Die neutestamentliche Gemeinde in Matthäus 23 (2.Teil)

„Aber ihr sollt euch nicht ‚Rabbi‘ nennen lassen; denn einer ist euer Meister, der Christus; und ihr alle seid Brüder. Und nennt niemanden auf Erden euren Vater, denn einer ist euer Vater, der in den Himmeln ist. Lasst euch auch nicht Meister(Lehrer) nennen, denn einer ist euer Meister, der Christus.“

Die neutestamentliche Gemeinde unterscheidet nicht zwischen „Geistlichen“ und „Laien“.

In der Ordnung des Alten Testaments war das Priestertum sehr wichtig. Ein Priester ist ein Mittler zwischen Gott un den Menschen: Er steht vor Gott, um die Opfer des Volkes darzubringen, und um für das Volk Fürbitte zu leisten. Und er steht vor dem Volk, um ihm die Worte Gottes zu überbringen.
Aber interessanterweise finden wir auch im Alten Testament, dass dies nicht die ursprüngliche Absicht Gottes war: „Wenn ihr nun auf meine Stimme hört, und meinen Bund hält, dann werdet ihr mein besonderes Eigentumsvolk unter allen Völkern sein; denn mir gehört die ganze Erde. Und ihr werdet für mich ein Königreich von Priestern sein, und ein heiliges Volk …“ (2.Mose 19,5-6) Nach der ursprünglichen Absicht Gottes sollten also alle Israeliten Priester sein. Sie alle sollten direkten Zugang zu Gott haben. Aber sie hielten es nicht aus, dass Gott direkt zu ihnen sprach: „Das ganze Volk beobachtete das Donnergetöse und die Blitze, und den Lärm der Trompete, und den Berg, der rauchte; und als das Volk es sah, zitterten sie, und stellten sich in weiter Entfernung auf. Und sie sagten zu Mose: Sprich du zu uns, und wir werden auf dich hören; aber Gott soll nicht mehr zu uns sprechen, damit wir nicht sterben.“ (2.Mose 20,18-19). So wurde die Figur des Mittlers eingeführt, auf Verlangen des Volkes. Und infolgedessen richtete Gott das israelitische Priestertum ein (2.Mose 28).

Aber im Neuen Testament kehrte Gott zu seiner ursprünglichen Absicht zurück. Der Hebräerbrief stellt klar heraus, dass das alttestamentliche Priestertum durch das vollkommene Opfer Jesu abgeschafft wurde:

„Wenn es also durch das levitische Priestertum Vollkommenheit gegeben hätte (…), wozu hätte dann noch ein anderer Priester nach der Ordnung Melchisedeks aufstehen müssen, und nicht nach der Ordnung Aarons? Denn wenn das Priestertum wechselt, wechselt notwendigerweise auch das Gesetz. Denn der, von dem dieses gesagt wird, war von einem anderen Stamm, von dem niemand am Altar gedient hatte. (…) Denn das frühere Gebot wurde ungültig gemacht wegen seiner Schwäche und Nutzlosigkeit – denn das Gesetz hat nichts vollkommen gemacht -, und es wurde eine bessere Hoffnung eingeführt, durch die wir uns Gott nähern. (…) Jesus wurde zum Bürge eines besseren Bundes gemacht. Und jene Priester waren viele, weil der Tod sie daran hinderte, zu bleiben; aber dieser bleibt für ewig und hat deshalb ein unwandelbares Priestertum. Deshalb kann er auch jene vollständig retten, die sich durch ihn Gott nähern, weil er ewig lebt, um für sie zu flehen. Denn ein solcher Hoherpriester gebührte uns: heilig, ohne Bosheit, ohne Verunreinigung, abgesondert von den Sündern, und höher erhoben als die Himmel, der es nicht nötig hat wie die Hohenpriester, täglich zuerst Opfer für seine eigenen Sünden darzubringen und dann für die des Volkes; denn er tat dies ein für allemal, indem er sich selber opferte.“ (Hebräer 7,11-13.18-19.22-27)

Ein wiederkehrendes Thema im Hebräerbrief ist der direkte Zugang zu Gott.

(Da wir Jesus als Hohepriester haben,) „lasst uns also mit Freimut zum Gnadenthron hinzutreten, damit wir Barmherzigkeit erhalten und Gnade finden zur rechtzeitigen Hilfe.“ (Hebräer 4,16)

„Da wir Freimut haben, ihr Brüder, ins Allerheiligste einzutreten durch das Blut Jesu, das er geweiht hat als einen neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang, das heisst sein Fleisch; und einen grossen Priester über das Heim Gottes, so lasst uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen in Fülle des Glaubens, das Herz besprengt [zur Reinigung] von einem bösen Gewissen, und den Körper gewaschen mit reinem Wasser.“ (Hebräer 10:19-22)

Die „Hebräer“, die noch unter der Ordnung des Alten Bundes aufgewachsen waren, müssen sich des grossen Vorrechts sehr wohl bewusst gewesen sein, das ihnen zuteil wurde, als Jesus das vollkommene Opfer darbrachte, das alle anderen Opfer unnötig machte. Sie waren von keinem irdischen Priester mehr abhängig, um sich Gott nähern zu dürfen! Das Opfer Jesu, und das Priestertum Jesu, waren ein für allemal genügend!

Deshalb sagt auch Paulus in 1.Timotheus 2,5:

„Denn Gott ist ein einziger, und ein einziger ist Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Christus Jesus …“

In der neutestamentlichen Gemeinde gibt es kein besonderes Priestertum mehr. Ein Christ braucht keine Vermittlung eines anderen Christen, um sich Gott nähern zu können. Das einzige Priestertum Jesu genügt vollkommen!

Es gibt einige neutestamentliche Stellen, wo die Christen „Priester“ genannt werden. Aber diese Stellen gebrauchen das Wort „Priester“ im Sinne der ursprünglichen Absicht Gottes: Alle Christen sind „Priester“ in dem Sinne, dass sie direkten Zugang zu Gott haben. In der Ordnung des Neuen Bundes gibt es keine Christen, die „priesterlicher“ wären als andere. Das heisst, es gibt keine „Geistlichen“ oder „Kleriker“, die eine Klasse von „besonderen“ Christen bilden würden, unterschieden von den „Laien“.

Was es gibt, sind die unterschiedlichen Funktionen der Christen. Aber so wie diese Vielfalt der Funktionen keine hierarchische Struktur begründet, so bergründet sie ebensowenig eine Unterscheidung zwischen „Geistlichen“ und „Laien“. Jedes Glied am „Leib Christi“ hat eine Funktion; und in den Schriftstellen, die darüber sprechen, finden wir keine Unterscheidung zwischen „geistlichen“ und „laizistischen“ Funktionen.

Advertisements

Schlagwörter: , , , ,


%d Bloggern gefällt das: