Archive for Oktober 2013

China bereits freier als Deutschland?

25. Oktober 2013

In einem früheren Artikel habe ich gemutmasst, dass in nicht allzuferner Zukunft China die westlichen Länder auch hinsichtlich Freiheit und Menschenrechten zurechtweisen müsse. Das fängt jetzt tatsächlich an zu geschehen. Zwar noch nicht auf offizieller Ebene, aber in einem privaten Blog-Kommentar. Auf der Seite http://wunderlich-children.com hat ein Chinese einen Kommentar eingestellt, der in deutscher Übersetzung wie folgt lautet:

„Uns in China liegt es daran, dass die Wunderlich-Kinder freigelassen werden. Das ist eine traurige Situation, wenn ein beschäftigtes Regierungsamt seine Zeit darauf verschwenden muss, kleine Kinder zu traumatisieren, statt seine Pflicht zu erfüllen, jenen Familien zu helfen, die wirklich ihre Kinder vernachlässigen oder missbrauchen.

Wir dachten, Deutschland sei ein hochentwickeltes Land. Ist (dieses Land) derart paranoid, dass es nicht tolerieren kann, wenn Eltern ihre eigenen Kinder in einer liebenden Umgebung lehren? Die meisten entwickelten Länder verstehen, dass Homeschooling eine Eins-zu-Eins-Situation oder zumindest eine Mentoring-Situation ist. Das ist grossartig, um die Fähigkeiten zum kreativen Problemlösen und zum kritischen Denken zu entwickeln. Warum sollte eine Nation davor Angst haben? Es würde Eure Nation stärken. Ihr solltet die Eltern dazu ermutigen, sich mehr um das Leben ihrer Kinder zu kümmern. Die Untersuchungen zeigen beständig, dass dies die besten Studenten hervorbringt.

Wir bildeten unsere Kinder zuhause aus, und jetzt sind sie an der Universität und erhalten die höchsten Ehren und Bestnoten. Warum sollte man davor Angst haben? (…)

Sun Bao Ling“

Tatsächlich erlebt China – obwohl immer noch offiziell ein kommunistisches Land – anscheinend den Beginn eines Homeschooling-Booms, der von den Behörden stillschweigend toleriert wird. So berichtet Rachel Terry im März 2012 nach einem China-Aufenthalt: (Original-Artikel bei http://www.kgnw.com/homeschool/11689022/)

„Im Jahre 2005 veröffentlichte China Daily ein Interview mit einem Lehrer am Baiyun-Institut in Guangzhou, der seine neunjährige Tochter zuhause ausbildete. Der Vater, Wei Yuan, sagte, er hätte sich dazu entschieden, weil die Lehrmethoden der Schule „veralbernd“ seien. „Die Kinder müssen ihre Additionen wieder und wieder wiederholen, und es wird ihnen nicht erlaubt, sich offen in Aufsätzen auszudrücken.“

Der inzwischen berühmte Han Han kann sich damit identifizieren. Seine Eltern erlaubten ihm, die Sekundarschule abzubrechen, die in China strenger ist als in den USA. Die Schulen wussten nicht, was sie mit Han Han anfangen sollten. Als er noch in der Schule war, gewann er den ersten Preis in Chinas landesweitem Schreibwettbewerb, fiel aber im selben Schuljahr in sieben Fächern in der Jahresabschlussprüfung durch.

Nachdem er die Schule verlassen hatte, begann er wie wild zu schreiben. Von seinem ersten Roman, „Die dreifache Tür“, wurden über zwei Millionen Exemplare verkauft. Es ist damit Chinas meistverkauftes literarisches Werk der letzten zwanzig Jahre. Ein anderer seiner Romane wurde in Hollywood verfilmt. (…) Han Han gedeiht offenbar, ohne eine traditionelle chinesische Bildung erhalten zu haben. Die Leute sprechen darüber und verwundern sich.“

Obwohl Homeschooling von Gesetzes wegen in China einer strengen Bewilligungspflicht unterliegt, gehen die Behörden anscheinend selten gegen Familien vor, die ohne Bewilligung ihre Kinder zuhause ausbilden. Gemäss dem oben zitierten Artikel hat es zwar einige wenige Gerichtsfälle gegeben, aber keinen Fall, in welchem die Behörden ein zuhause ausgebildetes Kind gezwungen hätten, zur Schule zu gehen. Im Juli dieses Jahres hat sogar China Radio International wohlwollend über die chinesische Homeschooling-Bewegung berichtet.

Gemäss einem kürzlichen Bericht im renommierten „Wall Street Journal“ meldeten sich auf eine Internetumfrage eines Forschungsinstituts in Beijing 18’000 Eltern, die sich zum Homeschooling entschieden hatten. (Nach anderen Quellen werden in China bereits 18’000 Kinder tatsächlich zuhause ausgebildet.) 54% der Eltern begründeten ihre Entscheidung damit, sie seien nicht einverstanden mit der strengen Lehrphilosophie der traditionellen Schulen. 6% gaben religiöse Gründe an, darunter viele Christen.

Die Umfrage fand auch, dass in China mindestens 100’000 Kinder keine traditionellen Schulen besuchen, sondern private Alternativschulen verschiedenster Ausrichtungen, inbegriffen kirchliche Schulen. Eine bemerkenswerte Bildungsvielfalt und -freiheit für ein „kommunistisches“ Land!

