Die neutestamentliche Gemeinde in Johannes 17 (3.Teil)

Einheit in Heiligkeit

Die nächste Bitte Jesu ist um Heiligung seiner Jünger: „Heilige sie in deiner Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit. … Und ich heilige mich selber für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt seien.“ (Johannes 17,17.19). „Heilig“ bedeutet „ausgesondert für Gott“, und damit auch „frei von Sünde“. Es ist Gottes Willen, dass die Glieder seiner Gemeinde heilig seien, nicht nur in der Theorie, sondern in Tat und Wahrheit. Ohne Heiligung wird niemand den Herrn sehen (Hebräer 12,14).

Das ist sehr wichtig zu verstehen, denn in vielen Kirchen ist eine falsche Lehre verbreitet, wonach die Erlösung einzig in der Vergebung der Sünden bestehe, und dass es unmöglich sei, frei von der Sünde zu sein. Aber wir wissen, dass der Vater allezeit die Bitten seines Sohnes erhört (Johannes 11,42), und dass seine Gebote nicht unmöglich zu erfüllen sind (1.Johannes 5,3). Sollte es dann für Gott unmöglich sein, seine Jünger zu heiligen? Oder sollte es für einen echten Jünger unmöglich sein, Gottes Gebot der Heiligkeit zu erfüllen? Wer so etwas behauptet, macht Gott zum Lügner.

Wir können das leicht mit anderen Aussagen aus den apostolischen Briefen stützen:
„Was sollen wir also sagen? Sollen wir in der Sünde verharren, damit wir mehr Gnade von Gott erhalten? Keineswegs! Die wir für die Sünde gestorben sind, wie sollen wir weiter in ihr leben?“ (Römer 6,1-2) – Ein echter Christ ist „tot für die Sünde, aber lebendig für Gott“ (Römer 6,11). Keinesfalls „muss er unweigerlich weitersündigen“.
„Wie alle Dinge, die zum Leben und zur Gottesfurcht gehören, uns gegeben wurden durch seine göttliche Macht … damit ihr durch sie Teilhaber der göttlichen Natur werdet, nachdem ihr der Verderbnis, die in der Welt ist, entflohen seid …“ (2.Petrus 1,3-4). – D.h. ein echter Christ hat von Gott alles erhalten, was notwendig ist, um ein heiliges Leben zu führen, an der „göttlichen Natur“ teilzuhaben und sich von der „Verderbnis, die in der Welt ist“, fernzuhalten.
„der mächtig ist, euch ohne Fall zu bewahren, und euch unbefleckt vor seiner Herrlichkeit hinzustellen mit grosser Freude…“ (Judas 24). – D.h. Gott ist vollkommen imstande, die echten Christen in Heiligkeit zu bewahren.
Wir sollen nur nicht denken, wir selber seien es, die wir uns in dieser Heiligkeit bewahren können. Gott tut es.

Johannes 17,17 lehrt uns ausserdem, dass das Wort Gottes ein wichtiges Mittel ist, das Gott gebraucht, um uns in der Heiligkeit zu bewahren.

Bevor er zur nächsten Bitte kommt, erklärt Jesus, dass er für die Gemeinde aller Zeiten bittet: „Aber ich bitte nicht nur für diese, sondern auch für jene, die durch ihr Wort an mich glauben werden.“ (Vers 20). Dieses Gebet Jesu ist auch für uns heute, für alle, die ihm wahrhaftig nachfolgen.

Glaubst du an die Erfüllung dieses Gebets für dich? Glaubt es die Gemeinde, der du zugehörst?

Die Heiligkeit der Jünger ist Voraussetzung für die nächste Bitte Jesu: die Bitte um Einheit. „…damit alle eins seien; wie du, Vater, in mir, und ich in dir, dass auch sie eins seien in uns; damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.“ (Johannes 17,21).

Das ist einer der schönsten Verse des Neuen Testamntes, aber auch einer der am meisten missbrauchten. Der ökumenische Weltkirchenrat hat diesen Vers zu seinem Motto gemacht. Aber die Einheit, welche die Ökumene sucht, ist etwas ganz anderes als die Einheit, für die Jesus betete:
– Jesus betete um eine Einheit in Heiligkeit. Aber die Ökumene fördert eine Einheit in Toleranz: Die ökumenischen Leiter erlauben nicht, dass jemand das Wort Gottes benützt, um jemanden wegen einer Sünde zurechtzuweisen, oder um falsche Lehren und Praktiken einer Kirche aufzuzeigen. Deshalb füllen sich die ökumenefreundlichen Kirchen mit Irrlehrern und mit sündigen und heidnischen Praktiken.
– Jesus betete für jene, „die an mich glauben“. Aber die Ökumene unterscheidet nicht zwischen wahren Christen und Namenschristen. Nach der ökumenischen Definition ist ein Christ, wer „im Namen des dreieinigen Gottes getauft wurde“ – inbegriffen alle jene Katholiken und Reformierten, die als Kleinkinder getauft wurden, aber nie persönlich dem Herrn nachfolgten.
– Jesus betete, dass seine Jünger eins seien als Menschen, auf persönlicher Ebene. Aber die ökumenischen Anstrengungen konzentrieren sich auf Institutionen und Organisationen, auf die „gegenseitige Anerkennung“ zwischen den verschiedenen Konfessionen, und dass die Christen sich den Leitern der jeweiligen konfessionellen Organisationen unterstellen.
– Jesus betete um eine Einheit „in uns“, d.h. im Vater und im Sohn. Damit die Jünger eins sein können, ist es zuallererst notwendig, dass jeder einzelne Jünger „in Jesus“ ist; dass er sich mit Jesus identifiziert und in einer reinen Beziehung zu ihm lebt. Aber die Ökumene schenkt der persönlichen Beziehung zu Jesus sehr wenig Beachtung, oder versteht sie lediglich in einem sakramentalen Sinn (getauft sein und am Abendmahl teilnehmen).

