jetzt wie der Abschaum der Welt geworden, der Kehricht aller.“ (1.Korinther 4,9-13)

Was das Ansehen der Gemeinde betrifft, so kann keine Erweckung kommen, ohne dass zuvor ein Zerbruch der Gemeinde stattfindet. Ein Sünder muss zuerst „sein Leben verlieren“, um errettet zu werden. Er muss sich bewusst werden, wie schrecklich und abscheulich seine Sünde in den Augen Gottes ist; er muss diese ganze Hässlichkeit seines Lebens ans Licht bringen und bekennen; und es ist gut möglich, dass er seinen guten Ruf verliert, wenn er das tut.
Die Gemeinde, welche die Sünde in ihrer eigenen Mitte zugelassen hat, wird durch denselben Prozess gehen müssen, wenn sie Erweckung erleben will. Sie wird zulassen müssen, dass ihre Lauheit ans Licht kommt, der Mangel an Gottesfurcht in ihren Mitgliedern und Leitern, die Falschheit ihrer Worte und Taten, die Missbräuche und Betrügereien, die von ihren Leitern begangen werden, usw. Die Gemeinde wird „ihr Leben verlieren“ müssen und ihr Ansehen, damit Gott ihr vergeben und sie reinigen kann, und sie so tauglich wird für eine Erweckung.
Sowohl eine Einzelperson wie auch eine christliche Gemeinschaft muss zuerst durch einen Zerbruch gehen, bevor Gott von neuem in ihrer Mitte wirken kann.

Da die meisten Gemeinden unfähig dazu sind, in diesem Sinn „ihr Leben zu verlieren“, bringt Gott normalerweise „neue Weinschläuche“ hervor, wenn er eine Erweckung bringen will. Er sieht, dass die existierenden Gemeinden niemals eine Erweckung innerhalb ihrer eigenen Ordnungen und Traditionen aufnehmen könnten, und deshalb beginnt er etwas völlig Neues. Wenn du also Erweckung wünschst, dann denke daran, dass eine solche mit grösster Wahrscheinlichkeit NICHT in „deiner Gemeinde“ beginnen wird.

Und auch wenn eine Gemeinde wirklich geistlich erneuert wird und eine Erweckung beginnt, so wird Gott eifersüchtig über seiner Ehre wachen. Er wird nicht erlauben, dass die Leute sagen: „Wie tiefsinnig sind doch die Predigten von Pfarrer Soundso!“, oder: „Wie beeindruckend sind doch die Versammlungen in der Gemeinde XY!“, wo sie sagen sollten: „Wie barmherzig und gnädig ist unser Gott!“

Hören wir noch einmal Finney:
„Der Geist kann betrübt werden, wenn Menschen sich der Erweckung rühmen. Manchmal, wenn eine Erweckung beginnt, wird sie in den Zeitungen angepriesen. Sehr oft wird sie dadurch getötet.
Bei einer gewissen Gelegenheit begann eine Erweckung. Sofort kam ein Brief des Pfarrers an, in welchem er die Erweckung rühmte. Ich sah den Brief und sagte zu mir: ‚Das wird das letzte sein, was wir von dieser Erweckung hören.‘ Nach wenigen Tagen war die Heldentat zu Ende. Das ist nicht aussergewöhnlich. Die Leute veröffentlichen Dinge, die die Gemeinde stolz machen, und dann kann nichts mehr getan werden, um die Erweckung zu retten.
Unter dem Vorwand, etwas zur Ehre und zum Lob Gottes zu schreiben, veröffentlichen einige von uns Dinge, die uns selbst erhöhen, indem wir unseren eigenen Anteil an der Sache hervorheben. Das ist nicht hilfreich, sondern hat im Gegenteil eine schlechte Wirkung.“

Zusammengefasst: Wenn Gott eine Erweckung sendet, dann wird sich kein Leiter und keine Gemeinde dessen rühmen können. Viel wahrscheinlicher ist es, dass viele Leiter und viele Gemeinden ihren guten Ruf und ihr Ansehen verlieren werden. Gott gibt seine Ehre niemandem sonst (Jesaja 42,8).
Bist du bereit, diesen Preis zu bezahlen?


Schluss

Ich begann diese Artikelserie mit der Ankündigung, mich auf einige „negative“ Aspekte von Erweckungen zu konzentrieren. Ich nannte sie „negativ“, weil viele Gemeindechristen heute denken, diese Dinge seien negativ. Wir haben so viele Predigten darüber gehört, dass man sich der Leiterschaft und der Ordnung der Gemeinde unterordnen solle (insbesondere unserer eigenen Denomination); dass es nie Spaltung geben solle in der Gemeinde (während seltsamerweise viele Pastoren, die das sagen, „ihre Schafe“ eifersüchtig vom Einfluss anderer christlicher Denominationen absondern); dass Gott nicht zulassen wird, dass ein Christ leidet; und dass wir uns für das Wachstum „unserer Gemeinde“ einsetzen sollen. Angesichts derartiger Lehren werden die vier Aspekte von Erweckungen, die ich hier beschrieben habe, unweigerlich „negativ“ erscheinen.

Wir haben gesehen, dass in Wirklichkeit alle diese Aspekte dem Willen Gottes gemäss sind. Alle diese Aspekte waren im Dienst Jesu und der Apostel zu beobachten. Jesus und die Apostel verursachten Unordnung und Spaltung; sie erlitten Verfolgung und sogar den gewaltsamen Tod; und sie erhielten für ihr Werk keinerlei Ehre oder Ansehen von Menschen. Was für ein Recht haben wir, „negativ“ zu nennen, was eindeutig der Wille Gottes ist?

Es möge mich also niemand missverstehen. In keiner Weise möchte ich sagen, Erweckung sei etwas „Negatives“. Vielmehr möchte ich dieses sagen: Wenn die Ordnungen und Traditionen deiner Gemeinde dir noch „heilig“ sind; wenn das Ansehen und das Wachstum „deiner“ Gemeinde und „deines“ Dienstes dir noch wichtiger sind als die Ehre Gottes, dann denke nochmals darüber nach, ob es dir wirklich ernst ist mit dem Wunsch nach einer geistlichen Erweckung.

Möchtest du WIRKLICH Erweckung? (Teil 3)

18. Mai 2016

Eine Erweckung bringt Verfolgung.

Viele Leiter und Anhänger vergangener Erweckungen mussten Verfolgung leiden. Manchmal kam die Verfolgung von seiten der Heiden, die sich dem Christentum widersetzten. Aber noch häufiger waren es gerade die Leiter der „christlichen“ Kirchen, welche die Erweckung verfolgten.

Von der Opposition der katholischen Kirche gegen Luther haben wir schon gesprochen. Nachdem er exkommuniziert worden war, wurde Luther auch noch vom Kaiser unter die Reichsacht gestellt. Das bedeutete praktisch sein Todesurteil, denn jeder, der ihn fand, konnte ihn straflos töten. Luther überlebte nur, weil der Kurfürst von Sachsen ihm wohlgesinnt war und ihn auf der Wartburg verborgen hielt. – Während die Reformation fortschritt, wurden Tausende von „Protestanten“ von der Inquisition und von katholischen Herrschern ermordet.

So unglaublich es erscheint, verfolgten doch die Leiter der Reformation ihrerseits die Täufer mit fast derselben Grausamkeit. Tausende von Täufern wurden in Flüssen und Seen ertränkt – eine grausame Art, sich über ihre Überzeugungen lustig zu machen, indem die Reformierten erklärten: „Da ihr euch gerne ein zweites Mal taufen lässt, taufen wir euch jetzt ein drittes Mal.“
Es ist gesagt worden: „Die Vertreter der Erweckung von gestern verfolgen die Erweckung von morgen“. Hier haben wir ein Beispiel dieser traurigen Wahrheit.

John Wesley schien an Verfolgung gewöhnt zu sein. Dies ist eine Zusammenfassung von Tagebucheinträgen Wesleys in der Anfangszeit der Erweckung:
„Sonntag, 5.Mai, morgens – Predigte in St.Anna; sie sagten mir, ich solle nie mehr zurückkommen.
Sonntag, 5.Mai, nachmittags – Predigte in St.John; die Diakone sagten: ‚Geh raus und bleibe draussen.‘
Sonntag, 12.Mai, morgens – Predigte in St.Judas; dahin darf ich auch nicht mehr zurückkehren.
Sonntag, 12.Mai, nachmittags – Predigte in St.George, auch da wurde ich hinausgeworfen.
Sonntag, 19.Mai, morgens – Predigte nochmals woanders; die Diakone beriefen eine ausserordentliche Sitzung ein und sagten, ich könne nicht mehr hierher zurückkommen.
Sonntag, 19.Mai, nachmittags – Predigte auf der Strasse; sie vertrieben mich von der Strasse.
Sonntag, 26.Mai, morgens – Predigte auf einer Wiese; ich musste fliehen, als jemand während des Gottesdienstes einen Stier auf mich losliess.
Sonntag, 2.Juni, morgens – Predigte am Eingang der Stadt; sie vertrieben mich von der Strasse.
Sonntag, 2.Juni, nachmittags – Zum Nachmittagsgottesdienst predigte ich draussen auf dem Feld; zehntausend Personen kamen.“

Eine andere Anekdote über Wesley:
Eines Tages war Wesley zu Pferd unterwegs, und plötzlich wurde ihm bewusst, dass drei ganze Tage ohne Verfolgung vergangen waren. Man hatte ihm nicht einmal einen Stein oder ein Ei nachgeworfen. Wesley hielt sein Pferd an und kniete nieder: „Könnte es sein, dass ich gesündigt habe oder zurückgefallen bin?“, fragte er, und bat Gott, ihm zu zeigen, ob er irgendwie fehlgegangen war. – Ein rauher Bursche, der auf der anderen Seite der Hecke vorüberging, hörte das Gebet, erkannte Wesley und dachte: „Ich werde diesem Prediger eine Lektion erteilen.“ Er ergriff einen Backstein und warf ihn nach Wesley. Der Backstein verfehlte sein Ziel knapp; aber Wesley erhob sich und rief aus: „Danke, Herr, alles ist gut! Ich bin noch in deiner Gegenwart.“

Eines der bekanntesten Werke der christlichen Literatur, und der Weltliteratur überhaupt, ist John Bunyans „Pilgerreise“. Dieses Buch wurde im Gefängnis von Bedford geschrieben. Was für ein Verbrechen hatte Bunyan begangen? – Er hatte ohne eine offizielle Erlaubnis der Kirche von England das Evangelium gepredigt. Dafür wurde er zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt.

Auch die Heilsarmee war in ihren Anfangsjahren oft das Ziel von Verfolgung. Andrew Strom fasst zusammen: „Während des Jahres 1882 wurden allein in England 669 Heilssoldaten körperlich angegriffen, und 56 Lokale der Heilsarmee ganz oder teilweise zerstört. Es formten sich ‚Skelett-Armeen‘ von Verbrechern und Schlägern, um die Heilsarmisten anzugreifen … Und erstaunlicherweise waren an vielen Orten die örtlichen Pastoren daran beteiligt, diese Mobs aufzureizen.“

Gegenwärtig findet eine der erstaunlichsten und am längsten dauernden Erweckungen in China statt. Aber China ist gleichzeitig eines der Länder mit der stärksten Christenverfolgung. Viele christliche Leiter sind im Gefängnis und werden gefoltert. Es gibt sehr wenig religiöse Freiheit.

