Archive for Juli 2011

Über die Einheit der Christen – Teil 3 – Die Einsamkeit des Christen

27. Juli 2011

Nachdem ich in der vorangehenden Folge über christliche Einheit und Gemeinschaft schrieb, ist es mir wichtig, auch die Kehrseite zu erwähnen: ein echter Christ ist oft einsam. Nicht nur in der „Welt“, sondern oft auch in den gegenwärtigen Gemeinden.

Manche grossen Männer Gottes in der Bibel wurden für längere Zeit von Gott buchstäblich in die Wüste geschickt. Abraham musste Hunderte von Kilometern durch die heutige arabische und syrische Wüste wandern, auf der Suche nach einem Land, das Gott ihm erst zu einem unbekannten Zeitpunkt unterwegs zeigen würde. Moses verbrachte vierzig Jahre damit, in der Wüste Schafe zu hüten; und dann nochmals vierzig Jahre als Führer eines halsstarrigen Volkes in derselben Wüste. Johannes der Täufer verbrachte fast sein ganzes Leben in der Wüste. Jesus selber wurde vom Heiligen Geist in die Wüste getrieben, um vierzig Tage lang zu fasten und vom Teufel versucht zu werden.

Gott benutzte verschiedene Umstände, um diese Menschen in die Wüste zu bringen. Oft war es die Flucht vor Feinden (z.B. Moses, David, Elias). Manchmal war es auch ein direkter Ruf Gottes (Abraham, Johannes der Täufer, Jesus). Andere haben sich anscheinend freiwillig zeitweise in die Wüste zurückgezogen, um Gott zu suchen (Ezechiel, Daniel, Paulus – Gal.1,15-17 – wobei bei Paulus evtl. auch der Umstand der Flucht mitspielte, Apg. 9,23-25).

Ebenso unterschiedlich war auch das Handeln Gottes an diesen Menschen in der Wüste. Für manche war es eine Zeit der Läuterung und Vorbereitung für eine zukünftige Aufgabe (Moses, David, Jesus – wobei Jesus natürlich keine Läuterung nötig hatte -, Paulus). Manche erlebten Versuchungen und harte Anfechtungen (David, Elias, Jesus). Manche hatten in der Wüste eindrückliche Begegnungen mit Gott (Moses, Elias, Ezechiel, Daniel, Johannes der Apostel auf Patmos).

Aber alle sind in ihrer Wüstenzeit von Gott bleibend verändert worden. Und noch etwas war ihnen gemeinsam: die Erfahrung grosser Einsamkeit. Sie waren von der Gesellschaft abgeschnitten – auch vom „religiösen Leben“ der Gesellschaft. Sie konnten ihre tiefsten Erfahrungen mit niemandem teilen. Selbst als sie aus der Wüste zurückkamen, blieben sie „besondere“, „abgesonderte“ Menschen, weitgehend unverstanden von ihren Mitmenschen, die keine solche Wüstenerfahrung hinter sich hatten.

Ein besonderes Beispiel gibt uns Johannes der Täufer, der „Rufer in der Wüste“: Er ging nicht zu den Menschen, um ihnen zu prophezeien. Stattdessen mussten die Menschen zu ihm in die Wüste hinausgehen, wenn sie ihm zuhören wollten oder von ihm getauft werden wollten. Damit gab er ihnen zu verstehen: Wer die Botschaft Gottes erhalten will, muss bereit sein, die Wüstenerfahrung zu teilen. Das ist etwas, was keine gelehrte theologische Schule und keine wohlorganisierte Gemeinde mit klimatisierten Räumlichkeiten vermitteln kann.

Damit kommen wir zu dem Punkt, wo das „Wüstenprinzip“ allen Nachfolgern Jesu gilt:

„Denn die Körper jener Tiere, deren Blut für die Sünde vom Hohepriester ins Heiligtum gebracht wird, werden draussen vor dem Lager verbrannt. Deshalb litt auch Jesus ausserhalb des Tors, um das Volk durch sein eigenes Blut zu heiligen. Lasst uns deshalb zu ihm hinausgehen, ausserhalb des Lagers, und seine Schmach tragen.“ (Hebräer 13,11-13)

Das „Lager“ bezieht sich hier auf das Zeltlager Israels, also auf die Gemeinschaft des Volkes Gottes; das „Tor“ auf das Stadttor Jerusalems. Es wird angenommen, der Hebräerbrief sei an die Jerusalemer Christen geschrieben, die vor der römischen Belagerung in die Wüste geflohen waren. Wahrscheinlich vermissten viele von ihnen die Annehmlichkeiten der Stadt und die grossen Versammlungen im Tempel. Aber die zitierten Verse zeigen uns, dass es zum Weg eines Nachfolgers Jesu gehört, solch angenehme Gemeinschaft hinter sich zu lassen – oft sogar die Gemeinschaft derer, die sich „Volk Gottes“ nennen und in der Vergangenheit selber einmal in die Wüste hinausgezogen waren.

– In der Folge gebe ich einige Zitate wieder, die zeigen, dass Nachfolge Jesu oft gerade nicht „fröhliche Gemeinschaft“ bedeutet; und die weiteres Licht darauf werfen, warum Nachfolger Jesu oft sogar gerade inmitten anderer Christen einsam sind.

Die Bergspitzen des Gebets
Die amerikanischen Pioniere, die nach dem Westen zogen, suchten jeweils einen hochgelegenen Aussichtspunkt, von wo aus sie das vor ihnen liegende Wegstück überblicken konnten. Die Pioniere einer Erweckung sind nicht anders. Von der Höhe ihrer gebeugten Kniee aus suchen sie den geistlichen Horizont ab, ob sie ein kleines Zeichen einer kommenden Bewegung Gottes sehen können. Sie besteigen ständig die Bergspitzen des Gebets, in der Hoffnung, wenigstens ein kleines Zeichen von Erweckung zu entdecken.
…Jeder echte Erweckungspionier ist wohlbekannt mit dem Geschmack heisser Tränen und Herzeleid. Das Gebet ist für ihn nicht nur ein Mittel, neue Richtungsweisung zu erhalten; es ist auch ein übernatürlicher Weg, der Last eines gebrochenen Herzens Ausdruck zu verleihen. Der Pionier wird wiederholt gepeinigt von der zunehmenden Krise einer kraftlosen Gemeinde inmitten einer sündenkranken und verlorenen Welt. Seine Hoffnung wird verspottet und herausgefordert von einer religiösen Einöde und Tälern voll von vertrockneten Knochen. Aber seltsamerweise sind es genau diese öden und bedrohlichen geistlichen Bedingungen, die den Pionier weiter ins Gebet treiben, um neue Wege des Heiligen Geistes zu finden. Sich in einer solchen Umgebung behaglich niederzulassen, würde den Tod ihres Dienstes und ihrer Vision bedeuten. (…)

