Archive for Februar 2010

Ausbildung: Besser ohne Schule! (Fraser-Report auf Deutsch)

21. Februar 2010

Immer wieder wird in der Presse und von Lehrerverbänden behauptet, Eltern könnten ihren Kindern zuhause keine angemessene Ausbildung mitgeben, und deshalb müsse die Ausbildung der Kinder durch eine allgemeine Schulpflicht sichergestellt werden. Ausserdem wird behauptet, zuhause erzogene Kinder seien nicht angemessen sozialisiert.

Dabei sind diese Vorwürfe schon längst durch die wissenschaftliche Forschung widerlegt worden. Zuhause erzogene Kinder schneiden in allen Bereichen durchwegs besser ab! Wer das Gegenteil behauptet, ist also entweder ein Ignorant, oder er macht sich der bewussten Irreführung schuldig.

Das Fraser-Institut in Kanada hat es im Jahr 2001 unternommen, die Ergebnisse einer Grosszahl existierender Untersuchungen zum Thema „Homeschooling“ zusammenzufassen und zu veröffentlichen. 2006 wurde diese Schrift nochmals überarbeitet und aktualisiert. (Die Literaturliste umfasst drei kleingedruckte A4-Seiten!) Dieses Dokument liegt jetzt auch in deutscher Übersetzung vor und kann hier heruntergeladen werden.

Die Herausgeber fassen die wichtigsten Ergebnisse der Untersuchungen wie folgt zusammen:

„Das Dokument betrachtet das Phänomen der Bildung zuhause in Kanada und in den Vereinigten Staaten, ihre Gesetzgebung, Geschichte, Wachstum, und die Merkmale derer, die sie betreiben; danach werden die Beobachtungen über die akademischen und sozialen Auswirkungen der Bildung zuhause untersucht. Die Ergebnisse sind:

– Die Bildung zuhause nimmt weiterhin an Popularität bei den Eltern zu, sowohl in Kanada wie in den USA.

– Es gibt gute Gründe, leichtfertigen Vergleichen zwischen Prüfungsergebnissen von zuhause ausgebildeten und anderen Kindern gegenüber skeptisch zu sein, u.a. weil es schwierig ist, vergleichbare Prüfungsbedingungen oder Teilnahmequoten der Schüler sicherzustellen. Dennoch wächst die Anzahl der Gelehrten und Untersuchungen, die die beiden Gruppen vergleichen und ältere Untersuchungen bestätigen.

– Viele Untersuchungen, kanadische, amerikanische und internationale, haben gefunden, dass zuhause ausgebildete Schüler besser abschneiden als Schüler von sowohl staatlichen wie von unabhängigen (privaten) Schulen. Eine Untersuchung in den USA fand, dass zuhause ausgebildete Kinder und Schüler von Privatschulen vergleichbar gute Leistungen erbringen, und dass beide einen grossen Vorteil gegenüber den Schülern von Staatsschulen haben.

– Zuhause ausgebildete Kinder haben keinerlei signifikanten Vorteil, wenn ein Elternteil oder beide Eltern ausgebildete Lehrer sind.

– Überraschenderweise fanden mehrere Untersuchungen, dass die Bildung zuhause dazu beitragen kann, die potenziellen negativen Auswirkungen bestimmter sozial-wirtschaftlicher Faktoren zu beseitigen. Kinder, deren Eltern einen Universitätstitel haben, schneiden zwar akademisch besser ab als andere zuhause ausgebildete Kinder; aber dennoch scheint die Bildung zuhause die schädlichen Auswirkungen eines niedrigen Bildungsstandes der Eltern zu mildern. D.h. Staatsschulen bilden anscheinend Kinder von schlecht ausgebildeten Eltern schlechter aus, als diese schlecht ausgebildeten Eltern selber es tun. Eine Untersuchung fand, dass Schüler, die zuhause ausgebildet wurden von Müttern, die nie die High School (=ungefähr Sekundarschule) beendet hatten, um 55% bessere Ergebnisse erzielten als Schüler von Staatsschulen aus Familien mit vergleichbarem Bildungsstand.

