Von der evangelikalen Zensur

Ich sehe mich veranlasst, eine neue Kategorie in diesem Blog zu eröffnen: „Zensurierte Artikel“. Dies, weil in den vergangenen Jahren bereits vier meiner Artikel der evangelikalen Zensur zum Opfer gefallen sind – und hätte ich weiterhin versucht, mich in diesem Umfeld hörbar zu machen, dann wären es bestimmt noch mehr geworden. Zwei dieser Artikel schrieb ich „auf Verlangen“, aber dann wurden sie von der Organisation, die sie verlangt hatte, so massiv gekürzt und zurechtgestutzt, dass das Wesentliche wegfiel; oder gar nicht veröffentlicht. Die zwei anderen Artikel hatte ich aus eigener Initiative verbreitet, aber mehrere evangelikale Leiter verboten mir die Weitergabe dieser Artikel an Mitglieder ihrer Organisation, und/oder verboten ihren Mitgliedern, sie zu lesen.

Natürlich hat jede Organisation das Recht, darüber zu entscheiden, was für Informationen „vereinsintern“ an ihre Mitglieder weitergegeben werden. Wenn aber eine grundsätzliche „Informationssperre“ für Mitglieder einer bestimmten Organisation verhängt wird, dann ist das sehr bedenklich. Noch bedenklicher wird es, wenn evangelikale Organisationen Artikel zensurieren, die genau jene Werte verteidigen, welche die Evangelikalen offiziell auf ihre Fahnen geschrieben haben: die Notwendigkeit einer Bekehrung zu Jesus Christus, und die Autorität der Bibel als Gottes Wort. Eine solche Kluft zwischen offiziellem Bekenntnis und tatsächlichem Handeln wird von Jesus „Heuchelei“ genannt, und er verbrachte ziemlich viel Zeit damit, diese Sünde anzuprangern.

Hätte ich in meinen Schriften Grundlagen des christlichen Glaubens in Frage gestellt, dann könnte ich solche Zensur vielleicht verstehen. Ebenso, wenn ich am Thema vorbeigegangen wäre und statt über Mission und Gemeindeaufbau zu schreiben, z.B. für eine neue hausgemachte Zahnpasta Werbung gemacht hätte. Aber wenn ich gerade darum kämpfe, dass die Grundlagen des christlichen Glaubens wieder auf den Leuchter gestellt werden, und dann genau von jenen Leuten zensuriert werde, die sich offiziell als die rechtgläubigsten Hüter dieses Glaubens ausgeben, dann muss ich annehmen, da sei ein ziemlich dicker Hund begraben.

Da es sich bei den „Zensoren“ sowohl um Europäer wie auch um Peruaner handelt, und aus verschiedenen Denominationen, habe ich keinen Anlass, diesbezüglich irgendwelche Unterschiede zu machen. Ich spreche deshalb hier gesamthaft von der „evangelikalen Zensur“, und dies sogar international.
 – Vielleicht wird mir jetzt jemand vorwerfen, ich verallgemeinere zu stark, und sicher handelten nicht alle Evangelikalen auf die beschriebene Weise. Richtig, ich muss das (bisher einzige) leuchtende Gegenbeispiel hier auch erwähnen: Die STH (Staatsunabhängige Theologische Hochschule) in Basel hat einen Artikel von mir veröffentlicht und hat vor der Veröffentlichung alle vorgesehenen Kürzungen und Änderungen mit mir abgesprochen. Das ist das korrekte Vorgehen, das aber heute leider selten zu finden ist.

Wenn Sie ein evangelikaler Leiter sind und davon überzeugt sind, Sie seien auch ein Gegenbeispiel, dann hindert Sie nichts daran, hiermit den Tatbeweis anzutreten und die Artikel dieser Kategorie zu veröffentlichen. Die auf diesem Blog veröffentlichten Artikel sind frei zur Wiedergabe, sofern die Bedingungen beachtet werden:
– Diese Artikel sind und bleiben geistiges Eigentum des Autors.
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