Krise in den evangelischen Gemeinden

Von Guillermo Green

Eine nüchterne Betrachtung der Situation der evangelischen Gemeinden Lateinamerikas. Gefunden auf Spanisch im Blog http://tiempospeligrosos.com. Die nachfolgende Betrachtung kann durchaus auch der europäischen Christenheit etwas zu sagen haben.

(Vorbemerkung des Übersetzers: Die spanische Sprache kennt die spitzfindige Unterscheidung zwischen „evangelisch“ und „evangelikal“ nicht. Kirchen, die den lutherischen oder reformierten Landeskirchen im deutschsprachigen Raum vergleichbar wären, gibt es in Lateinamerika nicht. „Evangelisch“ bedeutet in diesem Zusammenhang also vorwiegend „evangelikal“ bzw. „pfingstlich“, wobei die lateinamerikanischen „Evangelikalen“ aber schon ziemlich stark von der liberalen Theologie und vom Ökumenismus beeinflusst sind.)

Als Jorge Gómez sein Buch schrieb, „Das Wachstum und der Abfall in den evangelischen Gemeinden von Costa Rica“ (INDEF, 1996), ignorierten viele Pastoren seines Landes diese Studie, oder noch schlimmer, sie verlachten ihn als einen weiteren „Spielverderber“. Sie hätten besser auf ihn gehört. Edward Cleary, ein Missionar in Bolivien und Perú und z.Z. Professor für lateinamerikanische Studien am Providence College, Rhode Island, hat soeben bestätigt, dass nicht alles zum Besten bestellt ist in den evangelischen Gemeinden in Lateinamerika. Tatsächlich geht es ihnen schlecht.

Während der letzten Jahrzehnte richtete sich viel Aufmerksamkeit auf die Personen, die die katholische Kirche verliessen, um sich evangelischen (vorwiegend pfingstlichen) Gemeinden anzuschliessen. Es wurden viele Artikel geschrieben, Umfragen angestellt, und Siegesgesänge angestimmt – wie z.B. die angeblichen Zahlen aus Guatemala, wonach 50% des Landes evangelisch sein sollen. Aber unsere Brillen waren nicht richtig eingestellt; wir litten unter Kurzsichtigkeit. Während viele Menschen die katholische Kirche verliessen, erstarkten gleichzeitig die einheimischen Religionen, und eine „Erweckung“ des alten amerikanischen Heidentums ist unterwegs. Das bedeutet, dass nicht alle, die die katholische Kirche verliessen, sich den Evangelischen anschlossen. Ebenso wachsen z.Z. die östlichen Religionen inbegriffen „New Age“, der Buddhismus und der Gnostizismus, auf aufsehenerregende Weise. Und da diese Bewegungen keine eigentliche „Mitgliedschaft“ haben, ist es schwierig, die Anzahl ihrer Anhänger festzustellen – zumal viele gleichzeitig die katholische oder evangelische Religion praktizieren. Die Pfingstbewegung selber hat eine Wandlung erlebt und ist in vielen Regionen zu einer neuen Religion geworden, zu einer Neo-Pfingstbewegung, die „Gesundheit, Wohlstand und Sieg“ betont. Und während die alte Garde weiterhin proklamiert: „Wir haben Erweckung“, müssen wir uns heute fragen: „Erweckung welcher Religion?“ Als Tatsache bleibt, dass die letzten drei Jahrzehnte massive Bewegungen von einer Religion zur anderen gesehen haben. Anscheinend gehen diese Bewegungen gegenwärtig weiter. Und anscheinend ist die evangelische Kirche von ebendiesem Prozess sehr betroffen.

Heute gibt es bessere Kriterien und tiefergehende Untersuchungen des Phänomens, das Lateinamerika erlebt. Es ist schon fast „Mode“ geworden, seine Religion zu wechseln. Das Problem ist, dass somit für viele ihre „Bekehrung“ zum evangelischen Glauben nichts weiter ist als eine Mode. Betrachten wir einige Statistiken.

Ziffern und Zahlen

Die Wissenschaft der Umfragen und Ziffern ist schwierig. Wir ziehen den Hut vor jenen, die diese wertvollen Untersuchungen anstellen. Der Optimismus hat jedoch die Evangelischen auf beklagenswerte Weise beeinflusst bei ihren Umfragen. Z.B. veröffentlichte Johnstone in „Operation World“ 1993, dass 27,9% der Chilenen Protestanten seien, davon 25,4% der Chilenen Pfingstler. Aber eine sorgfältige Volkszählung von 1992 zeigte, dass nur 12,4% evangelisch waren. 2002 lag die Zahl bei etwa 16%. In Brasilien war das Wachstum der evangelischen Kirchen sehr schnell; wahrscheinlich wohnt die Hälfte der lateinamerikanischen Evangelischen in Brasilien. 1993 sagte Johnstone, dass dort 21,6% der Bevölkerung evangelisch waren; aber das kontrastiert mit der Volkszählung von 2000, die den Prozentsatz der Evangelischen mit 15,4 angibt.

