Was Europa Perú verdankt

(bzw. Südamerika)

Kartoffeln

Das typische Schweizer Gericht „Rösti“ ist eigentlich gar nicht schweizerisch, denn Kartoffeln waren in Europa vor der Entdeckung Amerikas unbekannt. Auch Pommes Frites, Kartoffelstock, usw. kannten unsere Vorfahren vor gut 500 Jahren noch nicht. Es wird gesagt, dass dank der Einführung der Kartoffel am Anbruch der Neuzeit in Europa eine Hungerkatastrophe vermieden wurde. Aber nicht jedermann wusste mit dem fremdländischen Gewächs umzugehen: Manche versuchten zuerst die grünen, runden Früchtchen oder die Blätter zu essen, bis sie merkten, dass die ins Feuer geworfenen Wurzeln einen unerwarteten Wohlgeruch ausströmten.

Im peruanischen Hochland, dem Herkunftsgebiet der Kartoffel, gibt es heute noch Dutzende von Kartoffelsorten und ähnlichen Knollengewächsen, die in Europa unbekannt sind.  In der Stadt Cajamarca ist z.Z. ein Kartoffelmuseum im Bau.

(Oben: Mashua)

Mais

Auch der Mais stammt aus dem peruanischen Hochland. In der Umgebung von Cusco, im „Heiligen Tal“ der Inkas, gedeihen die grössten Maiskörner der Welt. Auf dem Stadtplatz von Urubamba, dem Hauptort jener Region, ist dem Maiskolben ein Denkmal errichtet worden.

In Europa scheint der Mais nicht so schnell als Nahrungsmittel akzeptiert worden zu sein. In einem Buch von 1921, „Creative Chemistry“, schreibt der amerikanische Autor Edwin E.Slosson:

„Die Ernährungsgewohnheiten ändern sich nur schwer, und die Mehrheit der Einwohner der Alten Welt ignorieren immer noch die Köstlichkeiten des indianischen Puddings, des Maiskuchens, des süssen Maiskolbens und des Popcorn. Ich erinnere mich, wie ich vor dreissig Jahren in London an einem Marktstand einen Haufen verschmähten Popcorns sah, mit einer Anschrift: „Neue amerikanische Süssigkeit. Bitte probieren Sie eines.“ Aber ich war der einzige, der dieser kläglichen Bitte nachgab.
Jedesmal, wenn um Hilfe gebeten wurde bei einer Hungersnot in Armenien, Russland, Irland, Indien oder Österreich, antworteten die Vereinigten Staaten mit einer Schiffsladung Mais; aber ihre Grosszügigkeit kühlte sich ab, als sie entdeckten, dass ihre Gabe als Beleidigung angesehen wurde, oder sogar als Versuch, die verarmte Bevölkerung zu vergiften. Die Leute sagten, sie würden lieber sterben, als so etwas zu essen – und einige starben wirklich.
Das Landwirtschaftsministerium der USA sandte „Maismissionare“ nach Europa, erfahrene Agronomen und Müller und Köche, um Maispudding und Maiskuchen zu verschenken. Aber ihre Werbung machte wenig Eindruck, und heute sagt man den Amerikanern, sie sollten mehr von ihrem eigenen Mais essen, denn die kriegsgeschädigten Europäer würden ihn nicht anrühren. Auf ähnliche Weise rebellierten die Münchner Bettler gegen die Kartoffelsuppe, als der Ernährungspionier Rumford diese transatlantische Mahlzeit einzuführen versuchte.“

Der Autor fährt dann fort mit einer Aufzählung, was in der amerikanischen Industrie alles hergestellt wird aus Mais (bereits vor einem knappen Jahrhundert!): Öl – und aus diesem wiederum Margarine, Seife, Glyzerin, u.a; Gummi; Stärke; Zucker; Klebstoff; Sprengstoff; Alkohol.

Tomaten

Ja, auch die Tomaten stammen aus Südamerika und waren in Europa unbekannt. Keine Pizza, kein Ketchup… Wie die Kartoffeln, so wurden auch die Tomaten in Europa zuerst für nicht essbar und sogar giftig gehalten.