Verwundern wir uns darüber nicht. Jesus selber wurde verfolgt, und nach nur drei Jahren öffentlichen Dienstes wurde er getötet. Die Wirkungszeit seines Wegbereiters, Johannes des Täufers, war noch kürzer. Und Jesus warnte seine Jünger zum voraus, sie sollten sich auf dasselbe Schicksal vorbereiten:
„Wenn jemand mir nachfolgen will, verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich, und folge mir nach. Denn jeder, der sein Leben retten will, wird es verlieren; und jeder, der sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.“ (Matthäus 16,24.25)
„Dann werden sie euch der Drangsal überliefern und euch töten, und ihr werdet von allen Völkern gehasst sein um meines Namens willen… Aber wer bis zum Ende ausharrt, wird gerettet werden.“ (Matthäus 24,9.13)
„Sie werden euch aus den Synagogen ausschliessen; und es wird sogar die Stunde kommen, wo jeder, der euch tötet, denken wird, er leiste Gott einen Dienst.“ (Johannes 16,2)
„Fürchte nichts, was du leiden wirst. Siehe, der Teufel wird einige von euch ins Gefängnis werfen, damit ihr geprüft werdet, und ihr werdet zehn Tage lang Drangsal haben. Sei treu bis zum Tod, und ich werde dir die Krone des Lebens geben.“ (Offenbarung 2,10)

Aus der Geschichte der alten Kirche weiss man, dass elf der zwölf Apostel den Märtyrertod starben. Johannes war der einzige, der eines natürlichen Todes starb; aber auch er erlitt die Verbannung nach Patmos. Paulus zählt folgende Gründe auf, sich zu rühmen:
„Sind sie Diener Christi? Ich spreche, als ob ich wahnsinnig wäre: Ich noch mehr. Unter viel mehr Mühen; unter unzähligen Schlägen; öfter in Gefängnissen; viele Male in Todesgefahr. Von den Juden erhielt ich fünfmal die vierzig Schläge weniger einen. Dreimal wurde ich mit Ruten geschlagen; einmal gesteinigt; dreimal erlitt ich Schiffbruch; eine Nacht und einen Tag lang trieb ich als Schiffbrüchiger auf hoher See; …“ (2.Korinther 11,23-25)

Über diese Dinge kann ich nur mit Furcht und Zittern schreiben, weil ich von mir selber nicht weiss, wie ich solche Situationen überstehen würde. Ich glaube, es ist überhaupt nur durch die Gnade Gottes möglich, solche Verfolgung um Christi willen auszuhalten. Paulus schrieb an die Philipper: „Denn euch ist es gegeben um Christi willen, nicht nur an ihn zu glauben, sondern auch für ihn zu leiden …“ (Philipper 1,29)
Es ist eine Gabe Gottes und ein besonderes Vorrecht, für den Glauben an Jesus zu leiden. Nachdem die Apostel geschlagen worden waren, „gingen sie von dem Rat fort, voll Freude, dass sie für würdig erachtet worden waren, um des Namens (Jesu) willen Schmach zu leiden.“ (Apostelgeschichte 5,14)

Bist du bereit, mit den Aposteln dieses Vorrecht zu teilen?

Möchtest du WIRKLICH Erweckung? (Teil 2)

6. Mai 2016

Eine Erweckung bringt Spaltung.

Fast alle Leiter von Erweckungen wurden angeklagt, „die Kirche zu spalten“. Im allgemeinen hatten sie nicht die Absicht, Spaltungen zu verursachen. Aber Gott wirkte sichtbar durch sie; und die Leiter der etablierten Kirchen widersetzten sich diesem Werk Gottes. So wurde eine Spaltung unvermeidlich: die Nachfolger des Wirkens Gottes auf der einen Seite, und die Nachfolger der etablierten Leiterschaft auf der anderen Seite.

Am klarsten sehen wir das wohl bei Martin Luther. Bis heute wirft ihm die katholische Kirche vor, „die einige Kirche gespalten zu haben“. Aber Luther hatte nie diese Absicht. Er war ein katholischer Mönch, der katholischen Kirche verpflichtet, und hatte ein einziges Ziel: die Kirche auf den Weg der Heiligen Schrift zurückzuführen. Er gelangte mit seinen Anliegen bis vor den Papst, in der Hoffnung, wenigstens der Papst wäre daran interessiert, die Kirche aus ihrer Verdorbenheit herauszuholen. Aber die Antwort des Papstes bestand darin, dass er zuerst Luther einfach ignorierte; dann Theologen sandte, die ihn widerlegen und zum Widerruf zwingen sollten; und als das nichts fruchtete, ihn zu exkommunizieren. (Somit ist die historische Wahrheit, dass nicht Luther die Kirche spaltete, sondern der Papst, indem der Luther und seine Anhänger ausschloss.)
Da die kirchlichen Leiter sich nicht reformieren wollten, wurde es nötig, eine gesonderte reformierte Kirche zu bilden. Dasselbe geschah in vielen anderen Erweckungen.

John Wesley war anglikanischer Pfarrer. Aber als er über die Wiedergeburt zu predigen begann, verschloss ihm eine Kirche nach der anderen ihre Türen, bis er sich gezwungen sah, auf freiem Feld zu predigen. Damit begannen seine Anhänger nach und nach zur Kirche auf Distanz zu gehen, bis sie schliesslich eine eigene Kirche bildeten (die Methodisten).

William Booth war ein methodistischer Prediger, der etwa hundert Jahre nach Wesley lebte. Er hatte einen starken Ruf, die Heilsbotschaft zu den Leuten auf der Strasse zu bringen: zu den Arbeitslosen, den Armen, den Trinkern, den Landstreichern. Sein Motto war: „Sucht die Seelen, und sucht die schlimmsten von ihnen!“ So begann er auf eine Art zu evangelisieren, die diese Art von Menschen anzog: mit Märschen in den Strassen, mit lauter und volkstümlicher Musik, und mit sehr einfachen und direkten Predigten auf der Strasse. Aber die christlichen Leiter (inbegriffen die Methodisten) fanden, diese Methoden seien eine „Entweihung des Evangeliums“. Es kümmerte sie nicht, dass Tausende von Menschen durch Booths Dienst gerettet wurden. So musste er sich aus der methodistischen Kirche zurückziehen und seine eigene Bewegung gründen, die Heilsarmee.

Ich bin sicher, dass alle diese Gottesmänner eine Erweckung ohne Spaltung vorgezogen hätten, wenn es möglich gewesen wäre. Aber die Opposition der etablierten Leiter verunmöglichte dies. Deshalb zogen die Erweckungsprediger die Spaltung vor, denn die einzige Alternative dazu wäre gewesen, die Erweckung zu ersticken.

Jesus selber warnte seine Nachfolger: „Denkt nicht, ich sei gekommen, Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, um den Mann mit seinem Vater zu entzweien und die Tochter mit ihrer Mutter, und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter; und die Feinde des Menschen werden seine eigenen Hausgenossen sein. Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert…“ (Matthäus 10,34-37)
Jesus selber war sehr „konfliktiv“. (Tatsächlich bewirkte er eine radikale Spaltung unter den Juden seiner Zeit.) – Wir können die oben zitierten Verse auch auf unsere „geistlichen Väter“ anwenden, d.h. auf die Kirche und die Tradition, die uns ins Christentum eingeführt hat. Wenn eine Erweckung kommt, dann werden die „geistlichen Söhne und Töchter“ viel radikaler in ihrem Eifer für den Herrn. Die lauen Kirchen werden sich diesem Radikalismus entgegenstellen, und das wird zu Entzweiung zwischen „geistlichen Eltern und Kindern“ führen.

Im 1.Korintherbrief spricht Paulus mit starken Worten gegen die Spaltungen unter Geschwistern, und betont, dass der Leib Christi eins ist. Aber im selben Brief spricht er auch von einer Art Spaltung oder Trennung, die nötig ist: „Denn zuallererst, wenn ihr als Gemeinde zusammenkommt, höre ich, dass es unter euch Spaltungen gibt; und zum Teil glaube ich es. Denn es ist nötig, dass es unter euch Entzweiungen gibt, damit jene unter euch offenbar werden, die bewährt sind.“ (1.Kor.11,18-19). – Er spricht auch von Fällen, wo es nötig ist, sich abzusondern: „… dass ihr euch mit niemandem zusammentut, der sich Bruder nennen lässt, aber ein Unzüchtiger ist oder Habsüchtiger oder Götzendiener oder Lästerer oder Trinker oder Dieb. Mit einem solchen sollt ihr nicht einmal zusammen essen.“ (1.Kor.5,11) – „Lasst euch nicht mit den Ungläubigen unter dasselbe Joch spannen. … Deshalb, sagt der Herr, zieht aus aus ihrer Mitte und sondert euch ab, und rührt das Unreine nicht an; dann werde ich euch aufnehmen…“ (2.Kor.6,14-18)
In anderen Worten: Es ist nötig, dass es eine Trennung gibt zwischen den echten Gläubigen (den „Bewährten“), und jenen, die es nicht sind. Wenn es in der Kirche „Geschwister“ gibt, die gar nicht wiedergeboren sind, dann wird es notwendigerweise eine Trennung geben zwischen ihnen und den echten Christen – unabhängig davon, ob jemand diese Trennung bewusst sucht oder nicht. Es ist nicht möglich, dass das Licht und die Finsternis miteinander Gemeinschaft haben; und alle Versuche, eine solche Gemeinschaft herbeizuführen, sind zum Scheitern verurteilt. (Das ist der Fehler des Ökumenismus.)

Daraus können wir lernen, dass eine Spaltung nicht das Schlimmste ist, was einer Kirche passieren kann. Viel schlimmer ist es, wenn sich die Kirche von falschen Christen infiltrieren und sich schliesslich von ihnen dominieren lässt. In diesem Fall stirbt die Kirche geistlich, erstickt auch das geistliche Leben der wenigen echten Christen, die sich noch in ihr befinden, und verunehrt den Namen des Herrn vor der ganzen Welt.

Eine Erweckung geschieht normalerweise in einer Situation, wo die Kirche lau geworden ist. Es ist deshalb anzunehmen, dass in einer solchen Situation viele Mitglieder und Leiter der Kirchen blosse Namenschristen sind, die nie wiedergeboren wurden. Natürlich empfinden sie es als Bedrohung, wenn einige ihrer Mitglieder das echte, biblische Christentum wiederentdecken. Sie werden sagen, „die Gemeinde spaltet sich“. – In Wirklichkeit ist es nicht „die Gemeinde“, die sich spaltet. Es ist nur die falsche Vereinigung von echten Christen mit Namenschristen, die auseinanderbricht (wobei die Namenschristen gar nie „Gemeinde“ im Sinne des Wortes Gottes waren).