Du bist NICHT verrückt!
Hast Du Dich je über diesem göttlichen Herzeleid gefragt, ob Du dabei bist, verrückt zu werden? Viele der frühen Pioniere, die nach Westen zogen, hatten ähnliche Gefühle, als sie die Sicherheit und Bequemlichkeit ihrer Häuser verliessen. Obwohl sie ihren Besitz und ihre Nachbarn schätzten, fühlten sie dennoch, dass sie irgendwie nicht ganz hineinpassten oder dazugehörten. Sie konnten den wachsenden Hunger nach etwas anderem nicht loswerden. In ganz ähnlicher Weise gibt es heute Tausende junger Erweckungspioniere, die dieselben intensiven und oft befremdlichen Gefühle teilen. Ich spreche über etwas, was vom Heiligen Geist gewirkt ist; ein Unbehagen, das von Gott kommt, und das Dir nicht erlaubt, Dich mit weniger zufriedenzugeben als mit der wirklichen Gegenwart Jesu Christi.
Nicht an den Erweckungsprozess Gottes gewöhnt, versuchen einige Pioniere, dem Eindruck Gottes auf ihren Herzen zu entfliehen. Eins ums andere Mal bemühen sie sich, sich in die neusten Pläne und Strömungen der Gemeinde einzufügen. Aber sie finden nie Erleichterung darin. Sogar inmitten von erneuerten Gemeinschaften fühlen sie sich oft als unangepasste Aussenseiter. Während andere in der Gemeinde völlig zufrieden scheinen, kann der Erweckungspionier in genau derselben Umgebung kaum die Tränen zurückhalten, und den Hunger nach mehr. Sind Dir diese befremdlichen und unbequemen Gefühle bekannt? Ist Dein hungriges Herz verwirrt darüber, wo Du hineinpasst im Haus Gottes? – Vielleicht hat Gott dir nicht erlaubt, „hineinzupassen“!
Oft findet die prophetische Botschaft des Pioniers kein Gehör, solange Gott nicht ein frisches Werk tut. Deshalb sollten junge Pioniere nicht überrascht sein, wenn sie angeklagt werden, zu idealistisch und unpraktisch zu sein. Solche Kritik und Unverständnis sind oft ein Teil von Gottes Trainingsprozess. … Obwohl er oft gemieden und sogar heftig abgelehnt wird, lernt der echte Pionier durch Versuch und Irrtum, es in Sanftmut und Geduld zu ertragen. Trotzdem sollte sich jeder Pastor und geistliche Leiter davor hüten, allzuschnell den aufrichtigen Eifer eines jungen Pioniers als den kritischen Geist eines unreifen Rebellen abzutun.“
(David Smithers, „The New Pioneers of Revival“, http://www.watchword.org. – Diese Seite ist eine wahre Fundgrube an Artikeln von und über Erweckung, leider alle auf Englisch.)

Der Heilige muss den Weg allein gehen
Die meisten grossen Seelen der Welt waren einsam. Einsamkeit scheint ein Preis zu sein, den der Heilige für seine Heiligkeit bezahlen muss.
… Die vorchristlichen Propheten waren unter sich sehr verschieden, aber sie hatten eines gemeinsam: ihre Einsamkeit. Sie liebten ihr Volk und ehrten die Religion ihrer Väter, aber ihre Loyalität zu Gott und ihr Eifer um das Wohlergehen ihrer Nation Israel entfremdeten sie den Massen. „Ich wurde meinen Geschwistern ein Fremder, und den Kindern meiner Mutter ein Unbekannter“, rief einer von ihnen aus und sprach für alle anderen mit.
…Jesus starb allein in der Dunkelheit, verborgen vor den Blicken der Menschen; und niemand sah ihn, als er siegreich auferstand und aus dem Grab kam.
…Manchmal reagieren wir aus einem religiösen Reflex heraus und wiederholen pflichtbewusst die „richtigen“ Worte, obwohl sie weder unsere wirklichen Gefühle wiedergeben noch durch unsere persönliche Erfahrung abgedeckt sind. Jemand mag z.B. heiter sagen: „Oh, ich bin nie einsam. Jesus hat gesagt, dass er immer bei mir ist.“
Dieses Zeugnis, das die meisten Christen auf Lager haben, ist zu nett, um wahr zu sein. Es drückt aus, was der Sprecher denkt, es sollte wahr sein; nicht was er durch Erfahrung als wahr erkannt hat. Dieses heitere Verneinen der Einsamkeit beweist nur, dass der Sprecher nie den Weg mit Gott gegangen ist, ohne die mutmachende Unterstützung der Gesellschaft. Das Gefühl der Gemeinschaft, das er irrtümlich der Gegenwart Christi zuschreibt, kommt wahrscheinlich von der Gegenwart freundlicher Menschen. Erinnere dich daran: du kannst kein Kreuz in Gemeinschaft tragen. Auch wenn jemand von einer grossen Menschenmenge umgeben ist: sein Kreuz ist allein seines, und die Tatsache, dass er es trägt, sondert ihn ab. Die Gesellschaft hat sich gegen ihn gewandt; sonst hätte er kein Kreuz. Niemand ist ein Freund des Mannes mit dem Kreuz. „Sie verliessen ihn alle und flohen.“
Der Schmerz der Einsamkeit kommt aus unserer Natur. Gott hat uns füreinander gemacht. Der Wunsch nach menschlicher Gemeinschaft ist natürlich und recht. Die Einsamkeit des Christen kommt von seinem Weg mit Gott in einer ungöttlichen Welt. Dieser Weg sondert ihn oft ab, nicht nur von der unbekehrten Welt, sondern oft auch von der Gemeinschaft guter Christen. Sein Inneres schreit nach Gemeinschaft mit anderen seiner Art, mit anderen, die seine Sehnsucht verstehen, seine Wünsche, sein Aufgehen in der Liebe Christi. Da es in seinem Freundeskreis so wenige gibt, die innere Erfahrungen teilen, sieht er sich gezwungen, seinen Weg allein zu gehen.
…Der Mensch, der die Gegenwart Gottes tatsächlich erfahren hat, wird nicht viele finden, die ihn verstehen. Er wird natürlich gewisse soziale Gemeinschaft finden im Umgang mit religiösen Menschen in den Aktivitäten der Gemeinde; aber echte geistliche Gemeinschaft wird schwer zu finden sein. Er sollte nichts anderes erwarten. Schliesslich ist er ein Fremdling und Pilger… Er hat einen anderen Geist als die Volksmengen, die die Vorhöfe des Hauses des Herrn zertreten. Er hat gesehen, was sie nur vom Hörensagen kennen; und er geht unter ihnen umher ähnlich wie Zacharias, als er vom Altar zurückkehrte und die Leute tuschelten: „Er hat eine Vision gesehen.“
…Es ist gerade diese Einsamkeit, die ihn auf Gott zurückwirft. „Wenn auch Vater und Mutter mich verlassen, der Herr nimmt mich auf.“ Da er keine menschliche Gemeinschaft finden kann, sucht er in Gott, was er nirgendwo sonst finden kann. Er lernt in innerer Einsamkeit, was er in der Menge nicht hätte lernen können: dass Christus alles in allem ist; dass er uns zur Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung gemacht wurde, dass wir in ihm das höchste Gut des Lebens haben.“
(Aus A.W.Tozer, „The Dwelling Place of God“)