(Anm. d. Ü: Vor Jahren habe ich persönlich im peruanischen Zweig von „DAWN“ mitbekommen, wie deren Statistiken zustandekommen. Man geht dort grundsätzlich davon aus, dass auf jedes evangelische Gemeindemitglied zwei „Sympathisanten“ kommen, die die Gemeinde besuchen und von ihrer Überzeugung her ebenfalls evangelisch sind. Somit wird die Zahl der eingeschriebenen Mitglieder mit drei multipliziert und dies als die Zahl der Evangelischen angegeben. – In Wirklichkeit kann aber selbst von den eingetragenen Mitgliedern nur eine kleine Minderheit eine persönliche Wiedergeburt bezeugen.)

Während vielen Jahren haben wir gehört, dass Guatemala bereits zu einem „evangelischen“ Land geworden sei, mit über 50% Evangelischen. Aber die Wirklichkeit ist anders. Seit anfangs der 90er Jahre ist anscheinend das Wachstum der Evangelischen bei 25% der Bevölkerung stehengeblieben. Mehrere Umfragen haben ähnliche Ziffern gezeigt und bestätigt, dass der Anteil der evangelischen Bevölkerung nicht zunimmt. Obwohl die Bekehrungen weitergehen, wächst die evangelische Bevölkerung nicht. Das ist ein Anzeichen schwerwiegender Probleme.

Eine Untersuchung über den Gottesdienstbesuch in Chile zeigte, dass weniger als die Hälfte der Pfingstler wöchentlich den Gottesdienst besuchen, und ein Drittel besucht ihn fast nie. Der Nominalismus in den Pfingstgemeinden hat nicht nur stark zugenommen, sondern ist erlaubt. Auch in anderen Denominationen finden wir hohe Anteile von Nominalismus. In Mexico fand man ähnliches: weniger als die Hälfte der Evangelischen sind in der Gemeinde aktiv, und ein grosser Anteil besucht die Gottesdienste nie.

Das Verlassen der Gemeinde

Es gibt mehr und mehr Anzeichen, dass viele Personen nicht nur aufhören, den evangelischen Glauben zu praktizieren, sondern den Protestantismus überhaupt verlassen: Bowen fand, dass 43% jener Lateinamerikaner, die in protestantischen Gemeinden aufwuchsen, als Erwachsene keine Protestanten mehr sind. Und er fand, dass 68% jener, die in den 80er Jahren in protestantischen Gemeinden Mexicos getauft wurden, vor dem Jahr 1990 die Gemeinden verlassen hatten. Es wird geschätzt, dass für andere Länder ähnliche Zahlen gelten. Wir sehen, dass während mehr Personen sich „bekehren“, sie ebenso die Gemeinden verlassen. Eine typische Antwort ist: „Ihre Bekehrung war nicht echt.“ Aber wie können die evangelischen Gemeinden sich so irren, dass sie falsche „Bekehrungen“ registrieren? Wo bleibt die Verantwortung der Gemeinde? Wo ist das Unterscheidungsvermögen der Leiter? Oberflächliche Entschuldigungen überzeugen nicht, und helfen auch nicht. Die evangelischen Leiter müssen sich der Situation stellen, die sie verursacht haben. Es ist Zeit, uns den schwierigen Fragen zu stellen.

Wir können nicht mehr über „Bekehrungen“ sprechen, ohne gleichzeitig über den „Abfall“ zu sprechen. Es hat keinen Sinn, von „Wachstum“ zu sprechen, wenn wir nicht gleichzeitig auch von „Nominalismus“ und „Auszug“ sprechen. Es hat keinen Sinn, von „Evangelisation“ zu sprechen, wenn unsere eigenen Kinder nicht in unseren Gemeinden bleiben! Der Ungehorsam hat einen hohen Preis. Vor 20 Jahren rief Dr.René Padilla zu Jüngerschaft und Lehre in den Gemeinden auf, und zeigte, dass die evangelischen Jugendlichen mit Leichtigkeit von jeder anderen Bewegung weggeführt wurden. Padilla sprach als Pastor, der empirisch beobachtete. Heute sehen wir die Ergebnisse auf regionaler Ebene, und das Bild ist traurig. Das falsche Fundament, das viele evangelische Gemeinden zurückliessen, könnte mit einem grossen Zusammenbruch enden. Ist das der Grund, warum ständig neue Moden erfunden werden und so viele Menschen anziehen? Hat der historische Protestantismus nichts zu bieten? Oder wurde der historische Protestantismus gar nie gegründet?

