„Das Ende der westlichen Zivilisation“

Vor kurzem las ich einen Artikel von Andrew Strom mit dem obigen Titel. Er schreibt darin u.a:

„Schon seit einiger Zeit bin ich überzeugt, dass wir in diesem Jahrhundert den Zusammenbruch unserer Zivilisation sehen werden – ob nun Jesus in dieser Zeit wiederkommt oder nicht. Es hat Jahrhunderte gedauert, diese Zivilisation aufzubauen. Aber ich glaube, bevor dieses Jahrhundert zu Ende geht, wird diese Zivilisation sich in einem Zustand der Zerstörung und des Zusammenbruchs befinden, wie es sich kaum jemand vorstellen kann.“

Dann zitiert er aus einer Leserzuschrift:

„Jemand, den ich kenne, hatte einen Traum: Eine riesige Hand hob die ganze westliche Hemisphäre auf, als wäre sie eine papierene Landkarte, knüllte sie zusammen zu einem Ball und warf sie fort.
(…) Der Unterschied zwischen unseren Ländern, die sündigen, und den heidnischen Ländern, die sündigen, ist dieser: Unsere Länder haben sich zu Christus bekannt und sind rund um die Welt als christliche Länder bekannt; aber wir lästern und schänden seinen Namen vor der ganzen Welt. Zu seiner eigenen Ehre muss Gottes Langmut ein Ende haben, wenn seine Warnungen nicht zur Umkehr führen. Das Gericht beginnt bei seinem Haus … und dann bei der Welt!“

Ich glaube, zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind keine Träume oder prophetischen Eingebungen mehr nötig, um dies sehen zu können. Man braucht sich nur den (un-)geistlichen Zustand der Gesellschaft anzusehen (inbegriffen der Kirchen), dann in der Bibel zu lesen, wie Gott in solchen Zeiten zu handeln pflegte, und dies mit den aktuellen Nachrichten zu vergleichen.

Zur Zeit erlebt ja Europa eine noch nie dagewesene Flüchtlingskrise. (Strom bezog sich übrigens nicht darauf, sondern hauptsächlich auf die aktuelle Entwicklung in den USA.) Als „ferner Beobachter“ frage ich mich, was der geistliche Hintergrund dieser Geschichte ist. Ist dies eine grossartige Gelegenheit, christliche Nächstenliebe und Evangelisation zu pflegen, da nun mitten in Europa grosse Mengen von Menschen leben, in deren Herkunftsländern christliche Mission schwierig bis unmöglich ist? – Ja, es wäre eine solche Gelegenheit, wenn Europa noch eine ausreichende christliche Grundlage hätte. – Oder ist dies ein Gericht Gottes über die Nationen, die in der Vergangenheit ihn ehrten, nun aber von ihm abgefallen sind? Diese Alternative ist unangenehm, aber wohl realistischer. Hätten nicht viele Europäer (inbegriffen viele, die sich Christen nennen) aufgrund ihrer Einstellung und Lebensweise mehr Anlass, von den Moslems missioniert zu werden, als umgekehrt?

In den „Geiernotizen“ fand ich eine ausführliche, lesenswerte Analyse der Situation. Dazu habe ich nicht viel beizufügen – ich habe ja nicht so viel Zugang zu aktuellen Informationen darüber -, ausser folgendem: „Geier“ fragt sich unter anderem:

„Ich überlege jedenfalls schon seit Wochen, ob es irgendeine historische Parallele aus den letzten anderthalb Jahrtausenden dafür gibt, daß ein Land gänzlich ohne Waffengewalt erobert wurde – und auch völlig ohne Gegenwehr – einfach nur überrannt von einem fremden, unbewaffneten Heer.“

Nun, es gibt eine Parallele, nur ist sie gerade etwas länger als anderthalb Jahrtausende her, und die Waffengewalt kam später schon noch zum Zuge. (Ich würde annehmen, auch gegenwärtig wäre ein „unbewaffnetes Heer“ für sich allein noch nicht genügend, um Europa zu erobern.) Ich habe z.Z. kein Buch über europäische Geschichte zur Hand und kann nur aus einem alten Schulheft zitieren, aber das ist in diesem Fall ausreichend:

„Als 375 die Hunnen einfielen und die Ostgoten unterwarfen, wichen die Westgoten ins Römische Reich aus. Dort (im späteren Ostrom) wurden sie von den Römern als Flüchtlinge aufgenommen. Aber als die oströmische Regierung von den Goten Steuern erheben wollte, verschlechterte sich das Verhältnis, und die Westgoten siegten in einer Schlacht.
Um 400 zogen sie über das Meer nach Westen und kamen 401 unter König Alarich in Norditalien an. Dies führte zum Abzug römischer Truppen aus Helvetien, und das militärische Zentrum Vindonissa wurde aufgelöst. 410 wurde Rom von den Westgoten geplündert. Das war ein unerhörtes Ereignis, denn die letzten feindlichen Truppen, die in Rom eingedrungen waren, waren die Kelten (Gallier) um 386 v.Chr. gewesen.“

Tatsächlich scheint mir die gegenwärtige Situation vergleichbar mit der Zeit der Völkerwanderung, die der äussere Anlass zum Untergang Roms war. Francis Schaeffer schrieb schon vor vierzig Jahren:

„Als ihr Reich sich zerrieb, gaben die dekadenten Römer sich einem Durst nach Gewalt und der Befriedigung ihrer Sinnlichkeit hin. Das lässt sich besonders an ihrer zügellosen Sexualität ablesen. In Pompeji zum Beispiel (…) stand der Phalluskult im Vordergrund. Statuen und Gemälde von übertriebener Sexualität schmückten die Häuser der Wohlhabenden.
(…) Als es mit der von verschärfter Inflation und einer aufwendigen Regierung belasteten Wirtschaft Roms immer mehr bergab ging, wurde die Herrschaft des Staates immer autoritärer, um der Apathie entgegenzuwirken. Da niemand mehr bereit war, freiwillig zu arbeiten, musste der Staat in dieser Hinsicht oft eingreifen, und Freiheiten gingen verloren.
(…) Der Untergang Roms ist nicht äusseren Kräften, wie zum Beispiel der Invasion der Barbaren, zuzuschreiben. Rom hatte keine ausreichende innere Grundlage; die Barbaren führten den Zusammenbruch lediglich zu seiner Vollendung.“
(Francis Schaeffer in „Wie können wir denn leben?“)

Schaeffer untersucht dann die ganze abendländische Geistesgeschichte bis zur (damaligen) Gegenwart, und schreibt nach dieser Abhandlung:

„Edward Gibbon erwähnte in seinem Buch Der Untergang des Römischen Weltreiches (1776-1788) die folgenden fünf Kennzeichen, die Rom am Ende aufwies: erstens eine zunehmende Vorliebe für Zurschaustellung und Luxus (Wohlstand); zweitens eine grösser werdende Kluft zwischen den sehr Reichen und den sehr Armen; (…) drittens eine exzentrische Sexualität; viertens eine groteske, wunderliche Kunst, die sich als originell ausgab (…); fünftens ein zunehmendes Verlangen, auf Kosten des Staates zu leben.
Dies kommt uns alles sehr bekannt vor. Wir haben seit unserem ersten Kapitel viel gesehen – nun sind wir wieder in Rom.“

Nur noch ein kleiner Nachtrag: Ich möchte nicht in dem Sinn verstanden werden, Europa könnte gerettet werden, wenn es die Flüchtlinge zurückschickte. In keiner Weise. Wenn Europa noch eine christliche Grundlage hätte, dann könnte es mit dieser Krise auf eine segensreiche Weise fertigwerden, die das Licht des Evangeliums auf den Leuchter stellte. Ich bin sicher, dass dies in einigen kleinen übriggebliebenen „Inseln“ echten christlichen Lebens auch geschehen wird. (Ich habe einen Bekannten, der schon jahrelang mit Flüchtlingen arbeitet, und er kann von beeindruckenden Zeugnissen berichten, wie sie in „normalen Gemeinden“ kaum noch vorkommen.) – Nun aber versucht Europa, aus rein „humanitärem Pflichtbewusstsein“ etwas zu tun, was es eigentlich nur auf der Grundlage des christlichen Glaubens tun könnte, und wird deshalb früher oder später unter der Last zusammenbrechen.
So wie die Barbaren nicht allzu viel mit dem Untergang Roms zu tun hatten (s.o.), so werden auch die Flüchtlinge und der Islam nicht der eigentliche Grund für den bevorstehenden Untergang des Abendlandes sein. Sie sind nur der äussere Anlass, der die innere geistlich-moralische Schwäche der westlichen Welt offenbar werden lässt.

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