Archive for Mai 2010

Rückblick auf ein Ferienprogramm

29. Mai 2010

Eigentlich ist es viel zu spät, diesen Rückblick zu schreiben. Unser Ferienprogramm mit den Kindern fand im Januar/Februar statt (= grosse Schulferien in Perú). Aber bis jetzt kam ich nicht dazu…

Die Schulferien gaben uns eine Gelegenheit, die Kinder nach einem eigenen Plan zu unterrichten, ohne den Druck der staatlichen Lehrpläne, der sich in der „gewöhnlichen“ Hausaufgabenhilfe immer niederschlägt. Ganz frei vom Leistungsdruck sind die peruanischen Schulkinder aber selbst in den Schulferien nicht: Wer im Vorjahr in einem Fach eine ungenügende Note hatte, ist verpflichtet, auch in den Ferien die Schule zu besuchen oder den Besuch eines entsprechenden Nachhilfeunterrichts nachzuweisen. (Das hängt zusammen mit einer unsinnigen und undurchführbaren neuen Verordnung des Erziehungsministeriums, wonach sämtliche Kinder im selben Alter dieselben Lernziele zu erreichen haben, d.h. es sollten möglichst keine Kinder spät eingeschult werden und keine Klassen wiederholt werden – für Kinder, die die Ziele nicht erreichen, wird das Unterrichtspensum erhöht bis zum Umfallen. Wie es den Kindern dabei geht, fragt niemand…)

Interessant war jetzt aber zu sehen, dass manche dieser „nachhilfebedürftigen“ Kinder nach den Ferien ihre Schulleistungen verbessert hatten, obwohl wir gar nicht den Stoff durchgenommen hatten, den sie „offiziell“ hätten nachholen sollen. Statt nach theoretischen Erklärungen für dieses Phänomen zu suchen, erzähle ich einfach ein wenig davon, was wir machten.

Wir hatten drei Hauptziele: Den Kindern eine „Verschnaufpause“ vom Schulunterricht zu geben; ihnen etwas vom christlichen Glauben mitzugeben; sowie einige Lücken in ihren schulischen Fähigkeiten zu stopfen, nicht als „Wissensanhäufung“, sondern auf sinnvolle Weise. – Das Gleichgewicht zwischen diesen drei Zielen zu finden, war nicht immer einfach, aber ich denke, wir haben einen einigermassen gangbaren Mittelweg gefunden. (more…)

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Säure-Base-Indikator, hausgemacht

8. Mai 2010

Ein Säure-Base-Indikator ist ein Farbstoff, der je nach dem Säuregrad (pH-Wert) seine Farbe ändert. Ein „Muss“ für unser Freizeitchemiker-Hauslabor! – Der bekannteste natürliche Indikator ist Rotkohlsaft. Leider ist Rotkohl in unserer Gegend unbekannt. Wir fanden aber durch Probieren heraus, dass derselbe Farbstoff auch im rötlichen Teil der Schale von Räben (für Nicht-Schweizer: weisse Rüben) enthalten ist, die in unserem Garten wachsen. (Ausserdem auch in den Blütenblättern von vielen Blumen wie z.B. Geranien, roten Rosen, Hortensien, u.a; dort aber oft vermischt mit anderen Farbstoffen.)

Das übliche Verfahren besteht darin, die Räbenschalen (pardon, weisse Rüben) bzw. den Rotkohl aufzukochen und den Saft aufzubewahren. Dieser ist aber nicht allzulange haltbar. Jemand kommentierte im Internet, man könne den Rotkohl bzw. die Schalen trocknen und so aufbewahren, und jeweils bei Bedarf die Indikatorflüssigkeit herstellen.

Als Alternative fanden wir, dass man den Farbstoff auch in Alkohol auflösen kann. Er ist im Alkohol sogar besser löslich, sodass Aufkochen unnötig ist: man kann die Schalen einfach einen Tag lang im Alkohol liegen lassen. Die entstehende Lösung ist jedoch sehr verdünnt. Wir haben deshalb denselben Alkohol mehrmals für jeweils neue Räben-/Rübenschalen verwendet. So nahm die Konzentration des Farbstoffs zu. Der Kohlgeruch auch; das hat aber ausser Nasenrümpfen bis jetzt keine unerwünschten Nebenreaktionen hervorgerufen.

Die alkoholische Lösung ist viel besser haltbar als die wässrige Lösung. Man muss sich jedoch jeweils vergewissern, dass der Alkohol nicht auf unerwartete Weise mit den zu prüfenden Substanzen reagiert.

Lackmuspapier kann man so auch herstellen, indem man einen Streifen saugfähiges Papier (z.B. Zeitungspapier) in die konzentrierte alkoholische Lösung einlegt und dann an der Luft trocknen lässt.

Verschiedene haushaltübliche Substanzen können verwendet werden, um den pH-Indikator zu testen. Z.B:

Säuren: Essig, Orangen- oder Zitronensaft (überhaupt die meisten Fruchtsäfte), Erfrischungsgetränke, Entkalkungsmittel.

Basen: Reinigungsmittel, Backsoda, Medikamente gegen Magenbrennen, gelöschter Kalk, (weisse) Holzasche.

Den Farbwechsel eines pH-Indikators zu beobachten, gehört zu den faszinierendsten Chemie-Experimenten für Kinder. Nachdem sie einmal verstanden hatten, wie der Indikator reagiert, war der nächste Schritt, eine Säure allmählich mit einer Base zu neutralisieren (oder umgekehrt) und den Punkt der Neutralisation festzustellen. Als dritter Schritt wurde dieser Vorgang dann quantitativ gemessen und berechnet (Titration).