Archive for September 2011

Mein Glaubensbekenntnis?

25. September 2011

Leser meiner spanischsprachigen Website fragen mich manchmal, was mein Glaubensbekenntnis bzw. das Glaubensbekenntnis „meiner Organisation“ ist. In diesem Blog bin ich das zwar noch nicht gefragt worden, aber ich dachte, ich veröffentliche hier einmal vorsorglich die Antwort, die ich dort gegeben habe.

Ich folge keinem „offiziellen“ Glaubensbekenntnis. Lehrmässig stütze ich mich auf die Bibel als das inspirierte und irrtumslose Wort Gottes, und bemühe mich, sie immer besser zu verstehen, mit der Hilfe des Heiligen Geistes. Im Persönlichen kann ich bezeugen, dass Gott mich von meiner Sünde überführt hat und von der Notwendigkeit der Errettung, und mich so zur Umkehr und zum Glauben an Jesus Christus geführt hat; so wurde ich wiedergeboren und von Gott „adoptiert“. (Siehe „Wie Jesus mich fand“.)

Zu einigen Lehrpunkten, die mir in der gegenwärtigen Situation wichtig und kritisch erscheinen, habe ich in den „95 Thesen über die Lage der evangelischen/evangelikalen Kirchen“ Stellung genommen. Aber diese Thesen stehen zur Diskussion offen, und wenn ich es in irgendeinem Punkt auf der Grundlage der Bibel nötig sehe, meine Meinung zu ändern, dann werde ich das tun.

Persönlich sehe ich weder eine besondere Notwendigkeit noch einen besonderen Nutzen darin, ein „Glaubensbekenntnis“ zu haben über das hinaus, was in der Bibel geschrieben steht. Das aus folgenden Gründen:

Die Apostel sahen keine Notwendigkeit, ein solches Glaubensbekenntnis aufzustellen. (Was einem solchen am nächsten käme in den apostolischen Schriften, wäre der Römerbrief.) Der Heilige Geist führte sie, ihren Glauben in der Form der neutestamentlichen Schriften auszudrücken, die uns überliefert sind (und die ständig auf das Alte Testament zurückverweisen). Deshalb erscheint es mir richtig, als „Glaubensbekenntnis“ die ganze Bibel anzunehmen, nicht eine später aufgestellte Formel von Menschen, die weniger inspiriert waren, als es die Apostel waren. Paulus gibt uns die Regel, „nicht über das hinaus zu denken, was geschrieben steht, damit ihr euch nicht um des einen willen aufbläht gegen den anderen“ (1.Korinther 4,6).

Die „Glaubensbekenntnisse“, wie theologisch korrekt sie auch sein mögen, fügen dem Wort Gottes immer gewisse menschliche Gedanken und Konzepte hinzu, die nicht von Gott inspiriert sind. Einige theologische Konzepte können uns helfen, die biblische Lehre besser zu verstehen (wie z.B. die Dreieinigkeit); das sind Erklärungen und Illustrationen, die uns helfen können, „gedanklich zu ordnen“, was die Bibel lehrt. Aber sie bleiben Gedankenkonstruktionen von Menschen und damit unvollkommen, auf einer niedrigeren Stufe stehend als die fehlerlose Offenbarung Gottes in der Bibel. Deshalb sollten diese „Glaubensbekenntnisse“, wo sie verwendet werden, immer dafür offen sein, im Licht des inspirierten Wortes Gottes überprüft zu werden.

Der heutige Gebrauch der „Glaubensbekenntnisse“ ist selten der erwähnte, biblische Wahrheiten zu erklären und zu illustrieren. Viel häufiger werden diese Bekenntnisse zu dem Zweck aufgestellt, zu unterscheiden zwischen jenen, die den „richtigen Glauben“ haben, und jenen, die einen falschen Glauben haben; und um zu verhindern, dass jene, die einen falschen Glauben haben, zu einer bestimmten kirchlichen Organisation Zutritt erhalten. Leider musste ich in der Praxis bei mehreren Gelegenheiten beobachten, dass die „Glaubensbekenntnisse“ zu diesem Zweck nicht taugen. Einige sind so exklusiv, dass sie viele echte und ernsthafte Christen ausschliessen, nur wegen deren Meinung zu irgendeinem Randthema wie die Entrückung oder das „Zungenreden“. Andere Organisationen haben ein sehr gut formuliertes Glaubensbekenntnis, sind aber voll von Menschen, die dieses Bekenntnis nur aus Opportunismus und nicht aus Überzeugung unterschrieben haben, sodass sie in der Praxis mit ihren Worten und Taten ihr eigenes „Glaubensbekenntnis“ verraten.
(Z.B. gibt es in Perú eine grosse Denomination, deren „Glaubensbekenntnis“ festhält, dass die Bibel „ganz und fehlerlos von Gott inspiriert ist“. In Wirklichkeit sind aber fast alle ihre Leiter Nachfolger der liberalen bibelkritischen Theologie, die lehrt, die Bibel sei voll von Fehlern.)
Es ist allzu leicht, eine Sache mit den Lippen zu bekennen und eine ganz andere Sache im Herzen zu haben. Leider scheinen die „Glaubensbekenntnisse“ diese gespaltene Haltung – insbesondere bei den Namenschristen – noch zu verstärken.