Manchmal sagen mir Gemeindeleiter: „Man muss bei seiner angestammten Denomination bleiben und seine Kirche so annehmen, wie sie ist. Schliesslich gibt es keine vollkommene Gemeinde.“ Ich antworte, wenn wir so denken wollen, dann war die Reformation von Anfang an ein Fehler, denn dann hätten die Reformatoren die katholische Kirche annehmen sollen, wie sie war. Leiter, die so denken, sollten deshalb konsequenterweise nach Rom zurückkehren. (Mittlerweile tun sie es tatsächlich!)
Wenn wir andererseits auf dem Wort Gottes aufbauen wollen und mit den Reformatoren und Täufern darin einverstanden sind, dass sich die katholische Kirche vom Wort Gottes entfernt hat, dann müssen wir anerkennen, dass sich auch die evangelischen und evangelikalen Kirchen in vielen Aspekten vom Wort Gottes entfernt haben, und dass es deshalb richtig ist, eine neue Reformation zu fordern.

Charles Finney sagte:
„Wir vergleichen unseren geistlichen Zustand immer mit einem bestimmten Massstab. Wenn wir Christus in seiner Fülle als Massstab nehmen, dann bekommen wir eine angemessene Einschätzung unseres Zustandes. Aber wenn wir unsere Kirche oder unsere Freunde als Messrute nehmen, dann werden wir uns wahrscheinlich (irrtümlich) als geistliche Riesen sehen.
Deshalb haben wir manchmal so gegensätzliche Ansichten über den Zustand der Kirche, und unserer eigenen Herzen. Wir gebrauchen unterschiedliche Massstäbe. Während der eine demütig ist und den Zustand der Kirche beklagt, glaubt ein anderer, solche Klagen seien ‚richtend‘. Diesem anderen scheint die Kirche gesund zu sein, aber sein Vergleichsmassstab ist nicht Christus. Wer die Augen verschliesst, wird den Staub nicht sehen, der ihn bedeckt. Er mag glauben, er sei rein, während alle anderen wissen, dass er schmutzig ist.“

Zusammengefasst: Wenn Gott Erweckung sendet, wird es sehr wahrscheinlich eine Spaltung geben zwischen echten und falschen Christen; zwischen den Nachfolgern der Bewegung Gottes und der etablierten Leiterschaft der Kirchen. Sehr wahrscheinlich werden die Nachfolger der Erweckung angeklagt werden, „die Kirche zu spalten“. Mit Jesus und den Aposteln geschah dasselbe.
Bist du bereit, diesen Preis zu zahlen?


 PS: Zur obigen (schon viele Jahre alten) Originalfassung des Artikels möchte ich noch hinzufügen, dass leider alle historischen Erweckungs- und Reformationsbewegungen nach kürzerer oder längerer Zeit selber wieder zu (traditionellen) „Kirchen“ wurden, und damit selber wieder erweckungs- und reformationsbedürftig. Ich möchte deshalb keine dieser Bewegungen konkret als Beispiel für heute verstanden wissen, sondern als Beispiel vielmehr ihr anfängliches Prinzip nehmen, kirchlich-traditionelle Formen hinter sich zu lassen und zu dem zurückzukehren, „was von Anfang an war“.

Möchtest du WIRKLICH Erweckung?

23. April 2016

Anm: Dies ist die Fortsetzung des Artikels: „Was ist Erweckung?“ – Es empfiehlt sich, jenen ersten Teil zuerst zu lesen.


In einem ersten Artikel (s.o.) haben wir gesehen, worin das Wesen einer echten Erweckung liegt. Nicht Massenbekehrungen, nicht gefühlsmässige Erlebnisse, nicht gesellschaftliche Veränderungen. Alle diese Dinge können Sekundärfolgen einer Erweckung sein und sind es oft auch. Aber der Kern einer Erweckung liegt darin, dass Christen (oder jene, die sich so nennen) von ihrer Sünde umkehren, reinen Tisch machen mit Gott, und anfangen wirklich für den Herrn zu leben. Und dass so erweckte christliche Gemeinschaften wieder zu dem zurückkehren, was „von Anfang an war“; d.h. sie lassen kirchliche Traditionen hinter sich und fangen wieder an, Gemeinde so zu leben, wie es im Neuen Testament beschrieben ist.

In diesem Artikel möchte ich mich nun auf einige „negative“ Aspekte von Erweckung konzentrieren. Ich habe bei manchen Gelegenheiten davon gesprochen und geschrieben, wie wünschenswert eine Erweckung wäre. Aber es gibt einige Aspekte von Erweckung, die manchen Christen weniger wünschenswert erscheinen. Wenn du also sagst, du möchtest Erweckung, dann ziehe auch diese Seite in Betracht und denke nochmals darüber nach. Sonst könntest du später, wenn Gott wirklich Erweckung sendet, enttäuscht sein und sagen: „Ich hätte das nicht so erwartet … warum hat es mir niemand zuvor gesagt?“

Eine Erweckung bringt Unordnung.

Wenn Gott Erweckung sendet, können die kirchlichen Versammlungen nicht wie gehabt weitergehen. Es werden ungewöhnliche Dinge geschehen, und das kann zu einer gewissen Unordnung führen.
In vielen historischen Erweckungen wurden die Leute derart vom Bewusstsein ihrer Sünde überwältigt, dass sie laut zu schreien und zu weinen anfingen, oder kraftlos zu Boden fielen. Sie blieben in diesem Zustand, bis sie ihre Sünde vollständig bereut hatten und zu dem Glauben und der Sicherheit kamen, dass der Herr ihnen vergeben hatte. Manchmal konnte der Prediger nicht weitersprechen wegen des lauten Weinens und Klagens der Zuhörer.

In seiner berühmten Predigt „Sünder in der Hand eines zornigen Gottes“ (1741) beschrieb Jonathan Edwards bildhaft den Hass und Abscheu, den Gott gegen die Sünde empfindet, und die Abgründe der Hölle, die den Sünder erwarten. Während er diese Predigt hielt, fiel eine solche Furcht auf die Zuhörer, dass sie sich an den Kirchenbänken und Säulen festhielten, um nicht in den Feuersee zu fallen, den sie unter ihren Füssen sich öffnen spürten.

Charles Finney schrieb über eine Versammlung, wo er predigte:
„Ich hatte während etwa fünfzehn Minuten in dieser Art der direkten Anwendung zu ihnen gesprochen, als plötzlich ein schrecklicher Ernst über sie kam. Die Versammlung begann in allen Richtungen von ihren Sitzen zu fallen und um Barmherzigkeit zu flehen. Hätte ich in jeder Hand ein Schwert gehabt, ich hätte sie nicht so schnell von ihren Sitzen hauen können, wie sie fielen. Weniger als zwei Minuten nach diesem ersten Schock lag fast die ganze Versammlung auf ihren Knieen oder auf ihrem Angesicht. Alle, die noch sprechen konnten, begannen für sich selbst zu beten.
Natürlich musste ich aufhören zu predigen, denn sie schenkten mir keine Aufmerksamkeit mehr. Ich sah den alten Mann, der mich eingeladen hatte, inmitten des Saales sitzen. Er sah äusserst erstaunt um sich. Ich erhob meine Stimme fast zu einem Schreien, um mich hörbar zu machen, zeigte auf ihn und sagte: ‚Können Sie nicht beten?‘ – Er fiel auf seine Kniee und schüttete mit lauter Stimme sein Herz vor Gott aus. Aber die Leute achteten nicht auf ihn. Da sagte ich, so laut ich konnte: ‚Ihr seid noch nicht in der Hölle. Lassen Sie mich jetzt Sie zu Christus führen.‘ … Mein Herz war so voll Freude angesichts dieser Szene, dass ich kaum an mich halten konnte. Nur mit grösster Mühe hielt ich mich davor zurück, zu Gottes Ehre laut zu schreien.“

Andrew Strom schreibt über die Anfänge der Heilsarmee:
„Im Jahre 1884 wurden in England insgesamt sechshundert Heilsarmisten von der Regierung ins Gefängnis gesperrt, weil sie Aufruhr in den Strassen verursacht hatten. Die Heilsarmee erklärte immer, sie hätten das Recht, unter freiem Himmel ihre Märsche und Versammlungen abzuhalten; und es sei eine Einschränkung der Religionsfreiheit, ihnen dieses Recht zu verweigern. … Tatsächlich weigerten sie sich prinzipiell, auch nur die kleinste Busse zu bezahlen, und so war das Gefängnis unausweichlich. Aber sie veranstalteten jedesmal einen riesigen und sehr lärmigen Marsch, um die verhafteten Heilssoldaten ins Gefängnis zu begleiten; und einen weiteren Marsch, um sie zu begleiten, wenn sie aus dem Gefängnis entlassen wurden.
… Ein verzweifelter Richter ermahnte ein anderes Kontingent verhafteter Heilssoldaten, ‚etwas mehr in ihren Bibeln zu lesen und zu meditieren, weniger zu sprechen, und weniger auf den Lärm von Trommeln und Blechinstrumenten zu vertrauen. Trommeln und Trompeten mögen eine angemessene Begleitung sein für einen Zirkus, aber sie sind fehl am Platz an einem Sonntag in einem ruhigen Städtchen wie Milton.‘ – Solche Ermahnungen hatten keinerlei Wirkung.“

Ein Zeuge der Erweckung von 1970 auf Timor (Indonesien) berichtete, dass eines Tages der Gottesdienst von den Sirenen sich nähernder Feuerwehrwagen unterbrochen wurde. Es brannte aber nirgends. Was war geschehen? – Einige Nachbarn hatten Feuerflammen über dem Kirchendach gesehen und die Feuerwehr alarmiert; aber es war kein Brand, es war das Feuer des Heiligen Geistes, das wie am Pfingsttag sichtbar geworden war.

Solche und ähnliche Szenen sind nichts Neues. Als Jesus an einem bestimmten Ort predigte, drängten sich die Leute sogar draussen vor der Türe, um ihm zuzuhören. Mitten in seiner Predigt wurde er unterbrochen von herunterfallenden Lehmbrocken. Einige Männer hatten ein Loch ins Dach gebrochen, um von dort einen Gelähmten herunterzulassen, damit Jesus ihn heilen würde. Es wird nicht berichtet, dass Jesus sie ermahnt hätte, die Ordnung zu wahren.
Als am Pfingsttag der Heilige Geist kam, benahmen sich die 120 versammelten Leute in der Öffentlichkeit auf eine Art und Weise, dass mehrere Augenzeugen dachten, sie seien betrunken. Sie verursachten einen Auflauf von mehr als dreitausend Menschen und tauften diese an Ort und Stelle.

Der Apostel Paulus verursachte auf seinen Missionsreisen in fast jeder Stadt, wo er hinkam, einen Aufruhr. In der Regel blieb er in jeder Stadt so lange, bis er sich gezwungen sah, vor einem Aufruhr oder einer Verfolgung zu fliehen. Lesen wir einmal die Apostelgeschichte unter diesem Gesichtspunkt!

– In Antiochien von Pisidien:
„Am folgenden Sabbat versammelte sich fast die ganze Stadt, um das Wort Gottes zu hören. Aber als die Juden die Volksmenge sahen, wurden sie voll Eifersucht, und widersprachen dem, was Paulus sagte, und lästerten. … Sie stifteten angesehene gottesfürchtige Frauen an, und die Vornehmsten der Stadt, und verursachten eine Verfolgung gegen Paulus und Barnabas, und vertrieben sie aus ihrem Gebiet.“ (Apg.13,44-45.50)

– In Ikonien:
„Aber als die Juden und Heiden, zusammen mit ihren Oberen, auf sie einstürmten, um sie zu misshandeln und zu steinigen, flohen sie, da sie es inne wurden, nach Lystra…“ (Apg. 14,5-6)

– In Lystra:
„… Und auch mit diesen Worten konnten sie nur mit Mühe verhindern, dass die Menge ihnen Opfer darbrachte. Da kamen einige Juden aus Antiochien und aus Ikonien, die die Menge überredeten; und nachdem sie Paulus gesteinigt hatten, schleiften sie ihn vor die Stadt hinaus, da sie dachten, er sei tot.“ (Apg.14,18-19)

– In Philippi:
„… und sie führten sie vor die Befehlshaber und sagten: Diese Männer, die Juden sind, versetzen unsere Stadt in Aufruhr… Und das Volk rottete sich gegen sie zusammen, und die Befehlshaber liessen ihnen die Kleider zerreissen und sie mit Ruten schlagen.“ (Apg.16,20-22)

– In Thessalonich:
„Da wurden die Juden, die nicht glaubten, eifersüchtig, und nahmen einige Herumstreicher und schlechte Menschen mit sich, rotteten sich zusammen und versetzten die Stadt in Aufruhr. Dann überfielen sie das Haus Jasons und versuchten sie vor das Volk zu schleppen…“ (Apg.17,5)

– In Beröa:
„Als die Juden von Thessalonich erfuhren, dass Paulus auch in Beröa das Wort Gottes verkündigte, gingen sie dorthin und versetzten auch dort die Mengen in Aufruhr.“ (Apg.17,13)

– In Korinth:
„Aber als Gallio Prokonsul von Achaja war, erhoben sich die Juden einmütig gegen Paulus und führten ihn vor Gericht. … Da ergriffen alle Griechen Sosthenes, den Vorsteher der Synagoge, und schlugen ihn vor dem Richterstuhl; aber Gallio kümmerte sich um all das nicht.“ (Apg.18,12-17)

– In Ephesus:
„Und die Stadt geriet in grosse Verwirrung, und sie stürmten miteinander ins Theater und schleppten Gajus und Aristarchus mit, die Reisebegleiter des Paulus. … Nun schrieen die einen dies, die anderen das; denn die Versammlung war verwirrt, und die meisten wussten nicht, weswegen sie zusammengekommen waren. … Aber als sie merkten, dass er ein Jude war, schrieen alle zusammen fast zwei Stunden lang: Gross ist die Artemis der Epheser!“ (Apg.19,29.32.34)

– In Jerusalem:
„So kam die ganze Stadt in Bewegung, und das Volk lief zusammen; und sie ergriffen Paulus und schleppten ihn aus dem Tempel und schlossen sofort die Türen zu. Und als sie versuchten ihn zu töten, wurde dem Obersten der Kohorte gemeldet, dass sich die ganze Stadt Jerusalem in Aufruhr befand. Dieser nun nahm Soldaten und Hauptleute mit sich und eilte zu ihnen. Und als sie den Obersten und die Soldaten sahen, hörten sie auf, Paulus zu schlagen. … Als er zur Treppe kam, musste er von den Soldaten getragen werden wegen der Gewalttätigkeit der Menge; denn die Volksmenge drängte sich hinter ihm und schrie: Er soll sterben!“ (Apg.21,30-36)

Wir stellen auch fest, dass sich in vielen Fällen die „Unordnung“ direkt gegen die etablierte Ordnung der Kirchen richtete. Angefangen mit Jesus selber, der vorsätzlich die Ordnung der Synagogenversammlungen brach, indem er am Sabbat Kranke heilte und andere Dinge tat, die die Schriftgelehrten und Pharisäer in Zorn versetzen.
Auch die Apostel riefen mit ihrer Verkündigung und ihren Taten oft den Zorn der religiösen Leiter hervor. Mehrmals wurden sie bedroht, nie mehr im Namen Jesu zu sprechen. Bei einer dieser Gelegenheiten antworteten sie den Priestern: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ (Apg.5,29) – Die Apostel und Jesus selber waren von der Synagoge nicht anerkannt (mit Ausnahme von Paulus, der ein Rabbiner war).

Während der Reformationszeit entstand die Bewegung der Täufer. Sie empfanden die Reformation Luthers und Zwinglis als zuwenig radikal; sie wollten zum Leben der ersten Christen zurückkehren und allem gehorchen, was die Bibel sagt. Während die Reformatoren die Staatsregierung damit beauftragten, die Kirche zu beschützen, lehrten die Täufer, die weltliche Regierung habe nichts zu tun mit den Angelegenheiten der Kirche. Und während die Reformatoren weiterhin Säuglinge tauften wie die katholische Kirche, lehrten die Täufer, die Taufe sei nur für die Bekehrten.
Die Auseinandersetzung verschärfte sich, und im Jahre 1525 verbot der Rat der Stadt Zürich den Täufern, sich zu versammeln und ihre Lehren zu verbreiten. Sie widersetzten sich offen diesem Befehl, versammelten sich am Ufer des Zürichsees und tauften einander gegenseitig. Das ging völlig gegen alles, was die Kirchen – sowohl die katholische wie die reformierte – erlaubten.
Interessanterweise folgen heute die meisten evangelikalen Kirchen der Lehre der Täufer, zumindest was die Taufe betrifft. Was einmal ein Skandal war, wurde später achtbar. Aber wenn heute jemand in diesen Kirchen vorschlägt, in einigen anderen Punkten zur biblischen Lehre zurückzukehren – z.B. das Abendmahl in den Häusern und Familien zu feiern; oder das Amt und den Titel des Pfarrers bzw. Pastors abzuschaffen -, dann verursacht er damit zweifellos einen neuen Skandal.

John Wesley war persönlich äusserst diszipliniert und ordentlich; aber auch er brach die Ordnung der Kirche von England in mindestens zwei wichtigen Punkten:
– Er nannte sich selbst „Evangelist“. Bis dahin lehrte die Kirche, dieser Titel sei für die ersten Zeugen des Herrn reserviert, und nach Ende der apostolischen Zeit dürfe sich niemand mehr so nennen. (Ganz ähnlich wie es heute Auseinandersetzungen um die Bezeichnungen „Prophet“ und „Apostel“ gibt.)
– Er bildete Laienprediger aus und sandte sie aus; d.h. Prediger ohne offizielle Predigterlaubnis. Die Kirche jener Zeit lehrte, nur ordinierte Pfarrer dürften das Evangelium verkünden. (Ganz ähnlich wie heute noch weithin gelehrt wird, nur ordinierte Pfarrer dürften taufen oder das Abendmahl halten.)

In Erweckungszeiten übergeht Gott oft die etablierte Leiterschaft der Kirchen, und wirkt durch Unbekannte ohne Position und ohne offizielle Anerkennung. Die Leiter der Täufer befanden sich völlig ausserhalb der organisierten Kirchen; aber die Mehrheit der heutigen Evangelikalen anerkennen, dass sie recht hatten.
Der Pionier der modernen Weltmissionsbewegung, William Carey, war ein einfacher Schuster, der auf eigene Faust Griechisch und Hebräisch lernte. Später wurde er zwar als baptistischer Pastor anerkannt; aber die grosse Mehrheit seiner Pastorenkollegen setzten seiner Idee grossen Widerstand entgegen, die Heiden Afrikas und Asiens zu evangelisieren.
Der Leiter der Erweckung von Wales (1904), Evan Roberts, war ein junger Bergarbeiter mit unvollendeter Bibelschulausbildung. Gott gebrauchte ihn, um hunderttausend Menschen zum Herrn zu führen.
In der Erweckung in Azusa Street (1906) gab es oft niemanden, der die Versammlungen „leitete“. Jeder konnte teilnehmen, wie der Heilige Geist ihn leitete, nach 1.Korinther 14,26. (Aber die Leiter griffen ein, wenn es Worte oder Manifestationen gab, die dem Wort Gottes entgegenstanden.) Ausserdem mischten sich Schwarze und Weisse in der Versammlung, was für die meisten Menschen jener Zeit ein Skandal war (sogar für viele christliche Leiter). Einer der Pioniere jener Erweckung, Frank Bartleman, klagte einige Jahre später, dass die Bewegung daran war, vom Glauben abzufallen und ihre Kraft zu verlieren, als sie wieder anfingen, zwischen „Pastoren“ und „Laien“ zu unterscheiden.

Es sollte klar sein, dass diese Beispiele von „Unordnung“ sich innerhalb des Rahmens des Wortes Gottes befinden. Keine echte Erweckung wird etwas ungültig machen, was im Wort Gottes geschrieben steht. Aber sie wird viele unserer Traditionen und menschlichen Reglemente zunichte machen.

Zusammengefasst: Wenn Gott eine Erweckung sendet, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass er unsere Traditionen, kirchlichen Ordnungen und Leiterschaftsstrukturen über den Haufen werfen wird. Jesus und die Apostel taten dasselbe. Bist du bereit, diesen Preis zu zahlen?

(Fortsetzung folgt)

Warum sind die evangelikalen Leiter nun so schnell bereit, nach Rom zurückzukehren? (2.Teil)

31. März 2016

Weil sie sich gar nie mit Entschiedenheit von der römisch-katholischen Denkweise losgesagt haben! – Einige Symptome davon habe ich in der vorherigen Folge erwähnt und fahre nun fort damit.

Denominationalismus

Dieser Punkt hängt eng mit den vorherigen zusammen. Wenn man glaubt, die Kirche sei ein Mittel zum Heil, dann setzt sich die Kirche selber an die Stelle Gottes. D.h. die Kirche wird zu einem Götzen.

In der römischen Kirche ist das offensichtlich. Wenn ein Christ die römische Kirche verlässt, wird er als abgefallen betrachtet, auch wenn sein Austritt aus christlichen und biblischen Gründen geschah. – Aber viele evangelikale Kirchen behandeln ein Mitglied, das zu einer anderen Denomination wechseln will, ganz ähnlich: „Aber du bist hier bei uns geistlich geboren, du gehörst zu uns, du musst deiner Gemeinde treu bleiben, du kannst uns doch nicht so verraten …“ Ich kannte sogar jemanden, der von seinen Gemeindeleitern mit bitteren Vorwürfen überhäuft und als Feind betrachtet wurde, weil er zu einer anderen örtlichen Gemeinde desselben Gemeindeverbandes übertreten wollte!

Evangelikale Leiter, die sich als Erben der Reformation betrachten, die sich einst von der römischen Kirche getrennt hatten, sagen jetzt also ihren Gemeindeglieder, Gott würde ihnen nie, nie erlauben, das zu tun, was die ersten Reformatoren taten: der Denomination zu widersprechen, in der sie „geboren“ wurden, oder gar aus ihr auszutreten. Sie lehren die „Treue zur Denomination“. Das ist genau die Denkweise, die sie auf direktem Weg dazu bringt, die Reformation zu verleugnen. Ich habe das schon vor manchen Jahren vorhergesagt, und jetzt geschieht es tatsächlich.

