Die weisen Lektionen der Geschichte für Erzieher

Von Dr. Raymond Moore

Ralph Waldo Emerson hatte recht, als er sagte: „Die Jahre lehren vieles, was die Tage niemals wissen.“ Wir täten gut daran, diese Zeile täglich zu wiederholen, denn wenn Sie und ich die Weisheit der Geschichte herausfordern, dann rufen wir den Zusammenbruch unserer Gesellschaft hervor. Einige denken, das Studium der Geschichte sei nicht viel wert. Und wenn wir sie studieren, dann denken wir oft, es könne uns nie passieren, was mit dem alten Griechenland und Rom geschah. Und wenn wir merken, dass es doch geschehen kann, dann ist es meistens zu spät.

(…)

Im alten Griechenland entwickelten Plato und Aristoteles die Idee, dass die Familien dem Staat gehörten. (Obwohl beide von ihren Eltern zuhause ausgebildet worden waren.) So propagierten sie eine Philosophie, wonach die Kinder dem Staat unterworfen werden sollten. In seinem Buch 6 betonte Plato die Wichtigkeit, den „jungen und zarten Sinn“ zu beeinflussen. Er schrieb: „Das ist die Zeit, wo der Charakter geformt wird und mit Leichtigkeit jeden Eindruck aufnimmt, den man ihm einprägen möchte.“ Und in Crito war seine Perspektive eindeutig totalitär: „Da du von uns [dem Staat] zur Welt gebracht und ernährt wurdest, kannst du da leugnen, dass du unser Kind und Sklave bist?“
Platos Jünger Aristoteles erklärte später in seiner Politik, dass „der Staat von Natur aus eindeutig vor der Familie und dem Individuum besteht, denn das Ganze hat notwendigerweise Vorrang vor seinem Teil.“ Und er verbreitete die Idee, dass der Staat die Verantwortung für alle Kinder spätestens ab sieben Jahren übernehmen solle. Von da an lebten während mehrerer Generationen die Kinder abgesondert von ihren Familien. Sie wurden überwältigt von der Rivalität zwischen Kameraden, von der Lächerlichkeit, vom Gruppendruck, von Obszönität, Drogen und Sex. Und es dauerte nicht lange, bis jener Staat zusammenbrach.

Rom wiederholte zum grössten Teil die Narrheiten Griechenlands. Mit Ausnahme von Kaiser Augustus, der mit seinen „Julianischen Gesetzen“ das Leben seiner Nation verlängerte. Diese Gesetze riefen zur Integrität der Familien auf. Der hervorragende römische Erzieher Quintilian sagte, die Bildung zuhause („homeschooling“) mit ihrem positiven Einfluss auf den Familienzusammenhalt sei besser als die staatlichen Schulen. Aber das konventionelle Denken überwog, der Totalitarismus siegte einmal mehr, und das Römische Reich brach zusammen, weil seine Gesellschaft ihre Familien geschwächt hatte.
Die Julianischen Gesetze könnten uns gut als Beispiel dienen, denn unter anderem verlangten sie von jungen Paaren: (1) dass sie heirateten, statt ohne Trauschein zusammenzuleben; (2) dass sie Kinder hätten; und (3) dass sie für ihre betagten Eltern sorgten. Letzterer Punkt ist sehr bedeutungsvoll heute, wo sich viele Söhne und Töchter anscheinend damit zufriedengeben, dass ihre Eltern und Grosseltern unnötig in irgendeiner staatlichen Einrichtung dahinschmachten. Das ist zugleich eine Lektion für die Eltern: Wenn Sie Ihre Kinder frühzeitig ausser Haus senden, bevor sie dazu bereit sind, dann werden sie eines Tages dasselbe mit Ihnen tun, wenn Sie alt sind.

Auf der Grundlage der Philosophie von Plato und Aristoteles war ihre Lehre vom „Staat als Vater“ nicht sehr überraschend, denn schliesslich war der Staat viel langlebiger als die Einzelperson. Warum also sollte der Staat nicht der Vater aller sein? Später waren Marx, Gandhi und Mao Tse-tung ebenso dazu bereit, die traditionelle Familienstruktur zugunsten des wirtschaftlichen Fortschritts des Staates zu opfern. Von ihrem atheistischen Gesichtspunkt her schlussfolgerten sie logisch, dass das Leben einer Einzelperson kurz war, während der Staat „für immer“ bestand.
Aber Jesus und das jüdisch-christliche Konzept des persönlichen ewigen Lebens ist ein Schlag ins Gesicht von solchen vergänglichen Ideen, und legt viel grösseren Wert auf die Einzelperson und die Familie. Das war es, was Moses tat; und unsere moslemischen Freunde beschämen uns Christen oft mit ihrer Hingabe an die Heiligkeit der Familienbeziehungen, und die Auferbauung von charakterstarken Kindern.
Heute, im Zeitalter von Marx, Gandhi und Mao, wiederholt sich die Geschichte des Sozialismus. Viele Menschen bestehen zunehmend darauf, dass der Staat Eigentümer der Kinder ist. Deshalb sagt Carle Zimmermann den Zusammenbruch der amerikanischen Gesellschaft voraus.

(Raymond y Dorothy Moore, „The Successful Homeschool Family Handbook“, 1994)

Mein Kommentar:

Nicht nur die amerikanische, auch die europäische Gesellschaft erlebt gegenwärtig die ersten Vorboten dieses Zusammenbruchs. Die wirtschaftliche Krise ist dabei nur eines von vielen Symptomen. Dass der zunehmende staatliche Totalitarismus von einer Mehrheit nicht nur hingenommen, sondern sogar gewünscht wird, ist ein weiteres Symptom, und ist zugleich eine der wichtigsten Ursachen für den Zusammenbruch.

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