Jesus sagt nicht, dass wir die falschen Christen an ihrer Übereinstimmung oder Nicht-Übereinstimmung mit einem bestimmten „Glaubensbekenntnis“ erkennen, sondern an ihren Früchten, welche zeigen, was in ihren Herzen ist (Matthäus 7,15-20, 12,33-35, Johannes 15,4-6).

Es gibt einige alte „Glaubensbekenntnisse“ wie z.B. das Apostolische, das Nicänische oder das Chalcedonische Bekenntnis, die von praktisch allen Christen der Welt anerkannt werden, und ich habe keine Probleme damit, sie auch anzuerkennen. Aber aus den obenerwähnten Gründen sehe ich weder die Notwendigkeit noch den Nutzen davon, für mich irgendein „Glaubensbekenntnis“ für offiziell zu erklären.

 .

PS: Ich setze „Glaubensbekenntnis“ in Anführungszeichen, weil das Wort „Glaubensbekenntnis“ im Neuen Testament etwas ganz anderes bedeutet, als was heute darunter verstanden wird: Nicht eine theologisch-lehrmässige Erklärung, sondern ein persönliches Zeugnis bzw. Geständnis, das von einem seines Glaubens wegen verhafteten Christen vor dem Richter abgelegt wird. – Siehe Matthäus 10,32 (Zusammenhang beachten), Johannes 9,22, 1.Timotheus 6,13. – Bei manchen Menschen zeigt sich erst in einer solchen Situation, welches ihr wirkliches „Bekenntnis“ ist.

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Genies ohne Schule. Weltbekannte Persönlichkeiten, die nicht zur Schule gingen oder mit der Schule Probleme hatten. – Teil 3

13. September 2011

Teil 3: Verschiedene

(Zur vorhergehenden Folge)

Dies ist der letzte Teil einer Zusammenstellung biographischer Angaben zu berühmten Persönlichkeiten, die ihre Ausbildung nicht – oder nur zu einem geringen Teil – der Schule verdanken. Entweder weil sie durch homeschooling ausgebildet wurden und gar nicht zur Schule gingen, oder aber weil sie die Schule nur als hinderlich empfanden für ihre persönliche und geistige Entwicklung, und sich deshalb ihre wichtigsten Kenntnisse und Fertigkeiten ausserhalb der Schule aneigneten. Die Liste ist bei weitem nicht vollständig.


