Archive for Januar 2017

Die neutestamentliche Gemeinde in Johannes 10 (4.Teil)

26. Januar 2017

Der Gute Hirte und die bösen Hirten im Alten Testament

Jesus sprach zu Juden, die das Alte Testament gut kannten. Als er begann, über den „Guten Hirten“ zu sprechen, mussten sie sich sofort an die alttestamentlichen Verheissungen eines „Guten Hirten“ erinnert haben, und besonders an das Kapitel 34 im Buch Ezechiel. Dieses Kapitel beginnt mit einer Zurechtweisung der bösen Hirten Israels:

„Wehe den Hirten Israels, die sich selber weiden! Sollen nicht die Hirten die Herde weiden? Ihr trinkt die Milch und kleidet euch mit der Wolle; die Fetten schlachtet ihr, aber ihr weidet die Schafe nicht. Ihr habt die Schwachen nicht gestärkt und die Kranken nicht gepflegt; ihr habt das Gebrochene nicht verbunden, die Versprengten nicht zurückgebracht und die Verlorenen nicht gesucht; sondern ihr habt sie geknechtet mit Härte und Gewalt …“ (Ezechiel 34,2-4)

Danach muss der Prophet das Gericht Gottes über die bösen Hirten verkünden:

„So hat Gott der Herr gesagt: Siehe, ich bin gegen die Hirten; und ich werde meine Schafe aus ihrer Hand zurückfordern, und ich werde sie nicht länger die Schafe weiden lassen; und auch die Hirten werden nicht länger sich selber weiden; denn ich werde meine Schafe aus ihrem Rachen reissen, und sie werden ihnen nicht länger zum Frass sein. Denn so hat Gott der Herr gesagt: Siehe, ich selber werde meine Schafe zurückfordern, und werde mich um sie kümmern.“ (Ezechiel 34,10-11)

Dann sagt Gott, dass er selber die Verantwortung eines Guten Hirten übernehmen wird:

„Auf guter Weide werde ich sie weiden, und auf den hohen Bergen Israels wird ihre Schafhürde sein: dort werden sie in einer guten Hürde ruhen, und auf fetten Weiden werden sie geweidet werden auf den Bergen Israels. (…) Ich werde die Verlorenen suchen und die Versprengten zurückbringen, und das Gebrochene verbinden und die Kranken pflegen (…)“ (Ezechiel 34,14-16)

Schliesslich verspricht Gott, dass er einen Guten Hirten über Israel setzen wird:

„Und ich werde über sie einen Hirten erwecken, und er wird sie weiden, meinen Diener David: er wird sie weiden, und er wird ihr Hirte sein. Ich, der Herr, werde ihr Gott sein, und mein Diener David Fürst mitten unter ihnen. Ich, der Herr, habe gesprochen.“ (Ezechiel 34,23-24)

Das ist eindeutig eine Prophetie auf Jesus hin, den „Sohn Davids“. Als Jesus sich selber als den Guten Hirten beschrieb, gab er zu verstehen, dass er gekommen war, um diese Prophetie Ezechiels zu erfüllen. Die Zeit war zu Ende gegangen, wo die religiösen Leiter nach Gutdünken regieren und das Volk knechten konnten. Jesus würde seine Schafe aus der Gewalt dieser Leiter befreien, und er selber würde sie weiden.

Vor diesem Hintergrund verstehen wir, dass nach dem Willen des Guten Hirten die christliche Gemeinde nie wieder unter die Gewalt anderer „Pastoren“ („Hirten“) oder Priester zurückkehren sollte. Wenn sie es trotzdem getan hat, so geschah das entgegen dem Willen des Guten Hirten. Aller Missbrauch, den Christen während all der Jahrhunderte erleiden mussten und noch erleiden müssen unter „Pastoren“, Priestern, und dem Papsttum, ist Konsequenz dieses Ungehorsams: Die Schafe Jesu hörten auf, Jesus den Herrn als ihren einzigen Guten Hirten anzuerkennen, und begaben sich wiederum unter die Herrschaft anderer Schafe (oder sogar von Wölfen in Schafskleidern). Aber das Wort Gottes bleibt weiterhin gültig: „Ich werde meine Schafe aus ihrem Rachen reissen!“

Die neutestamentliche Gemeinde in Johannes 10 (3.Teil)

11. Januar 2017

Der Gute Hirte gibt sein Leben für die Schafe.

