Knallzeit

Zum Jahresende ein nicht allzu tiefsinniges Stimmungsbild aus Perú.

Was würden Sie denken, wenn jemand in einem Laden einen „Schwiegermuttertöter“ verlangte? – Keine Angst, das ist nur einer der phantasievollen Namen, die hierzulande bestimmten Feuerwerks- oder Knallkörpern gegeben werden. Andere heissen z.B. „Zwiebelchen“, „Weisse Ratte“, etc. Es ist hierzulande üblich, dass sowohl am Heiligabend wie auch am Silvesterabend um Mitternacht so viele Knaller wie nur möglich abgefeuert werden. Und da die meisten Peruaner nach dem Motto leben: „Wenn schon ein Fest ist, dann muss man es ausgiebig feiern“, so findet die Knallerei während der letzten Woche des Jahres fast fortwährend statt, besonders nachts.

Da es vor allem Kinder und Jugendliche sind, die diesem Vergnügen frönen, kommt es dabei immer wieder zu Unvorsichtigkeiten und Unfällen. Es häufen sich in diesen Tagen die Nachrichten über Jugendliche, die wegen unsachgemässer Behandlung eines solchen Sprengkörpers (als solcher müssen die potenteren Ausführungen wohl bezeichnet werden) zwar nicht ihre Schwiegermutter, aber z.B. ein Auge oder mehrere Finger verloren haben. In unserer Nachbarschaft beobachteten wir einmal, wie ein solcher Riesenknaller einen Backstein aus der Mauer riss, vor der er gezündet wurde.

Es ist zwar verboten, Feuerwerkskörper an Minderjährige zu verkaufen, und auch die Lagerung solcher Waren und der Verkauf an Erwachsene unterliegt strengen Bestimmungen. (Insbesondere seit vor einigen Jahren in Lima ein ganzer Markt wegen der dort zum Verkauf angebotenen Feuerwerke in Flammen aufging.) Aber niemand hält sich an diese Bestimmungen. Die Polizei konfisziert zwar ab und zu als Alibiübung einige Kilo oder Tonnen Feuerwerk, aber da bleibt immer noch genug übrig, damit der Schwarzmarkt ungehindert weitergehen kann. Das meiste davon ist importiert aus China, offenbar hergestellt von Billigarbeitern zur Ausfuhr in Billigpreisländer. Denn anscheinend können die Hersteller es sich nicht leisten, jemanden anzustellen, der die lateinische Schrift und/oder Fremdsprachen beherrscht. „FIREWOKRS – MADE IN CHIAN“ (sic) steht z.B. in grossen Buchstaben auf einem dieser Erzeugnisse.

Zum Strassenbild gehört in diesen Tagen auch, dass man da und dort in der Stadt lange Schlangen von zumeist ärmlich aussehenden Kindern am Strassenrand stehen oder sitzen sieht. Sie warten auf eine Verteilung von billigen Spielsachen oder von heisser Schokolade und Panettone (das ist der hier übliche Weihnachts-Nachtisch), wie sie von grossen Unternehmen oder von hochstehenden Politikern organisiert werden, die sich in der Öffentlichkeit beliebt machen wollen. Es gibt Kinder, die eine ganze Nacht in einer solchen Warteschlange zubringen, damit sie am anderen Tag, wenn die Verteilung stattfindet, sicher nicht leer ausgehen. In unserer Stadt sind leider kürzlich die Kinder gleich bei zwei Gelegenheiten vergeblich Schlange gestanden, weil, wie nachher entschuldigend im Radio erklärt wurde, „etwas dazwischengekommen sei“, sodass die versprochenen Spielsachen nicht zum angekündigten Termin eintrafen.

Im übrigen ist dies eine Zeit, wie in Europa auch, wo man Verwandte einlädt und gut isst. Nur dass hierzulande dabei wahrscheinlich viel mehr Alkohol getrunken wird. Leider sind manche Familienväter während dieser ganzen Woche kaum je nüchtern anzutreffen.

Wie sehr wünschen wir uns, dass die Kinder hier Jesus kennenlernen, damit sie in ihm echte Freude erleben können, statt der zweifelhaften und oft mit viel Bitterkeit vermischten Vergnügen, die die Welt anbietet!

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