– Entgegen der weitverbreiteten Meinung, zuhause ausgebildete Kinder seien nicht angemessen sozialisiert, weist das Schwergewicht der Untersuchungen auf das Gegenteil hin. Der durchschnittliche zuhause ausgebildete kanadische Schüler nimmt regelmässig an acht sozialen Aktivitäten ausser Haus teil. Kanadische zuhause ausgebildete Schüler sehen viel weniger fern als andere Kinder; und ein Forscher fand, dass sie signifikant weniger Probleme zeigten als Schüler von Staatsschulen, wenn sie im freien Spiel beobachtet wurden.

– Obwohl die Langzeitauswirkungen der Bildung zuhause weniger gut erforscht wurden, sind sowohl die kanadischen wie die amerikanischen Ergebnisse über Erwachsene, die als Kinder zuhause ausgebildet wurden, ermutigend. Kanadische zuhause ausgebildete Schüler sind mit ihrem Leben viel zufriedener als ihre Kameraden aus den Staatsschulen. Amerikanische Untersuchungen fanden Anzeichen einer grossen Bandbreite von nicht-akademischen Vorteilen der Bildung zuhause.“

Die Zahlen und Einzelheiten dazu sind im PDF-Dokument nachzulesen.

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Das zurückeroberte Schiff

14. Februar 2010

Von Bryan Hupperts, 2004

Kürzlich stiess ich auf den folgenden Artikel. Einige Leser werden sich wahrscheinlich darüber ärgern. Aber meiner Meinung nach hat der Autor einen guten Durchblick über die gegenwärtige Situation der „Christenheit“.


Ich träumte, ich reiste auf einem Luxusdampfer, dem guten Schiff Christentum, das seltsamerweise ein umgebautes Schlachtschiff war und zufrieden durch einen trägen blauen Ozean kreuzte. Die Reiseprospekte hatten klaren Himmel versprochen, eine grossartige Zeit, fröhliche Unterhaltung mit einigen der grössten Sprecher und Sänger unserer Zeit, und ein Bankett nach dem anderen mit einer grossen Vielfalt kulinarischer Delikatessen aus der ganzen Welt.

Aus irgendeinem merkwürdigen Grund schien mir, dies sollte eigentlich eine Familienkreuzfahrt sein; aber die Reichsten waren zuoberst in den Luxussuiten untergebracht, abgesondert und beschützt vor uns anderen, die wir in verschiedenen Etagen des Schiffs untergebracht waren, jeder nach seinem Rang gemäss Einfluss und Reichtum. Irgendwie schien das nicht richtig zu sein.

Abgesehen von dieser wachsenden Unruhe, dass etwas auf diesem grossen Dampfer nicht ganz in Ordnung sei, genoss ich es, die ganze Zeit grosse Lehrer und wunderbare Sänger zu hören, umringt von einigen guten Freunden.

Eines Abends, als ich in meine Kajüte kroch, fühlte ich, dass das Schiff zu schwanken anfing. Es war ein sanftes Schaukeln; aber bald schüttelte das Schiff umher wie ein Fisch, der nach Luft schnappt. Die Leute wurden aus ihren Betten geworfen und begannen auf Deck zu klettern. Sank etwa das Schiff?

Ich schwankte wie ein Betrunkener die Treppe hoch und sah einen unvorstellbaren Anblick. Das Deck schwankte gewaltig; und alles, was nicht festgemacht war, wurde durchgeschüttelt. Gepäck und Luxusartikel wurden von den Wellenkämmen über Bord geschwemmt, und es schien, als würde das Schiff in Stücke zersplittern. Und durch die wirbelnde Gischt sah ich etwas, was wie ein anderes Schiff aussah. Ein Piratenschiff?

Leute kamen an Bord und überwältigten uns. Es geschah so schnell, dass es kaum Widerstand gab. Einige von den oberen Decks schrieen: „Ihr könnt das nicht machen! Wir sind die Herren dieser Reise.“ Und eine vermummte Person, in der ich den Kapitän des angreifenden Schiffs vermutete, trat aus dem Schatten und antwortete einfach: „Unter euch soll es nicht so sein, denn es gibt nur einen Herrn.“

Innerhalb weniger Minuten wurden viele Passagiere und Besatzungsmitglieder mit Ketten gefesselt, weil sie nicht „gesetzmässig an Bord gekommen waren“, während die übrigen von uns auf verschiedene Decks gewiesen wurden. Das ganze Schiff befand sich in geordnetem Aufruhr, während jedem an Bord ein neuer Platz zugewiesen wurde. Ein Mann namens Herr Prophet, der während fast der ganzen Reise in Ketten gelegen hatte, weil er „Meuterei geredet“ hatte gegen den früheren, jetzt abgesetzten Kapitän, wurde summarisch freigesprochen und in den Wachtturm gesetzt, um als „Auge“ des Schiffs zu dienen; während ironischerweise seine Ketten dem früheren Kapitän angelegt wurden.

Eine Frau namens Frau Fürbitterin, die als Küchendienerin gearbeitet hatte, wurde in das tiefste Loch des Schiffs gesandt. Ich verwunderte mich über diese Bestrafung, und fragte einen der leuchtenden Soldaten, warum das geschah. Er lächelte und sagte: „Sie ist nahe am Herzen des Kapitäns und braucht die Stille, um mit ihm allein zu sein und sein Herz klar zu hören. Sie hat viele Jahre darum gebeten, zu dieser ‚Strafe‘ befreit zu werden. Es ist ein grosser Ehrenplatz.“

Andere versuchten sich auf ihre frühere Stellung zu berufen, um eine Audienz mit dem Kapitän zu verlangen; aber er ignorierte ihre Prahlereien und schien stattdessen mehr zu den Niedrigen und Demütigen hingezogen zu sein. Er kümmerte sich um niemandes Rang oder Status.

Die starken Motoren des Schiffs wurden abgeschraubt und wie nutzlose, tote Gewichte in die Vergessenheit des Ozeans versenkt! Ein Mast wurde errichtet, und innerhalb weniger Momente war das Schiff kein Dampfer mehr, der aus eigener Kraft fuhr, sondern ein Segelschiff. Die alte Rüstungskammer, die fest verschlossen war, wurde wieder geöffnet, und die darin befindlichen Waffen wieder an ihrem Ort montiert. Das Schiff war wieder ein Schlachtschiff. Viele der Sänger gaben ihren Unterhaltungsjob auf und begannen Anbetung darzubringen auf dem Kriegsschiff. (Im Original ein unübersetzbares Wortspiel: „worship on the warship“. – Anm.d.Ü.) Den Sprechern wurde ein Befehl erteilt: „Hört auf, nur zu reden, und lehrt mit eurem Beispiel. An eure Arbeitsplätze!“

Einige, die während der Fahrt ihre Mitpassagiere geschlagen hatten, wurden öffentlich gedemütigt, als eine schnelle Gerichtsverhandlung stattfand. Jenen, die ihre Mitpassagiere missbraucht hatten, wurde erlaubt, auf dem Schiff zu bleiben, und überraschenderweise wurden sie als Gäste des Kapitäns behandelt; aber alles, was sie hatten, wurde ihnen weggenommen. Es gab eine schnelle Umverteilung von Besitz und Pflichten, während jeder an einen Platz gesetzt wurde, der jetzt plötzlich richtig schien. Wir waren nicht mehr geteilt in Mannschaft und Passagiere, sondern alle waren einfache Mannschaftsmitglieder und Kameraden, vereint unter einem einzigen Kapitän.