John Wesley, Erweckungsprediger

Wesleys Mutter Susanna bildete alle ihre neunzehn (!) Kinder zuhause aus. Sie tat das – im Gegensatz zu manchen anderen hier vorgestellten Familien – im Stil einer äusserst disziplinierten Schule. Sie stellte an ihre Kinder äusserst hohe Anforderungen, sowohl bezüglich Gehorsam als auch in den Schulleistungen. Und anscheinend waren ihre Kinder in der Lage, diese Anforderungen zu erfüllen. Zum Beispiel lernten sie alle im Alter von fünf Jahren innerhalb weniger Tage das Lesen. Der ganze Unterricht beruhte auf christlichen Prinzipien; als Lesebuch diente die Bibel.
John Wesley scheint unter der strengen Erziehung nicht gelitten zu haben; im Gegenteil. Als Erwachsener bat er einmal seine Mutter, ihre Erziehungsprinzipien und -methoden schriftlich niederzulegen, weil er sie so hoch schätzte. Auch er selber war dafür bekannt, dass er bis ins hohe Alter ein äusserst diszipliniertes Leben führte.
In einer späteren Predigt („Über die Religion in der Familie“) spricht er ausführlich über die Pflicht der Eltern, ihre Kinder zu erziehen und zu lehren; und warnt seine Zuhörer ausdrücklich davor, ihre Kinder an eine öffentliche Schule zu schicken:
„Wozu schickst du deine Kinder zur Schule? – ‚Natürlich, damit sie auf das Leben in der Welt vorbereitet werden.‘ – Von was für einer Welt sprichst du denn, von dieser oder von der zukünftigen? Vielleicht denkst du nur an diese Welt, und vergisst, dass es eine zukünftige Welt gibt, und eine, die ewig dauern wird! Bitte denke ernsthaft daran, und schicke deine Kinder zu solchen Lehrern, die diese zukünftige Welt immer vor ihren Augen haben. Sonst – erlaubt mir, es klar zu sagen – ist es kaum besser, sie zur Schule zu schicken, als sie zum Teufel zu schicken. Und auf jeden Fall, wenn dir die Seele deiner Kinder irgendetwas bedeutet, schicke sie nicht an eine dieser grossen öffentlichen Schulen (denn diese sind Brutstätten von aller Art Bosheit), sondern an eine private Schule, wo ein frommer Mann unterrichtet, der sich bemüht, eine kleine Anzahl Kinder sowohl in der Lehre wie auch in der Religion zu unterrichten.“
Das Wirken John Wesleys löste eine Erweckung aus, die ganz England tiefgreifend und nachhaltig prägte. Grosse Mengen von Menschen kamen zum Glauben an Jesus und erneuerten ihr Leben grundlegend. Es ist schon gesagt worden, nur dank dieser Erweckung sei England eine Revolution wie die französische erspart geblieben.

Jonathan Edwards, Erweckungsprediger

Jonathan Edwards war, zusammen mit George Whitefield, Auslöser der „Ersten Grossen Erweckung“ in Nordamerika während der ersten Hälfte des 18.Jahrhunderts. Er gilt ausserdem als der „Erweckungstheologe“ schlechthin.
Edwards wurde in seiner Kindheit von seinem Vater ausgebildet, während seine älteren Schwestern selbständig ihre jeweiligen Studienrichtungen erforschten. Ihr Vater war ein Gelehrter und hatte deshalb keine Schwierigkeiten, seinen Kindern eine höhere Ausbildung zu vermitteln. Jonathan begann sich in dieser Umgebung für viele Dinge zu interessieren, insbesondere für die Erforschung der Natur, und erwarb so ein für sein Alter überdurchschnittliches Wissen. Ein Biograph sagt: „Unter diesen Umständen war seine Ausbildung sicherlich weniger systematisch und weniger Regeln unterworfen als normalerweise in einer Schule. Aber gleichzeitig war sie besser dazu geeignet, ihn zu angenehmeren Umgangsformen, zarteren Gefühlen und reineren Regungen zu formen.“ – Mit dreizehn Jahren trat er in das Yale College in New Haven ein.

Wolfgang Amadeus Mozart, Musiker und Komponist

Mozarts Vater war Berufsmusiker und Musiklehrer. Er unterrichtete seinen Sohn zuhause – nicht nur in Musik, sondern auch in Sprachen und in anderen akademischen Fächern. Mozart ging nie zur Schule. Im Alter von 14 Jahren wurde er zum Konzertmeister am Hof des Erzbischofs von Salzburg ernannt. Während seines kurzen Lebens schuf er über 600 musikalische Werke.

Mark Twain, Schriftsteller

Im Alter von zwölf Jahren begann Mark Twain eine Druckerlehre. Abends ging er jeweils in die öffentlichen Bibliotheken, um sich weiterzubilden. Er hatte keine formelle Schulbildung und sagte: „Ich habe es der Schule nie erlaubt, sich in meine Bildung einzumischen.“

Hans Christian Andersen, Schriftsteller

Andersen war kein guter Schüler. Später sagte er, seine Schulzeit seien die dunkelsten und bittersten Jahre seines Lebens gewesen. Er hatte Schwierigkeiten im Lesen, und seine Lehrer rieten ihm von seinen Schreibversuchen ab. Dennoch wurde er später zu einem berühmten Schriftsteller.

