Archive for Oktober 2012

Schon wieder: Verfolgung von deutschen Homeschoolern

27. Oktober 2012

Die Menschenrechtsverletzungen in Deutschland gehen weiter. Mit einiger Verspätung erfuhr ich vom folgenden Fall:

„Wie jetzt bekannt geworden ist, hat das Familiengericht Darmstadt am 6. September 2012 Dirk W. und seiner Frau Petra die elterliche Sorge über ihre vier schulpflichtigen Kinder weitgehend entzogen. Damit gab es einem Antrag des Staatlichen Schulamtes statt, das um eine derartige gerichtliche Maßnahme gebeten hatte, da die Kinder nicht zur Schule gehen würden.“
(Quelle: http://derblauebrief.net/sorgerechtsentzug-ultima-ratio-des-unrechtstaats/)

Es handelt sich hierbei um eine christliche Familie, die aus christlicher Glaubensüberzeugung ihre Kinder selber erzieht, statt sie staatlichen Einrichtungen zu überlassen. Dass es sich bei solchen Massnahmen zur Durchsetzung des staatlichen Schulzwangs um grobe Menschenrechtsverletzungen handelt, ist u.a. von einem US-amerikanischen Gericht deutlich bestätigt worden, indem es einer deutschen Homeschooling-Familie politisches Asyl gewährte. (Siehe „Homeschooling ist ein Menschenrecht“.)

Besonders hässlich ist an diesem neuerlichen Fall, dass im selben Monat der Bundestagsabgeordnete Volker Kauder – der sich u.a. für verfolgte Christen einsetzt! – einem Homeschool-Aktivisten einen Brief schrieb, in welchem er erklärte, solche Fälle stellten keineswegs eine Verfolgung dar, denn die deutsche Schulpflicht (und deren unverhältnismässig gewaltsame Durchsetzung??) sei völlig verfassungsgemäss. Dieser „Christ“ fällt also in seinem eigenen Land verfolgten Christen in den Rücken!

Gerade Christen (insofern sie wirklich Christen sind) sollten eigentlich zumindest die folgenden einfachen Tatsachen verstanden haben:

– dass die Familie die von Gott eingesetzte Kerngemeinschaft des christlichen Lebens, der christlichen Gemeinde, und der Gesellschaft überhaupt darstellt, und deshalb Vorrang hat vor allen anderen gesellschaftlichen, politischen und religiösen Institutionen (insbesondere vor dem Staat).

– dass von der Bibel her eindeutig die Eltern mit der Erziehung der Kinder beauftragt sind, nicht der Staat.

– dass die Schule die familienfeindlichste Institution ist, die es überhaupt gibt, und dass die gegenwärtige galoppierende Zerstörung der Familien parallel läuft zur zunehmenden schulischen Belastung und Inanspruchnahme der Kinder.

– dass die Staatsschulen gegenwärtig auch zu immer antichristlicheren Institutionen werden und deshalb keine geeigneten Aufenthaltsorte sind für Kinder aus christlichem Elternhaus.

Könnten wir uns z.B. angesichts von Epheser 6,1-4 den Apostel Paulus vorstellen, wie er die Familien seiner Gemeinden dazu anhalten würde, ihre Kinder an heidnische Schulen zu schicken, wo seine apostolischen Worte (z.B. zur Auferstehung Jesu, zur Sexualethik, oder zur Nichtigkeit griechischer Gelehrsamkeit) mit Füssen getreten werden? – Oder würde der Apostel Petrus den Besuch solcher Schulen empfehlen, nachdem er gesagt hatte: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apg.5,29)?

Von daher finde ich es etwas vom Befremdlichsten an der deutschen Homeschooling-Situation, dass die christliche Gemeinschaft zu dieser Verfolgung mehrheitlich einfach schweigt, oder sie sogar ausdrücklich gutheisst. Merken die deutschen Christen denn gar nicht, dass sie damit fleissig an ihrer eigenen Abschaffung mitarbeiten? Wenn es denn überhaupt Christen sind – vielleicht liegt da der Hund begraben…


Im folgenden zitiere ich die ersten Seiten aus der fast hundertseitigen Stellungnahme der Familie W. an das Familiengericht Darmstadt. Die hier ausgesprochenen Grundsätze scheinen mir äusserst wichtig und lesenswert. Ein Staat, der die im folgenden ausgeführten Rechtsgrundsätze missachtet, arbeitet nicht nur auf die Abschaffung des Christentums hin, sondern auf seine eigene Abschaffung als Staat, Gesellschaft und Kultur überhaupt. (Siehe „Die weisen Lektionen der Geschichte für Erzieher“.)

„Die ganze Sache ist eigentlich eine sehr einfache Angelegenheit: Wir berufen uns nämlich in der Schulsache auf unser naturrechtlich verankertes ELTERNRECHT, dessen Ausübung auch das grundsätzliche Recht beinhaltet, unsere Kinder selbst zu unterrichten, wenn wir dies für gut und richtig ansehen. Auch wenn das NATURRECHT heutzutage geleugnet wird, um statt dessen Willkür-»Staatsrecht« erfinden1 (und an Stelle des NATURRECHTS setzen) zu können, so bleibt es dennoch bis zum Jüngsten Tag bestehen. Unser ELTERNRECHT entspringt höherer Instanz als positives (von unzulänglichen Menschen gesetztes) Recht und bricht somit letzteres. Punkt! Diese Begründung reicht völlig aus und leuchtet auch jedem einfachen (und juristisch nicht ausgebildeten) Menschen ein.

Kompliziert wird es erst dadurch, daß dieser einfache Sachverhalt gar nicht (mehr) bekannt ist und lediglich auf § 182 HSchG gebannt geschaut wird wie das Kaninchen auf die Schlange. Doch das HSchG ist drei Stufen unter dem ELTERNRECHT angesiedelt, weshalb dessen § 182 in unserem Fall gar nicht angewendet werden darf.

Das ELTERNRECHT ist ein Teil des NATURRECHTS
In den Anfangsjahren der Bundesrepublik bekannte sich das BVerfG (und deutlicher noch der BGH) zum NATURRECHT:

Das Bundesverfassungsgericht erkennt die Existenz überpositiven, auch den Verfassungsgesetzgeber bindenden Rechtes an und ist zuständig, das gesetzte Recht daran zu messen.2

Daß das ELTERNRECHT ein Teil des NATURRECHTS ist, gibt das BVerfG auch zu (auch wenn es diesen Bezug nicht direkt ausspricht), indem es dessen Besonderheit klarstellt:

1. Art. 6 Abs. 2 Satz 1 GG garantiert den Eltern das Recht auf Pflege und Erziehung ihrer Kinder. Die Erziehung des Kindes ist damit primär in die Verantwortung der Eltern gelegt, wobei dieses „natürliche Recht“ den Eltern nicht vom Staate verliehen worden ist, sondern von diesem als vorgegebenes Recht anerkannt wird.3

Folgende »Besonderheiten« des ELTERNRECHTS lassen sich hier feststellen: Erstens, unser ELTERNRECHT wurde uns »nicht vom Staate verliehen«. Das ist ein sehr wichtiger Punkt, den es zu beachten gilt. Wenn es aber »nicht vom Staate verliehen« wurde, wer gibt uns Eltern dann dieses Recht bzw. woher kommt es? Die Antworten darauf sind sehr einfach bzw. liegen auf der Hand, nur will sie heute niemand mehr hören: Das ELTERNRECHT ist natürlich von DEM »verliehen«, der auch den Menschen geschaffen hat, und es ist Bestandteil des NATURRECHTS (welches nicht nur »Menschenrechte«, sondern auch Pflichten gegenüber GOTT und seinem Nächsten enthält). Wer sollte es sonst »verliehen« haben bzw. wer käme sonst noch in Betracht? Es gibt – wie in allen grundsätzlichen Fragen – keine vernünftige Alternative zu einem personalen Schöpfer einschließlich der von IHM festgelegten Rahmenbedingungen (wie z. B. Naturgesetze, NATURRECHT). Es gibt nur wüste (und völlig unhaltbare) Spekulationen,die alle dem gleichen Motiv entspringen: die Gegenwart GOTTES zu verneinen/leugnen, um sich damit seiner geschöpflichen Verantwortung zu entziehen.

Zweitens, auch die Formulierung »vorgegebenes Recht« macht unmißverständlich deutlich, daß es sich bei dem ELTERNRECHT um ein Recht völlig anderer, nämlich höherer Qualität handelt. Was bedeutet »vorgegeben« anderes, als daß man eine höhere Rechtssphäre voraussetzt, aus der die unveränderliche Natur des RECHTS entspringt, und an der sich »das gesetzte Recht« – z. B. § 182 HSchG – »messen« lassen muß? Wo finden wir sonst noch »Vorgegebenes«? Wir finden z. B. Naturgesetze »vorgegeben«, d. h. wir finden diese vor und finden uns mit ihnen (mehr oder weniger) ab. Wir haben sie also nicht gemacht. Genauso verhält es sich mit dem NATURRECHT/ELTERNRECHT: Die Verfassungsväter haben es »als vorgegebenes Recht« vorgefunden, es brauchte deshalb nicht »gesetzt«, positiviert werden. Im Gegensatz zu den Naturgesetzen (denen man sich unmöglich entziehen kann) ist der deutsche Staat mit der Gegebenheit ELTERNRECHT leider viel weniger geneigt sich abzufinden und versucht – durch Leugnung des Tatbestands ELTERNRECHT = NATURRECHT einerseits und Erfindung von »Staatsrecht« andererseits – seinen unrechtmäßigen Schulzwang pseudo zu legitimieren.

