Archive for April 2015

Grosse Überraschung: Der Papst ist katholisch!

23. April 2015

Warum soll das eine Überraschung sein, fragen Sie sicherlich. Aber lesen Sie weiter.

Da hegen z.B.gewisse Leiter der deutschen Landeskirchen die Hoffnung, der Papst könnte inzwischen reformiert geworden sein. Sonst wären sie kaum auf die Idee gekommen, ihn ausgerechnet zum Reformationsjubiläum 2017 einzuladen. Man lese und staune:

„EKD-Ratschef Nikolaus Schneider (…) hat Papst Franziskus zur Teilnahme am Reformationsjubiläum 2017 eingeladen. (…) Der Ratschef und Franziskus beteten gemeinsam ein Vaterunser und sprachen einander mit „Bruder“ an. (…) Es war die erste Audienz des neuen Papstes für einen Deutschen. Wie Franziskus indes auf die Einladung zum Reformationsjubiläum reagierte, wurde zunächst nicht bekannt.“
(Aus dem „Newsletter der Lutherdekade“ auf luther2017.de)

Schon seit längerem laufen Vorbereitungen, die lutherischen und katholischen Kirchen wiederzuvereinigen. Bereits 1999 veröffentlichten der Lutherische Weltbund (LWB) und der Vatikan zusammen eine „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“. Kurz gesagt wird darin erklärt, Lutheraner und Katholiken stimmten jetzt in den wesentlichen Punkten der Rechtfertigungslehre überein, und die noch verbleibenden Differenzen seien unwesentlich.
Nun folgt der nächste Schritt:

Lutheraner und Katholiken „gemeinsam unterwegs“
(…) „Auch im Internet kann man ernsthaft über Theologie und Glauben diskutieren!“ Dies konstatierten der Catholica-Beauftragte der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Landesbischof Dr. Karl-Hinrich Manzke (Bückeburg), und der Vorsitzende der Ökumene-Kommission der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Gerhard Feige (Magdeburg), anlässlich der Präsentation der Ergebnisse des ökumenischen Internetprojekts „2017 gemeinsam unterwegs“.
(…) Auslöser für das Projekt war die Bitte von LWB und Päpstlichem Einheitsrat, das 2013 gemeinschaftlich publizierte Dokument „Vom Konflikt zur Gemeinschaft. Gemeinsames lutherisch-katholisches Reformationsgedenken im Jahr 2017“ in ökumenischer Verbundenheit zu rezipieren. Im Verlauf der Veranstaltung unterstrichen Manzke und Feige, dass der Weg zum Reformationsjahr 2017 ökumenisch begangen werden müsse. (…)
(Aus den offiziellen Nachrichten der EKD auf ekd.de, 18.Dezember 2014)

Dieses neue Dialogdokument (dessen Genehmigung durch den Vatikan jedoch noch aussteht) nimmt in seinem Artikel 25 ausdrücklich auf die „Gemeinsame Erklärung“ von 1999 Bezug.

Aber nicht nur Lutheraner sind versessen darauf, nach Rom zu pilgern. Die evangelikalen Freikirchen sitzen im selben Boot. Ein entscheidender Mittelsmann in dieser Hinsicht war anscheinend der letztes Jahr verstorbene anglikanische Bischof Tony Palmer. Einzelheiten über ihn können u.a. in dieser längeren Reportage aus der Zeitung „Boston Globe“ nachgelesen werden (auf Englisch). Hier kurz zusammengefasst:

Palmer schloss schon 2006 in Buenos Aires eine enge Freundschaft mit dem damaligen Kardinal Bergoglio. Er wollte sogar zum Katholizismus konvertieren, aber Bergoglio riet ihm, stattdessen seinen Einfluss unter evangelikalen Leitern geltend zu machen: „Wir brauchen Brückenbauer“. Palmer hatte nämlich zugleich einen guten Draht zu wichtigen evangelikalen und pfingstlichen Leitern. (Wir müssen ihn also als einen richtiggehenden Geheimagenten des Vatikans in den evangelikalen Reihen ansehen.)

Im Januar 2014 lud der neugewählte Papst Palmer in den Vatikan ein und übergab ihm u.a. eine (auf Video aufgezeichnete) Grussbotschaft an eine evangelikale Leiterkonferenz, wo Palmer in der folgenden Woche sprechen würde. An dieser Konferenz, organisiert von Kenneth Copeland, nahmen dreitausend evangelikale Leiter teil. Palmer liess sie die Botschaft des Papstes sehen und sagte dazu: „Wir protestieren nicht mehr gegen die Heilslehre der katholischen Kirche. Wir verkünden jetzt dasselbe Evangelium. Luthers Protest ist vorbei. Deiner auch?“ – Damit erntete er stürmischen Applaus, und in den darauffolgenden Tagen wurde er (so „Boston Globe“) „überschwemmt von Anfragen evangelikaler Leiter, die selber ein Teil dieser Geschehnisse werden wollten“.

