Archive for November 2013

Hilfe für die Philippinen

24. November 2013

Leider komme ich mit dieser Nachricht etwas spät, aber hoffentlich nicht zu spät. Ich möchte hiermit gerne einen Spendenaufruf weitergeben, der mir von Wolfgang Simson zugesandt wurde. Er erwähnt darin die schockierende Tatsache, dass am selben Tag, als die Philippinen von einem Taifun verwüstet wurden, ein Millionär an einer Kunstauktion für ein einziges Bild über hundert Millionen Euro ausgab – während die gesamte deutsche Bundesregierung als Hilfe für die Taifunopfer lediglich 1.5 Millionen Euro zu spenden bereit war.

Wer gerne einen persönlichen Beitrag zu christlicher Hilfe leisten möchte, lese bitte die Informationen im beiligenden Dokument. Spenden auf die dort angegebenen Konten werden nicht in irgendwelchen institutionellen oder regierungsamtlichen Kanälen versickern, sondern direkt dem einheimischen Hausgemeinden-Gründer und -leiter Molong Nacua zukommen, der über diese Gemeinden Kontakte zu Bedürftigen im ganzen Land hat und deshalb effizient vor Ort helfen kann. Vielen Dank!

Hier nähere Informationen:

Spenden-Weltrekord-Aktion

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Eine blosse Formsache

17. November 2013

„In dem Masse, wie sich das Christentum (im Römischen Reich) verselbständigte, stiess es auf zwei grosse Schwierigkeiten: es war nicht als gesetzmässige Religion anerkannt, … und seine Gläubigen weigerten sich, an der Verehrung des Kaisers teilzunehmen, eine blosse Formsache von eher bürgerlichem als religiösem Charakter; aber (die Christen) betrachteten dies als Götzendienst. Ihre Weigerung, die verfasste Ordnung anzuerkennen … löste mehrere Verfolgungen aus, eher gegen die christlichen Leiter als gegen die gewöhnlichen Gläubigen, angesichts der grossen religiösen Toleranz, die in Rom herrschte …“
(Aus einem neueren Geschichtsbuch.)

Die Personen, Orte und Begebenheiten der nachfolgenden Geschichte sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit Ereignissen der jüngeren Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft können jedoch nicht ausgeschlossen werden.

Stolz kündigte Claudio seiner Gemeinde am Sonntag die Neuigkeit an:
„Die Regierung hat das Gesetz über religiöse Gleichberechtigung in Kraft gesetzt. Danke, dass ihr euch für dieses wichtige Anliegen eingesetzt und mitgebetet habt. Ab jetzt können wir als Religionsgemeinschaft staatlich anerkannt werden, mit denselben Vorrechten wie die Landeskirchen. Jetzt wird uns niemand mehr ‚Sekte‘ nennen dürfen, und wir erhalten dieselben steuerlichen Vorteile und Subventionen wie die Landeskirchen.“
– Was er ihnen nicht sagte: Dieses neue Gesetz verschaffte auch ihm selber verschiedene Vorrechte. Er würde auch persönlich steuerliche Vorteile erhalten, und würde in den öffentlichen Verkehrsmitteln zu einem ermässigten Tarif fahren dürfen – ein wichtiger Punkt für jemanden, der so oft unterwegs war wie er.

Claudio bemühte sich daher, die Papiere für die Registrierung seiner Gemeinde so bald wie möglich in Ordnung zu bringen. Pünktlich fand er sich im Büro des Regionalintendenten für Religionssachen ein und legte die verlangten Dokumente vor, unter denen sich ein genauer Plan seiner Kirche befand, sowie eine Liste der Namen und Adressen aller Mitglieder, und verschiedene andere. Nach Bezahlung der Registrationsgebühr reichte ihm der Regionalintendent ein Formular:
„Dies ist Ihre Loyalitätserklärung dem Staat gegenüber. Eine blosse Formsache. Unterschreiben Sie hier auf der gestrichelten Linie.“
Claudio unterschrieb, nachdem er einige der kleingedruckten Artikel überflogen hatte. Später erinnerte er sich nur noch an zwei davon, die lauteten:
– „Der Religionsdiener verpflichtet sich zu voller Loyalität dem Staat gegenüber, und zur harmonischen Zusammenarbeit mit den Beamten des Religionsministeriums bei der Wahrnehmung ihrer Verantwortungen.“
– „Der Religionsdiener verzichtet darauf, in die Funktionen staatlicher Stellen einzugreifen, und Stellungnahmen zu umstrittenen Themen der Staatspolitik abzugeben.“
Er dachte nicht weiter darüber nach. Es war ja eine blosse Formsache.
Der Sekretär sagte zu ihm: „Herzlichen Glückwunsch. Sie sind jetzt eine staatlich anerkannte Religionsgemeinschaft. Nächste Woche können Sie Ihre Registrierungsurkunde abholen.“ Und er erinnerte ihn: „Vergessen Sie nicht, uns jährlich Ihre aktuelle Mitgliederliste zu bringen.“