Bildungsfreiheit ist ein wesentlicher Indikator für den allgemeinen Grad der Freiheit, die ein Land geniesst. Zumindest nach diesem Indikator gemessen, ist China offenbar bereits ein freieres Land als z.B. Deutschland oder Schweden.

– Nur so aus Neugier habe ich nebenbei ein paar Statistiken über einen anderen klassischen Freiheitsindikator angesehen, nämlich die Bedingungen, die der Staat der Privatwirtschaft auferlegt (also die wirtschaftliche Freiheit). Siehe z.B. http://data.worldbank.org/topic/private-sector. In dieser Hinsicht sind gegenwärtig die Bedingungen in Deutschland (noch) günstiger als in China. Es fällt aber auf, dass in praktisch allen Bereichen die Freiheit in China rapide zunimmt, während sich in Deutschland die Bedingungen nur zögerlich verbessern, oder sich sogar verschlechtern. So hat z.B. zwischen 2008 und 2012 in Deutschland der durchschnittliche Zeitaufwand für einen Unternehmer zugenommen, die steuerlichen Formalitäten zu erledigen, während er in China um 23% abgenommen hat. – Der durchschnittliche Gesamtsteuerfuss für Unternehmen ist gemäss den Weltbank-Daten zwischen 2008 und 2012 in Deutschland von 50,5% auf 46,8% gesunken (3,7 Prozentpunkte), in China aber im selben Zeitraum von 79,9% auf 63,7% (16,2 Prozentpunkte). Rechnet man die Daten hoch, so findet man, dass ca. ab 2020 die steuerlichen Bedingungen für Unternehmer in China voraussichtlich besser sein werden als in Deutschland, falls sich die gegenwärtigen Tendenzen in derselben Weise fortsetzen. Auch dieser Indikator bestärkt also die Annahme, dass freiheitsliebende Menschen bald in China besser aufgehoben sein werden als in Deutschland.

John Wesley und die Methodisten – Teil 9: Die Lehre von der christlichen Vollkommenheit

18. Oktober 2013

Wesley betonte, dass das Ziel eines christlichen Lebens die Vollkommenheit ist. Das ist wahrscheinlich die umstrittenste und die am meisten missverstandene Lehre Wesleys. Er betonte sehr die Verse 1.Johannes 3,6 und 9:
„Jeder, der in ihm bleibt, sündigt nicht; jeder, der sündigt, hat ihn nicht gesehen und hat ihn nicht gekannt. (…) Jeder, der aus Gott geboren ist, tut nicht die Sünde, denn der Same Gottes bleibt in ihm; und er kann nicht sündigen, weil er aus Gott geboren ist.“
Einige missbrauchten diese Lehre, um zu sagen, dann gäbe es für einen Christen auch keine Versuchungen mehr, und sie könnten sorglos leben, ohne sich gegen das Böse vorzusehen. Umgekehrt dachten andere, sie seien verdammt, sobald sie einen kleinen Fehler begingen, und sie seien keine wahren Christen, wenn sie es nicht fertigbrachten, ein vollkommenes Leben zu führen. So legten sie sich ein zu schweres Joch auf, und Wesley wurde eines unbiblischen „Perfektionismus“ bezichtigt.

Diese Extreme waren nicht im Sinne Wesleys. Er schrieb ein ausführliches Werk, „Ein freimütiger Bericht von der christlichen Vollkommenheit“, um seinen Standpunkt zu erklären. Zugleich zeigt dieses Werk, dass Wesley nur mit grossen Schwierigkeiten definieren konnte, was er überhaupt unter „christlicher Vollkommenheit“ verstand. Einerseits stellte er klar, dass ein Christ nach der Schrift jemand ist, der „Gott von ganzem Herzen liebt“, sodass in seinem Herzen kein Raum mehr ist für irgendeine Bosheit (denn sonst würde er ja Gott nicht mehr von ganzem Herzen lieben). Aber andererseits betonte er, dass auch ein „vollkommener Christ“ noch versucht werden kann und Irrtümer sowie unbewusste Sünden begehen kann. Er sagte, es sei einem Christen möglich, „vollkommen“ zu sein; aber er wagte nie zu sagen, es sei möglich, „sündlos“ zu sein.

Eine andere Anklage gegen diese Lehre besagte, wenn jemand sich „vollkommen“ nannte, dann würde er ja die Notwendigkeit des Opfers Jesu leugnen. Aber Wesley antwortete: Im Gegenteil, die Vollkommenheit ist nur aufgrund dieses Opfers und aufgrund der Gnade Gottes überhaupt möglich. Der Sieg über die Sünde ist kein menschliches Werk oder Verdienst (siehe Johannes 15,4-5).

