Alltägliche Tiere im peruanischen Hochland

Ich denke, ich sollte wieder einmal etwas über unsere alltägliche Umgebung schreiben. Zum Beispiel über die Tiere, denen wir ab und zu begegnen.
Als die charakteristischsten Tiere des Hochlandes gelten der Kondor und der Puma. Die Inkas betrachteten sie als Götter. Ich konnte aber noch keinen von ihnen in freier Wildbahn beobachten. Der Kondor ist vom Aussterben bedroht, und Pumas sollen eher scheu sein. Nur wenn sie sich in ihrer Lebensweise gestört fühlen, können sie angriffig werden. Z.B. haben vor einigen Jahren Bergbauern während der Trockenzeit einen Grasbrand verursacht (das tun sie öfters absichtlich, es soll eine rituelle Bedeutung im Zusammenhang mit dem Kult der „Mutter Erde“ haben) und haben dadurch einige Pumas aus ihrem angestammten Jagdgebiet vertrieben. Auf der Suche nach einem neuen Lebensraum haben diese dann einige Hirtenjungen angefallen.

Im folgenden werde ich einige weniger aufsehenerregende Tiere vorstellen, die wir öfters zu Gesicht bekommen und deshalb auch fotografieren konnten.

Libellen gibt es in allen Farben. Die Hochlandbewohner nennen sie auch „carta-carta“ („Brief-Brief“), weil nach dem Volksglauben ihr Erscheinen ankündigen soll, dass man demnächst einen Brief bekommt.

Die Stabheuschrecke sieht tatsächlich wie ein dünner Holzstab aus. Selbst grössere Exemplare (sie können bis 20 cm lang werden) sind deshalb im Gesträuch nicht leicht zu sehen:

Offenbar sind die Stabheuschrecken auf diese Tarnung angewiesen, weil sie eher schwerfällige Tiere sind. Sie können weder fliegen noch springen. Hier sieht man sie etwas besser:

Hier nochmals ein Beispiel guter Tarnung. An einem Baumstamm wäre dieser Nachtfalter trotz seiner Grösse so gut wie unsichtbar, da er genau wie ein Stück Rinde aussieht. Zudem reflektieren seine Flügel z.T. die Farbe seiner unmittelbaren Umgebung; deshalb hat die linke Hälfte des linken Flügels einen etwas anderen Farbton als der Rest. Dieser Falter hier konnte offenbar nicht mehr vor Tagesanbruch zu seiner „Wohnung“ zurückfinden und hat sich deshalb auf dem Fensterbrett niedergelassen:

Spinnen gibt es massenhaft, in allen Grössen und Formen! Hier eine junge Tarantel. Ausgewachsen können sie (mit Beinen) bis handgross werden. Als wir noch am Stadtrand wohnten, spazierte ab und zu eine von ihnen ins Haus hinein. Menschen werden jedoch selten von ihnen gestochen.

Dieses unscheinbare Tierchen hingegen fordert jedes Jahr mehrere Todesopfer. Es handelt sich um die berüchtigte Schwarze Witwe, eine der giftigsten Spinnenarten der Welt. Obwohl sie nur klein ist (Körper rund 1 cm, mit Beinen ca. 5 cm), kann ihr Biss tödlich sein. Zum Glück wagt sie sich normalerweise nicht in die Stadt hinein. An den steinigen Berghängen der Umgebung kommt sie jedoch häufiger vor, als uns lieb ist. Man muss deshalb bei Wanderungen entsprechende Vorsichtsmassnahmen treffen: möglichst keine Kleider und offene Taschen oder Rucksäcke am Boden liegenlassen (die Spinnen könnten hineinkriechen), und sich nicht an Orte hinsetzen, wo Spinnweben in der Nähe sind. Die Schwarze Witwe spinnt ihre Fäden mit Vorliebe zwischen Steinen oder an niedrigen Büschen in Bodennähe. Meistens läuft sie nicht so gut sichtbar umher wie auf dem obigen Bild, sondern hält sich unter Steinen oder zwischen Pflanzen versteckt, so wie unten.
Nicht einmal ihre eigenen Artgenossen sind sicher vor ihr: Ihren Namen hat die Schwarze Witwe von der Angewohnheit, dass das Weibchen das Männchen nach der Paarung aufzufressen pflegt.

– Frösche und Kröten müssen in Perú noch nicht unter Naturschutz gestellt werden. Manchmal verirren sie sich bis in unseren Hinterhof – zur Freude unserer Kinder und zum Leidwesen meiner Frau.

Zikaden sind eigentlich in subtropischen und tropischen Gegenden heimisch. Während der wärmeren Jahreszeit kommen auch welche ins Hochland und machen mit ihrem lauten Zirpen auf sich aufmerksam. Sie sitzen hier aber die meiste Zeit still und schwirren nur ab und zu müde von einem Baum (oder Sonnenblumenstengel) zum nächsten; während sie in ihrer Urwald-Heimat in blitzschnellem Zickzackflug hin- und herschiessen und dabei öfters kopfvoran mit einer Wand – oder auch mit einer Person – kollidieren.
Kinder betrachten die Zikaden offenbar als Spielzeug. Sie halten sie z.B. in der Hand fest und lassen sie dann gerade so weit los, dass sie zirpen, aber nicht davonfliegen können.

Auch verschiedene Kolibri-Arten sind im Hochland manchmal zu sehen. Die Blumen in unserem Garten sind offenbar ein Anziehungspunkt für sie: wenn sie blühen, kommt täglich ein Kolibri (oder mehrere) vorbei, um Nektar zu saugen. Sie sind aber eher scheue Vögel. Hier ist es meinem Sohn trotzdem gelungen, einen zu fotografieren:

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