So erfreuten sich Claudio und seine Gemeinde ihrer neuen Vorrechte. Am Jahresende erschien Claudio wieder auf dem Regionalamt für Religionssachen mit der aktualisierten Mitgliederliste. Der Sekretär überflog die Liste und fragte dann:
„Sagen Sie, welche dieser Leute sind die aktivsten? Die eifrigsten Beter? Welche haben das Zeug zum Evangelisieren?“
Claudio konnte nicht sogleich antworten. Einmal, weil er überrascht war darüber, dass dieser Staatsfunktionär ein solches Interesse am geistlichen Wohlergehen seiner Gemeinde zeigte. Und zweitens, weil das nicht gerade die Punkte waren, auf die er selber das Jahr über besonders geachtet hätte. Nach einigem Nachdenken wies er auf drei Namen auf der Liste: Gottfried E, Theophilus D. und Peter J.

Einige Monate später kam Theo D. besorgt und ratsuchend auf Claudio zu:
„Vor einigen Tagen erhielt ich Besuch von der Polizei. Irgendwoher hatten sie gehört, dass ich ab und zu einige Arbeitskollegen nach Hause einlade, um die Bibel zu lesen und zu beten. Der Beamte sagte mir, ich dürfe keine solchen ‚wilden‘ religiösen Versammlungen abhalten, da ich kein zugelassener Religionsdiener bin. Sag mir, was hat die Polizei damit zu tun? Und was könnte ich denn sonst tun, um meine Kollegen mit dem Evangelium zu erreichen?“
Claudio dachte eine Weile nach. Dann antwortete er mit dem besten Rat, der ihm einfiel: „Du weisst, dass wir der Obrigkeit untertan sein müssen, wie Paulus in Römer 13 sagt. Du hättest sowieso diese Versammlungen eingehender mit mir absprechen sollen. Ich empfehle dir, damit aufzuhören, und deine Kollegen stattdessen zu unserem Sonntagsgottesdienst zu bringen.“
„Aber sie fühlen sich nicht wohl in einer Kirche. Könntest du nicht zu mir nach Hause kommen, einmal in der Woche, und die Versammlungen leiten?“
„Es tut mir leid, aber meine Agenda ist schon übervoll. Überhaupt, wenn sie sich in einer Kirche nicht wohl fühlen, dann muss ich annehmen, dass es mit ihrem Interesse am Evangelium nicht weit her ist.“
„Aber Claudio, wenn du sie nur kennenlernen könntest … sie haben einen solchen Hunger nach dem Wort Gottes!“
Aber Claudio kannte seine bürgerlichen Pflichten. Und er kannte auch seine Agenda. Er konnte keine Unregelmässigkeiten zulassen.

Einige Zeit später begegnete Claudio seinem Amtskollegen Simon. Dieser sagte zu ihm: „Hast du schon gehört, dass die Kirchensteuer abgeschafft werden soll?“
„Wie gut! Endlich wird Schluss gemacht mit den ungerechten Vorrechten der Landeskirchen.“
„Ja, das ist wahr. Aber erinnerst du dich, dass wir unter dem Gesetz über religiöse Gleichberechtigung bereits dieselben Vorrechte haben wie die Landeskirchen?“
„Ach ja, das hatte ich vergessen. Aber jetzt werden die Landeskirchen ja sowieso keine Vorrechte mehr haben.“
„Das ist genau das Problem, das ich sehe.“
„Wie? Willst du sagen, dass …?“ – Claudio schwieg beim Gedanken daran, was dies möglicherweise für seine eigene Gemeinde bedeuten könnte.

An einem sonnigen Maitag erschien in allen grossen Tageszeitungen die folgende Nachricht:

„MUTIGE REGIERUNGSMASSNAHME GEGEN RELIGIÖSE PARALLELGESELLSCHAFTEN
Endlich hat es der Staat unternommen, in den chaotischen Zuständen der religiösen Organisationen Ordnung zu schaffen, in Übereinstimmung mit der Internationalen Konvention über Religionsfreiheit. Gemäss dem Regierungsdekret vom Montag werden alle Religionsdiener in die Kategorie von Staatsbeamten erhoben, und alle Liegenschaften der religiösen Organisationen werden in Staatseigentum übergehen. Das Religionsministerium wird Massnahmen ergreifen, damit sich keine religiöse Organisation der staatlichen Aufsicht und Ordnung entzieht in der möglichen Absicht, eine religiöse Parallelgesellschaft zu errichten.“

„Recht so“, dachte Claudio, „das wird jetzt zumindest den Machenschaften dieser Rebellen von der Freien Gemeinde ein Ende setzen.“ – Schon seit einiger Zeit verspürte Claudio eine gewisse Eifersucht gegen jene nichtregistrierte Gemeinde, die sich nur zweihundert Meter von seiner Kirche entfernt zu versammeln pflegte. Sie hatten vor wenigen Jahren als informelle Treffen in einem Privathaus begonnen; aber nach der Lautstärke zu schliessen und nach der Anzahl der Menschen, die ein und aus gingen, mussten sie bereits doppelt so viele Mitglieder haben wie Claudios Gemeinde. Und sie schienen nicht im Geringsten an den Vorrechten interessiert zu sein, die der Staat ihnen anbot gegen eine blosse Formsache.

