Genies ohne Schule. Weltbekannte Persönlichkeiten, die nicht zur Schule gingen oder mit der Schule Probleme hatten. – Teil 1

Teil 1: Wissenschafter und Erfinder

In einigen früheren Artikeln (z.B. Fraser-Report; „Vom Lesenlernen“) habe ich bereits verschiedene Daten angeführt, die belegen, dass der Besuch einer Schule keineswegs notwendig ist zum Lernen. („Besuch“ ist eigentlich nicht der richtige Ausdruck – Besuche werden normalerweise freiwillig gemacht!) Im Gegenteil: Schule kann sogar hinderlich sein für echtes Lernen. Hier als weitere Ergänzung dazu einige biographische Angaben zu berühmten Persönlichkeiten, die ihre Ausbildung nicht – oder nur zu einem geringen Teil – der Schule verdanken. Entweder weil sie gar nicht zur Schule gingen, oder aber weil sie die Schule nur als hinderlich empfanden für ihre persönliche und geistige Entwicklung, und sich deshalb ihre wichtigsten Kenntnisse und Fertigkeiten ausserhalb der Schule aneigneten. Die Liste ist bei weitem nicht vollständig.


Thomas Alva Edison, Erfinder

Edison war fast vier Jahre alt, als er anfing zu sprechen. Aber schon bevor er sprechen konnte, zeigte er ein reges Interesse für mechanische Gegenstände.
Im Alter von sieben Jahren ging er drei Monate lang zur Schule. Aber die Schule langweilte ihn; und ausserdem hatte er ein Hörproblem, sodass die Lehrerin ihn als dumm betrachtete. Es gefiel der Lehrerin auch nicht, dass Thomas so viele neugierige Fragen stellte, und sie hatte keine Geduld mit ihm. Einmal bemerkte sie seiner Mutter gegenüber, sein Gehirn müsse gestört sein.
Seine Mutter nahm ihn aus der Schule und erzog ihn zuhause (was heute als „homeschooling“ bezeichnet wird). Thomas las sehr gerne und viel, vor allem über Geschichte. Er stellte auch gerne alle möglichen Untersuchungen und wissenschaftlichen Experimente an. Als Kind baute er funktionierende Modelle eines Sägewerks und einer Dampflokomotive. Im Alter von neun Jahren richtete er im Keller seines Hauses ein Chemielabor ein.
Thomas wollte Geld verdienen, um die nötigen Materialien für seine Experimente kaufen zu können. So zog er Gemüse im Garten und verkaufte es. Im Alter von zwölf Jahren begann er in Eisenbahnzügen Zeitungen zu verkaufen; und ausserdem druckte er seine eigene Zeitung auf einer kleinen Druckerpresse, die er jeweils im Gepäckwagen des Zuges mitführte. Später erlernte er den Beruf eines Telegraphen.

Edison war einer der produktivsten Erfinder aller Zeiten. Er machte über tausend Erfindungen. Zu den bekanntesten gehören die Glühbirne, der Stromgenerator, die elektrische Batterie, und der Phonograph (das erste Tonaufnahme- und Wiedergabegerät).

Blaise Pascal, Wissenschafter und Philosoph

Er wurde zusammen mit seinen zwei Brüdern zuhause von seinem Vater ausgebildet. Mit elf Jahren schrieb er eine kleine Abhandlung über die Klänge von vibrierenden Körpern. Sein Vater verbot ihm daraufhin, sich weiter mit Mathematik zu beschäftigen, weil er fürchtete, seine Latein- und Griechischstudien würden darunter leiden. Dennoch überraschte er seinen Sohn eines Tages dabei, wie er mit einem Stück Kohle auf die Wand einen eigenen Beweis dafür zeichnete, dass die Winkelsumme im Dreieck zwei rechte Winkel beträgt. Von da an wurde dem inzwischen Zwölfjährigen erlaubt, Euklid zu lesen, und er durfte als Zuhörer an den Vorträgen einiger der besten Mathematiker und Wissenschafter Europas teilnehmen.
Pascal wurde bekannt als Mathematiker, Physiker und Philosoph. Er erfand die erste mechanische Rechenmaschine (um seinem Vater bei seiner Arbeit als Buchhalter zu helfen); entdeckte die grundlegenden Gesetze über den Druck von Gasen; begründete die Wahrscheinlichkeitsrechnung; und schrieb eine philosophische Verteidigung des Christentums.

