John Wesley und die Methodisten – Teil 7: Verfolgung und Leiden

Wie alle grossen Männer Gottes musste auch Wesley durch Verfolgungen und Leiden gehen; besonders während der Anfangszeit der Erweckung. Manchmal predigte er unter unvorstellbaren Umständen:

„In Chelsea erklärte ich den Glauben, der durch Liebe tätig ist. Ich war sehr schwach, als ich in den Saal trat; aber je mehr die ‚Bestien von Menschen‘ tobten und rasten, desto mehr wurde ich gestärkt an Körper und Seele; sodass ich glaube, dass niemand in dem überfüllten Haus auch nur einen Satz von meiner Rede verlor. Tatsächlich konnten sie mich nicht einmal sehen, noch einander auf ein paar Meter Abstand, wegen des dichten Rauches von dem Brand, den sie (die Störefriede) verursacht hatten, und anderer Dinge, die sie ständig hereinwarfen. Aber jene, die Gott loben konnten inmitten von Feuern, hatten keine Angst vor einem bisschen Rauch.“

(Während einer Versammlung im Freien trieben einige Männer einen Stier mitten unter die Zuhörer.) „Nachdem sie sich Bahn geschafft hatten bis zu dem Tisch, auf dem ich stand, versuchten sie ihn mehrmals umzuwerfen, indem sie den Stier gegen den Tisch stiessen, aber er stiess ihn nicht um. Ein- oder zweimal stiess ich seinen Kopf mit meiner Hand zurück, damit das Blut nicht über meine Kleider tropfte; und ich nahm mir vor, fortzufahren, sobald die Unterbrechung vorbei wäre. Aber der Tisch fiel um, und einige unserer Freunde fingen mich in ihren Armen auf, und trugen mich auf ihren Schultern. In der Zwischenzeit rächten sich die Eindringlinge an dem Tisch, indem sie ihn Stück für Stück auseinanderrissen. Wir entfernten uns ein wenig von dort, und ich beendete meine Rede ohne weiteren Lärm oder Unterbrechungen.“

Aber Wesley berichtet auch von Gelegenheiten, wo ihm Gott eine übernatürliche Gnade gab vor seinen Verfolgern:

„Als ich nach Hause kam, fand ich einen unzählbaren Haufen vor der Tür, und alle öffneten ihre Rachen, sobald sie mich sahen. Ich wollte, dass meine Freunde ins Haus gingen; und dann ging ich mitten unter den Leuten umher und proklamierte ‚den Namen des Herrn, gnädig und barmherzig, und der sich des Unheils gereut.‘ Sie sahen einander nur an. Ich sagte ihnen, dass sie vor dem Angesicht dieses grossen Gottes nicht fliehen konnten, und ermahnte sie deshalb, gemeinsam ihn um Erbarmen anzurufen. Damit waren sie schnell einverstanden. So empfahl ich sie seiner Gnade an und ging zu der kleinen Versammlung im Haus, ohne weiter belästigt zu werden.“

