95 Thesen über die Lage der evangelischen (evangelikalen) Kirchen – 2.Teil

Zum Sinn und Hintergrund dieser „95 Thesen“, siehe das Vorwort im 1.Teil.  Hier die Fortsetzung:

V) Über einige Aspekte des Gemeindelebens

36. In den Versammlungen der neutestamentlichen Gemeinde „hat jeder“ etwas, um seine Geschwister aufzubauen (1.Kor.14,26).
In den heutigen evangelischen Kirchen ist dagegen die Mehrheit in den Versammlungen passiv und hat weder die Initiative noch die Möglichkeit, etwas beizutragen. Sogar in jenen Kirchen, die das Wirken des Heiligen Geistes betonen, werden nur einige wenige der Geistesgaben betont, und der durchschnittliche Gläubige erhält wenig bis keine Gelegenheit, sie wirklich auszuüben.

37. In der neutestamentlichen Gemeinde gab es „Einfachheit des Herzens“ (Apg.2,46) und Transparenz (1.Joh.1,6-7), gegenseitige Hilfe (Apg.2,32) und ungeheuchelte Liebe (1.Petrus 1,22).
In den heutigen evangelischen Kirchen gibt es im allgemeinen keine solche Gemeinschaft zwischen Gläubigen; stattdessen scheint es wichtiger zu sein, den äusseren Anschein und den „Status“ aufrechtzuerhalten.

38. Die heutigen evangelischen Gemeinden haben im allgemeinen eine Tendenz, sich immer weiter in verschiedene Denominationen und Parteien aufzuspalten. Die tiefere Ursache dieser Spaltungen ist meistens, dass „die Liebe erkaltet“ (Matth.24,12), und dass mit der Sünde nicht in der richtigen, biblischen Weise umgegangen wird.
Diese Tendenz zu Spaltungen und Parteiungen ist ebenfalls mit dem Mangel an wahrer Gemeinschaft unter Gläubigen verbunden.

39. In der neutestamentlichen Gemeinde bekannten die Christen einander ihre Sünden (Jak.5,16).
In den heutigen evangelischen Kirchen werden im allgemeinen entweder die Sünden überhaupt nicht bekannt; oder es gibt eine vertikale hierarchische Struktur wie in der katholischen Kirche, wo alle vor dem Pastor bekennen, aber der Pastor bekennt vor niemandem (ausser vor seinem übergeordneten Leiter); und der Pastor berät alle, aber niemand darf den Pastor beraten. Deshalb sind insbesondere die Leiter nicht transparent und legen vor der Gemeinde keine Rechenschaft ab, und es gibt keine echte, tiefe Gemeinschaft unter Geschwistern.

40. Die neutestamentliche Gemeinde investierte ihr Geld in die Hilfe an bedürftige Geschwister, und in die Unterstützung an die vollzeitlichen Verkündiger. (Apg.2,45, 4,34-35, 1.Kor.9,14, 2.Kor.8,14-15, Gal.2,10, Gal.6,6, Eph.4,28)
In anderen Worten, alle ihre Investitionen waren in Menschen, nicht in materielle Dinge (da die materiellen Dinge vergehen, aber die Menschen sind ewig). Insbesondere investierten sie nichts in Versammlungsgebäude, da sie sich an öffentlichen Plätzen versammelten und in ihren eigenen Häusern.

41. Die heutigen evangelischen Kirchen legen sich selbst im allgemeinen eine sehr schwere Last an Finanzen, Kräften und Zeit auf, wegen ihrer Bauvorhaben. Diese Mittel fehlen dann der eigentlichen Arbeit Gottes.

42. Die Christen im Neuen Testament öffneten ihre Häuser für (unangemeldete) Besucher und Versammlungen, und beherbergten wandernde Diener Gottes; sie waren bekannt für ihre Gastfreundschaft. (Apg.2,46, 5,42, Röm.16,23, 1.Kor.16,19, Kol.4,15, Phlm.2, Heb.13,2, 1.Petrus 4,9, 3.Joh.5-10)
Viele Mitglieder heutiger evangelischer Gemeinden haben nicht das Vertrauen, ihre Häuser anderen Geschwistern zu öffnen oder spontan andere Geschwister in deren Häusern zu besuchen (ausser sie werden offiziell zu Hauskreis-Gastgebern bestimmt). Das deutet auf einen Mangel an Gastfreundschaft hin, und auf einen Mangel an echter Gemeinschaft und Vertrauen unter Geschwistern.