Der Kapitän versammelte die ganze Schiffsgesellschaft. Mit einer Flasche neuen Weines in der Hand sagte er kurz: „Ich komme zu befreien, nicht zu versklaven! Ich bin gekommen, um zurückzufordern, was mir als Geburtsrecht gehört. Ich habe dieses Schiff zurückerobert, das mir die Piraten gestohlen haben. Es heisst jetzt nicht mehr Christentum, sondern ich gebe ihm seinen wahren Namen zurück: Das gute Schiff Erlösung!“

Er brach den Hals der Weinflasche ab. „Alle, die wollen, dürfen gratis an Bord gehen, denn der Fahrtpreis ist bereits vollständig bezahlt. Wir setzen Segel in Richtung auf das Reich meines Vaters. Rebellen und Meuterer, nehmt euch in acht! Der Tag der Abrechnung nähert sich schnell. Siehe, ich komme bald!“

Beifall stieg auf von der Mannschaft, als die Segel aufgezogen wurden. Ein plötzlicher Wind aus dem tiefsten Himmel begann zu wehen und trieb das Schiff vorwärts gegen ein noch nicht sichtbares Land. Das letzte, was ich sah, war der echte Kapitän am Steuer, mit einem fröhlichen, aber entschlossenen Gesicht für die kommende Reise. Ich fühlte, dass aufgewühlte Wasser der Drangsal vor uns lagen, und ich wusste, dass wir nur mit dem wahren Kapitän am Steuer unser Ziel sicher erreichen konnten.

(Original veröffentlicht auf Englisch bei http://sheeptrax.com )

Homeschooling ist ein Menschenrecht! – USA gewährt Deutschen politisches Asyl

5. Februar 2010

Der Fall machte kürzlich Schlagzeilen: Ein amerikanisches Gericht hat der deutschen Familie Romeike politisches Asyl gewährt, weil sie in Deutschland verfolgt wurden wegen ihrer Entscheidung, ihre Kinder selber zu erziehen. Damit ist jetzt offiziell festgestellt worden, dass die deutsche Regierung (mehrmals auch von EU-Instanzen gedeckt) mit ihrem Vorgehen gegen „Homeschooler“ grundlegende Menschenrechte massiv verletzt.

Ich habe mir ein paar Pressestimmen und Kommentare dazu angesehen. Grösstenteils traurig, was dazu geschrieben und gedacht wird (zumindest im deutschen Sprachraum):

Da wird gedankenlos die Argumentation deutscher Regierungsstellen und Lehrerverbände wiederholt, Eltern könnten ihren Kindern keine angemessene Bildung vermitteln, und deshalb müsse die Schulpflicht mit Gewalt durchgesetzt werden. Dabei ist schon längst durch die Forschung gezeigt worden, dass genau das Gegenteil der Fall ist: Zuhause ausgebildete Kinder sind generell den Schulkindern überlegen, nicht nur intellektuell, sondern auch psychologisch und sozial. (In einem späteren Artikel gedenke ich konkrete Daten dazu zu veröffentlichen. – Nachtrag: Ist hiermit geschehen!)

Ein zweites häufiges „Totschlag-Argument“ in den deutschen Kommentaren war, die Romeikes seien religiöse Fundamentalisten und deshalb habe der Staat das Recht, ihnen ihre Überzeugungen zu verbieten. Da muss man sich wirklich fragen, auf welcher Seite die Intoleranz liegt: auf der Seite einer Familie, die einfach ihren Überzeugungen nachleben will, ohne andere Menschen zu belästigen; oder auf der Seite eines Staates, der solche Überzeugungen unter Gewaltanwendung verfolgt? – Ich erlaube mir hier die neue Wortschöpfung „Staatsfundamentalisten“: für alle jene, die glauben, der Staat hätte das Recht, seinen Bürgern eine bestimmte Ideologie aufzuzwingen und Andersgläubige zu verfolgen.

