Archive for September 2010

Erdbeben erschüttert die Gemeinde Christi!

19. September 2010

Per e-mail erhielt ich die untenstehenden Berichte und prophetischen Eindrücke. Sie scheinen mir sehr treffend zu sein für die gegenwärtige Situation. Ich habe sie deshalb auf Deutsch übersetzt und veröffentliche sie hier. Jeder, der sich zu den Nachfolgern Jesu rechnet, sollte sie zur Kenntnis nehmen.


Erdbeben in der Kirche – Von Phil Buck.

27.Januar 2010 – Gebetszeit für die Gemeinde, bei uns zuhause.

Ich hörte in meinem Geist folgendes Wort:
„Es kommt ein Erdbeben der Stärke 7.0 auf uns zu, so wie es in Haiti geschah; aber es kommt auf die Kirche zu. Ich habe die ganze Zeit viele Warnungen gesandt, dass dieser Tag kommen würde, und jetzt steht er vor der Tür. Dieses Erdbeben wird ausserhalb der Kirche beginnen, und dann wird es die Kirche von innen her durchdringen. Bereitet euch vor, bereitet euch vor, denn es wird eine unvorstellbare Zerstörung geben.

Die Trümmer der von Menschen errichteten Gebäude werden zu Boden fallen. Die Lehren von Menschen werden zunichte werden. Menschen, die das von Menschen errichtete System angenommen haben, werden in den Trümmern des Zusammenbruchs zugrunde gehen, einige im geistlichen Sinn, andere sowohl geistlich wie physisch. Denn sie haben eine Lüge geglaubt, und werden die Folgen ihres Tuns erleiden.“

Ich sehe eine lange Schlange von Entronnenen, so lang, dass ich das Ende nicht sehen kann. Sie kommen verwundet aus allen religiösen Hintergründen, Menschen, die sich nicht vollständing von dem von Menschen gemachten religiösen Glaubenssystem einwickeln liessen. Aber die Zeit, während der sie diesem System ausgesetzt waren, hat in jedem von ihnen in verschiedener Weise Spuren hinterlassen.

Ich sehe in meinem Geist diese Menschen Schlange stehen vor dem Eingang zu einem weissen Zelt. Sie kommen hierher, um Leben zu empfangen, geistliches Leben, innerhalb des Zeltes. Im Zelt befinden sich Ärzte und Krankenschwestern, die dem verwundeten, schmerzenden Geist eines jeden dieser Menschen dienen. Sie helfen ihnen zu gesunden, mit der richtigen Perspektive über die Gaben, die sie anzubieten haben; und dann werden diese Menschen aus dem Zelt ausgesandt, wiederhergestellt und bereit, anderen zu dienen, wie ihnen gedient wurde.

„Achte jetzt auf jene innerhalb des Zeltes: Bevor sie hereinkamen, hatten sie in und von sich selber nichts anzubieten. Aber als sie hereinkamen, bekamen sie Kraft, um die Werke zu tun, zu denen ich sie gerufen habe. Das ist ein besonderes Volk, das sich mir eng angeschlossen hat. Ja, und einige sind ihr ganzes Leben lang auf diese Zeit und diese Mission vorbereitet worden.

Ich möchte, dass du die Menschen in dem Zelt ansiehst, denn sie sind es, die mir alles gegeben haben. Diese sind es, die ich heute als mein Volk rufe, aus den religiösen Systemen der Menschen herauszukommen und in das wunderbare Licht meines Sohnes Jesus hereinzukommen. Wirst du zu den Menschen in dem Zelt gehören? Oder wirst du einer der vielen in der langen Schlange sein?

Komm heute mit mir beiseite und gib mir dein Alles, denn die Warteschlange ist lang und beginnt sich eben erst zu bilden. Sie brauchen deine Gaben, deine Liebe und dein Opfer des Dienstes. Wirst du dasein für sie? Oder wirst du einer von ihnen sein?“


Christchurch wird erschüttert – prophetisch ??!