Sakramente und Rituale

Die Sakramente sind ein weiterer Grundpfeiler des Katholizismus. Von den sieben Sakramenten der römischen Kirche anerkannte Luther nur die Taufe, das Abendmahl und die Beichte; und später stellte er auch die Beichte in Frage. Viele Evangelikale verwerfen auch den Ausdruck „Sakrament“ und sprechen von „Verordnungen“ o.ä.

Aber der springende Punkt ist nicht, ob wir sieben Sakramente oder zwei haben, oder mit welchem Namen wir sie benennen. Viel wichtiger ist, was für eine Vorstellung wir von ihrem Wirken haben.

Nach dem katholischen Konzept wirken die Sakramente „aus sich selbst heraus“: Die Taufe bewirkt, dass jemand von neuem geboren wird; die Firmung bewirkt, dass jemand vom Heiligen Geist versiegelt wird; die Absolution bewirkt, dass Sünde vergeben wird, usw. D.h. nach dieser Vorstellung ist ein Sakrament eine äusserliche Handlung, die eine geistliche Realität bewirkt.

Um diese Idee zu widerlegen, wäre es ausreichend, auf die grosse Zahl von Getauften hinzuweisen, die täglich mit ihrem Leben zeigen, dass sie nicht wiedergeboren sind. Dennoch übertragen viele Evangelikale im Grunde dieselbe sakramentalistische Mentalität auf ihre eigenen Riten.

Z.B. haben sie das „Übergabegebet“. Wenn ich einen Evangelikalen bitte, mir zu erzählen, wie er von neuem geboren wurde, dann erzählen fast alle von dem Moment, als sie „das Gebet sprachen“. D.h. sie verrichteten einen äusserlichen Ritus und glauben, dieser Ritus hätte bewirkt, dass sie wiedergeboren wurden. Aber die Wiedergeburt ist ein innerlicher und geistlicher Vorgang. War diese geistliche Realität wirklich gegenwärtig in dem Übergabegebet, oder nicht?
– In einigen Fällen mag das „Übergabegebet“ tatsächlich eine geistliche Realität ausgedrückt haben: dass die Person vom Heiligen Geist von ihrer Sünde überführt wurde; dass sie ihr Verlorensein erkannte; dass sie sich von der Sünde abwandte; dass sie begann, auf Jesus zu vertrauen und für ihn und durch ihn zu leben. Aber in vielen anderen Fällen ist dieses Gebet ein ebenso leeres Ritual wie so und so viele katholische Säuglingstaufen.

Wir müssen verstehen, dass die geistliche Realität vorrangig ist. Ein äusserliches Ritual hat nur dann irgendeinen Wert, wenn es eine geistliche Realität ausdrückt, die tatsächlich existiert. Wenn jemand wirklich durch den Heiligen Geist von neuem geboren wird, dann wird das legitimerweise durch die Taufe ausgedrückt. Aber wo diese geistliche Realität nicht vorhanden ist, da hat alles Wasser der Welt keine Macht, diese Person von neuem geboren werden zu lassen.

Ähnliches müssen wir zu dem Ritual von „Lobpreis und Anbetung“ sagen. Viele glauben, der Herr freue sich mehr, oder seine Gegenwart werde stärker, umso mehr sie singen und musizieren und ihm mit ihren Worten schmeicheln. Das mag dann zutreffen, wenn der Lobpreis ein echter Ausdruck eines wirklich dankbaren Herzens ist, und eines Gott wohlgefälligen Lebens. Aber wo das nicht der Fall ist, da sagt der Herr:
„Ich hasse, ich verschmähe eure Feste und mag eure Feiern nicht riechen. … Hinweg von mir mit dem Lärm deiner Lieder! Das Spiel deiner Harfen mag ich nicht hören! Aber es ströme wie Wasser das Recht, und die Gerechtigkeit wie ein unversieglicher Bach!“ (Amos 5,21-24)

Wir könnten weiterfahren mit dem Ritual der „Kollekte“ (in manchen Kirchen gar „Opfer“ genannt), das nichts gemeinsam hat mit der freiwilligen Grosszügigkeit der ersten Christen; dem Ritual der „Versöhnung“ (das oft nur äusserliche Show ist, ohne dass echte Umkehr oder Wiedergutmachung geschieht); dem Ritual des gemeinsamen Gebets (wo viele der äusseren Haltung oder den „richtigen Worten“ mehr Gewicht geben als dem Suchen des Herrn und der richtigen Herzenshaltung); usw. Ja, es gibt einen evangelikalen Sakramentalismus, der sie dafür anfällig macht, mit der Zeit auch die katholischen Sakramente zu suchen.

Konstantinismus

Mit dem römischen Kaiser Konstantin begann die Vermischung von Kirche und Staat, die so charakteristisch ist für die ganze Geschichte der römischen Kirche bis heute. Konstantin zeigte sich als grosser Beschützer und Wohltäter der Kirche, und die Kirche nahm das bereitwillig an, ohne ihr Unterscheidungsvermögen auszuüben. Im Gegenzug masste sich Konstantin das Recht an, in kirchliche Angelegenheiten einzugreifen. Z.B. berief er das Konzil von Nicäa (325) und führte dort auch den Vorsitz, obwohl er keinerlei Leiterschaftsstellung in der Kirche innehatte; er war noch nicht einmal getauft.
Fünfzig Jahre später erklärte Kaiser Theodosius das (römische) Christentum zur einzig erlaubten Staatsreligion. Und bereits begannen die ersten Verfolgungen gegen jene, die mit den Lehren Roms nicht einverstanden waren. So schnell wurden die Verfolgten zu Verfolgern!

Diese konstantinische Einstellung lässt sich bis heute beobachten:

– Von seiten der Staatsregierung, Einmischung in die Kirche, indem Kirchen staatliche Bevorzugung erhalten, Regierungsstellen über kirchliche Angelegenheiten entscheiden, und sogar Verurteilungen in Glaubensfragen aussprechen.
– Von seiten der kirchlichen Leiter, ein Suchen nach solchen staatlichen Einmischungen und Hilfeleistungen; Gebrauch der Regierung als Machtinstrument, um kirchliche Entscheidungen mit Gewalt durchzusetzen (so z.B. bei der Aburteilung von „Ketzern“); und ein Streben nach politischer Macht für die Kirchenführer selber.

Die Reformatoren legten dieselbe Haltung an den Tag, was bis heute in fast allen reformierten Ländern nachwirkt. Zur Reformationszeit waren die Täufer die einzige Ausnahme: Sie verzichteten auf jeden staatlichen Schutz, um ihre Unabhängigkeit und geistliche Reinheit zu bewahren.

Auch die heutigen evangelikalen Freikirchen sind eifrig darum bemüht, vom Staat „anerkannt“ zu werden, staatliche Subventionen und „religiöse Gleichberechtigung“ zu erhalten. Sie nehmen in Kauf, dass dafür ihr Glaube kompromittiert wird. Hier in Perú z.B. kann sich eine Freikirche der „religiösen Gleichberechtigung“ nur dann erfreuen, wenn sie dem ökumenischen Nationalen Kirchenrat angeschlossen ist (der hierzulande anstelle der Evangelischen Allianz steht).

Auch viele heutige evangelikale Leiter streben nach politischer Macht. Das ist eine Katastrophe für das Evangelium, weil sich herausstellte, dass viele evangelikale Politiker ebenso korrupt waren wie die weltlichen.

Nur wenige Evangelikale haben gelernt zu unterscheiden, was des Kaisers ist und was Gottes. Auch in dieser Hinsicht haben allzuviele von ihnen eine katholische Mentalität.

Schluss

Die evangelikalen Leiter sind anfällig dafür, zum Katholizismus zurückzukehren, weil sie ihn nie ganz verlassen haben. Statt die Reformation nach biblischen Prinzipien weiterzuführen, blieben sie grösstenteils dort stehen, wo Luther aufgehört hatte, und gingen in einigen Punkten sogar hinter ihn zurück. Deshalb haben auch heute die meisten Evangelikalen eine Mentalität, die dem Katholizismus näher steht als dem neutestamentlichen Christentum. Das ist der tiefere Grund dafür, warum sie sich nun so leicht nach Rom zurückführen lassen.

In früheren Zeiten herrschte immerhin noch eine weitverbreitete Gottesfurcht, und sogar das öffentliche Leben in den reformierten Ländern war stark auf die Bibel abgestützt. So konnte Gott damals als Werkzeuge für Erweckungen auch Menschen gebrauchen, die stark mit diesem „evangelikatholischen“ System verbunden waren, wie z.B. den Lutheraner Zinzendorf, oder den anglikanischen Pfarrer Wesley. Aber heute sind die evangelikalen Kirchen geistlich schwach, moralisch verdorben, und mehr um den äusseren Anschein bemüht als um ihren Herzenszustand. So ist es nur natürlich, wenn sie jetzt allmählich überwunden werden durch die Rückstände des Katholizismus, die sich immer noch in ihrer Mitte befinden. Wenn sie jetzt eine „vollständige und sichtbare Einheit“ mit der römischen Kirche anstreben (so Geoff Tunnicliffe, Präsident der Weltweiten Evangelischen Allianz, und andere weltbekannte evangelikale Leiter), so ist das nur die letzte Konsequenz davon, dass sie sich nie mit der nötigen Entschiedenheit auf das Fundament der Heiligen Schrift gestellt haben.

„… weil sie die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben, damit sie gerettet würden; deshalb sendet ihnen Gott eine wirksame Kraft der Verführung, damit sie der Lüge glauben, damit alle gerichtet werden, die der Wahrheit nicht geglaubt, sondern Wohlgefallen an der Ungerechtigkeit gehabt haben.“
(2.Thessalonicher 2,10-12)

Ich hoffe, dass wenigstens einige wenige die Zeichen der Zeit verstehen, die Liebe zur Wahrheit aufnehmen, und sich auf die Seite Gottes stellen.

Warum sind die evangelikalen Leiter nun so schnell bereit, nach Rom zurückzukehren?

24. März 2016

In einem früheren Artikel habe ich dokumentiert, wie evangelische und evangelikale Kirchenführer weltweit nun auf höchster Ebene Vorbereitungen treffen, um sich mit der römisch-katholischen Kirche wiederzuvereinigen. Aber wie konnte in relativ kurzer Zeit eine so drastische Kursänderung geschehen?

Zuerst müssen wir verstehen, dass die evangelischen Kirchen die von Luther begonnene Reformation nie vollendet haben. Ein Wahlspruch der ersten Reformatoren war: „Ecclesia semper reformandum“ – d.h. etwa: „In der Kirche gibt es immer etwas zu reformieren“, oder: „Die Kirche sollte sich ständig weiter reformieren.“ Im Licht des reformatorischen Prinzips „sola Scriptura“ würde das bedeuten, dass die Kirche ständig ihre Lehren und Praktiken anhand der Heiligen Schrift überprüfen sollte, und alles korrigieren sollte, was nicht der Schrift gemäss ist. Aber das haben die Kirchen nicht getan.

