Der Reformator Martin Luther – Teil 3 – Zentrum der Korruption statt Zentrum der Heiligkeit

Zentrum der Korruption statt Zentrum der Heiligkeit

Luthers Romreise vermittelte ihm entscheidende Eindrücke für später. Er erwartete, ins „Zentrum der Heiligkeit“ zu kommen, das ersehnte Ziel so mancher Pilger. Stattdessen fand er, dass die italienischen Priester in aller Art Sünde lebten, keine Ehrfurcht vor Gott hatten, und selbst die Messe als ein reines Routinegeschäft betrachteten und ins Lächerliche zogen. (Er hörte z.B. einen Priester über der Hostie höhnisch murmeln: „Brot bist du, und Brot wirst du bleiben“ – ein Spott über die katholische Transsubstantiationslehre.) Er kehrte sehr enttäuscht von Rom zurück.
– Dennoch glaubte Luther anscheinend auch später noch, als der Streit mit dem Ablasshändler Tetzel den Ausschlag zu seinem Protest gab, der Papst könne Tetzels Missbräuche unmöglich gutheissen. Erst als Luther wegen seiner Schriften exkommuniziert wurde, dämmerte es ihm, dass die Korruption tatsächlich von der obersten Führungsspitze der Kirche ausging, nicht nur von einigen lokalen und regionalen Leitern.

Die Lehre, die wir daraus ziehen müssen, ist traurig: Wenn die Kirche verderbt ist, dann sind die Zustände nie so schlimm wie sie scheinen. Sie sind noch viel schlimmer! Wer mit einem untergeordneten Leiter (z.B. einem örtlichen Gemeindeleiter) ein Problem hat, wird selten Erfolg haben damit, an übergeordnete Leiter zu apellieren. Meistens haben sich die übergeordneten Leiter bereits mit den untergeordneten abgesprochen und sind mit deren Missbräuchen einverstanden. „Verflucht ist der Mann, der auf Menschen vertraut“ (und seien es die höchsten Leiter einer Kirche) „und Fleisch zu seinem Arm macht, während sein Herz sich vom Herrn entfernt.“ (Jeremia 17,5)

In ähnlicher Weise wie Luther lebte auch ich lange Zeit in der Täuschung, die obersten Leitungspositionen in christlichen Denominationen und Werken seien mit gerechten, gottesfürchtigen Menschen besetzt. (Würde es sich um neutestamentliche Gemeinde handeln, dann wäre das ja auch zu erwarten.) Wo Missbräuche und Skandale vorkamen, schrieb ich es einigen wenigen „schwarzen Schafen“ zu, und nahm an, wenn diese ihre Sünde bereuten oder einer biblischen Disziplin unterzogen würden, dann käme die Situation in Ordnung. Aber wie Luther musste ich diese Ansicht revidieren, nachdem ich meine eigenen Erfahrungen mit führenden Leitern machte, und andere Geschwister mit ähnlichen Erfahrungen kennenlernte.

Auf den „unteren Ebenen“, wie Hauskreise, Jugendgruppen, evangelistischen und Jüngerschaftsgruppen, gibt es oft noch einen echten Hunger nach Gott und ein echtes Streben danach, ihm zu gefallen. Aber je höher man in der „Hierarchie“ kommt, desto mehr wird das Verhalten der Verantwortlichen bestimmt von institutionellen Strategien, Konkurrenz- und Marketingdenken, Machthunger, Manipulation, politischem Kalkül, u.a.m. Das ist auch nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass in den meisten dieser Organisationen „Leiterschaft“ mit (ganz konkreter) Macht verbunden ist. Infolgedessen werden die Leiterschaftspositionen zu Anziehungspunkten für machthungrige Menschen, die mit den neutestamentlichen Anweisungen an Leiter (wie z.B. Lukas 22,24-27, 1.Petrus 5,2-3 – bitte lesen!) nichts am Hut haben. Wären die höchsten Positionen verbunden mit einem Höchstmass an Armut, Entbehrungen, Verachtung, Leiden und Verfolgung (1.Kor.4,10-13), – wie es heute noch z.B. in einigen Untergrundbewegungen in China der Fall ist -, dann wäre bestimmt eine andere Art Menschen in diesen Positionen anzutreffen.

Deshalb gebe ich jetzt jungen Dienern Gottes – soweit sie noch auf mich hören wollen – folgendes zu bedenken: „Jeder Diener Gottes wird früher oder später vor eine äusserst wichtige Entscheidung gestellt werden: Wirst du kompromisslos Gott dienen – oder einer menschlichen Institution, die sich „Kirche“ nennt? – Wenn du die Institution wählst, dann werden dir alle Türen offenstehen. Gemeinden und Missionswerke werden dich mit offenen Armen empfangen. Einige werden dich für deine Arbeit sogar gut bezahlen. Aber du wirst dich mehr und mehr gezwungen sehen, bei unredlichen Machenschaften mitzumachen, Sünde zu vertuschen, und die Ehre der Institution über die Ehre Gottes zu stellen. Höchstwahrscheinlich wirst du dabei korrupt werden, deine Integrität verlieren, und vielleicht sogar deinen Glauben.
– Wenn du dagegen Gott wählst, dann wird dein Weg schwierig sein. Du wirst als Störefried angesehen werden, und wirst wahrscheinlich mehrmals fälschlich angeklagt und ausgeschlossen werden. (Siehe Joh.16,2-3 !!) Du wirst deinen guten Ruf verlieren, und wirst für alle Belange deines Lebens dein Vertrauen völlig und allein auf Gott werfen müssen. Deine einzige Befriedigung wird darin bestehen, zu wissen, dass du den Willen Gottes getan hast und dass dein Lohn von ihm kommt. Überlege dir jetzt, wem du dienen wirst.“

(Fortsetzung folgt)

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