„Wenn es zwischen denen, die sich als Christen bezeichnen, an brüderlicher Liebe und christlichem Vertrauen mangelt, dann ist eine Erweckung nötig. Wenn Christen in einen niedrigen und abgefallenen Zustand gesunken sind, dann haben sie nicht dieselbe Liebe und nicht dasselbe Vertrauen zueinander, und können sie gar nicht haben, als wenn sie alle lebendig wären und heilige Leben lebten.
Gott liebt alle Menschen mit einer Liebe des Wohlwollens; aber die Liebe des Wohlgefallens fühlt er nur gegenüber denjenigen, die heilig leben. Christen können einander mit der Liebe des Wohlgefallens nur soweit lieben, wie sie heilig sind. Wenn christliche Liebe die Liebe zum Abbild Christi in seinem Volk ist, dann kann diese Liebe nur da ausgeübt werden, wo dieses Abbild tatsächlich existiert. Eine Person muss das Abbild Christi widerspiegeln, und den Geist Christi zeigen, bevor andere Christen diese Person mit der Liebe des Wohlgefallens lieben können. Es ist vergeblich, Christen dazu aufzurufen, einander mit der Liebe des Wohlgefallens als Christen zu lieben, wenn sie in Stumpfheit abgesunken sind. Sie sehen aneinander nichts, was diese Liebe hervorbringen könnte. Es ist (in diesem Zustand) nahezu unmöglich, füreinander etwas anderes zu fühlen als für die Sünder. Lediglich zu wissen, dass sie zur Gemeinde gehören, oder einander gelegentlich am Abendmahlstisch zu sehen, wird keine christliche Liebe hervorbringen; ausser sie können ineinander das Abbild Christi sehen.“
(Aus Charles Finney, „Revival Lectures“, 2.Kapitel)

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Über die Einheit der Christen – Teil 2 – Was ist christliche Einheit?

19. Juli 2011

Zuerst kurz zusammengefasst einige Punkte, die ich schon im ersten Teil erwähnte:

Das vielzitierte Gebet Jesu um Einheit (Joh.17,20-23) bezieht sich auf diejenigen, “die an mich glauben”. Das bedeutet:
– Eine Einheit von Einzelpersonen. Nicht von Organisationen.
– Eine Einheit von Gläubigen. Nicht von Namenschristen, nicht von “Getauften”, nicht von “Gemeindegliedern”, erst recht nicht eine Einheit der ganzen Menschheit.

Wie könnte diese Einheit Wirklichkeit werden? Auf diese Frage möchte ich in dieser Folge eingehen.

Wie wir gesehen haben, führt die ökumenische Bewegung nicht zu dieser Einheit hin. – Andererseits ist die Zersplitterung der Christenheit in Konfessionen, Denominationen, etc, eine unleugbare Tatsache. Man kann dem Problem nicht ausweichen mit dem Argument, die von Jesus gemeinte Einheit sei eben geistlich und daher “unsichtbar”. Jesus erklärt in Joh.17,23, diese Einheit diene (u.a.) dazu, “damit die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast”. Wenn die Welt irgendetwas erkennen soll, dann muss die Einheit notwendigerweise sichtbar sein.

Ich möchte die gegenwärtige Situation in einem Bild darstellen. In der Mitte ist Jesus, symbolisiert durch ein Kreuz, die Mitte des christlichen Glaubens. Um diese Mitte herum haben sich verschiedene “Gefässe” gebildet, Organisationen, die als ihren Zweck angeben, das Christentum zu verkörpern. Das sind die verschiedenen Konfessionen, Denominationen und Gemeinden. Manche dieser Organisationen begannen als echte geistliche Erweckungen in der Mitte, beim Kreuz. Aber im Lauf der Geschichte erstarrten sie zu menschlichen Organisationen und entfernten sich allmählich von der Mitte. Deshalb sind alle diese Gefässe im Bild in einer gewissen Distanz vom Kreuz dargestellt. Sie sind auch keine reinen christlichen Gemeinden mehr, sondern enthalten einen gewissen Prozentsatz (eine Mehrheit, wie ich befürchte) von Namenschristen, die nicht wiedergeboren sind. (Im Bild dargestellt dadurch, dass die Gefässe sowohl weisse wie schwarze Punkte enthalten.)

Nun gibt es verschiedene Reaktionen auf diese Situation.

Den Ökumenismus habe ich in der vorherigen Folge beschrieben. Man könnte sagen, der Ökumenismus versucht alle diese Gefässe zusammenzufassen und alles, was darin ist; während er die Mitte, das Kreuz und die Person Jesu, weitgehend ausser acht lässt. Die gegenwärtige ökumenische Bewegung hat sich sogar anderen Religionen geöffnet; deshalb ist im Bild der Kreis des „Ökumenismus“ noch weiter gezeichnet als der Kreis derer, die sich „Christen“ nennen.

Es gibt auch die gegenteilige Reaktion, den Denominationalismus oder Konfessionalismus. Der Denominationalismus sucht die Einheit in einer erzwungenen Übereinstimmung mit der eigenen Gemeindetradition. Wenn wir in den Paulusbriefen aufgefordert werden, „gleichgesinnt“ zu sein, dann legen Denominationalisten dies so aus: „Alle müssen mit unserer speziellen Tradition, Gottesdienstform und Bibelauslegung übereinstimmen.“ Sie sehen das „Unreine“ in den anderen Gefässen, übersehen aber die „dunklen Punkte“ in ihrem eigenen Gefäss (und oft auch die hellen Punkte in den anderen Gefässen).
– Eine spezielle Form des Denominationalismus ist das Papsttum, wo die Einheit auf der gemeinsamen Unterordnung unter eine menschliche Hierarchie beruht, und auf der Lehre, die römisch-katholische Kirche sei die einzige wahre Kirche. – Evangelische Denominationalisten behaupten zwar nicht, sie seien die einzige wahre Kirche; aber in der Praxis handeln sie oft so, als ob sie dies glaubten.