Luther selber liess tausende von (fälschlich so genannten) „Wiedertäufern“ hinrichten, nur weil diese die Schrift auf zwei Punkte anwandten, wo Luther sich weigerte, das Wort der Bibel anzuerkennen: dass die Taufe nur für Bekehrte ist; und dass die Kirche sich nicht mit dem Staat vermischen sollte. Mit diesen Verfolgungen zeigte Luther, dass auch ihm der politische Opportunismus wichtiger war als sein eigenes Prinzip „Sola Scriptura“.

Und so schleppen die evangelischen und evangelikalen Kirchen bis heute noch viel katholischen Ballast mit sich herum. Sie sind wie Hühner, an deren Körper rundum noch die Schalen des Eis kleben, aus dem sie einst gekrochen sind. Statt diesen Ballast abzuwerfen, fügten sie sogar noch eigene Traditionen hinzu. Mit ihrer Inkonsequenz inbezug auf die reformatorischen Prinzipen säten die Reformationskirchen den Samen ihrer eigenen Vernichtung.

Ich möchte einige dieser katholischen Rückstände aufzählen.

Die Kindertaufe

Heute geben zwar die meisten evangelikalen Freikirchen in diesem Punkt den Täufern recht und praktizieren die Glaubenstaufe. Aber die ökumenische Bewegung wurde hauptsächlich von jenen Kirchen ins Leben gerufen, die weiterhin Säuglinge taufen (und die in vielen Ländern Staatskirchen sind, sodass wir hier auch die Vermischung von Kirche und Staat haben): Lutheraner, Calvinisten, Zwinglianer und Anglikaner. Dann schlossen sich ihnen die orthodoxen Kirchen und die Methodisten an, zwei weitere Denominationen, welche die Säuglingstaufe beibehalten haben. Es verwundert nicht, dass der Ökumenismus genau dort begann: Diese Kirchen haben, obwohl reformiert, noch den grössten Anteil an katholischer Mentalität beibehalten.

Aber die folgenden Punkte treffen auch auf die meisten Evangelikalen zu:

Priester- oder Pastorenzentriertheit

Ein Priester ist ein Vermittler zwischen dem Volk und Gott. Er bringt Gott die Opfer des Volkes dar; er tut Fürbitte vor Gott für das Volk; und er lehrt das Volk den Willen Gottes. Das Priestertum ist ein wichtiges Fundament des Katholizismus: Der katholische Gläubige kann sich nicht Gott nähern, noch gerettet werden, noch die Bibel verstehen, ohne priesterliche Vermittlung.

Im neutestamentlichen Christentum gab es kein solches Priestertum. Ein Christ braucht keinen Vermittler ausser Jesus:

„Denn es gibt einen Gott, und einen Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Jesus Christus …“ (1.Timotheus 2,5)

Jeder wahre Christ hat direkten Zugang zu Gott durch Jesus Cristus. (Siehe Römer 8,14-16; Galater 4,6-7; Hebräer 4,16-16; 10,19-22.)

Infolgedessen schaffte Luther das katholische Priestertum ab und verkündigte das „allgemeine Priestertum aller Gläubigen“ (siehe 1.Petrus 2,5.9). Aber gleichzeitig – und entgegen seinen eigenen reformatorischen Prinzipien – führte er das „Pfarramt“ als Lehramt ein. So behielt das Luthertum die Idee bei, dass „die Laien die Bibel nicht selber verstehen können“. Das war immer noch die Grundidee des Katholizismus: dass es „Kleriker“ und „Laien“ gibt, und dass die „Laien“ von den „Klerikern“ abhängig sind, um mit Gott in eine Beziehung treten zu können.

Bis heute sind nur sehr, sehr wenige Evangelikale zu den biblischen Prinzipen der Gemeinde als „Familie Gottes“ (Epheser 2,19; Matthäus 23,8) zurückgekehrt, zur biblischen Ältestenschaft und zur pluralen Leiterschaft. (Siehe in „Das biblische Konzept der Familie“.) Die Mehrheit behält eine hierarchische Struktur bei, wo ein „Pastor“ über die übrigen Ältesten gesetzt wird und ein „Bischof“ (oder eine andere Form regionaler bzw. nationaler Leiterschaft) über die Pastoren. Diese Struktur wurde vom Katholizismus übernommen und hat nichts mit dem biblischen Hirtendienst gemeinsam. Und diese evangelikalen Hierarchien haben ihrerseits eigene kirchliche Traditionen geschaffen, denen in der Praxis grösseres Gewicht beigemessen wird als dem Wort der Bibel. Es gibt kaum evangelikale Leiter, die sich vom Wort Gottes her korrigieren oder zurechtweisen lassen, was ihre Kirchentraditionen oder auch persönliche Sünde betrifft. So haben sie das „Sola Scriptura“ und das allgemeine Priestertum aufgehoben.

Gerade als ich diesen Artikel vorbereitete, erhielt ich eine aufschlussreiche Illustration dieses evangelikalen Traditionalismus. Ein Leser meines (spanischsprachigen) Blogs kommentierte zu einem Artikel, in welchem ich einige biblische Prinzipien über Leiterschaft beschrieben hatte:
„Jeder Pastor, der dem Willen Gottes untergeordnet ist, ist eine Autorität, suchen Sie vom Alten Testament her die Definition eines Pastors (Hirten), und vegleichen Sie sie mit den Aussprüchen Jesu über den Pastor.“
(Damit wollte er ausdrücken, dass er mit mehreren Dingen, die ich von der Bibel her geschrieben hatte, nicht einverstanden war.)
Da jener Kommentator keine Bibelstellen anführte, bat ich ihn, die folgenden drei Fragen zu beantworten:
1. Welche alttestamentliche(n) Bibelstelle(n) betrachten Sie als „die Definition eines Pastors“?
2. Warum glauben Sie, ein „Pastor“ (Hirte) im Alten Testament sei dasselbe wie ein „Hirte“ im Neuen Testament?
3. In welchen Stellen des Neuen Testaments spricht Jesus von einem „Hirten“, abgesehen von den Stellen, die sich auf ihn selber beziehen?

Ich erhielt keine Antwort. (Ich kann bereits anmerken, dass es auf die Frage 3 gar keine Antwort gibt. Nirgends in den Worten Jesu können wir eine Stelle finden, wo er das Wort „Hirte“ auf jemand anderen als sich selber angewandt hätte.) Der oben zitierte Kommentar ist ein typisches Beispiel dafür, wie ein Gemeindeglied blindlings wiederholt, was ihn seine kirchliche Tradition gelehrt hat, und sogar glaubt, es handle sich um biblische Lehre; aber wenn er herausgefordert wird, die biblischen Grundlagen dieser Lehre zu identifizieren, dann stellt sich heraus, dass es keine solchen gibt.

(Nebenbemerkung: Es ist prinzipiell richtig, dass es in der christlichen Gemeinde „Autoritäten“ (im biblischen Sinn definiert) gibt, die als solche anerkannt werden, sofern sie von Gott beauftragt und seinem Willen unterstellt sind. Allerdings heissen diese im Neuen Testament nicht „Pastoren“, sondern „Älteste“. Das Hauptproblem besteht aber darin, dass viele sogenannte „Pastoren“ eine Stellung innehaben, die Gott nie für seine Gemeinde vorgesehen hat und für die es keine biblische Grundlage gibt. Somit ist ihre Leiterschaft von Anfang an nicht Gottes Willen gemäss, wie sehr sie sich auch (einige von ihnen) im übrigen um persönliche Integrität bemühen mögen.)

Viele Evangelikalen schreiben ihren „Pastoren“ sogar priesterliche Eigenschaften zu. Z.B. glauben sie, die Fürbitte oder „Segnung“ von seiten eines „Pastors“ habe grössere Vollmacht als das Gebet eines „Laien“, nur weil es sich um einen „Pastor“ handelt. Sie glauben, die Anordnungen eines „Pastors“ seien die Stimme Gottes für die gewöhnlichen Gläubigen, sogar wo es um ganz persönliche Privatangelegenheiten geht. Sie lehren, nur ein „ordinierter Pastor“ (was es im Neuen Testament nicht gibt) dürfe taufen oder das Abendmahl leiten. Es überrascht daher nicht, dass viele ihrer Leiter nun auch noch die letzte Konsequenz ziehen wollen, nämlich sich dem römisch-katholischen Priestertum zu unterwerfen.

Die Kirche als „heilsvermittelnde Institution“

Eine andere katholische Lehre lautet: „Ausserhalb der Kirche gibt es kein Heil.“ – Reformierte und Evangelikale sind etwas toleranter, aber im Grunde behalten sie die katholische Idee bei. Sie sagen: „Es gibt viele mögliche Kirchen, aber zu einer davon musst du gehen, um gerettet zu werden.“

Sie verstehen nicht, dass schon diese Vorstellung des Zur-Kirche-Gehens falsch ist und nicht dem Neuen Testament entspricht. Diese katholische Idee setzt voraus, dass „die Kirche“ eine abgesonderte, unpersönliche Institution ist, die ein vom individuellen Gläubigen unabhängiges Eigenleben führt, und die sogar ein Besitzrecht auf den Gläubigen hat. Gemäss diesem Konzept ist diese gesichtslose Institution, die sich „Kirche“ nennt, beauftragt, das Heil zu verwalten, und deshalb sei es nötig, „zur Kirche zu gehen“, um den Herrn kennenzulernen und gerettet zu werden.

Das Neue Testament beschreibt etwas ganz anderes: Die Kirche (Gemeinde) ist nicht eine separate Institution. Die Gemeinde ist die Versammlung aller Wiedergeborenen. Wenn du also wiedergeboren bist, dann bist du Teil der Gemeinde, wo immer du dich befindest. Und wenn du nicht wiedergeboren bist, dann gibt es keinen Ort auf der Erde, wohin du gehen könntest, um ein Mitglied der Gemeinde zu werden. Du musst von neuem geboren werden.

Deshalb luden die Verkünder des Evangeliums im Neuen Testament niemanden ein, „zur Kirche zu kommen“. Sie gingen dorthin, wo die Verlorenen waren, und dort verkündeten sie das Evangelium, und dort bekehrten sich „so viele zum ewigen Leben bestimmt waren“ (Apg.13,48) und wurden wiedergeboren. Das geschah auf den Strassen und öffentlichen Plätzen, oder in Privathäusern. Von jenem Moment an waren die Neubekehrten auch „Gemeinde“. Und überall, wo sich „zwei oder drei“ von ihnen versammelten (Matthäus 18,20), da war „Gemeinde“.

Und wer fügte neue Glieder zur Gemeinde hinzu? Der Priester, der „Pastor“? – Keineswegs. „Und der Herr tat täglich solche hinzu, die gerettet wurden.“ (Apg.2,47) – Zur Zeit der Urgemeinde wäre es sinnlos gewesen, einen Ungläubigen einzuladen, „zur Kirche zu kommen“: „Von den übrigen aber wagte niemand, sich ihnen anzuschliessen.“ (Apg.5,13)

Jesus sagt in Johannes 10,7-11:

„Ich bin die Tür zu den Schafen. … Wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; und er wird ein und aus gehen, und Weide finden. … Ich bin der Gute Hirte.“

Was muss also jemand tun, um gerettet zu werden? – Nicht „zur Kirche gehen“, sondern „zur Tür hineingehen“, die Jesus ist. Wer zu dieser Tür hineingeht, wird ein Teil der Gemeinde. Er wird gerettet werden, wird Weide finden, und dort wird er auch die anderen Schafe finden, d.h. die Gemeinde. Der katholische Wahlspruch ist also verkehrt herum. Richtiger wäre: „Ausserhalb des Heils gibt es keine Kirche.“

Wenn wir glauben, die Kirche sei eine „Institution zur Verwaltung des Heils“, dann sind wir bereits auf dem Weg nach Rom. Es ist der Herr und niemand sonst, der „das Heil verwaltet“.

(Fortsetzung folgt)

Werden die evangelischen/evangelikalen Kirchen „sterben“?

31. Januar 2016

Dies ist eine Klarstellung zum früheren Artikel: „Reformation – oder Sterben und Auferstehung?“ – In diesem Artikel habe ich erwähnt, wie Gott in Zeiten des Abfalls handelte, indem er einen Überrest herausrettete und das abgefallene System dem Gericht überliess. Einige der Gerichte Gottes über ein abgefallenes Volk hatten den physischen Tod der Betreffenden zur Folge. So geschah es in der Sintflut, und auch im Gericht Gottes über Jerusalem, nachdem sie Jesus abgelehnt hatten. Bei anderen Gelegenheiten überlebten die meisten, aber ihre Organisation und ihr „System“ lösten sich auf. So geschah es beim Turm von Babel, und bei der babylonischen Gefangenschaft Israels.

Wenn wir die Kirchengeschichte betrachten, dann mag es vor diesem Hintergrund seltsam erscheinen, dass in der Reformationszeit nicht dasselbe geschah. Kein sichtbares Gottesgericht kam über die katholische Kirche, ausser dem Verlust eines Teils ihrer Mitglieder. – Einige Historiker sehen zwar die Französische Revolution als ein spätes Gericht über die katholische Kirche an, insbesondere wegen ihrer blutigen und verräterischen Verfolgung der französischen Hugenotten. Damals verlor die katholische Kirche einen grossen Teil ihrer politischen Macht. Aber sie wurde nicht ausgelöscht, und ihre Organisation blieb erhalten. Warum? Bedeutet dies, dass die römische Kirche doch recht hätte?

Ich glaube, die Antwort liegt vielmehr in der ganz andersartigen Natur des neutestamentlichen Gottesvolkes, im Unterschied zum Alten Testament. Israel ist ein irdisches Volk, mit einem ihnen zugewiesenen Land auf dieser Erde, mit einem „mit Händen gemachten“ Tempel und mit sehr sichtbaren und materiellen Riten und Zeremonien. In der Ordnung des Alten Testamentes entschied Gott, sich durch materielle Ereignisse in einem irdischen Volk zu offenbaren, das auf dieser Erde klar lokalisiert ist. Aber das bedeutet auch, dass wenn Gott sie richten musste, diese materiellen Strukturen zerstört werden mussten, und sogar viele Mitglieder dieses Volkes körperlich sterben mussten.

Das Gottesvolk des Neuen Testaments ist dagegen ein geistliches Volk. Es zeichnet sich nicht durch Blutsverwandtschaft aus. Sein zugewiesenes Land ist im Himmel, nicht auf der Erde. Sein Tempel ist nicht ein Gebäude aus Steinen oder Beton, sondern ein „geistliches Haus“ aus „lebendigen Steinen“, nämlich den Gläubigen selber (1.Petrus 2,4-5). Sein Gottesdienst besteht nicht aus materiellen Tieropfern, sondern aus „geistlichen Opfern“. Nach alldem ist zu erwarten, dass wenn dieses Volk abgefallene Strukturen errichtet, Gottes Gericht darüber auch in erster Linie geistlich sein wird.

So begann die römische Kirche, in dem Mass wie sie sich von Gott und seinem Wort entfernte, ihr geistliches Leben zu verlieren – schon manche Jahrhunderte vor der Reformation. Ihre Leiter verloren ihre Glaubwürdigkeit vor dem Volk, und das Papsttum wurde allmählich zu einem Synonym für Korruption. Die meisten ihrer Mitglieder benutzten die Teilnahme an den religiösen Zeremonien nur, um dahinter ihre völlig weltliche Gesinnung zu verstecken; und die wenigen, die noch nach geistlichem Leben suchten, suchten es hauptsächlich ausserhalb der offiziellen Kirche: in einem individuellen Mystizismus, oder in Gruppen, die von der offiziellen Kirche verurteilt worden waren (Waldenser, Lollarden, Hussiten, usw.) So bestand die Kirche zwar noch als Institution, aber sie war zu einem praktisch toten Organismus geworden; die Herrlichkeit Gottes hatte den Tempel verlassen.

So denke ich, dass in ähnlicher Weise die evangelischen und evangelikalen Kirchen zwar nicht aufhören werden, als Institutionen zu existieren; aber sie werden ihr geistliches Leben fast völlig verlieren. Jene, die wirklich Gott suchen, werden diese Kirchen nicht mehr ernst nehmen. Die Kirchen werden fortfahren mit ihren äusserlichen Formen, ihren Zeremonien und öffentlichen Erklärungen; aber zusammen mit der römischen Kirche (und möglicherweise weiteren Gruppen) werden sie mehr und mehr zum „Babylon“ der Offenbarung werden, und werden sich gegen die echten Christen wenden. Wundern wir uns nicht, wenn wir in näherer Zukunft evangelikale Leiter die wahren Christen verfolgen sehen werden. In kleinerem Rahmen beginnt es bereits zu geschehen.

Nur wenn sich die Wiederkunft Jesu nähert, und damit die in Offenbarung 17 und 18 vorhergesagten Ereignisse, wird Gott die abgefallene Kirche auch physisch richten. „Dann werdet ihr wieder den Unterschied sehen zwischen dem Gerechten und dem Bösen, zwischen dem, der Gott dient, und dem, der ihm nicht dient“ (Maleachi 3,18). Solange dies nicht geschieht, werden die echten Christen weiterhin ertragen müssen, dass sie von den offiziellen Kirchen als „Rebellen“, „Häretiker“, „Fanatiker“ und weiss nicht was noch gebrandmarkt werden … aber der Herr hat uns bereits darauf vorbereitet:
„Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und wenn sie euch auschliessen und schmähen und euren Namen als einen bösen ächten um des Sohnes des Menschen willen. Freut euch an jenem Tag und frohlockt; denn siehe, euer Lohn wird gross sein im Himmel. Denn ebenso taten ihre Väter den Propheten. (…) Aber wehe, wenn alle Menschen gut von euch reden; denn ebenso taten ihre Väter den falschen Propheten.“ (Lukas 6,22-23.26)

FIFA zensuriert Jesus

19. Januar 2016

Auf Französisch, Englisch, Italienisch und Spanisch kann man im Internet bereits jede Menge Meldungen und Kommentare zu der Affäre finden; in den deutschsprachigen Medien hat es anscheinend noch niemand zur Kenntnis genommen: Anlässlich der Verleihung des „Ballon d´Or 2016“ am 11.Januar in Zürich hat die FIFA ein Video des brasilianischen Fussballers Neymar kräftig retuschiert, weil dieser auf dem Original-Video ein Stirnband mit der Aufschrift „100% Jesus“ trug.

Auf Deutsch fand ich bisher einzig auf einer katholischen Webseite einen Bericht und Kommentar dazu.

„Ihr werdet von allen Völkern gehasst werden um meinetwillen“, hat Jesus einmal seinen Jüngern für die letzten Zeiten vorausgesagt. Aber wenn das eintrifft, dann ist auch der Untergang dieser Völker nicht mehr weit.

Reformation – oder Sterben und Auferstehung?

14. Januar 2016

Ich habe ab und zu über die Notwendigkeit einer neuen Reformation im Sinne einer Rückkehr zum Wort Gottes geschrieben; aber in der letzten Zeit musste ich darüber nachdenken, ob diese Idee wirklich im Sinne Gottes ist.

Unter jenen, die sich „Christen“ nennen, ist es heute tatsächlich nötiger denn je, zum Wort Gottes zurückzukehren. Nicht nur die Landeskirchen, auch die Freikirchen verleugnen weitgehend das Wort Gottes mit ihren Lehren und Taten, und sind z.T. sogar zu regelrechten „Räuberhöhlen“ geworden (Lukas 19,46). Aber ist „Reformation“ der richtige Begriff?

Dahinter steht ja die Idee, eine bestehende Struktur zu korrigieren und umzuformen. Das war es, was Luther im Sinn hatte: die römisch-katholische Kirche von unbiblischen Elementen zu reinigen, damit ihre Praxis wieder näher am Wort Gottes wäre. Aber wir müssen verstehen, dass von diesem Standpunkt aus Luthers Unternehmen scheiterte. Es gelang ihm nicht im geringsten, die katholische Kirche zu reformieren. Im Gegenteil, die Kirche exkommunizierte ihn. Damit sah sich Luther gezwungen, eine neue Kirche zu gründen. Somit ist „Reformation“ eigentlich nicht der richtige Ausdruck dafür, denn es war in Wirklichkeit keine Reformation, sondern ein Neubeginn. Nur war Luther derart fixiert auf die Idee, das Bestehende zu „reformieren“, dass die neue lutherische Kirche noch viele der Ideen und Praktiken des Katholizismus mit übernahm.
Unter den Gruppen, die von den Gedanken der Reformation beeinflusst wurden, waren die Täufer die konsequentesten. Ihnen war es von Anfang an klar, dass sie, wenn sie zu biblischen Prinzipien zurückkehren wollten, alle Verbindungen zur katholischen Kirche abschneiden mussten – und auch zu den reformierten Kirchen, nachdem diese sich geweigert hatten, konsequent die Prinzipien anzuwenden, die sie selber predigten. Die Täufer wiegten sich nicht in der Illusion, ein antibiblisches religiöses System „reformieren“ zu können. Sie mussten diesem System absterben – was für viele von ihnen den physischen Tod unter der Verfolgung durch Katholiken oder Reformierte bedeutete. Aber nur so konnte eine neue Kirche auferstehen, die dem, „was von Anfang an war“, besser entsprach.

Sehen wir, wie Gott in den Zeiten des Abfalls handelte, von denen die Bibel berichtet:

Nachdem die erste Menschheit aufs Äusserste verdorben war, liess Gott die Sintflut kommen. Jene abgefallene Menschheit musste sterben. Gott rettete nur acht Menschen aus ihnen heraus: Noah und seine Familie. Mit ihnen machte er einen Neuanfang. Nichts von den alten Strukturen und Gewohnheiten sollte diesen Neuanfang verunreinigen.

Später kam eine Zeit, wo die Menschheit sich von neuem gegen Gott auflehnte und den Turm von Babel baute. Gott versuchte nicht ihren Völkerzusammenschluss und ihre Weltregierung zu „reformieren“, die sie aufgerichtet hatten, um ihr Werk auszuführen. Im Gegenteil, er zerbrach ihre Vereinigung vollständig und zerstreute sie in alle Winde. Dann nahm er aus den Zerstreuten einen einzigen Menschen heraus, nämlich Abraham, um mit ihm einen Neuanfang zu machen. Und Abraham musste zuerst sein Land, seine Verwandtschaft und die Familie seines Vaters verlassen. Nur so konnte Gott ihn gebrauchen. So begann auch das erwählte Volk Gottes, Israel, mit einer einzigen Familie, der Familie Abrahams.