Drittens, anscheinend war das BVerfG in seinem Urteil der Meinung, die zuvor beschriebene Gegebenheit des ELTERNRECHTS sei von den Verfassungsvätern »anerkannt« worden. Es stimmt natürlich, daß der einzig richtige Umgang mit solch einer Gegebenheit wie der des ELTERNRECHTS nur der des Anerkennens sein kann (und heute nach wie vor sein sollte). Doch einig waren sich die Verfassungsväter bzgl. des naturrechtlichen Wesens des ELTERNRECHTS nicht4, weshalb es eine »Anerkennung« (wie vom BVerfG unterstellt) leider so nicht gab, was auch an der unzureichenden Formulierung des Art. 6 GG zu ersehen ist.

Viertens, wenn das ELTERNRECHT »nicht vom Staate verliehen« wurde, dann kann der Staat es den Eltern auch nicht streitig machen! Dieser Punkt wird in den aktuellen Diskussionen völlig außer acht gelassen. Denn wenn das ELTERNRECHT solcher Art ist wie dargelegt, dann
ist es »unantastbar« und kann auch nicht eingeschränkt werden. Und: Es kann ebenfalls nicht dadurch eingeschränkt werden, indem es von irgendwelchen Verfassungsvätern nur unzureichend ausformuliert wurde. Das ist ebenfalls sehr wichtig zu beachten. Es gilt nicht das, was als Formulierung in Art. 6 GG zu finden ist (und etwa das nicht, was weggelassen wurde), auch gilt nicht das, was das BVerfG oder eine Mehrheit von Kommentatoren des GG aus Art. 6 herauszulesen meint, sondern es gilt das, was es tatsächlich beinhaltet. Was aber sollte es anderes beinhalten als das RECHT der Eltern, den Lebensentwurf, der ihnen als der beste erscheint (und die »Freiheit der Andersdenkenden« nicht beeinträchtigt) gemeinsam mit ihren Kindern umzusetzen? (Und welches »Recht« vermag dies einzuschränken?)“

1 Auf den Erfindungsreichtum bundesdeutscher Verfassungsrichter werden wir im weiteren Verlauf noch eingehen.
2 BVerfGE 1, 14 – 2 BvG 1/51 vom 23.10.1951, Leitsatz 27.
3 BVerfGE 59, 360 – 1 BvR 845/79 vom 9.2.1982, Abs. 85.
4 Näheres dazu auf S. 54.

(Die gesamte Stellungnahme kann hier eingesehen werden.)

Der Reformator Martin Luther – Teil 4 – Die Kirche verachtet das Wort Gottes

27. Oktober 2012

Die Auseinandersetzung beginnt

Zu jener Zeit bereiste der Mönch Johannes Tetzel die Gegenden, wo Luther lebte, um Ablässe zu verkaufen. Die Kirche lehrte, dass auch Christen nach ihrem Tod die Strafen des Fegefeuers erleiden müssten, und dass die Ablässe Autorität hätten, diese Strafen zu verkürzen oder zu erleichtern. Der Papst brauchte damals Geld, um den Petersdom zu erbauen. Die Ablässe dienten dazu, ihm die nötigen Mittel zu verschaffen.

Tetzel und seine Nachfolger manipulierten die Leute, indem sie ihnen anschaulich die Folterstrafen vor Augen malten, die ihre verstorbenen Eltern oder Grosseltern angeblich im Fegefeuer erleiden müssten; und sie sagten ihnen, es sei grausam, sie so leiden zu lassen, wenn sie ihnen doch mit einem Ablass die Befreiung erkaufen könnten. So gaben selbst sehr arme Leute ihr Geld für Ablässe aus, statt für ihre Familien zu sorgen.

In den Jahren 1516 und 1517 begann Luther gegen den Ablasshandel zu predigen. Er hatte bereits verstanden, dass man die Vergebung Gottes nicht mit Geld erkaufen kann. Auch ärgerte er sich über die Missbräuche, die von Tetzel und seinesgleichen begangen wurden (und die bereits zu einigem Unwillen unter dem Volk geführt hatten).
Dann beschloss Luther, vor eine breitere Öffentlichkeit zu treten, indem er zu einer öffentlichen Debatte über den Ablasshandel einlud. Diese Einladung geschah in der Form von „95 Thesen“, die er an die Tür der Schlosskirche von Wittenberg anschlug. (Diese Tür diente zugleich als Anschlagbrett der Universität.)
Luther war selber davon überrascht, wie schnell diese Thesen verbreitet wurden: nach zwei Wochen waren sie bereits in ganz Deutschland bekannt. Es war vor allem das „gewöhnliche Volk“, das sich dafür interessierte: die Menschen, die unter der kirchlichen Ausbeutung litten.
Die Theologen und Kirchenführer nahmen sich mehr Zeit mit ihrer Antwort. Und diese fiel nicht so aus, wie Luther erwartet hatte: Sie gingen auf das Thema des Ablasshandels gar nicht ein. Stattdessen klagten sie Luther an, gegen die Autorität des Papstes zu rebellieren. (In Wirklichkeit stellten die „95 Thesen“ die Autorität des Papstes noch gar nicht in Frage. Sie erklärten nur, die Gnade Gottes im Evangelium sei den päpstlichen Ablässen weit überlegen.) Sein prominentester Gegner, ein gewisser Dr.Eck (von Luther verächtlich „Dreck“ genannt), sagte, Luther lehre dasselbe wie Jan Hus, und da Hus als Ketzer verurteilt worden war, sei Luther ebenfalls ein Ketzer.

Die Kirche verachtet das Wort Gottes

Hier kommen wir wieder zu einem ganz aktuellen Bezug.

Als Luther seine „95 Thesen“ veröffentlichte, hatte er (noch) nicht die Absicht, die Kirche zu reformieren oder gar zu spalten. Er rief lediglich zu einer öffentlichen theologischen Debatte auf. Diese Debatte fand jedoch nie statt, weil die kirchlichen Leiter Luther sofort – und unter Ausschluss der Öffentlichkeit – zum Widerruf seiner Thesen zwingen wollten. Als Luther verlangte, sie sollten ihn auf Grund der Heiligen Schriften widerlegen, gingen sie nicht darauf ein. Einerseits, weil sie keine Argumente hatten. Und andererseits, weil ihnen die Vorstellung unerhört erschien, ein einzelner Mensch könnte es wagen, gegen die Autorität der Kirche anzugehen, auf nichts anderes gestützt als auf die Bibel.
– Seit Luther gilt es als Fundament der reformierten und evangelikalen Gemeinden, dass die Autorität des Wortes Gottes über der Autorität der menschlichen Leiterschaft steht. So wenigstens in der Theorie. Wie sieht es in der Praxis aus?

Vor einigen Jahren versuchte ich ebenfalls, eine Diskussion in Gang zu bringen über einige Punkte wie: Inspiration und Unfehlbarkeit der Bibel; Bekehrung und Wiedergeburt; neutestamentliche Gemeindeleitung; u.a; und drückte meine Überzeugung aus, die meisten evangelischen Gemeinden seien in diesen Punkten von der biblischen Wahrheit abgewichen. (Siehe „95 Thesen über die Lage der evangelischen/evangelikalen Kirchen“.) Die Antwort der Gemeinden glich in erschreckender Weise der Antwort der katholischen Kirche an Luther: Niemand hat bis heute auch nur ein einziges biblisch begründetes Argument gegen eine meiner Thesen vorgebracht. Dafür hat ein Mitarbeiter der (theologisch liberalen) Bibelgesellschaft allen Gemeinden in der Region gesagt, sie sollten nicht auf mich hören; meine Veröffentlichungen gelten als „verbotene Bücher“; und die Bibelschule, wo ich früher arbeitete, hat mir den Kontakt mit meinen eigenen ehemaligen Schülern verboten.
(Bücher- und Kontaktverbote sind typisch sektiererische Praktiken. Ich bin aber verschiedenen Leitern im evangelikalen Raum begegnet, sowohl in Europa wie in Perú, die so handeln; und bisher hörte ich von keinem von ihnen, dass er sich klar von dieser Praktik distanziert hätte. Siehe „Von der evangelikalen Zensur“.)

Aufgrund dieser Erfahrungen muss ich feststellen, dass die evangelikalen Gemeinden heute nicht besser sind als die katholische Kirche zur Zeit Luthers: Sie setzen ihre eigene Autorität (in Form ihrer Traditionen und ihrer leitenden Persönlichkeiten) über die Autorität des Wortes Gottes; und sie sind nicht gewillt, eine faire Diskussion auf biblischer Basis zu führen. Stattdessen unterdrücken sie „Dissidenten“ mit sehr unchristlichen Machtmitteln. Dies gilt nicht etwa nur für liberal-modernistische Gemeinden, sondern leider auch für viele, die „Bibeltreue“ auf ihre Fahne geschrieben haben. In der Theorie predigen sie die Bibel als autoritatives Wort Gottes; aber in der Praxis betrachten sie ihre eigene Interpretation als autoritativ, und handeln sehr unbiblisch, wenn die „heiligen Kühe“ ihrer Gemeindetradition angetastet werden.

Wer hat die Kirche gespalten?

Bis heute klagt die katholische Kirche Luther und die Protestanten an, „die einzige Kirche Jesu gespalten zu haben“. Wir haben bereits gesehen, dass das keineswegs Luthers Absicht war. Aber die Auseinandersetzung über den Ablasshandel wurde auch in Rom bekannt, und während der darauffolgenden Jahre musste Luther mehrmals päpstlichen Theologen gegenübertreten. Diese waren jedoch nie an einer offenen Diskussion interessiert. Wie schon erwähnt, hatten sie nur ein Ziel: Luther zum Widerruf seiner Thesen zu zwingen.