43. Keine menschliche Organisation ist identisch mit „der Gemeinde“, und keine menschliche Person darf sich „Haupt der Gemeinde“ nennen. Die Gemeinde gehört Jesus dem Herrn, und niemandem sonst.
Deshalb ist es entgegen dem Wort Gottes, wenn ein Pastor, eine örtliche Gemeinde oder ein Gemeindeverband sich ein besonderes Recht über die Personen anmasst, die sich bei ihnen versammeln („meine Gemeinde“, „meine Schafe“). Die Bekehrung, Hingabe und Loyalität eines Christen richten sich an Christus, nicht an eine Denomination oder einen menschlichen Leiter (1.Kor.1,12-17, 3,4-9, 1.Petrus 5,3).
Die menschlichen Organisationen sind unvollkommen, führen immer ein gewisses Mass an Fehlern ein, und enthalten immer eine gewisse Anzahl nicht wiedergeborener Mitglieder.

44. Das Problem des Denominationalismus kann nicht gelöst werden, indem man einfach die bestehenden Denominationen verlässt, denn das bildet nur neue Denominationen, die ihrerseits in Konkurrenz stehen zu den bestehenden. – Es kann auch nicht gelöst werden, indem man „gemeindelos“ bleibt, denn ein Christ braucht die Gemeinschaft mit den anderen Gliedern des Leibes Christi. – Das Problem wird sich nur lösen, wenn die Gemeinde wieder anfängt, das christliche Leben des Neuen Testamentes zu leben.


VI) Über die Leiterschaft der Gemeinde

45. Die Gemeinde Jesu ist keine Diktatur (2.Kor.1,24, 1.Petrus 5,2-3). Die Leiter der Gemeinde Jesu sind dazu da, den anderen Gliedern zu dienen (Luk.22,24-27). Nicht jedes Wort des Leiters ist ein „Ausspruch Gottes“.
Viele heutige evangelische Kirchen sind Diktaturen. Leiter beschämen kalkuliert die Mitglieder, um zu erreichen, dass sie sich ihren Launen unterwerfen. Sie üben eine falsche Autorität aus, mit Manipulation und Drohungen, und missbrauchen oft den Namen Gottes, um ihre eigenen Ziele zu erreichen. Sie lehren, implizit oder explizit, dass ein Christ die Stimme Gottes nur mittels seiner Leiter hören kann.
Von einem Leiter, der so nach eigener Massgabe regiert, kann nicht gesagt werden, er sei von Gott eingesetzt oder repräsentiere die Stimme Gottes.

46. Die Gemeinde Jesu ist keine Demokratie. Es kommt Gott zu, nicht dem Menschen, Leiter zu berufen und einzusetzen (Joh.15,16, Apg.20,28, Eph.4,11).
Viele heutige evangelische Kirchen wählen ihre Leiter nach fleischlichen Kriterien; eine Mehrheit von gottfernen Mitgliedern wählt gottferne Leiter. Von solchen Leitern kann auch nicht gesagt werden, sie seien von Gott eingesetzt, denn sie befinden sich in ihren Stellungen entgegen dem Willen Gottes.

47. Die (örtliche) Gemeinde Jesu wird von mehreren Leitern geleitet.
Das Neue Testament erwähnt keine einzige Ortsgemeinde, die von einer einzigen Person geleitet worden wäre. Dagegen werden viele Gemeinden erwähnt, die von einer Gruppe von mehreren Leitern geleitet wurden (Apg.13,1, 14,23, 15,4.6, 20,17, Phil.1,1, 1.Thess.5,12-13, Titus 1,5, Hebr.13,7), und von einer Vielfalt von Diensten (Eph.4,11-12).

48. Im Neuen Testament wurde die geistliche Autorität von Personen dadurch erkannt und anerkannt, dass sie Jesus persönlich kennen und ihm nahe sind; und dadurch, dass sie mit ihrem Leben den Gläubigen ein Beispiel sind.
Die heutigen evangelischen Kirchen haben im allgemeinen irrige Kriterien für Autorität, wie z.B:

  • Kenntnisse oder akademische Titel,
  • eine durch menschliche Wahl übertragene Position,
  • die menschliche Fähigkeit zu überzeugen, zu manipulieren oder sich durchzusetzen,
  • die finanzielle Stellung.