So organisierte Palmer im Juni 2014 einen Besuch im Vatikan, an welchem mehrere wichtige evangelikale Leiter teilnahmen, die zusammen „über 700 Millionen Evangelikale weltweit vertreten“. Wenn Sie einer anerkannten evangelikalen Denomination angehören oder sonstwie mit der Evangelischen Allianz o.ä. verbunden sind, dann sind Sie in diesen 700 Millionen inbegriffen. Diese Leiter sagten dem Papst, sie „nähmen seine Einladung an, die sichtbare Einheit mit dem Bischof von Rom zu suchen“.
Bei diesem Treffen übergab Palmer dem Papst einen Entwurf für ein gemeinsames „Glaubensbekenntnis in Einheit für die Mission“, das am Tag des 500-jährigen „Reformationsgedenkens“ in Rom vom Papst und von den Leitern der wichtigsten protestantischen Kirchen gemeinsam unterzeichnet werden soll. Der genaue Inhalt dieses Bekenntnisses ist noch nicht veröffentlicht worden, aber es ist bereits bekannt, dass darin vorkommen:

  • das Nicänische Glaubensbekenntnis (das ausdrücklich den Glauben an „die eine katholische Kirche“ bezeugt),
  • die „Gemeinsame Erklärung“ von 1999,
  • sowie eine gemeinsame Erlärung in dem Sinne, dass Katholiken und Evangelikale nun in der Mission vereint seien, weil sie dasselbe Evangelium verkündeten.

Wer war damals alles beim Papst?

  • Geoff Tunnicliffe, der Präsident der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA). Die WEA ist der Zusammenschluss aller Evangelischen Allianzen weltweit, und repräsentiert damit (fast) alle Evangelikalen.
  • Thomas Schirrmacher, Vorsitzender der Theologischen Kommission der WEA. Schirrmacher profilierte sich früher als bibeltreuer, konservativer Theologe, der Artikel schrieb für Organisationen bzw. Internetportale der calvinistisch-rekonstruktionistischen Richtung wie „Chalcedon“ und „Contra Mundum“. Er lehrt u.a. an einer bibeltreuen (?) evangelikalen Hochschule (FTA Giessen). Das alles hinderte ihn aber nicht, gleichzeitig als Mitinitiant und Mitautor des ersten „Joint Venture“ zwischen der WEA, dem Weltkirchenrat und dem Vatikan zu fungieren. Folgerichtig schreibt er neuerdings auch für „Current Dialogue“, die offizielle Zeitschrift des ökumenischen Weltkirchenrats.
  • Brian Stiller war Präsident der Kanadischen Evangelischen Allianz, von „Youth for Christ“, und des „Tyndale Seminary“ (das grösste theologische Seminar Kanadas); und reist seit 2011 als „Globaler Botschafter“ der WEA um die Welt.
  • James und Betty Robison. James Robison ist ein bekannter „Televangelist“, der mit seinen Programmen Millionen von Zuschauern erreicht und schon mit Billy Graham verglichen wurde.
  • Der bereits erwähnte Kenneth Copeland ist Leiter von „Wort des Glaubens“, einer Bewegung, die das sogenannte Wohlstandsevangelium verkündet.
  • Zu guter Letzt: John und Carol Arnott, Gründer und Leiter der umstrittenen „Toronto Airport Church“.

Es scheint also, dass jetzt plötzlich alle in der evangelikalen Welt vertretenen Strömungen nach Rom wollen: von konservativen Calvinisten über Mainstream-Evangelikale und -Pfingstler bis hin zu den Extremcharismatikern.

Die in diesen Kreisen nun oft gehörte Aussage „Wir verkünden jetzt dasselbe Evangelium“ wird offenbar von vielen Evangelikalen dahingehend verstanden, als ob Rom nun auf ihren Kurs eingeschwenkt sei. Auch manche Katholiken fassen das anscheinend so auf, wie ich aus besorgten Kommentaren auf katholischen Internetseiten schliesse.