Leonhard Euler, Mathematiker

Der berühmte Mathematiker war Sohn eines evangelischen Predigers und wurde von diesem zuhause unterrichtet. Ein Biograph schreibt:
„Leonhard (…) verdankte seine geistige Ausbildung dem sorgfältigen Unterrichte, den ihm der Vater persönlich erteilte. Da letzterer, ein Kenner der Mathematik, Schüler des berühmten Mathematikers Johann Bernoulli war, so befand sich diese Wissenschaft unter den von ihm bevorzugten Lehrgegenständen. (…) Nachdem Leonhard die nötigen allgemeinen Vorkenntnisse erworben, wurde er vom Vater nach der Universität Basel geschickt, um dort Theologie zu studieren. Er beschäftigte sich zwar in Basel nicht bloss mit dem Studium seines Berufsfachs, sondern auch sehr eifrig und erfolgreich mit dem der Mathematik, unter Leitung des ehrwürdigen Johann Bernoulli.“
Wie wir sehen werden, war Euler nicht der einzige, der ohne Schulbesuch zu einem Universitätsstudium zugelassen wurde und es erfolgreich abschloss.
Er bildete auch seine eigenen dreizehn Kinder zuhause aus.
Leonhard Euler war einer der produktivsten und innovativsten Mathematiker aller Zeiten, und ein überzeugter Christ. Seine Werke umfassen 74 Bände und behandeln so unterschiedlichen Themen wie Mechanik, Schiffsbau, Optik, Musik, Integralrechnung, Astronomie, Theologie, und andere mehr. Unter anderem begründete Euler den Gebrauch der Zahl e als Basis der natürlichen Logarithmen, und entdeckte die berühmte Formel eip + 1 = 0, welche eine unerwartete Beziehung zwischen den wichtigsten mathematischen Konstanten herstellt.

Sophie Germain, Mathematikerin

Sophie Germain war die erste Frau, die für bedeutende originale Forschungen in der Mathematik bekannt wurde. Von der Französischen Akademie wurde sie für ihre Arbeit in mathematischer Physik ausgezeichnet, und sie leistete einen bedeutenden Beitrag in Richtung auf einen Beweis der Fermatschen Vermutung.
Ihre Kindheit war von der Französischen Revolution überschattet, und ihre Eltern behielten sie weitgehend zuhause. Sophie Germain ging nie zur Schule; sie eignete sich alle ihre Kenntnisse im Selbststudium zuhause an. Im Alter von dreizehn Jahren las sie die Geschichte vom Tod des Archimedes und wurde dadurch für das Studium der Mathematik begeistert. Ihre Familie wollte sie zuerst daran hindern, dieser Leidenschaft nachzugehen, die zu jener Zeit für ihr Alter und ihr Geschlecht als sozial unannehmbar galt. Aber sie stand jeweils nachts in der Kälte auf, um zu studieren, sogar nachdem ihre Eltern alle Kerzen und Kleider versteckt hatten. Nachdem sie ihre Beharrlichkeit sahen, liessen sie sie gewähren. Im Alter von siebzehn Jahren begann sie die Differentialrechnung zu lernen.
Mit achtzehn Jahren verschaffte sie sich die Lehrunterlagen einiger Professoren der neugegründeten Polytechnischen Schule (wo sie als Frau keinen Zugang hatte). Die Professoren hatten jedoch die Gewohnheit, am Ende ihrer Vorlesungen die Studenten aufzufordern, schriftliche Beobachtungen und Bemerkungen zur Vorlesung einzureichen. Sophie Germain schrieb unter dem Namen eines anderen Studenten ihre Beobachtungen an Professor Joseph-Louis Lagrange über seine Vorlesungen zur Analysis. Lagrange war von ihrer Arbeit so beeindruckt, dass er sich bemühte, die wirkliche Autorin ausfindig zu machen, und sie aufsuchte, um ihr sein Lob und seine Bewunderung auszudrücken. Später nahm sie Korrespondenz auf mit Adrien-Marie Legendre, Carl Friedrich Gauss und anderen Mathematikern.