Von Andrew Strom, 7.September 2010

Viele von euch wissen sicher, dass in den frühen Morgenstunden des 4.September ein Erdbeben der Stärke 7.1 (Richterskala) die neuseeländische Stadt Christchurch erschütterte. Wir waren nur wenige Tage zuvor in Neuseeland angekommen. Erstaunlicherweise wurde niemand getötet – was als ein völliges Wunder angesehen wird. Erdbeben dieser Stärke haben schon Hunderttausende von Menschen getötet. (…)

Ich weiss nicht, was Sie denken; aber ich kann nicht umhin, in diesem Erdbeben Gottes unüberhörbares Reden zur Kirche zu sehen. Die Tatsache, dass es in der einzigen grösseren Stadt der westlichen Welt mit dem Namen „Christchurch“ („Christuskirche“ oder „Kirche Christi“) geschah. Die Tatsache, dass schon seit Jahren prophezeit wird, die Kirche werde heftig „erschüttert“ werden. Die Tatsache, dass eine Menge älterer „Strukturen“ zerstört wurden oder einstürzten – aber die Menschen überlebten.

Und ich sehe auch, dass Gott in diesem Unglück zu uns persönlich spricht. Wir sprechen seit Jahren über die Erschütterung der Kirche. Tatsächlich hiess der letzte Artikel, den ich schrieb, bevor ich vor zwei Wochen an der amerikanischen Grenze abgewiesen wurde: „Die Erschütterung nimmt zu.“ Es scheint mir (und ich kann es nicht anders sehen), dass Gott uns mit Gewalt nach Neuseeland zurückgebracht hat, damit wir zum Zeitpunkt dieses Unglücks hier seien. Wir mussten hier sein, als diese „grosse Erschütterung“ über Christchurch kam. Das kann kein Zufall sein.

(Anm d.Ü: Der Autor dieses Abschnitts ist Neuseeländer, hat mehrere Jahre in den USA gewohnt und ist auch danach mehrmals zu Vortragsreisen in dieses Land zurückgekehrt. Als er aber anfangs September zu einer weiteren Vortragsreise in die USA einreisen wollte, wurde er ganz unerwartet an der Grenze festgenommen, verhört und ihm die Einreise verweigert, mit der Begründung, er könne nicht ohne Visum einreisen, um in einer ganzen Reihe von Kirchen zu predigen.)

Nicht nur das, sondern Christchurch ist unter allen neuseeländischen Städten jene, über die am meisten prophezeit worden ist. Seit Jahrzehnten gab es Prophetien, wonach Erweckung und Reformation zu dieser Stadt kommen werde, oder von dort ausgehen werde.

(…) Auf unserer Website gab es mehrere Kommentare darüber. Mary LaRue schrieb: „Ich glaube, dieses physische Erdbeben zeigt auf äusserliche Weise, was Gott geistlich in seinem Haus (seinem Leib) tun wird. Es kommt eine grosse Erschütterung. Es ist kein Zufall, dass der Ort, wo es geschah, Christchurch heisst!“ Und Maree Crawford schrieb: „Das Erdbeben schlug zu, als die meisten Leute in Christchurch schliefen und unvorbereitet waren… Als nächstes wird ein geistliches Erdbeben in der Kirche Christi viele überraschen, die schlafen und unvorbereitet sind…“ (…)

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Freizeitchemiker: Ammoniumnitrat-Kühlbox

17. September 2010

Dies ist die letzte Folge der Freizeitchemiker-Reihe. Die Interessen unserer Kinder haben sich anderen Dingen zugewandt, und unser improvisiertes Labor bleibt im Schrank eingeschlossen, bis wir irgendwann wieder einmal darauf zurückkommen. (Das ganze Gebiet der organischen Chemie haben wir ja noch kaum erforscht.)