Auch diese Form der Einheit lässt die Mitte des christlichen Glaubens, die Person Jesu, weitgehend ausser acht. Stattdessen stellt sie einen menschlichen Leiter, eine menschliche Tradition oder eine spezifische Lehrmeinung in den Mittelpunkt.

„Die Extreme berühren sich“ auch hier: Im Verbot des „Proselytismus“ berühren sich Ökumenismus und Denominationalismus. Beide widersprechen einander bezüglich der Form, wie Einheit hergestellt werden soll; aber beide sind sich in diesem Punkt einig: Die „Gefässe“ sind heilige Kühe, die nicht angetastet werden dürfen.

Und das ist genau der Grund, warum beide an der christlichen Einheit vorbeizielen. Die Einheit, um die Jesus betete, ist eine Einheit in ihm selbst. Nicht in einer menschlichen Organisation; auch nicht in einer Vereinbarung zwischen vielen solchen Organisationen.
„Ich in ihnen, und du in mir, damit sie vollkommen seien in Einheit…“ (Joh.17,23).

Bevor Jesus um Einheit betete, betete er um Heiligung:
„Ich bete nicht, dass du sie aus der Welt herausnimmst; aber dass du sie vor dem Bösen behütest. Sie sind nicht von der Welt, so wie ich auch nicht von der Welt bin. Heilige sie in deiner Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit. … Und ich heilige mich selbst für sie, damit auch sie geheiligt seien in der Wahrheit.“ (Joh.17,15-19)

„Heilig“ sein bedeutet „ausgesondert sein für Gott“, „ganz und gar auf der Seite Gottes stehen“, und deshalb auch „ganz und gar gegen alles, was Gott widerspricht“. Im Gebet Jesu ist Heiligung die Basis für Einheit. Nur diejenigen, die zuerst ganz radikal „parteiisch“ werden für Gott und seine Wahrheit, können dann „unparteiisch“ in die Einheit mit allen anderen eintreten, die zur „Partei Gottes“ gehören.

In anderen Worten: Solange wir uns anstrengen, uns „einander“ anzunähern oder andere „näher zu uns“ hinzuziehen, werden wir keine Einheit schaffen können. Wenn wir uns aber darauf konzentrieren, uns Jesus anzunähern, dann werden wir finden, dass wir unweigerlich auch einander näherkommen.
Beim Versuch, auf menschlicher Ebene „Einheit“ zu schaffen, machen wir oft die Erfahrung: Sobald wir uns einem gewissen Segment der „Christenheit“ annähern, sehen wir uns in einer grösseren Distanz zu einem anderen Segment. Sobald wir neue Freunde im einen Lager gewinnen, machen wir uns Feinde in einem anderen Lager.
Im Bild können wir dies mit einer Hin- und Her-Bewegung auf einer Kreislinie vergleichen, die im ständig gleichen Abstand um das Kreuz herumläuft. So können wir zwar einigen Mitchristen näherkommen, entfernen uns aber gleichzeitig von anderen.
Die Alternative dazu wäre eine Bewegung auf Jesus hin, direkt auf das Zentrum zu. Dabei scheint es zunächst, dass wir uns von allen Gefährten entfernen, die wir neben uns auf der Kreislinie zurücklassen. Aber bald werden wir andere finden, die aus anderen Richtungen auf dasselbe Zentrum zugehen; und je näher wir zu Jesus kommen, desto näher kommen wir auch diesen anderen.

Da ist aber noch ein Problem. Wir sind ja (mehrheitlich) in unseren „Gefässen“ drin! Wie weit werden uns diese Gefässe erlauben, uns Jesus anzunähern? – Ideal wäre es natürlich, wenn das ganze Gefäss zur Mitte, zu Jesus zurückkehrte. Das war das Ideal der Reformation und manch anderer Erneuerungsbewegungen. Aber die Kirchengeschichte zeigt, dass dies so gut wie unmöglich ist. Fast alle geistlichen Erneuerungs- und Erweckungsbewegungen wurden von ihren eigenen „Muttergefässen“ abgelehnt und sogar verfolgt. Oft waren es gerade die kirchlichen Leiter, welche die Gemeindeglieder davor zurückhielten, einer Erweckungsbewegung zu folgen.

Historisch geschah deshalb meistens das Folgende: In Erweckungszeiten wurden Gläubige „aufgeweckt“ und begannen sich Jesus anzunähern. Da ihr „Gefäss“, ihre Gemeinde, diese Bewegung aber nicht mitmachte, wurde mit der Zeit die Spannung so gross, dass diese Erweckten sich gezwungen sahen, ihr „Gefäss“ hinter sich zu lassen (durch eigene Entscheidung oder durch Ausschluss). Sie fanden Gemeinschaft und Einheit mit anderen Erweckten (oft aus unterschiedlichem konfessionellem Hintergrund), in der Nähe zu Jesus. Diese Einheit war jeweils am intensivsten in der Anfangszeit, solange die Gemeinschaft mit Jesus vorrangig war und die Organisation zweitrangig. Aber mit der Zeit flaute die Erweckung ab, und das neue organisatorische „Gefäss“ trat in den Vordergrund (und begann sich gleichzeitig von der Mitte zu entfernen).

Paulus warnte die Korinther davon, sich mit menschlichen „Denominationen“ zu identifizieren:
„…dass jeder von euch sagt: Ich gehöre zu Paulus, und ich zu Apollos, und ich zu Kephas, und ich zu Christus. Ist etwa Christus zerteilt? Wurde etwa Paulus für euch gekreuzigt? Oder wurdet ihr auf den Namen von Paulus getauft?“ (1.Kor.1,12.13)
„Wer ist denn Paulus, und wer ist Apollos? Diener, durch die ihr zum Glauben gekommen seid, und dies wie der Herr es jedem gegeben hat. … Denn niemand kann ein anderes Fundament legen als das, das gelegt ist: Jesus Christus.“ (1.Kor.3,5.11)

In anderen Worten sagt er: „Ich erhebe keinen Besitzanspruch auf euch. Nicht ich bin es, der sein Leben für euch gegeben hat; Jesus hat dies getan. Er allein ist euer Fundament und euer Eigentümer. Werdet also nicht Nachfolger von menschlichen Parteien.“

– Ich könnte verschiedene historische Beispiele anführen für das Gesagte. Hier stellvertretend nur ein paar Zitate aus dem Buch „Azusa Street“ von Frank Bartleman, einem der ersten Pioniere der Pfingstbewegung:

„Ein Geist grosser Demut zeigte sich in dieser Versammlung. Alle waren auf Gott konzentriert. Offenbar hatte der Herr seinen kleinen Überrest gefunden, – draussen, wie immer -, durch den er seinen Willen tun konnte. Er konnte dies in keinem der Missionswerke des Landes tun; alle befanden sich in den Händen von Menschen. …Der Geist wurde von neuem in einem ärmlichen ‚Stall‘ geboren, ausserhalb der kirchlichen Institutionen, wie immer. Ein ‚Leib‘ muss vorbereitet sein, in Umkehr und Demut, für jede Ausgiessung des Geistes.“

„Wir waren alle Brüder. Wir hatten kein menschliches Programm. Gott selber leitete uns. Wir hatten keine Priesterklasse und keine priesterlichen Dienste. Diese Dinge kamen später, mit dem Abfall der Bewegung. Anfangs hatten wir nicht einmal eine Bühne oder Kanzel. Alle befanden sich auf derselben Höhe. Die Diener Gottes waren Diener im wahrsten Sinne des Wortes.“

„Wir dürfen keine Lehre vertreten, und keine Erfahrung suchen, ausser in Christus. …Die Aufmerksamkeit der Leute muss sich zuerst, und immer, auf ihn richten. Ein wahres ‚Pfingsten‘ wird eine sehr starke Überführung von Sünde bewirken, eine Rückkehr zu Gott. …Jedes Werk, das den Heiligen Geist oder die Gaben über Jesus erhebt, wird im Fanatismus enden. Alles, was Jesus erhoben und geliebt macht, ist gut und sicher…“

„Eines Tages zeigte mir Gott, dass sie (die Leiter von Azusa Street) daran dachten, sich zu organisieren, obwohl niemand ein Wort davon gesagt hatte. Der Geist hiess mich aufstehen und sie vor der Gefahr warnen, aus dem pfingstlichen Werk eine ‚Partei‘ zu machen. Die Heiligen sollten ‚ein Leib‘ bleiben, und frei sein, nicht ‚wieder unter einem (kirchlichen) Joch’… Am nächsten Tag fand ich über der Tür von Azusa ein Schild: ‚Missionswerk des apostolischen Glaubens.‘ Der Herr sagte mir: ‚Das ist es, was ich dir sagte.‘ Sie hatten es tatsächlich getan. Ein ‚Parteigeist‘ kann nicht ‚pfingstlich‘ sein. …Danach versuchten sie, das ganze Werk an der Küste in diese Organisation einzuschliessen, aber sie versagten kläglich… Das Volk Gottes muss frei sein von Hierarchien.“

„Je mehr die Bewegung abfiel, desto höher wurden die Bühnen, und desto feiner die Anzüge (der Prediger)… Die Könige kehrten auf ihre Throne zurück. Wir waren nicht mehr alle Brüder. Und die Spaltungen multiplizierten sich. Während Bruder Seymour in Azusa Street seinen Kopf in einer leeren Schachtel hielt, ging alles gut. (Anm: Er verbrachte die meiste Zeit in den Versammlungen so betend, statt zu ‚leiten‘.) Aber schliesslich bauten sie auch für ihn einen Thron. Jetzt haben wir nicht nur eine Hierarchie, sondern viele.“

Ähnliche Beobachtungen könnten wir auch bei anderen Erweckungsbewegungen machen wie z.B.bei den Pietisten, den Herrnhutern, den Methodisten, usw. Am Anfang war die Einheit mit Jesus zentral, was automatisch eine Einheit unter den Erweckten bewirkte. Mit der Zeit aber trat die „Organisation“ und die „Gemeindetradition“ in den Vordergrund, während die Beziehung zu Jesus (und damit die Erweckung und die Einheit) abflaute.

Über die Einheit der Christen – Teil 1: Warum ich nicht mit der ökumenischen Bewegung mitmache

12. Juli 2011

Lange Zeit habe ich interdenominationell mit christlichen Gemeinden aus verschiedensten Hintergründen zusammengearbeitet, ohne mich aber einem bestimmten Gemeindeverband zu verpflichten. Man könnte das eine „ökumenische“ Gesinnung nennen. Manche Bekannte konnten es deshalb nicht richtig einordnen, dass ich andererseits aber die ökumenische Bewegung kritisch beurteile. Ist das nicht ein Widerspruch? Bin ich jetzt für oder gegen die Einheit der Christen? – Mit dieser Artikelserie möchte ich auf diesen Themenkreis eingehen.

(NB: Die meisten Zitate sind aus dem Spanischen (rück-) übersetzt und stimmen deshalb nicht unbedingt mit dem ursprünglichen bzw. offiziellen deutschen Wortlaut überein.)

Wem gilt die Einheit?

Die ökumenische Bewegung nimmt Johannes 17,21 zum Leitspruch: “…damit sie alle eins seien, wie du, Vater in mir und ich in dir…” Jesus betet hier für seine Jünger, und “für diejenigen, die durch ihr Wort an mich glauben”. – Die Verfassung des Weltkirchenrates (World Council of Churches, WCC – auch bekannt als „Ökumenischer Rat der Kirchen“, ÖRK) sagt: “Der Weltrat der Kirchen ist eine Gemeinschaft von Kirchen, die den Herrn Jesus Christus als Gott und Retter bekennen, nach dem Zeugnis der Schriften, und versuchen gemeinsam auf ihre gemeinsame Berufung zu antworten…” Das klingt zunächst ganz gut; dennoch stellen wir schon hier einen wichtigen Unterschied zu Johannes 17 fest: Jesus betet für die Einheit der Gläubigen, also Einzelpersonen; der WCC dagegen ist “eine Gemeinschaft von Kirchen”, also Organisationen.

Wenn eine Organisation “Jesus Christus als Gott und Retter bekennt”, garantiert das schon, dass deren Mitglieder auch persönlich Gläubige sind? Man muss nur die Situation jener Kirchen betrachten, die schon einige Jahrhunderte Geschichte hinter sich haben (und sich entsprechend weit von den Idealen ihrer Gründer entfernt haben), um zu sehen, dass dies offensichtlich nicht der Fall ist.
– Abgesehen davon gibt es auch Mitgliedskirchen des WCC, die überhaupt kein Glaubensbekenntnis mehr haben, wie z.B. die Schweizer reformierten Landeskirchen. (Wir werden in der Folge noch weitere Beispiele sehen, wo die Praktik des WCC seinem offiziellen Bekenntnis widerspricht.)

Wer ist ein Christ?