Und ein dritter Punkt, wo ich mich beklommen frage, was für ein gesellschaftliches Klima zur Zeit in deutschen Landen herrscht (ich wohne ja zum Glück weit weg…): Kaum ein Kommentator zeigte irgendwelches Mitgefühl mit dem unsäglichen Leiden, das die Familie Romeike auf sich nehmen musste: Unverhältnismässige Geldbussen und Enteignungen, als sie die Bussen nicht mehr bezahlen konnten; monatelange Gerichtsstreitigkeiten; Drohungen mit Gefängnis und Kindesentzug; zweimal drang die Polizei in ihr Haus ein, um die Kinder gewaltsam zur Schule zu schleppen. Das alles wird offenbar in Deutschland heute als normal empfunden?! – Kommentatoren behaupteten, die Familie Romeike schade mit ihrer Erziehung ihren eigenen Kindern. Aber kaum jemand fragte danach, was für Schädigungen diese Kinder durch das brutale Vorgehen der deutschen Behörden erlitten haben.

Es handelt sich ja nicht um einen Einzelfall. Wer im deutschsprachigen Bereich des Internets nach „Homeschooling“, „Bildungsfreiheit“ usw. sucht, wird bald auf weitere ähnliche Horrorgeschichten stossen. Eltern, die in Deutschland ihre Kinder selber erziehen, müssen damit rechnen, dass sie ihr Hab und Gut verlieren, ins Gefängnis gesperrt werden, ihre Kinder in Heime oder psychiatrische Kliniken zwangsinterniert werden, und dass sie sogar im Ausland noch von deutschen Behörden weiter verfolgt werden.

Dass es sich hier tatsächlich um politische Verfolgung handelt, ist jetzt im amerikanischen Asylverfahren klar festgestellt worden. Im Blog „Freie Bildung“ wurde die Urteilsbegründung detailliert dargestellt und kommentiert. Ebenso wurde herausgestellt, dass der „religiöse Fundamentalismus“ nur ganz am Rande etwas mit der Sache zu tun hat (deshalb der Titel des Blog-Artikels: „Der Religionskrieg lebt“), sondern dass es um die Grundüberzeugung geht, Kindererziehung gehöre in die Familie.

Da die Zitate in dem erwähnten Blog-Artikel auf Englisch sind, habe ich hier einige davon übersetzt:

Verfolgung

(…) Herr Romeike und seine Frau und Kinder erlitten ständige Verfolgung, weil sie ihre Kinder zuhause ausbildeten. Nachstehend eine nicht vollständige Liste der Verfolgung, die sie erlitten:

Bedrohung:
(Es werden acht Vorfälle innerhalb von drei Monaten aufgeführt, wo der Familie von Behörden und Polizei konkret Bussen, Polizeigewalt und andere Zwangsmassnahmen angedroht wurden.)

Körperliche Schädigungen:
Am 20.10.2006, um ca. 7.30 Uhr, betraten bewaffnete und uniformierte Polizeibeamte das Heim der Romeikes. Ohne einen schriftlichen Befehl zu haben, führten die Beamten die Kinder gewaltsam ab und fuhren die weinenden, traumatisierten Kinder zu der staatlichen Schule.
Am 23.10.2006, um ca. 8.30 Uhr, kamen wiederum bewaffnete und uniformierte Polizeibeamte zum Heim der Romeikes, um die Kinder gewaltsam wegzuführen. Sie hätten damit Erfolg gehabt, wenn nicht eine Gruppe deutscher Bürger vor dem Heim der Romeikes protestiert hätte.

Einschüchterung und Verachtung:
Im November 2006 wurden Herr und Frau Romeike von Dr.Klein konfrontiert, der zu dem Treffen unangekündigt einen Beamten des Jugendamts mitbrachte (welches das Recht hat, den Eltern ihre Kinder wegzunehmen).
Die deutschen Behörden dispensierten die Kinder Romeike vorübergehend vom Schulbesuch, begründet mit einem Arztzeugnis vom 13.November 2006, wonach ein zwangsweiser Schulbesuch den Kindern unangemessenen Stress mit psychosomatischen Konsequenzen bereiten würde. (…) Diese Begründung alarmierte Herrn und Frau Romeike, weil solche Gründe in anderen Fällen in Deutschland dazu benützt worden waren, zuhause ausgebildete Kinder zwangsweise in eine psychiatrische Klinik einzuweisen und sie den Eltern wegzunehmen.
Die deutschen Behörden, inbegriffen Zivilrichter, lehnten ständig die Argumente der Romeikes ab betreffend ihr Gewissen, elterliche Rechte, und die Freiheit in der Wahl der Bildung.