Die folgenden Abschnitte mögen einen Eindruck davon geben, wie Wesley um die Definitionen der Ausdrücke „Sünde“ und „sündlos“ rang:

„(…) Auch die besten Menschen benötigen weiterhin Christus in seinem priesterlichen Amt, um ihre Unterlassungen zu sühnen, ihre Begrenzungen, ihre Fehler im Urteil und in der Praxis, und ihre Mängel aller Art. Denn das alles sind Abweichungen vom vollkommenen Gesetz, und müssen deshalb gesühnt werden. Aber das sind keine Sünden im eigentlichen Sinn, wie aus den Worten des Paulus ersichtlich ist: ‚Wer liebt, hat das Gesetz erfüllt; denn die Liebe ist die Erfüllung des Gesetzes‘ (Röm.13,10). Aber die Fehler, und jegliche Schwäche, die sich notwendigerweise aus dem vergänglichen Zustand des Körpers ergibt, sind keineswegs der Liebe entgegengesetzt; deshalb sind sie keine Sünden im Sinne der Schrift.
Um mich über dieses Thema etwas genauer zu erklären:
1.) Nicht nur die Sünde im eigentlichen Sinn (d.h. eine willentliche Übertretung des Gesetzes) erfordert das sühnende Blut; sondern ebenso die Sünde im uneigentlichen Sinn (d.h. eine unfreiwillige Übertretung eines bekannten oder unbekannten göttlichen Gesetzes).
2.) Ich glaube, dass es in diesem Leben keine solche Vollkommenheit gibt, dass sie diese unfreiwilligen Übertretungen ausschlösse, welche natürliche Folgen der Unwissenheit und der Fehler sind, die untrennbar mit der Sterblichkeit verbunden sind.
3.) Deshalb gebrauche ich nie den Ausdruck „sündlose Vollkommenheit“, damit ich nicht mir selber zu widersprechen scheine.
4.) Ich glaube, dass ein Mensch, der voll von der Liebe Gottes ist, dennoch diesen unfreiwilligen Übertretungen unterworfen bleibt.
5.) Ihr könnt solche Übertretungen Sünde nennen, wenn ihr wollt; ich nenne sie nicht so, aus den erwähnten Gründen.

Frage: Was für einen Rat würden Sie jenen geben, die es Sünde nennen, und jenen, die es nicht so nennen?

Antwort: – Dass jene, die es nicht Sünde nennen, niemals denken sollen, sie oder irgendein anderer Mensch würden je einen Zustand erreichen, in welchem sie ohne einen Mittler vor der unendlichen Gerechtigkeit bestehen könnten. So etwas zu behaupten, wäre tiefste Unwissenheit, oder höchste Überheblichkeit und Anmassung.
Dass jene, die es Sünde nennen, aufpassen sollen, dass sie diese Mängel nicht mit der Sünde im eigentlichen Sinn verwechseln. Aber wie sollen sie es anstellen, es nicht zu verwechseln, wenn sie alles ohne Unterschied Sünde nennen? Ich fürchte, wenn wir zulassen, dass die Sünde mit der Vollkommenheit vereinbar sei, dann würden nur wenige diese Idee nur auf jene Mängel beschränken, die keine Sünden im eigentlichen Sinn sind.“

Das grösste Problem in dieser Lehre Wesleys besteht darin, dass er Heiligung und Rechtfertigung auseinanderriss. Er lehrte, die „völlige Heiligung“ sei ein „zweites Werk“ des Heiligen Geistes, das in einem einzigen Moment geschehen kann und den Christen von allen bösen Gedanken und Haltungen befreit. Infolgedessen gab Wesley zu, dass er selber diese „völlige Heiligung“ noch nicht erfahren hatte, und dass es überhaupt nur sehr wenige Christen gab, die sie erreicht hatten. Dieser Aspekt ist natürlich problematisch und kann nur sehr begrenzt biblisch begründet werden. Meines Erachtens hätte es vollauf genügt, wenn Wesley versichert hätte, es sei einem Christen möglich, durch die Gnade und Kraft Gottes, keine vorsätzliche Sünde zu begehen (wie tatsächlich aus seiner Lieblingsstelle 1.Johannes 3,6-9 geschlossen werden kann). Schon das ist in der gegenwärtigen Situation der Gemeinde eine höchst umstrittene Behauptung, aber sie ist schriftgemäss. Wesley dagegen wollte eine im Detail ausgearbeitete „Lehre“ von der christlichen Vollkommenheit darlegen, und damit ging er „über das hinaus, was geschrieben steht“.

Aber statt über lehrmässige Fehler Wesleys zu debattieren, möchte ich einen wichtigeren Punkt hervorheben: Warum fand Wesley es überhaupt nötig, über die „christliche Vollkommenheit“ zu predigen? War es nicht deshalb, weil die Christenheit seiner Zeit sich von dieser Vollkommenheit so weit entfernt hatte, dass kein Unterschied mehr zu sehen war zwischen den Christen und der Welt? Tatsächlich ist es ein gemeinsames Kennzeichen aller Erweckungen, dass sie die Heiligkeit neu betonen.
In Zeiten des Abfalls folgen die Gemeinden immer irgendeiner Variante der „billigen Gnade“. Sie predigen Vergebung der Sünden ohne Umkehr. Manchmal wird – wie in der katholischen Kirche – die Umkehr durch etwas anderes ersetzt: die Rituale und Sakramente der Kirche, der Kauf eines Ablasses, die Anpassung an die äusseren Gewohnheiten der Kirche, und ähnliches. In anderen Fällen – wie in vielen reformierten Kirchen – wird eine „automatische Vergebung“ gelehrt, als ob Gott einfach über die Sünde hinwegsehen würde. In allen diesen Fällen gibt es keine Umkehr von Herzen mehr, und die Kirche verdirbt.
Die Erweckungsprediger konfrontierten immer direkt diese Verderbnis der Kirche. Sie betonten neu, dass die Gemeinde des Herrn heilig ist; und dass deshalb eine unheilige Gemeinde nicht die Gemeinde des Herrn ist. Sie betonten, dass ein echter Christ „der Heiligung nachjagt, ohne die niemand den Herrn sehen wird“ (Hebräer 12,14). Um die Gemeinde von ihrem Abfall zurückzubringen, muss Heiligkeit gepredigt werden.