Gemäss dem Weltkirchenrat beruht die Ökumene darauf, dass “diejenigen, die im Namen des dreieinigen Gottes getauft wurden, zur Einheit mit Christus gelangten…” (in: “Ein Schatz in irdenen Gefässen: Ein Instrument zu einer ökumenischen Besinnung über Hermeneutik”, Kommission “Glaube und Verfassung” des WCC). – Ein weiterer Unterschied zu Johannes 17: Jesus betet für die Gläubigen; der WCC vereint Getaufte. Offensichtlich ist nicht jeder Getaufte ein Gläubiger; insbesondere in jenen Kirchen, welche die Säuglingstaufe pflegen.

An Pfingsten sagte Petrus zu denjenigen, denen seine Worte “mitten durchs Herz” gingen, und die fragten: “Was sollen wir tun (um gerettet zu werden)?” – und nur zu diesen -: “Bekehrt euch (kehrt um, ändert euch) und lasst euch taufen…” (Apostelgeschichte 2,38). Hier, und an manchen ähnlichen Stellen im Neuen Testament, sehen wir, dass die Bekehrung der Taufe vorausgeht. – Im Missionsbefehl nach Lukas wird die Taufe überhaupt nicht erwähnt; aber die Bekehrung und die Vergebung der Sünden (Lukas 24,47). – Nach alldem ist klar, dass biblisch nicht die Taufe (als Ritual), sondern die Bekehrung (des Herzens) Grundlage ist für die Einheit mit Christus.

Siehe dazu auch: „Wer oder was ist ein Christ?“

Glaubt der Weltkirchenrat wirklich an Jesus “nach dem Zeugnis der Schriften”?

Im Vorbereitungsmaterial zur Weltkonferenz über Mission und Evangelisation des WCC 1973 finden sich folgende Worte:
“Das Reden von Erlösung ist mit einer veralteten Religionspsychologie verbunden. (…) Ich als Mensch des Jahres 1972 habe kein Interesse an der Erlösung meiner Seele; … die ewige Glückseligkeit enthält beinahe nichts. Das Erlösungswerk Christi für uns ist ebenso unvorstellbar, denn er war so weit von uns entfernt in der Geschichte, und ist so anders als die meisten von uns. Die Kirche muss die Wahrscheinlichkeit in Betracht ziehen, dass die Erlösung der Seele für unsere Zeitgenossen keine dringende Angelegenheit ist. … Die Idee vom “Lamm Gottes” hat keinen Platz in der modernen verstädterten Welt; ebensowenig der Ausspruch, dass Christus uns erlöste durch seinen Tod am Kreuz. Was ich sagen möchte, ist dies: Die Erlösung in ihrem traditionellen Sinn ist wirklich unverständlich für viele Menschen heute.”
(George Johnston, “Soll die Kirche heute noch über Erlösung sprechen?”)

Diese Art von “Theologie”, die dem eingangs zitierten Bekenntnis des WCC direkt widerspricht, wird von diesem nicht nur toleriert, sondern aktiv gefördert. Im bereits zitierten Dokument “Ein Schatz in irdenen Gefässen…” heisst es: “Die Natur der biblischen Texte bedeutet, dass zu ihrer Interpretation der ständige Gebrauch der historisch-kritischen Methode nötig sein wird…” – In einem früheren Artikel habe ich die “historisch-kritische Methode” eingehend beleuchtet. Wir haben dort gesehen, dass die konsequenten Vertreter dieser Methode nicht “den Herrn Jesus Christus als Gott und Retter bekennen, nach dem Zeugnis der Schriften” – im Gegenteil, die Methode an sich beruht auf der Verleugnung dieses Zeugnisses. (Einzelheiten siehe im erwähnten Artikel.)

Bei dem zitierten Dokument handelt es sich um eine offizielle Erklärung der Kommission für “Glaube und Verfassung” des Weltkirchenrates. Dieser hat somit die “historisch-kritische Methode” zu seiner offiziellen Theologie erklärt. Das bedeutet aber zugleich, dass der Weltkirchenrat nicht offen ist für diejenigen Kirchen und Christen, welche die “historisch-kritische Methode” ablehnen. Die ökumenische Bewegung anerkennt in Wirklichkeit nicht die ganze Vielfalt christlicher Kirchen und Strömungen, sondern nur diejenigen, die sich dem Diktat der “historisch-kritischen Methode” unterwerfen. Dies ist für mich ein gewichtiger Grund, mich dieser Ökumene nicht anzuschliessen.

Wo ist die Grenze der Ökumene?

Die Verfassung des WCC spricht nur von christlichen Kirchen. Seine Praktik geht aber weit darüber hinaus. In einer offiziellen Erklärung von 1997 heisst es:
“Immer mehr Stimmen aus den Kirchen … sprechen von der Notwendigkeit einer ‚erweiterten Ökumene'(Makro-Ökumene), wonach die ökumenische Bewegung sich anderen Religionen und kulturellen Traditionen ausserhalb der christlichen Gemeinschaft öffnen soll.”

In der Praxis ist das schon längst Wirklichkeit. An den Weltversammlungen des WCC werden regelmässig heidnische Zeremonien aus dem Schamanismus, aus afrikanischen Ahnenkulten, usw. durchgeführt, wo direkt die Götter und Geister dieser Religionen angerufen werden. Im Gegensatz dazu hat m.W. der WCC noch nie die Vertreter solcher Religionen dazu aufgefordert, Jesus Christus anzubeten. Der vom WCC geforderte “interreligiöse Dialog” ist sehr einseitig. Eine Konsultation des WCC über religiösen Pluralismus im Ökumenischen Institut Bossey schlug in ihrem Schlussbericht (1999) Christen vor, “Rituale, Lesungen und hymnische Traditionen anderer Religionen in ihre eigene Liturgie und Anbetung aufzunehmen, z.B. Lesungen aus den Schriften des Hinduismus …” Andererseits hat der WCC bereits 1973 in Bangkok die christlichen Kirchen in Europa und Amerika dazu aufgerufen, keine Missionare mehr in Drittweltländer zu senden. Also: nach der Politik des WCC dürfen die Christen keine Heiden missionieren, aber Heiden dürfen und sollen Christen missionieren.

Da ich nicht dazu gezwungen werden möchte, heidnischen Bräuchen und Glaubensinhalten zu folgen, ist dies für mich ein weiterer gewichtiger Grund, mich dieser Ökumene nicht anzuschliessen.