Luther war überzeugt, die Anklagen gegen seine Person seien irrtümlich erfolgt. Er hegte noch keine Zweifel an der Integrität des Papstes. Er nahm immer noch an, der Papst sei gewiss nicht einverstanden mit den Missbräuchen Tetzels und mit dem Benehmen seiner Höflinge. Noch 1520 richtete er sich an den Papst mit diesen respektvollen Worten:

„Deshalb, hochverehrter Leo, rufe ich Sie an, meine Verteidigung anzunehmen, die ich in diesem Brief vornehme, und sich überzeugen zu lassen, dass ich nie etwas Schlechtes über Ihre Person gedacht habe; und dass ich Ihnen den ewigen Segen wünsche …
Aber darüber habe ich mich empört, dass das Volk Christi unter Ihrem Namen und unter dem Vorwand der römischen Kirche betrogen wird … Während Sie, Leo, wie ein Schaf, wie Daniel, inmitten von Löwen sitzen … Wie können Sie allein diesen bösen Ungeheuern entgegentreten? … Ich war immer betrübt darüber, dass Sie, hochverehrter Leo, die Sie eine bessere Zeit verdient hätten, in diesen Zeiten zum Papst ernannt wurden. Denn der römische Hof ist Ihrer nicht würdig… Sehen Sie, Leo, mein Vater, mit was für einem Vorsatz ich gegen diesen Sitz der Pest (den römischen Hof)angerannt bin. Ich bin so weit davon entfernt, irgendeinen Zorn gegen Ihre Person zu empfinden, dass ich sogar hoffte, Ihre Gunst zu erwerben und zu Ihrem Wohlergehen zu helfen, indem ich so heftig auf Ihr Gefängnis einschlug … Vielleicht bin ich unverschämt kühn zu versuchen, ein so grosses Haupt wie Sie zu belehren, durch den alle Menschen belehrt werden sollten, und von dem die Richterthrone ihr Urteil erhalten; aber ich ahme St.Bernhard nach in seinem an (Papst) Eugen gerichteten Buch ‚Considerationes‘, ein Buch, das jeder Papst auswendig kennen sollte. …“

Als Antwort wurde Luther exkommuniziert. Er hat sich also nicht von der katholischen Kirche getrennt, sondern der Papst schloss ihn aus. Die historische Wahrheit ist deshalb, dass es nicht Luther war, sondern der Papst, der die Kirche spaltete.

Aber fast alle Erweckungsprediger und Reformatoren der Geschichte mussten diese selbe Anschuldigung hören, von Luther über Wesley und Booth bis zu den heutigen Erweckungspredigern: „Du bewirkst Spaltungen!“ – „Du bist ein Fanatiker!“ – „Du bist zu radikal!“ – „Du bist konfliktiv!“
Die laue Kirche ist nie bereit, die volle biblische Wahrheit zu hören. Die laue Kirche hat schon immer versucht, die Prediger der Wahrheit in Verruf zu bringen und auszuschliessen. Und leider sind auch die erweckten Kirchen nach zwei oder drei Generationen ihrerseits wieder lau geworden. Das ist es, was auch heute geschieht.

Auch in dieser Hinsicht sollten die evangelischen und evangelikalen Kirchen von heute nicht denken, sie seien besser als die römische Kirche, nur weil sie Erben der Reformation sind.

In der nächsten Folge werden wir uns einige Punkte der Auseinandersetzung genauer ansehen. Ich glaube, wenn Luther heute wieder aufträte, müsste er viele Dinge, die er seinerzeit sagte, auch heute noch sagen – aber heute müsste er sie auch den evangelischen und evangelikalen Kirchen sagen.

(Fortsetzung folgt)

Der Reformator Martin Luther – Teil 3 – Zentrum der Korruption statt Zentrum der Heiligkeit

21. Oktober 2012

Zentrum der Korruption statt Zentrum der Heiligkeit

Luthers Romreise vermittelte ihm entscheidende Eindrücke für später. Er erwartete, ins „Zentrum der Heiligkeit“ zu kommen, das ersehnte Ziel so mancher Pilger. Stattdessen fand er, dass die italienischen Priester in aller Art Sünde lebten, keine Ehrfurcht vor Gott hatten, und selbst die Messe als ein reines Routinegeschäft betrachteten und ins Lächerliche zogen. (Er hörte z.B. einen Priester über der Hostie höhnisch murmeln: „Brot bist du, und Brot wirst du bleiben“ – ein Spott über die katholische Transsubstantiationslehre.) Er kehrte sehr enttäuscht von Rom zurück.
– Dennoch glaubte Luther anscheinend auch später noch, als der Streit mit dem Ablasshändler Tetzel den Ausschlag zu seinem Protest gab, der Papst könne Tetzels Missbräuche unmöglich gutheissen. Erst als Luther wegen seiner Schriften exkommuniziert wurde, dämmerte es ihm, dass die Korruption tatsächlich von der obersten Führungsspitze der Kirche ausging, nicht nur von einigen lokalen und regionalen Leitern.

Die Lehre, die wir daraus ziehen müssen, ist traurig: Wenn die Kirche verderbt ist, dann sind die Zustände nie so schlimm wie sie scheinen. Sie sind noch viel schlimmer! Wer mit einem untergeordneten Leiter (z.B. einem örtlichen Gemeindeleiter) ein Problem hat, wird selten Erfolg haben damit, an übergeordnete Leiter zu apellieren. Meistens haben sich die übergeordneten Leiter bereits mit den untergeordneten abgesprochen und sind mit deren Missbräuchen einverstanden. „Verflucht ist der Mann, der auf Menschen vertraut“ (und seien es die höchsten Leiter einer Kirche) „und Fleisch zu seinem Arm macht, während sein Herz sich vom Herrn entfernt.“ (Jeremia 17,5)

In ähnlicher Weise wie Luther lebte auch ich lange Zeit in der Täuschung, die obersten Leitungspositionen in christlichen Denominationen und Werken seien mit gerechten, gottesfürchtigen Menschen besetzt. (Würde es sich um neutestamentliche Gemeinde handeln, dann wäre das ja auch zu erwarten.) Wo Missbräuche und Skandale vorkamen, schrieb ich es einigen wenigen „schwarzen Schafen“ zu, und nahm an, wenn diese ihre Sünde bereuten oder einer biblischen Disziplin unterzogen würden, dann käme die Situation in Ordnung. Aber wie Luther musste ich diese Ansicht revidieren, nachdem ich meine eigenen Erfahrungen mit führenden Leitern machte, und andere Geschwister mit ähnlichen Erfahrungen kennenlernte.

Auf den „unteren Ebenen“, wie Hauskreise, Jugendgruppen, evangelistischen und Jüngerschaftsgruppen, gibt es oft noch einen echten Hunger nach Gott und ein echtes Streben danach, ihm zu gefallen. Aber je höher man in der „Hierarchie“ kommt, desto mehr wird das Verhalten der Verantwortlichen bestimmt von institutionellen Strategien, Konkurrenz- und Marketingdenken, Machthunger, Manipulation, politischem Kalkül, u.a.m. Das ist auch nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass in den meisten dieser Organisationen „Leiterschaft“ mit (ganz konkreter) Macht verbunden ist. Infolgedessen werden die Leiterschaftspositionen zu Anziehungspunkten für machthungrige Menschen, die mit den neutestamentlichen Anweisungen an Leiter (wie z.B. Lukas 22,24-27, 1.Petrus 5,2-3 – bitte lesen!) nichts am Hut haben. Wären die höchsten Positionen verbunden mit einem Höchstmass an Armut, Entbehrungen, Verachtung, Leiden und Verfolgung (1.Kor.4,10-13), – wie es heute noch z.B. in einigen Untergrundbewegungen in China der Fall ist -, dann wäre bestimmt eine andere Art Menschen in diesen Positionen anzutreffen.

Deshalb gebe ich jetzt jungen Dienern Gottes – soweit sie noch auf mich hören wollen – folgendes zu bedenken: „Jeder Diener Gottes wird früher oder später vor eine äusserst wichtige Entscheidung gestellt werden: Wirst du kompromisslos Gott dienen – oder einer menschlichen Institution, die sich „Kirche“ nennt? – Wenn du die Institution wählst, dann werden dir alle Türen offenstehen. Gemeinden und Missionswerke werden dich mit offenen Armen empfangen. Einige werden dich für deine Arbeit sogar gut bezahlen. Aber du wirst dich mehr und mehr gezwungen sehen, bei unredlichen Machenschaften mitzumachen, Sünde zu vertuschen, und die Ehre der Institution über die Ehre Gottes zu stellen. Höchstwahrscheinlich wirst du dabei korrupt werden, deine Integrität verlieren, und vielleicht sogar deinen Glauben.
– Wenn du dagegen Gott wählst, dann wird dein Weg schwierig sein. Du wirst als Störefried angesehen werden, und wirst wahrscheinlich mehrmals fälschlich angeklagt und ausgeschlossen werden. (Siehe Joh.16,2-3 !!) Du wirst deinen guten Ruf verlieren, und wirst für alle Belange deines Lebens dein Vertrauen völlig und allein auf Gott werfen müssen. Deine einzige Befriedigung wird darin bestehen, zu wissen, dass du den Willen Gottes getan hast und dass dein Lohn von ihm kommt. Überlege dir jetzt, wem du dienen wirst.“

