Die neutestamentliche Gemeinde in Matthäus 18

Mit diesem Artikel beginne ich eine Serie von biblischen Betrachtungen über die neutestamentliche Gemeinde. Ich möchte aufzeigen, was das Wort Gottes sagt, und daraus einige Konsequenzen und Anwendungen für die aktuelle Situation ableiten. Viele Gruppen nennen sich „christliche Gemeinde“; aber wenige geben wirklich dem Wort Gottes die oberste Priorität. In einer neutestamentlichen Gemeinde gilt das Wort Gottes mehr als die Traditionen eines Gemeindeverbandes oder dessen Leiter.

Anstelle einer langen Diskussion darüber, woher das Wort „Gemeinde“ im Neuen Testament kommt und was es genau bedeutet (worüber es mindestens drei unterschiedliche Theorien gibt), oder ob man dieses Wort überhaupt noch verwenden oder nicht lieber anders übersetzen oder überhaupt einem anderen theologischen Konzept den Vorrang geben sollte, möchte ich lieber mitten hineinspringen und mit Matthäus 18,15-20 beginnen. Das ist eine der ganz wenigen Bibelstellen, wo der Herr Jesus selber das Wort „Gemeinde“ verwendet:

„Wenn dein Bruder gegen dich sündigt, geh und weise ihn unter vier Augen zurecht. Wenn er auf dich hört, hast du deinen Bruder gewonnen. Wenn er aber nicht hört, dann nimm mit dir noch einen oder zwei, damit ‚aus dem Mund zweier oder dreier Zeugen jede Sache bestätigt werde.‘ Und wenn er auf sie nicht hören will, dann sage es der Versammlung (Gemeinde); und wenn er auch auf die Versammlung (Gemeinde) nicht hören will, dann sei er dir wie ein Heide und ein Zöllner.
Mit Gewissheit sage ich euch: Was ihr auf der Erde bindet, wird im Himmel gebunden werden, und was ihr auf der Erde löst, wird im Himmel gelöst werden. Nochmals sage ich euch mit Gewissheit: Wenn zwei von euch auf der Erde übereinstimmen über alles, was sie bitten, dann wird es ihnen geschehen von meinem Vater, der im Himmel ist. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“

In diesem Abschnitt finden wir einige Kriterien über die neutestamentliche Gemeinde. Wir werden sie klarer sehen, wenn wir die wesentlichen Aussagen des Herrn in diesem Abschnitt aufzählen, und sie mit dem vergleichen, was der Herr nicht gesagt hat.

„Zwei oder drei“ genügen, um „Gemeinde“ zu bilden.

Das heisst, um „Gemeinde“ zu sein, ist es nicht nötig, sich als Institution zu konstituieren, noch eine formelle Leiterschaft zu haben, noch eine gewissen Mindestzahl an „Mitgliedern“ zu haben. Der Herr erwähnt nichts von alldem. Nichts von dem Genannten ist ein Kriterium dafür, ob eine bestimmte Gruppe von Menschen „Gemeinde“ im neutestamentlichen Sinn sei. „Zwei oder drei versammelt“ genügen.
Wenn es jedoch in einer Stadt ausser diesen „zwei oder drei“ noch weitere wahre Christen gibt, dann sollten wir fragen, wie es um die gegenseitigen Beziehungen zwischen diesen Christen bestellt ist. Um diese Frage werden wir uns, so Gott will, bei einer anderen Gelegenheit kümmern.

Sofern es im Namen des Herrn geschieht.

Dieser Punkt ist hinwiederum wesentlich. Damit eine Gruppe oder Versammlung neutestamentliche Gemeinde sein kann, muss ihre Versammlung im Namen des Herrn Jesus Christus geschehen. Das bedeutet insbesondere, dass eine Gruppe, die sich in ihrem eigenen Namen versammelt, nicht neutestamentliche Gemeinde ist. Unzählige Gruppen, Institutionen und Kirchen behaupten, „Gemeinde“ zu sein, aber sie versammeln sich im Namen ihrer eigenen Organisation. Vielleicht erklären sie in ihren Versammlungen, dass sie „im Namen Jesu Christi“ versammelt seien; aber in der Praxis zeigen sie, dass sie ihrer eigenen Organisation einen höheren Stellenwert einräumen: Sie arbeiten, lehren und evangelisieren, um mehr Mitglieder zu ihrer eigenen Organisation hinzuzugewinnen. Wenn jemand sie fragt: „Zu was für einer Gemeinde gehörst du?“, dann identifizieren sie sich mit dem Namen ihrer eigenen Organisation. Und im allgemeinen nehmen sie keine Korrektur an von einem Christen, der nicht zu ihrer eigenen Organisation gehört. Das kann sowohl in den mächtigsten Institutionen geschehen (z.B. in der römisch-katholischen Kirche), wie auch in den kleinsten unabhängigen Grüppchen. Wo diese Anzeichen zu beobachten sind, da ist ein wichtiges Kennzeichen der neutestamentlichen Gemeinde nicht erfüllt.

Es geht hier nicht um ein äusserliches „Namensschild“. Es gibt Gruppen, die sich „Gemeinde Jesu Christi“ nennen; aber wenn man sie näher kennenlernt, stellt man fest, dass sie mit diesem Namen ausschliesslich ihre eigene Organisation meinen. Es ist die innere Haltung, nicht das äussere Etikett, was darüber entscheidet, ob eine Gruppe sich wirklich im Namen Jesu versammelt.

Es ist bedeutungsvoll, dass praktisch alle echten geistlichen Erweckungen in der Geschichte ohne einen eigenen Namen und ohne konfessionelle oder institutionelle Ansprüche begannen. Es war lediglich ihre Umgebung – und hauptsächlich ihre Feinde -, welche den Erweckten Übernamen gaben wie „Täufer“, „Quäker“, „Methodisten“, „Pietisten“, „Pfingstler“, usw. Zu einem späteren Zeitpunkt begannen dann diese Gruppen von erweckten Christen diese Übernamen als ihre eigenen anzunehmen, und sich mit diesen Namen zu identifizieren. Und das signalisierte dann meistens auch schon das Ende der Erweckung und den Beginn eines schleichenden Abfalls vom Glauben, der sich darin manifestierte, dass sie nun sein wollten „wie alle anderen (Denomi-)Nationen“.

Ein wesentliches Hindernis zum Verständnis der neutestamentlichen Schriften besteht darin, dass fast zu jeder Zeit der grössere Teil der Christen geistlich in einer Gruppe aufgewachsen ist, die sich mit ihrem eigenen konfessionellen Erbe stärker identifiziert als mit der Heiligen Schrift. Dieses besondere konfessionelle Erbe wird dann ständig in die Schrift hineingelesen und verstellt die Sicht darauf, was wirklich geschrieben steht.
Aber „lebendig und wirksam ist das Wort Gottes, und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, und dringt durch bis zur Trennung von Seele und Geist, Gelenken und Mark; und hat Macht, Überlegungen und Gedanken des Herzens zu richten.“ (Hebräer 4,12). Dieses „lebendige und wirksame Wort“ (inbegriffen seine Beschreibungen der christlichen Gemeinde) kann von jedem erfahren werden, der dazu bereit ist, seine konfessionellen Traditionen beiseitezulegen, und der aufrichtig Gott sucht, um von ihm belehrt zu werden durch sein Wort und seinen Heiligen Geist.

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