Geldbussen und Enteignung:
(Es werden sieben Fälle aufgeführt, wo die Romeikes gebüsst wurden, insgesamt mit einem fünfstelligen Betrag, und der Androhung einer Zwangsenteignung. Das Enteignungsverfahren war bereits eingeleitet worden, als die Familie in die USA floh.)

Im weiteren wird begründet, dass die Verfolgung von „Homeschoolern“ in Deutschland eindeutig auf ihrer Zugehörigkeit zu einer definierten sozialen Gruppe mit bestimmten Überzeugungen beruht:

Homeschooler, als Mitglieder einer besonderen und sichtbaren sozialen Bewegung, können ihrem Gewissen in jedem grösseren westlichen Land folgen, mit Ausnahme von Deutschland. Die deutsche Regierung, unterstützt von den höchsten Gerichten, hat stattdessen eine Position der offiziellen Intoleranz gegen diese besondere soziale Gruppe eingenommen. Das deutsche Bundesverfassungsgericht stellte fest, dass die deutsche Regierung ein berechtigtes Interesse daran hat, auf individuelle Homeschooler abzuzielen, mit dem eigentlichen Zweck, die Homeschool-Bewegung zu unterdrücken und diese besondere soziale Gruppe an ihrer Ausbreitung zu hindern.

(…) Die besondere soziale Gruppe, zu der Herr Romeike gehört, besteht aus jenen Eltern, die aus religiösen, politischen, sozialen, akademischen oder Gewissensgründen ihre Kinder nicht in staatlich genehmigte Schulen schicken, sondern sie zuhause erziehen. (…) Ihre religiösen und Gewissensüberzeugungen sind so grundlegend für ihre Identität, dass sie nicht gezwungen werden sollten, diese zu ändern. Homeschooler in Deutschland sind ohne Frage eine besondere soziale Gruppe.

(Anm: Das wird herausgehoben, weil Verfolgung aufgrund der Zugehörigkeit zu einer besonderen sozialen Gruppe ein Grund für politisches Asyl ist.)

(Die Verfolgung dieser Gruppe) wird bewiesen durch das Zeugnis der zahlreichen Familien, die diesem Gericht eidesstattliche Erklärungen vorgelegt haben. Der deutsche Staat betrachtet Homeschooler als eine soziale Gruppe und hat ministerielle Erklärungen über Homeschooling abgegeben, sowohl auf Bundes- wie auf Länderebene. Bezeichnend ist hierzu das Urteil des deutschen Bundesverfassungsgerichts, wonach die Regierung berechtigt sei, Homeschooler zu unterdrücken, „um der Entwicklung religiös oder philosophisch motivierter Parallelgesellschaften entgegenzuwirken“.
(…) Eltern, die ihr Menschenrecht auf die Ausbildung und Erziehung ihrer Kinder in der Form von Homeschooling ausüben, haben gemeinsame Merkmale, die sie zu einer erkennbaren Gruppe machen und sie von der allgemeinen deutschen Gesellschaft unterscheiden. Somit ist der deutsche Staat motiviert, Herrn Romeike zu verfolgen, weil er ein Homeschooler ist.
(…) Der deutsche Staat nimmt Homeschooler aufs Korn, nicht wegen der individuellen bildungsmässigen Folgen für jedes Kind, sondern wegen der mutmasslichen weiteren Folgen für die Gesellschaft. Deutsche Beamte gehen gegen Homeschooler härter vor als gegen Eltern von Kindern, die einfach die Schule schwänzen und keinerlei Bildung erhalten, weder in der Schule noch zuhause.
Anscheinend mit dem Segen des Verfassungsgerichts in Konrad, bewirkt das harte Vorgehen gegen Homeschooler einen Terroreffekt, um andere Mitglieder derselben sozialen Gruppe abzuschrecken, sowie Menschen aus der allgemeinen Bevölkerung, die gerne dieser Gruppe beitreten würden. Das harte und gezielte Vorgehen der deutschen Regierung gegen Homeschooler trägt dazu bei, diese besondere soziale Gruppe zu definieren, beweist deren Existenz, und zeigt den Zusammenhang zwischen der Schädigung und dem geschützten Grund für die Gewährung von Asyl.