(Fortsetzung folgt)

Der fortlaufende Zyklus der Kirchengeschichte: Erweckung und Abfall (2.Teil)

21. Oktober 2012

Nun ist es eine weitere traurige Beobachtung in der Kirchengeschichte, dass so gut wie jede Erweckung zu Konflikten und Spaltungen geführt hat. Aber auch das ist fast unvermeidlich, wenn man die Umstände in Betracht zieht: Erweckung wird dann nötig, wenn die Kirche sich so weit vom Herrn entfernt hat, dass es einigen ernsthaften Christen wirklich wehtut und sie anfangen, inbrünstig zum Herrn zu schreien. Meistens kommt es dazu erst, wenn die Zustände so weit fortgeschritten sind, dass die ganze Leiterschaft der Kirche in den Händen gottloser Menschen liegt, die sich zwar nach aussen hin einen christlichen Anstrich geben, aber in Wirklichkeit nur auf weltliche Macht und diesseitigen Gewinn aus sind.
(Man verwundere sich darüber nicht! Schon Paulus warnte die Ältesten von Ephesus: „Ich weiss, dass nach meinem Weggang reissende Wölfe zu euch kommen werden, die die Herde nicht schonen; auch aus eurer eigenen Mitte werden Männer auftreten, die verkehrte Dinge reden, um die Jünger in ihre Gefolgschaft zu ziehen.“ (Apg.20,29-30). Das würde also sogleich nach dem Weggang von Paulus geschehen; wahrscheinlich innerhalb weniger Jahre. Ist es da verwunderlich, wenn im Lauf mehrerer Generationen diese Entwicklung so weitergeht, dass die verkehrten Menschen schliesslich die Oberhand bekommen in den Kirchenleitungen?)
Nun ist jede Verkündigung des wahren Evangeliums eine Bedrohung für solche falschen und machthungrigen Leiter. Einmal, weil sie als falsche Lehrer entlarvt werden; und noch viel mehr, weil das wahre Evangelium die Menschen freimacht von jeder priesterlichen Bevormundung. Erst recht, wenn dazu noch betont wird, dass allein Gottes Wort massgebend ist für alle Angelegenheiten der Kirche und des Lebens; und dass selbst die obersten Kirchenführer von Gottes Wort her beurteilt werden sollen und dürfen. (Eine Diskussion, die sich vor allem in der Reformationszeit zugespitzt hat. Aber auch in der gegenwärtigen Zeit muss dieser Punkt wieder deutlich zur Sprache gebracht werden; dieses Mal den reformierten und evangelikalen Kirchen gegenüber.)
Da nun also diese Leiter ihre Machtposition gefährdet sehen, ist es nur natürlich – vom Standpunkt des verkehrten menschlichen Herzens aus gesehen -, dass sie zur Verfolgung der Erweckungsprediger und deren Anhänger schreiten. Oft wird diesen noch vorgeworfen, sie hätten als „Rebellen“ selber diesen Konflikt heraufbeschworen. Dabei lag ihnen diese Absicht völlig fern. Sie wollten lediglich ihre Mitbrüder zum Herrn zurückführen und wussten sich von Gott dazu berufen; also konnten sie ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen.
Bei den meisten Erweckungspredigern ist zudem zu beobachten, dass sie ihre eigene Kirche sehr liebten, um sie besorgt waren, und sie gerade deshalb reformieren oder „erwecken“ wollten. Aber regelmässig machten sie die Erfahrung, dass ihre Kirche eine solche Reformation oder Erweckung gar nicht wünschte. Insbesondere mussten sie feststellen, dass die meisten Kirchenmitglieder in Wirklichkeit gar keine Christen waren. Erweckung besteht im wesentlichen darin, dass die Kirchenmitglieder (also Namenschristen, inbegriffen die Pastoren) sich bekehren und dadurch erst zu echten Christen werden. Das ist aber gerade die Botschaft, auf die die Kirchen am schärfsten reagieren – damals wie heute. Sie sind doch so stolz darauf, „Christen“ zu sein – vielleicht sogar selber Erben einer vergangenen grossen Erweckung! Nur höchst selten toleriert eine Kirche einen Prediger, der ihr sagt, ihre eigenen Mitglieder müssten zuerst wiedergeboren werden.
So mussten viele Erweckungsprediger schliesslich gezwungenermassen das tun, was ihnen anfangs am fernsten gelegen war: sich von ihrer Kirche trennen (durch eigene Entscheidung oder durch Ausschluss) und die Menschen aus ihr herausrufen, weil sie schliesslich zum Schluss kommen, dass eine echte Nachfolge Jesu mit einer Mitgliedschaft in dieser abgefallenen Kirche unvereinbar ist. (Einige Erweckungsprediger, wie z.B. Spener oder Wesley, brachten es immerhin fertig, diesen unumgänglichen Schritt so weit hinauszuzögern, dass sich erst ihre Nachfolger nach ihrem Tod damit befassen mussten.)

So entsteht für eine Zeitlang eine neue und weitgehend reine Gemeinschaft von Christen. Meistens ist die Urgemeinde das direkte Vorbild dieser neuen Gemeinschaft. Viele dieser neuen Gemeinschaften versammelten sich ursprünglich einfach als Christen oder Brüder, ohne Rücksicht auf konfessionelle Herkunft, Namensschilder, oder Rang und Ansehen. So weit wie möglich versuchten sie Jesus selber in den Mittelpunkt zu stellen, nicht irgendeinen Leiter oder irgendeine Lehre. Erst später wurden sie von ihrer neugierigen Umgebung mit einem Übernamen bedacht („Mennoniten“, „Quäker“, „Methodisten“, „Pfingstler“, „Untergrundkirche“, …), da es für diese Umgebung inakzeptabel war, dass sich jemand einfach nur „Christ“ oder „Bruder“ und nichts weiter nennen sollte. (Siehe dazu auch: „Was ist christliche Einheit?“.)

Leider hat aber kaum eine dieser neuen Gemeinschaften ihre geistliche Lebendigkeit über die Gründergeneration hinaus bewahrt. Wie es auch über die Richter heisst: „Wenn nun der Herr ihnen Richter erstehen liess, so war der Herr mit dem Richter und errettete sie aus der Hand ihrer Feinde, solange der Richter lebte; denn der Herr hatte Erbarmen ob ihrer Wehklage über ihre Bedränger und Bedrücker. Sobald aber der Richter starb, trieben sie es wieder ärger als ihre Väter, indem sie anderen Göttern nachgingen … „ (Richter 2,18-19)
So gerieten auch die erweckten Gemeinschaften in der Regel wieder auf den Weg des Abfalls, sobald ihr Gründer nicht mehr da war (oder manchmal sogar schon vorher). Aus der erwecklichen Pionierbewegung wurde eine institutionalisierte Kirche, und aus dieser wiederum ein traditionsgebundener Machtapparat, der seinerseits die neu aufbrechenden Erweckungen zu bekämpfen begann. Und so beginnt der Zyklus von neuem…

Die Dynamik des Abfalls ist mehrfach untersucht worden, insbesondere in apologetischer Literatur. Auch ich habe das schon in mehreren Artikeln getan. Weniger gut untersucht ist die Dynamik der Erweckungen (oder die Literatur darüber ist weniger bekannt). Ich möchte deshalb in dieser Artikelserie den Schwerpunkt auf das Positive legen: auf die Stärken der jeweiligen Erweckungen, und was wir daraus lernen können. Ich möchte dabei die jeweiligen Schwächen, und die dazwischen liegenden Zyklen des Abfalls, nicht einfach übergehen, aber sie weniger stark gewichten. Es hätte nicht viel Sinn, einfach eine weitere trockene, sich neutral gebende Kirchengeschichte zu schreiben: solche gibt es in Hülle und Fülle. In Wirklichkeit gibt es in der Geschichtsschreibung keinen neutralen Standpunkt; und die meisten Kirchengeschichtsbücher (insbesondere die „wissenschaftlichen“) sind von einem eher weltlichen Standpunkt aus geschrieben: sie betonen Ursachen und Wirkungen im politischen, gesellschaftlichen, finanziellen, psychologischen … Bereich, und unterbewerten die geistliche Dimension. Ich möchte dagegen jenen Momenten in der Geschichte nachgehen, wo Gott eingegriffen hat und „Richter erstehen liess“, um sein Volk wieder auf den Weg zurückzubringen. Ich muss mich dabei auf die mir zugänglichen Quellen und die mir zur Verfügung stehende Zeit beschränken; deshalb kann ich nicht alle Aspekte beleuchten und nicht alle Erweckungen beschreiben, die einer Erwähnung wert wären. Ich möchte aber wenigstens einen Anfang machen.

Es geht mir dabei nicht darum, den einen oder anderen Erweckungsprediger auf ein Podest zu stellen. Erweckungsbewegungen stehen manchmal in der Gefahr – besonders wenn die geistliche Substanz abzunehmen beginnt -, in einen Traditionalismus und Personenkult zu verfallen, indem sie ihre Gründerfigur als Ideal und als in allem nachzuahmendes Vorbild präsentieren. Aber wenn das geschieht, dann hört die Erweckung auf, Erweckung zu sein, und beginnt sich in Richtung Sekte zu entwickeln.
Wenn ich also Erweckungsbewegungen und Erweckungsprediger als Vorbilder vorstelle, dann nicht in diesem Sinn, dass wir ihnen alles nachmachen sollten. Jede christliche Bewegung muss vom „Originalbild“ her beurteilt werden, also vom Neuen Testament und von der Urgemeinde her. Insofern sie eine Rückkehr zum ursprünglichen Christentum verkörpern, können uns Erweckungen als Vorbild dienen.