Das Verhältnis zwischen christlichen Gemeinden und zwischen einzelnen Christen

Der Weltkirchenrat spricht sich in scharfen Worten gegen den “Proselytismus” aus:
“Mitglied (des WCC) zu sein bedeutet, die Mission der Kirche als gemeinschaftlich geteilte Verantwortung zu sehen, statt missionarische oder evangelistische Aktivitäten isoliert voneinander zu unternehmen; und noch viel weniger zur Konkurrenz gegen andere Gläubige oder zum Proselytismus zu greifen.”
(“Zu einem gemeinsamen Verständnis und Vision des Weltkirchenrates”, 1997)

Religionsfreiheit und Proselytismus. Es gibt keine Ausnahme zum grundlegenden Menschenrecht der Religionsfreiheit. … Wir bekräftigen die Notwendigkeit einer ökumenischen Disziplin, besonders in der Beziehung mit Ländern, die sich in der schwierigen Situation des Übergangs zur Demokratie befinden, und unter der Invasion ausländischer religiöser Bewegungen und dem Proselytismus leiden. Wir wiederholen, dass der WCC sich dem Proselytismus entgegensetzt, und fordern die Mitgliedskirchen auf, den Glauben und die Integrität der Schwesterkirchen zu respektieren…”
(Erklärung über Menschenrechte, Weltkonferenz des WCC 1998)

Was bedeutet dies im Klartext? – Der WCC versteht unter “Proselytismus” jegliche Form der Evangelisation, die sich an Menschen richtet, welche bereits Mitglieder einer “christlichen” Kirche sind. Nach dieser Definition dürfte z.B. in Ländern wie Perú, wo fast jedermann nominell katholisch ist, überhaupt nicht evangelisiert werden. Im Rahmen der sogenannten Makro-Ökumene (s.o.) wird dann der Begriff “Proselytismus” auch auf die Evangelisation unter Angehörigen anderer Religionen ausgeweitet.

Gemäss dem erstgenannten Zitat dürften Gemeinden und Christen von sich aus keinerlei missionarische oder evangelistische Aktivitäten unternehmen, sondern nur “gemeinschaftlich geteilte”, d.h. im Rahmen der ökumenischen Bewegung. – Das zweite Zitat steht im Zusammenhang mit dem Menschenrecht auf Religionsfreiheit, womit suggeriert wird, Evangelisation sei ein Angriff auf die Religionsfreiheit. (Nirgendwo wird hingegen gesagt, dass die Religionsfreiheit auch das Recht auf Evangelisation einschliesse.)

Wäre eine Einheit der Christen Wirklichkeit in den Kirchen des Weltkirchenrates, dann käme keine dieser Kirchen auf die Idee, ihre Mitglieder eifersüchtig vor “Proselytismus” schützen zu wollen. In Wirklichkeit werden dadurch die Mitglieder vom Glauben abgefallener Kirchen davor “beschützt”, das biblische Evangelium zu hören; und die Barrieren zwischen den Kirchen werden noch verstärkt, da die Mitglieder davon abgehalten werden, ihren eigenen “konfessionellen Zaun” zu übertreten – es sei denn im Rahmen der Einheits-Ideologie des Weltkirchenrates.
Wäre eine solche Politik in früheren Jahrhunderten in Kraft gewesen, dann hätte Luther nie die katholische Kirche zur Umkehr aufrufen dürfen. Wesley hätte nie seine von der anglikanischen Kirche nicht anerkannten Laienprediger losschicken dürfen, um Anglikaner zur Bekehrung aufzurufen. Selbst Paulus hätte nie in den jüdischen Synagogen über Jesus predigen dürfen.

Leider haben auch die evangelikalen Gemeinden und Allianzen in dieser Hinsicht, soweit ich beobachten kann, die Politik des Weltkirchenrates übernommen. Zwar nicht in bezug auf die Evangelisation von Katholiken, aber in bezug auf die Beziehungen der Mitgliedskirchen untereinander. (Statt “Proselytismus” benutzen sie den Ausdruck “Schafe stehlen”.) Wenn ein Evangelikaler in Perú die Gemeinde wechseln will, braucht er dazu einen Empfehlungsbrief des Pastors; und wehe dem Pastor, der diese Prozedur nicht beachtet! In manchen Gemeinden wird den Mitgliedern verboten, ohne Erlaubnis ihres Pastors einen Gottesdienst in einer anderen Gemeinde zu besuchen. Es gibt zwar gemeinsame Anlässe der Gemeinden unter der Aufsicht der Allianz. Wenn aber “gewöhnliche Christen” aus verschiedenen Gemeinden sich zusammentun, ohne dazu den “Segen” ihrer Pastoren einzuholen, dann werden sie argwöhnisch beobachtet, und meistens werden die Beteiligten von ihren Gemeindeleitern schnell und barsch zurückgepfiffen.
Dies ist besonders problematisch, wenn wir in Betracht ziehen, dass inzwischen auch viele “Evangelikale” nur Namenschristen sind, und dass auch in vielen “evangelikalen” Gemeinden nicht mehr das biblische Evangelium verkündet wird. Das “Nein zum Proselytismus” hindert auch diese Namenschristen daran, das Evangelium zu hören. Ausserdem wird dadurch verhindert, dass Leiter und Mitglieder von Gemeinden, die sich vom Evangelium entfernt haben, von Vertretern anderer Gemeinden auf ihren Fehler aufmerksam gemacht werden könnten.

Ich möchte mir nicht von Leitern, die sich “christlich” nennen, einen Maulkorb umbinden lassen bezüglich meines Zeugnisses für Christus. Deshalb bin ich nicht dazu bereit, mich dieser Ökumene anzuschliessen.

Ich hoffe hiermit auch dargestellt zu haben, dass “Ökumene” und “christliche Einheit” nicht gleichbedeutend sind. (In einer Fortsetzung möchte ich, so Gott will, darauf eingehen, wie ich christliche Einheit verstehe.) Aus den genannten Gründen mache ich nicht mit der ökumenischen Bewegung mit; und auch nicht mit “evangelikalen” Gemeinden, die im selben Fahrwasser mitschwimmen.