Benjamin Franklin, Erfinder, Unternehmer, Schriftsteller und Staatsmann

Franklin ging nur zwei Jahre zur Schule (im Alter von acht bis zehn Jahren). Dann begann er in der Werkstatt seines Vaters mitzuarbeiten, der Seifen und Kerzen herstellte. Aber er brachte sich selber Grammatik und Arithmetik bei, und las alle Bücher, die er finden konnte. Mit zwölf Jahren begann er eine Lehre in der Druckerei seines älteren Bruders. Er las viele wissenschaftliche Bücher, und schrieb Artikel für die Zeitung, bei deren Druck er mitarbeitete. Mit 23 Jahren gründete er seine eigene Druckerei.
Franklin war ein sehr vielseitiger Mann: Er war Unternehmer, erfand den Blitzableiter, schrieb unzählige Artikel für Zeitschriften, organisierte das erste Feuerwehrkorps und die Post in der Stadt Philadelphia, sowie die Pflasterung und Beleuchtung der Strassen. Ausserdem trug er als Politiker zur Gründung und Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten bei.

Michael Faraday, Wissenschafter

Faraday war ein englischer Forscher des 19.Jahrhunderts. Er hatte fast keine Schulbildung, und musste auf eigene Faust studieren. Mit 14 Jahren begann er eine Lehre bei einem Buchbinder und Bibliothekar. Während dieser siebenjährigen Lehre las er viele Bücher, vor allem wissenschaftliche.
Nach dieser Lehre begann Faraday die Vorlesungen des bekannten Chemikers Humphry Davy zu besuchen, und als dessen Assistent zu arbeiten. Später führte er die Forschungen und Experimente selbständig weiter. Er gilt als einer der besten experimentellen Wissenschafter aller Zeiten.
Faraday entdeckte u.a. die elektromagnetische Induktion, und die Gesetze der Elektrolyse. Er erfand einen Vorläufer des Bunsenbrenners, und die Notation der Oxidationszahlen.
Faraday hatte auch einen festen christlichen Glauben. Als er nach seinen Spekulationen über das Leben nach dem Tode gefragt wurde, antwortete er: „Spekulationen? Ich habe keine. Ich ruhe auf Gewissheiten.“

Pierre Curie, Physiker

Der Mitentdecker der Radioaktivität und der Nuklearenergie wurde von seinem Vater ausgebildet, und erreichte mit 18 Jahren die Entsprechung eines Universitätstitels.

Wilbur und Orville Wright, Flugpioniere

Die Brüder Wright waren die Erbauer des ersten Flugzeugs, mit dem Menschen fliegen konnten. Ihre Eltern erlaubten ihnen oft, der Schule fernzubleiben, um zuhause an ihren eigenen Projekten zu arbeiten. Sie besassen viele Bücher und legten Wert auf Kreativität und konstruktives Spiel. Die beiden Kinder hatten die Freiheit, alles zu erforschen und mit allem zu experimentieren, was sie interessierte. Orville ging mit der Zeit gar nicht mehr zur Schule, weil sie in ihm keinerlei Interesse wecken konnte. Wilbur war ein guter Schüler, aber er schloss die Sekundarschule nicht ab und entschied, nicht weiterzustudieren, weil das nur „eine Zeit- und Geldverschwendung“ wäre. Dennoch verfügten die beiden Brüder dank ihrer Forschungen zuhause über Kenntnisse, die einem Universitätstitel entsprachen.
Sie verbrachten viel Zeit damit, mechanische Spielzeuge zu erfinden. So sammelten sie Erfahrung im Lösen technischer Probleme. Ihr Vater brachte ihnen von seinen weiten Reisen regelmässig Souvenirs mit. Einmal brachte er eine Art Spielzeughelikopter nach Hause, der mit Gummibändern angetrieben wurde. Dieses Spielzeug weckte in den beiden Jugendlichen das Interesse an der Möglichkeit, ein Flugzeug zu bauen, mit dem sie selber fliegen könnten. Also lasen sie sämtliche Bücher, die sie über das Thema finden konnten, studierten auf eigene Faust Aerodynamik, entwickelten ihre eigenen Theorien, und machten viele Experimente. Ihr erster erfolgreicher Flug fand im Jahre 1903 statt, mit einem Doppeldecker, der vollständig von ihnen selber entworfen und gebaut worden war.

