Warum Evangelikale verfolgten Homeschool-Eltern in Deutschland helfen sollten

Schätzungsweise etwa tausend deutsche Kinder werden von ihren Eltern aus christlicher Überzeugung selber unterrichtet. Gründe dafür sind u.a. der biblische Erziehungsauftrag; zunehmende Gottesfeindschaft, Okkultismus und Unmoral (Stichwort Sexualkundeunterricht) an den Staatsschulen; sowie pädagogische Gründe (die Familienumgebung erlaubt eine viel bessere Betreuung, sowie Rücksichtnahme auf die Eigenheiten und Bedürfnisse der Kinder).

Aber in Deutschland werden diese Familien von den Behörden brutal unterdrückt und verfolgt; eine beträchtliche Zahl von Kindern wurden ihren Eltern weggenommen und in Heime gebracht. Es wird geschätzt, dass gegenwärtig rund 40 deutsche Homeschool-Familien vor Gericht stehen. Eine grössere Anzahl solcher Familien sind bereits ins Ausland geflohen.

Der wohl bekannteste Fall ist die Familie Romeike, die 2010 in den USA politisches Asyl erhielt, aber noch ein Berufungsverfahren hängig hat. Bei einer allfälligen Rückschaffung nach Deutschland würden sie das Sorgerecht für ihre Kinder verlieren, sowie (aufgrund eines Enteignungsverfahrens) ihr Hab und Gut, und würden wahrscheinlich zusätzlich zu einer längeren Gefängnisstrafe verurteilt.

Hier eine (längst nicht vollständige) Auswahl weiterer Fälle:

Im September 2012 wurde einem christlichen Elternpaar in Darmstadt die elterliche Sorge für ihre vier Kinder entzogen.

Im Jahre 2010 wurden in Salzkotten mehrere christliche Elternpaare während bis zu 40 Tagen inhaftiert, nur weil sie aus Glaubens- und Gewissensgründen ihre Kinder nicht an einer pornographischen Schultheateraufführung teilnehmen lassen wollten. (Es handelte sich in diesem Fall nicht um Homeschooler.)

Im Jahre 2008 wurden Jürgen und Rosemarie Dudek aus Archfeldt zu 90 Tagen Gefängnis verurteilt.

Im Jahre 2007 wurde die 15-jährige Melissa Busekros in Nürnberg von einem Aufgebot von fünfzehn(!) Polizisten von zuhause entführt und in einer psychiatrischen Klinik interniert, obwohl sie völlig gesund war. Gleichzeitig wurde ihren Eltern mitgeteilt, ihnen sei hiermit die elterliche Sorge für Melissa entzogen.

In den Jahren 2005 und 2006 wurde mehreren russlanddeutschen Baptisten im Raum Paderborn das Sorgerecht über ihre Kinder entzogen; mehrere wurden inhaftiert und gebüsst; und einige dieser Familien flohen ins Ausland. Der Hauptverantwortliche dieser Verfolgung, Landrat Sven Adenauer, gab als Motiv an: „Fundamentalisten haben bei uns nichts zu suchen.“

Im April 2000 brachen drei Polizisten gewaltsam in das Haus von Johann Harder in Schloss Holte-Stukenbroch ein, warfen Möbel um und zerbrachen seine Kamera, als er die angerichteten Verwüstungen fotografieren wollte. Dann führten sie seine elfjährige Tochter Anna ab. Er musste zudem Bussgelder von mehreren tausend Euro bezahlen, und eine Gefängnisstrafe wurde angedroht.

Deutschland wird damit punkto staatlicher Christenverfolgung innerhalb der westlichen Welt höchstens noch von Mexiko und Kuba übertroffen.

Das Beschämendste daran ist, dass prominente evangelikale Führungspersönlichkeiten ihren eigenen Glaubensgeschwistern in den Rücken fallen. So beeilte sich im Fall der Paderborner Baptisten die Leitung des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) zu erklären, die betroffenen Familien gehörten keiner Gemeinde ihres Verbandes an, und es handle sich um „illegale Kleinstschulen, die ohne irgendeine staatliche Kontrolle vermutlich sektiererische Inhalte an Kinder weitergeben“.

Während ausländische Hilfswerke wie z.B. der US-amerikanische und der argentinische Zweig der „Hilfsaktion Märtyrerkirche“ über diese Verfolgung in Deutschland berichtet haben, ist mir bis heute kein deutscher Gemeindeverband und kein deutsches Hilfswerk für verfolgte Christen bekannt, die sich in irgendeiner Weise für die Verfolgten in ihrem eigenen Land eingesetzt hätten.

Die deutsche Regierung verletzt mit ihrer Verfolgungspolitik nicht nur Art.16.3. und 26.3. der Universellen Erklärung der Menschenrechte, sondern auch ihr eigenes Grundgesetz, welches den Eltern das Recht auf Pflege und Erziehung ihrer Kinder garantiert. Gemäss einer Erklärung des Bundesverfassungsgerichts von 1982 ist darunter ein „natürliches Recht“ zu verstehen, das „den Eltern nicht vom Staate verliehen worden ist, sondern von diesem als vorgegebenes Recht anerkannt wird“.

Dennoch behandelt die evangelikale Führungsspitze diese aus Glaubensgründen Verfolgten wie Kriminelle – nicht anders als die Stellungnahmen der staatshörigen Leiter der registrierten Kirchen gegen die Untergrundkirchen im seinerzeitigen Ostblock. Es scheint den Kirchenleitern nicht klar zu sein, dass sie damit den Ast absägen, auf dem sie selber sitzen.

Die deutsche Regierung hat deutlich erklärt, dass es ihr weder um die Bildung noch um das Wohl der betroffenen Kinder geht, sondern einzig und allein um die politische Verfolgung Andersdenkender: Es stünde im Interesse der Allgemeinheit, „die Bildung religiöser und weltanschaulicher Parallelgesellschaften zu verhindern“ (Urteil des Bundesgerichtshofs vom November 2007). Wenn das die Richtlinie staatlicher Politik ist, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis mit derselben Begründung z.B. auch Freikirchen verboten werden.

Gerade die Homeschool-Bewegung ist in Deutschland die einzige noch funktionierende Bewegung gegen den Staatstotalitarismus:

„Man muss den grösseren Zusammenhang erfassen, in den die Kriminalisierung des Heimunterrichts – und auch der Widerstand dagegen – gehört. (…) Insgesamt geht es um die umfassende Entmachtung der Familie, wobei der Anspruch des Staates auf Bildung der Kinder nur ein Teil des Ganzen ist.
(…) Tatsächlich leisten Eltern, die ihre Kinder zu Hause unterrichten, nicht nur einen wichtigen Dienst an diesen selbst, sondern auch an unserer Gesellschaft: An ihrem Platz stellen sie sich der Tendenz entgegen, den Oikos bis zur völligen Bedeutungslosigkeit zu entkernen. Sie entziehen sich dem Anspruch des Staates, sich für alle Lebensbereiche zuständig zu erklären und wirken damit seiner Totalisierung entgegen. Und dafür sollte man ihnen auch dann dankbar sein, wenn man selbst einen anderen Weg geht.“
(Zeitschrift „Factum“, Oktober 2012. Siehe http://www.geiernotizen.de/dienst-an-der-ganzen-gesellschaft.)

Deshalb – sowie aus schlichter brüderlicher Solidarität – sollten sich deutsche Evangelikale für ihre verfolgten Glaubensgeschwister in Deutschland einsetzen.

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