Vom Katholizismus zum Protestantismus – vom Protestantismus in die Welt

Jahrhundertelang war die grosse Mehrheit der Lateinamerikaner religiös, glaubten an Gott, praktizierten irgendeine Art des Gottesdienstes oder betrachteten sich zumindest Teil einer Religion. Aber das ändert sich. Die Anzahl jener nimmt zu, die sich als „nicht-religiös“ oder „Atheisten“ bezeichnen. Einige jener, die von der katholischen Kirche zur evangelischen wechselten, sind zur katholischen Kirche zurückgekehrt. Aber viele haben die evangelische Kirche verlassen, um gar keine Religion mehr zu praktizieren. Eine Umfrage von Steigenga in Costa Rica und Guatemala fand, dass ein grosser Prozentsatz jener, die sich heute religionslos nennen, früher evangelisch waren. 57% der Religionslosen gaben an, eine wunderbare Heilung erlebt zu haben. 37% sagten, eine persönliche Bekehrung erlebt zu haben, und 13% sagten, in Zungen gesprochen zu haben. Die Umfragen zeigen, dass heute 12% der Bevölkerung in Guatemala keinerlei religiöse Bindung haben. Dieselben zunehmenden Zahlen finden wir auch in Costa Rica.

In Mexico fand Bowen, dass 43% der Personen, die in evangelischen Familien aufwuchsen, sich mit keiner Religion mehr identifizieren. Dasselbe geschieht in Guatemala und Costa Rica. Viele Menschen verlassen die evangelischen Gemeinden, um „nichts“ mehr zu sein in religiöser Hinsicht.

Schlussfolgerungen

Diese Untersuchungen verlangen von uns eine ehrliche Selbstprüfung unserer Praxis und unserer Theologie. Wie Cleary sagt, angesichts dieser hohen Zahlen des Abfalls genügt es nicht, den Menschen die Schuld zu geben, die „aus Mangel an Hingabe in die Welt zurückkehren“. Angesichts dieses Phänomens muss die evangelische Gemeinde ihr ganzes Programm unter die Lupe nehmen. Ich möchte nur zwei Punkte nennen, die mir wichtig scheinen.

1. „Bekehrung“ ohne Umkehr.

Die vorherrschende Praxis in den evangelischen Gemeinden heute ist es, zu einer „Entscheidung für Christus“ aufzurufen. Aber diese oberflächlichen „Entscheidungen“ sind der Ausgangspunkt des ganzen Übels, das wir erleben. Es ist sehr klar in der Bibel, dass Jesus eine gute Kenntnis dessen verlangte, was der „Bekehrte“ annimmt. Wenn die Volksmengen ihm folgten, achtete Jesus besonders darauf, sich zu versichern, dass sie sich keine falschen Hoffnungen machten. In Lukas 14 z.B. warnte er die Menge: „Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, kann nicht mein Jünger sein“ (Lukas 14,27). Und er ermahnte sie, die Kosten der Jüngerschaft zu berechnen (v.28-33). Bei vielen anderen Gelegenheiten erklärte Jesus, dass Jüngerschaft bedeutet, sich selbst zu verleugnen und Jesus als einzigen Herrn und König anzuerkennen. Deshalb begann Jesus seine Verkündigung damit, dass er sagte: „Das Reich Gottes ist nahe gekommen, KEHRT UM und glaubt an das Evangelium.“

Da die evangelische Kirche evangelisierte, ohne eine Umkehr zu verlangen, hat diese Kirche nicht-reuige „Christen“ produziert, und hat vielen die Erlösung und das ewige Leben versprochen, ohne dass sie die Bedingungen erfüllten, die Gott verlangt. Diese verdrehte Praktik hat verdrehte „Christen“ und verdrehte Gemeinden produziert. Und es überrascht nicht, dass eine nicht-reuige Person, die in eine Gemeinde voll von anderen nicht-Reuigen kommt, bald feststellt, dass sie diese Gemeinde gar nicht braucht, um sein nicht-reuiges Leben zu leben! Und wir haben die Zahlen zur Hand, die es beweisen. Der Auszug so vieler Personen aus den Gemeinden zeigt ein schwerwiegendes Problem in unserer Form der Evangelisation. Der Eifer um „Entscheidungen für Christus“ kommt sehr wahrscheinlich aus dem Fleisch – wir wollen Zahlen sehen, und sagen den Menschen leichthin, sie sollten „Christus aufnehmen“, obwohl ihr Leben nichts davon zeigt. Im Gegensatz dazu sandte Jesus seine Gemeinde aus, um JÜNGER zu machen, Nachfolger Jesu, „indem ihr sie lehrt, alles zu halten, was ich euch aufgetragen habe“ (Matth.28,20). Deshalb ist es so wichtig, dass in einer evangelistischen Arbeit das Fleisch nicht dazwischen kommt, und dass der souveräne Gott selber die Resultate definiert.

