Lernprojekt: „David Livingstone“

Dies war unser erstes grösseres Lernprojekt, als unsere Kinder noch klein waren. Josias war siebenjährig und konnte schon lesen; der fünfjährige David hatte noch nicht lesen gelernt.

Das Projekt begann, wie so manche, eher beiläufig. Anlass dazu gab ein Computerspiel namens „Livingstone“, ein altes, dummes Spiel mit einem Männchen, das durch den Urwald rennt und wilden Tieren Steine nachwirft – eines der wenigen Spiele, die funktionierten auf dem uralten Computer mit 80286-Prozessor und Schwarzweiss-Bildschirm, den wir den Kindern zum Spielen überlassen hatten. Ich fragte die Kinder, ob sie wüssten, wer Livingstone war. Sie wussten es nicht (woher sollten sie auch…) So begann ich zu erzählen. David freute sich, als er feststellte, dass David Livingstone sein Namensvetter war. Er freute sich noch mehr, als er hörte, dass Livingstone Arzt war, denn er hatte selber auch schon gewünscht, Arzt zu werden.

Im Internet fand ich eine Kurzbiographie von Livingstone – Josias‘ Lesekenntnissen angemessen -, einige Fotos und anderes Material. Josias begann seinem Bruder die Biographie vorzulesen.

Wie kam Livingstone auf die Idee, nach Afrika zu gehen? – Anlass dazu waren die Beschreibungen des Missionars Robert Moffat über die vielen abgelegenen Dörfer Afrikas, wo noch niemand von Jesus gehört hatte. Seine Motivation war die Liebe Jesu zu den Menschen, die Gott nicht kannten. Die geographischen und naturkundlichen Entdeckungen, die Livingstone berühmt machten, waren – in seinen eigenen Augen – nur ein Nebenprodukt dieser missionarischen Berufung.

Dies gab Anlass, mit den Kindern über das Thema der Mission zu sprechen, über die Anweisung Jesu, „in alle Welt zu gehen“, und nicht zuletzt über die Gründe meiner eigenen Umsiedlung nach Perú. Parallel zur Biographie Livingstones lasen wir über die Reisen des Apostels Paulus.

Natürlich musste auch die Geographie Afrikas ein Thema sein. Auf der Landkarte suchten wir die Orte, die Livingstone entdeckt hatte, und zeichneten seine Reiserouten nach. Mit Hilfe des Internets fanden wir auch Fotos jener Gegenden.

Da Livingstone Arzt war, durfte auch dieser Aspekt nicht fehlen. Vor allem David lernte mit Eifer, Wunden zu desinfizieren und einfache Verbände anzulegen.

Dann kam der Tag, an dem auch wir, wie einst Livingstone, auf eine Expedition gingen. Wir wohnten damals nahe an einer noch einigermassen natürlichen Flusslandschaft; ein guter Ort, um Livingstones Reisen nachzuerleben. Etwa zwei Stunden lang wanderten wir (gemächlich) dem Flussufer entlang. Josias und David erhielten die Aufgabe, unterwegs alle interessanten Tiere und Pflanzen zu beobachten; David zeichnete sie ab und Josías schrieb jeweils eine kurze Beschreibung dazu. Ausserdem übten wir den Gebrauch eines Kompasses, um die jeweilige Richtung des Flusslaufes festzustellen. So zeichneten wir eine einfache Landkarte von unserer Marschroute und dem Flusslauf. (Das war natürlich noch zu schwierig für die Kinder; ich zeichnete die Karte und sie schauten dabei zu.)

Der Fluss ist einer der Quellflüsse des Amazonas. Das war ein Anlass, auch die peruanische Geographie zu studieren. Wir verfolgten auf der Landkarte den Lauf des Flusses bis zum Amazonas (wobei er unterwegs mehrmals den Namen wechselt), und dann den Lauf des Amazonas bis zum Atlantik. – Bei einer anderen Gelegenheit reisten wir flussaufwärts bis zum Quellgebiet auf 4500 Metern Höhe. Für die Kinder war die interessanteste Entdeckung, dass es dort gefrorene Wasserfälle gibt. (Wir wohnen zwar auf ca. 3500 Metern Höhe, aber selbst da sind Eis und Schnee etwas höchst Seltenes.)

Gefrorener Wasserfall auf 4500 Metern Höhe

Gefrorener Wasserfall auf 4500 Metern Höhe

Das Thema „Landkarten“ gab dann auch Anlass zur Mathematik: Josias lernte, auf der Landkarte Distanzen zu messen und umzurechnen. (Natürlich nur mit einfachen Massstäben wie z.B. 1:100’000, wo ein Zentimeter einem Kilometer entspricht.)

Das war also unser erstes „Lernabenteuer“, mit dem wir auf den Geschmack der „Moore Formula“ kamen (das ist die Methode oder „Lernphilosophie“, nach der wir weitgehend arbeiten).

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