Warum „Schule zuhause“?

„Was, eure Kinder gehen nicht zur Schule??“ – So rufen manchmal Bekannte entsetzt aus. – „Wie sollen sie dann etwas Rechtes lernen?“

Ja, das Vorurteil ist weit verbreitet, Schule sei notwendig, um etwas „Rechtes“ zu lernen. Trotz historischen Gegenbeispielen wie Albert Einstein (der in der Schule ein völliger Versager war), Thomas Alva Edison (der von seiner Mutter zuhause unterrichtet wurde), Blaise Pascal (der von seinem verwitweten Vater zuhause unterrichtet wurde), Abraham Lincoln (der nur 18 Monate lang zur Schule ging), und manchen anderen.

An lehrreichen Tätigkeiten mangelt es unseren Kindern jedenfalls nicht. Josias (11 Jahre) programmiert seine eigenen Spiele auf dem Computer. (Das „Ausprobieren“ der Spiele gefällt ihm zwar besser als das eigentliche Programmieren…) David (9 Jahre) hat soeben seinen ersten eigenen Modellbogen, ein Auto, fertig konstruiert (mit Lineal, Winkelmass und Zirkel), ausgeschnitten und zusammengebaut. (Während andere Kinder seines Alters noch nie auch nur einen vorgegebenen Modellbogen zusammengebaut haben.)

Ich weiss, man kann darüber streiten, wie „sinnvoll“ solche Tätigkeiten sind. Ich meinerseits finde, sie sind mindestens so sinnvoll wie die Hauptbeschäftigungen von Schulkindern (Lärm machen, einander hauen, Kaugummis unter den Stuhl kleben, und ab und zu ein paar Sekunden lang dem Vortrag des Lehrers / der Lehrerin zuhören und Wissen aus zweiter Hand wiederkäuen). Unser David hat stattdessen aus erster Hand gelernt, wie man einen rechten Winkel konstruiert, Strecken abmisst und abträgt, räumliche Strukturen auf ein flaches Papier überträgt, und ähnliches. Und es hat erst noch Spass gemacht. – Josias lernt allmählich mit Computergrafiken und Programmiersprachen umzugehen (die er dann später einmal hoffentlich  nicht ausschliesslich für Spiele einsetzen wird, sondern auch für „sinnvollere“ Dinge.)

Einige Einzelheiten des offiziellen Lehrplans werden bei unserem Programm natürlich unter den Tisch fallen. Aber, Hand aufs Herz: Wieviel Prozent des offiziellen Lehrplans hast Du nach Abschluss der Schule in Deinem eigenen Alltags- und Berufsleben wirklich gebraucht?


Nach dieser etwas lockeren Einführung möchte ich jetzt etwas ernster werden. Wir haben zwei gewichtige Gründe dafür, unsere Kinder zuhause zu erziehen:

1. Unsere christlichen Überzeugungen. Von der Bibel her ist es ganz klar, dass Erziehung und Unterricht in den Rahmen der Familie gehören. Erst recht in der heutigen Zeit, wo der Schulunterricht immer stärker bewusst darauf abzielt, christliche Werte zu untergraben.

2. Die mehrfach belegte Tatsache, dass Schule den Kindern in ihrer Entwicklung nicht nur nicht hilft, sondern sogar schädlich ist.

Zu 1: Folgendes ist eine grundlegende Anweisung von Gott an sein Volk:
„Und diese Worte, die ich dir heute auftrage, sollen auf deinem Herzen sein, und du sollst sie deinen Kindern einschärfen, und davon sprechen wenn du in deinem Haus bist, und wenn du auf dem Weg gehst, und wenn du dich schlafen legst, und wenn du aufstehst.“ (5.Mose 6,6-7)
Überspitzt gesagt, verdankt Israel diesem Gebot sein Überleben als Volk bis heute, trotz Jahrhunderten der Verfolgung und Zerstreuung unter andere Völker: Das Wort Gottes, und seine Identität als Volk Gottes, wurde ununterbrochen in den Familien von den Eltern an die Kinder weitergegeben. Ganz ähnliches gilt für das neutestamentliche Volk Gottes, die Christen. Nur dass allzuviele christliche Familien dieses Gebot nicht halten, und deshalb das christliche Volk Gottes gegenwärtig langsam zugrunde geht – zumindest in der westlichen Welt.
Wie sollen wir aber auch dieses Gebot halten, wenn unsere Kinder den grössten Teil des Tages in der Schule sind, wo sie das Gegenteil von Gottes Wort hören? und wenn ihre spärliche Freizeit ausgefüllt ist mit Hausaufgaben – heute immer mehr Gruppenaufgaben, die sie auch ausser Haus erledigen müssen?