Agatha Christie, Krimi-Autorin

Agatha Christie ging nie zur Schule. Ihr Vater brachte ihr Mathematik bei, und verschiedene Privatlehrer lehrten sie andere Themen zuhause. Als Kind erfand sie ihre eigenen Spiele, um sich zu beschäftigen.
Agatha war ein sehr schüchternes Mädchen und konnte sich nicht gut mündlich mitteilen. Deshalb begann sie ihre Gefühle mit Hilfe der Musik auszudrücken, und später durch das Schreiben von Romanen. Während ihres Lebens schrieb sie achtzig Bücher und zwölf Theaterstücke.
Über die Schule sagte sie:
„Ich nehme an, es liegt daran, dass heute fast alle Kinder zur Schule gehen, wo alles für sie vorgeplant ist, dass sie anscheinend so völlig unfähig sind, eigene Ideen hervorzubringen.“

Christopher Paolini, Bestsellerautor

Christophers Eltern beschlossen, ihn zusammen mit seinem jüngeren Bruder zuhause auszubilden. Sie zogen an einen abgelegenen Ort auf dem Land, um ihren Kindern die Freiheit zu bieten, „Zeit zu haben, um die Wolken zu beobachten, und Raum zu haben zum Nachdenken“. Sie passten die Lerninhalte den Interessen der Kinder an, und gingen mit ihnen oft in die Bibliothek der nächstgelegenen Ortschaft. Christopher sagt, er hätte dreitausend Bücher gelesen.
Im Sekundarschulalter schloss sich Christopher einem Korrespondenz-Lernprogramm an, das er mit 15 Jahren abschloss. Er beschloss, seine weitere Ausbildung noch aufzuschieben. Stattdessen begann er zu seiner eigenen Unterhaltung einen Phantasieroman zu schreiben mit dem Titel „Eragon“. Im Lauf dieses Projektes lernte er u.a, Eisen zu schmieden, um selber zu erleben, wie Messer, Schwerter und Rüstungen hergestellt werden. Er studierte auch die Prinzipien des Romanschreibens. Als der Roman fertig war, arbeitete die ganze Familie bei der Korrektur und Veröffentlichung mit. Christopher zeichnete selber die Illustrationen und Landkarten. Im Jahr 2002, als Christopher 18 Jahre alt wurde, war das Manuskript bereit zum Druck. Als Familie verkauften sie zehntausend Exemplare. Dann wurde der Roman von einem professionellen Verlag nachgedruckt, und „Eragon“ wurde zu einem Bestseller in den Vereinigten Staaten.

Soichiro Honda, Motorradfabrikant

Der Begründer des Honda-Unternehmens lernte in der Werkstatt seines Vaters, Fahrräder zu reparieren. Im Alter von fünfzehn Jahren begab er sich ohne formelle Schulbildung nach Tokyo, um Arbeit zu suchen. Dort arbeitete er sechs Jahre als Automechaniker. Dann gründete er sein eigenes Unternehmen, das sich weiterentwickelte, bis die Honda-Motorräder zur meistverkauften Marke der Welt wurden.

Erik Demaine, Computerspezialist

Erik Demaine ist ein Forscher und Universitätsdozent in Computerwissenschaften. Er sagt über seine Ausbildung:
„Ich lernte schon in einem frühen Alter lesen, aber es interessierte mich nicht besonders. Ich las keine Schulbücher, bevor ich zur Universität ging. Mein Vater bildete mich zuhause aus, bis ich in die Universität eintrat. Er war gegen die Schule und wollte selber an meiner Ausbildung beteiligt sein. Er reiste viel, und so bereisten wir zusammen die Vereinigten Staaten und Kanada. Ich sah viele verschiedene Kulturen und lernte viele verschiedene Menschen verschiedensten Alters und aus verschiedensten Hintergründen kennen.“

Sein Vater ist ein Bildhauer und Glaser ohne höhere Schulbildung.

Erik interessierte sich sehr für Computerspiele, und später fürs Programmieren. Im Alter von sieben Jahren schrieb er sein erstes Computerprogramm, ein Text-Abenteuerspiel. Als seine Ambitionen seine Kenntnisse überstiegen, meldete ihn sein Vater zu einigen Mathematik- und Informatikkursen an der örtlichen Universität an, und der Vater nahm zusammen mit dem Sohn an den Vorlesungen teil. Obwohl Erik erst zwölf Jahre alt war, erzielte er Bestnoten. Er erinnert sich: „Meine Klassenkameraden behandelten mich wie einen der ihren.“
Mit 14 Jahren erhielt er den Titel eines Bachelor und studierte weiter zum Master- und Doktortitel. Dann begann er als Informatikdozent zu arbeiten am MIT (Massachusetts Institute of Technology). Mit erst zwanzig Jahren war er der jüngste Dozent, der je dort gearbeitet hatte.