Wer so urteilt, hat das Wesen des Katholizismus nicht ganz verstanden. Dieser fusst nämlich entscheidend auf der Lehre von der Unfehlbarkeit der Kirche. Aufgrund dieser Lehre gelten päpstliche und Konzilsdekrete als unfehlbar, gleichrangig mit der Bibel oder sogar dieser übergeordnet – also als von Gott selbst inspirierte bzw. autorisierte Wahrheiten. Dazu gehören u.a. die Verurteilungen der reformatorischen Lehren, und die Dekrete zur Ausrottung der Häretiker. Selbst wenn die obersten Kirchenführer eine dieser Lehren als falsch erkannt hätten, so könnten sie sie dennoch nicht zurücknehmen, aus dem eben erwähnten Grund.
(Es ist also immer noch offizielle Lehre der katholischen Kirche, dass sogenannte „Häretiker“ getötet werden sollen. Wenn diese Lehre gegenwärtig nicht praktiziert wird, so liegt das nicht an einem grundsätzlichen Gesinnungswandel der Kirche, sondern lediglich daran, dass sie nicht mehr die nötige politische Macht hat dazu.)
Genau an diesem Punkt entzündete sich auch der Streit zwischen Luther und dem Papst. Das Problem war nicht Luthers Polemik gegen den Ablasshandel; das wurde in Rom als „harmloses Mönchsgezänk“ abgetan. Auslöser des Konflikts war vielmehr Luthers Aussage: „Auch Konzilien können irren.“ (Konkret ging es dabei um die Verurteilung und anschliessende Verbrennung von Jan Hus.) Damit stellte er die Grundlage der römischen Kirche in Frage. Würde diese Kirche auch nur ein einziges Dekret eines Konzils oder Papstes widerrufen, so würde sie damit ihre ureigenste Identität preisgeben und Luther recht geben. Es gibt aber keine Anzeichen dafür, dass das demnächst geschehen sollte.

Sollte es also wahr sein, dass Katholiken und Evangelikale jetzt „dasselbe Evangelium verkünden“, dann können es nur die Evangelikalen gewesen sein, die ihr Evangelium abänderten, aber nicht die Katholiken.

Dennoch – für diese evangelischen Leiter, die den Papst schon beinahe einen der ihren wähnen, dürfte es eine grosse Überraschung sein, dass er auch ganz anders sprechen kann. Paolo Ricca hat letztes Jahr in einem Artikel auf riforma.it bekanntgemacht, was der Papst wirklich von der Reformation hält. Leider war der Originalartikel schon nicht mehr abrufbar, als ich davon erfuhr; aber auf einem spanischsprachigen Blog wurde der Inhalt wie folgt zusammengefasst:

„Herzlich und voller Lob. Immer bemüht, das Gemeinsame zu unterstreichen und die Unterschiede beiseite zu lassen. Das war bis jetzt das populäre Bild des Papstes Franziskus in seinen Beziehungen zu den Nichtkatholiken.

Viele sind beeindruckt von seinem gefälligen Stil, mit dem er oft andere zu beeinflussen versucht. Das mag bisher die Norm gewesen sein, aber nun gibt es eine sehr bedeutsame Ausnahme. Die kürzliche Neuherausgabe (in Buchform) einer Konferenz über die Geschichte der Jesuiten, die der (damalige) Erzbischof Bergoglio 1985 in Argentinien hielt, bezeugt die harte Kritik, die er an der protestantischen Reformation übt, und insbesondere an Johannes Calvin. Diese Konferenz wurde 2013 in Spanien von neuem veröffentlicht, und wurde dann auch auf Italienisch übersetzt (Chi sono i gesuiti [Wer sind die Jesuiten?], Bologna: EMI, 2014). Da nichts darauf hinweist, dass er seine Gesinnung geändert hätte, müssen wir den Inhalt dieses Buches als eine exakte Wiedergabe dessen ansehen, was Franziskus noch heute über die protestantische Reformation denkt.

Der Protestantismus als die Wurzel allen Übels

(…) Wie er sagt, bestehen die unausweichlichen Folgen der Reformation entweder in der Vernichtung des Menschen in seiner Bedrängnis (was zum existenziellen Atheismus führt), oder in einem Sprung ins Dunkel als eine Art „Übermensch“ (wie es Nietzsche voraussah). Beide Ergebnisse führen zum „Tod Gottes“ und zu einer Art „Heidentum“, das sich u.a. im Nationalsozialismus und im Marxismus äussert. All das soll aus dem „Standpunkt Luthers“ hervorgegangen sein! Bergoglio argumentiert, die Reformation sei die Wurzel aller Tragödien des modernen Abendlandes, von der Säkularisierung bis zum Tod Gottes, von den totalitären Regimes bis zu den ideologischen Selbstmorden.

