Wir brauchen wieder eine „Bekennende Kirche“ – gibt es sie noch?

Letztes Jahr wurde ich fast gleichzeitig auf die beiden untenstehenden Artikel aufmerksam. Tatsächlich zielen sie in eine gemeinsame Richtung (ich überlasse es dem geneigten Leser, die Gemeinsamkeit herauszufinden). Der Inhalt ist weiterhin sehr aktuell und wichtig. Ich gebe die Artikel deshalb hier wieder, in deutscher Übersetzung und mit einigen kleinen Anmerkungen meinerseits.

Vorausbemerkung zum ersten Artikel:
Dass ich diesen Artikel hier weitergebe, bedeutet nicht, dass ich grundsätzlich den Autor oder dessen sonstige politische oder theologische Anschauungen empfehle. (Das gilt für alle hier wiedergegebenen Artikel von anderen Autoren; aber ich möchte hier nochmals daran erinnern.)
Man beachte auch, dass der folgende Artikel inmitten des letztjährigen US-amerikanischen Wahlkampfs geschrieben wurde. Die diesbezüglichen Seitenhiebe sind jetzt Vergangenheit und nicht mehr von Belang; es wurde sowieso keiner der hier erwähnten Kandidaten gewählt. Aber ob die sogenannte „Neue Weltordnung“ in „konservativer“ oder in „liberaler“ Färbung eingeführt wird, ist unwesentlich. Das Wesentliche hier ist die historische Lektion, wie leicht Kirchen und Kirchenführer auf „christlich gefärbte“ ideologische Propaganda hereinfallen. Das ist der Hauptgrund, warum ich den Artikel hier wiedergebe. In diesem Sinn ist er weiterhin sehr aktuell, und nicht nur in den USA.


Wir brauchen verzweifelt eine „Bekennende Kirche“

Von Chuck Baldwin, Januar 2008 (leicht gekürzte Übersetzung)

Wenn der Leser es noch nicht getan hat, rate ich nochmals dringend, das Buch „Hitlers Kreuz“ von Erwin Lutzer (Moody Press) zu lesen. Dieses Buch sollte Pflichtlektüre sein für jeden Christen in Amerika. Lutzer konzentriert sich in seinem Buch auf die Haltungen und Taten der deutschen Pastoren und Kirchen während dem Aufstieg und der Regierung des „Dritten Reichs“. Es ist ein Meisterwerk.

…Es ist schwer zu verstehen, wie die Christen jener Nation – und besonders ihre Pastoren – sich so gründlich hereinlegen liessen vom alten Adolf. Wir nehmen an, so etwas könne nie mehr passieren – erst recht nicht uns. Aber für jeden ehrlichen Beobachter der Geschichte ähnelt die Lage der Kirche in Amerika heute erschreckend derjenigen der Kirche in Nazi-Deutschland.

Vor allem, so wie die Kirche in Nazi-Deutschland, liess sich auch die Kirche in Amerika von der politischen Macht betören.

In der Vergangenheit bedeutete „Patriotismus“ in den Vereinigten Staaten, Gott zu lieben, die Familie zu lieben, und Freiheit und Unabhängigkeit zu lieben. Aber heute haben Christen aller Strömungen freudig den „Kindermädchen-Staat“ angenommen, mit seiner ganzen Besessenheit von einer allmächtigen Bürokratie, die einen ständig überwacht und jeden Bereich unseres Lebens völlig unter Kontrolle hat.

Z.B, gemäss den heutigen republikanischen Präsidentschaftskandidaten (mit Ausnahme von Ron Paul) verlangt der Patriotismus, dass wir vor unserem Sicherheitsdepartement die Hacken zusammenschlagen, und dass wir eifrig einen aggressiven „Präventionskrieg“ unterstützen. Genau diese Neudefinition von „Patriotismus“ wurde so brillant von Hitler und seinen Propagandisten benützt. Es scheint, dass die Geschichte sich tatsächlich wiederholt.

Als Ron Paul gefragt wurde über den offenen Gebrauch eines Kreuzes in Mike Huckabees Wahlkampagne, antwortete er mit einem Zitat von Sinclair Lewis: „Wenn der Faschismus nach Amerika kommt, wird er in eine Flagge eingehüllt sein und ein Kreuz tragen.“ Viele Christen ärgerten sich über Dr.Paul wegen dieses Kommentars. Aber Ron Paul (selber auch ein hingegebener Christ) hat völlig recht!