Dr.Demaine ist vor allem bekannt für seine Arbeiten über geometrische Algorithmen, welche Kunst, Wissenschaft und Spiel miteinander verbinden. Er begründete den Zweig des computerisierten Origami, mit vielseitigen Anwendungen von der industriellen Fertigung (Herstellung von Metallfolien) bis hin zur Biologie (Erforschung der Faltformen von Proteinen).


Nachgedanken

Allein schon die Tatsache, dass eine so grosse Anzahl berühmter Persönlichkeiten entweder mit der Schule nichts anfangen konnten, oder überhaupt zuhause ausgebildet wurden, sollte unsere Aufmerksamkeit erregen. Die Liste könnte übrigens noch mit vielen weiteren Namen erweitert werden. Da „Homeschooler“ im allgemeinen eine kleine Minderheit sind (möglicherweise mit Ausnahme von Nordamerika im 18. und beginnenden 19.Jh.), ist es wirklich auffällig, dass so viele anerkannte Genies aus dieser kleinen Minderheit hervorgegangen sind.

Beim Zusammenstellen dieser Biographien fiel mir auf – besonders bei den Amerikanern des 18. und 19. Jahrhunderts -, dass sie den Umgang mit Büchern suchten und pflegten. Auffallend viele von ihnen ergriffen zuerst Berufe, die mit Drucksachen zu tun haben: Drucker, Zeitungsverkäufer, Buchbinder, Bibliothekar. Bereits in einem frühen Alter wussten sie sich selber die Informationen zu beschaffen, die sie benötigten oder die sie interessierten. In anderen Worten: Sie hatten (aktives) Lernen gelernt, und waren deshalb in der Lage, sich selber weiterzubilden. Ganz im Gegensatz zum durchschnittlichen Schulkind, das nicht gelernt hat zu lernen, sondern nur passiv Wissensbrocken aufzunehmen und an Prüfungen wieder auszuspeien. (Durchschnittliche Schulkinder lesen zudem sehr ungern, wie ich tagtäglich beobachte.)
Deshalb zieht auch das Argument nicht, das manchmal in Diskussionen gegen homeschooling vorgebracht wird: Ein Elternpaar allein hätte doch nicht das nötige Wissen, um ihre Kinder auf einen höheren Wissensstand zu bringen, wie er (z.B.) beim Abitur verlangt wird. Es ist gar nicht nötig, als Eltern selber alles zu wissen! Es ist lediglich nötig, den Kindern beizubringen, wie sie selber relevante Informationen finden und sich Wissen aneignen können. Sobald diese Fähigkeit zur Reife kommt (d.h. etwa in der Pubertät), können die Kinder und Jugendlichen durch eigenes Studium viel schneller viel weiter kommen als Schulkinder, die stur und passiv einen vorgegebenen Lehrplan wiederkäuen müssen. Zu diesem eigenen Lernen gehört selbstverständlich die Möglichkeit, den eigenen Interessen und Bedürfnissen gemäss lernen zu dürfen. Und es schliesst auch nicht aus, dass für bestimmte Spezialgebiete entsprechend bewanderte Lehrer gesucht und/oder entsprechende Kurse besucht werden. Das manchmal in den Medien verbreitete Zerrbild von Homeschool-Kindern, die die ganze Zeit isoliert zuhause sitzen, trifft keineswegs zu. Homeschool-Kinder und -Eltern suchen sehr wohl nach Informationsquellen und Aktivitäten ausserhalb des eigenen Heims (wo ihnen das nicht – wie z.B. in manchen Fällen in Deutschland – durch politische Verfolgung verunmöglicht wird); aber sie behalten die Eigeninitiative und Eigenverantwortung über ihr Lernen. Diese Fähigkeit des Selber-Lernens und Selber-Entscheidens ist es, was die oben beschriebenen Personen gross gemacht hat – und genau diese Fähigkeit wird leider an den Schulen kleingeschrieben und verachtet.