Nichts von dem Erwähnten ist ein biblisches Kriterium für geistliche Autorität. Deshalb sind viele der gegenwärtigen Gemeindeleiter nicht jene, die nach biblischen Kriterien Leiter sein sollten.

49. Im Neuen Testament sind die Ausdrücke „Pastor“/“Hirte“ (insofern ein Leiter einer örtlichen Gemeinde gemeint ist), „Ältester“, und „Bischof“/“Aufseher“ synonym (Apg.20,17.28, Titus 1,5-7, 1.Petrus 5,1.4).
Es gibt keine „Pastoren als Vorgesetzte von Ältesten“, und keine „Bischöfe als Vorgesetzte von Pastoren“.
(Timotheus und Titus waren keine örtlichen „Pastoren“, sondern hatten einen apostolischen oder „ko-apostolischen“ (regionalen) Dienst als Beauftragte und Nachfolger von Paulus. – Siehe Titus 1,5 „in jeder Stadt“.)

50. Von den 5 Diensten, die in Eph.4,11 erwähnt werden, anerkennen die heutigen evangelischen Kirchen im allgemeinen nur den Dienst des „Pastors“/“Hirten“, und diesen verstehen sie erst noch falsch, indem sie einen einzelnen „Hauptpastor“ über eine örtliche Gemeinde stellen, was nicht biblisch ist (s.o. No.47) Deshalb ist das Volk Gottes geistlich unterernährt.

51. Die Gemeinde Jesu wird durch Konsens geleitet (Matth.18,19-20, Apg.15,22.28).
Ein Konsens wie er in den angeführten Stellen beschrieben wird, ist nicht ein gegenseitiges Abkommen zwischen unterschiedlichen menschlichen Meinungen. Vielmehr ist er die Harmonie, die entsteht, wenn alle Leiter ehrlich und ernsthaft Gottes Willen suchen (siehe Apg.13,1-3), und so zu einer einmütigen Entscheidung kommen. Um zu dieser Art Konsens zu kommen, ist das übernatürliche Wirken Gottes erforderlich, der jeden einzelnen führt.

52. Die heutigen evangelischen Kirchen kommen im allgemeinen nicht zu einem Konsens dieser Art, weil sie nicht ernsthaft Gottes Willen suchen; und weil einige ihrer Leiter nicht einmal wiedergeboren sind. Deshalb lassen sie sich von menschlichen Entscheidungen führen statt von Gottes Willen. Dieser Mangel an Konsens ist ein weiteres Zeichen dafür, dass die Kirchen und ihre Leiterschaft sich sehr weit vom Standard Gottes entfernt haben.

53. Wo die Leiterschaft das geistliche Leben hindert, oder dem geistlichen Leben gegenüber gleichgültig ist, statt dazu zu ermutigen, da handelt es sich nicht um eine wirkliche geistliche Leiterschaft.

Das geistliche Leben wird gehindert, wo z.B. …

  • … die Leiter die Zeit der Mitglieder mit geistlich unproduktiven Aktivitäten besetzen,
  • … die Mitglieder gelehrt werden, in erster Linie sich äusseren Regeln und Normen anzupassen, statt selber Gott zu suchen,
  • … die Leiter die Mitglieder von sich selber abhängig machen statt von Gott,
  • … die Leiter die Mitglieder als ihr persönliches Eigentum betrachten, indem sie z.B. verhindern, dass die Mitglieder geistliche Nahrung oder Rat erhalten von ausserhalb des Einflussbereichs des Leiters,
  • … die Leiter auf ihren Vorrechten bestehen, und besonders aktive Mitglieder mit Argwohn betrachten (insbesondere jene, die Änderungen vorschlagen),
  • … die Leiter die Mitglieder nicht zum Werk des Dienstes zurüsten (Eph.4,12), und ihnen weder Platz noch Freiheit lassen, dieses Werk zu tun,
  • … jede geistliche Aktivität vom Leiter „bewilligt“ werden muss,
  • … die Leiter sich nicht um die Ausbreitung des Evangeliums an ihrem Ort und in der Welt kümmern,
  • … die Leiter ihre Macht missbrauchen,
  • … die Leiter sich in das Privatleben der Mitglieder einmischen,
  • … die Leiter ihre Fehler nicht anerkennen, und keine Verantwortung dafür übernehmen,
  • … die Mitglieder den Leitern dienen müssen, statt dass ihnen geholfen wird, Gott zu dienen,
  • … die Leiter mit ihrem eigenen Leben zeigen, dass Gott nicht den ersten Platz in ihrem Leben hat,
  • … die Mitglieder entmutigt oder abgelehnt werden, wenn sie anfangen mit anderen zu teilen, was sie mit Gott erlebt haben.