Hier also unser vorläufig letztes Experiment: Die Ammoniumnitrat-Kühlbox. Für uns besonders interessant, weil wir keinen Kühlschrank haben…

Ammoniumnitrat (NH4NO3) konnten wir als Kunstdünger kaufen. Diese Substanz hat die interessante Eigenschaft, dass sie beim Auflösen in Wasser stark abkühlt – es können Temperaturen bis zu 15 Grad unter Null erreicht werden. So bauten wir eine „Kühlbox“ aus zwei verschieden grossen Konservendosen.

In die grössere Dose gaben wir Ammoniumnitrat und Wasser zu gleichen Teilen, sodass die Dose etwa zur Hälfte gefüllt war, und rührten stark um. Dann stellten wir die kleinere Dose mit etwas Wasser hinein. Das ganze wurde gut zugedeckt und mit Tüchern und einer Jacke eingewickelt – damit die Kälte nicht ausläuft.

Nach zwei bis drei Stunden öffneten wir unsere Kühlbox wieder. Tatsächlich hatte sich in der kleineren Dose Eis gebildet!

Konservendosen zu gebrauchen war übrigens keine gute Idee: wenn man das Ammoniumnitrat längere Zeit darin lässt, rosten sie.

Die nächste Entwicklung war dann eine „Eismaschine“. Dafür verwendeten wir zwei Plastikeimer, die rosten nicht. In einem 4-Liter-Eimer konnten wir tatsächlich mit derselben Methode etwa einen halben Liter Speiseeis herstellen. Wir mussten aber darauf achten, dass wir das Ammoniumnitrat anfangs in möglichst kaltem Wasser auflösten.

Wenn man die Kühlbox wiederverwenden will, muss man natürlich von der Lösung das Wasser wieder verdunsten. Das konnten wir mit Hilfe der Sonnenenergie ohne zusätzliche Kosten bewerkstelligen (wie im Teil 6 am Ende beschrieben), wenn man vom Zeitaufwand absieht. Beim ersten Versuch mit einer kleinen Menge verdunsteten wir das Wasser mit Aufkochen. Dabei begingen wir den Fehler, dass wir zu lange kochten. Die Lösung war immer noch flüssig, hatte aber fast kein Wasser mehr. Beim Abkühlen wurde sie steinhart und konnte nur mit grössten Schwierigkeiten wieder aufgelöst werden. So lernten wir, dass man nicht alles Wasser verdunsten sollte, sondern nur so viel, dass eine weiche, körnige Masse entsteht. Ammoniumnitrat hat nämlich noch eine weitere interessante Eigenschaft: In heissem Zustand kann eine grosse Menge Ammoniumnitrat in einer minimalen Menge Wasser aufgelöst werden (870g Ammoniumnitrat in 100g Wasser), aber beim Abkühlen nimmt die Löslichkeit rapide ab.

Mit diesem Experiment haben wir also gelernt, wie man mit Hilfe von Sonnenenergie und einfachsten Hilfsmitteln Eis herstellen kann.

Beim Auskristallisieren von Ammoniumnitrat entstehen übrigens interessante Strömungen in der Lösung, die offenbar mit der erwähnten Löslichkeits-Eigenschaft dieser Substanz zusammenhängen. Hier ein kurzer Filmausschnitt davon.