Tatsächlich war zwei Wochen später während des Sonntagsgottesdienstes ein Aufruhr auf der Strasse zu hören, und sogar einige Schüsse fielen. Später erfuhren sie, dass die Polizei die Versammlung der Freien Gemeinde zerstreut und das Haus verschlossen hatte. Noch war nichts über den Verbleib ihrer Leiter bekannt. Claudio fühlte sich befriedigt, wenn auch ein wenig beunruhigt wegen der Schüsse. Aber er dachte: „Warum haben sie aber auch der Polizei Widerstand entgegengesetzt? Sie sollten doch wissen, dass sich ein Christ der staatlichen Autorität unterordnet.“

El selber erhielt jetzt ein festes Gehalt vom Staat. Freilich durfte er jetzt als Staatsangestellter keine Spenden oder persönlichen Geschenke von Gemeindegliedern mehr annehmen. Aber was machte das aus, wo doch der Staat seine finanzielle Situation sicherstellte?

Einige Zeit später stand Theos Frau weinend bei Claudio vor der Tür: „Mein Mann ist verschwunden. Vorgestern ging er zur Arbeit wie immer, und seither ist er nicht zurückgekommen, und niemand hat ihn gesehen.“
„Haben Sie die Polizei verständigt?“
„Ja, aber bis jetzt haben sie nichts herausgefunden. Lediglich ein Beamter hat angedeutet, Theo könnte eventuell in illegale Aktivitäten verwickelt sein. Ich kann mir bei ihm nichts Derartiges vorstellen, aber es beunruhigt mich …“
Die Tage vergingen ohne irgendwelche Nachricht von Theo. Das einzige, was Claudio herausfinden konnte, war, dass Theo seinen früheren Rat nicht befolgt hatte. Er hatte weiterhin Arbeitskollegen nach Hause eingeladen, und diese Zusammenkünfte hatten sogar noch an Teilnehmern und Häufigkeit zugenommen.

Eines schönen Sonntags hatte Claudio die folgende Ankündigung zu machen: „Nach dem neusten Regierungsdekret haben alle religiösen Veranstaltungen mit dem obligatorischen Gruss an den Staatspräsidenten zu beginnen und zu enden. Das ist eine rein bürgerliche Formsache, an der wir alle als gute Staatsbürger teilnehmen werden.“
Damit kniete Claudio vor der Fahne nieder, die den Versammlungssaal zierte, erhob seine Hände und rief aus: „Ehre unserem Präsidenten!“ – Die ganze Gemeinde kniete mit ihm nieder und wiederholte den Ruf: „Ehre unserem Präsidenten!“
– Um genau zu sein, nicht die ganze Gemeinde. Aus den Augenwinkeln konnte Claudio sehen, dass auf der rechten Seite etwa fünf Personen schweigend stehenblieben, unter ihnen Gottfried E. und Peter J. Natürlich würde er über sie Bericht erstatten müssen. Eine blosse Formsache.

Von da an begannen und endeten alle Sonntagsgottesdienste mit dieser Bürgerpflicht. Nur mit der unbedeutenden Änderung, dass nach einiger Zeit die Fahne durch ein Porträt des Präsidenten ersetzt wurde. Die wenigen Leute, die anfangs während dieses Aktes stehengeblieben waren, kamen nicht mehr zum Gottesdienst, und niemand fragte nach ihnen.

Eines Sonntags wurde Claudio beim Verlassen der Kirche von zwei Polizisten erwartet. „Könnten Sie bitte mit uns kommen? Wir haben einige Fragen an Sie.“ – „Natürlich, selbstverständlich.“ – Und Claudio folgte ihnen zum Polizeiposten, wo einer der Beamten sagte:
„Wir haben gehört, dass Sie weiterhin Minderjährigen religiösen Unterricht erteilen. Auch in ihrem Sonntagsgottesdienst haben wir die Anwesenheit Minderjähriger beobachtet. Was sagen Sie uns dazu?“
„Das machen wir immer so, die Kirche ist offen für alle, warum?“
„Ist das alles, was Sie dazu zu sagen haben?“
„Gut, und – und dass Jesus gesagt hat: ‚Lasst die Kinder zu mir kommen.‘ “
„Das hat nichts mit der Sache zu tun, es geht hier um die Gesetze unseres Staates. Sicher kennen Sie das Reglement für Religionsbeamte“, und der Polizist deutete auf ein umfangreiches Buch auf seinem Schreibtisch.
„Ich habe es gelesen, aber ich besitze es selber nicht“, sagte Claudio.
„Dann rate ich Ihnen, sich schleunigst ein Exemplar zu beschaffen und sich mit dem Inhalt vertraut zu machen. Minderjährige zu indoktrinieren ist ein unentschuldbarer Eingriff in den Zuständigkeitsbereich des Bildungsministeriums. Das ist ein schwerwiegendes Fehlverhalten für einen Religionsbeamten und kann mit bis zu fünfzehn Jahren Gefängnis oder Zwangsarbeit geahndet werden.“
– Der zweite Beamte ergriff das Wort, als er Claudios erschrockenes Gesicht sah: „Da Sie, Herr Claudio, bisher einen unbefleckten Leumund haben und dies Ihre erste Zuwiderhandlung ist, können Sie noch mit einer Geldbusse davonkommen. Aber ich warne Sie: Sollten Sie wiederum straffällig werden, dann werden Sie unweigerlich vor Gericht kommen. Und Sie werden sicher verstehen, dass wir als Gegenleistung für unser jetziges Entgegenkommen eine verstärkte Zusammenarbeit Ihrerseits erwarten. Erstatten Sie uns regelmässig Bericht über die privaten Tätigkeiten und die politischen Ansichten Ihrer Gemeindeglieder. Eine blosse Formsache.“