Manchmal gehen wir sehr schnell über grundlegende Wahrheiten des christlichen Glaubens hinweg, weil sie uns so wohlbekannt sind: „Ja, natürlich, ich weiss, dass Jesus sein Leben gegeben hat für mich.“ Aber sehen wir uns einige der Konsequenzen an, die sich daraus ergeben.

Als Jesus sein Leben hingab, bezahlte er den Preis, um die Schafe als sein Eigentum zu erwerben. „Er gab sich selbst für uns, um uns von aller Gesetzlosigkeit loszukaufen, und um für sich selber ein besonderes Eigentumsvolk zu reinigen, ein Volk, das guten Werken nacheifert.“ (Titus 2,14). Ein echter Christ, der von Jesus losgekauft wurde, weiss, dass er ihm sein ganzes Leben schuldet. Somit wird er kein anderes Lebensziel haben, als dem Herrn zu gefallen. Er wird sein Leben nicht in einen „religiösen Bereich“ und einen „weltlichen Bereich“ aufteilen, sodass er im „religiösen Bereich“ für den Herrn leben würde und im „weltlichen Bereich“ nach seinem eigenen Gutdünken und nach den Massstäben dieser Welt. Nein, ein echter Christ weiss, dass auch sein Familienleben, seine Arbeit, sein Geld, seine Freizeit, seine Freundschaften … – dass all das Eigentum des Herrn ist, weil er es mit seinem eigenen Blut erkauft hat. Deshalb sucht ein Christ immer den Willen des Guten Hirten in allen Angelegenheiten seines Lebens.

Jesus macht einen Vergleich mit dem „Angestellten“ oder „Mietling“:
„Aber der Angestellte, der nicht der Hirte ist, und dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht; und der Wolf reisst die Schafe fort und zerstreut sie. Der Angestellte flieht also, weil er Angestellter ist und ihn die Schafe nicht kümmern.“ (Johannes 10,12-13)

Worin besteht der Unterschied zwischen dem Guten Hirten und dem Angestellten? – Einmal verrichtet der Angestellte seine Arbeit um Lohn, nicht aus Liebe zu den Schafen. Das ist tatsächlich ein Problem in einigen Kirchen: sie werden geleitet von Menschen „verdorbenen Sinnes, und die die Wahrheit nicht haben, die denken, die Gottesfurcht sei ein Mittel, um Geld zu gewinnen.“ (1.Timotheus 6,5)
– Aber auch wenn das nicht sein Beweggrund ist, und auch wenn der „Angestellte“ keinen Lohn erhielte, so bleibt doch ein grundlegender Unterschied: Die Schafe gehören ihm nicht. Kein Gemeindeleiter, „Pastor“, „Bischof“, „Apostel“, oder was auch immer seine Position oder sein Titel sei, keiner von ihnen hat sein Leben gegeben, um die Schafe loszukaufen. Deshalb kann keiner von ihnen ein Eigentumsrecht über die Schafe des Herrn beanspruchen. Somit können sie auch kein Recht beanspruchen, den Schafen zu befehlen, was sie tun sollen, über das hinaus, was der Herr selber geboten hat.