Aber auch Israel begann Gott zu vergessen, so weit, bis sie sich völlig dem Dienst heidnischer Götter hingaben. Auch da versuchte Gott nicht, Israel zu „reformieren“. Er schickte sie in die Gefangenschaft unter den Assyrern und Babyloniern. Sie verloren ihre Freiheit, ihr Land, ihre Unabhängikeit und nationale Souveränität. Sie wurden Gefangene in einem fremden Land. Israel als Nation musste sterben.
Im Zusammenhang mit diesem Gericht Gottes prophezeit Jesaja:
„Ein Rest wird umkehren, der Rest Jakobs zum starken Gott. Denn wenn dein Volk, o Israel, würde wie der Sand des Meeres, nur ein Rest davon wird umkehren; Vertilgung ist beschlossen, heranflutend die Gerechtigkeit.“ (Jesaja 10,21-22)
So handelt Gott, wenn sein Volk (oder die es früher waren) vollends von ihm abfällt. Er nimmt einen kleinen Überrest aus diesem System heraus, das unter sein Gericht gefallen ist. Dann macht er mit dem Überrest einen Neuanfang.

Einige Jahrhunderte nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft begannen die Priester und Theologen Israels ein religiöses System zu errichten, das ihnen selber viele Vorteile brachte, anstatt Gott zu dienen. Sie dienten nicht mehr offen fremden Göttern; im Gegenteil: Ihr System hatte den Ruf strikter Treue zu Gottes Gesetz. Aber das war nur Schein; ihre Herzen waren fern von Gott.
Diese Situation hat vieles gemeinsam mit den heutigen Evangelikalen. Sie nehmen nicht am Götzendienst des Katholizismus teil. Sie haben den Ruf, sehr „bibeltreu“ zu sein. Aber die Herzen vieler Leiter sind falsch, fern von Gott, und mehr auf den eigenen Vorteil und das Wachstum der eigenen Organisation bedacht, als dem Herrn zu gefallen. Wenn wir in der Gegenwart diejenige religiöse Gruppe suchen, die am ehesten mit den „Schriftgelehrten und Pharisäern“ der Zeit Jesu zu vergleichen wären, dann sind es bestimmt die Evangelikalen.
Das war die historische Situation, in die Jesus hineinkam. Er deckte öffentlich die Heuchelei der religiösen Leiter auf. Er versuchte nicht einmal sie zu „reformieren“. Er konfrontierte sie direkt als „Schlangenbrut“, ohne auch nur zu berücksichtigen, dass sich unter ihnen doch auch noch einige aufrichtige und gottesfürchtige Männer befanden wie z.B. Nikodemus oder Joseph von Arimathäa. (So wie sicherlich auch einige Leser dieses Artikels protestieren werden, „man dürfe doch nicht so verallgemeinern, es seien doch längst nicht alle Leiter Heuchler“, usw. Aber wenn die dominanten Einflüsse in einer Gruppe oder deren Leiterschaft Abfall von Gott bedeuten, dann ist es gerechtfertigt, die ganze Gruppe als abgefallen zu bezeichnen, weil auch jene, die persönlich noch in einer rechten Beziehung zu Gott stehen, diese Einflüsse nicht mehr aufhalten können oder wollen.)
Damit war bereits vorprogrammiert, dass die Nachfolger Jesu sich früher oder später vom jüdischen System trennen mussten. Sie wurden zum neuen Überrest, von Gott berufen, „vor das Lager hinauszugehen“ (Hebräer 13,13). So erklärt auch Paulus: „So ist auch in der jetzigen Zeit ein Überrest gemäss der Auswahl durch die Gnade zustande gekommen.“ (Römer 11,5). Es war nicht der Plan Gottes, das System der Schriftgelehrten und Pharisäer zu „reformieren“, sondern es zu vernichten, und mit einem neuen treuen Überrest einen Neuanfang zu machen. Vierzig Jahre später geschah das endgültige Gericht Gottes über das Reich der Priester, Schriftgelehrten und Pharisäer, als die Römer Jerusalem und den Tempel zerstörten.

Betrachten wir auch die Art und Weise, wie Gott einen Einzelmenschen rettet: Er ruft uns nicht dazu auf, den sündigen alten Menschen zu „reformieren“. Nein, dieser alte Mensch muss sterben, und ein neuer Mensch muss auferstehen. (Siehe Römer 6.) Jesus sagte zu seinen Jüngern: „Wer sein Leben retten will, der wird es verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es finden.“ (Matthäus 16,25) Das ist viel radikaler als eine „Reformation“. Mit dem Herrn zu leben bedeutet, einen radikalen Neuanfang zu machen. Das gilt sowohl für einen Einzelmenschen als auch für das ganze Volk Gottes.

Es ist also wohl illusorisch, die bestehenden Kirchen reformieren zu wollen. Der Überrest Gottes muss dem abgefallenen System „absterben“, und muss einen neuen Anfang machen, indem er zu dem zurückkehrt, „was von Anfang an war“. In diesem Prozess ist es noch der einfachste Schritt, aus einer Kirche hinauszugehen, die zu diesem abgefallenen System gehört. Viel schwieriger, aber viel wichtiger ist es, dass das System aus dir hinausgeht. Der Überrest Gottes muss sich trennen von den Gewohnheiten, Konzepten und Ansichten des abgefallenen Systems. Er muss diesem System „absterben“, das auf Sünde aufgebaut ist. Nur so wird es eine „Auferstehung“ der neutestamentlichen Gemeinde geben können – ein Neuanfang, der mehr ist als nur eine „Reformation“ des Bestehenden.

Lykophobie

4. Januar 2016

Kürzlich wurde mir von einer nicht genannt werden wollenden Quelle die folgende Mitschrift einer öffentlichen Erklärung zugespielt:


Verehrte Pressevertretungspersonen und Lesepersonen, guten Tag. Schon das ist nur eine politisch korrekte Formel, die ich der Höflichkeit halber verwende, denn in Wirklichkeit ist es gar kein guter Tag. Aber ich möchte mich zuerst vorstellen. Ich bin der Pressesprecher der Schäfinnen (habe ich das jetzt richtig gesagt?) und Schafe von der Weide, und ich bin sehr erleichtert, dass ich vor unserer bevorstehenden völligen Ausrottung wenigstens noch diese Gelegenheit habe, mich an die Öffentlichkeit zu wenden.

Bis vor wenigen Jahren hat die Menschheit dankbar – wenn auch in den letzten Jahrzehnten allmählich immer weniger dankbar – von unserer Existenz profitiert, und Bedrohung kannten wir lediglich von unseren natürlichen Feinden. Aber in jüngerer Vergangenheit haben die einflussreichen Kräfte der Menschheit einen Ausrottungsfeldzug gegen uns begonnen. Nur weil wir an Lykophobie* leiden, und weil Lykophobie jetzt zu einem verabscheuungswürdigen Verbrechen erklärt worden ist!

*Lykophobie = Angst vor dem Wolf (von lykos = Wolf, und phobos = Angst).

Ich habe deshalb beschlossen, dass heute der Tag meines „Coming-Out“ sein soll: Ja, ich bin lykophob! Wenn ich einen Wolf sehe oder auch nur rieche, dann beginne ich zu zittern, mein ganzes Fell sträubt sich, und ich möchte so schnell wie möglich davonrennen, mich einschliessen oder in der Erde vergraben. Diese Eigenheit teile ich mit der überwältigenden Mehrheit meiner Mitschäfinnen und Mitschafe. Nach neuesten Statistiken sind über 99,4% aller Schäfinnen und Schafe lykophob. Wir fordern deshalb, dass unsere Lykophobie nicht länger psychiatrisiert oder kriminalisiert wird!

In diesem Zusammenhang sind einige Klarstellungen angebracht, weil wir Schäfinnen und Schafe gegenwärtig nämlich auf das Übelste verleumdet werden. Also:

Lykophobie hat nichts mit Hass zu tun.

Wie der Name schon sagt, ist Lykophobie in erster Linie eine Furcht, und zwar nicht einmal eine unbegründete, denn ein Wolf ist tatsächlich in der Lage, einer Schäfin oder einem Schaf ernsthaften Schaden zuzufügen. In der Presse wird aber immer wieder behauptet, wir Schafe hassten die Wölfe. Es wird sogar die Ansicht verbreitet, wir seien eine Gefahr für die Wölfe, und wir würden sie systematisch bekämpfen. Sehen Sie uns doch nur einmal an, dann verstehen Sie, dass wir das gar nicht tun könnten. Wir meiden nur die Wölfe. Wenn wir bemerken, dass sich Wölfe in der Nähe unseres Weideplatzes herumtreiben, dann suchen wir uns friedlich einen anderen Weideplatz. Wenn wir die Möglichkeit haben, dann bitten wir einen Vertreter der Menschheit, einen starken Schutzzaun um unsere Weide herum zu bauen, damit die Wölfe nicht eindringen können. Wir fordern die Öffentlichkeit auf, unser Recht zu respektieren, unter uns zu bleiben und von den Wölfen in Ruhe gelassen zu werden, weil wir es sind, die wir in Gefahr sind. Und bezeichnen Sie bitte diese unsere Lykophobie nicht mehr als „Hass.“

In Wirklichkeit sind wir Zielscheibe des Hasses.

Ich kenne eine grössere Anzahl von Mitschäfinnen und Mitschafen, die zwangsgeschoren wurden, weil sie ihre Herde darauf aufmerksam gemacht hatten, dass in der näheren Umgebung ihrer Weide ein Wolf hauste.
Ebenfalls eine grössere Anzahl Mitschäfinnen und Mitschafe wurden zur „Umerziehung“ ins Revier eines Wolfsrudels umgesiedelt. Bis heute hat uns niemand Auskunft gegeben darüber, was aus ihnen geworden ist.
Während des vergangenen Jahres sind die Schafe von 157 Weiden dazu gezwungen worden, ihre Zäune abzubrechen, um den Wölfen ungehinderten Zutritt zu lassen.
Im Vergleich zum Vorjahr haben die Übergriffe von Wölfen gegen Schafe um 276% zugenommen.

Ich bitte Sie, wann werden Sie die Konsequenzen aus diesen Fakten ziehen?

Lykophobie ist eine angeborene, unveränderliche Orientierung.

Lykophobie ist keine Krankheit, die zwangstherapiert werden sollte. Noch weniger ist sie ein Verbrechen, das bestraft werden sollte. Es ist die angeborene Orientierung der überwältigenden Mehrheit von uns Schäfinnen und Schafen. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass sich Lykophobie schon im frühesten Lammesalter manifestiert, und dass sogenannte „Therapien“ nur in seltensten Fällen Erfolg haben. Wir haben es satt, ständig wegen dieser unserer angeborenen Orientierung diskriminiert zu werden!


So weit das Dokument. Darunter hatte jemand gekritzelt: „Was sind Schafe?“


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