Was ist Erweckung? (Teil 1)

Erweckung ist etwas, was unsere Gemeinden dringend nötig haben. Aber leider ist dieses Wort „Erweckung“ von den Christen in den letzten Jahren sehr missverstanden worden. Deshalb scheint es mir nötig, zuerst diese Missverständnisse anzusprechen und klarzustellen, was Erweckung eigentlich ist.

Was sagt die Bibel über Erweckung?

Der Herr sagt zu der Gemeinde in Sardes:
„Ich kenne deine Taten, dass du den Namen hast, du lebest, aber du bist tot. Sei wachsam und stärke das andere, was am Sterben ist; denn ich habe deine Taten nicht vollkommen gefunden vor Gott. Erinnere dich also daran, was du erhalten und gehört hast, und halte es, und kehre um.“ (Offenbarung 3,1-3)

Das bedeutet Erweckung: die Gemeinde, die am Sterben ist, wird wieder lebendig.
(Das englische Wort „revival“ ist hier noch klarer; es bedeutet wörtlich „Wiederbelebung“.)

Wie kann die Gemeinde wieder zum Leben erwachen?

Zuerst einmal muss sie erkennen, dass sie tot ist, oder am Sterben! Die Gemeinde muss erkennen, dass sie in Wirklichkeit das geistliche Leben nicht hat, das sie verkündet. Die Gemeinde muss eingestehen, dass sie sich darum bemüht hat, menschliche Programme zu erfüllen, statt das Leben Jesu zu leben. Diese Programme können nach aussen hin sehr feierlich aussehen, oder sehr lebendig und fröhlich; aber es ist keine geistliche Realität in ihnen. Die Gemeinde muss eingestehen, dass sie verführt worden ist und selber die Menschen verführt, wenn sie vorgibt, ihre Programme seien geistliches Leben.

Der Apostel Paulus schreibt:
„Und nehmt nicht an den unfruchtbaren Taten der Finsternis teil, sondern konfrontiert sie; denn es ist schändlich auch nur davon zu reden, was sie im Geheimen tun. Aber alle Dinge werden offenbar, wenn sie vom Licht konfrontiert werden; denn alles, was offenbar ist, ist Licht.“ (andere mögliche Übersetzung: „Denn das Licht ist es, das alles offenbar macht.“) Deshalb heisst es:

Erwache, du Schläfer,
und steh auf von den Toten,
und Christus wird dich erleuchten.“ (Epheser 5,11-14)

An wen schreibt Paulus hier? An die Ungläubigen, die „Welt“? – Ganz und gar nicht! Paulus schreibt an die Gemeinde, an die Christen in Ephesus. Offenbar gibt es viele Christen, die schlafen oder sogar schon tot sind – und genau deshalb haben wir Erweckung nötig.
Wir haben hier wieder dieselbe Botschaft wie an Sardes: Steh auf von den Toten! Kehr um!
Paulus erwähnt die „unfruchtbaren Taten der Finsternis“. Im Textzusammenhang sehen wir, dass er von „Unzucht“ spricht, von „Unreinheit“, „Habsucht“ (oder finanzieller Unredlichkeit), „unehrlichen Worten“, „Torheiten“, usw. (Verse 3-4); und er sagt, dass jene, die diese Dinge verüben, das Reich Gottes nicht ererben können (Vers 5).
Die schlafende oder sterbende Gemeinde ist eine Gemeinde, die an diesen „Taten der Finsternis“ teilnimmt: sie verübt selber diese Taten, oder zumindest toleriert sie sie und konfrontiert sie nicht.
Das ist tatsächlich der Fall in den heutigen Gemeinden, und ich sage das aus eigener Erfahrung. Ich habe in mehreren Gemeinden und christlichen Organisationen mitgearbeitet, und in jeder dieser Organisationen geschah dasselbe: Irgendwann einmal wurde von mir erwartet, dass ich dazu mithelfe, irgendeine „Tat der Finsternis“ zu begehen oder zumindest eine solche Tat anderer zu verbergen – eine kleine finanzielle Unregelmässigkeit; ein kleiner Betrug; eine Manipulation oder Unterdrückungsmassnahme von seiten der Leiterschaft; ein Fall sexueller Unmoral, der die Organisation in ein schlechtes Licht gestellt hätte, wenn er bekannt geworden wäre -, und wenn ich mich weigerte, beim Begehen oder Verbergen dieser Tat mitzuhelfen, dann hatte ich nur noch die Wahl, entweder ausgeschlossen zu werden oder selber zu gehen.