Es kann dabei nicht ausbleiben, Rückschlüsse und Anwendungen auf die gegenwärtige Zeit vorzunehmen. Es gibt Autoren, welche die gegenwärtige Zeit als eine Erweckungszeit einschätzen – hauptsächlich gestützt auf Statistiken über das zahlenmässige Gemeindewachstum in Afrika, Lateinamerika und in einigen asiatischen Ländern. Als jemand, der selber in Lateinamerika wohnt – statistisch gesehen ein „Erweckungskontinent“ – , muss ich sagen, dass lediglich die Zahl der Namenschristen wächst (und auch diese nur, wenn man die katholische Kirche aus dem Blickfeld lässt). Bei Betrachtung der geistlichen Substanz muss ich sagen, dass wir uns ganz klar in einer Zeit des Abfalls befinden, selbst in Ländern, wo zahlenmässig die Gemeinden wachsen. (Vielleicht mit Ausnahme von China, aber ich bin zu wenig über China informiert, um das mit Sicherheit sagen zu können.)
Wie John Stott(?) gesagt haben soll: „Die christliche Gemeinde hat sich in der letzten Zeit ungemein ausgebreitet. Sie ist jetzt viele Meilen breit, hat aber nur noch einen halben Zentimeter Tiefgang.“ Wir leben wiederum in einer Zeit, wo Kirchenleitungen hauptsächlich von finanziellen und machtpolitischen Überlegungen motiviert sind, und wo unter „Evangelisation“ vorwiegend verstanden wird, die Menschen zu einem Lippenbekenntnis zu (ver-)führen, damit sie Mitglied dieser oder jener Kirche werden. Es ist heutzutage genauso nötig und genauso skandalös, die Kirchenmitglieder zur Bekehrung aufzurufen, wie es zur Zeit eines George Fox, eines John Wesley oder eines William Booth war. Möge diese Artikelserie auch dazu beitragen, die Not unserer Zeit in neuem Licht zu sehen.

Der fortlaufende Zyklus der Kirchengeschichte: Erweckung und Abfall

18. Oktober 2012

„Als nun auch jene ganze Generation zu ihren Vätern versammelt war, kam nach ihr eine andere Generation auf, die vom Herrn nichts wusste, noch von den Taten, die er für Israel getan hatte. Da taten die Israeliten, was dem Herrn missfiel, und dienten den Baalen. Sie verliessen den Herrn, den Gott ihrer Väter, der sie aus dem Lande Aegypten erausgeführt hatte, und gingen anderen Göttern nach, Göttern der Völker rings um sie her, beteten sie an und reizten so den Herrn.
Wenn sie aber den Herrn verliessen und dem Baal und den Astarten dienten, dann entbrannte der Zorn des Herrn gegen Israel, und er gab sie in die Hand von Räubern, die sie ausraubten, und verkaufte sie in die Hand ihrer Feinde ringsum, und sie vermochten ihren Feinden nicht mehr zu wierstehen. Sooft sie auszogen, war die Hand des Herrn gegen sie zum Unheil, wie der Herr gedroht und wie der Herr ihnen geschworen hatte, und sie gerieten in grosse Not.
Und der Herr liess Richter erstehen, die sie aus der Hand jener Räuber erretteten. Aber auch auf ihre Richter hörten sie nicht, sondern gaben sich andern Göttern hin und beteten sie an. Gar bald wichen sie ab von dem Weg, den ihre Väter im Gehorsam den Geboten des Herrn gewandelt waren; sie taten nicht dasselbe.“
(Richter 2, 10-17)

Diese Verse sind eine kurze Zusammenfassung der ganzen Richterzeit. Sobald die Pioniergeneration, die Generation Josuas, nicht mehr da war, begann der Abfall von Gott. Von da an glich die Geschichte Israels einer Achterbahn: ein ständiges Auf und Ab, Abfall von Gott, eine kurze Zeit der Rückkehr unter einem vollmächtigen Richter, und dann neuerlicher Abfall.
Man kann diese Verse aber auch als eine Zusammenfassung der Kirchengeschichte lesen. Sobald die Generation der Apostel nicht mehr da war, begann sich die christliche Gemeinde von den Grundsätzen Jesu und der Apostel zu entfernen. Es „kam eine neue Generation auf, die vom Herrn nichts wusste“. Damit begann ein allmählicher Abfall von Gott, der sich durch das ganze Mittelalter hindurch fortsetzte, mit nur vereinzelten und kurzen Zeiten einer teilweisen Rückkehr zu Gott.
Im Gegensatz zu Israel kam die Kirche durch diesen Abfall zwar nicht in äussere Bedrängnis – im Gegenteil, sie erlangte grosse politische Macht. Aber die geistliche Bedrängnis war gross: der Durchschnitts“christ“ jener Zeit hatte nie eine Bibel auch nur von weitem gesehen und hatte erst recht keine Ahnung, was eigentlich darin stand. So gab es auch in jener Zeit immer wieder Christen, die „zum Herrn schrieen“ (Richter 3,9.15, 4,3) um eine Erneuerung der Kirche und um geistliche Nahrung. So liess der Herr „Richter“ erstehen – zuerst nur ganz vereinzelt; etwa vom 14.Jahrhundert an wieder häufiger -: Erweckungsprediger, die das Volk zur Rückkehr zu Gott aufriefen, und die biblische Wahrheit wieder auf den Leuchter stellten.

Diese „christlichen Richter“ waren nicht einfach Prediger oder Evangelisten. Sie waren wahrhaft prophetische Gestalten, die dem Volk mit Vollmacht ihre Sünden aufdeckten und sich auch nicht scheuten, den Mächtigen in Staat und Kirche Gottes Spiegel vorzuhalten. Dafür wurden sie verfolgt, und nicht wenige bezahlten die Erweckung mit ihrem Leben.

Die Artikelserie „Erweckungsgeschichte“, die ich kürzlich begonnen habe und – so Gott will – fortsetzen möchte, ist hauptsächlich aus diesem Gesichtspunkt heraus geschrieben. Ich möchte diesem Zyklus von Erweckung und Abfall nachgehen, dabei hauptsächlich die Erweckungen hervorheben und ein wenig der Frage nachgehen, was wir daraus lernen können. Das Schwergewicht wird dabei auf den Erweckungen der Neuzeit liegen, von der Reformation an.

Aufs Ganze gesehen, ist die Kirchengeschichte eine traurige Angelegenheit. Man lese nur einmal nebeneinander ein durchschnittliches Kapitel aus einem durchschnittlichen Kirchengeschichtsbuch, und irgendein Kapitel aus der Apostelgeschichte. Der Unterschied fällt sofort ins Auge. Hier Streitereien und politische Intrigen der kirchlichen Machthaber, dort vollmächtige Verkündigung des Evangeliums. Hier leere theologische Doktrinen, dort tatsächlich gelebtes christliches Leben. Dort Verherrlichung Gottes inmitten von Verfolgung; hier sich „Christen“ nennende Machthaber, die selber die echten Christen verfolgen.
Man kann sich fragen, warum das so ist. Sollte die Geschichte der Gemeinde Jesu nicht so weitergehen, wie sie angefangen hat? – Ich glaube, dass das „eigentlich“ Gottes Plan war; dass er aber in diesen Plan die menschliche Freiheit und Verantwortung mit eingeschlossen hat. Und so geschah dasselbe wie in der Menschheitsgeschichte insgesamt: Der Mensch machte von seiner Freiheit Gebrauch, sich von Gott abzuwenden; und so entfernte sich auch die christliche Gemeinde immer weiter von Gott. Diese Dynamik des Sündenfalls, welche die ganze Menschheitsgeschichte bestimmt, wirkt also auch in der Kirchengeschichte. In anderen Worten: Der Strom der Geschichte fliesst ständig abwärts.
Aus dieser Perspektive gesehen, ist es nicht verwunderlich, dass sich die Kirche von Gott und von ihren Anfängen entfernte. Viel wunderbarer ist es, so gesehen, dass es überhaupt Erweckungen gab und gibt. Erweckungen sind Ausnahmen vom „normalen“ Lauf der Geschichte. Sie sind übernatürliches Eingreifen Gottes, der nicht zulässt, dass auch der letzte Überrest seines Volkes von einer abgefallenen Kirche verschlungen werden soll.

