(K)Eine Stellungnahme der „Hilfsaktion Märtyrerkirche“

Gleichzeitig zu meinem Artikel über den Skandal bei der amerikanischen „Voice of the Martyrs“ hatte ich die deutsche „Hilfsaktion Märtyrerkirche“ (HMK) um eine Stellungnahme angeschrieben. Ich hatte angeboten, eine allfällige Stellungnahme hier als Gegendarstellung zu veröffentlichen (originalgetreu natürlich), aber die HMK erklärte ausdrücklich, davon keinen Gebrauch machen zu wollen. Deshalb bin ich nun nicht frei, ihre ganze Antwort hier wiederzugeben, und muss mich mit einer kurzen Zusammenfassung begnügen und meine eigenen Schlussfolgerungen ziehen:

Die HMK zeigt sich bereit, weitestgehend auf die Forderung einzugehen, die Namen der Familie Wurmbrand nicht mehr zu verwenden und auch entsprechende Texte aus ihrer Website zu löschen. Allerding blieb unklar, wie weit genau, da es anderer Stelle hiess, dass der Name von Richard Wurmbrand im Impressum des Nachrichtenblattes stehen „muss“.

Des weiteren werden die Vorwürfe von Michael Wurmbrand pauschal bestritten, aber leider nicht konkret widerlegt. Der Rest der „Stellungnahme“ bestand weitgehend aus vagen Andeutungen, inneren Widersprüchen, und Gegen-Anschuldigungen gegen Michael Wurmbrand und mich. Insbesondere blieb unklar, ob die HMK die Anklagen gegen „Voice of the Martyrs“ (VOM) als berechtigt ansieht oder nicht.
Ausserdem enthielt die Antwort der HMK eine direkte Falschaussage: Ich hätte mich nur auf einen einzigen Zeugen abgestützt. Dagegen hatte ich ja sogar aus dem Artikel von „Lighthouse Trails“ gerade den Abschnitt zitiert, wonach diese Organisation eigenständige Abklärungen vorgenommen hat, welche die Aussagen Michael Wurmbrands bestätigten. Einige Fakten sind zudem öffentlich im Internet einsehbar. So z.B. das überdimensionierte Hauptgebäude der VOM, und die enge Verbindung zwischen VOM und HMK. Oder der Umstand, dass der Polizeichef von Bartlesville, dem die Untersuchung gegen Tom White anvertraut war, zugleich im Vorstand von VOM sitzt; und dass White von der Untersuchung zu einem Zeitpunkt erfuhr, als er noch gar nichts davon hätte wissen können, wenn alles mit rechten Dingen zugegangen wäre.

Auf meine erneute Bitte, die bestehenden Unklarheiten und Widersprüche klarzustellen, erhielt ich vom Leiter der HMK eine Mail mit dem folgenden Titel:

Wahrlich eine merkwürdige Antwort auf die Bitte um Stellungnahme zu einer Angelegenheit von öffentlichem Interesse! Gerade falls wirklich – wie die HMK andeutet – Zweifel an der Wahrheit der Aussagen von Michael Wurmbrand bestehen sollten, dann hätten doch HMK und VOM selber das grösste Interesse daran, die Dinge öffentlich klarzustellen sowie von einer unabhängigen Kommission untersuchen zu lassen!
Mit ihren Nicht-Stellungnahmen hat nun aber die HMK bestätigt, dass sie genau das tut, was ihr Michael Wurmbrand vorwirft: Sie solidarisiert sich mit der VOM in deren Bemühen, ein Offenlegen der Tatsachen zu verhindern. Das ist vielleicht auf den ersten Blick nichts Gravierendes; aber es trägt dazu bei, diese „Kultur der Heimlichtuerei“ zu verbreiten, innerhalb welcher dann eben gravierende Handlungen begangen werden können, wie es bei der VOM geschehen ist. Es scheint der HMK nicht klar zu sein, dass ihr undurchsichtiges Verhalten in keiner Weise dazu geeignet ist, den bestehenden Verdacht auf Unaufrichtigkeit zu zerstreuen.

„Denn jeder, der Böses tut, hasst das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden. Wer aber die Wahrheit tut, kommt zum Licht, damit seine Werke offenbar werden, dass sie in Gott getan sind.“ (Johannes 3,19-20)

In meiner zweiten Bitte um Stellungnahme hatte ich u.a. geschrieben:

„Sie sorgen sich um den guten Ruf der HMK? – Ich auch! Aber wenn Sünde in einer Organisation ist, dann sind diejenigen für den Schaden verantwortlich, die gesündigt haben, sowie diejenigen, welche beim Vertuschen der Sünde mitwirken (und das ist der Punkt, der Sie betrifft). Nicht diejenigen, welche die Sünde aufdecken – obwohl es leider eine gängige Praxis ist, dann diese „Whistleblower“ als Sündenböcke hinzustellen.