Hier in Perú (und anscheinend in Lateinamerika überhaupt) sind die Verbindungen zwischen Evangelikalen und ökumenischer Bewegung auf den höchsten Leiterschaftsebenen schon sehr weit fortgeschritten; aber das „gewöhnliche Kirchenvolk“ hat noch nichts davon mitbekommen. Das beunruhigt mich.
Bei Nachforschungen über diese Verknüpfungen stiess ich immer wieder auf dieselben Organisationen, und oft in Zusammenarbeit miteinander: Die United Bible Societies (UBS) und die ihnen angeschlossenen nationalen Bibelgesellschaften (die in Lateinamerika führend sind in der Verbreitung bibelkritischer Theologie); die Lateinamerikanische Theologische Bruderschaft (Fraternidad Teológica Latinomericana, FTL) – eine auf höheren Ebenen einflussreiche Organisation, von der aber die meisten „gewöhnlichen“ Kirchenmitglieder und Pastoren nicht einmal Kenntnis haben -; der Lateinamerikanische Kirchenrat (CLAI, das ist der lateinamerikanische Zweig des Weltkirchenrates); und das Sozialwerk „World Vision“ ( = „Weltliche Vision“ in der angebrachtesten – wenn auch nicht ganz korrekten – Übersetzung). Alle diese Organisationen vertreten mehr oder weniger offen die Ziele des Weltkirchenrates und die bibelkritische Theologie; werden aber von den Evangelikalen mit offen Armen als „Geschwister“ empfangen. Auch das beunruhigt mich. (Ich verbiete niemandem, ökumenische Überzeugungen zu haben und zu vertreten. Aber wo das auf diese verdeckte Weise geschieht, hintenherum und unter „bibeltreuer“ Tarnung, da kann ich nicht schweigen.) – Wie aus der Aufzählung hervorgeht, betreffen diese ökumenischen Verknüpfungen sowohl einheimische wie ausländische Organisationen.

Hier in Perú muss ich auch die Evangelische Allianz zu diesen ökumenischen Verknüpfungen zählen (hierzulande CONEP – Concilio Nacional Evangélico del Perú – genannt). Im Internet-Verzeichnis der internationalen Mitarbeiter des Weltkirchenrates (Stand 2004) figurieren genau zwei Peruaner: Rafael Goto Silva und Tito Paredes. Derselbe Rafael Goto Silva war von 2005 bis 2009 Präsident des CONEP; Tito Paredes war ebenfalls Leitungsmitglied. Mehrere andere Mitglieder des siebenköpfigen Vorstandes sind ebenfalls Mitglieder bzw. Mitarbeiter von ökumenischen Organisationen. Somit sind praktisch alle evangelikalen Kirchen in Perú – obwohl sie offiziell keine Mitglieder des Weltkirchenrates sind – „inoffiziell“ via CONEP in die weltweite ökumenische Bewegung eingebunden worden. Auch das beunruhigt mich natürlich.

Ich betone nochmals, es geht mir hier nicht darum, dass die Evangelische Allianz keine ökumenische Ausrichtung haben „dürfte“. (Sie hat sie ja sowieso, egal ob jemand dies kritisiert oder nicht.) Es geht mir um die unredlichen Methoden, die dabei angewandt werden, damit die breite Masse der Gemeindeglieder und Pastoren (die der Ökumene mehrheitlich kritisch gegenüberstehen) nichts davon mitbekommt. Von den Kanzeln herab wird die Ökumene lautstark verurteilt, während die obersten Leiter derselben Gemeindeverbände selber Ökumeniker sind. Im Jahre 1999 wurde mit einem politischen Manöver (das in einem Pressebericht als „Staatsstreich“ bezeichnet wurde) die nationale Leiterschaft eines der grössten peruanischen Gemeindeverbände abgesetzt und durch andere Leiter ersetzt, die der ökumenischen Bewegung freundlich gesinnt waren und ihr z.T. selber angehörten. – An der Bibelschule, wo ich selber mehrere Jahre lang mitarbeitete, wurde offiziell die göttliche Inspiration und Irrtumslosigkeit der Bibel gelehrt; inoffiziell aber waren die meisten Lehrer Ökumeniker und Bibelkritiker. (Meine Schüler des Abschlussjahrganges fielen aus allen Wolken, als ich ihnen die Denkvoraussetzungen der Bibelkritik erklärte und ihnen zeigte, dass die Hälfte der Bücher in der Schulbibliothek bibelkritisch waren: „Bis jetzt hat kein einziger Lehrer mit uns über dieses Thema gesprochen!“) Klar, dass auch das mich beunruhigt.

Es ist bezeichnend, dass es ein Vertreter der peruanischen Bibelgesellschaft war, welcher vor der Regionalsynode eines grossen Gemeindeverbandes forderte, die Verbreitung meiner Schrift über den Ökumenismus (wo obige Informationen mit Quellenangaben dokumentiert waren) sei in den Gemeinden zu verbieten, und mir als Person sei ein Lehr- und Predigtverbot zu erteilen. Deshalb erscheint der vorliegende Blog-Artikel in der Rubrik „Zensurierte Artikel“.

Bezeichnend auch, dass die Schweizer Missionsorganisation, die mich damals noch (zumindest als Lippenbekenntnis) „unterstützte“, aus meinem Jahresbericht vor der Veröffentlichung einen Hinweis auf diese Situation wegstrich, ohne jede Rücksprache mit mir. Auch deshalb erscheint dieser Blog-Artikel in der Rubrik „Zensurierte Artikel“.

Zahlen-Kryptogramme – Teil 3

5. Juli 2011

Link zur 2. Folge

Dies ist die dritte Folge des Denktrainings mit Ziffern-Kryptogrammen. Der Grund für diese Übungen, sowie die „Spielregeln“, sind im ersten Artikel dieser Serie beschrieben. (Siehe dazu auch: „Mathematikunterricht – eine Frage der Bürokratie oder der Prinzipien?“)


Einfache Kryptogramme (Primarschulstufe)


Mittelschwere Kryptogramme

Diese sind für die etwas fortgeschritteneren und intelligenteren Schüler – und für alle, die Spass am Knobeln haben.

Lösungshinweis (nur nachlesen, wenn Du die Lösung wirklich nicht selber finden kannst!)

Lösungshinweis (falls Du am Verzweifeln bist)

Lösungshinweis

Lösungshinweis


Schwierige Kryptogramme

Diese sind NICHT dazu gedacht, Schüler damit zu quälen! Eher als Sonderpreis für jene, die Mathematik zur Erholung betreiben und/oder die mittelschweren Kryptogramme zu einfach finden.

(Ja, ich weiss, die Worte machen nicht so viel Sinn. Streiche Mus an die Äste, und die Fliegen summen darum herum. – Nein, Du musst die Buchstaben in Ziffern verwandeln, dann erhalten sie erst ihren tieferen Sinn.)

Lösungshinweis (für Nicht-Ganz-Genies…)

Lösungshinweis (für den Fall, dass Du eine schlaflose Nacht hattest wegen dieser Aufgabe)

Ich weise hier nochmals darauf hin, dass in Kryptogrammen zwar die ganzen Zahlen nie mit einer Null beginnen, aber ein Dezimalbruch kann durchaus mit einer Null beginnen.

Lösungshinweis (für die Vergesslichen und jene, die die vorherige Folge dieser Artikelserie nicht gelöst haben)

Fortsetzung folgt…

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