Weiter fiel mir auf, dass manche der erwähnten Persönlichkeiten auf ihre zukünftige Aufgabe vorbereitet wurden, nicht durch das, was sie in der Schule lernten, sondern durch das, was sie zuhause spielten! Maria Montessori sagte: „Das Spiel (nicht der Schulbesuch!) ist die Arbeit des Kindes.“ Sehen wir vor unserem geistigen Auge den kleinen Edison, der Maschinen nachbaut und chemische Experimente macht. Betrachten wir Wilbur und Orville Wright, die mechanische Spielzeuge erfinden. Denken wir an George Washington, der als Hobby Felder ausmisst und Landkarten zeichnet, und bald darauf ebendiese Arbeit als ernsthaften Beruf angeboten bekommt. Stellen wir uns Churchill vor, wie er mit seinen Spielsoldaten Kriegstaktiken übt, statt zur Schule zu gehen – und viele Jahre später mit richtigen Soldaten den Zweiten Weltkrieg gewinnt. Sehen wir uns den kleinen Erik Demaine an, der Computerspiele programmiert, vielleicht ohne zu ahnen, dass er später ein berühmter Computerspezialist wird. Hier – und in einigen anderen Fällen – sehen wir sogar einen nahtlosen Übergang vom Kinderspiel zum Erwachsenenberuf.
Natürlich handelt es sich bei den angeführten Beispielen nicht um geisttötende, immer-gleiche Routinespiele, sondern um ein Spielen, bei dem eigenes Denken und Schaffen gefragt ist. Wir können also sagen: Das kreative Spielen ist eine vollgültige, vielleicht sogar die ideale, Vorbereitung auf produktive Arbeit.


Quellenangabe:
Die obigen biographischen Angaben sind zusammengestellt aus Artikeln bei Wikipedia und Kurzbiographien bei http://www.knowledgehouse.info.
Zudem:
(John Wesley) John Telford, „The Life of John Wesley“; John Wesley, Predigten.
(Jonathan Edwards) Timothy Dwight, „Memoirs of Jonathan Edwards“.

Evangelische Allianz paktiert mit Ökumene und Vatikan

5. September 2011

Vor einiger Zeit hatte ich in einem Beitrag über die ökumenische Bewegung darüber sinniert, dass die Ökumeniker und die evangelikalen Allianzen einander eigentlich recht nahe stehen in ihrer Ablehnung der Evangelisation von Namenschristen. (Die Ökumeniker nennen es „Proselytismus“, die Evangelikalen schimpfen es „Schafe stehlen“.) Schon seit einiger Zeit mutmasste ich, dass der Weg der Evangelikalen wahrscheinlich ebenso wie der der Landeskirchen in die ökumenische Bewegung ausmünden wird. Und siehe da, es ist bereits geschehen!

Am 28.Juni 2011 hat die Weltweite Evangelische Allianz (WEA) zusammen mit der römisch-katholischen Kirche und dem ökumenischen Weltkirchenrat ein Dokument unterzeichnet, das während eines Zeitraums von fünf Jahren erarbeitet wurde und den Titel trägt:„Das christliche Zeugnis in einer multireligiösen Welt – Empfehlungen für einen Verhaltenskodex.“ Die WEA ist der weltweite Dachverband der Evangelikalen.

Der erste Teil des Dokuments, „Grundlagen für das christliche Zeugnis“, enthält viele richtige und biblisch begründete Erklärungen, so wie diese: „Das Vorbild und die Lehre Jesu Christi und der frühen Kirche müssen das Leitbild für christliche Mission sein.“ – „Christen/innen bekräftigen, dass es zwar ihre Verantwortung ist, von Christus Zeugnis abzulegen, dass die Bekehrung dabei jedoch letztendlich das Werk des Heiligen Geistes ist (vgl. Johannes 16,7-9; Apostelgeschichte 10,44-47).“
Aber es fällt auf, dass das Dokument keinerlei Definitionen von Schlüsselwörtern wie „Evangelium“, „Zeugnis“, „Mission“ oder „Bekehrung“ enthält. Wer mit der Literatur des Weltkirchenrats vertraut ist, der weiss, dass diese Organisation den erwähnten Begriffen eine ganz andere Bedeutung gibt, als sie in der Bibel haben. Z.B. sagt eine Theologin des Weltkirchenrats über „Bekehrung“:

„Die metanoia – die Bekehrung – zwingt uns, die Zwiespältigkeit der menschlichen Existenz zu akzeptieren: diese Zwiespältigkeit, die macht, dass wir Heilige und Sünder zugleich sind. * (…) Wir sollten unsere Hände schmutzig machen, indem wir sie ausstrecken, um die Hand des Anderen zu ergreifen; die Hand, die die Grundlagen unserer Wahrheiten und unserer Gewissheiten erschüttert. Nur so können wir erkennen, dass der Andere der Heilige mit dem Angesicht Gottes ist.
Lasst uns deshalb zu Gott zurückkehren, zum Göttlichen, das in uns ist, in den anderen, und in der Natur.“

(Wanda Deifelt, Vortrag in der Weltversammlung des Weltkirchenrats in Harare, 1998)

* Der Ausdruck „Heilige und Sünder zugleich“ geht zwar auf Luther zurück, ist aber nicht biblisch. Und auch Luther wandte diese Bezeichnung nur auf Christen an. Er hätte mit Sicherheit nicht in solch allversöhnerischer Weise generell die ganze Menschheit „Heilige“ genannt, wie das die ökumenische Theologin hier tut.

Für den Weltkirchenrat hat also „Bekehrung“ nichts zu tun mit Umkehr von der Sünde und Rückkehr zum wahren Gott. Im Gegenteil, sie möchten zurückkehren „zum Göttlichen, das in uns ist, in den anderen, und in der Natur“ – eine mehr pantheistische und heidnische als christliche Vorstellung.

Wenn die Leiter der WEA dieses Dokument unterzeichnet haben, ohne auf einer biblischen Definition von „Bekehrung“, „Evangelium“, usw. zu bestehen, dann bedeutet das, dass sie stillschweigend die Definitionen des Weltkirchenrats gutheissen.

Ausserdem fehlen in diesen „Grundlagen für das christliche Zeugnis“ des Weltkirchenrats einige wesentliche Elemente: die Tatsache, dass der Gott der Bibel tatsächlich der wahre Gott ist; dass das christliche Zeugnis und die Evangelisation dem Zweck dienen (sollten), Menschen zur Umkehr von der Sünde und zur Rückkehr zum wahren Gott zu rufen; dass dieses Zeugnis nicht nur die Liebe Gottes zum Thema hat, sondern ebenso auch seine Gerechtigkeit und sein Gericht; usw. Da diese so wichtigen und ernsten Punkte weggelassen wurden, wird das Christentum als eine religiöse Option unter vielen dargestellt. Die Tatsache wird verharmlost, dass das ewige Heil oder Verderben jedes Menschen davon abhängt, wie er zu Jesus Christus steht.

Da der Titel des Dokuments von einer „multireligiösen Welt“ spricht, ist die Absicht dieser Auslassungen klar: Das Christentum soll aus dieser pluralistischen und relativistischen Sicht dargestellt werden; und sein Anspruch, der einzige Weg zur Errettung zu sein, soll verneint werden.

Der zweite Teil des Dokuments heisst „Prinzipien“. Auch hier finden wir manche Punkte, mit denen wohl jeder bibeltreue Christ einverstanden sein wird: „Handeln in Gottes Liebe“ – „Jesus Christus nachahmen“ – „Religions- und Glaubensfreiheit“ und Ablehnung von Verfolgung aus religiösen Gründen – „Respekt für alle Menschen“, usw.

Einige andere Punkte jedoch lassen eine breite Auslegungsspanne zu. Wie z.B. in dieser Stelle: „Die Ausnutzung von Armut und Not hat im christlichen Dienst keinen Platz. Christen/innen sollten es in ihrem Dienst ablehnen und darauf verzichten, Menschen durch materielle Anreize und Belohnungen gewinnen zu wollen. (…) Dabei müssen sie sicherstellen, dass die Verwundbarkeit der Menschen und ihr Bedürfnis nach Heilung nicht ausgenutzt werden.“ – Von wann ab wird der Weltkirchenrat sagen, wir „nützten die Armut und Not anderer Menschen aus“? Natürlich gibt es Beispiele, wo christliche Gruppen mit mangelnder Integrität gehandelt haben und „Reischristen“ produziert haben (Namenschristen, die sich „bekehrt“ haben wegen der Aussicht, eine Handvoll Reis zu erhalten). Solche zu konfrontieren und zu ermahnen ist richtig. (Das englische Original sagt statt „ablehnen“: „denounce“ = denunzieren, anprangern.) Aber wird es andererseits der Weltkirchenrat nicht auch als „Verführung“ und „Ausbeutung“ auslegen (wie es Massenmedien schon getan haben), wenn z.B. einige Christen eine medizinische Hilfskampagne organisieren und dabei den Patienten im Warteraum das Evangelium verkünden?