(…) Bergoglio hat diese Ansicht nicht erfunden. Aber er bestärkt sie neu, als ob es seit dem Konzil von Trient nie eine gründlichere historische Forschung oder kulturelle und theologische Analysen gegeben hätte. Was sollen wir dann mit seinen freundlichen Tönen den Protestanten gegenüber anfangen, wenn er in Wirklichkeit glaubt, der „lutherische Standpunkt“ sei schuld an allen Übeln der westlichen Zivilisation?

Johannes Calvin, der geistliche Scharfrichter

(…) Calvin sei noch schlimmer, weil er den Menschen, die Gesellschaft und die Kirche zerrissen hätte: Inbezug auf den Menschen trennte Bergoglios Calvin die Vernunft vom Herzen und brachte so das „calvinistische Elend“ hervor. Inbezug auf die Gesellschaft hetzte er das Bürgertum gegen die anderen arbeitenden Klassen und wurde so zum „Vater des Liberalismus“. Aber die schlimmste Spaltung geschah in der Kirche. Dort „enthauptete Calvin das Volk Gottes von seiner Einheit mit dem Vater“. Er liess das Volk Gottes ohne seine Heiligen zurück. Und er enthauptete die Messe, d.h. die Vermittlung des „realpräsenten“ Christus. Kurz, Calvin war ein Scharfrichter, der den Menschen zerstörte, die Gesellschaft vergiftete, und die Kirche ruinierte!

Zu sagen, dass Bergoglio Calvin nicht mag, wäre eine Untertreibung. Er empfindet heftigste Gefühle gegen ihn. Aber versteht er Calvin wirklich, über die antiquierten und völlig einseitigen Klischees hinaus? Im Jahre 2017 wird das 500-jährige Jubiläum der protestantischen Reformation sein, und da hätte Franziskus eine Gelegenheit, über die neusten Geschichtsbücher zu gehen und ein gerechteres und genaueres Bild darüber zu gewinnen, was seit dem 16.Jahrhundert geschah. Solange er seine Bewertung der Reformation nicht revidiert, bleiben seine ganzen „ökumenischen“ Reden eine oberflächliche Maske, die einen wahren Hass auf Luther und (insbesondere) auf Calvin verbirgt.“

Im deutschsprachigen Raum scheint kaum jemand diesen Artikel zur Kenntnis genommen zu haben. Ich fand lediglich einen Kommentar auf einem katholischen Blog, dessen Verfasser u.a. sagt: „Dass so klare Aussagen den Calvinisten der heutigen Zeit nicht gefallen, kann man nachvollziehen, die sich im Rahmen der 500-Jahrfeier der Reformation schon auf von katholischen Standpunkten ungestörte Feierlichkeiten  freuten und für die Protagonisten der Kirchenspaltung vom Hl. Stuhl irgendwelche Ehrentitel einforderten, wenn schon nicht Kirchenlehrer so doch etwas Ähnliches…“

Ich muss ihm recht geben. Zu erwarten, dass der Papst Luther und Calvin offizielle kirchliche Anerkennung verleihen würde, ist ein leerer Wahn. Eine „vollständige und sichtbare Einheit mit der katholischen Kirche“, wie sie jetzt von den Lutheranern angestrebt wird (und, wie wir sahen, auch von manchen Evangelikalen), kann von katholischer Seite aus nicht stattfinden ohne eine ebenso „vollständige und sichtbare“ Unterwerfung der Evangelischen unter Rom. Das hat der Papst bei den jüngsten Gesprächen zwar nicht offen gesagt; es ist aber katholischerseits schon mehrmals klargestellt worden.

Dem Papst kann in dieser Hinsicht von seiner eigenen Warte aus kein Vorwurf gemacht werden. Er handelt konsequent und in Übereinstimmung mit seiner eigenen Lehre; nur heuchlerisch, aber Heuchelei ist meines Wissens in der katholischen Theologie nicht verboten. Wenn er evangelikale Leiter mit offenen Armen im Vatikan empfängt, beruht das offenbar auf der alten Weisheit, dass man mit Honig mehr Fliegen fängt als mit Essig. Im übrigen hat er meines Wissens sowohl zur Einladung der EKD als auch zum Entwurf Palmers für ein gemeinsames Glaubensbekenntnis noch gar nicht Stellung genommen.

Wer jedoch inkonsequent und verräterisch handelt, sind die Leiter der Lutheraner und Evangelikalen. Entweder haben sie ihre Wallfahrt nach Rom angetreten, ohne sich je mit den Grundlagen katholischer Kirchenlehre zu befassen – was ich mir aber z.B. bei einem Theologen vom Kaliber Schirrmachers kaum vorstellen kann. Oder aber sie führen die Weltöffentlichkeit bewusst in die Irre.