Schokolade

Schokolade ist keine Erfindung von Schweizer Konditoren. Sie stammt ebenfalls aus Amerika. Allerdings nicht aus Perú, sondern aus Mexiko. So steht es in einem Buch über Entdeckungen und Erfindungen:

„Als die Spanier nach Amerika kamen, fanden sie, dass die Azteken ein Getränk tranken, das sie in ihrem Dialekt „Chocolatl“ nannten. Es bestand aus Kakaobohnen, Mais, Honig, Vanille und Gewürzen. Kolumbus nahm 1502 einige Kakaobohnen nach Spanien mit, wo das Rezept des Aztekengetränks verbessert wurde, indem Zucker hinzugefügt wurde. So wurde es zum Modegetränk des europäischen Adels.“

Erdnüsse

Diese werden ja auch heute noch aus Amerika eingeführt. „Spanische Nüssli“ werden sie in der Schweiz genannt; aber natürlich kommen sie nicht aus Spanien, sondern wurden von den Spaniern aus Amerika mitgebracht. Ihr französischer Name, „Cacahuètes“, kommt vom ursprünglichen mexikanischen Namen „Cacahuates“.

Truthühner

Zu Weihnachten wird hier in den meisten Häusern der traditionelle „Pavo“ (Truthahn) serviert. Tatsächlich stammt auch dieses Tier aus Perú und war den Europäern des Mittelalters unbekannt. Es ist ein so peruanisches Tier, dass es (nach Auskunft einer Brasilianerin) in Brasilien „Perú“ genannt wird.

Meerschweinchen

Schon ihr Name besagt, dass diese niedlichen Tiere nicht in Europa heimisch sind: „Schweinchen, die über das Meer kamen“. In ihrer Heimat, dem peruanischen Hochland, dienen sie nicht als Spieltierchen, sondern zur Bereicherung des Speisezettels. In Spezialitätenrestaurants werden gebratene Meerschweinchen als teure Delikatesse serviert. Die meisten Familien halten aber ihre eigenen Meerschweinchen, die jeweils an Geburtstagen und anderen Familienfesten geschlachtet werden.
In manchen Gegenden des Hochlandes gibt es immer noch wilde Meerschweinchen. Diese sind ganz schwarz und werden normalerweise nicht gegessen, da ihr Fleisch nicht so wohlschmeckend ist wie jenes der domestizierten Variante. Dafür werden ihnen von Medizinmännern Heilkräfte nachgesagt.

– In Europa noch nicht wirklich „entdeckt“ worden sind:

Quinua, Kiwicha (auch Amaranth genannt) und Kañiwa

Diese drei unter sich sehr ähnlichen Getreidesorten mit rötlicher Schale gehörten zur traditionellen Ernährung der Inkas. Heute werden sie etwas weniger häufig angebaut, da ihre Ernte und Verarbeitung sehr arbeitsintensiv sind. Sie werden aber von Ernährungswissenschaftern sehr empfohlen, da sie an Proteinen und anderen Nährstoffen reicher sind als andere Getreidearten. Ein Hersteller von Kiwicha-Produkten macht damit Werbung, dass dieses Korn von der NASA als eines der Nahrungsmittel für Astronauten auf Raumflügen ausgesucht wurde.

Quinua wächst auch in unserem Garten.

Kañiwa-Körner

– Nun soll nicht verschwiegen werden, dass auch die amerikanische Ernährung durch europäische Tier- und Pflanzenarten bereichert worden ist. Dazu gehören einige Getreide- und Gemüsearten, und dann insbesondere Kühe und Schafe. Tatsächlich kannten die peruanischen Ureinwohner keine Milch! Das ist schon dadurch belegt, dass es in der Quechua-Sprache keine Wörter für „Milch“ und „Käse“ gibt. (Muttermilch wird „Ñujñu“ genannt, das ist dasselbe Wort wie für „Brust“ und kann nicht auf Tiermilch angewendet werden.) – Und gemäss dem Bericht eines spanischen Chronisten gab es im Hochland von Cusco vor der Ankunft der Eroberer auch keine Fliegen…

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