Das muss Wesleys Motiv gewesen sein, um über die „christliche Vollkommenheit“ zu lehren. Er wollte aus der Schrift zeigen, worin der Charakter eines echten Christen besteht, und so seinen Nachfolgern eine Zielvorgabe vorhalten, als Gegensatz zu den Namenschristen.
So sagt es Wesley in einem Brief von 1767:

„Vor 35 oder 36 Jahren bewunderte ich sehr den Charakter eines vollkommenen Christen, wie er von Clemens von Alexandrien beschrieben wird. Vor 25 oder 26 Jahren kam es mir in den Sinn, selber einen solchen Charakter zu beschreiben, nur auf schriftgemässere Weise, und hauptsächlich in den eigenen Worten der Schrift. Ich gab ihm den Titel: ‚Der Charakter eines Methodisten‘, und dachte, die Neugier würde mehr Menschen dazu verleiten, es zu lesen, und so würden einige naive Menschen von einigen Vorurteilen befreit werden. Aber damit niemand denke, ich hätte eine Verteidigung meiner selbst oder meiner Freunde im Sinn, versicherte ich mich dagegen schon auf der Titelseite, wo ich in meinem eigenen und ihrem Namen sagte: ‚Nicht dass ich es schon erreicht hätte, oder schon vollkommen wäre.‘ Dasselbe sagte ich am Schluss: ‚Dies sind die Prinzipien und Praktiken unserer Gruppe; dies sind die Kennzeichen eines wahren Methodisten‘; d.h. eines wahren Christen, wie ich gleich darauf erkläre: ‚und nur durch diese möchten sich jene, die Opfer von Schmähungen sind, von anderen Menschen auszeichnen‘. ‚Wir bemühen uns, uns durch diese Kennzeichen auszuzeichnen vor jenen, deren Sinne oder Leben nicht dem Evangelium von Christus entsprechen.'“

Angesichts der Verderbnis und Lauheit der Kirche war es nötig klarzustellen, was die Kennzeichen eines echten Christen sind. In diesem Sinn war es sehr notwendig, dass Wesley über Heiligkeit und Vollkommenheit predigte. Und dieselbe Notwendigkeit besteht auch in den heutigen Kirchen, seien es Landes- oder Freikirchen.

(Fortsetzung folgt)

John Wesley und die Methodisten – Teil 8: Wesley und die Kinder

12. Oktober 2013

(Zur vorherigen Folge)

Wesley interessierte sich besonders für die Kinder. In seiner eigenen Kindheit hatte er die bestmögliche Erziehung erhalten: Bis zum Alter von elf Jahren wurde er zusammen mit sieben seiner Brüder von seiner eigenen Mutter gelehrt. Susanna Wesley war eine gottesfürchtige Frau mit strengen christlichen Prinzipien, und säte fleissig die Samen des Wortes Gottes in die Herzen ihrer Kinder. Gleichzeitig lehrte sie sie Disziplin, Ordnung und Respekt. Jede Tätigkeit der Familie – Familienandachten, Mahlzeiten, Unterricht – fand zur dafür festgesetzten Zeit statt. Wesley wusste aus eigener Erfahrung, wie wichtig die Familienumgebung für ein Kind ist, und verteidigte immer die christliche Familie. Andererseits beobachtete er den schädlichen Einfluss der Schulen auf den Glauben der Kinder:

„Am Nachmittag war ich zum Tee bei A.O. Aber wie schockiert war ich! Die Kinder, die mir früher zu folgen pflegten und aufmerksam auf jedes meiner Worte hörten, waren zu einer der besten Schulen gegangen. Dort hatten sie jede Frömmigkeit und jede Ernsthaftigkeit verlernt, und hatten den Stolz, die Eitelkeit und die Heuchelei gelernt, und alles, was sie von der Erkenntnis und der Liebe Gottes abbringt. Methodistische Eltern, wenn ihr eure Kinder direkt zur Hölle schicken wollt, dann schickt sie an eine dieser eleganten Schulen!“

In einer Predigt über „Die Religion in der Familie“ sagt Wesley:

„Insbesondere sollst du dich bemühen, deine Kinder von frühem Alter an deutlich, oft und geduldig zu lehren. Lehre sie von der ersten Stunde an, wo du ihren Verstand erwachen siehst. Die Wahrheit kann ihren Sinn viel früher erleuchten, als wir annehmen. Wer die ersten Öffnungen des Sinnes des Kindes beobachtet, wird allmählich für den Stoff sorgen, womit er arbeiten kann, und wird die Augen seines Kindes zum Guten hinlenken. Wenn ein Kind zu sprechen beginnt, kannst du sicher sein, dass sein Verstand am Arbeiten ist. In diesem selben Moment müssen die Eltern beginnen, zu ihm über die besten Dinge zu sprechen – Gottes Dinge. Und von da an sollte keine Gelegenheit versäumt werden, ihnen alle Wahrheiten einzuflössen, die sie aufzunehmen imstande sind.
„(…) Ich frage euch also: Wozu schickst du deine Kinder zur Schule? – ‚Natürlich, damit sie auf das Leben in der Welt vorbereitet werden.‘ – Von was für einer Welt sprichst du denn, von dieser oder von der zukünftigen? Vielleicht denkst du nur an diese Welt, und vergisst, dass es eine zukünftige Welt gibt, und eine, die ewig dauern wird! Bitte denke ernsthaft daran, und schicke deine Kinder zu solchen Lehrern, die diese zukünftige Welt immer vor ihren Augen haben. Sonst – erlaubt mir, es klar zu sagen – ist es kaum besser, sie zur Schule zu schicken, als sie zum Teufel zu schicken. Und auf jeden Fall, wenn dir die Seele deiner Kinder irgendetwas bedeutet, schicke sie nicht an eine dieser grossen öffentlichen Schulen (denn diese sind Brutstätten von aller Art Bosheit), sondern an eine private Schule, wo ein frommer Mann unterrichtet, der sich bemüht, eine kleine Anzahl Kinder sowohl in der Lehre wie auch in der Religion zu unterrichten.“

Als die Erweckung schon ziemlich fortgeschritten war, konnte Wesley die Frucht seiner Bemühungen um die Kinder sehen. Bei einer Gelegenheit gab er das folgende bewegende Zeugnis:

„Um drei Uhr traf ich mich mit gegen tausend Kindern unserer Sonntagschulen. Nie zuvor habe ich so etwas gesehen. Alle waren vollkommen sauber, und sehr einfach gekleidet. Alle waren ernsthaft und von gutem Betragen. Viele, sowohl Jungen wie Mädchen, hatten die schönsten Gesichter, die es in England oder Europa gibt. Wenn alle zusammen sangen, und keiner den Ton verfehlte, klang es besser als jedes Theater. Und das Beste davon: viele von ihnen sind wirklich gottesfürchtig, und einige erfreuen sich ihrer Erlösung. Diese sind der ganzen Stadt ein Beispiel. Gewöhnlich verbringen sie ihre Zeit damit, die armen Kranken zu besuchen (manchmal gehen sechs, acht oder zehn Kinder zusammen), um sie zu ermahnen, zu trösten, und mit ihnen zu beten. Oft tun sich zehn oder mehr von ihnen zusammen, um zu singen und zu beten, manchmal bis zu dreissig oder vierzig zusammen, und sie sind so ernsthaft damit beschäftigt, abwechselnd zu singen, zu beten und zu weinen, dass sie gar nicht aufhören können. Ihr Kinder, die ihr dies hört, warum geht ihr nicht hin und tut dasselbe? Ist Gott nicht hier derselbe wie in Bolton? Möge Gott aufstehen und für seine eigene Sache kämpfen, auch ‚aus dem Munde der Kinder und Säuglinge‘!“

(Fortsetzung folgt)

„Du sollst den Namen des HERRN nicht missbrauchen“

6. Oktober 2013

„Sie reden in meinem Namen, aber ich habe sie nicht gesandt“, sagte Gott über die falschen Propheten. Es ist anzunehmen, dass er dasselbe über ein gewisses Internetportal zu sagen hätte, das sich ganz unverschämt „Jesus.de“ nennt. Nicht nur dürfte es den Betreibern schwerfallen, ein göttliches Mandat zur Vertretung der Person Jesu im Internet nachzuweisen; sondern die dort veröffentlichten Nachrichten und Kommentare verherrlichen auch zu einem grossen Teil nicht Jesus, sondern verhandeln blosse weltliche Kirchenpolitik. Das ist ein eklatanter Verstoss gegen das dritte Gebot (Missbrauch des Namens Gottes).

Es gibt auf jenem Portal zwar eine ausführliche Sektion mit dem Titel „Fast alles über Jesus“. Aber was für ein „Evangelium“ wird da verkündet? – Zitat:

„Gott ist bereit, die Verantwortung für deine Schuld zu übernehmen. Eigentlich hat er es schon damals am Kreuz vor den Toren Jerusalems getan und es kann auch für dein Leben Wirkung haben – aber nur, wenn du es zulässt.
(…) Gott sein Leben anzuvertrauen ist wie zu seinem liebenden Menschen zu gehen und sich in seinen Schoß zu setzen. Das kann zum Beispiel ein einfaches Gebet sein, in etwa so:
Gott,
ich möchte dir mein Leben anvertrauen. Bitte trage du die Verantwortung für meine Schuld.
Hefte du alles, wo ich je an dir und an anderen Menschen schuldig geworden bin, und sicherlich auch noch schuldig werde, an das Kreuz von Golgatha. (…)“

Zuerst einmal fällt auf, dass hier die Bedeutung und die Wirkung des Opfers Jesu ganz in das Belieben des Menschen gestellt wird. Die Erlösung wird lediglich als ein „Angebot“ dargestellt (so weiter oben im Text), das der Mensch „annimmt“ bzw. „zulässt“. Damit werden die Rollen vertauscht: Der Mensch befiehlt, Gott gehorcht. Aber Jesus und seine Apostel haben nie die Menschen dazu aufgerufen, „ein Angebot anzunehmen“! Vielmehr riefen sie dazu auf, von der Sünde umzukehren und sich der Herrschaft Jesu zu unterstellen. (Matth.4,17; Lukas 24,47; Apg.2,36-40; 7,51-53; 10,42-43; 14,15; 17,30-31; 26,18-20; u.a.) Im biblischen Evangelium geht es nicht darum, ob ich mich dazu herablasse, gnädigerweise Gott und sein Angebot „anzunehmen“. Im Gegenteil, es geht darum, ob Gott mich annehmen kann!