Und als letztes der zwölf „Prinzipien“ führt der Weltkirchenrat sein Lieblingsthema an: „Aufbau interreligiöser Beziehungen“: „Christen/innen sollten weiterhin von Respekt und Vertrauen geprägte Beziehungen mit Angehörigen anderer Religionen aufbauen, um gegenseitiges Verständnis, Versöhnung und Zusammenarbeit für das Allgemeinwohl zu fördern.“

Niemand wird etwas dagegen haben, „Beziehungen des Respekts und des Vertrauens“ aufzubauen. Aber was versteht der Weltkirchenrat unter „Versöhnung“ (mit Gläubigen anderer Religionen)? Sehen wir nur, wie es der Weltkirchenrat selber in seinen Weltversammlungen macht: Er lädt regelmässig Vertreter anderer Religionen ein, damit die Versammlungsteilnehmer (die sich Christen nennen) an deren Riten teilnehmen. Andererseits hat der Weltkirchenrat meines Wissens noch nie einen Vertreter einer anderen Religion aufgerufen, sich von seiner falschen Religion abzuwenden und sich Christus zuzuwenden. „Versöhnung“ mit anderen Religionen bedeutet gemäss dem Weltkirchenrat, dass Christen sich für ihre Verkündigung, Christus sei der einzige Weg, entschuldigen müssten; und dass wir uns stattdessen für die Wege anderer Religionen öffnen sollten.
– Das haben die Leiter der Weltweiten Evangelischen Allianz unterschrieben ???

Der dritte Teil des Dokuments enthält sechs „Empfehlungen“. Hier wird der Aufruf wiederholt, „von Respekt und Vertrauen geprägte Beziehungen mit Gläubigen aller Religionen aufzubauen“, und es wird präzisiert: „… insbesondere auf institutioneller Ebene zwischen Kirchen und anderen religiösen Gemeinschaften, und sich als Teil ihres christlichen Engagements in anhaltenden interreligiösen Dialog einbringen.“
(Anm: Das englische Original spricht statt von „Engagement“ noch stärker von „commitment“, „Verpflichtung“.)

Die evangelikalen Kirchen und Denominationen sollen also „auf institutioneller Ebene“ Beziehungen aufbauen zur Moslembruderschaft, zu buddhistischen Klöstern und zur römisch-katholischen Hierarchie – wozu? Etwa um gemeinsam die Welt zu „evangelisieren“ im Namen Allahs, Buddhas und Marias? – In früheren Dokumenten hat der Weltkirchenrat klar gesagt, was er unter „interreligiösem Dialog“ versteht. Zum Beispiel:

„Einige Christen können Rituale, Lesungen und hymnische Traditionen einer anderen Religion in ihre eigene Liturgie und Anbetung einbetten, indem sie z.B. Lesungen aus hinduistischen und anderen Schriften aufnehmen …“
(Aus: „Was für einen Unterschied macht die religiöse Vielfalt?“, Ökumenisches Institut des Weltkirchenrats in Bossey, 1999)

Solche Forderungen kann man beim besten Willen nicht mehr mit dem „Beispiel und der Lehre Jesu Christi und der Urkirche“ vereinbaren!

Im Gegensatz zu einigen anderen Dokumenten des Weltkirchenrats enthält „Das christliche Zeugnis in einer multireligiösen Welt“ (noch) keine ausdrücklichen Einschränkungen der Evangelisation. Aber das Dokument bildet einen gefährlichen Präzedenzfall, damit sich in Zukunft die evangelistischen und missionarischen Tätigkeiten der Evangelikalen dem Konsens der ökumenischen Bewegung und des Vatikans unterordnen sollen. Und die Weltliche – pardon, Weltweite Evangelische Allianz hat mit ihrer Unterschrift klar signalisiert, wohin ihr Weg von jetzt an führt: in die Ökumene.

Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen für jene evangelikalen Kirchen, die immer noch eine klare Distanz zur ökumenischen Bewegung wahren wollen, ihrerseits ein ebenso klares Zeichen zu setzen und aus ihren jeweiligen „Evangelischen Allianzen“ und „Kirchenräten“ auszutreten.

Nachtrag vom 13. August 2014: Siehe zu dem Thema auch den Vortrag von Lothar Gassmann, „Evangelische Allianz und Evangelikale auf dem Weg nach Rom“.