(…) Im vorliegenden Fall würden andere westliche Staaten kein Verbrechen sehen, da sie Homeschooling erlauben. Die Schwere der Bestrafung, der Herr Romeike unterzogen wurde (…), ist völlig unverhältnismässig im Vergleich zu dem geringen Vergehen. Seine politische Ansicht, dass es ihm erlaubt sein solle, seine Kinder zuhause auszubilden, ist motiviert durch seine religiöse Sicht von seiner Rolle als Vater. In diesem Fall besteht die „Natur der Tat“ darin, seinen Kindern eine gute Erziehung zu geben; aber der deutsche Staat hat dies als irrelevant angesehen. (…) Es ist klar, dass die gerichtliche Verfolgung gegen Herrn Romeike sich auf seine politische Ansicht gründet, seine Kinder zuhause ausbilden zu sollen (…). Dass der Staat überhaupt nicht um die Qualität der Ausbildung der Kinder besorgt war, zeigt, dass die Verfolgung politisch ist, nicht einfach bildungsmässig.
(…) Auch die Beweise, dass die Bestrafung für eine politische motivierte Tat unverhältnismässig ist, können auf Verfolgung aufgrund politischer Ansichten hinweisen, statt rechtmässiger gerichtlicher Verfolgung. Wie oben behandelt, ist die Bestrafung für die politische Tat des Homeschooling unverhältnismässig. Das beweist nicht nur, dass es sich wirklich um Verfolgung handelt (…); es beweist auch, dass die Verfolgung wegen Herrn Romeikes politischer Ansicht geschieht.

Wie das amerikanische Gericht festgestellt hat, ist also der einzige „religiöse“ Konfliktpunkt in dieser Auseinandersetzung Herrn Romeikes Überzeugung über seine Aufgabe als Vater – eine Überzeugung, die er durchaus auch mit nichtreligiösen oder „anders religiösen“ Menschen teilt. Der Kern der Auseinandersetzung ist politisch: wer hat das Recht, Kinder zu erziehen, die Eltern oder der Staat?

Nun möchte ich auch noch positiv einen Medienkommentar erwähnen, wo offenbar jemand gemerkt hat, worum es geht. Unter dem Titel „Deutschland muss noch viel lernen“ sagt ein Kommentator des WDR u.a.

Wenn hier einer spinnt, dann ist es Deutschland mit seiner obrigkeitsstaatlichen Tradition, die für Länder, die aus Freiheitswillen entstanden, unbegreiflich, ja geradezu abstoßend ist. Die USA sind geboren als eine Nation gegen die damals in Europa herrschende Unfreiheit und Unterdrückung. Grundlegend ist die Überzeugung, dass die Menschen nicht dem Staat gehören, sondern sich selber, und dass der Staat nur eine dienende Funktion hat (…)
Durch die Bank führt aber der Hausunterricht nicht zu schlechteren Ergebnissen, ganz im Gegenteil: durchweg sind sie besser als die der staatlichen Schulen.
Wenn es nicht nur im großen Wissenschaftsland USA und in mehr als einem Dutzend renommierter Staaten Mitteleuropas ohne Schulzwang geht, dann stimmt doch was mit Deutschland nicht. Und so ist es: Es hat ein Bildungsdefizit in punkto Freiheit. Es muss noch viel lernen.