Schockierend ist zudem die Aussage, dass Gott „die Verantwortung für meine Schuld“ übernähme. „Verantwortung übernehmen“ bedeutet doch: Für das eigene Verschulden geradestehen; die Sünde bekennen statt sie zu leugnen; und davon umkehren. Also genau das, was Gott von mir erwartet, damit er mich annehmen kann. Aber jesus.de stiftet seine Leser dazu an, Gott die Verantwortung zuzuschieben. Etwa so wie Adam, der auf Gottes Frage „Hast du von dem verbotenen Baum gegessen?“, nicht mit einem schlichten „Ja“ antworten konnte. Stattdessen sagte er: „Die Frau, die du mir gegeben hast, hat mir von dem Baum gegeben.“ Mit anderen Worten: „Ich bin nicht verantwortlich; du bist schuld, dass ich gesündigt habe.“ Ja, der in Sünde gefallene Adam wäre ein vorbildlicher Christ nach der jesus.de-Theologie.
Das oben zitierte „Übergabegebet“ (es ist an sich schon eine unbiblische Lehre, dass man durch das Sprechen eines „Übergabegebets“ zu einem Christen würde) lehrt ausserdem den an Jesus interessierten Sünder, von vornherein mit weiterem fortgesetztem Sündigen zu rechnen. Das ist billige Gnade in Reinkultur. Eine Erlösung von der Macht der Sünde gibt es in diesem „Evangelium“ nicht. Im Gegenteil: Man sündigt fröhlich weiter und macht sogar noch Gott dafür verantwortlich. Dann kann man also, wie seinerzeit eine deutsche „Bischöfin“, betrunken am Steuer durch die Gegend rasen und sagen: „Macht nichts, Gott trägt die Verantwortung dafür“? – Nein, das hat Frau Kässmann nicht gesagt. Sie hat nach dem Vorfall zugegeben, dass sie für ihr Verschulden verantwortlich war, und ist folgerichtig von ihrem Amt zurückgetreten. Damit hat sogar diese erzliberale, modernistische Theologin mehr Integrität bewiesen, als die jesus.de-Theologie einem Christen für zumutbar hält.

Noch bedenklicher wird die Sache, wenn man in Betracht zieht, was alles in diesem falschen „Evangelium“ nicht vorkommt. Da steht kein Wort davon, dass ein Christ dem Vorbild Jesu folgt (1.Joh.2,6), seine Gebote hält (1.Joh.2,3-5), die Welt nicht lieb hat (1.Joh.2,15-17), sein Leben verliert um Jesu willen (Matth.16,24-26) – kurz, sich Jesus als dem absoluten HERRN unterstellt. In diesem falschen Konzept von Bekehrung findet kein Herrschaftswechsel statt. Trotz allem Gerede von „Gott sein Leben anzuvertrauen“ bleibt in Tat und Wahrheit der sündige Mensch weiterhin auf seinem eigenen Thron sitzen.

Um ganz sicherzugehen, dass ich nichts übersehen habe, habe ich auf der erwähnten Website mehrere Global-Suchen nach „Herrschaft Jesu“ und verwandten Begriffen durchgeführt. Kein Ergebnis. Nirgendwo auf dieser Website wird etwas darüber gesagt, was es bedeutet, dass Jesus der HERR über alles ist, oder dass ein Christ Jesus gehorcht.

Auch in der Berichterstattung zum „Fall Wunderlich“ wird deutlich, dass die Betreiber dieses Portals die Souveränität Jesu als HERR nicht anerkennen. Da wird unkritisch und einseitig die beschönigende Darstellung der Behörden übernommen, und die Familie Wunderlich als Gesetzesbrecher hingestellt. Die Sichtweise der betroffenen Familie kommt dagegen überhaupt nicht zur Sprache. Ebensowenig kommt zur Sprache, wem im Konfliktfall zu gehorchen sei: Gott oder der weltlichen Obrigkeit? (Apg.5,29) Und aus den Leserkommentaren ist ersichtlich, dass anscheinend die Mehrheit der Leser die Anschauungen der Redaktion teilt. Das ist kein gutes Omen für die Zukunft eines biblischen Christentums in Deutschland. Was ist davon zu halten, wenn ein „christliches“ Medium über eine christliche Familie ausschliesslich vom Standpunkt ihrer Feinde aus berichtet? Wird sich die deutsche Geschichte in baldiger Zukunft wiederholen?

