Trockenzeit im peruanischen Hochland

Heute möchte ich versuchen, einige Eindrücke vom hiesigen Klima zu geben. Hier auf der Südhalbkugel der Erde befinden wir uns in der kältesten Zeit des Jahres. Im peruanischen Hochland ist das gleichzeitig die Trockenzeit. Ca. von Mai bis August fällt kaum ein Tropfen Regen, und der Himmel ist oft wolkenlos klar. Von den Andengipfeln aus hat man in dieser Jahreszeit eine wunderbare Fernsicht.

In der Nacht liegen die Temperaturen um minus 5 Grad. (Es gibt Gegenden, wo es kälter wird. In der Region Puno, am Titicacasee, gab es letzte Woche Temperaturen unter minus 20 Grad.) Tagsüber wird es dennoch 15 bis 20 Grad am Schatten (an der Sonne noch wärmer), denn die Sonne scheint intensiv in diesen tropischen Breiten. Erst recht die Höhensonne auf über 3000 Metern über Meer. Die Temperaturschwankungen im Lauf des Tages sind deshalb enorm.

Man spürt es in dieser Jahreszeit besonders, dass die Häuser keine Heizung haben. Morgens haben wir jeweils noch 14 Grad in der Stube. In anderen Häusern ist es noch kälter, weil sie kleinere oder gar keine Fenster haben, durch die die Sonne hineinscheinen könnte. Beim Morgenessen um sieben Uhr können wir uns bereits an der Sonne wärmen, und am Mittag sind wir froh, dass die Sonne so hoch steht, dass sie nicht mehr zum Fenster hereinscheint.

Wir leben also mit ziemlich extremen Temperaturunterschieden. Man spürt das besonders, wenn man morgens etwa zwischen acht und neun Uhr einen Spaziergang macht: Am Schatten liegt die Lufttemperatur immer noch um den Nullpunkt; aber die Sonne steht schon so hoch am Himmel, dass sich Gegenstände, die an der Sonne liegen, bis auf 30 Grad und mehr erwärmen. Man muss sich also entscheiden, ob man warm angezogen am Schatten gehen will oder mit leichter Kleidung an der Sonne.

Schnee gibt es keinen, weil es in dieser Jahreszeit ja kaum Niederschläge gibt. Die Schneegrenze liegt normalerweise bei etwa 5000 Metern über Meer. Ab und zu schneit es bis auf etwa 4000 Meter herunter; aber der Schnee schmilzt meistens an der Mittagssonne gleich wieder weg. Wenn es in der Trockenzeit einmal ausnahmsweise stärkere Niederschläge gibt und der Himmel auch tagsüber bedeckt bleibt, dann ist das eine kleinere Katastrophe, denn die Hochlandbewohner sind überhaupt nicht für Schnee eingerichtet! Das Vieh findet dann kein Futter mehr, weil das Gras unter dem Schnee begraben ist; und der Strassenverkehr in den hochgelegenen Gegenden bricht zusammen. – Die Kälte fordert auch ohne Schnee ihre Opfer: immer wieder sterben Kleinkinder an Erkältungskrankheiten.

Auf obiger Foto kann man sehen, wie die zum Trocknen aufgehängte Wäsche in der kalten Luft richtiggehend dampft, wenn die Sonne daraufscheint!

Wer in dieser Jahreszeit aus dem Tiefland heraufkommt, wird die Trockenheit besonders spüren: Die Haut trocknet schnell aus, besonders die Lippen; und nach einigen Tagen wird man wahrscheinlich ein Kratzen im Hals und einen trockenen Husten verspüren.

Die Trockenheit während dieser Jahreszeit ist möglicherweise auch der Grund, warum in Mitteleuropa heimische Früchte wie z.B. Äpfel und Birnen hier im Hochland nicht gedeihen, obwohl die Temperaturen hier im Durchschnitt sogar etwas wärmer sind als in Europa. (Einige Palmenarten hingegen wachsen noch auf Höhen von über 3500 Metern, Eukalyptusbäume bis auf 4000 Meter.)

Foto: Eukalyptuswald auf ca. 3700 Metern Höhe.

In dieser Jahreszeit spürt man den „Winter“ manchmal sogar im Urwald des Amazonastieflandes, wo es normalerweise zwischen 30 und 40 Grad heiss ist. Aber manchmal dringt die kalte Luft aus den Anden bis in den Urwald vor und führt dort zu einer deutlichen vorübergehenden Abkühlung. Letzte Woche wurden z.B. aus dem Urwald Temperaturen um 9 Grad gemeldet. Für ein paar Tage im Jahr müssen also auch die Urwaldbewohner ihre warme Kleidung aus dem Schrank nehmen – falls sie welche haben.

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