Unter „Erweckung“ verstehe ich in diesem Zusammenhang: eine (zumindest teilweise) Rückkehr zum Urzustand der Kirche, wie er (insbesondere) in der Apostelgeschichte vorgezeichnet ist. (Ich werde das in einem anderen Artikel näher ausführen.) Das war der eigentliche Antrieb fast jedes Erweckungspredigers: Er sah den Zustand der Kirche seiner Zeit, verglich ihn mit den Leitlinien der Bibel, und kam zu dem Schluss: Das ist nicht die Kirche, die ich in der Bibel beschrieben sehe. Hier muss sich etwas ändern!
Um ein anderes Bild zu gebrauchen: Wenn ich von einem Dokument oder einer Zeichnung eine Fotokopie mache, dann wird die Kopie nie exakt wie das Original. Wenn ich nun von dieser Kopie wiederum eine Kopie mache, und von dieser Kopie wieder eine Kopie, und so weiter, dann nimmt die Qualität immer weiter ab, und mit der Zeit häufen sich die Ungenauigkeiten und Flecken derart an, dass das Bild bis zur Unkenntlichkeit entstellt wird. Das ist es, was während langen Zeiten in der Kirchengeschichte geschah: Jede Generation kopierte, was sie von der vorangehenden Generation überkommen hatte, und fügte ihre eigenen „Flecken“ und Ungenauigkeiten dazu. So wurde das Antlitz der Gemeinde Jesu zunehmend entstellt.
Eine Erweckung besteht nun darin, dass jemand wiederum das Originalbild hervorholt, die Menschen damit konfrontiert und sagt: „So war das eigentlich gemeint! Das ist es, was die Gemeinde eigentlich sein sollte! Das ist es, was die Bibel unter einem Christen versteht! Kehrt um!“

(Fortsetzung folgt)

Der Reformator Martin Luther – Teil 2 – Der Weg zur Bekehrung

18. Oktober 2012

Der Weg zur Bekehrung

Aus Luthers Zeit als junger Mönch wird berichtet, dass er unter einem ungeheuren Bewusstsein seiner eigenen Sündhaftigkeit litt, und sich selbst die härtesten Bussübungen auferlegte, um sein Gewissen zu erleichtern – vergeblich. Obwohl er keine offensichtliche Sünde begangen hatte, war er sich seiner kleinen Fehler in Worten, Gedanken und Verhalten sehr bewusst, die im täglichen Leben geschehen. Er versuchte oft, diese schlechten Neigungen zu besiegen, aber sein Gewissen verurteilte ihn weiterhin. Manchmal dachte er sogar, er sei wohl zur Verdammnis vorherbestimmt; denn wenn es anders wäre, würde ihm doch Gott sicher ermöglichen, die Versuchungen zu besiegen?

Sein Freund Philipp Melanchthon schreibt über Luther in jener Zeit:
„Oft erschreckten ihn plötzliche und heftige Ängste, während er intensiver über den Zorn Gottes und seine Strafen nachdachte; so dass er beinahe verrückt wurde. Und ich selbst sah ihn, als er in einer Lehrdebatte von der Spannung übermannt wurde, wie er sich in der benachbarten Zelle niederwarf und mehrmals über dem diskutierten Gedanken betete, und alles unter der Sünde zusammenfasste, um für alles Vergebung zu erhalten. Er fühlte diese Ängste von Anfang an, oder noch heftiger in jenem Jahr, weil er seinen Kameraden verlor, der bei einem Unfall starb.“

Er bemühte sich, gute Werke zu tun, um Gott zu gefallen. Er widmete sich intensiv dem Fasten, langen Stunden im Gebet, Geisselungen, Wallfahrten, und ständiger Beichte. Er verbrachte viel Zeit damit, sein eigenes Herz zu erforschen, und bekannte jede Sünde des Zornes, des Hasses und der Eifersucht gegen andere Menschen. Aber je mehr er versuchte, Gott zu gefallen, desto mehr wurde er sich seiner Sünde bewusst. Entmutigt sagte er: „Je mehr man versucht, sich die Hände zu waschen, desto schmutziger werden sie.“ Und obwohl er ständig Absolutionen erhielt und Bussübungen machte, blieb die beunruhigende Frage: Wer kann mir versichern, dass ich wirklich alle Bedingungen erfüllt habe, um Vergebung zu erhalten? So suchte er weiterhin Antwort auf die wichtige Frage: Wie kann ein Sünder die ewige Errettung erlangen? Wie kann ich die Gnade Gottes erfahren?

Die Schlüsselstelle in Luthers Leben war Römer 1,17:
„Denn im Evangelium offenbart sich die Gerechtigkeit Gottes aus Glauben und zum Glauben, wie geschrieben steht: Denn der Gerechte wird aus Glauben leben.“
In seinem Verständnis konnte „Gerechtigkeit Gottes“ nur bedeuten: Gott muss mich in seiner Gerechtigkeit für meine Sünde bestrafen, denn ich, Martin Luther, bin nicht gerecht. Wie aber kann ich gerecht werden?

Im Jahre 1511 wurde Luther von seinem Orden mit einem wichtigen Auftrag nach Rom gesandt. Auf dieser Reise hatte er Gelegenheit, das Zentrum der katholischen Kirche mit eigenen Augen zu sehen. Er erfüllte alle Pflichten eines Pilgers und besuchte alle „heiligen“ Stätten, und hoffte, davon Erleichterung für seine Seele zu erhalten. Er rutschte die „Pilatustreppe“ auf den Knieen hinauf, weil der Papst allen, die dies taten, eine besondere Absolution versprochen hatte. Aber während er sich mitten in dieser Bussübung befand, war es ihm, als ob eine Stimme vom Himmel ihm diese Worte zuriefe, die er noch nicht verstand: „Denn der Gerechte wird aus Glauben leben.“

Doch die Vergebung Gottes hatte er noch nicht gefunden.

1512 erhielt er den Doktortitel und wurde als Theologieprofessor nach Wittenberg berufen. In jener Zeit (und heute?) wussten die Theologen viel über die Werke anderer Theologen, aber wenig über die Bibel. Luther dagegen widmete sich völlig dem Studium und der Auslegung der Bibel.

Während er den Römerbrief las und lehrte, kam er schliesslich zum Verständnis der Worte: „Denn der Gerechte wird aus Glauben leben.“: Es ging nicht darum, selber gerecht zu sein, um zum Glauben zu kommen. Im Gegenteil: der Glaube war das einzig Nötige, um gerecht zu werden. „Glaube, so wirst du gerettet werden.“ – Für den, der wirklich glaubt (vertraut), ist die „Gerechtigkeit Gottes“ keine Strafe. Vielmehr ist es die Gerechtigkeit, die Gott jedem, der glaubt, schenkt. Das ist die eigentliche Botschaft des Evangeliums, die jahrhundertelang vergessen gewesen war, bis Luther sie von neuem ans Licht brachte.
(Wie wir sahen, gab es andere vor ihm. Es war aber vor Luther nicht möglich, die biblische Botschaft öffentlich und allgemein bekanntzumachen.)

Luther sagte über diese Entdeckung:
„Bevor ich diese Worte verstand, hasste ich Gott, weil er uns Sünder mit dem Gesetz und mit der Erbärmlichkeit unseres Lebens erschreckte; und nicht genug damit, verschlimmerte er unsere Trübsal noch mit dem Evangelium. Aber dann verstand ich durch den Geist Gottes die Worte: ‚Denn der Gerechte wird aus Glauben leben.‘ Da fühlte ich mich wie von neuem geboren, wie ein neuer Mensch. Ich trat durch geöffnete Tore geradewegs ins Paradies Gottes ein!“

Auch hier gibt es wieder eine Parallele in meinem eigenen Leben: Ähnlich wie bei Luther im Kloster, gab es vor meiner Bekehrung eine Zeit, in der mein volkskirchliches Denken („wir kommen alle, alle in den Himmel…“) heftig erschüttert wurde, und ich zu der Einsicht kam, dass ich in meiner Sündhaftigkeit nach Gottes Massstäben niemals in den Himmel kommen würde. Darauf folgte ein monatelanges geistliches Ringen, bis ich schliesslich die Erlösung aus Gnade vertrauend von Jesus annehmen konnte.

Tatsächlich ist dies die Art und Weise, wie Gottesmänner und Erweckungsprediger früherer Zeiten das Wirken Gottes zur Bekehrung erlebten, an sich selber und an ihren Zuhörern. Die Zeugnisse von Männern wie Jonathan Edwards, John Bunyan, John Wesley, Charles Finney, und vielen anderen, stimmen hierin überein. Keiner von ihnen bot seinen Zuhörern eine einfache „Gratis-Bekehrung“ im Stil heutiger Evangelisationsveranstaltungen an. – Leider wusste ich dies nicht, als ich zum Glauben kam. Deshalb dachte ich lange Zeit, die „Übergabegebets-Bekehrungen“ seien die Norm, und meine eigene Geschichte sei eine einsame Ausnahme. Erst in den letzten Jahren fand ich allmählich wieder den Weg zurück zu diesen „Wurzeln“.

Heute wird oft Luthers Lehre von der Erlösung aus Gnade, aus Glauben, verkündet, ohne den Weg in Betracht zu ziehen, auf dem Luther zu seiner Einsicht kam. Heute wird gelehrt, dass „Gott nicht straft“; dass Gott nur Liebe ist und über die Sünden hinwegsieht; und dass „die Erlösung nichts kostet“. Das ist die Lehre, die vom Lutheraner (!) Dietrich Bonhoeffer „billige Gnade“ genannt wurde:

„In einer solchen Kirche findet die Welt eine billige Bedeckung für ihre Sünden – Sünden, die sie nicht bereut, und noch weniger davon befreit werden möchte. (…) Billige Gnade bedeutet die Rechtfertigung der Sünde ohne die Rechtfertigung des Sünders.“

Was für unterschiedliche Ergebnisse brachte ein und dieselbe Lehre – die Rechtfertigung durch Gnade aus Glauben – zu verschiedenen Zeiten hervor! In der Zeit Luthers brachte diese Lehre eine grosse Befreiung, eine Reformation und eine Reinigung der Kirche. In unserer Zeit hat dieselbe Lehre eine Kirche hervorgebracht, die alle Arten von unmoralischen Handlungen verübt und sagt: „Gott in seiner Gnade wird mir vergeben.“ – Warum dieser riesige Unterschied?