Wo eine Leiterschaft in beschriebener Weise oder ähnlich handelt, da hat ein Christ KEINERLEI Verpflichtung, dieser Leiterschaft zu gehorchen oder sich ihr unterzuordnen (Apg.5,29).

54. Im Neuen Testament gibt es keine menschliche Leiterschaftsautorität, die über die örtliche Gemeinde hinausginge, mit Ausnahme des apostolischen Dienstes.
(Die Dienste der Propheten, Evangelisten und Lehrer können regional oder überregional sein, aber sie üben keine Leiterschaftsautorität über die Gemeinden aus.)

55. Die heutigen evangelischen Kirchen errichten im allgemeinen apostolische Strukturen (regionale und nationale Leiterschaften, Synoden, usw.), ohne dass sie überhaupt abgeklärt hätten, ob der apostolische Dienst heute noch existiert; und noch viel weniger, was die Kriterien dazu wären, dass jemand einen solchen Dienst ausübte. Deshalb haben sie Leiterschaftsstrukturen, für die sie keine lehrmässige Grundlage haben, und besetzen diese Strukturen mit Menschen, die die biblischen Kriterien nicht erfüllen für die Funktion, die sie innehaben.

56. Alle Christen sind Priester. (1.Petrus 2,5.9, Offb.1,6; 5,10; 20,6 – dies sind die einzigen Bibelstellen, wo das Wort „Priester“ für Christen gebraucht wird, und alle diese Stellen beziehen sich auf die Gesamtheit der Christen.) Kein Christ braucht einen anderen Priester (Mittler) ausser Jesus, um sich Gott zu nähern (1.Tim.2,5, Hebr.4,14-16, 10,19-22). Deshalb ist es unbiblisch und gotteslästerlich, wenn ein christlicher Leiter sich priesterliche Vorrechte über andere Christen anmasst. Nicht einmal die Apostel selber massten sich solche Vorrechte an.

57. Die Position eines „ordinierten Pastors“ gibt es im Neuen Testament nicht.
Die Leiter wurden aufgrund ihrer offensichtlichen geistlichen Autorität anerkannt (s.o. No.48), nicht durch einen Akt der „Ordination“. Niemand wird zu einem Pastor durch einen Akt der Ordination; sondern die Gemeinde anerkennt jene, die bereits „von gutem Zeugnis, voll von Heiligem Geist und Weisheit“ sind (Apg.6,3).
– Im Neuen Testament gab es zwar „Älteste“, und es gab die fünf Dienste, die in Epheser 4,11 erwähnt sind; aber beides war sehr verschieden von dem, was heute unter einem „ordinierten Pfarrer“ verstanden wird.
(Die einzigen neutestamentlichen Stellen, die im Sinn einer „Ordination“ verstanden werden könnten, sind die Hinweise auf die „Handauflegung“ in 1.Tim.4,14, 5,22, und 2.Tim.1,6. Aber diese Stellen sprechen einfach von einer „Gabe“, die verliehen wurde. Wenn einige Ausleger diese Stellen als „Ordination“ interpretieren, dann kommt das daher, dass sie bereits vom römisch-katholischen Konzept beeinflusst sind, s.u. No.58.
– Im Alten Testament wurden Priester ordiniert; aber das kann nicht auf die neutestamentliche Gemeinde übertragen werden, weil alle Christen Priester sind, s.o.
No.56.)