Wie würde sich das ausnehmen, wenn über die Verfolgung von Christen in anderen Ländern wie z.B. China ebenso einseitig aus der Sichtweise des Staates berichtet würde? Etwa so:

„Vergangene Woche wurde der chinesische Dissident Li Sheng (Name frei erfunden) verhaftet und in einem summarischen Verfahren zu einer fünfjährigen Gefängnisstrafe verurteilt, weil er fortgesetzt illegale Versammlungen abgehalten hatte. Nach Auskunft der zuständigen Behörde war dieser Schritt unumgänglich geworden, nachdem Li jahrelang entsprechende Verwarnungen missachtet hatte. Er hatte in seiner Unnachgiebigkeit sogar das Kompromissangebot ausgeschlagen, sich der gesetzlich zugelassenen Drei-Selbst-Kirche anzuschliessen. Bei der Verhaftung sei es ruhig und ordentlich zugegangen, und eine angebrachte Behandlung des Häftlings sei sichergestellt, informierte der zuständige Beamte.“

Und dazu noch einige „christliche“ Leserkommentare wie:

„Recht so! Diese Gesetzesbrecher gehören alle eingesperrt. Wem sogar die Kirche noch zuwenig fromm ist, der muss ja gefährlich extreme Anschauungen haben.“

Oder:

„Unglaublich, dass sich sogar Christen dazu hergeben, die staatlichen Gesetze zu missachten. Hat dieser Herr noch nie davon gehört, dass man sich der Obrigkeit unterordnen soll (Römer 13,1)? Offensichtlich gehört er einer sektiererischen Randgruppe an. In diesem Zusammenhang von ‚Christenverfolgung‘ zu sprechen, ist eine Verleumdung der chinesischen Regierung.“

Den Christen der ersten Jahrhunderte war es sonnenklar, dass Christsein bedeutet, Jesus als HERRN über alle Lebensbereiche und über alle weltlichen Machthaber anzuerkennen. Deshalb weigerten sie sich, bestimmte Bürgerpflichten wie z.B. das vorgeschriebene Weihrauchopfer an den Kaiser zu erfüllen. Der christliche Apologet Francis Schaeffer erklärt hierzu:

„Wir dürfen nicht vergessen, warum die Christen getötet wurden. Sie wurden nicht getötet, weil sie Jesus anbeteten. In der römischen Welt gab es zahlreiche verschiedene Religionen. (…) Niemand kümmerte sich darum, was man anbetete, solange der Anbetende nicht die Einheit des Staates störte, deren Mittelpunkt die formale Anbetung des Kaisers war. Die Christen wurden getötet, weil sie Rebellen waren. (…) Was die Cäsaren nicht tolerieren wollten, war die Exklusivität, mit der sie nur den einen Gott anbeteten. Das galt als Landesverrat. (…) Hätten sie Jesus und Cäsar angebetet, wäre ihnen nichts geschehen (…)
Wir können den Grund, warum die Christen verfolgt wurden, auch auf eine andere Weise ausdrücken: Keine totalitäre Autorität, kein autoritärer Staat kann diejenigen tolerieren, die einen absoluten Massstab besitzen, nach dem sie diesen Staat und seine Handlungen beurteilen. Die Christen hatten einen solchen absoluten Massstab in der Offenbarung Gottes. Weil die Christen einen absoluten, universal gültigen Massstab hatten, nach dem sie nicht nur die persönliche Ethik, sondern auch das Verhalten des Staates beurteilen konnten, galten sie als Feinde des totalitären Roms und wurden den wilden Tieren vorgeworfen.“
(Aus Francis Schaeffer, „Wie können wir denn leben?“)

Genau diese Situation haben wir auch heute wieder. Es herrscht ein Anschein von Religionsfreiheit, da ja jeder anbeten kann, wen oder was er will. Das Handeln des Staates nach übergeordneten Massstäben zu beurteilen, gilt aber als ungesetzlich und zieht Verfolgung nach sich. Christen dürfen zwar „privat ihre Religion ausüben“ (was auch immer darunter zu verstehen ist). Sobald sie aber versuchen, auch in ihrem familiären und gesellschaftlichen Zusammenleben der HERRSCHAFT Jesu gemäss zu leben, werden sie angeklagt, eine „Parallelgesellschaft“ errichten zu wollen (d.h. dem totalitären Herrschaftsanspruch des Staates ausweichen zu wollen), und werden dementsprechend verfolgt. Die deutsche Staatsideologie unterscheidet sich in ihrem Wesen nicht von der altrömischen: die Staatsregierung wird absolut gesetzt, d.h. vergöttlicht. Wer in dieser Konfliktsituation dem Staat den Vorrang gibt über dem Anspruch Jesu, der hat nicht verstanden, was es bedeutet, Jesus den HERRN zu nennen. Auf Englisch hat es einmal jemand so gesagt: „Either Jesus is Lord of all, or he is not Lord at all.“ („Entweder ist Jesus Herr über alles, oder er ist überhaupt nicht Herr.“)

Nachfolge Jesu bedeutet, in allem den Willen des HERRN zu tun (Matth.7,21, Lukas 6,46). Der Wille Gottes beschränkt sich nicht auf einen religiösen Privatbereich. Es gibt klare biblische Anweisungen z.B. über Geschäfte und den Umgang mit Geld; über Kindererziehung; über die Aneignung und Anwendung von Wissen; über die Hilfe an Bedürftige; über den Staat und die Regierung; u.v.m. – Was die Kindererziehung betrifft, so gehört diese aus biblischer Sicht eindeutig zum Autoritätsbereich der Familie. Eltern werden angewiesen, ihre Kinder dem Willen Gottes gemäss zu erziehen und zu lehren (5.Mose 6,6-9, Psalm 78,5-8, Epheser 6,4, u.a.). Kinder werden angewiesen, ihre Eltern zu ehren, ihnen zu gehorchen und von ihnen Belehrung anzunehmen (2.Mose 20,12, Sprüche 4,1-5, Epheser 6,1-3, u.a.). Es gibt keinerlei entsprechenden Gebote betreffend den Staat, Schulen, oder andere Institutionen. Die Kinder gehören Gott, nicht dem Staat; und Gott hat die Erziehung und Ausbildung der Kinder an die Eltern delegiert.

Es kann offensichtlich nur eine einzige absolute Herrschaft geben; und diese absolute Herrschaft relativiert alle anderen Gewalten. Wenn wir Jesus als HERRN anerkennen, bedeutet das, seinem Willen in allem den Vorrang zu geben vor allen anderen Gewalten. Die Konfliktpunkte können dabei je nach historischem, gesellschaftlichem und kulturellem Umfeld ganz verschieden aussehen. Im Römischen Reich war das Opfer für den Kaiser der hauptsächliche Kristallisationspunkt des Konflikts. Zur Reformationszeit war es der Ablasshandel und die Kindertaufe. Im heutigen Europa kristallisiert sich der Konflikt offensichtlich um die Rechte der Eltern und den Schutz der Familie, was sich z.B. im Bereich der Lebensrechts- und Sexualethik äussert. In Deutschland kommt dazu die völlig unverhältnismässige Erzwingung der Schulpflicht, deren Brutalität weltweit ihresgleichen sucht. Die deutschen Kirchen und ihr obenerwähntes Internetportal stellen sich in diesem Konflikt auf die Seite des Staates. Sie wollen Jesus und den Kaiser anbeten. Damit verabsolutieren sie aber den Staat (im Gegensatz zur Herrschaft Christi) und fördern somit den staatlichen Totalitarismus. Sie fügen sich so „politisch korrekt“ in die gegenwärtige Weltordung ein, verleugnen aber den exklusiven Herrschaftsanspruch Gottes zugunsten des Götzen „Staat“. Ihr Anspruch, den biblischen Jesus zu vertreten, verliert damit jegliche Legitimität.

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Nachtrag zur staatlichen „Obhut“ über Kinder und zu den Jugendämtern

6. Oktober 2013

Im folgenden einige Links, welche die Problematik der staatlichen „Inobhutnahme“ von Kindern – insbesondere in Deutschland – weiter erhellen:

Generelle Daten können dem Wikipedia-Artikel über „Heimerziehung“ entnommen werden.

Der deutsche Heimkinderverband versucht u.a, von ehemaligen Heimkindern erlittene Schädigungen aufzuarbeiten.

Ein Spiegel-Artikel nimmt die Vergangenheit der Heimerziehung unter die Lupe. Der Artikel spricht zwar von den „50er und 60er-Jahren“, hat aber durchaus aktuelle Bezüge; und die Seite enthält Links zu weiteren Artikeln über die aktuelle Situation. Im Zusammenhang damit: „Ungewöhnlicher Zuwachs: Deutschlands Kinderheime voll“.

Eine besonders suspekte Einrichtung scheinen die deutschen Jugendämter zu sein. Schon vor zwei Jahren hat eine Reportage bei CBN News (auf englisch) darüber berichtet, dass diese Ämter praktisch in einem rechtsfreien Raum agieren, wo niemand sie wirklich zur Rechenschaft ziehen kann: Deren Vertreter können anscheinend straflos vor Gericht lügen und gerichtliche Verfügungen missachten. In deutscher Sprache hat dieses Jahr der „Nachrichtenspiegel“ das Thema aufgegriffen. (Die Seite enthält Links zu mehreren deutschen Presseberichten, die sich damit auseinandersetzen.) Hier ein bezeichnendes Zitat:

„(Das Jugendamt) unterliegt keiner Kontrolle. Es gibt nur die Rechtsaufsicht, die von der Obersten Landesjugendbehörde, den Innen- oder Sozialministerien der Länder wahrgenommen wird. Außerdem gibt es eine interne Fachaufsicht oder Supervision im Jugendamt selbst. Ich weiß aber, dass bis in den Petitionsausschuss des Bundestages sehr, sehr viele Beschwerden aus der Bevölkerung eintreffen über die Arbeit der Jugendämter.
(…) Der einzelne Sozialarbeiter im Jugendamt ist mit großer Macht ausgestattet, mit ihr kann er zerstören oder aufbauen. Dass diese Macht missbraucht wird, kommt immer wieder vor. Deshalb gerät das Jugendamt auch nach wie vor in den Ruf, ein rechtsfreier Raum zu sein. Das Jugendamt hat immer Recht, heißt es dann.
(…) Dienstaufsichtsbeschwerden haben wenig Erfolg, man muss vielmehr die Rechtsaufsicht bemühen und die Gerichte anrufen. Aber die wenigsten Eltern haben die Mittel zu so einer Auseinandersetzung, und sie haben zudem Angst davor, dass ihr Kind den Konflikt ausbaden muss. Sie geben den Kampf irgendwann auf und versuchen, sich mit dem Verlust des Kindes abzufinden.“
(Sozialpädagoge Heribert Giebels in der „Zeit“, 2003. Seit der Artikel geschrieben wurde, scheint sich nichts Wesentliches geändert zu haben.)

Man sehe sich auch einmal die Kommentarsektion z.B. bei http://www.jugendaemter.com/index.php/jugendamt-eckernforde/ an.

Aus den Berichten beim „Nachrichtenspiegel“ wird zudem ersichtlich, dass die Situation von Pflegekindern ebenso problematisch sein kann wie die Situation von Heimkindern.