Nehmen wir es also zur Kenntnis: Der Papst ist – oh Wunder – immer noch katholisch.

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Familie Wunderlich erneut vor Gericht

15. April 2015

Die Familie Wunderlich, deren Kinder im Jahre 2013 in einer gewaltsamen und widerrechtlichen Polizeiaktion von zuhause entführt wurden, wird sich wiederum vor Gericht verantworten müssen, weil sie ihre Kinder weiterhin in der idealen und von Gott bestimmten Umgebung aufziehen, nämlich in der Familie, statt sie den verrohenden und antichristlichen Einflüssen der Schule auszusetzen.

Wunderlichs schreiben:

„Der Termin zur Hauptverhandlung vor dem Strafrichter ist bestimmt auf den Dienstag, 28. April 2015 (9:45 Uhr), im Saal 5 des Amtsgerichts Darmstadt, Mathildenplatz 15 (200m vom Luisenplatz, Darmstadts Mitte, entfernt).
(…)
Strafprozesse sind in der Regel öffentlich, d. h. jeder Interessierte kann als Zuschauer an der Verhandlung teilnehmen. Eine rege Teilnahme von Prozeßbeobachtern kann sich jedenfalls nur förderlich auswirken, weshalb wir uns über eine solche grundsätzlich freuen würden. All diejenigen, die nicht an dem Prozeß teilnehmen können, haben außerdem die Möglichkeit der Fürbitte und des Gebets, über dessen reichlichen Gebrauch wir uns ebenfalls freuen.“

Was wird ihnen vorgeworfen? – „Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht“. Eine Familie, die bewiesen hat, dass sie für die Erziehung ihrer Kinder ein weit grösseres Mass an Zeit und Aufwand opfert als die meisten anderen Familien; eine Familie, die bereit ist, Verfolgung und Gefängnis auf sich zu nehmen (wie in anderen Homeschooling-Fällen schon geschehen) um des Rechtes willen, ihre eigenen Kinder zu erziehen – gerade diese Familie wird der „Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht“ angeklagt. Absurder geht es wirklich nicht mehr.

Ich muss annehmen, dass die Bürokraten, die hinter einer solchen Anklage stehen, allesamt Nachkömmlinge der 68er-Bewegung sind – also der Geistesrichtung, die dafür verantwortlich ist, dass die Mehrheit der gegenwärtigen Generation unerzogen aufwächst und sich entsprechend unerzogen benimmt. Infolgedessen wissen diese Bürokraten offenbar gar nicht mehr, was „Erziehung“ überhaupt ist, und missbrauchen jetzt dieses Wort sogar, um den letzten Rest von echter Erziehung auszurotten, der auf deutschem Boden noch übriggeblieben ist.

Was für eine Zukunft einer Gesellschaft blüht, die so handelt, kann u.a. hier nachgelesen werden.

Was ist Erweckung? (Teil 3)

6. April 2015

Ergebnisse einer Erweckung

Fassen wir zusammen, was das Wesen einer Erweckung ist (siehe Teil 1 und 2):

  • „Verzweifelte“ und intensive Fürbitte.

  • Eine tiefe Umkehr der Christen.

  • Die Gemeinde wird wieder zu dem, was sie nach der Lehre der Apostel sein sollte.

Die historischen Erweckungen, wo diese Dinge geschahen, brachten fast immer die folgenden Ergebnisse:

  • Grosse und bewegende Versammlungen, wo die Gegenwart Gottes spürbar wird.
    Nichts ist vergleichbar mit der Macht Gottes, die sich manifestiert, wo eine Menge von Christen zusammenkommen, die wirklich reine Herzen haben; die ihr Leben gereinigt haben, und die jetzt einander ohne Falschheit und ohne Misstrauen in die Augen sehen können, wirklich „mit Freude und Einfachheit des Herzens“ (Apg.2,46). „Selig sind, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott sehen“ (Matth.5,8) Wenn sich die ersten Christen auf diese Weise versammelten, kam die Furcht Gottes über alle, und die Ungläubigen wagten es nicht, sich mit ihnen zusammenzutun (Apg.5,13).

