Wir Seifensieder

Die Herstellung von Seife ist ein klassisches Experiment, das in den meisten Chemiebüchern vorkommt. Normalerweise braucht man dazu Natronlauge, die wir aber nicht kaufen können. In alten Zeiten haben jedoch viele Bauernfamilien ihre eigene Seife hergestellt – ohne Natronlauge. Wie machten sie das?

Die Lauge gewannen sie aus Holzasche, die damals, als es noch keine Gas- und Elektroherde gab, im Überfluss vorhanden war. Wir beschlossen, das auch auszuprobieren. Da hierzulande die meisten Bäcker ihr Brot immer noch im Holzofen backen, konnten wir problemlos einige Kilo Asche bekommen.

Die Asche wird gesiebt, damit sie frei von Fremdkörpern und unvollständig verbrannten Holzstücken ist.

Das ist das Zubehör für den nächsten Schritt. Der Boden eines Plastikgefässes (ganz links) wird mit Löchern versehen, und darüber wird eine Schicht grober Sand oder kleine Kieselsteine eingefüllt. Darüber kommt eine Schicht Stroh (rechts davon bereitgestellt). Stroh und Sand bilden zusammen den Filter. (Laugen kann man nicht mit Filterpapier oder Stoff filtern, da sie solche Substanzen auflösen!) Darüber kommt die Asche (rechts davon). Das so gefüllte Filtergefäss wird über einen leeren Eimer gestellt (ganz rechts). Dann wird heisses Wasser eingefüllt. Dieses löst nach und nach die Lauge aus der Asche und tropft durch die Löcher im Boden langsam in den Eimer. Wenn es nicht mehr tropft (nach mehreren Stunden), kann man das Wasser aus dem Eimer nochmals über die Asche giessen und ein zweites Mal durchlaufen lassen.

Oben: Hier tropft die Lauge in den Eimer…

Dann muss die Lauge durch Verdunsten des Wassers konzentriert werden, z.B. durch Aufkochen (dazu darf man aber weder Metall- noch Glasgefässe verwenden!). Wir brauchten stattdessen unseren Solar-Verdunster dazu (siehe 6.Teil). Traditionellerweise soll die richtige Konzentration früher dadurch festgestellt worden sein, dass ein Ei in der Lauge obenaufschwimmt. Das Ei ist nach diesem Versuch aber nicht mehr essbar. – Wir stellten die Konzentration stattdessen durch Titration fest, was wir zuvor bereits geübt hatten (Teil 7).

Jetzt sind wir also bereit zum eigentlichen Seifensieden. Fett oder Öl wird zusammen mit der Lauge unter ständigem Umrühren etwa eine halbe Stunde lang im Wasserbad aufgekocht.

Auf diese Weise entsteht Kaliseife, die weicher ist als Natriumseife, da die Aschenlauge Kalium statt Natrium enthält. Man kann sie in Natriumseife verwandeln, indem man etwas Kochsalz dazugibt. Rechts im grösseren Geschirr ist die Kaliseife, links im Becher die hartgewordene Natriumseife:

Natürlich ist diese Seife längst nicht so fein wie die industriell hergestellte. Die Zutaten sind nicht so rein, und die Aschenlauge ist nicht so reaktiv wie Natronlauge, weil sie mehr Karbonat als Hydroxid enthält. Ich erhielt zwei Verbesserungsvorschläge:

– Durch längeres Aufkochen der Lauge (noch ohne das Fett) sollte mehr CO2 frei werden, sodass sich ein Teil der Karbonate in Hydroxide verwandelt.
– Derselbe Effekt kann durch Zugabe von gelöschtem Kalk erreicht werden; das ist wirksamer, braucht aber auch längeres Aufkochen und/oder Schütteln.

Wir kamen noch nicht dazu, das auszuprobieren – wir haben leider nicht mehr so viel Zeit für unsere chemischen Experimente. Vielleicht bei anderer Gelegenheit. Wir schätzen es jetzt mehr, unsere Seife im Laden kaufen zu können, seit wir uns vorstellen können, wieviel Arbeit dahintersteckt…

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