Schulbuch-Blüten

Als Nachhilfe-Lehrer für Kinder und Teenager der Nachbarschaft komme ich von dieser Seite her immer wieder in Kontakt mit dem Schulsystem. Da gibt es manch Bedenkliches zu sehen, was einen Blog-Artikel wert wäre. Aber ich möchte dieses Mal einen eher heiteren Aspekt aufgreifen und einige der Stil- und sonstigen „Blüten“ zum Besten geben, die ich in Schulbüchern und ähnlicher Literatur antreffe. (Einige sind aus dem Gedächtnis wiedergegeben, da ich die entsprechenden Bücher nicht zur Hand habe; andere sind wörtlich übersetzt.)


Aus einem Buch über „Naturwissenschaft“ für die Primarschule:

Herstellung von Seife.
Zutaten: Fett, Asche, Blütenblätter.
Man gibt die Zutaten in eine Pfanne, kocht sie auf und giesst die Seife in Formen.“

(Mein Kommentar: Wie sehen wohl die Schüler aus, nachdem sie sich mit dieser Seife voll Asche gewaschen haben? Ein Glück, dass die meisten Lehrer solche Anleitungen nie in der Praxis ausführen. – Holzasche wird tatsächlich in der traditionellen Seifeherstellung verwendet, aber der Vorgang ist um einiges komplizierter…)


Aus einer Rechnungsprüfung für Sechstklässler:

„D ist die Menge aller natürlichen Zahlen, die durch 2 teilbar sind. E ist die Menge aller natürlichen Zahlen, die kleiner als 25 sind. Bestimme die Schnittmenge von A und B.“

(Mein Kommentar: Nur ein kleines Versehen, aber höchst verwirrend für die Schüler.)


Aus einem Rechnungsbuch für die sechste Klasse:

„Berechne die Fläche eines Parkplatzes, der 40 cm breit und 50 cm lang ist.“

(Kein Kommentar…)


Aus der Schülerbeilage einer der meistverbreiteten Zeitungen, unter der Abteilung „Kommunikation“ (ich versuche die Worte und die Satzstruktur so getreu wie möglich wiederzugeben):

„Das literarische Werk existiert, weil es im Schoss der Einsamkeit geboren wurde: es ist die Kreation eines Menschen, der sich durch einen sozialen Kontext definiert. Seine Komplexität und seine Polysemie leiten sich von seiner Natur ab, da, obwohl der Schreiber sein Material gemäss rationalisierter ästhetischer Strukturen ordnet, es ihm nicht möglich ist, sich von seiner eigenen vitalen Erfahrung loszulösen.“

(Mein Kommentar: Das hat ein Kommunikations-Experte für Schüler geschrieben. Also: Kommunikation ist, wenn niemand es versteht.)


Aus einem populärwissenschaftlichen Buch über Physik und Chemie für Sekundarschüler:

Trennung von Substanzgemischen
Beispiel: Eisberge bestehen aus Süsswassereis, obwohl sie sich aus dem salzigen Meerwasser gebildet haben.“

(Mein Kommentar: Tatsache richtig, Erklärung falsch. Eisberge stammen von Inlandgletschern, die logischerweise aus Süsswasser bestehen. In einem Geographiebuch aus derselben Buchreihe wurde das richtig erklärt; aber der Verfasser des Physik- und Chemiebuchs hat anscheinend das Geographiebuch nicht gelesen…)


Aus einem Sekundarschul-Rechnungsbuch:

„Berechne den Winkel, den die Zeiger einer Uhr um 8.20 h bilden. Beachte: Die Uhr ist kreisrund und hat Zeiger.“

(Mein Kommentar: Kennen heutige Schüler keine Zeigeruhren mehr, oder sollen sie für dumm verkauft werden?)


Und die Moral von der Geschicht?
Schulbüchern traue nicht … (zu sehr).

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