Die neutestamentliche Gemeinde in Johannes 17 – Teil 1

Jesus betet für seine Gemeinde

Dieses Kapitel, Johannes 17, ist eine weitere hilfreiche Stelle zu einem richtigen Verständnis der neutestamentlichen Gemeinde, auch wenn das Wort „Gemeinde“ hier nicht vorkommt. Aber Jesus betet für seine Jünger, und „für jene, die durch ihr Wort an mich glauben werden“ (Vers 20). Und wir haben bereits gesehen, dass genau das die Gemeinde ist: die Gemeinschaft jener, die an Jesus glauben.

Wenn wir gut hinsehen, sehen wir allerdings, dass Jesus in den ersten fünf Versen für sich selber betet: „Verherrliche deinen Sohn, damit auch dein Sohn dich verherrliche…“ (Vers 1). Ist das nicht ein eigensüchtiges Gebet? – Das wäre es tatsächlich, wenn es aus dem Munde eines gewöhnlichen Menschen käme. Aber nicht, wenn es der Sohn Gottes ausspricht, denn ihm gebührt es, den ersten Platz einzunehmen. Wenn Gott nicht verherrlicht würde (durch seinen Sohn), dann würde er aufhören, Gott zu sein, und damit würde die ganze Grundlage der Gemeinde (und des Universums überhaupt) zerstört. Deshalb sollte es im allerhöchsten Interesse der Gemeinde liegen, dass Gott verherrlicht wird.
Das ist eine weitere jener grundlegenden Wahrheiten, die vielen Christen allzu wohlbekannt ist, sodass sie meinen, sie müssten nicht weiter darüber nachdenken. Aber ich lade dich ein, einige Momente innezuhalten und nachzudenken: Verherrlicht deine Gemeinde Gott? Ist die Lebenspraxis dieser Gemeinde so, dass Gott in allem an erster Stelle steht?
Einige Kirchen setzen an die erste Stelle die persönliche Errettung ihrer Mitglieder – oder sogar irdische Dinge wie ihr persönliches Wohlergehen, ihre körperliche Gesundheit, ihr finanzielles Wohlergehen, ihr „Vorwärtskommen“ (in welchem Sinn auch immer), ihr persönliches Glück. Das sind lauter Dinge, die „die Heiden suchen“, während Gott den Seinen verspricht, ihnen diese Dinge als Zugabe zu geben, wenn sie zuerst sein Reich und seine Gerechtigkeit suchen (Matthäus 6,32-33). Die christliche Gemeinde ist nicht eine Institution zur persönlichen Errettung oder zum persönlichen Wohlergehen. Sie ist dazu da, Gott zu verherrlichen und in der Welt sein Reich zu repräsentieren, d.h. seine Herrschaft und seinen Willen.
Andere Kirchen setzen die Kirche selber an die erste Stelle. Ja, sie sprechen vom Herrn, aber ihr oberstes Ziel ist das Wachstum und der Einfluss der eigenen Organisation. Sie sprechen davon, „dem Herrn zu dienen“, aber in Wirklichkeit meinen sie damit, „unserer Organisation zu dienen“. Sie sprechen davon, „Menschen zu Jesus zu führen“, aber in Wirklichkeit meinen sie „Menschen in unsere Versammlungen zu bringen“. Sie sprechen sogar davon, „dem Herrn zu opfern“, wenn sie in Wirklichkeit meinen, „für die Leiter unserer Organisation zu spenden“. Auch die Gemeinde selber kann zu einem Götzen werden, wenn wir nicht sehr sorgfältig darauf achten, dass der Herr wirklich den ersten Platz einnimmt.

Von Gott „gegebene“ Menschen

Jesus bezeichnet seine Jünger als „die Menschen, die du mir aus der Welt gegeben hast … und sie haben dein Wort gehalten“ (Vers 6). Kurz zuvor hatte er ihnen gesagt: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt“ (Johannes 15,16). Die neutestamentliche Gemeinde besteht nicht aus Menschen, die irgendwann einmal die Idee hatten, „eine Gemeinde zu gründen“. Sie besteht aus Menschen, die von Gott erwählt und berufen wurden, und die auf seinen Ruf reagierten. Gott „gab“ sie seinem Sohn Jesus als Eigentum. Die Gemeinde gehört nicht sich selbst; und die Mitglieder gehören nicht den Gemeindeleitern. Die wahre Gemeinde, mit allen ihren Mitgliedern, gehört Jesus.
Es ist gut zu wissen, dass Gott es übernommen hat, die Seinen zu bewahren und zu behüten. „Als ich mit ihnen in der Welt war, behütete ich sie in deinem Namen …“ (Vers 12). „Heiliger Vater, die, die du mir gegeben hast, behüte sie in deinem Namen …“ (Vers 11). Er tut dies viel besser, als es irgendein menschlicher Leiter tun könnte. Jesus selber ist höchst interessiert daran, sein Eigentum gut zu behüten, und dass die Seinen immer bei ihm sind: „Vater, ich will, dass jene, die du mir gegeben hast, auch bei mir sind, wo immer ich bin …“ (Vers 24).

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