Quechua – Der peruanischen Ursprache auf der Spur

5. September 2010

 In weiten Teilen des peruanischen Hochlandes wird Quechua gesprochen, die Sprache der Inkas. Diese Sprache stammt ursprünglich aus der Gegend von Cusco und wurde durch die Inkas während ihrer Blütezeit im 14. und 15.Jahrhundert über das ganze heutige Perú sowie Teile der nördlichen und südlichen Nachbarländer verbreitet. In den Städten wird das Quechua zwar immer mehr vom Spanischen verdrängt, aber auf dem Land wird immer noch mehrheitlich Quechua gesprochen. Insgesamt wird die Zahl der Quechua-Sprechenden auf ca. 10 bis 13 Millionen geschätzt. Genaue Zahlen können nicht angegeben werden, da die Übergänge fliessend sind von reinen Quechua-Sprachigen, die kein Spanisch verstehen, über alle Abstufungen von Zweisprachigkeit bis hin zu den Nur-Spanischsprechenden. Die Zweisprachigkeit ist dabei meistens nach Lebensbereichen aufgeteilt: Im Familienkreis, bei der Feldarbeit, im Wirtshaus und auf dem Markt wird in der Regel Quechua gesprochen; in beruflichen und geschäftlichen Angelegenheiten, auf Ämtern und in der Schule spricht man Spanisch. Bei Familien, die vor einer oder zwei Generationen vom Land in die Stadt gezogen sind (eine häufige Erscheinung) verläuft die Sprachgrenze oft mitten durch die Generationen hindurch: Die Grosseltern sprechen Quechua, die Eltern sind zweisprachig und die Kinder sprechen Spanisch.

Während der fast drei Jahrhunderte dauernden spanischen Kolonialherrschaft führte die Quechua-Sprache ein Schattendasein und blieb dadurch in ihrer Entwicklung stehen. Das hat dazu geführt, dass es bis heute auf Quechua keine Ausdrücke gibt für Dinge, die den Inkas unbekannt waren. Dazu gehören so alltägliche Gegenstände wie Tisch, Schuh, Fenster; auch Namen von Tieren, die erst von den Spaniern eingeführt wurden (z.B. Kuh, Schaf, Pferd); sowie viele abstrakte Begriffe. Alle diese werden durch spanische Lehnwörter ersetzt. Auffällig ist u.a. das Fehlen eines Wortes für „Danke“. Man braucht dafür entweder das spanische „Gracias“, oder den Ausdruck „Yusulpayki“ – eine verballhornte Form des spanischen „Dios se lo pague“ („Gott möge es Ihnen vergelten“).
Es gibt auch kein allgemein gebräuchliches Quechua-Wort für „Gott“. Eine weitverbreitete Bibelübersetzung nannte Gott „Apu“; das ist die Bezeichnung der heute noch allgemein verehrten Berggötter bzw. -geister. Als ich einmal einige Bibelschüler dazu befragte, fanden sie, das Wort „Apu“ sei eindeutig mit dem Heidentum verbunden und sollte nicht für Gott verwendet werden. Als Alternative schlugen sie „Yaya“ vor – ein Wort, das von seiner Herkunft her wahrscheinlich so etwas wie „Ur-Vater“ bedeutet, aber kaum je verwendet wird. (In einer späteren Revision sind die Bibelübersetzer dann wieder zum spanischen Lehnwort „Dios“ zurückgekehrt, das allgemein in quechuasprachigen Kirchen verwendet wird.)
Dafür gibt es ungeahnte Feinheiten in den Ausdrücken für alltägliche Tätigkeiten. Für die verschiedenen Feldarbeiten gibt es eine solche Fülle von Wörtern, dass ich ein Jahr auf dem Land verbringen müsste, um sie alle zu beherrschen. „Geschirr waschen“ ist auf Quechua etwas ganz anderes als „Wäsche waschen“. Für „tragen“ gibt es mindestens drei verschiedene Wörter, je nachdem, ob ein Gegenstand auf dem Rücken, auf den Armen oder zwischen mehreren Personen getragen wird.