(Um zu sehen, wie Hitler dieselbe Taktik einsetzte, lade ich die Leser ein, die Foto in Lutzers Buch auf S.75 zu beachten. Die Foto zeigt Hitler beim Verlassen einer Kirche, mit einem grossen Kreuzsymbol direkt über seinem Kopf. Diese Foto wurde von Hitler ausgiebig benutzt in seinen politischen Kampagnen.)

hitleratchurch

… In seinem Buch betont Lutzer, dass Hitler in Deutschland an die Macht kam dank seiner Fähigkeit, die Nazifahne um das Kreuz Christi zu wickeln. Tatsächlich verlangte Hitler oft, dass ein (christliches) Kreuz direkt in die Mitte der Nazifahne gesetzt würde. Solche Fahnen wurden an prominenter Stelle in Umzügen gezeigt, und auch in Kirchen.

Als Ergebnis von Hitlers brillanter Täuschung waren Christen in ganz Deutschland überzeugt, Hitler sei „Gottes Mann“. Sie sahen ihn als mehr als einen politischen Führer: er war auch ein geistlicher Führer. Sie sahen ihn sowohl als ihren Staatspräsidenten, als auch als ihren christlichen Bruder. (Anm.d.Ü: Ich hörte von deutschen Theologiedozenten, die diese Zeit miterlebten, dass dies tatsächlich zutrifft, und zwar nicht nur auf die landeskirchlichen Christen, sondern insbesondere auch auf die Evangelikalen.)
Wenn Hitler sagte, die Deutschen sollten ihm ihre Feuerwaffen aushändigen, dann sahen sie es als ihre christliche Pflicht, zu gehorchen. Wenn Hitler sagte, ein totaler Überwachungsstaat müsse eingeführt werden, dann gaben sie freiwillig ihre Privatsphäre auf. Wenn Hitler sagte, Deutschland müsse um seiner Sicherheit willen in andere Länder einfallen, dann waren die Christen unter den ersten Freiwilligen. Und wenn Hitler sagte, sie könnten nur dann gute Christen sein, wenn sie die nationalsozialistische Partei unterstützten, dann unterstützten sie enthusiastisch die Partei.

Kurz, Deutschlands Christen und Pastoren übergaben Adolf Hitler ihre Herzen und ihren Sinn, weil sie glaubten, er sei einer der ihren. Was sie niemals einem Atheisten übergeben hätten, das übergaben sie freudig jemandem, der vorgab, ein Christ zu sein. Tatsächlich kam der Faschismus nach Deutschland „in eine Flagge eingehüllt und ein Kreuz tragend“.

Natürlich gab es einige Deutsche, die Hitlers Täuschung durchschauten. Dietrich Bonhoeffer war ein christlicher Pastor, der sich aktiv Hitler entgegenstellte, indem er die „Bekennende Kirche“ gründete. Dies waren Christen, die Jesu Autorität nicht Hitler unterstellen würden. Sie durchschauten „Hitlers Kreuz“. Aber leider stellten sich von den über 14’000 deutschen Pfarrern nur 800 auf die Seite Bonhoeffers.

Für die grosse Mehrheit der deutschen Pastoren war Bonhoeffer ein „Extremist“, oder ein „Betrüger“, oder ein „Verrückter“. Sie schoben Bonhoeffer ab an den äussersten Rand der Christenheit. Sie glaubten an Hitler und verschmähten Bonhoeffer. Sie wählten Hitlers „Deutsche Christen“ statt der Bekennenden Kirche. In der Rückschau jedoch, wem würden sie heute folgen, wenn sie die Möglichkeit hätten?

Ebenso sind viele Christen und Pastoren heute den Propagandisten des Internationalismus erlegen. Themen wie freier Handel, Klimakontrolle, Gesundheitswesen und Bildung – und sogar der Krieg -, das sind die Werkzeuge, welche die Globalisten gebrauchen, um ihre „Eine-Welt-Ordnung“ zu errichten.

Z.B. beruht Mike Huckabees Erfolg in Iowa grösstenteils darauf, dass die Pastoren und Christen dieses Staates auf seine „christliche“ Kampagne hereinfielen. Sehr ähnlich wie George W.Bush in seiner Kampagne 2000, baute Huckabee seine politische Kampagne auf dem Kreuzsymbol auf. Aber gleichzeitig fördert Huckabee (wie auch George W.Bush) den Globalismus. Und leider scheinen viele Christen und Pastoren nichts davon zu merken, oder es kümmert sie nicht.

Quelle: http://pjmiller.wordpress.com/2008/01/04/we-desperately-need-the-confessing-church/


Und hier der zweite Artikel, der das Bild abrundet:

Bereit zur Abschlachtung: Die Entwaffnung der Kirche

Von John Green, 1998

„Bevor eine Besatzungsarmee die Macht ergreifen kann, muss das Volk entwaffnet werden; wie es in fast jedem Reich Europas getan wurde.“ (Noah Webster von Pennsylvanien, 1787)

„Als Grossbritannien entschied, Amerika zu versklaven, wurde das britische Parlament von einem listigen Mann beraten, der Gouverneur von Pennsylvanien war. Dieser riet ihnen, das Volk zu entwaffnen, um sie versklaven zu können; aber dass sie es nicht offen tun sollten, sondern sie allmählich zu schwächen, bis sie untergingen.“ (George Mason von Virginia, 1788)

Wie die Geschichte zeigt, ist es eine übliche Taktik von Invasoren, die Kontrolle über ein Land zu gewinnen, indem sie sich die Mittel aneignen, mit denen sich Privatpersonen verteidigen könnten. Wenn die Zivilbevölkerung einmal entwaffnet ist, ist es relativ einfach, eine totale tyrannische Kontrolle auszuüben. Es scheint mir, dass dasselbe im geistlichen Bereich geschieht.

Das Neue Testament ist voll von Warnungen vor falschen Lehrern und Lehren, vor falschen Zeichen und Wundern, und von verdorbenen Menschen, die danach trachten, die Jünger hinter sich selbst her zu ziehen. Gott hat sein Volk nicht wehrlos gelassen. Er hat seinen Geist der Wahrheit in uns wohnen lassen, und gab uns das Beispiel Christi, seine Lehren, die Lehren der Apostel, und all die anderen Schriften der Bibel. Es gibt eine Gabe der Geisterunterscheidung, die einigen gegeben ist. Aber noch wichtiger ist die Fähigkeit, alle Dinge zu prüfen und zu unterscheiden, was die Verantwortung jedes Gläubigen ist. Wenn der Gläubige gegen die Täuschungen des Feindes gewappnet sein soll, und von seiner unterdrückerischen Herrschaft frei sein soll, dann muss er ständig Unterscheidung üben und wachsam sein. Wenn dir diese Verteidigungswaffe weggenommen wird, dann bist du eine leichte Beute für jeden, der dich gefangennehmen möchte.

Deshalb beunruhigt mich die gegenwärtige Tendenz im Leib Christi sehr. Es ist eine Tendenz, diejenigen, die ihre von Gott gegebene Verteidigungswaffe der Unterscheidung benutzen wollen, zu verhöhnen und zu verachten. Diejenigen, die der Schrift gehorchen und „alle Dinge prüfen“, werden verspottet und lächerlich gemacht und als „Pharisäer“ etikettiert. Es scheint, dass die Kirche der pluralistischen Mentalität des „Nicht-Richtens“ dieser Welt zum Opfer gefallen ist. Die einzige unvergebbare Sünde besteht darin, jemandes Glaube in Frage zu stellen, oder zu sagen, dieser Glaube könnte irrig sein. Diese neuen Leiter verlangen, dass du auf ihren Zug aufsteigst, und wenn du nicht einverstanden sein kannst, dann hast du um jeden Preis zu schweigen. Sie sagen uns, wir sollen jetzt mitmachen, und später prüfen.
Adam und Eva hatten keine Kenntnis von Gut und Böse aus eigener Erfahrung. Die Schlange lenkte ihre Aufmerksamkeit auf die Attraktivität und das Wünschenswerte der verbotenen Frucht, und verführte sie dazu, mitzumachen und es selber zu erfahren. Als sie später prüften, wussten sie, dass es falsch gewesen war, die Worte Gottes in dieser Angelegenheit zu ignorieren. Aber der Schaden war bereits geschehen.