Claudio war erleichtert, dass sich die Justiz ihm gegenüber noch einmal gnädig erwiesen hatte, und versprach, zuverlässig Bericht zu erstatten. Dann ging er seine Busse bezahlen und kaufte sein Reglement.
In der folgenden Zeit verursachte ihm ab und zu das rätselhafte Verschwinden des einen oder anderen Gemeindeglieds äusserste Besorgnis; insbesondere wenn er feststellte, dass es sich um eine Person handelte, über die er der Polizei Informationen gegeben hatte. Aber er beruhigte sich jeweils sofort mit dem tröstlichen Gedanken, dass er treu seine Pflicht als Bürger und Christ erfüllte.

John Wesley und die Methodisten – Schluss

9. November 2013

Wesleys Sorge um die sozialen Bedingungen

Wir haben bereits gesehen, wie Wesley sich um die Armen innerhalb der methodistischen Gesellschaften kümmerte. Bei einigen Gelegenheiten äusserte er sich auch deutlich über die allgemeinen sozialen Bedingungen. Aber für Wesley war das keine Angelegenheit „sozialer Gerechtigkeit“ in dem Sinne, wie es heute verstanden wird. Für ihn handelte es sich um Angelegenheiten der christlichen Moral und Ethik. „Soziale Gerechtigkeit“ ist ein weltliches Konzept, das den Menschen über alles stellt. Die christliche Moral, wie Wesley sie predigte, legt dagegen das Hauptgewicht auf die Ehre Gottes.

Ein Beispiel ist die folgende Erfahrung, wie Wesley sie in seinem Tagebuch beschreibt:

„Ich ging nach Knowle, eine Meile von Bristol entfernt, um die französischen Gefangenen zu besuchen. Wie wir informiert wurden, waren etwa 1100 von ihnen an diesem kleinen Ort eingesperrt, ohne Schlafstätte ausser ein wenig schmutzigem Stroh, und ohne etwas um sich damit zuzudecken, ausser einigen wenigen dünnen und verfaulten Lumpen, sodass sie starben wie kranke Schafe. Ich wurde sehr berührt davon und predigte am Abend über 2.Mose 23,9: ‚Du sollst den Ausländer nicht bedrücken; denn du kennst das Herz eines Ausländers, denn ihr wart auch Ausländer im Land Ägypten.‘ – Sofort wurden achtzehn Pfund gespendet, und am nächsten Tag hatten wir vierundzwanzig. Damit kauften wir Leinen- und Wollstoff, um Hemden, Jacken und Hosen anzufertigen. Dazu kamen einige Dutzend Socken; und das alles verteilten wir, wo die Not am grössten war. Wenig später sandte die Korporation von Bristol eine grosse Anzahl Matratzen und Wolldecken. Und bald waren Beiträge aus London und aus verschiedenen Teilen des Landes unterwegs. So glaube ich, dass sie von da an ziemlich gut versorgt waren mit dem Lebensnotwendigsten.“

Eine Zeitlang befand sich Wesley in der Stadt Newcastle, die wegen unmittelbarer Kriegsgefahr unter militärischer Bewachung stand. Nachdem Wesley das Verhalten der Soldaten gesehen hatte, schrieb er dem Gouverneur folgenden Brief:

„Sehr geehrter Herr:
Die Furcht Gottes, die Liebe zu meinem Vaterland, und meine Wertschätzung für Seine Majestät den König George, zwingen mich dazu, einige offene Worte zu schreiben an jemanden, dem diese Handlungsprinzipien nicht fremd sind.
Meine Seele schmerzte Tag für Tag, wenn ich durch die Strassen von Newcastle ging, angesichts der Gefühlslosigkeit, der boshaften Schamlosigkeit, der unwissenden Weltlichkeit der armen Männer, denen unsere Leben anbefohlen sind. Die ständigen Flüche und Verwünschungen, die oberflächlichen Lästerungen der Soldaten im allgemeinen, müssen eine Folter sein für das nüchterne Ohr jedes Christen oder auch jedes aufrichtigen Ungläubigen. Kann jemand, der Gott fürchtet oder seine Nächsten liebt, dies ohne Besorgnis anhören? Insbesondere, wenn wir die Interessen unseres Landes, und dieser unglücklichen Männer selber in Betracht ziehen. Denn können wir erwarten, dass Gott sich auf die Seite jener stellt, die ihn täglich ins Angesicht beleidigen? Und wenn Gott nicht auf ihrer Seite steht, wie wenig hilft uns dann ihre Anzahl, oder ihr Mut, oder ihre Kraft?
Gibt es niemanden, der sich um diese Seelen sorgt? Zweifellos sollten einige es tun. Aber viele von diesen, wenn ich richtig informiert bin, erhalten grosse Löhne, aber tun einfach nichts. Ich wünschte, bei Gott, es stünde in meinem Vermögen, auf irgendeine Weise ihren Mangel an Dienst auszufüllen. Ich bin bereit zu tun, was ich kann, um diese armen Sünder zur Umkehr zu rufen, ein- oder zweimal am Tag (solange ich in dieser Gegend bleibe), egal zu welcher Stunde und an welchem Ort. Und ich wünsche keinerlei Bezahlung dafür, ausser was mir mein Herr bei seiner Wiederkunft geben wird.“

Auch um „profanere“ Angelegenheiten sorgte sich Wesley, wie dieser Ausschnitt aus einem Brief beweist, den er an eine grosse Tageszeitung in Edinburgh schrieb:

„(…) Und die Hauptstrasse, so breit und fein gepflastert, mit den erhabenen Häusern auf jeder Seite (viele davon sieben- oder achtstöckig), ist besser als alle in Grossbritannien. Aber wie ist es auszuhalten, dass aller Art Unrat ständig auf diese selbe Hauptstrasse geworfen wird? Wo sind die Magistraten, die Regierung, der Adel des Landes? Kümmern sie sich nicht um die Ehre ihrer Nation? Wie lange soll die Hauptstadt Schottlands, und ihre Hauptstrasse, ärger stinken als eine gewöhnliche Kanalisation? Gibt es niemanden, der sein Land liebt, oder den Anstand und den gesunden Menschenverstand, sodass er ein Mittel dagegen fände?“

Jemand, der zutiefst beeindruckt wurde von der sozialen Sorge Wesleys, war der Parlamentarier William Wilberforce (1759-1833). Insbesondere zwei Menschen trugen zu seiner Bekehrung bei: seine methodistische Tante, und der Prediger John Newton, der vor seiner Bekehrung ein Sklavenhändler gewesen war. So beschloss Wilberforce, sein ganzes Leben dem Kampf gegen die Sklaverei zu widmen. Im Alter von nur 21 Jahren wurde er ins Parlament gewählt, und von da an legte er unermüdlich seine Gesetzesvorschläge gegen die Sklaverei vor, obwohl sie eins ums andere Mal abgelehnt wurden. Aber mit seiner Ausdauer errang er schliesslich den Erfolg: 1807 wurde der Sklavenhandel verboten, und 1833 (in seinem Todesjahr) schaffte England die Sklaverei ganz ab. Das war tatsächlich das ganze Lebenswerk Wilberforces.
Ausser diesem Kampf war Wilberforce auch einer der Leiter einer Gruppe christlicher Parlamentarier, die sich um eine christliche Politik in all ihren Aspekten bemühten. Und bei einer Gelegenheit sagte er, er hätte ein politisches Ziel, das ihm noch wichtiger sei als die Abschaffung der Sklaverei: Freiheit für die Missionsarbeit in Indien (das damals eine englische Kolonie war). Und auch in dieser Sache errang Wilberforce den Sieg.

Schluss

Die methodistische Erweckung – zusammen mit ihrem Gegenstück, der „Ersten Grossen Erweckung“ in Nordamerika – ist eines der beeindruckendsten Beispiele, wie Gott in einer Erweckung handelt. Ich versuche die wichtigsten Punkte zusammenzufassen, die wir aus dieser Geschichte lernen können:

  • Eine Erweckung ist in erster Linie eine „Reinigung“ innerhalb der Gemeinde, mit einer „Überführung von der Sünde“, die von Gott kommt. Die Gemeindeglieder – und die Pastoren! – müssen zuerst erkennen, dass sie noch keine echten Christen sind und wiedergeboren werden müssen.
  • Deshalb ist eine Erweckung immer ein Skandal für die offizielle Kirche. Die bestehenden Gemeinden sind es, die sich einer Erweckung am stärksten widersetzen.
  • Jene Gemeindeglieder, die sich „erwecken“ lassen, beginnen mehr wie die Urchristen zu leben. So entsteht eine erneuerte, geheiligte Gemeinde, die mehr der Urgemeinde gleicht als den zeitgenössischen Gemeinden.
  • Mit einer so erneuerten Gemeinde kann Gott in grösserem Massstab handeln als normalerweise:
    – Grosse Mengen von Menschen beginnen sich für geistliche Dinge zu interessieren und bekehren sich zu Christus.
    – Übernatürliche und aussergewöhnliche Zeichen Gottes geschehen.
    – Die ganze Gesellschaft wird umgewandelt.
  • Vergessen wir aber nicht, dass die soeben genannten Auswirkungen nur „Nebeneffekte“ einer Erweckung sind. Das Wesentliche ist die Rückkehr der christlichen Gemeinde zu dem, „was im Anfang war“.

