Die Täufer – Teil 5

Spätere Entwicklung der Täufer

Die Verfolgung der Täufer dauerte über ein Jahrhundert lang an. Z.B. wurde 1659 in der Schweiz, im reformierten Kanton Bern, folgendes Edikt erlassen (Auszüge nach dem „Märtyrerspiegel“ von Th.J.Van Braght):

„… Ihre Lehrer, von denen einer oder mehrere nach gründlicher Suche verhaftet werden können, sollen vom Gerichtsdiener in unser Waisenhaus gebracht werden, wo sie in Sicherheit gehalten werden, um dort die nötigen Schritte zu ihrer Bekehrung zu unternehmen; oder wenn sie halsstarrig bleiben, sollen sie angemessen bestraft werden. In der Zwischenzeit sollen die Amtshaber ihren Besitz einziehen und uns dessen Inventar überreichen. (…)

Aber jene, die keine Warnung, Belehrung oder Ermahnung annehmen wollen, sondern ungehorsam und störrisch bleiben, noch widerrufen oder von ihrem Irrtum ablassen, sollen des Landes verwiesen werden, und ihre Halsstarrigkeit und Verworfenheit soll den von uns beauftragten Direktoren über die täuferischen Angelegenheiten bekanntgemacht werden, damit sie unsere Befehle in dieser Hinsicht erwarten.

Und wenn solche halsstarrigen und irrenden Personen gemäss dem erwähnten Bericht gerichtlich verurteilt werden, sollen sie unter Bewachung zur Grenze eskortiert und definitiv aus unserem Gebiet vertrieben werden, mit einem Gelübde (anstelle eines Eides, da sie keine Eide schwören), bis zu ihrer offenbaren Bekehrung; und wenn sie trotz des Verweises unbekehrt zurückkehren und gefasst werden, und nicht widerrufen, sondern halsstarrig in ihrem Irrtum verbleiben wie zuvor, dann sollen sie jedesmal, wenn dieses geschieht, öffentlich mit Ruten gezüchtigt werden, gebrandmarkt, und wiederum aus dem Land vertrieben werden. (…)

Ausserdem erklären und verbieten wir streng, dass niemand, wer immer es auch sei, einheimische oder ausländische Wiedertäufer aufnehme oder beschütze, seien es Verwandte oder nicht; noch zu ihren Versammlungen, Predigten usw. helfe, indem er ihnen Häuser oder Scheunen zur Verfügung stelle; noch ihnen mit anderen Mitteln helfe; noch irgendwelchen Umgang mit irgendeinem von ihnen pflege, weder schriftlich noch mündlich (…)“

Dasselbe geschah in anderen Ländern, sowohl reformierten wie katholischen. Nur in den Niederlanden fanden die Täufer ein wenig Ruhe. Als im 17.Jahrhundert englische „Dissenters“ anfingen, in Nordamerika Kolonien zu gründen, flohen auch die meisten Täufer nach Amerika, wo sie in Freiheit leben konnten. Aber viele von ihnen verloren ihren missionarischen Eifer und ihre christliche Radikalität, und wurden traditionalistisch und gesetzlich. Es ging ihnen ähnlich wie anderen Erweckungen: Nach einer gewissen Zeit wurden sie „respektabel“, begannen sich auf dieser Erde einzurichten und zu institutionalisieren, und zugleich entfernten sie sich von dem christlichen Leben, das sie anfangs gehabt hatten. Einige dieser Gruppierungen, wie z.B. die „Amish“ in den USA, sind v.a. bekannt für ihre Traditionsgebundenheit in äusserlichen Dingen: sie leben heute noch wie ihre Vorfahren im 17.Jahrhundert und lehnen die moderne Technik ab. Andere wiederum, wie z.B. gewisse Sektoren der Mennoniten, nähern sich der ökumenischen Bewegung an und folgen so den Strömungen dieser Welt.

So sind die Täufer ein weiteres Beispiel für den Kreislauf von Erweckung und Abfall, der sich durch die ganze Kirchengeschichte hindurch beobachten lässt. Wie fast alle echten Erweckungen, wurden sie aus dem Wunsch heraus geboren, zu den Anfängen der christlichen Kirche zurückzukehren. Da die institutionellen Kirchen ihrer Zeit sich weit von diesen Anfängen entfernt hatten, war ein Konflikt mit ihnen unvermeidlich. Aber inmitten dieser Konflikte und Verfolgungen blühte und verbreitete sich die täuferische Erweckung. In der ganzen Kirchengeschichte waren sie eine der Bewegungen, die am längsten in einem Erweckungszustand verblieben. Doch auch sie erlebten später eine Zeit der Abkühlung. Ohne es bewusst zu wollen, richteten sie ihre eigenen Traditionen auf; und in späteren Generationen verdrängten diese Traditionen allmählich das echte geistliche Leben. Sodass wiederum eine Erweckung nötig wurde…

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