58. Das gegenwärtige Konzept eines „ordinierten Pastors“ kommt vom katholischen Sakrament der Priesterweihe, welche den „Klerus“ von den „Laien“ trennt und die „Laien“ vom Dienst des Herrn ausschliesst (während Eph.4,12 erklärt, dass es Aufgabe der „Pastoren“ etc. ist, alle Christen zuzurüsten, damit sie „das Werk des Dienstes“ tun). Deshalb haben die heutigen evangelischen Kirchen im allgemeinen noch ein viel eher römisch-katholisches als biblisches Amtsverständnis.
Eine andere Wurzel dieses irrigen Verständnisses liegt (in Südamerika) im Schamanismus, mit dem Glauben, der „Pastor“ besässe aufgrund seiner „Ordination“ gewisse mystische Kräfte (ähnlich einem Medizinmann), die andere Gläubige nicht haben.
Aus all diesen Gründen behindern oder entmutigen viele heutige „Pastoren“, „Pfarrer“ und „Leiter“ in Wirklichkeit Gottes Werk mehr als dass sie es voranbringen. Das geschieht, weil diese Leiter sich unersetzbar machen, und das verhindert, dass die „Laien“ effizient und vollmächtig dienen könnten. Die „Laien“ bleiben unreif und abhängig.

59. Die Austeilung des Abendmahls und das Taufen wird nirgends im Neuen Testament mit einer bestimmten Position der Leiterschaft oder des Dienstes in Verbindung gebracht.
Das Abendmahl im Speziellen ist die Fortsetzung des jüdischen Passah, und wurde in den Privathäusern gefeiert wie das Passah (Apg.2,46). Deshalb ist anzunehmen, dass das Abendmahl genauso wie die Passahfeier vom Familienvater geleitet wurde.
Was die Taufe betrifft, so wurde der Apostel Paulus von Ananias getauft (Apg.22,16), der weder Apostel noch Ältester war, sondern ein einfacher „Jünger“ und „gottesfürchtiger Mann“. Paulus selber erklärt, dass er nicht gesandt wurde zu taufen; somit waren es andere, die seine Bekehrten tauften (1.Kor.1,13-17). Der Missionsbefehl Jesu an alle seine Jünger (Matth.28,18-20) schliesst den Taufbefehl mit ein.
(Wir können nicht sagen, dass dieses Gebot sich nur an die Apostel richtete, denn es erstreckt sich „bis zum Ende der Welt“; und die Apostel werden beauftragt, „sie zu lehren, dass sie alles halten, was ich euch geboten habe“, was mit Sicherheit ebendiesen Taufbefehl mit einschliesst.)
Die logische Schlussfolgerung ist, dass das Neue Testament keinerlei Einschränkungen kennt, wer unter den Christen das Abendmahl austeilen oder taufen dürfte. Diese Funktionen gehören zum allgemeinen Priestertum aller Gläubigen.

60. Die heutigen evangelischen Kirchen sind jedoch nicht in der Lage, dieses allgemeine Priestertum auszuüben, weil viele ihrer Mitglieder keine wirklichen Christen sind; und auch unter den wirklichen Christen sind viele, die die Anzeichen einer echten Bekehrung in anderen nicht erkennen. Deshalb kann das allgemeine Priestertum nicht wirklich ausgeübt werden, solange die Kirche sich nicht wirklich reformiert.

61. In der neutestamentlichen Gemeinde wurden Personen, die in Sünde weiterlebten, ohne diese zu bereuen, von den anderen Christen gemieden (1.Kor.5,1-5, 5,11, 6,9-10), mit dem Ziel, sie zur Umkehr und zur Wiederherstellung zu bringen, wo immer möglich (2.Kor.2,6-11, 7,8-11).

62. In vielen heutigen evangelischen Kirchen wird eine verkehrte Art von „Gemeindezucht“ angewandt, mit dem Ziel, die Mitglieder zu manipulieren und zu bedrohen, damit sie den Forderungen der Leiter nachgeben.
Diese „Gemeindezucht“ wird nicht aus den biblischen Gründen angewandt, sondern um jene zum Schweigen zu bringen, die einem Leiter widersprechen oder ihn kritisieren (wie berechtigt die Kritik auch sein möge), usw. In allzuvielen Fällen, wo jemand eine Sünde eines Leiters aufdeckt, wird nicht der schuldige Leiter unter „Gemeindezucht“ gestellt, sondern derjenige, der die Sünde aufdeckte.

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