Aber wenn der Wolf die Schafe fortreisst, dann ist das nicht nur die Schuld des Angestellten. Die Schafe sind mitschuldig, weil sie sich von der falschen Person abhängig gemacht haben. Jesus sagte diese Worte in erster Linie als Warnung an die Schafe: Setzt euer Vertrauen nicht in einen Angestellten! Denkt nicht, dass er euch vor dem Wolf beschützen wird! Solange alles ruhig ist, kann der Angestellte den Anschein geben, er sei der Gute Hirte; er kann euch auf die Weide und wieder nach Hause führen; aber wenn es gefährlich wird, dann wird der Angestellte euch im Stich lassen. Setzt euer Vertrauen in den Guten Hirten, der euch zum Preis seines eigenen Lebens erkauft hat!

Und dennoch erwartet der Herr auch, dass ein Christ dazu bereit sei, für einen anderen Christen sein Leben zu geben: „Daran haben wir die Liebe erkannt, dass er sein Leben für uns gegeben hat; auch wir sollen unsere Leben geben für die Brüder.“ (1.Johannes 3,16). In extremen Not- oder Verfolgungssituationen mag das notwendig sein. Auch in weniger extremen Situationen mag es notwendig sein, dass ein Christ sein Geld, seine Zeit, seine Kraft einsetzt, um anderen zu helfen. Und besonders die „Leiter“ sind dazu berufen, zu dienen und dem Beispiel des Herrn zu folgen.
Aber solche Beispiele der Hingabe des eigenen Lebens (oder eines kleinen Teils des Lebens) für die Geschwister sind niemals vergleichbar mit dem, was Jesus für uns getan hat. Niemand von uns, auch wenn er sein eigenes Leben dafür gäbe, könnte jemanden für die Ewigkeit loskaufen. Wenn in einer Ausnahmesituation ein Christ in der Lage ist, sein Leben zu geben für einen anderen, dann kann er das nur tun, weil Jesus es zuerst tat. In solchen Situationen der äussersten Hingabe zeigt sich umso deutlicher, dass ein Christ Eigentum des Herrn ist mit allem, was er ist und hat, und dass wir „getrennt von ihm nichts tun können“ (siehe Johannes 15,5).

Der Islam – Geissel einer abgefallenen Christenheit?

3. Januar 2017

Ein einschneidendes, aber wenig bekanntes Datum aus der Kirchengeschichte ist die Synode von Whitby, 664. Dort wurde beschlossen, die keltische Kirche mit der angelsächsischen zu vereinigen; was bedeutete, sie dem Papst unterzuordnen. Damit verschwand die letzte von Rom unabhängige christliche Gemeinschaft in Europa, und der Papst wurde zum unumschränkten Herrscher. (Nur in Irland konnten die Kelten faktisch noch eine gewisse Unabhängigkeit behaupten.)

Das geschah natürlich nicht einfach so aus heiterem Himmel. Die keltische Christenheit muss sich bereits in einer Etappe geistlicher Abkühlung befunden haben. Die grosse Zeit der irischen Wanderprediger (wie z.B. Columbanus) ging zur Neige. Es entstand eine „ökumenische Bewegung“, welche die Vereinigung mit dem römischen Katholizismus befürwortete. Ein modernes Kirchengeschichtsbuch beschreibt diesen Vorgang beschönigend so: „Gegen Ende des 7.Jh. erwuchs eine Generation von Kirchenführern, die die Ordnung und Autorität Roms mit dem Gefühls- und Ideenreichtum des keltischen Christentums zu vereinigen wussten. Aidan von Lindisfarne (…) übernahm zusammen mit einigen Angelsachsen, darunter Wilfrid von York, die Führung bei der Überwindung von Heidentum und Rassenhass. Mit königlicher Unterstützung durch König Oswald von Northumbrien gelang das Unternehmen. Die Synode von Whitby beschloss 664 die Einigung der keltischen und der katholischen Kirche in England.“

Philip Schaff, ein Kirchenhistoriker des 19.Jh, beschreibt jedoch die Geschichte etwas anders:

„Der Streit zwischen dem angelsächsischen (römischen) und dem britischen (keltischen) Ritus flammte in der Mitte des 7.Jh. neu auf, endete aber mit dem Sieg des ersteren in England. (…) Die Kontroverse wurde in einer Synode in Whitby 664 entschieden, in Gegenwart von König Oswy (Oswald) und seinem Sohn Alfrid. Colman, der zweite Nachfolger Aidans, verteidigte den schottischen Ostertermin mit der Autorität von St.Columba und des Apostels Johannes. Wilfrid begründete den römischen Brauch mit der Autorität des Petrus (…) Als er erwähnte, Petrus seien die Schlüssel des Himmelreiches anvertraut, sagte der König: ‚Ich will dem Türhüter nicht widersprechen, damit nicht, wenn ich zur Himmelstür komme, niemand da ist, um mir zu öffnen.‘ Mit diesem unwiderstehlichen Argument war die Opposition gebrochen, und die Konformität mit den römischen Gebräuchen hergestellt. (…) Colman, schwer getroffen, kehrte mit seinen Anhängern nach Schottland zurück. (…) Tuda wurde an seiner Stelle zum Bischof ernannt.
Wenig später wütete eine schreckliche Pest durch England und Irland, während Kaledonien (Nordschottland) verschont blieb …“

Schaff sagt auch:

„Es ist bemerkenswert, dass die missionarische Aktivität der irischen Kirche sich auf die Zeit ihrer Unabhängigkeit von der römischen Kirche beschränkt.“

Nach 700 zeigten sich die Auswirkungen auch auf dem kontinentalen Europa. Der Angelsachse Bonifatius bemühte sich eifrig und mit Erfolg, im heutigen Deutschland die Herrschaft Roms über jene Gebiete zu festigen, die zuvor von den unabhängigen Iren missioniert worden waren.

Ist es Zufall, dass diese Vorgänge zeitlich in die Epoche der schnellsten Ausbreitung des Islam fielen? Im Todesjahr Mohammeds (632) war die arabische Halbinsel islamisch. 642 begannen die Vorstösse der arabischen Sarazenen nach Nordafrika. Ab 670 begann die Eroberung des westlichen Nordafrika (heutiges Algerien und Marokko); 711 setzten sie nach Europa über.

– Machen wir einen grossen Sprung nach vorne. Vom 14.Jahrhundert an sah sich Europa wiederum bedroht durch den Islam; diesmal in Form des Osmanischen Reiches, welches von der Türkei her über den Balkan nach Westen vorstiess. Bekanntestes Datum aus jener Epoche dürfte der Fall Konstantinopels sein (1453). Aber schon um 1400 stand die Stadt Konstantinopel nur noch wie eine Insel inmitten des Osmanischen Reiches, welches die ganze Osthälfte der Balkanhalbinsel beherrschte. Im 15.Jh. nahmen sie weitere Gebiete ein.