Das Neue Testament spricht nicht nur von Einheit; es spricht auch von der Notwendigkeit der Absonderung:

„… dass ihr nicht mit jemandem Gemeinschaft haben sollt, der sich Bruder nennen lässt, aber ein Unzüchtiger ist oder Habsüchtiger oder Götzendiener oder Lästerer oder Trinker oder Dieb; mit einem solchen esst auch nicht zusammen.“ (1,Korinther 5,11).
„Werdet nicht Jochgenossen mit Ungläubigen. Denn wie können die Gerechten an der Gesetzlosigkeit teilnehmen? Oder wie kann das Licht mit der Finsternis Gemeinschaft haben? Und wie können der Christus und Beliar übereinstimmen? Oder wie kann der Gläubige etwas mit dem Ungläubigen gemeinsam haben? Und wie kann der Tempel Gottes mit den Götzen übereinstimmen? (…) Deshalb ‚geht hinaus aus ihrer Mitte und sondert euch ab, spricht der Herr‘, und ‚rührt das Unreine nicht an; so werde ich euch aufnehmen‘. „ (2.Korinther 6,14-17)

Täuschen wir uns nicht. In der gegenwärtigen Situation sind viele Mitglieder und Leiter von Kirchen (möglicherweise die Mehrheit) „Unzüchtige“ oder „Habsüchtige“ oder „Ungläubige“ oder „Diebe“ oder Lügner… oder sie zeigen auf irgendeine andere Weise mit ihrem Leben und mit ihren Überzeugungen, dass sie keine echten Nachfolger des Herrn Jesus sind. Diese sind in Jesu Gebet um Einheit nicht eingeschlossen. Im Gegenteil, das Wort Gottes sagt, dass ein echter Christ sich von solchen absondern soll, die sich „Christen“ nennen oder Kirchenmitglieder sind, aber mit ihrem Leben oder ihren Lehren zeigen, dass sie nicht zum Herrn gehören.

Auch viele evangelikale Kirchen, die sich nicht als ökumenisch identifizieren, haben dennoch viele Aspekte der ökumenischen Idee von „Einheit“ übernommen: Sie sehen und suchen die „Einheit“ auf institutioneller Ebene, innerhalb mittels der Anpassung an die spezielle Tradition der eigenen Konfession oder Denomination, und ausserhalb mittels Vereinbarungen und „gemeinsamen Anlässen“ mit anderen Denominationen. Viele leben in der Illusion, alle Mitglieder der eigenen Organisation seien echte Christen. Einige glauben zusätzlich, alle Mitglieder anderer Denominationen seien im Irrtum. All das führt dazu, dass man sich zu „Jochgenossen“ mit Ungläubigen macht, und gleichzeitig die Gemeinschaft mit echten Christen in anderen Denominationen ablehnt. Sie vergessen das Zentrum der christlichen Einheit, nämlich Jesus selber.

Die neutestamentlichen Kriterien für Einheit sind klar: Ein echter Nachfolger Jesu befindet sich in Einheit mit allen anderen echten Nachfolgern Jesu, unabhängig davon, zu was für einer religiösen Organisation sie zugehören oder nicht zugehören. Und er sondert sich ab von jenen, die Jesus nicht wahrhaftig nachfolgen, auch wenn es Mitglieder seiner eigenen Organisation sind.
Christliche Einheit ist nicht die gemeinsame Mitgliedschaft in einer Institution. Sie ist nicht die Übereinstimmung mit einem bestimmten Glaubensbekenntnis. Sie ist nicht die Anerkennung eines Reglements oder einer Vereinbarung zwischen verschiedenen Institutionen. Die christliche Einheit wird am besten ausgedrückt durch das griechische Wort „koinonía“ (davon werden wir sprechen, wenn wir zur Apostelgeschichte kommen), oder auch „der Leib Christi“ (das ist der Ausdruck, den Paulus verwendet).

Jesus sagte, das Ergebnis der wahren christlichen Einheit werde darin bestehen, dass „die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.“ Die ökumenischen, institutionellen oder denominationellen Formen von Einheit bringen nicht dieses Ergebnis hervor. Sie bewirken nur, dass die Welt die Christen als eine Art weltlichen Verein oder politische Lobby wahrnimmt; aber sie kann nicht den Herrn in ihnen sehen. Wo dagegen eine echte Einheit herrscht, die auf dem Herrn selber beruht und auf Heiligkeit – und sei es auch nur eine einzige Familie, die diese Einheit lebt -, da nimmt die Welt das Licht des Evangeliums wahr. Da ist es, wo die Welt sieht, dass etwas „anders“ ist, etwas Übernatürliches; etwas, was die Welt nicht kennt. Dieses „Etwas“ ist die Gegenwart des Herrn.

Was für eine Vorstellung von Einheit hast du? Was für eine Vorstellung hat die Gemeinde, der du zugehörst? Eine ökumenische, institutionelle, denominationelle Vorstellung; oder die Vorstellung von dem, was Jesus gesagt hat?

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