“Kunststück”

Im folgenden ein paar Eindrücke von den kleinen kulturellen Unterschieden, mit denen man als Ausländer in Perú oft konfrontiert wird. Ich habe diese schon einmal meinen persönlichen Freunden mitgeteilt; aber vielleicht interessieren sich weitere Blog-Leser dafür.

Sich an das Leben in Perú anzupassen, erfordert u.a. auch ein gewisses Mass an körperlicher Geschicklichkeit und Kraft. Manchmal staune ich, was für “Kunststücke” hier von vielen Menschen in ihrem Alltagsleben ganz natürlich ausgeführt werden, ohne sich bewusst zu sein, dass jemand aus einem fremden Land eventuell Schwierigkeiten haben könnte, sich an diese Lebensweise anzupassen. Hier nur ein paar einfache Beispiele:

Können Sie Ihre Hose anziehen, ohne dass die Hose in irgendeinem Moment den Boden berührt? – Wenn der Fussboden aus gestampftem Lehm besteht, dann gibt es dabei nämlich sofort einen hässlichen Fleck!

Nehmen Sie einen randvollen Suppenteller in die Hand und gehen Sie damit etwa 50 Meter über eine Bergwiese; setzen Sie sich dann auf den Boden; und alles ohne den Teller loszulassen und ohne etwas zu verschütten. (Zusätzliche Erschwerung: Die Suppe ist kochend heiss und der Teller aus Blech; wenn Sie ihn nicht am richtigen Ort anfassen, verbrennen Sie sich die Hände!) – Teilnehmer an Konferenzen, Ferienlagern usw. auf dem Land vollbringen dieses Kunststück routinemässig (manche auch zuhause), denn es gibt dort weder Tische noch Stühle.

Können Sie eine Kartoffel oder Rübe ohne Schneidunterlage – d.h. sie in der Luft haltend – kleinwürflig schneiden? Meine Frau vollbringt dieses Kunststück fast tagtäglich. Wer nicht zufällig Verwandte von anderen Kontinenten hat, muss dieses Kunststück zudem mit einem grossen Fleischermesser ausführen; denn handliche kleine Rüstmesser sind hierzulande noch nicht erfunden worden.

Oder versuchen Sie folgendes: Verbringen Sie zwei Stunden Busfahrt über ungeteerte, holprige Strassen stehend, mit einem halbjährigen Baby auf dem Rücken und einem Zweijährigen an der Hand (ebenfalls stehend), welcher am Einschlafen ist. Peruanische Mütter unternehmen öfters solche Reisen. Und da das Land sehr weitläufig ist, sind zwei Stunden noch nicht viel; manche Reisen dauern noch viel länger.

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