Diejenigen, die uns die Verteidigungswaffe der Unterscheidung wegnehmen wollen, binden die Hände der Kirche. Sie bereiten Gottes Volk dazu vor, abgeschlachtet zu werden. Warum tun sie dies? Warum sollten sie Millionen den unzähligen Täuschungen des Feindes aussetzen, ohne jeden Schutz? Warum nehmen sie weg, was der Vater uns gegeben hat?
Die Kirche wird zu einem Schlachthaus, voll vom Blut von Heiligen, die von falschen Lehrern verführt wurden. Die Getreuen gehen vorwärts zum Schlachtplatz, ihre vertrauensvollen Augen auf ihre Leiter gerichtet. Falschheit und Täuschung multiplizieren sich. Scharlatane dominieren die Bestsellerliste. Pseudo-Erkenntnis wird über die ganze Welt verbreitet. Irre dich nicht. Dies ist eine Schlacht, und vieles steht auf dem Spiel.

Einige dieser Leiter sagen: „Du musst die Erfahrung selbst machen, bevor du es beurteilen willst.“ Das ist purer Unsinn. Das ist die Methode, die die Mormonen gebrauchen, um Leute an den Haken zu bekommen: Bete über dem Buch Mormon und sieh, ob du ein „Brennen in der Brust“ spürst. – Du musst Selbstmord nicht erst ausprobieren, um zu wissen, dass es nicht gut ist für dich. Es gibt kein Gebot, eine zweifelhafte geistliche Erfahrung dadurch zu prüfen, dass man sich ihr selbst aussetzt.

… Gib acht auf dich selbst. Sieh, wie oft das Neue Testament von falschen Lehrern und Lehren spricht. Suche mit Hilfe deiner Konkordanz die Gebote, zu unterscheiden und zu prüfen; sich nicht täuschen zu lassen. Schüttle die Ketten derjenigen ab, die dich binden wollen. Übe als Gläubiger dein „Recht, Waffen zu tragen“ aus.

Quelle:
http://pjmiller.wordpress.com/2008/06/08/prepared-for-the-slaughter-the-disarming-of-the-church/

– Zwei Anmerkungen meinerseits:

1. Ich hoffe, es ist klar, dass der Autor nicht davon spricht, physisch mit physischen Waffen gegen falsche Lehrer und andere „Gegner“ zu kämpfen. (Nur zur Klarstellung, für den Fall…)

2. Gegenwärtig sind autoritäre Falschlehren in manchen Kreisen sehr verbreitet. (Der Vers „Taste den Gesalbten des Herrn nicht an“ wird z.B. fälschlich als Verbot ausgelegt, einen Pastor oder Leiter zu kritisieren, usw…) Von daher verstehe ich, wenn einige Leser an der Hauptaussage des Artikels vorbeigehen: DU SELBER (und jeder individuelle Gläubige) bist gefragt, Unterscheidung auszuüben und alle Lehren und Praktiken zu prüfen, GERADE UND INSBESONDERE AUCH DIE DEINER LEITER. Die Aufforderung ist NICHT, spezielle „Unterscheidungs-Dienste“ zu haben (Pastoren und andere Leiter, theologische Schulen, Propheten, etc.) und dann die Aufgabe der Unterscheidung an diese zu delegieren. Das würde gerade wieder zu einer weiteren Passivität und „Entwaffnung“ der Gläubigen beitragen, die sich dann auf ihre Pastoren, oder auf die „Experten der Unterscheidung“ verlassen. – Man kann natürlich aus den Beiträgen solcher Dienste einen gewissen Nutzen ziehen, aber man muss AUCH DIESE prüfen (und auch die vorliegende Lehre natürlich).

Johannes schreibt – an ALLE wiedergeborenen Christen:
„Und die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt, bleibt bei euch, und ihr habt nicht nötig, dass euch jemand lehre; sondern wie euch die Salbung alles lehrt, so ist es wahr und ist keine Lüge, und wie sie euch gelehrt hat, so bleibt in ihm.“ (1.Joh.2:27)

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