Ist das die Gemeinde Jesu?

Die Gemeinde braucht Erweckung, weil sie schläft und am Sterben ist. Die Gemeinde wirkt bei Taten der Finsternis mit, statt sie zu konfrontieren, und damit zeigt sie, dass sie das Licht Christi nicht hat. Die Gemeinde!

Der Herr ist davon nicht überrascht. Es ist bereits vorausgesagt, dass dies geschehen wird:
„Niemand täusche euch auf irgendeine Weise; denn (der Herr) wird nicht kommen, bis zuvor der Abfall kommt… Denn das Geheimnis der Gesetzlosigkeit ist bereits am Werk…“ (2.Thess.2,3.7)

„Abfall“ bedeutet „sich entfernen, weggehen“ (vom Glauben). Wiederum spricht der Apostel von der Gemeinde: nur diejenigen können abfallen, die einmal im Glauben standen. – Wir müssen dabei verstehen, dass dieses „Weggehen“ nicht von einem Tag auf den anderen geschieht. Es ist ein allmählicher Prozess, der sich über Jahre und Jahrzehnte erstrecken kann. Einige sind erst ganz am Anfang in diesem Prozess, indem sie anfangen, einige Bereiche ihres Lebens dem Herrn vorzuenthalten; andere sind schon so weit „weggegangen“, dass sie Grundlagen des christlichen Glaubens verleugnen. Das Endstadium dieses „Abfalls“ besteht dann darin, dass jemand – ausdrücklich oder unausgesprochen – dem Herrn Jesus überhaupt absagt. Aber wie gesagt, wird dieses Endstadium meistens erst nach einem längeren Prozess erreicht.

Bei seinem Abschied von den Ältesten von Ephesus sagte Paulus:
„Denn ich weiss, dass nach meinem Weggang reissende Wölfe in eure Mitte kommen werden, die die Herde nicht verschonen werden. Und aus eurer eigenen Mitte werden Menschen aufstehen, die verkehrte Dinge reden, um die Jünger hinter sich selbst herzuziehen.“ (Apostelgeschichte 20,29-30).

Paulus sagt, dies würde „nach seinem Weggang“ geschehen, also sehr bald. Kaum waren die Apostel nicht mehr da, begann die Gemeinde abzuirren!

Könnte dieser Abfall so weit führen, dass die Wölfe über die Gemeinde regieren??

Denke gut darüber nach. Die protestantischen Geschichtsschreiber sagen uns, dass dies vor vielen Jahrhunderten bereits geschah, vor der Zeit Luthers. Deshalb war die Reformation notwendig – die katholische Kirche stand unter der Herrschaft von „Wölfen“.
Wenn dies in der römischen Kirche geschah, warum sollte es nicht auch in den evangelischen Gemeinden geschehen können? Ich behaupte, dass wir auf dem direkten Weg dazu sind. Viele evangelische Leiter sind bereits sehr beeinflusst von den Ideen des Antichristen.

Und was ist unsere Antwort darauf?

Eine landläufige Vorstellung von „Erweckung“ besteht darin, dass viele Ungläubige zum Glauben kommen. Das ist eine normale sekundäre Folge von Erweckungen (davon später); aber wir haben gesehen, dass die Bibelstellen, die von Erweckung und deren Notwendigkeit sprechen, sich allesamt an die Gemeinde richten.

Lesen wir nochmals die Worte des Herrn an die Gemeinde in Sardes:
„Erinnere dich also daran, was du erhalten und gehört hast, und halte es, und kehre um.“ (Offenbarung 3,3)

Die Antwort besteht darin, zu dem zurückzukehren, was wir am Anfang erhalten haben; zur Lehre des Herrn und seiner Apostel zurückzukehren, und alle menschlichen Traditionen zurückzulassen, die später kamen.

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Eine Antwort to “Was ist Erweckung? (Teil 1)”

  1. Möchtest du WIRKLICH Erweckung? | Christlicher Aussteiger Says:

    […] Dies ist die Fortsetzung des Artikels: “Was ist Erweckung?” – Es empfiehlt sich, jenen ersten Teil zuerst zu […]

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