Sie sorgen sich, dass eventuelle Spendenrückgänge den Bedrängten schaden könnten? – Ich auch! Aber meine erste Sorge hierbei ist, wie vielen Bedrängten schon bisher nicht geholfen wurde, weil die VOM über 28 Millionen Dollar in ihren Luxusbau gesteckt hat statt in Hilfsprojekte. Ehrlichkeit und Integrität in dieser Angelegenheit würde allfällige Spendenrückgänge mehr als wettmachen. Nicht zu reden davon, dass eine offene und transparente Aufarbeitung dieser Dinge das geeignetste Mittel wäre, das Vertrauen der Spender wiederherzustellen.“

Ich muss leider annehmen, dass wir hier ein weiteres trauriges Beispiel dafür haben, wie eine ehemals christliche Institution zu ihrem eigenen Götzen geworden ist, dem man die Wahrheit und die Integrität opfert, und dem man (im Falle von VOM) ein 28 Millionen Dollar teures Denkmal setzt. Wie ich an anderer Stelle schon einmal ausgeführt habe, neigen Institutionen (auch christliche) dazu, ein Eigenleben zu entwickeln, das die einzelnen Mitglieder und Mitarbeiter immer mehr entpersönlicht, sodass die Loyalität zu den unpersönlichen „Interessen der Institution“ allmählich die Loyalität zu Gott und die aufrichtigen mitmenschlichen Beziehungen verdrängt. Diese „Interessen der Institution“ verlangen z.B, dass Leiter, die Sünden begehen, von den anderen Leitern gedeckt werden, und dass alle, die darum wissen, den Mund halten. Und im Falle einer christlichen Institution handeln diese Mitläufer oft sogar im Glauben, ein solches Verhalten sei „christlich“.

Während Menschen von ausserhalb der Institution meistens relativ leicht das Unrechte daran erkennen können, sind die Menschen innerhalb nur selten dazu imstande. Das Trugbild der „institutionellen Interessen“ (die ja offiziell mit einem edlen Auftrag verknüpft sind) bewirkt anscheinend eine derartige Verblendung, dass diese Menschen, die beim Verbergen der Sünden ihrer Mit-Leiter mitwirken, bis zum bitteren Ende daran festhalten, sie hätten keinerlei Unrecht begangen. Schuldig seien nur jene, die die Dinge ans Licht brachten, weil sie „der Institution Schaden zugefügt hätten“. Ich habe dieses Muster schon so oft in verschiedensten Organisationen beobachtet, dass ich es beinahe als ein Naturgesetz bezeichnen würde. (Mit einer Google-Suche zum Thema „Geistlicher Missbrauch“ kann man weitere Beispiele aus „christlichen“ Kreisen finden.)


Zusatzbemerkung:

Offen ist für mich die Frage, ob ein Hilfswerk, das sich in einer solchen Situation befindet, weiterhin finanziell unterstützt werden sollte wegen des vielen Guten, das es ja auch tut. Hier in Perú gibt es eine ziemlich weit verbreitete Ansicht, wonach von gewissen Politikern gesagt wird: „Er ist zwar korrupt und unterschlägt Gelder; aber er tut so vieles für den Fortschritt unserer Stadt/Provinz, dass wir trotzdem ihn unterstützen und wählen.“ D.h. man zieht einen „erfolgreichen“ und „wohltätigen“, aber korrupten Politiker einem ehrlichen vor, der (vielleicht gerade wegen seiner Ehrlichkeit!) weniger sichtbaren „Fortschritt“ zuwege bringt. Aber natürlich muss dagegen eingewandt werden, dass eine solche Haltung ja die Korruption ganz allgemein fördert.
Ich werde mich jedenfalls hüten, irgendein anderes Werk als Alternative zur HMK zu empfehlen. Vielleicht sollten wir dazu übergehen, nur noch Personen zu unterstützen, die wir persönlich kennen? Bei VOM-HMK ist es zu einem Skandal gekommen, weil ein einigermassen bekannter Christ seine Stimme erhoben hat. Aber wer weiss, in wie vielen anderen Institutionen ähnliches vorgeht, und man weiss es nur nicht, weil niemand den Mut hat, dagegen aufzustehen?

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