  • Grosse Mengen von Menschen werden errettet.
    Diese Gegenwart Gottes ist es, die die Sünder von ihrer Sünde überführt (Joh.16,8-9), und „das Verborgene seines Herzens wird offenbar; und so wird er auf sein Gesicht niederfallen und Gott anbeten und erklären, dass wahrhaftig Gott in eurer Mitte ist“ (1.Kor.14,25). Das wurde in der Urgemeinde als normal angesehen! Wie weit haben wir uns vom Herrn entfernt, dass wir diese Dinge nicht mehr geschehen sehen in unseren heutigen Gemeinden!
    – Wenn die grossen Erweckungsprediger wie John Wesley oder Charles Finney predigten, fielen die Menschen manchmal auf ihr Gesicht nieder, von ihren Sünden überführt, und konnten nicht wieder aufstehen, bis sie alles bekannt hatten und von Herzen umgekehrt waren. Dasselbe geschah während der Erweckung in Timor (Indonesien) um 1970, wenn Ungläubige „zufällig“ in eine Versammlung einer Gemeinde kamen, die von der Erweckung erneuert worden war.
    (Das ist etwas ganz anderes als das sogenannte „Umfallen im Geist“, das in einigen heutigen Gemeinden geschieht, aber ohne Überführung von der Sünde. Ohne Überführung von der Sünde gibt es keine echte Erweckung.)

  • Die ganze Gesellschaft verändert sich.
    Grosse Erweckungen hatten immer Auswirkungen auf die Gesamtgesellschaft. Die in der Reformation wiederentdeckten biblischen Prinzipien waren die hauptsächliche Antriebskraft, um das damalige Europa aus der Unterentwicklung und der Armut herauszubringen. Die methodistische Erweckung mit John Wesley brachte in England eine Bewegung zugunsten mehr sozialer Gerechtigkeit während der Industrialisation hervor, und zur Abschaffung der Sklaverei. Während der Erweckung in Wales (1904/05) hatten die Polizisten und Richter in vielen Ortschaften keine Arbeit mehr, weil es keine Kriminalität und keine Gewalt mehr gab.

Ein Problem ist, dass viele Christen diese Ergebnisse sehen möchten und denken, dies „sei“ Erweckung; aber sie sind nicht bereit, den Preis dafür zu zahlen. Somit versuchen sie, es „selber zu machen“, auf menschliche Weise. Deshalb haben wir heute so viele Imitationen von „Erweckung“, dass fast niemand mehr weiss, was eine Erweckung wirklich ist.

Diese Geschwister möchten grosse und bewegende Versammlungen haben, und so sagen sie: „Wir brauchen eine mitreissende Musikgruppe – oder professionelles Theater und Choreographie – oder aufsehenerregende Manifestationen des Heiligen Geistes – , und animieren die Leute dazu, fröhlich zu sein, dann haben wir Erweckung.“ – Das ist wie Früchte ernten zu wollen, ohne einen Baum zu pflanzen.

Sie wollen sehen, wie grosse Menschenmengen sich bekehren, und so sagen sie: „Organisieren wir eine Evangelisationskampagne und laden wir einen berühmten Prediger ein, bringen wir alle unsere Freunde mit, und der Prediger wird sie davon überzeugen, dass sie sich bekehren sollen; dann haben wir Erweckung.“ – Das ist Manipulation und bringt hauptsächlich falsche Bekehrungen hervor. Auch das ist wie Früchte ernten zu wollen, ohne den Baum zu pflanzen.

Sie wollen eine veränderte Gesellschaft sehen, und so sagen sie: „Organisieren wir Sozialhilfeprogramme, und machen wir Aktionen für soziale Gerechtigkeit, und stellen wir einige von unseren Mitgliedern als Kandidaten auf für die Stadt- und Landesregierung; dann haben wir Erweckung.“ – Auch das ist Früchte ernten zu wollen, ohne den Baum zu pflanzen.

Alles dies bringt Imitationen und Fälschungen hervor, die am Ende schlechte Frucht bringen: Mengen von falschen Brüdern in den Gemeinden, die sich während einer Gefühlsaufwallung „bekehrten“ und dieselben alten Sünder geblieben sind. Jugendliche, die die Gemeinden verlassen, weil sie sehen, dass die „Christen“ nicht echt sind und nicht leben, was sie predigen; deshalb ziehen sie die Welt mit ihrer Sünde vor, weil die Weltmenschen wenigstens authentische Sünder sind. Ein schlechtes Zeugnis der Gemeinde vor der Welt, Skandale der Unmoral und Korruption unter christlichen Leitern, und „der Name Gottes wird unter den Heiden gelästert euretwegen“ (Römer 2,24).

Wenn wir eine echte Erweckung sehen wollen, müssen wir den Weg gehen, den Gott vorgezeichnet hat, und den Preis zahlen, den es kostet.

  • „Verzweifelte“ und intensive Fürbitte.

  • Eine tiefe Umkehr der Christen.

  • Die Gemeinde wird wieder zu dem, was sie nach der Lehre der Apostel sein sollte.

Nur so werden wir auch die echten Früchte einer Erweckung sehen.

Aber noch eine Warnung: Die Pioniere der vergangenen Erweckungen wurden fast alle verfolgt von den Leitern ihrer eigenen Kirchen. Jesus und die Apostel wurden verfolgt von den Leitern der Synagogen. Die Reformatoren wurden von den Leitern der katholischen Kirche verfolgt. Die Täufer wurden von den Reformatoren verfolgt. Wesley wurde von der anglikanischen Kirche verfolgt. Usw. usw…

Jeder Christ wird sich irgenwann in seinem Leben entscheiden müssen: Werde ich den menschlichen Traditionen meiner Gemeinde folgen, ein ruhiges Leben führen und angesehen sein? Oder werde ich radikal dem Herrn dienen und ihm mehr gehorchen als den Menschen, selbst wenn ich dafür von meinen eigenen Leitern verfolgt und ausgestossen werde? (Siehe Markus 13,9, Johannes 16,2).


Persönliche Erweckung

Das muss mit jedem einzelnen von uns anfangen, mit dir und mit mir. Bevor wir eine „grosse“ Erweckung sehen können, müssen wir eine persönliche Erweckung erleben, in unserem eigenen Leben.

Gib dich mit keiner Imitation zufrieden. Suche die echte Erweckung und das echte geistliche Leben.

Die Erweckung auf den Hebriden begann mit einem jungen Mann, der in einer Fürbitteversammlung aufstand und aus dem Psalm 24 vorlas: „Wer kann zum Berg des Herrn hinaufsteigen? Wer kann in seinem Heiligtum stehen? – Wer unschuldige Hände und ein reines Herz hat; wer sein Herz nicht zu nichtigen Dingen erhoben hat und nicht falsch schwört…“ – Dann schloss dieser junge Mann seine Bibel, sah den Pfarrer und die anderen Leiter der Gemeinde an, und sagte: „Es scheint mir nichts als Humbug zu sein, so zu beten wie wir beten, und so zu warten wie wir warten, wenn wir selber nicht in einer richtigen Beziehung zu Gott sind.“ Dann hob er seine beiden Hände in die Höhe und betete: „Gott, sind meine Hände unschuldig? Ist mein Herz rein?“ Daraufhin fiel er auf die Kniee und konnte nichts mehr sagen.

Ein guter Anfang könnte sein, Gott zu bitten: „Herr, sende Erweckung, und fange mit mir an.“ Und dann frage den Herrn: „Sind meine Hände unschuldig? Ist mein Herz rein?“ – Wenn du genügend „verzweifelt“ bist für die Notwendigkeit einer Erweckung, wirst du Antwort erhalten.

Kirche im Sturzflug

1. April 2015

Das tragische „Germanwings“-Unglück hat auch hier im fernen Perú Schlagzeilen gemacht. So ist es vielleicht nicht verwunderlich, dass ich diese Woche eines Morgens erwachte mit dem Bild eines Piloten vor Augen, der verzweifelt an die verschlossene Cockpit-Tür klopft. Nur war in meinem Bild der Pilot Jesus, und das Flugzeug war die „offizielle“ christliche Kirche.

Nun ist Jesus natürlich nicht verzweifelt, denn er hat ja schon immer gewusst (und vorausgesagt!), dass so etwas passieren würde, und er hat weiterhin alles unter Kontrolle. Und Jesus flucht auch nicht wie jener Pilot. Aber im übrigen gibt es frappierende Parallelen.

Seit Jesus nicht mehr auf der Erde ist, hat er das „Steuer“ seiner Gemeinde unzulänglichen Menschen überlassen. Das heisst aber nicht, dass er als „Pilot“ abgedankt hätte! Nicht wie es hier auf gewissen frommen Autoaufklebern heisst: „Jesus ist mein Copilot.“ Nein, wirklich von Jesus beauftrage Leiter bleiben sich ständig bewusst, dass Jesus nicht nur der Copilot ist, sondern der wahre Pilot, und dass sie ständig und vollständig von ihm abhängig bleiben müssen, um auf dem rechten Kurs zu bleiben.

Aber im Lauf der Geschichte und bis heute haben sich unzählige kirchliche Leiter selber das Amt des „Piloten“ angemasst. Auch wenn sie sich offiziell „Stellvertreter Christi“ oder „Diener Gottes“ nennen, so haben sie doch durch ihre Taten und Entscheidungen gezeigt, dass sie sich selber am Ruder wähnen. Und so kam der Moment, wo sie begannen, die ihnen anvertrauten Organisationen in den geistlichen Sturzflug zu lenken – ob absichtlich oder in geistiger Umnachtung, bleibe dahingestellt.

Für die Evangelischen und Evangelikalen geht dieser Sturzflug offenbar – aus ihren Aktivitäten und Verlautbarungen der letzten Jahre zu schliessen – in Richtung Rom. Und zugleich – da das Wort Gottes zunehmend verharmlost, bezweifelt, oder überhaupt beiseitegeschoben wird – in Richtung einer erschreckenden moralischen Verderbtheit, die höchstens noch mit der römischen Hierarchie des Spätmittelalters vergleichbar ist. Hier in Perú zumindest – ich weiss nicht, wie es diesbezüglich in Europa steht – werden manche Gemeinden und Gemeindeverbände von Personen geleitet, die, wenn alles mit rechten Dingen zuginge, im Gefängnis sitzen müssten.

Hat nicht Jesus solche Dinge schon vorausgesagt? „Hütet euch vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie räuberische Wölfe!“ (Matthäus 7,15). – Oder im Gleichnis von den guten und bösen Knechten:

„Wer ist also der treue und kluge Knecht, den sein Herr dazu über sein Gesinde gesetzt hat, ihnen die Speise zur rechten Zeit zu geben? Wohl jenem Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, bei solchem Tun finden wird! …“ (Ein guter, gottesfürchtiger Leiter ist ein solcher vom Herrn eingesetzter „Knecht“ oder „Copilot“.) „Wenn aber jener böse Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr bleibt noch aus, und anfängt, seine Mitknechte zu schlagen, und mit den Trunkenen isst und trinkt …“ (das böse Ende ist in Matthäus 24,45-51 nachzulesen.)

Jesus hat sogar vorausgesagt, dass diese „bösen Knechte“ der offiziellen Kirchen die echten Nachfolger Jesu verfolgen werden: „Sie werden euch aus der Synagoge ausschliessen; ja, die Stunde kommt, wo jeder, der euch tötet, meinen wird, Gott eine Opfergabe darzubringen.“ (Johannes 16,2)

Ja, in solchen Zeiten steht Jesus draussen vor der Tür und klopft an (Offenbarung 3,20), weil die „bösen Knechte“ ihn aus der Kirche ausgesperrt haben, wie jener Copilot den Piloten. Glauben Sie nur nicht, dass ein solcher Copilot den Piloten wieder hereinlassen wird! Er wird zwar viele schöne Worte machen; aber wenn er sich einmal vorgenommen hat, das Flugzeug auf Sturzflug zu schicken, dann wird er dieses Vorhaben verbohrt bis zum katastrophalen Ende führen.

Tatsächlich können aussergewöhnliche und rätselhafte Unglücksfälle wie dieser Flugzeugabsturz ein Anklopfen Gottes sein an die Tür einer Kirche oder Gesellschaft, die für andere Arten seines Redens bereits taub geworden ist. „Oder jene achtzehn, die der Turm von Siloah bei seinem Einsturz tötete, meint ihr, sie seien schuldiger gewesen als alle Menschen, die in Jerusalem wohnen? Nein, sage ich euch, sondern wenn ihr nicht umkehrt, werdet ihr alle auf dieselbe Weise umkommen.“ (Matthäus 13,4-5)

Die gute Nachricht ist, dass es (gegenwärtig noch) möglich ist, aus dem „Flugzeug Kirche“ auszusteigen. Wenn „böse Knechte“ an der Tür stehen, die verhindern wollen, dass Jesus hereinkommt und die Führung übernimmt, so können sie doch nicht verhindern, dass Sie und ich zu Jesus hinausgehen und uns aus eigenem Entschluss seiner Führung unterstellen. Aber es wird eine Zeit kommen, wo auch dieses Flugzeug abhebt zu seinem letzten Flug, der in den Untergang führt. Dann werden seine Passagiere nicht mehr aussteigen können. Nicht weil es nicht mehr möglich wäre; aber weil sie dann zu verblendet sein werden, um das überhaupt noch zu wünschen. Denn „Gott sendet ihnen eine wirksame Kraft der Verführung, damit sie der Lüge glauben, damit alle gerichtet werden, die der Wahrheit nicht geglaubt, sondern Wohlgefallen an der Ungerechtigkeit gehabt haben.“ (2.Thessalonicher 2,11-12)

In welchem Flugzeug sitzen Sie?