Syrien – ein zweiter Irak?

Vor gut einem Jahr habe ich einen Bericht weitergeleitet über die bedrängte Situation der irakischen Christen. Viele dieser Christen sind nach Syrien geflüchtet. Es scheint mir deshalb angebracht, die untenstehende Notiz über Syrien weiterzuleiten. Die Nachricht ist zwar schon zwei bis drei Monate alt, aber ich denke, die darin enthaltenen Hintergrundinformationen sind weiterhin aktuell.

Syrien: 50 Christen getötet während Unruhen

In der syrischen Stadt Homs wurden rund 50 Christen während den Unruhen getötet, sowohl von Aufständischen wie auch von Regierungskräften. Viele weitere können nur mit Mühe ihre Familien ernähren, weil die Gewalt ein normales Leben in der Stadt unmöglich macht.

(…) Die Christen machen 10% der syrischen Bevölkerung aus, d.h. etwa 2 Millionen. Diese Zahl schliesst Tausende irakischer Flüchtlinge ein, die wegen der Christenverfolgung ihr Land verlassen mussten.

Das syrische Regime funktioniert nicht nach westlichen Massstäben, aber bis jetzt erfreute sich die christliche Gemeinschaft religiöser Freiheit und Gleichstellung. Syrien ist eines der wenigen arabischen Länder, wo die Christen respektiert werden und ihnen erlaubt wurde, in Frieden neben ihren moslemischen Nachbarn zu leben.

Aber die gegenwärtige Krise hat das Land verunsichert; und jetzt werden die Christen als Parteigänger der Regierung Assad angesehen. Und wie in anderen vom „arabischen Frühling“ betroffenen Ländern, haben die radikalen Islamisten in Syrien die Gelegenheit ergriffen, um ihre Ziele voranzutreiben, was die Gefahr für die Christen stark erhöht.

Die syrischen Christen befürchten, dass sich ihre Situation verschlimmern wird, je stärker der internationale Druck auf die syrische Regierung wird und die Gefahr einer militärischen Intervention besteht. Ausländische Waffen und Kämpfer dringen bereits in das Land ein, um die Aufständischen zu unterstützen.

Ein wichtiger syrischer christlicher Leiter schrieb:
„Das syrische Volk möchte nicht, dass sich die internationalen Mächte in sein Leben einmischen, um das Land zu verteilen, wie es im Irak gemacht wurde. Jedes geheime Programm der Supermächte würde das Ende des Christentums im Nahen Osten bedeuten. Sehen wir nur, was mit den Christen im Irak geschah, nachdem dort der Krieg begann … Eine grosse Zahl von ihnen sah sich gezwungen, das Land für immer zu verlassen; und jene, die blieben, sind bis jetzt diskriminiert. Vergessen wir nicht, dass viele von ihnen verfolgt und ihre Kirchen bombardiert wurden. Deshalb sehen die syrischen Christen die Einmischung der Grossmächte mit grossem Misstrauen, denn sie befürchten, damit dasselbe Schicksal zu erleiden wie ihre irakischen Geschwister.“

Die westlichen und arabischen Medien haben ein verzerrtes Bild von den Unruhen in Syrien. Die Nachrichten über die von der Regierung begangenen Greueltaten (Nachrichten, die hauptsächlich aus einer einzigen seltsamen Quelle namens „Syrisches Observatorium für Menschenrechte“ mit Sitz in London stammen), gelten als „gut dokumentiert“; während die ebenso schrecklichen Taten der Aufständischen nicht in die Schlagzeilen kommen. Und obwohl einige Informationen angeben, Syrien befände sich in einem Bürgerkrieg, ist der Konflikt in Wirklichkeit hauptsächlich auf Homs konzentriert. Solche parteiischen Informationen verstärken den internationalen Druck auf die syrische Regierung.

Die Tragödie Syriens, besonders für die Christen und andere Minderheiten, lässt befürchten, dass das Land zu einem zweiten Irak werden könnte. Gegenwärtig wird anerkannt, dass der Krieg im Irak nicht nur ein Fehler war, sondern auch illegal, mit zerstörerischen Folgen für die Einwohner, insbesondere die Christen. Das darf nicht wieder geschehen. Als Christen sollten wir nicht nur für den Frieden Syriens beten, sondern auch um Weisheit für unsere Regierungen, dass sie bei Aktionen gegen Syrien an die möglichen Folgen denken.

(Zugesandt von The Voice of the Martyrs / Barnabas Fund)

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