Auch diese Epoche islamischer Ausbreitung fällt zusammen mit einer Epoche grosser politischer Macht, und zugleich Verweltlichung, der sogenannten Christenheit und des Papsttums. Es ging jetzt zwar nicht mehr um territoriale Ausweitungen des römisch-katholischen Herrschaftsgebiets, aber um die Macht des Papstes über den Kaiser. 1302 erklärte Papst Bonifatius VIII, der römische Papst habe das von Gott gegebene Recht, nicht nur die kirchliche, sondern auch die weltlich-politische Herrschaft über die ganze Welt auszuüben. (Das ist bis heute ein verbindliches römisch-katholisches Dogma, denn die Bulle „Unam Sanctam“, welche diese Erklärung enthält, ist nie widerrufen worden, und gilt nach römischer Lehre als „unfehlbar“.)
Während der darauffolgenden Zeit verfiel zwar die politische Macht des Papsttums ein wenig aufgrund interner Intrigen. Aber noch 1493 fühlten sich die Päpste wie selbstverständlich als Weltherrscher, sodass Alexander VI sich anmasste, in einer offiziellen Bulle dem spanischen Königspaar und dessen Nachfolgern „für alle Zeiten“ die Herrschafts- und Eigentumsrechte am ganzen neu entdeckten amerikanischen Kontinent jenseits eines bestimmten Längengrades zuzusprechen, unter der Bedingung, dass sie die Einwohner aller dieser Länder zu Katholiken machten. (Auch dieses Dekret ist trotz verschiedener Vorstösse von Vertretern amerikanischer Ureinwohner bis heute nicht widerrufen worden.)
Was die „Ökumene“ betrifft, so war die römische Kirche in jener Epoche so mächtig, dass sie es nicht mehr für nötig hielt, diese Frage auf dem Verhandlungsweg anzugehen. Die Albigenser wurden auf brutalste Weise ausgerottet; die Waldenser in versteckte Winkel in den italienischen Alpen zurückgetrieben; die Anhänger Wycliffs verfolgt; Jan Hus auf dem Konzil von Konstanz verbrannt. Nur mit der „orthodoxen“ Kirche des Ostens versuchte man noch auf diplomatischem Weg zu einer Einigung zu gelangen, mittels Verhandlungen mit dem Kaiser von Konstantinopel. 1439 unterzeichnete dieser ein Dekret zur Wiedervereinigung mit Rom, das aber erst 1452 veröffentlicht wurde. Ein Jahr später gab es in Konstantinopel keinen Kaiser mehr.

– Und wie sieht es heute aus? Wiederum sehen wir einen erschreckenden Niedergang der geistlichen Substanz in der sogenannten Christenheit. In den ehemaligen Reformationskirchen behaupten führende Theologen schon seit über hundert Jahren, die Bibel sei gefälscht, Jesus sei nicht leiblich vom Tod auferstanden, und die Grundsätze biblischer Ethik seien heute nicht mehr gültig. Weite Kreise in diesen Kirchen unterstützen jetzt antichristliche Strömungen wie z.B. den Marxismus, die „Gender“-Ideologie, oder den Islam (!). Sie agieren weltlich-politisch, interessieren sich aber nicht für eine geistliche Umkehr oder für Gottes Gebote. Eher neu ist jedoch, dass jetzt auch die evangelikalen Freikirchen weithin in diesen bibelkritischen, antichristlichen und weltlich-politischen Strömungen mitschwimmen.
Gleichzeitig sehen wir, wie sich die genannten Kirchen zunehmend an Rom annähern. Das Jahr 2017 könnte in dieser Hinsicht eine ähnliche kirchengeschichtliche Bedeutung erhalten wie Whitby 664. Auch das geschieht natürlich nicht erst seit gestern: schon jahrzehntelang laufen Vorbereitungen für die von den höchsten Leitern geplante „Wiedervereinigung“.

Und auch diese Epoche der Verweltlichung und zugleich Ökumenisierung fällt zusammen mit einer neuerlichen Ausbreitung des Islam. Ist es Zufall, dass radikale Islamisten ihre Anhänger dazu aufgerufen haben, gerade in diesem Jahr 2017 ihre Angriffe auf europäische Ziele massiv zu verstärken?
Auch in unserer Zeit ist aber die Ausbreitung des Islam nicht ein punktuelles Ereignis, sondern eine Entwicklung, die schon mehrere Jahrzehnte andauert und sicher noch weiter andauern wird. Diese zunehmende Islamisierung und Radikalisierung hat ja nicht erst mit dem IS begonnen, sondern reicht mindestens bis in die 70er-Jahre zurück: „Ölschock“ 1973; persische Revolution 1979; Bewaffnung radikaler Islamisten durch die USA in Afghanistan ab 1980 – eine Politik übrigens, welche die USA seither im Nahen Osten konsequent weiter verfolgt haben, und die ihr Gerede vom „Krieg gegen den Terrorismus“ Lügen straft…

– Soweit meine Beobachtungen. Was schliesse ich daraus?

Zuerst und vor allem gehe ich davon aus, dass Gott allmächtig ist, und dass er Herr ist über die Weltgeschichte. Auch wenn wir von unserer irdischen Warte aus oft keinen Sinn sehen können in der Geschichte, so bin ich doch überzeugt, dass aus Gottes Perspektive alles Sinn macht. Und wenn Gott allmächtig ist, dann muss auch der Islam ein Werkzeug in seiner Hand sein, und muss letztendlich seinen Zielen dienen.

Was für Ziele könnten das sein? Da kann ich nur spekulieren; aber ich denke, einiges ist doch ziemlich klar ersichtlich.

1. Wenn die sogenannte Christenheit ihren Auftrag derart verfehlt, dass sie sich in ihren Entscheidungen und Werturteilen nach weltlichen Massstäben richtet und weltlich-politische Macht anstrebt, statt das Reich Gottes zu suchen, dann setzt Gott diesen Bestrebungen ein militärisches Gegengewicht entgegen. Er lässt es (noch) nicht zu, dass eine scheinchristliche Weltmacht die totale Kontrolle übernimmt. Hätte sich das Papsttum vom 14. bis zum 17. Jahrhundert nicht immer wieder gegen die Türken wehren müssen, dann hätte es seine Kräfte noch stärker darauf konzentriert, jene Bewegungen völlig auszulöschen, die wieder zu einem biblischen Christentum zurückkehren wollten.

2. Gott möchte, dass auch die Moslems Jesus kennenlernen und durch ihn erlöst werden. Das ist eher möglich, wenn er sie aus ihren islamischen Ländern herausholt. Doch denke ich, wenn dies das Motiv ist, dann wird er sie eher ins südlichere Afrika schicken, wo es noch mehr echte Christen gibt, und wo die Versuchung einer Scheinbekehrung zur materiellen Bereicherung nicht so gross ist wie in Europa.

3. Eine vom Glauben abgefallene Christenheit lädt zur Islamisierung ein. Damit meine ich nicht in erster Linie die direkten Einladungen, die von europäischen Politikern an islamische Immigranten ausgesprochen worden sind. Ich meine vielmehr, dass der Glaubensabfall der sogenannten Christen Moslems dazu anspornt, diesen den Islam als rettende Alternative zu bringen.
Das muss ich vielleicht mit einigen Vergleichen und Beispielen klarmachen. Manche westlichen Hilfswerke werben mit Bildern von hungernden Kindern um Spenden und um freiwillige Mitarbeiter. Die Botschaft dahinter ist so ungefähr: „Diese Kinder hungern, weil sie die Segnungen der westlichen Zivilisation nicht haben, die du hast. Gib ihnen also etwas von dem, was du hast.“ – In früheren Zeiten hätte man vielleicht zusätzlich gesagt: „Die Leute in diesen Ländern sind arm, weil sie das Evangelium nicht haben. Wir müssen ihnen das Evangelium bringen.“ (Es ist heute in Europa nicht mehr zeitgemäss, so etwas zu sagen; aber Leser mit christlichem Hintergrund können vielleicht auch diese letztere Argumentation nachvollziehen.)
Was sehen nun Moslems, wenn sie nach Europa blicken? Natürlich sehen sie all den materiellen Reichtum; aber sie sehen noch etwas anderes: Sie sehen euch Europäer als geistlich Hungernde. „Sieh nur, wie krank Europa ist. Überall Pornographie; ihre Frauen laufen halbnackt auf den Strassen herum; Homosexuelle heiraten; Diebe werden nicht genügend hart bestraft; Gott darf öffentlich gelästert werden; die Leute beten nicht; sie lesen die heiligen Schriften nicht; … – Wir müssen ihnen den Islam bringen, damit sie aus ihrem unmoralischen und ungläubigen Zustand errettet werden!“ – Das dürfte das Motiv nicht weniger Moslems sein, die mit missionarischen und/oder kriegerischen Absichten nach Europa kommen. Das Schlimmste daran ist, dass viele dieser unmoralischen Europäer sich „Christen“ nennen. So reimt sich der Moslem die Gleichung zusammen: „Christ = unmoralisch“.
Ja, manche europäischen Länder sind in den letzten Jahren so weit gegangen, gewisse biblisch begründete Aussagen zu verbieten. Christliche Prediger haben Verfolgung erlitten, nur weil sie gewisse Dinge, die in der Bibel stehen, allzu deutlich gesagt haben. Also lässt Gott es jetzt zu, dass Europa mit moslemischen Predigern (und nicht nur Predigern) überschwemmt wird. Diese werden noch viel krassere Dinge sagen als die christlichen Prediger. Manches davon wird falsch, verzerrt oder völlig extrem sein; aber es werden auch Wahrheiten darunter sein – genau jene Wahrheiten, die man in Europa aus dem Munde christlicher Prediger nicht mehr hören will.