„Wir kamen etwa um fünf Uhr nachmittags nach Bolton. Kaum waren wir zur Hauptstrasse gelangt, als wir feststellten, dass die Löwen von Rochdale Lämmer waren im Vergleich mit denen von Bolton. Eine derartige Wut und Bitterkeit hatte ich kaum je zuvor in menschengestaltigen Kreaturen gesehen. Sie folgten uns laut schreiend zu dem Haus, zu dem wir gingen; und sobald wir eingetreten waren, besetzten sie alle Zugangswege und füllten die Strasse von einem Ende zum anderen.
Nach einiger Zeit brüllten die Wellen nicht mehr so laut. Da dachte Herr P, er könne sich nach draussen wagen. Sofort schlossen sie ihn ein, warfen ihn zu Boden und wälzten ihn im Dreck. Als er sich von ihnen befreien konnte und wieder ins Haus kam, konnte man kaum sagen, was oder wer er war. Als der erste Stein durch das Fenster in unsere Mitte flog, erwartete ich, dass ein ganzer Schauer folgen würde; dies umso mehr, als sie nun eine Glocke besorgt hatten, um alle ihre Kräfte zusammenzurufen. Aber sie hatten nicht vor, den Angriff auf Distanz weiterzuführen: sogleich rannte jemand auf uns zu und sagte uns, dass der Haufe ins Haus eingedrungen sei; und fügte hinzu, sie hätten J.B. in ihrer Gewalt. So war es; und er benützte die Gelegenheit, um ihnen von ‚den Schrecken des Herrn‘ zu erzählen. In der Zwischenzeit beschäftigte D.T. einen anderen Teil von ihnen mit sanfteren Worten.
Ich dachte, meine Zeit sei nun gekommen, und ging mitten in das dichteste Gedränge hinein. Sie füllten jetzt alle Räume des Erdgeschosses. Ich verlangte einen Stuhl. Der Wind legte sich, und alles war ruhig. Mein Herz war erfüllt mit Liebe, meine Augen mit Tränen, und mein Mund mit Argumenten. Sie waren erstaunt; sie waren beschämt; sie schmolzen dahin; sie verschlangen jedes Wort. Was für eine Wende war das! Oh, wie hat Gott den Rat des alten Ahitophel in Narrheit verkehrt und hat alle Trunkenbolde, Lästerer, Sabbatschänder und gewöhnlichen Sünder an diesen Ort gebracht, damit sie von seiner reichlichen Erlösung hören durften!“

Manchmal wurden die absurdesten Verleumdungen über Wesley verbreitet:

„Einer der Reiter sagte: ‚Mein Herr, ich werde Ihnen den Grund von all diesem erzählen. Alle Herren dieser Ortschaften sagen, dass Sie lange Zeit in Frankreich und Spanien verbracht haben, und dass Sie jetzt vom Thronanwärter hierher gesandt wurden; und dass diese Gesellschaften dazu dienen, sich ihm anzuschliessen. Bestimmt werden nicht alle Herren dieser Ortschaften gegen ihr eigenes Gewissen lügen!“

„(Die von Breage) waren vor zehn Jahren so wild, und das ist kein Wunder, hatte ihnen doch ihr unglücklicher Pfarrer von der Kanzel aus gesagt, dass ‚John Wesley wegen schlechten Betragens von der Schule ausgeschlossen wurde, und seither sehr verwirrt gewesen sei; und dass alle Methodisten in ihren privaten Gesellschaften das Licht zu löschen pflegten‘, usw.“

„Montag, 7.Dezember. Ich predigte über: ‚Vertraue auf den Herrn, denn im Herrn ist ewige Kraft‘ (Jes.26,4). Ich zeigte, wieviel Grund wir haben, auf den Anführer unserer Erlösung zu vertrauen, als jemand mitten im Saal ausrief: ‚Und wer war Ihr Anführer letzthin, als Sie sich erhängten? Ich kenne den Mann, der Sie sah, als das Seil durchgeschnitten wurde, um Sie herunterzuholen.‘ – Es scheint, dass diese schlaue Geschichte von vielen Leuten in Bristol fleissig verbreitet und von Herzen geglaubt worden war. Ich wünschte, dass sie dem Mann Platz machten, damit er sich mir nähern konnte. Aber in dem Moment, als er sah, dass der Weg frei war, rannte er mit höchster Geschwindigkeit nach draussen, ohne sich auch nur umzusehen.
– Samstag, 12.Dezember. Am Nachmittag wollte jemand mit mir sprechen. Ich sah ihn in äusserster Verwirrung, sodass er einige Zeit lang nicht sprechen konnte. Schliesslich sagte er: ‚Ich bin es, der am Montag Ihre Versammlung unterbrochen hat. Seither hatte ich Tag und Nacht keine Ruhe, bis ich mit Ihnen gesprochen hätte. Ich hoffe, dass Sie mir vergeben können, und es wird mir für den Rest meines Lebens eine Warnung sein.'“

Die Verfolgungen richteten sich nicht nur gegen Wesley selber, sondern auch gegen seine Prediger und Nachfolger. In einer gewissen Ortschaft war ein Erlass ergangen, alle, die als Methodisten bekannt waren, zwangsweise zur Armee einzuziehen:

„(Der Erlass) war vom Verwalter von Sir John St.Aubyn mit den Namen von sieben oder acht Personen bekräftigt worden. Von den meisten von ihnen war wohlbekannt, dass sie einer gesetzmässigen Arbeit nachgingen und davon ausreichende Einkünfte hatten. Aber das spielte keine Rolle: sie wurden ‚Methodisten‘ genannt, und deshalb mussten sie Soldaten werden. Darunter war hinzugefügt: ‚Eine Person unbekannten Namens, die den Frieden der Pfarrei stört.‘
Ein Wort an die Weisen: Die guten Leute verstanden mit Leichtigkeit, dass dies kein anderer als der methodistische Prediger sein konnte; denn wer ’stört den Frieden der Pfarrei‘, wenn nicht einer, der allen Trinkern, Hurern und Fluchern sagt, sie befänden sich auf dem direkten Weg zur Hölle?“

Dies sind einige weitere der vielen Vorfälle, die Wesley in seinem Tagebuch vermerkte:

„… Alle Bauern hier hatten vor gewisser Zeit vereinbart, alle ihre Knechte zu entlassen und keinem Arbeit zu geben, der einem Methodistenprediger zuhören würde. Aber kein Rat hat Bestand gegen den Herrn. Einer der wichtigsten unter ihnen, Herr G., wurde kurz darauf von der Wahrheit überzeugt, und wünschte, dass diese selben Männer in seinem Haus predigten. Viele der anderen Verschwörer kamen und hörten zu, und ihre Knechte und Arbeiter folgten ihnen fröhlich. So fiel der ganze Plan des Teufels dahin, und das Wort Gottes wuchs und blieb bestehen.“

„Am Nachmittag predigte ich auf einem Platz in Colne vor einer grossen Menge, alle voll Verlangen, das Wort zu hören. Selten sah ich eine Versammlung, wo Männer, Frauen und Kinder so aufmerksam zuhörten; und das ist die Stadt, wo vor dreissig Jahren kein Methodist wagen konnte, sein Gesicht zu zeigen! Der erste, der hier predigte, war John Jane. Er ritt unschuldig durch die Stadt, als der eifersüchtige Haufe ihn von seinem Pferd riss und sie ihn in den Block schlossen. Er ergriff die Gelegenheit und ermahnte sie inbrünstig, ‚dem kommenden Zorn zu entfliehen‘.“

„Ich ritt zu einer Nachbarstadt, um einen Friedensrichter zu besuchen, einen verständigen Mann. Ich war informiert worden, dass ihm einige verärgerte Nachbarn einen Wagen voll von diesen neuen Ketzern vorgeführt hatten. Aber als er fragte, was sie getan hätten, herrschte tiefes Schweigen; denn das war der Punkt, den ihre Ankläger vergessen hatten. Schliesslich sagte einer: ‚Sie sagen, sie seien besser als die anderen; und ausserdem beten sie von morgens bis abends.‘ – Der Richter fragte: ‚Aber sonst haben sie nichts getan?‘ – ‚Doch, mein Härr‘, sagte ein alter Mann, ‚mit Verlaub, euer Ähren, sie haben meine Frau bekährt. Bevor sie sich ihnen anschloss, hatte sie solch ein Maul! Und jetzt ist sie still wie ein Lamm.‘ – ‚Bringt sie zurück, bringt sie zurück‘, antwortete der Richter, ‚und lasst sie alle zänkischen Mäuler in der Stadt bekehren.'“

Wesley war sich derart gewöhnt an die Verfolgungen und die Feindschaft der Leute, dass er sich verwunderte, wenn sie ihn freundlich behandelten. Wenn eine längere Zeit ohne Verfolgung verging, begann er sich vor Gott zu prüfen, ob er sich vielleicht in etwas verfehlt hätte:

„Die Freundlichkeit der Leute, wo immer ich hinging, überraschte mich sehr. Niemand zeigte mit dem Finger auf mich, niemand beschimpfte mich wie früher; sie lachten nicht einmal über mich. Was bedeutet das? Bin ich der Menschen Knecht geworden? Oder ist das Kreuz kein Ärgernis mehr?“

(Fortsetzung folgt)

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