Wir sahen, dass Luther verzweifelt versuchte, die Erlösung zu finden. Er war sich seiner Sünde sehr bewusst, und er wusste, dass er verloren war, wenn sich nichts änderte. Er war wie die Menschen, die am Pfingsttag Petrus zuhörten: Da „ging ihnen ein Stich durchs Herz, und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, ihr Brüder?“ (Apg.2,37) Er suchte die Gnade Gottes wie einen verborgenen Schatz. Er wusste, dass er von sich aus keinerlei Recht hatte auf irgendeine Gnade von Gott.

Aber heute glauben viele Menschen, ein „Recht“ auf die Gnade Gottes zu haben. Sie haben schon ihr ganzes Leben lang gehört, dass Gott aus Gnade errettet; und deshalb nehmen sie diese Wahrheit auf die leichte Schulter. Sie sehen sie nicht mehr als einen Schatz, der eifrig gesucht werden will. Sie wollen die Gnade Gottes „sofort“; ohne zuerst den Weg zu gehen, den Luther ging. Sie sind sich ihrer Sünde nie bewusst geworden; sie haben nie zutiefst verstanden, dass sie verloren sind; und deshalb wertschätzen sie die Erlösung nicht wirklich.

Zur Zeit Luthers war sich fast jedermann seiner Sündhaftigkeit bewusst. Jedermann wusste, dass er die Erlösung verzweifelt nötig hatte. (Deshalb war der Ablasshandel so ein grosses Geschäft!) Aber während zur Zeit Luthers das Sündenbewusstsein in den Menschen derart überwog, dass sie den Weg zur Gnade nicht fanden, so ist es heute gerade dieses Sündenbewusstsein, was den Menschen fehlt! Das hindert sie daran, die Erlösung aus Gnade richtig verstehen und annehmen zu können. Viele Gewissen sind heute so verhärtet, dass gar nicht verstanden wird, was „Bekehrung“ (Umkehr) bedeutet. Heute haben wir eine grosse Wahrheit vergessen, die den Menschen zur Zeit Luthers selbstverständlich war: Die Gnade Gottes ist nur für jene, die umkehren.

Daraus können wir noch eine andere wichtige Lektion lernen. Es braucht Weisheit, die richtige biblische Wahrheit in den richtigen Umständen und für die richtigen Personen anzuwenden. Jede biblische Wahrheit ist wie eine Medizin für eine bestimmte Krankheit. Aber dieselbe Medizin kann Schaden anrichten, wenn wir sie einem Patienten mit einer andersartigen Krankheit geben. Die Botschaft von der Gnade Gottes ist die beste Medizin für einen reuigen Büsser, der die Pilatustreppe auf den Knieen hinaufrutscht und vor dem Gericht Gottes zittert. Deshalb wurde Luther von dieser Botschaft verändert und befreit: er bereute seine Sünden bereits. Aber die meisten Menschen der heutigen Zeit leiden an einer anderen Krankheit: sie sind sich ihrer Sündhaftigkeit nicht bewusst. Sie nehmen die Gnade Gottes als Vorwand, um weiter zu sündigen und nicht umzukehren. Deshalb brauchen sie eine andere Medizin: sie brauchen eine Botschaft, die sie von ihrer Sünde überführt, vom Gericht Gottes, und von der Umkehr.

(Fortsetzung folgt)

Der Reformator Martin Luther – Teil 1

14. Oktober 2012

Dies ist mein dritter Versuch, etwas über Luther zu schreiben. Diesmal wage ich es, das Ergebnis zu veröffentlichen, obwohl ich auch jetzt mit der Artikelserie noch nicht wirklich zufrieden bin. Aber ich kann mir nicht vorstellen, diese neue Artikel-Kategorie über „Erweckung und Erweckungsgeschichte“ mit irgendjemand anderem als Martin Luther zu beginnen. Man mag Luther schätzen und ihn leidenschaftlich verehren, oder man mag ihn schmähen und ihn seiner Fehler wegen ablehnen – aber man kommt einfach nicht an ihm vorbei. Dieser Mann steht wie ein Koloss mitten in der Kirchengeschichte und lenkt deren Strom in eine veränderte Bahn. Nachfolgende Erweckungsbewegungen haben zwar Luther in wichtigen Punkten widersprochen und korrigiert. Dennoch stehen sie alle – Calvinisten, Täufer, Puritaner, Pietisten, Herrnhuter, Methodisten, Heiligkeitsbewegung, Pfingstbewegung, usw. – direkt oder indirekt auf seinen Schultern. Wie verschieden diese nachfolgenden Bewegungen auch von der Reformation Luthers sein mögen, sie sind alle nicht denkbar, ohne dass Luther den Stein ins Rollen gebracht hätte. „Zurück zur Schrift!“ – „Zurück zum Ursprung!“ – das war der entscheidende Weckruf, der durch Luther erstmals wieder weithin hörbar gemacht wurde, und der viele andere nach ihm ermutigte, in dieser Richtung noch viel weiter zu gehen als Luther selber.

Anm: Zitate von deutschsprachigen Autoren sind in der Regel aus dem Spanischen rückübersetzt und stimmen deshalb nicht wörtlich mit dem Original überein.

Reformatoren vor Luther

Luther war nicht der erste Reformator. Es gab andere vor ihm, die ähnlich wie er lehrten, und die die Kirche zur Wahrheit des Wortes Gottes zurückbringen wollten. Die bekanntesten unter ihnen waren John Wyclif in England (1320-1384) und Jan Hus in Böhmen (1374-1415), der den Märtyrertod starb. Beide konnten eine beträchtliche Anzahl Nachfolger hinter sich scharen, aber sie erreichten nicht wirklich die Reformen, die sie wünschten.

Warum konnte Luther den Erfolg sehen, den sie nicht erreicht hatten? – Ich glaube nicht, dass die „Vorreformatoren“ Luther unterlegen waren. Ich glaube, dass einfach die Zeit Gottes noch nicht gekommen war. Eine so weitreichende Reformation geschieht nicht von heute auf morgen. Es war nötig, den Weg dazu vorzubereiten. In der Zeit Luthers gab es in ganz Europa einen grossen „Hunger“ nach Gott und seinem Wort. Ohne die Arbeit der „Vorreformatoren“ wäre wahrscheinlich dieser Hunger nicht vorhanden gewesen; und damit hätte Luther nicht so viele Zuhörer gefunden.

Jeder von uns hat von Gott seine eigene Aufgabe und seinen eigenen Platz in der Geschichte zugewiesen erhalten. Einige sind gerufen zu säen, andere zu begiessen und andere zu ernten. Einige sind gerufen, Pioniere zu sein; und andere sind gerufen, auf dem Werk der Pioniere weiter aufzubauen. (Siehe 1.Korinther 3,5-13). Einige sind gerufen, in einer Zeit allgemeiner geistlicher Finsternis zu leben und in dieser Umgebung ihren Glauben zu bewähren; andere sind gerufen, Gott in Erweckungszeiten zu dienen.
Die Pioniere oder Vorläufer werden oft dazu gerufen, sogar ihr Leben hinzugeben, damit andere leichter nachfolgen können auf dem Weg, den sie vorbereiteten. Wie Abraham müssen sie im Glauben sterben, „ohne das Verheissene zu empfangen; sondern sie schauten es von ferne und glaubten es und begrüssten es, und bekannten, dass sie Fremde und Pilger auf der Erde waren.“ (Hebräer 11:13). Johannes der Täufer bereitete den Weg vor für den Messias, aber er musste sterben, bevor das Werk des Messias vollendet war. Der rumänische Pfarrer Josef Tson, der unter dem Kommunismus verfolgt wurde, schreibt: „Für jedes Land, das sich dem Evangelium öffnete, war der Preis dafür sehr hoch. Ein Botschafter Gottes musste sein Blut vergiessen für jenes Land …“ Gilt vielleicht dasselbe für jede grosse Reformation in der Kirche?

Ein interessantes Detail: Im Jahr 1415 wurde Jan Hus vom Konzil zu Konstanz zum Tod verurteilt. Während er zum Scheiterhaufen geführt wurde, sagte er prophetisch: „Jetzt verbrennt ihr diese alte Gans („Hus“ bedeutet „Gans“), aber in hundert Jahren wird ein Schwan aufstehen, den ihr nicht werdet verbrennen können.“ – Fast genau hundert Jahre später (1517) begann die Reformation mit den 95 Thesen Luthers.

Der katholische Luther

Luther war kein Feind der Kirche. Im Gegenteil, er war ein treuer Katholik und wollte Gott dienen gemäss den Traditionen dieser Kirche.

„Nach dem Wunsch seines Vaters begann er ein Jurastudium. Aber alles änderte sich, als er 1505 in ein Gewitter geriet. Ein Blitz schlug ganz in seiner Nähe ein, während er sich auf dem Rückweg von einem Besuch nach Hause befand. Erschreckt rief er aus: ‚Hilf, heilige Anna! Ich will Mönch werden.‘ Er überstand das Gewitter unversehrt und gab das Studium auf, verkaufte alle seine Bücher ausser jene von Vergil, und trat am 17.Juli 1505 ins Augustinerkloster Erfurt ein.“ (Nach Wikipedia.)
Obwohl Luther später dieses übereilte Gelübde bereute, fühlte er sich verpflichtet, es zu erfüllen, da Gott als Antwort darauf im Gewitter sein Leben gerettet hatte. Später sah er darin die Hand Gottes in seinem Leben, denn so hatte ihn Gott zum Studium der Heiligen Schrift geführt. Im Kloster war es, wo Luther zum ersten Mal in seinem Leben eine Bibel in der Hand hatte.