Die Geschichte der methodistischen Erweckung illustriert alle diese Prinzipien deutlich. Sie gibt uns damit ein Beispiel, in welche Richtung wir auch heute „zielen“ sollten.

John Wesley und die Methodisten – Teil 10: Aussergewöhnliche Manifestationen

3. November 2013

Wesley berichtet mehrmals in seinem Tagebuch über aussergewöhnliche Manifestationen, die während seines Dienstes geschahen, oder im Leben von Menschen, die sich durch seinen Dienst bekehrt hatten. Dies ist ein Beispiel:

„Ich sprach lange Zeit mit Anna Thorn und zwei weiteren, die mehrmals in Trance gewesen waren. Alle stimmten darin überein, dass: 1) wenn sie ‚weg waren‘, wie sie es nannten, war es immer in Momenten, wo sie am erfülltesten waren mit der Liebe zu Gott; 2) das kam in einem Moment über sie, ohne Vorwarnung, und nahm alle ihre Sinne und Kräfte in Anspruch; 3) im allgemeinen – mit ein paar Ausnahmen – waren sie von diesem Moment an in einer anderen Welt und wussten nichts mehr davon, was die Menschen um sie herum taten oder sagten.
(…) Herr B. kam auf mich zu und sagte, die fünfzehnjährige Alice Miller sei in Trance gefallen. Ich ging sofort hinunter und fand sie auf einem Schemel sitzend, an die Wand angelehnt, mit offenen Augen nach oben schauend. Ich machte eine Bewegung, als ob ich sie schlagen wollte, aber sie bewegte sich überhaupt nicht. Ihr Gesicht drückte eine unbeschreibliche Mischung aus Ehrfurcht und Liebe aus, während ein paar Tränen über ihre Wangen rollten. (…) Nach einer halben Stunde sah ich, dass sich ihr Gesichtsausdruck in Furcht, Mitleid und Verzweiflung wandelte; dann brach sie in ein Meer von Tränen aus und rief aus: ‚Lieber Herr, sie werden verdammt werden! Sie alle werden verdammt werden!‘ Aber fünf Minuten später kam ihr Lächeln zurück, und da war reine Liebe und Freude in ihrem Gesicht. (…) Später sagte sie: ‚Rufe laut! Halte nichts zurück!‘ Dann sagte sie: ‚Gebt Gott die Ehre.‘ – Um sieben Uhr kehrten ihre Sinne zurück. Ich fragte sie: ‚Wo warst du?‘ – ‚Ich war bei meinem Erlöser.‘ – ‚Im Himmel oder auf der Erde?‘ – ‚Ich weiss es nicht; aber ich war in der Herrlichkeit.‘ – ‚Und warum hast du geweint?‘ – ‚Nicht um mich, aber um die Welt; denn ich sah, dass sie sich am Rand der Hölle befinden.‘ – ‚Und zu wem sagtest du, sie sollten Gott die Ehre geben?‘ – ‚Zu den Predigern, dass sie laut zur Welt rufen sollen; denn wenn sie es nicht tun, werden sie stolz werden, und dann wird Gott sie verlassen, und sie werden ihre eigenen Seelen verlieren.'“

Wesley gibt auch das folgende Zeugnis von einem gewissen John Pearce wieder:

„Während er in Helstone wohnte, rief während einer Versammlung seiner (methodistischen) Klasse eine Frau in einem ungewöhnlichen Tonfall: ‚Lasst uns nicht hier bleiben; gehen wir nach …‘ (ein Haus in einem anderen Stadtteil). Alle standen sofort auf und gingen, obwohl niemand von ihnen – nicht einmal die Frau selber – wusste warum. Kurz nachdem sie gegangen waren, fiel ein Funke in ein Pulverfass, das sich in einem angrenzenden Raum befand, und das Haus explodierte. So beschützte Gott die auf ihn vertrauten …“

Wesley berichtet auch von verschiedenen Dämonenaustreibungen.

Anscheinend gab es auch viel Kritik an solchen Manifestationen. Als Antwort verwies Wesley auf die geistliche Frucht:

„Während jener Zeit wurde ich fast ständig gefragt (…): ‚Wie können diese Dinge sein?‘ Und ich erhielt unzählige Warnungen (normalerweise aufgrund schwerer Missverständnisse), den Visionen und Träumen keine Beachtung zu schenken, und mir auch nicht einzubilden, die Menschen erhielten Sündenvergebung aufgrung ihres Schreiens oder ihrer Tränen oder ihrer äusserlichen Zeugnisse. Meine Antwort an jemanden, der mir wiederholt deswegen schrieb, war zusammengefasst wie folgt:
Das Problem zwischen uns reduziert sich hauptsächlich auf eine Frage der Tatsachen. Sie leugnen, dass Gott heute solche Wirkungen schafft; oder zumindest, dass er sie auf diese Weise schafft. Ich sage, doch, denn ich habe diese Dinge mit meinen eigenen Ohren gehört und mit meinen eigenen Augen gesehen. Ich habe viele Menschen gesehen (so weit man das sehen kann), die in einem Moment von einem ängstlichen, erschreckten und verzweifelten Geist umgewandelt wurden zum Geist der Liebe, der Freude und des Friedens; und von einem sündigen Verlangen, das sie beherrschte, zu einem reinen Verlangen, den Willen Gottes zu tun. Das sind Tatsachen, wovon ich beinahe täglich Zeuge bin.
Was die Visionen und Träume betrifft, habe ich dies zu sagen: Ich kenne mehrere Personen, bei denen diese grosse Veränderung in einem Traum geschah, oder während eines starken Eindrucks vor ihrem geistigen Auge über Christus am Kreuz oder in der Herrlichkeit. Das ist die Tatsache; möge es jeder beurteilen wie er will. Und ich urteile nicht nur nach den Tränen, oder aufgrund einer Trance oder Schreiens (wie Sie anscheinend annehmen); sondern nach der Veränderung ihres ganzen Lebens: vorher böse auf vielerlei Weise; nachher heilig, gerecht und gut.
Ich will Ihnen den zeigen, der zuvor ein Löwe war und jetzt ein Lamm ist; den, der ein Trinker war und jetzt vorbildlich nüchtern ist; den, der ein Unzüchtiger war und jetzt sogar das vom Fleisch befleckte Kleid verabscheut. Das sind meine lebendigen Argumente für meine Versicherung: dass Gott heute genauso wie in den alten Zeiten uns und unseren Kindern die Vergebung der Sünden und die Gabe des Heiligen Geistes gibt; und das in einem Augenblick, soweit ich weiss; und oft in Träumen oder Visionen von Gott. Wenn es nicht so ist, werde ich vor Gott als falscher Zeuge erfunden werden.“

Wir haben in einer früheren Folge gesehen, wie Wesley einige tiefsitzende Vorurteile überwinden musste, als Whitefield ihm zeigte, wie er unter freiem Himmel predigte. Jetzt, in dieser Sache der aussergewöhnlichen Manifestationen, scheint Whitefield derjenige gewesen zu sein, der mit Vorurteilen zu kämpfen hatte. Wesley berichtet:

„Ich hatte eine Gelegenheit, mit ihm (Whitefield) über diese äusseren Zeichen zu sprechen, die oft das innere Werk Gottes begleiteten. Ich fand, dass seine Einwände hauptsächlich auf schlimmen Verdrehungen der Tatsachen beruhten. Aber am nächsten Tag konnte er sich eines Besseren vergewissern; denn kaum begann ich (in der Predigt) alle Sünder einzuladen, auf Christus zu vertrauen, als vier Personen in seiner Nähe fast gleichzeitig ohnmächtig wurden. Einer von ihnen blieb bewusst- und bewegungslos liegen. Ein anderer zitterte überaus heftig. Der dritte hatte Krämpfe an seinem ganzen Körper, aber er gab keinen Laut von sich ausser einigen Seufzern. Der vierte, ebenfalls unter Krämpfen, schrie zu Gott mit lauter Stimme und unter Tränen. Von diesem Moment an vertraue ich, dass wir alle Gott erlauben werden, sein eigenes Werk in der Art zu tun, die ihm gefällt.“

Dennoch nahm Wesley diese Manifestationen nicht besonders wichtig. Er war sich bewusst, dass nicht alles Aussergewöhnliche von Gott ist, und dass Unterscheidungsvermögen nötig war. Bei einer anderen Gelegenheit schreibt er:

„Am Nachmittag war Gott auf besondere Weise unter uns gegenwärtig (…) Aber ich beobachtete einen bemerkenswerten Unterschied seit dem letzten Mal, als ich hier (in Everton) war. Jetzt war niemand in Trance, niemand schrie, niemand fiel zu Boden oder hatte Krämpfe; nur einige zitterten stark, man hörte ein leises Murmeln, und viele wurden mit einer Fülle des Friedens erfrischt.
Die Gefahr bestand darin, die aussergewöhnlichen Umstände zu wichtig zu nehmen, wie z.B. Schreien, Krämpfe, Visionen und Trancen; als ob diese wesentlich wären für das innere Werk (…) Eine andere Gefahr besteht darin, all dieses zu verurteilen und zu denken, nichts davon sei von Gott. Aber die Wahrheit ist:
1) Gott überführte viele augenblicklich und heftig davon, dass sie verlorene Sünder waren; und eine natürliche Folge davon waren die plötzlichen Schreie und die Krämpfe.
2) Um die Gläubigen zu stärken und zu ermutigen, und um sein Werk offensichtlicher zu machen, begnadete er mehrere von ihnen mit göttlichen Träumen, und andere mit Trancen und Visionen.
3) Bei einigen dieser Gelegenheiten mischte sich nach einiger Zeit die Natur unter die Gnade.
4) Ebenso ahmte satan dieses Werk Gottes nach, um das ganze Werk in Verruf zu bringen; dennoch ist es nicht weise, diesen Aspekt zu verwerfen, ebensowenig wie es weise wäre, das ganze Werk zu verwerfen. Anfangs war zweifellos alles von Gott. Jetzt ist es noch teilweise so, und er wird uns befähigen zu unterscheiden, inwieweit in jedem Fall das Werk rein ist, und wo es vermischt oder degeneriert ist.“

