„Säe, damit du ernten kannst“

So hörte ich es kürzlich in einer Predigt:

„Das Wort Gottes sagt: Säe, damit du ernten kannst. Wenn du mit deinem Geld andere segnest, dann wird Gott auch dich segnen. Wenn du einen Sol (die peruanische Währung) weggibst, dann macht dich das nicht arm; aber es macht dich reich im Herzen. Wenn du nur zur Kirche gehst und das Wort hörst, aber es nicht tust, dann bist du wie ein Schüler, der den ganzen Tag in der Schule sitzt und zuhört, aber nichts davon praktiziert. Meine Geschwister, Gott ist Liebe, heisst es in 1.Johannes 4,8. Lasst uns also einander Gutes tun …“

Sie dürfen dreimal raten, aus was für einem Umfeld dieser Predigtausschnitt stammt. Aus einem freikirchlichen Gottesdienst? Aus einem Spendenaufruf für eine wohltätige Organisation? Aus dem Programm eines amerikanischen Fernsehevangelisten?

Dreimal falsch geraten. Der Mann, der so gepredigt hat, war in Wirklichkeit kaum daran interessiert, das Evangelium zu verbreiten. Es ging ihm auch nicht in erster Linie darum, zur Wohltätigkeit aufzurufen – es sei denn zu seinen eigenen Gunsten. Es handelte sich um einen Verkäufer – wie es hierzulande deren viele gibt -, der in einem Überlandbus den Passagieren zu einem billigen Preis Waren von zweifelhafter Qualität anbot, und zu diesem Zweck den eingangs zitierten Vortrag hielt. (Selbst die Anrede mit „Meine Geschwister“ ist authentisch!)

Wenn Sie auf Gottesdienst oder Fernsehevangelist getippt haben, sind Sie aber dennoch nicht weit daneben: diese Worte könnten durchaus auch an einer solchen Veranstaltung gesagt worden sein. Offenbar dienen dieselben Worte genauso gut dazu, billigen Ramsch zu verkaufen, wie ein (ebenso billiges?) Evangelium an den Mann zu bringen und Geld dafür zu erhalten.

Was sollen wir uns dazu denken? Dass die Ramschverkäufer allmählich gläubig werden? Oder viel eher, dass die heutigen Evangeliumsprediger mehrheitlich auf das Niveau von Ramschverkäufern abgesunken sind? Offenbar dienen jetzt die Worte ersterer den letzteren als Vorbild – was ich mir von einer Originalpredigt Jesu oder eines echten Apostels oder Propheten schwerlich vorstellen könnte.

Ich lasse es bei diesem knappen Kommentar bewenden und überlasse es dem Leser, weitere Schlüsse zu ziehen.

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