Albert Einstein, Physiker

Als Kind hatte Einstein Lernprobleme, und seine Eltern waren besorgt um seine intellektuelle Entwicklung. Er begann erst mit vier Jahren zu sprechen, und noch im Alter von neun Jahren hatte er Sprachprobleme. In der Schule war er unglücklich. Seine Lehrer sagten, er sei langsam im Verstehen, ein Eigenbrötler und Träumer. Er selber schrieb später: „Der Entdeckergeist und das kreative Denken gehen verloren im routinemässigen Lehrbetrieb (der Schule).“
Andererseits war Albert in der Lage, komplizierte mathematische Konzepte zu verstehen, die er selber erlernte. Vom Alter von zehn Jahren an geschah sein wirkliches Lernen zuhause, wo er sich selber unterrichtete (obwohl er weiterhin zur Schule ging). Sein Onkel Jakob lieh ihm ein Algebrabuch, und schickte ihm mathematische Probleme zum Lösen. Im Alter von zwölf Jahren studierte er für sich selber die euklidische Geometrie, und mit fünfzehn Jahren beherrschte er die Differential- und Integralrechnung. Später sagte er, möglicherweise sei es gerade seine Langsamkeit im Denken, die ihn befähigte, tiefer und gründlicher als andere Menschen in die Geheimnisse des Universums einzudringen.
Ohne einen Schulabschluss bewarb er sich am Polytechnischen Institut in Zürich. An der Aufnahmeprüfung fiel er durch, obwohl er in Mathematik und Physik aussergewöhnlich gute Noten hatte (aber seine Französischkenntnisse waren ungenügend). Er ging zurück zur Schule und schloss sie im Alter von 17 Jahren ab. Danach wurde er am erwähnten Institut als Mathematikstudent aufgenommen. Aber die Lehrmethoden jener Schule sagten ihm auch nicht zu. Er fehlte deshalb regelmässig an Vorlesungen und verbrachte stattdessen viel Zeit damit, auf eigene Faust Physik zu studieren. Später schrieb er über sein Universitätsstudium:
„In der Physik jedoch lernte ich bald herauszuspüren, was zu den Grundlagen führte, und mich von allem anderen abzuwenden, von den vielen Dingen, die das Denken überhäufen und vom Wesentlichen ablenken. Der Haken daran war natürlich, dass man alle diese (unwesentlichen) Dinge für die Prüfungen in sein Gedächtnis stopfen musste, ob es einem gefiel oder nicht. Dieser Zwang hatte einen derart abschreckenden Effekt (auf mich), dass ich nach meiner letzten Prüfung ein ganzes Jahr lang auch nur den Gedanken an irgendein wissenschaftliches Problem als widerwärtig empfand. (…) Es ist ein sehr grosser Fehler zu denken, dass die Freude am Sehen und Untersuchen mit Zwang und Pflichtgefühl gefördert werden könnte. Im Gegenteil, ich glaube, dass sogar ein gesundes Raubtier seine Gefrässigkeit verlöre, wenn es mit einer Peitsche dazu gezwungen würde, ständig alles zu fressen, was ihm vorgesetzt würde, selbst wenn es nicht hungrig wäre. (Zurückübersetzt aus dem Englischen.)
Heute gilt Einstein als einer der berühmtesten Wissenschafter des 20.Jahrhunderts.

(Fortsetzung folgt)

 

Quellenangabe:
Die obigen biographischen Angaben sind zusammengestellt aus Artikeln bei Wikipedia und Kurzbiographien bei http://www.knowledgehouse.info.
Zudem:
(Leonhard Euler) Biographische Einleitung in „Vollständige Anleitung zur Algebra“ von Leonhard Euler;
James Nickel, „Foundations of Mathematics“.
(Sophie Germain) Reinhard Laubenbacher und David Pengelley, „Voici ce que j’ai trouvé: Sophie Germain’s grand plan to prove Fermat’s last theorem“, 2010.

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