In der Gegenwart herrscht eine grosse Auseinandersetzung über solche und ähnliche Manifestationen. Einerseits gibt es eine „Sucht“ nach immer aussergewöhnlicheren und seltsameren Manifestationen. Und andererseits gibt es Verdächtigungen und Ablehnung gegen alles, was ein wenig über das Gewöhnliche hinausgeht. Wesleys Anmerkungen können uns helfen, in dieser Sache ein wenig klarer zu sehen:

Erstens hat Gott oft durch Träume, Visionen, und andere „aussergewöhnliche“ Mittel gewirkt. Die Schrift bezeugt es, die Erfahrungen Wesleys bestätigen es, und nichts spricht dagegen, dass Gott in unserer Zeit ähnliche Dinge täte. Gewisse aussergewöhnliche Manifestationen – aber nicht alle – werden vollauf von der Bibel bestätigt. Ausser Träumen und Visionen erwähnt die Bibel auch verschiedene übernatürliche Gaben des Heiligen Geistes.

Zweitens, was das Umfallen, Zittern, Krämpfe, usw. betrifft, so bezeugt Wesley, dass diese Dinge geschahen; aber er sagte nie, diese Dinge seien „geistlich“. Im Gegenteil, er sagt, es handle sich um „natürliche Folgen“ einer heftigen Überführung von der Sünde. In anderen Worten, es handelte sich um Reaktionen der menschlichen Natur angesichts der Überführung durch den Heiligen Geist. Und wenn diese Sünder zum Frieden mit Gott gelangten, dann verschwand diese Art von Manifestationen, und an ihrer Stelle erlebten sie den Frieden und die Freude, erlöst zu sein.
Das ist ein bemerkenswerter Unterschied zu gegenwärtigen Bewegungen, wo Menschen ebenfalls massenweise umfallen. In diesen gegenwärtigen Bewegungen wird das Umfallen, Zittern, usw. als ein „geistlicher Segen“ angesehen. Dafür gibt es keine biblische Grundlage, und die Erfahrungen Wesleys widersprechen dieser Anschauung. Wenn Zuhörer Wesleys umfielen, sagten sie nicht, sie hätten „einen besonderen Segen Gottes“ empfangen. Im Gegenteil, sie waren erschreckt über ihre eigene Sündhaftigkeit, der sie sich plötzlich bewusst wurden; und über die Heiligkeit und Reinheit Gottes. Und sie wussten, dass sie von neuem geboren werden mussten, um vor Gott bestehen zu können. Die Erfahrungen Wesleys können also nicht als Präzedenzfall für das heutige „Umfallen im Geist“ herangezogen werden; im Gegenteil.
Ein weiteres Zitat von Wesley möge dies unterstreichen:

„Ich predigte über die Gerechtigkeit des Gesetzes und die Gerechtigkeit des Glaubens. Während ich sprach, fielen einige wie tot um, und unter den übrigen hörte man ein solches Schreien der Sünder, die um die Gerechtigkeit des Glaubens flehten, dass es meine Stimme beinahe übertönte. Aber viele von diesen erhoben bald ihre Häupter voll Freude und brachen in Lobpreis aus, weil sie die Sicherheit empfangen hatten, dass jetzt der Wunsch ihrer Seele, die Vergebung ihrer Sünden, erfüllt worden war.“

Wenn noch seltsamere und unbiblische Dinge geschahen – wie z.B. unkontrollierbares Lachen, tierisches Verhalten, usw. -, dann zögerte Wesley nicht, sie als Fälschungen des Teufels anzuprangern.

Drittens ist das Vorkommen von „seltsamen“ Manifestationen kein Grund, eine ganze Bewegung oder Erweckung zu verurteilen. Wesley sagt, dass in seiner eigenen Bewegung auch solche teuflischen „Fälschungen“ aufgetreten seien; und er rief seine Mitarbeiter dazu auf, Unterscheidung zu üben. – Wenn nun eine Bewegung sich auf solche „seltsamen“, unbiblischen Manifestationen gründet und diese aktiv fördert, dann muss sie als fehlgeleitet eingestuft werden. Aber wo eine echte, geistlich gesunde Erweckung stattfindet, da sollte nicht die gesamte Bewegung verworfen werden, nur weil auch einige seltsame oder „falsche“ Manifestationen auftreten. Vielmehr sollten die Leiter einer solchen Bewegung Vorsichtsmassnahmen ergreifen, damit die Bewegung nicht von solchen Manifestationen dominiert wird.

(Fortsetzung folgt)