2. Ein Evangelium ohne Gott

Es gibt Probleme mit den Methoden der Evangelisation, aber es gibt ein noch grösseres Problem mit dem Inhalt der Botschaft, die heute gepredigt wird. Das „Evangelium“ ist mehr und mehr zu einer auf den Menschen zentrierten Botschaft geworden. Man sagt den Menschen, sie sollten den Aufruf „annehmen“, um glücklich zu sein, um Wohlstand zu erlangen, oder um ihre Probleme zu lösen, oder um einen Sinn im Leben zu finden. Der prophetische Ruf, sich zu demütigen und den heiligen und souveränen Gott der Bibel kennenzulernen, ist erloschen; und an seine Stelle ist eine therapeutische Botschaft getreten, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Wir haben Jesus zu einem weiteren heidnischen Gott gemacht, zu einem eigenwilligen Gott, der nicht souverän ist, sondern von den Spenden und Hilfeschreien der Menschen abhängig ist. Die Verkündigung des dreimal heiligen und absolut souveränen Gottes ist verstummt; des Gottes, den man durch sein unfehlbares Wort kennenlernen kann, wie es die Propheten ankündigten, die Väter der Urgemeinde und die protestantische Reformatoren. Die Bibel kommuniziert uns einen Glauben, der auf der „Erkenntnis Gottes“ basiert; und diese Erkenntnis wird durch sein Wort vermittelt. Wie der Psalmist sagte: „Seid still und erkennt, dass ich Gott bin“ (Psalm 24,10). Stattdessen wird heute verkündet: „Tanzt zur Musik und FÜHLT die Gegenwart Gottes.“ Diese Art von unbiblischem Mystizismus hat Tausende ohne Fundament für ihren Glauben zurückgelassen, und die Zahlen zeigen uns die traurigen Folgen. Die unmittelbaren „Resultate“ sind nicht alles. Die oberflächlich attraktive Botschaft wird zum Opium des Volkes. Unser einziger Wunsch sollte sein, als Werkzeug der Mittel Gottes zu dienen, damit Gott souverän handeln kann, wie er möchte. Mir scheint, wir glauben oft nicht an die souveräne Kraft des Wortes Gottes, und möchten dem Wort „nachhelfen“ mit unseren eigenen Techniken, Druckmitteln und Zusätzen. Aber erinnern wir uns, was Gott selber sagte:

„So wie der Himmel höher ist als die Erde, so sind meine Wege höher als eure Wege, und meine Gedanken höher als eure Gedanken. Aber wie der Regen und der Schnee vom Himmel niederfällt, und nicht wieder dorthin zurückkehrt, sondern die Erde bewässert und keimen und wachsen lässt, und Samen gibt dem, der sät, und Brot dem, der isst, so ist mein Wort, das aus meinem Mund kommt: es wird nicht leer zu mir zurückkehren, sondern tun, was ich will, und es wird ihm gelingen, wozu ich es sandte.“ (Jes.55,9-11)

Ist uns dieses mächtige Wort nicht genug, oder glauben wir, UNSERE Worte seien effektiver?

Die evangelische Kirche muss dringend nicht nur ihre Evangelisationsmethoden ändern, sondern auch die Botschaft, die sie verkündet. Wir sind weit von den biblischen und historischen Fundamenten des Glaubens abgeirrt. Viele erleiden selber die Folgen des lehrmässigen und praktischen Ungehorsams. Kommen wir in die Gegenwart Gottes mit Demut, bitten wir um seine Vergebung, und vollziehen wir eine ehrliche Hingabe, auf den Weg Gottes zurückzukehren. Seien wir nicht wie die ungehorsamen Kinder Israels, sondern hören wir auf den Ruf des Propheten:

„So spricht Jahwe: Stellt euch auf die Wege und seht, und fragt nach den alten Pfaden, welches der gute Weg sei, und geht auf ihm; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Aber sie sagten: Wir wollen nicht gehen.“ (Jer.6,16)


Nachbemerkungen des Übersetzers:

Meine eigenen Erfahrungen und Beobachtungen im peruanischen Hochland stimmen mit der obenstehenden Analyse überein. Tatsächlich besteht ein dringender Bedarf für das sogenannte „Volk Gottes“, sich vor Gott zu demütigen und auf seine Wege zurückzukehren.

Als Hintergrund der Krise diagnostiziert der Autor die folgenden zwei Punkte:

1. „Bekehrung“ ohne Umkehr,
2. Ein „Evangelium“ ohne Gott.

Ich stimme dem zu, würde aber noch einige weitere Punkte hinzufügen:

3. Das unmoralische Leben vieler Evangelischer, inbegriffen deren Leiter.

In meiner eigenen persönlichen Umgebung kenne ich mehrere Personen, die einmal am christlichen Glauben interessiert waren und eine evangelische Kirche besuchten, aber dort mussten sie feststellen, dass der Pastor ein Lügner war, oder ein geldgieriger Betrüger, oder ein skrupelloser Machtmensch. Oder sie wurden von „Glaubensgeschwistern“ betrogen, und der Pastor unterstützte die Betrüger, statt den Opfern zu helfen. Und viele ähnliche Fälle. Die meisten Betroffenen verliessen die Kirche, enttäuscht nicht nur von der Kirche, sondern vom Glauben überhaupt. Es ist sehr schwierig, solchen „Kirchenopfern“ das echte Evangelium verständlich zu machen.
Schlagzeilen wie die folgenden sind bereits an der Tagesordnung: „Veruntreuung in evangelischer Kirche“; „Evangelischer Pastor wegen Vergewaltigung verurteilt“; usw. Leider tolerieren die meisten Kirchen das unmoralische Verhalten ihrer Leiter und helfen sogar mit, deren Vergehen zu verbergen. Kein Wunder, dass die Kirchen (und damit das Evangelium) jede Glaubwürdigkeit verloren haben.

4. Der zunehmende Einfluss der liberalen Theologie (Bibelkritik) und der ökumenischen Bewegung.

Diese Dinge geschehen hinter dem Rücken des „gewöhnlichen Kirchenvolkes“. Offiziell haben die meisten lateinamerikanischen Kirchen ein bibeltreues Bekenntnis. Aber die höchsten Leiterschaftsebenen sind bereits von Vertretern der liberalen Theologie und des Ökumenismus beherrscht, welche die Wahrheit der Bibel in Frage stellen. Z.B. war der Präsident der peruanischen Evangelischen Allianz von 2005 bis 2009 ein direkter Mitarbeiter des ökumenischen Weltkirchenrates, und die meisten anderen Leitungsmitglieder gehören ähnlichen Strömungen an. Die Bibelgesellschaften verbreiten zu Sonderpreisen Bibelausgaben mit höchst bibelkritischen Kommentaren, und führen überall Pastorenseminare mit bibelkritischem Inhalt durch. So wird das bibelkritische Gedankengut fast unmerklich „von oben her“ bis auf die Ebene der örtlichen Gemeinden „heruntergefiltert“.
Genau diese Strömungen sind es, die in ihrem Ursprungskontinent Europa den geistlichen Tod der Kirchen verursacht haben; und dasselbe wird hier in Lateinamerika geschehen, solange die Kirchen diesen Strömungen Raum geben (während sie jeden ausschliessen, der sie offen kritisiert).

5. Der Machtmissbrauch von seiten der Leiterschaft, und die Abhängigkeit der Mitglieder von den Leitern.

In den meisten Kirchen ist das Pfarramt eine Machtposition, und der Pastor darf nicht in Frage gestellt werden. Somit werden die Mitglieder von ihren Pastoren abhängig, statt von Gott abhängig zu sein. In manchen Kirchen getrauen sich die Mitglieder nicht, irgendeine persönliche Entscheidung zu treffen ohne die Zustimmung ihres Pastors. Was die biblische Lehre betrifft, so wird blindlings alles geglaubt, was der Pastor sagt. Die Mehrheit der Evangelischen sind nicht in der Lage, sich selber aus der Bibel geistlich zu „ernähren“; und noch viel weniger prüfen sie die Lehre ihrer Pastoren anhand der Bibel. Ihr Glaube ist auf einen Menschen gegründet (den Pastor) statt auf Jesus Christus. Kein Wunder, ist ihr Glaube schwach, unreif, und bricht angesichts der kleinsten Schwierigkeit zusammen.

Tatsächlich ist es dringend nötig, zu den „alten Pfaden“ zurückzukehren, die in der Bibel vorgezeichnet sind und von Jesus und den Aposteln vorgelebt wurden.

Advertisements

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , ,


%d Bloggern gefällt das: