Mein Glaubensbekenntnis?

Leser meiner spanischsprachigen Website fragen mich manchmal, was mein Glaubensbekenntnis bzw. das Glaubensbekenntnis „meiner Organisation“ ist. In diesem Blog bin ich das zwar noch nicht gefragt worden, aber ich dachte, ich veröffentliche hier einmal vorsorglich die Antwort, die ich dort gegeben habe.

Ich folge keinem „offiziellen“ Glaubensbekenntnis. Lehrmässig stütze ich mich auf die Bibel als das inspirierte und irrtumslose Wort Gottes, und bemühe mich, sie immer besser zu verstehen, mit der Hilfe des Heiligen Geistes. Im Persönlichen kann ich bezeugen, dass Gott mich von meiner Sünde überführt hat und von der Notwendigkeit der Errettung, und mich so zur Umkehr und zum Glauben an Jesus Christus geführt hat; so wurde ich wiedergeboren und von Gott „adoptiert“. (Siehe „Wie Jesus mich fand“.)

Zu einigen Lehrpunkten, die mir in der gegenwärtigen Situation wichtig und kritisch erscheinen, habe ich in den „95 Thesen über die Lage der evangelischen/evangelikalen Kirchen“ Stellung genommen. Aber diese Thesen stehen zur Diskussion offen, und wenn ich es in irgendeinem Punkt auf der Grundlage der Bibel nötig sehe, meine Meinung zu ändern, dann werde ich das tun.

Persönlich sehe ich weder eine besondere Notwendigkeit noch einen besonderen Nutzen darin, ein „Glaubensbekenntnis“ zu haben über das hinaus, was in der Bibel geschrieben steht. Das aus folgenden Gründen:

Die Apostel sahen keine Notwendigkeit, ein solches Glaubensbekenntnis aufzustellen. (Was einem solchen am nächsten käme in den apostolischen Schriften, wäre der Römerbrief.) Der Heilige Geist führte sie, ihren Glauben in der Form der neutestamentlichen Schriften auszudrücken, die uns überliefert sind (und die ständig auf das Alte Testament zurückverweisen). Deshalb erscheint es mir richtig, als „Glaubensbekenntnis“ die ganze Bibel anzunehmen, nicht eine später aufgestellte Formel von Menschen, die weniger inspiriert waren, als es die Apostel waren. Paulus gibt uns die Regel, „nicht über das hinaus zu denken, was geschrieben steht, damit ihr euch nicht um des einen willen aufbläht gegen den anderen“ (1.Korinther 4,6).

Die „Glaubensbekenntnisse“, wie theologisch korrekt sie auch sein mögen, fügen dem Wort Gottes immer gewisse menschliche Gedanken und Konzepte hinzu, die nicht von Gott inspiriert sind. Einige theologische Konzepte können uns helfen, die biblische Lehre besser zu verstehen (wie z.B. die Dreieinigkeit); das sind Erklärungen und Illustrationen, die uns helfen können, „gedanklich zu ordnen“, was die Bibel lehrt. Aber sie bleiben Gedankenkonstruktionen von Menschen und damit unvollkommen, auf einer niedrigeren Stufe stehend als die fehlerlose Offenbarung Gottes in der Bibel. Deshalb sollten diese „Glaubensbekenntnisse“, wo sie verwendet werden, immer dafür offen sein, im Licht des inspirierten Wortes Gottes überprüft zu werden.

Der heutige Gebrauch der „Glaubensbekenntnisse“ ist selten der erwähnte, biblische Wahrheiten zu erklären und zu illustrieren. Viel häufiger werden diese Bekenntnisse zu dem Zweck aufgestellt, zu unterscheiden zwischen jenen, die den „richtigen Glauben“ haben, und jenen, die einen falschen Glauben haben; und um zu verhindern, dass jene, die einen falschen Glauben haben, zu einer bestimmten kirchlichen Organisation Zutritt erhalten. Leider musste ich in der Praxis bei mehreren Gelegenheiten beobachten, dass die „Glaubensbekenntnisse“ zu diesem Zweck nicht taugen. Einige sind so exklusiv, dass sie viele echte und ernsthafte Christen ausschliessen, nur wegen deren Meinung zu irgendeinem Randthema wie die Entrückung oder das „Zungenreden“. Andere Organisationen haben ein sehr gut formuliertes Glaubensbekenntnis, sind aber voll von Menschen, die dieses Bekenntnis nur aus Opportunismus und nicht aus Überzeugung unterschrieben haben, sodass sie in der Praxis mit ihren Worten und Taten ihr eigenes „Glaubensbekenntnis“ verraten.
(Z.B. gibt es in Perú eine grosse Denomination, deren „Glaubensbekenntnis“ festhält, dass die Bibel „ganz und fehlerlos von Gott inspiriert ist“. In Wirklichkeit sind aber fast alle ihre Leiter Nachfolger der liberalen bibelkritischen Theologie, die lehrt, die Bibel sei voll von Fehlern.)
Es ist allzu leicht, eine Sache mit den Lippen zu bekennen und eine ganz andere Sache im Herzen zu haben. Leider scheinen die „Glaubensbekenntnisse“ diese gespaltene Haltung – insbesondere bei den Namenschristen – noch zu verstärken.

Jesus sagt nicht, dass wir die falschen Christen an ihrer Übereinstimmung oder Nicht-Übereinstimmung mit einem bestimmten „Glaubensbekenntnis“ erkennen, sondern an ihren Früchten, welche zeigen, was in ihren Herzen ist (Matthäus 7,15-20, 12,33-35, Johannes 15,4-6).

Es gibt einige alte „Glaubensbekenntnisse“ wie z.B. das Apostolische, das Nicänische oder das Chalcedonische Bekenntnis, die von praktisch allen Christen der Welt anerkannt werden, und ich habe keine Probleme damit, sie auch anzuerkennen. Aber aus den obenerwähnten Gründen sehe ich weder die Notwendigkeit noch den Nutzen davon, für mich irgendein „Glaubensbekenntnis“ für offiziell zu erklären.

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PS: Ich setze „Glaubensbekenntnis“ in Anführungszeichen, weil das Wort „Glaubensbekenntnis“ im Neuen Testament etwas ganz anderes bedeutet, als was heute darunter verstanden wird: Nicht eine theologisch-lehrmässige Erklärung, sondern ein persönliches Zeugnis bzw. Geständnis, das von einem seines Glaubens wegen verhafteten Christen vor dem Richter abgelegt wird. – Siehe Matthäus 10,32 (Zusammenhang beachten), Johannes 9,22, 1.Timotheus 6,13. – Bei manchen Menschen zeigt sich erst in einer solchen Situation, welches ihr wirkliches „Bekenntnis“ ist.

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