Ausbildung der Kinder zuhause („Homeschooling“) nach Raymond Moore

Die Vorschläge von Raymond und Dorothy Moore sind jene, die uns am meisten überzeugt haben. Sie können sich auf eine immense Zahl von Forschungen abstützen, und dazu auf ihre eigene langjährige Erfahrung als Lehrer, Schulpsychologen und -direktoren, und Eltern. Dadurch kamen sie zum Schluss:

Erziehung der Kinder zuhause („Homeschooling“) ist:
– das Beste für eine gesunde Entwicklung der Kinder,
– möglich und gar nicht so schwierig für die Eltern, unabhängig von deren schulischem Niveau,
– kein „Schulunterricht zuhause“, sondern etwas viel Natürlicheres und Kindgemässeres.

Ich gebe zu, unsere eigene Anwendung der nachfolgenden Prinzipien ist nicht ideal. Aufgrund unserer Lebensumstände haben wir auch keine „Mentoren“ o.ä. in unserer Nähe, die uns in dieser Hinsicht helfen könnten. Aber unsere Kinder lernen trotz unserer Unzulänglichkeiten. Und vielleicht können gerade unsere „halbfertigen“ und pionierhaften Erfahrungen andere Eltern ermutigen, die ihren Kindern eine gesunde Entwicklung und Lernerfahrung abseits vom schulischen Druck bieten möchten. Deshalb gedenke ich weiterhin ab und zu in der Rubrik „Aus der Schule geplaudert“ einige unserer Erfahrungen zu berichten.

Nachstehend also die „Moore-Formel“, wie sie von Raymond Moore auf seiner Homepage (http://www.moorefoundation.com/) beschrieben wird:

Die Moore-Formel

Wie man mit wenig Stress, wenig Aufwand und grossem Erfolg Kinder unterrichten kann.

(…)

DIE FORMEL:
1) Lernen,
von wenigen Minuten bis zu einigen Stunden am Tag, je nach der Reife des Kindes.
2) Körperliche und Handarbeit, mindestens so viel wie Lernen.
3) Dienst zuhause oder am Wohnort, etwa eine Stunde täglich.
Konzentrieren Sie sich auf die Interessen und Bedürfnisse der Kinder; seien Sie ein Beispiel an Ausdauer, Neugier und Geduld. Leben Sie mit ihnen! Sorgen Sie sich weniger um Prüfungen. Wenn Sie Ihre Kinder lieben und lesen, schreiben, zählen und klar sprechen können, dann sind Sie mit der Moore-Formel ein meisterhafter Lehrer.

LERNEN: Moore bietet einige Lehrgänge zum selber Entdecken an. Benutzen Sie weniger Schul- und Arbeitsbücher. Im allgemeinen sind die Eltern die besten Lehrer für ihre Kinder. Eine Untersuchung des Smithsonian-Instituts über zwanzig Genies der Weltklasse hob drei Faktoren in ihrer Entwicklung hervor:

1) Eltern (und andere Erwachsene), die ihre Kinder lieben, mit ihnen fühlen, und an ihrem Lernen interessiert sind.
2) Nur wenige Bekanntschaften ausserhalb der Familie.
3) Viel kreative Freiheit, unter Anleitung der Eltern, um ihre Ideen auszuprobieren; mit Lernübungen, wo nötig.
Diese „Zutaten“ zur Entwicklung eines Genies sind eine Mischung von Kopf, Hand, Herz, und Gesundheit. Wenn sie ausgewogen zusammengestellt werden, und Sie selber ein gutes Beispiel geben, dann formen sie grossartige Persönlichkeiten. Wir ermutigen Sie also, 1) Lernen, 2) Arbeit (und Unternehmertum), und 3) Dienst zuhause und am Wohnort zu kombinieren.

WIE MAN ANFANGEN KANN: Erstens, unterwerfen Sie Ihre Kinder keinen formellen Studien nach Stundenplan, bevor sie mindestens 8, 10 oder sogar 12 Jahre alt sind – unabhängig davon, ob sie schon lesen können oder nicht. Wenn jemand damit nicht einverstanden ist, sollte er die wissenschaftlichen Beweise dafür nachlesen in unseren Büchern „Better Late Than Early“ und „School Can Wait“. Zusätzlich zu unseren eigenen Forschungen in Stanford und an der medizinischen Fakultät der Universität von Colorado, analysierten wir über 8000 Untersuchungen über die Entwicklung der kindlichen Sinnesorgane und des Gehirns, über Lernfähigkeit, Sozialisierung, usw. Als Ergebnis sind wir überzeugt worden, dass keine wiederholbaren Forschungsergebnisse existieren, die das verfrühte Drängen von Kindern unter 8 oder 10 Jahren in einen formellen Unterricht befürworten – sei es zuhause oder in der Schule.

Lesen, singen und spielen Sie mit ihren Kindern von Geburt an. Lesen Sie ihnen mehrmals täglich etwas vor, und sie werden zu ihrem eigenen Zeitpunkt selber lesen lernen – einige bereits mit 3 oder 4 Jahren, aber die meisten später; einige erst mit 14 Jahren. Spätleser müssen ebensowenig als zurückgeblieben oder behindert angesehen werden wie Frühleser. Im Gegenteil, Spätleser werden oft zu den besten Lesern: ihr Sehvermögen ist nicht beeinträchtigt worden (wie es beim frühen Lesenlernen oft geschieht), ihr Hörvermögen ist scharf, ihr Denken und ihre Hirnstruktur sind reifer, und ihre kreativen Interessen sind weniger gehemmt. Leider wird oft fälschlich gedacht, Spätleser benötigten Nachhilfemassnahmen. Wenn Sie über Ihr Kind im Zweifel sind, lassen Sie ihr Seh- und Hörvermögen von einem Spezialisten untersuchen und konsultieren Sie evtl. einen Neurologen. Wenn keine entsprechenden Probleme diagnostiziert werden, entspannen Sie sich.

Wenn Ihre Kinder Frühleser sind: 15 bis 20 Minuten am Tag genügen für Kinder unter 8 bis 10 Jahren. Dann sollten sie eine oder zwei Stunden lang draussen spielen, wo sie in die Weite sehen. Zum Zeichnen oder Schreiben können sie zuerst (Mal-)Kreiden auf grossem Papier oder einer Wandtafel benützen, bevor sie die feinere Muskelkoordination entwickeln, die zur Handhabung von Bleistiften und Kugelschreibern oder zu feineren Arbeiten wie z.B. Nähen nötig ist. (Mehr darüber in unseren Büchern.)

(…) Wenn Sie sehen, dass Ihre Kinder dazu bereit sind, spielen Sie mündliche Spiele mit Silben, Zahlen, usw. Aber Autoritäten von Columbia bis Berkeley sagen: Vermeiden Sie Lerndruck, solange die Kinder nicht mindestens 8 oder sogar 12 Jahre alt sind. Einige Minuten am Tag können genügen, um die grundlegenden Dinge zu üben. Wichtiger ist, die Interessen der Kinder zu entdecken: vielleicht sind es Käfer, Gartenarbeit, Kochen oder Backen, Astronomie, Autos, Nähen, Basteln, Wirtschaft, Geschichte oder Politik.

Was immer ihre Interessen sind, machen Sie ihnen die Türe zum Wissen weit auf. Geben Sie ihnen nicht hauptsächlich Schul- oder Arbeitsbücher, und versuchen Sie auch nicht, ihnen voraus zu sein: lassen Sie die Kinder Originalwerke lesen über die Dinge, die sie interessieren, und sehen Sie zu, wie sie wachsen! Die Eigenmotivation eines Kindes ist viel produktiver zum Lernen, als der geübteste Unterricht. – Sie können die Kinder auch (ohne Druck) alte standardisierte Schulprüfungen lösen lassen, damit sie die Angst vor Prüfungen verlieren.

Statt Spielzeug, geben Sie den Kindern Werkzeuge (für die Küche, Werkstatt, Garten oder Büro), Lexikons, Zeitschriften; benutzen Sie Bibliotheken usw. Seien Sie nicht schockiert über ihre Interessen, selbst wenn es Gewehre oder Motorräder sind! Sie können dabei Chemie und Physik lernen (Verbrennungsmotoren), Wirtschaft, Mathematik, Geschichte, Geographie, Sprachen, Kulturen, und manuelle Fertigkeiten (in örtlichen Werkstätten oder in einem Kleingeschäft zuhause). – Mädchen sind in ihrer Entwicklung den Jungen in der Regel etwa ein Jahr voraus, zumindest bis gegen das Ende der Pubertät.

Die „Antennen“, die aus den Hirnen der meisten Schüler spriessen, werden durch die Massenverschulung blockiert. Sie werden dort wie industriell gefertigte Kekse alle in dieselbe Form gepresst, statt das wirkliche Leben zu erleben. Das zerstört die Kreativität und produziert einförmige Massenmenschen. Um Geschichte zu lernen, ist es besser, Biographien zu lesen als Schulbücher; das ist realistischer. Lassen Sie kreative Interessen in weiteres Lernen ausmünden. In dem Mass, wie die Kinder reifen, werden sie sich selber lehren und aus eigener Initiative lernen – etwas, was die wenigsten heutzutage tun!

ARBEIT: Konstruktive, manuell herausfordernde, unternehmerische Arbeit fördert das Selbstvertrauen, die Kreativität und die Selbstbeherrschung der Kinder schneller als alles andere. Sie ist die wirksamste und am längsten andauernde Medizin gegen Verhaltens- und Persönlichkeitsprobleme. Wenn Sie Ihren Kindern Autorität geben, ihr Heim soweit selber zu verwalten, wie sie Verantwortung annehmen können, dann reifen sie schnell und natürlich. Machen Sie sie zu Verwaltern in Ihren häuslichen Kleinunternehmen. Das ist ein sicherer Schlüssel zu einer glücklichen Erziehung zuhause – oder in irgendeiner anderen Form -, unabhängig von der institutionellen Ebene. Wir haben niemanden versagen, rebellieren oder ausbrennen sehen.

Fangen Sie klein an. Lassen Sie Ihre Kinder etwas arbeiten, sobald sie gehen können. Geben Sie ihnen mehr Freiheit, je mehr Verantwortung sie akzeptieren. Kein Taschengeld! Lassen Sie die Kinder auf ihre eigene Art Geld verdienen: indem sie Ihnen helfen, Kekse, Brot, Holzspielsachen, Gemüse usw. herzustellen bzw. zu pflanzen und zu verkaufen; oder Dienste zu leisten wie Rasenmähen, Kleinkinder hüten, usw. Im Alter von 6 oder 8 Jahren können manche schon ihr eigenes Geschäft verwalten.

Vergleichen Sie beim Einkaufen die Preise ähnlicher Produkte (Äpfel/Orangen, Kekse/Kuchen, etc). Sie lernen dabei über Ernährung, Sparsamkeit, und Mathematik. Lassen Sie Ihre Kinder auf der Bank Rechnungen bezahlen. Die Bank wird ihre Rechnungsfehler korrigieren.

DIENST: Das beginnt zuhause und in der Nachbarschaft mit täglichen oder wöchentlichen Besuchen bei bedürftigen Nachbarn, in Pflegeheimen, Kinderkliniken, oder andere Dienste an Einzelpersonen oder an der Gemeinschaft. Es hilft Kindern, selbstlos zu sein, und dämpft materialistische Tendenzen, die durch das Führen eines Kleingeschäftes evtl. hervorgerufen werden können. In Familie, Gemeinde und Kirche können die Kinder lernen, grossherzig zu sein. Kinder mit Sträussen von Feldblumen oder Kreidezeichnungen sind meistens willkommen in Pflegeheimen o.ä.

Das ist die „Goldene Regel“ in die Praxis umgesetzt. Unsere eigenen Kinder hatten eine Zeitlang eine Geheimgesellschaft „SOS“ („Service Over Self“), die sich darauf spezialisierte, im Geheimen den Alten, Armen, Kranken und Behinderten etwas Gutes zu tun wie z.B. ein Auto zu waschen, einen Stuhl oder eine Waschmaschine zu reparieren, einen Zaun anzustreichen, Schnee zu schaufeln oder einen Garten zu jäten. Das machte Spass!

Einige fragen uns, warum es nicht mehr Familien gibt, die dieser Formel folgen. Viele Eltern fühlen sich unwohl bei unkonventionellen Ideen. Sie lehren auf dieselbe Weise wie sie selber gelehrt wurden, ohne sich bewusst zu sein, dass diese Methoden schuld sind an vielen heutigen Schulproblemen. So bezahlen sie teuer für Bücher, an denen dann sie selbst und ihre Kinder angebunden sind und ausbrennen. Wir als Professionelle möchten ihnen sagen: „Wir brauchten auch unsere Zeit, bis wir anfingen daran zu glauben.“ Für ausgebildete Lehrer ist es oft am schwierigsten. Aber Moore-Schüler sind unter den besten, was Schulleistungen, Gemeinschaftsfähigkeit und Verhalten betrifft.

SANFTE WARNUNG: Die Ausbildung der Kinder zuhause, wenn sie richtig getan wird, bietet beste Ergebnisse und Gemeinschaftsfähigkeit zu einem niedrigen Preis und mit wenig Stress, durch ein Gleichgewicht von Lernen, Arbeit und Dienst. Die wenigsten Lehrpläne erreichen dies!
(…) Leiter der „Homeschooling“-Bewegung fallen im allgemeinen in eine von zwei Gruppen:
1) Selbstlose Laien und Professionelle, die Geld und Zeit opfern, um die Erziehung zuhause zu neuen Höhen zu führen,
und 2) Einige wenige, die keinen professionellen Hintergrund oder keine Ethik haben (oder keines von beiden), die stressige und teure Heimschul-Materialien, Programme oder Dienste anbieten, die zum Burnout führen können und dadurch bei den Eltern eine Abneigung gegen „Homeschooling“ hervorrufen. Einige von diesen bekämpften das „Homeschooling“ bis in die achtziger Jahre.
(…) Bemühen Sie sich, die Unterschiede zu erkennen.

(Zusammenfassung):

LERNEN: (täglich)
Eltern kennen die Interessen ihrer Kinder und gehen auf sie ein. Übungen zum Lesen, Rechtschreibung und Rechnen, wenn die Kinder von der Entwicklung ihrer Sinnesorgane, ihres Gehirns und ihrer Denkfähigkeit her dazu bereit sind. Mehr Gemeinschaft mit den Eltern als mit Gleichaltrigen.
Ermutigen Sie sie, ihre Ideen frei auszuprobieren, ohne die üblichen Einschränkungen durch Schulbücher und Schulmethoden, und sich nach Neuem auszustrecken in dem Mass, wie sich ihre Interessen erweitern.

ARBEIT: (täglich)
Kinder kombinieren Hausarbeiten (sobald sie gehen können) mit häuslichen Kleingeschäften, an deren Verwaltung sie Anteil haben. Rechnen usw. lernen sie, indem sie Geld verdienen und darüber Buch führen.
Kaufen und Verkaufen trägt auch zur Gemeinschaftsfähigkeit bei. Und ihr Charakter wird aufgebaut, während sie arbeiten und dienen.

DIENST: (öfters, zu unterschiedlichen Zeiten und Häufigkeit)
Der Dienst beginnt zuhause und in der Nachbarschaft, mit täglichen oder wöchentlichen Besuchen in Pflegeheimen, Kinderkliniken etc, oder anderen Aktivitäten im persönlichen oder Gemeinschaftsdienst.

Die Zeit, die mit Lernen, Arbeit und Dienst verbracht wird, hängt von der Reife und den Interessen der Kinder ab. Teenager sind am unproblematischsten mit der „Moore-Formel“.

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