Obwohl ab und zu Versuche unternommen werden, eine Literatur auf Quechua zu schaffen – z.B. Bibelübersetzungen, oder Sammlungen volkstümlicher Geschichten – , ist in der Praxis das Quechua weiterhin eine Sprache, die nur gesprochen, aber nicht geschrieben oder gelesen wird. In dieser Situation ist es nicht gerade hilfreich, dass in verschiedenen Landesgegenden sehr unterschiedliche Dialekte gesprochen werden, die sich untereinander z.T. kaum verstehen. Kein Wunder, dass sich nicht nur Spanischsprachige, sondern auch viele Quechuasprachige selber insgeheim fragen, ob Quechua überhaupt eine vollwertige Sprache sei. Wenn z.B. vorgeschlagen wird, Schulunterricht auf Quechua einzuführen, dann sprechen sich oft die quechuasprachigen Eltern selber dagegen aus: „Wenn die Kinder im Leben vorwärtskommen sollen, dann müssen sie doch Spanisch sprechen!“ – Es gibt zwar jede Menge Radioprogramme auf Quechua. Aber bis es Zeitungen, Schulbücher, Bibliotheken oder Internetseiten auf Quechua gibt (nicht nur über die Quechua-Sprache), wird es wahrscheinlich noch lange dauern.
Kommt dazu, dass sich die Bevölkerung unter der spanischen Herrschaft angewöhnt hat, sich den ausländischen Einflüssen anzupassen und den Weg des geringsten Widerstands zu gehen. Das ist bis heute ein typisch peruanischer Wesenszug geblieben. Wenn deshalb der Quechuasprechende an die Unzulänglichkeiten und Grenzen seiner Sprache stösst, dann wird er nicht sprachschöpferisch tätig, sondern stellt auf Spanisch um. Deshalb gibt es jetzt ein grosses „zweisprachiges Mittelfeld“ von Menschen, die weder richtig Spanisch noch richtig Quechua sprechen: ihr Quechua ist von spanischen Wörtern durchsetzt, und ihr Spanisch wimmelt von grammatischen und Aussprachefehlern.

Die wenigen Versuche, die Quechua-Sprache zu „aktualisieren“, stammen meistens von Akademikern aus den grossen Städten, und werden von der allgemeinen Bevölkerung nicht ernstgenommen. Z.B. versuchte man in der Inka-Kultur Entsprechungen zu heute gebräuchlichen Gegenständen zu finden und die Wörter dazu wieder einzuführen. So kann man in Lehrbüchern lesen, „Tisch“ heisse „Hanp’ara“ und „Schuh“ heisse „Kawkachu“. Aber wenn ich diese Wörter Leuten zeige, die im Alltag Quechua sprechen, dann lachen sie meistens und erklären dann, „Hanp’ara“ bedeute Steinplatte oder steinerner Altar und habe nichts mit dem Tisch zu tun, den sie zuhause benützen; und „Kawkachu“ sei ein um den Fuss gewickelter Lappen. Ihr Tisch heisse „mesa“ und ihr Schuh heisse „zapato“ (was die entsprechenden spanischen Wörter sind). – Andere versuchen sich mit nicht ernstgemeinten Sprachschöpfungen wie „Lata pichinchu“ (Blechvogel) für „Flugzeug“ (wobei „Lata“ auch schon ein spanisches Wort ist). Dass es sich dabei nur um Scherz oder Selbstironie handelt, wird daran deutlich, dass dieselbe Person, wenn sie im Ernst von einem Flugzeug spricht, weiterhin das spanische Wort „avión“ gebraucht. (Mit etwas mehr Selbstvertrauen könnten die Quechuas den Ausdruck „Lata pichinchu“ durchaus in ihre „offizielle“ Sprache übernehmen. „Avión“ bedeutet schliesslich auch nichts anderes als „grosser Vogel“.)

Quechua zu lernen ist nicht einfach, weil es eine sehr „andersartige“ Sprache ist (im Vergleich mit den germanischen und lateinischen Sprachen). Z.B. ist Quechua eine agglutinierende Sprache, d.h. viele Bedeutungen werden nicht mit eigenständigen Wörtern vermittelt, sondern mit einer Vielzahl von Endungen, die an wenige tragende Wörter angehängt werden. So besteht z.B. in der Bibel im Cusco-Dialekt die Hälfte des Satzes „Gott hatte noch nicht auf die Erde regnen lassen“ aus dem einzigen Wort „parachimurqanraqchu“. Das bedeuten die einzelnen Teile des Wortes:

So wird die Hauptidee, „er hatte noch nicht her(ab)regnen lassen“, in ein einziges Wort verpackt.
Etwas ungewohnt ist auch die Aussprache. Im Cusco-Dialekt gibt es von den meisten Konsonanten drei Varianten: aspiriert (z.B. wie das deutsche oder englische „k“), nicht aspiriert (wie im deutschen „Egge“ oder im französischen „qui“, „que“), und mit einer kurzen Pause vor dem folgenden Vokal (wie beim hebräischen Buchstaben Aleph; in den europäischen Sprachen kenne ich kein entsprechendes Beispiel). Man muss diese Varianten gut unterscheiden, weil manchmal Bedeutungsunterschiede davon abhängen. Z.B. bedeutet „kanka“ „Braten“, aber „k’anka“ bedeutet „Hahn“. – Dafür gibt es die „weichen“ Konsonanten b, d, f und g im Quechua nicht. – Interessant ist, dass aber schon der Nachbardialekt von Ayacucho diese unterschiedlichen Varianten der Konsonanten nicht kennt.
Eine weitere Kuriosität ist, dass die Linguisten bis heute darüber disputieren, wieviele Vokale das Quechua eigentlich hat. Da gibt es die Fünf-Vokale-Theorie und die Drei-Vokale-Theorie. Die Vokale „e“ und „o“ sind im Quechua nämlich höchst selten, und wo sie vorkommen, könnten sie fast immer durch „i“ bzw. „u“ ersetzt werden, ohne dass der Quechua-Sprecher einen Unterschied wahrnimmt. Die Vertreter der Drei-Vokale-Theorie behaupten deshalb, im Quechua seien „e“ und „i“, bzw. „o“ und „u“, in Wirklichkeit derselbe Vokal.

Man kann deshalb verstehen, dass es umgekehrt auch für Quechua-Sprecher nicht einfach ist, Spanisch zu lernen. Oft verwechseln sie „e“ mit „i“ und „o“ mit „u“ (was im Spanischen sehr wohl einen Unterschied macht), und haben Mühe, abstrakte Begriffe zu verstehen. Oft verwechseln sie auch bedeutungsverwandte Wörter wie z.B. „Blitz“ mit „Donner“ oder „Fluss“ mit „See“.

Offiziell gilt Quechua in Perú als anerkannte Landessprache, und jedermann hat das Recht, sich vor Behörden o.ä. auf Quechua auszudrücken. In der Praxis mag das in Gegenden funktionieren, wo die Mehrheit Quechua spricht. In der Hauptstadt Lima aber sind Kongressabgeordnete aus dem Hochland schon ausgelacht und beschimpft worden, als sie in Parlamentssitzungen auf ihrem Recht bestanden, ihr Votum auf Quechua vorzubringen. So „anerkannt“ ist das Quechua also in Wirklichkeit nicht, trotz der offiziellen Verordnungen.

Ob sich da in Zukunft etwas ändern wird, ist offen. Einerseits gibt es Bestrebungen, der Quechua-Sprache z.B. im Schulunterricht einen grösseren Platz einzuräumen, und seit einigen Jahren müssen Lehrer im Hochland Quechua können. (Geprüft wird aber in der Regel die Kenntnis zusammenhangloser Wortlisten; nicht das Beherrschen der Umgangssprache.) Diskriminierungen, wie sie mir früher noch berichtet wurden – dass z.B. Schüler geschlagen wurden, wenn sie im Unterricht Quechua sprachen -, sollten also heute nicht mehr vorkommen.
Andererseits aber sind Lesen und Schreiben einfach nicht Teil der angestammten Quechua-Kultur (die Inkas kannten keine Schrift). Es ist nicht wahrscheinlich, dass sich das in näherer Zukunft ändern wird. Selbst Quechua-Sprachige, die nur bruchstückhaft Spanisch sprechen, können meistens auf Spanisch lesen, aber auf Quechua nicht. Die Zukunft der Quechua-Sprache ist daher ungewiss.