4. Damit komme ich zum unbequemsten Punkt: Gott ist nicht nur „gnädig“. Er straft auch, wo es nötig ist. Manche Begebenheiten aus dem Alten Testament zeigen, dass Gott als Werkzeuge dazu auswählt, wen er will – sogar barbarische, blutrünstige Herrscher, die nachher selber von Gott gerichtet werden müssen. Wer denkt, Gott würde heute nicht mehr in ähnlicher Weise handeln, der muss sich die Frage gefallen lassen: Was sollte Gott dann sonst tun? Sollte er das Böse einfach so lange gewähren lassen, bis im Endergebnis die schlimmsten Gräueltaten nicht mehr von den Heiden begangen werden, sondern von jenen, die sich „Christen“ nennen? – Tatsächlich hat Gott es ja im Mittelalter (und auch in jüngerer Vergangenheit!) öfters tatsächlich so weit kommen lassen; wodurch viel Schmach und Schande auf den Namen Jesu gebracht wurde. Aber irgendwann kommt ein Moment, wo Gott sagt: „Genug!“ Und dann schickt er z.B. die Türken (siehe Punkt 1).
Eine Person und auch eine Nation, die einmal Jesus gekannt hat und mit seinem Wort vertraut ist, hat in dieser Hinsicht eine viel grössere Verantwortung vor Gott als ein „Heide“. Gott straft denjenigen, „den er als Sohn annimmt“ (Hebräer 12,6; siehe auch Vers 8), um ihn zur Umkehr zu bringen (V.10-11). Wer einmal „des Heiligen Geistes teilhaftig geworden ist, das gute Wort Gottes und die Kräfte der zukünftigen Weltzeit geschmeckt hat“ (Hebräer 6,4-6), und dann auf diesen Ruf zur Umkehr nicht reagiert, sondern ganz abfällt, der ist vor Gott unvergleichlich viel schuldiger als jemand, der in Sünde lebt, weil er Jesus gar nie gekannt hat.
Ich glaube, dass sich diese Prinzipien in gewisser Weise auf ganze Nationen und Kulturkreise übertragen lassen. So wie Gott durch die Propheten oft das Volk Israel als Ganzes anspricht, als ob es eine einzige Person wäre, so spricht er heute auch zu Europa als Ganzes, oder zumindest zu den jeweiligen europäischen Nationen als Ganze. Die Botschaft ist unüberhörbar. Kein Kontinent der Erde hatte so viele Jahrhunderte lang das Vorrecht, die biblische Botschaft zu kennen. Kein Kontinent der Erde hat so viele Beweise von Gottes Güte erlebt wie Europa. Und kein Kontinent der Erde hat sich Gott gegenüber so undankbar und untreu gezeigt, im Vergleich zu den erhaltenen Segnungen. (Mit Ausnahme vielleicht der USA, die ja ursprünglich auch aus dem europäischen Kulturkreis hervorgegangen sind.) Wie laut muss Gott noch rufen, bis Europa zuhört?