Der Apostel Johannes schreibt in seinem zweiten Brief:
„Wer abirrt und nicht in der Lehre von Christus bleibt, hat Gott nicht … Wenn jemand zu euch kommt und nicht diese Lehre bringt, dann nehmt ihn nicht in euer Haus auf, und heisst ihn nicht willkommen.“ (Verse 9 und 10)
Wer nicht gemäss der Lehre von Christus lehrt, den sollen wir nicht ins Haus aufnehmen. Er soll also (u.a.) nicht unsere Kinder beeinflussen können. Wieviel mehr sind wir dieser Anweisung ungehorsam, wenn wir unsere Kinder ausser Haus zu Lehrern schicken, die entgegen der Lehre von Christus lehren!


Zu 2: Der Psychologe und Schuldirektor Raymond Moore hat schon vor über dreissig Jahren Hunderte von Untersuchungen über den Einfluss der Schule auf die kindliche Entwicklung zusammengetragen. Er veröffentlichte die Ergebnisse in einem Buch mit dem Titel „Better Late Than Early“ („Besser spät als früh“ – The Moore Foundation und Reader’s Digest Press, 1975). Überzeugt von diesen Ergebnissen, wurde Moore zum Pionier der „Homeschooling“-Bewegung in den USA.
Kurz zusammengefasst: Die Untersuchungen der Entwicklungspsychologie und Neurologie zeigen, dass eine Einschulung vor dem achten bis zehnten Lebensjahr schädlich ist; und dass spät eingeschulte Kinder in allen Bereichen besser abschneiden als früh eingeschulte.
Spätere Forschungen haben die Ergebnisse Moores nur bestätigt. Aber auch heute noch gilt, was die von Moore zitierten Forscher sagen:

„Obwohl viele Daten in der Erforschung der Vorschulkinder zusammengetragen wurden, haben diese nicht die geringste Auswirkung auf die Schulplanung gehabt.“ (Earl Schaefer, zitiert bei Moore a.a.O.)
„Viele unserer Vorschulprogramme funktionieren aufgrund von Intuition, ohne jegliche Grundlage in der Forschung. Obwohl wir Schubladen voll von Forschungsergebnissen haben, werden diese einfach nicht beachtet.“ (Morvin Wirtz, zitiert bei Moore a.a.O.)

Hier einige der von Moore zitierten Ergebnisse im einzelnen:

– Das kindliche Gehirn ist von seiner Entwicklung her nicht bereit für systematische und formelle Ausbildungsprogramme, solange es nicht ein Alter von acht bis zehn Jahren erreicht.

– Ein Vorschulkind (bis sechs Jahre) kann neue Spielkameraden und neue Gegenstände nur einen um den anderen erfassen; es ist hoffnungslos überfordert, wenn es plötzlich in eine Gruppensituation gestellt wird.

– Die Trennung von den Eltern verursacht in diesem Alter schwere emotionelle Schädigungen.

– Der Gesichts- und Gehörsinn eines Kindes unter acht Jahren sind überfordert, wenn es systematisch lesen und schreiben lernen soll. Kinder, die in einem frühen Alter lesen lernen, entwickeln später meist Kurzsichtigkeit und andere Probleme.

– Jugendliche, die früh eingeschult wurden (mit 4 bis 5 Jahren) schneiden viel schlechter ab als gleichaltrige Jugendliche, die spät eingeschult wurden (mit 8 bis 10 Jahren), sowohl inbezug auf die Schulleistungen wie auch inbezug auf ihre emotionelle Reife und Leiterschaftsfähigkeiten.


Ein anderer sehr lesenswerter Autor zu dieser Problematik ist John Taylor Gatto. Er wurde zweimal als „Lehrer des Jahres“ ausgezeichnet, einmal von der Stadt und einmal vom Staat New York. Aber bald darauf verliess er unter Protest das Schulsystem und wurde zu einem der prominentesten Schulkritiker in den USA. In seiner Rede zur Entgegennahme der Auszeichnung „Lehrer des Jahres“ am 31. Januar 1990 sagte er u.a:

„Unsere Schulpflicht (in den USA) ist eine Erfindung des Staates Massachusetts um 1850. Etwa 80% der Bevölkerung widersetzte sich, einige sogar mit Gewehren. Ihr letzter Stützpunkt in Barnstable, Cape Cod, übergab ihre Kinder erst nach 1880, als das Gebiet militärisch besetzt wurde und die Kinder unter militärischer Bewachung zur Schule gehen mussten.
Etwas merkwürdiges zum Nachdenken: Das Büro von Senator Ted Kennedy gab ein offizielles Dokument heraus, wonach vor der Einführung der Schulpflicht 98% der Einwohner des Staates (Massachusetts) lesen und schreiben konnten; danach blieb die Ziffer ständig unter 91%, wo sie heute (1990) noch ist. Ich hoffe, das interessiert Sie.“

„Der Zweck der Schulen besteht darin, durch Anwendung von Formeln formelhafte Menschen zu schaffen, deren Verhalten vorausgesagt und kontrolliert werden kann.“

„Ich möchte Ihnen sagen, was mit den Kindern geschieht, denen man alle Zeit wegnimmt – Zeit, die sie nötig haben, um aufzuwachsen – und sie dazu zwingt, in Abstraktionen zu leben…:
1. Die Kinder, die ich unterrichte, sind der Erwachsenenwelt gegenüber gleichgültig. Das spricht gegen die Erfahrung von Tausenden von Jahren. Eine nahe Beobachtung der Tätigkeit von Erwachsenen war immer die interessanteste Beschäftigung der Jungen; aber heute will niemand erwachsen werden. (…)
2. Die Kinder, die ich unterrichte, haben kaum Neugier; und ihre Beschäftigungen sind vorübergehend, sie können sich nicht konzentrieren, nicht einmal auf das, was sie gerne tun. Sehen wir einen Zusammenhang mit der Schulglocke, die eins ums andere Mal ihre Tätigkeit unterbricht?
3. Die Kinder, die ich unterrichte, haben kaum Sinn für die Zukunft, und wie das Morgen mit dem Heute verbunden ist. Sie leben in einer ständigen Gegenwart, und ihr Bewusstsein geht nicht darüber hinaus.
4. Die Kinder, die ich unterrichte, sind unhistorisch. Sie verstehen nicht, wie die Vergangenheit ihre eigene Gegenwart bestimmte und ihre Werte und Leben formte.
5. Die Kinder, die ich unterrichte, sind grausam untereinander. Sie haben kein Mitleid mit dem Unglücklichen, lachen über Schwachheit, und verachten ihre Nächsten, die Hilfe brauchen.
6. Die Kinder, die ich unterrichte, fühlen sich unwohl in einer Umgebung von menschlicher Nähe und Aufrichtigkeit. Sie gleichen vielen Adoptivkindern, die ich kennenlernte: sie können mit echter Intimität nicht umgehen, weil sie sich daran gewöhnt haben, ihr echtes Ich geheimzuhalten hinter einer künstlichen äusseren Persönlichkeit, deren Verhalten sie vom Fernsehen nachahmen, oder die sie sich angewöhnt haben, um ihre Lehrer zu manipulieren. Da sie nicht diejenigen sind, die sie zu sein vorgeben, fürchten sie, bei grosser menschlicher Nähe ihren Schutz zu verlieren; deshalb vermeiden sie enge persönliche Beziehungen.
7. Die Kinder, die ich unterrichte, sind Materialisten, gemäss der Vorgabe des Lehrers, der auf materialistische Weise alles „benotet“; und des Fernsehhelden, der alle Dinge der Welt gratis anbietet.
8. Die Kinder, die ich unterrichte, sind abhängig, passiv, und scheuen zurück vor neuen Herausforderungen. Sie maskieren dies oft mit oberflächlicher Kühnheit, oder mit Ärger und Aggressivität; aber dahinter befindet sich eine mutlose Leere.

… Die genannten Krankheiten wurden entweder von den Schulen verursacht, oder vom Fernsehen, oder von beiden. Diese beiden Einflüsse füllen fast die gesamte Zeit unserer Kinder aus. Das ist es, was die amerikanischen Familien zerstört hat; die Familie ist kein Faktor mehr in der Erziehung ihrer eigenen Kinder.“

Ich habe eine Übersetzung der ganzen Rede an anderer Stelle in dieses Blog gestellt, denn sie ist wirklich lesenswert, und ich hoffe, dass der eine oder andere Leser davon aufgeweckt wird.
Das sind also einige (nicht alle) der Gründe, warum unsere Kinder nicht zur Schule gehen. Worin ihre „Schule“ besteht, wird ein Thema zukünftiger Artikel sein, so Gott will.

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