Wir sehen in dieser ersten Berufung Luthers einige Aspekte, die nicht der Bibel gemäss sind:
– Er rief nicht zu Gott um Hilfe, sondern zur „Heiligen Anna“.
– Um Gott zu dienen, kannte er keinen anderen Weg, als Mönch zu werden.
Werden wir ihm deswegen Vorwürfe machen? – Erinnern wir uns, dass Luther als treuer Sohn der römisch-katholischen Kirche aufwuchs und kaum irgendwelche davon abweichende Information finden konnte. Erst nachdem er selber die Bibel gründlich studiert hatte, konnten ihm diese Fehler bewusst werden. Schon vorher hatte er den glühenden Wunsch, Gott zu dienen, „aber nicht mit Erkenntnis“ (Römer 10,2). Es war dieser Wunsch, den Gott sah und ernstnahm; und so konnte er Luther allmählich zum Licht der Wahrheit führen. „Selig sind, die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten, denn sie werden gesättigt werden.“ (Matthäus 5,6).

Da, wo Luther auch nach seinem Bibelstudium weiter den toten Traditionen der Kirche diente, da müssen wir ihn tadeln. Aber nachdem er das Wort Gottes kennengelernt hatte, hatte er den Mut, in vielen Dingen auf die Wahrheit hin zu handeln, die Gott ihm gezeigt hatte, auch entgegen allen kirchlichen Traditionen.

Das ist der Punkt, wo Gott uns auch heute herausfordert. Wenn Du ein „guter Evangelischer“ bist, dann willst Du wahrscheinlich Gott nach Kräften dienen, nach den Traditionen Deiner Kirche: zum Gottesdienst gehen, Verantwortung für eine Gruppe oder einen Hauskreis übernehmen, neue Mitglieder für die Gemeinde gewinnen… Wenn das Deine Vorstellung ist, dann bist Du wie Luther in seiner Jugend: Du möchtest Gott dienen, aber Du tust es in einer von Menschen übernommenen Weise. Es ist nötig, selber den Willen Gottes zu suchen.
Wenn Du das tust, dann wirst Du feststellen, dass der Wille Gottes über die Traditionen Deiner Kirche (egal welcher Denomination) hinausgeht. Wie Luther wirst auch Du in einigen Punkten die Tradition Deiner Kirche brechen müssen, wenn Du Gottes Willen ganz folgen willst.
Hierin wird sich entscheiden, ob Du wirklich „reformiert“ bist. Bist Du bereit, Gott zu dienen und seinen Willen zu tun, auch wenn sein Wille der Tradition Deiner eigenen Kirche entgegensteht?

Luther und ich

Dies ist einer der Punkte (ich werde später noch andere nennen), wo ich mich persönlich mit dem Leben Luthers identifiziere und deshalb aus eigener Betroffenheit schreibe.
Ähnlich wie Luther sah ich als junger Christ nur einen Weg, auf Gottes Ruf zu antworten: mein Leben als vollzeitlicher Mitarbeiter in den Dienst der Institution „christliche Gemeinde“ zu stellen. (Nur dass ich, im Unterschied zu Luther, diesen Schritt tat, als ich bereits die Rechtfertigung aus Glauben erfahren hatte. Anscheinend war da noch ein grosser Rest von „klösterlichem“ bzw. „kirchlich-institutionellem“ Denken in mir.) Es kam mir damals – und bis vor einigen Jahren – nicht in den Sinn, dass es einen Widerspruch geben könnte zwischen „Dienst in den Gemeinden“ und „Dienst im Reich Gottes“.

Luther kam in seinem späteren Leben zur Einsicht, dass das Entscheidende am „Gottes-Dienst“ weder in der äusseren Absonderung noch im „institutionellen Umfeld“ liegt, sondern in der persönlichen Hingabe an Gott, die in jeder Umgebung gelebt werden kann. Schliesslich widerrief er sogar seine Mönchsgelübde, da er darin nichts als Menschengebote sah, die ihn in Wirklichkeit sogar daran gehindert hatten, Gottes Willen zu tun. So musste auch ich erkennen, dass der Dienst in den heutigen christlichen Gemeinden ebensosehr Dienst an Menschengeboten ist, wie es Luthers Mönchsdienst im Kloster war. Und dass es gerade die existierenden Strukturen und Verhältnisse in den Gemeinden sind, die allzuoft einen echten „Gottes-Dienst“ verunmöglichen.

Luther hat zwar bis zu seinem Lebensende als Amtsträger der Kirche gearbeitet, die sich durch seinen Einfluss immerhin halbwegs reformierte. Das war wahrscheinlich das Äusserste, was er in seiner persönlichen Situation und zu seiner Zeit erreichen konnte. Könnte er aber heute auf 500 Jahre Reformationsgeschichte zurückblicken, dann käme er wahrscheinlich auch zu dem Schluss, dass die existierenden Kirchen sich nicht wirklich von Grund auf reformieren lassen.

(Fortsetzung folgt)

Mathematische Kunstausstellung – Anhang (Links)

7. Oktober 2012

Mehr mathematische Kunst im Internet

Für Interessierte füge ich hier eine kleine Link-Sammlung an zu Seiten, die sich ebenfalls mit mathematischer Kunst (oder einem Teilaspekt davon) beschäftigen.


„Dimensions“
Eine sehr anschauliche, rund zweistündige Film-Serie über Themen wie projektive Geometrie, vierdimensionale Geometrie, komplexe Zahlen und Fraktale. (Man sieht sich z.B. durch verschiedene vierdimensionale Körper hindurchfliegen – natürlich in unseren dreidimensionalen Raum hineinprojiziert.) Kann gratis in verschiedenen Sprachen (inkl. Deutsch) heruntergeladen werden. Die grossen Dateien werden zwar Ihre Internetverbindung ziemlich strapazieren, aber es lohnt sich. Nur schon um die immense Arbeit zu bewundern, die in diese Serie gesteckt worden ist. Mit ganz wenigen Ausnahmen (eine Weltkarte und einige Porträts berühmter Mathematiker) sind sämtliche Bilder und Animationen mittels mathematischer Algorithmen programmiert und vom Computer generiert worden.
Zum Verständnis ist z.T. etwas fortgeschritteneres mathematisches Wissen erforderlich; das meiste wird aber auf allgemeinverständliche Art und Weise erklärt.
„Die Primzahleninsel“
Dieser Autor hat die statistische Verteilung der Primzahlen nach einem bestimmten Algorithmus in eine gebirgige Oberfläche umgerechnet und diese mit künstlerischer Ausschmückung als eine geheimnisvolle Insel dargestellt. Auch einige andere Arten, Primzahlen graphisch darzustellen, können auf derselben Website angesehen werden. (Beschreibungen auf Englisch)
Primzahlenspiralen
Noch eine andere Art, Primzahlen graphisch darzustellen: mittels verschiedenartiger Spiralen, die unerwartete Regelmässigkeiten und Muster hervorbringen. (Beschreibungen auf Englisch)

Website von Jean-François Colonna
Colonna verbindet Mathematik, Computergraphik und Kunst in einzigartiger Weise. Die Erklärungen sind auf Französisch und (z.T.) Englisch, aber seine Kunstwerke können auch ohne Sprachkenntnisse bewundert werden.
Die Arbeit von Colonna ist um einiges anspruchsvoller als die Beispiele in meiner Artikelserie – sowohl vom Künstlerischen her, als auch inbezug auf die damit verbundenen mathematischen Konzepte. Aber das meiste ist sehr ausführlich erklärt, sodass jemand mit etwas fortgeschrittenen Mathematik- und Programmierkenntnissen selber ähnliche Werke schaffen könnte.
„MArTH Madness“
Ein Bericht über ein interessantes Schulprojekt in den USA zum Thema „mathematische Kunst“. Alles mögliche kommt darin vor, von einfachsten Handzeichnungen über geometrisches Origami bis zu Computergraphiken und spektakulären dreidimensionalen Baukasten-Konstruktionen.
Blog von Vi Hart
Blog einer originellen Mathematikerin, die alle möglichen Gegenstände in mathematische Kunst verwandelt: Ballons, Wäschekörbe, Esswaren, Schirme, und und und … Mit vielen Fotos und Videoclips. Sehenswert ist z.B. die „Möbius-Story“, eine auf ein transparentes Möbius-Band gezeichnete Kindergeschichte, was überraschende Effekte ergibt.
POV-Ray (Persistence Of Vision Raytracker)
Nicht eigentlich ein Kunstwerk, aber ein Hilfsmittel, um Kunstwerke herzustellen. – POV-Ray ist ein Computerprogramm, oder besser gesagt, eine Programmiersprache, mit der man erstaunliche 3D-Graphiken und Animationen schaffen kann. Im Gegensatz zu anderen Graphikprogrammen werden bei einem „Raytracker“ die Objekte nicht mit Hilfe eines Zeichnungsprogramms entworfen, sondern durch mathematische Formeln definiert. (Es sind aber auch Zeichnungsprogramme erhältlich, mit denen man Objekte entwerfen kann, die dann in POV-Ray importiert werden können.)
Die 3D-Teilerdiagramme im Teil 4, die Gebirgsmodelle im Teil 5, die dreidimensionalen komplexen Funktionen im Teil 8 und die dreidimensionalen Wellen-Animationen im Teil 10 dieser Artikelserie wurden mit Hilfe von POV-Ray hergestellt. Auch der obenerwähnte Film „Dimensions“ wurde mit POV-Ray programmiert.
Die POV-Ray-Website enthält ausserdem Links zu weiteren Seiten, wo mit diesem Programm hergestellte Kunstwerke ausgestellt sind.