Petrus als Säule der Gemeinde (2.Teil)

In der vorherigen Betrachtung haben wir einige Punkte im Leben von Petrus gesehen, die ihn dazu befähigten, später eine der „Säulen der Gemeinde“ (Galater 2,9) zu sein: Eine tiefe Überführung von seiner eigenen Sündhaftigkeit, und in der Folge eine Umkehr zu Jesus, und eine radikale Abkehr von allem, was mit seinem alten Leben verbunden war.

Die Überführung von Sünde sollte zur Umkehr führen, zur Bekehrung, und zum rettenden Glauben. All das sind Aspekte des Vorgangs, den das Neue Testament als „Wiedergeburt“ bezeichnet. Wenn jemand von neuem geboren wird, dann lebt Jesus in dieser Person durch seinen Heiligen Geist. (Siehe Galater 2,20, Epheser 3,16-17). Diese Wiedergeburt und diese Errettung ist möglich dank des Blutes Jesu, das er vergoss, um uns freizukaufen.
Damit ist bereits gesagt, dass es nicht möglich war, im Sinne des Neuen Testamentes wiedergeboren zu werden, bevor Jesus gestorben und auferstanden war. Auch Petrus war sich zwar bewusst geworden, dass er ein Sünder war, aber er hatte noch nicht diese radikale Veränderung der Wiedergeburt erfahren. Während er mit Jesus auf der Erde umherzog, handelte er noch aus seiner eigenen Kraft, welche die Gerechtigkeit Gottes nicht erfüllen kann. (Siehe Römer 8,3-8. Das „Fleisch“ bedeutet dort unsere eigene Kraft und Fähigkeit.) Deshalb konnte er in einem Moment empfänglich sein für die Offenbarung Gottes, und im nächsten Moment den Gedankengängen satans folgen (Matthäus 16,16-23). Deshalb konnte er in einem Moment all seinen Glauben und Mut zusammennehmen und auf dem Wasser gehen, und im nächsten Moment zweifeln und sinken. (Matthäus 14,28-31). Deshalb konnte er in einem Moment Jesus versprechen, mit ihm bis in den Tod zu gehen, und ihn im nächsten Moment dreimal verleugnen.
Als Jesus die Verleugnung des Petrus voraussagte, da sagte er etwas Bedeutungsvolles: „… und du, wenn du dich einst bekehrt hast, stärke deine Brüder!“ (Lukas 22,32). Bevor er sich wirklich bekehren konnte, musste Petrus erfahren, dass er in seiner Schwäche sogar seinen Herrn verleugnen konnte. All sein Vertrauen in seinen eigenen „Glauben“ musste zunichte werden. Seine wirkliche Bekehrung begann, als ihm Jesus nach seiner Auferstehung eine neue Gelegenheit gab, ihm zu sagen „Ich liebe dich“. (Johannes 21,15-19). Und seine Wiedergeburt war erst vollständig an Pfingsten, als der Heilige Geist kam.

Vor Pfingsten waren die Apostel (inbegriffen Petrus) ängstlich und eingeschüchtert. Sie versammelten sich hinter verschlossenen Türen aus Angst vor den Feinden Jesu (Johannes 20,19). Aber als der Heilige Geist auf sie kam, sprachen sie mutig in aller Öffentlichkeit. Und folgendes war die Wirkung der Rede von Petrus: „Als sie es hörten, wurden ihre Herzen [schmerzhaft] durchbohrt, und sie sagten zu Petrus und den anderen Aposteln: ‚Was sollen wir tun, ihr Brüder?‘ “ (Apostelgeschichte 2,37)

In diesem Moment erfüllten sich die Worte des Herrn: „Und dir werde ich die Schlüssel des Himmelreichs geben; und alles, was du auf Erden binden wirst, wird im Himmel gebunden sein; und alles, was du auf Erden lösen wirst, wird im Himmel gelöst sein.“ (Matthäus 16,19). (- Man beachte, dass Jesus kurz danach diese selbe Vollmacht allen seinen Jüngern gab, Matthäus 18,18.) – Petrus gebrauchte die „Schlüssel“, die Jesus ihm gegeben hatte, um das Himmelreich vor seinen Zuhörern zu öffnen; und dreitausend von ihnen reagierten mit Umkehr und Glauben, und konnten so ins Himmelreich eintreten. (Apostelgeschichte 2,38-41). Und das war der Beginn der Urgemeinde.

So wiederholte sich in seinen Zuhörern dieselbe Erfahrung, die Petrus schon zuvor gemacht hatte: die Überführung von Sünde, der Zerbruch vor Gott, das Bewusstsein, verloren zu sein und durch kein menschliches Mittel gerettet werden zu können. Und nach der Umkehr die Erfahrung der wunderbaren Gnade Gottes, und die Wiedergeburt durch den Heiligen Geist. Deshalb gehört Petrus zu den „Säulen“ der Gemeinde. Er verkörpert auf beispielhafte Weise den Weg, den Gott mit jedem Menschen geht, den er erwählt, ruft und rettet. Er konnte die neuen Jünger auf diesem Weg anleiten, weil er ihn zuvor selber gegangen war. Petrus verkörpert nicht eine Institution oder eine hierarchische Stellung. Er ist ein lebendiges Zeugnis des Erlösers und seines Heilsweges. Jeder von uns muss „mit Christus sterben“ und „mit Christus auferstehen“ (Römer 6,4-8; siehe auch 1.Petrus 1,3.23). Das ist es, was den „Felsengrund der Gemeinde“ ausmacht.

Damit stehen wir an der Schwelle zur Geschichte der Urgemeinde, die wir in späteren Betrachtungen untersuchen wollen. Ich möchte nur noch eine kurze Bemerkung zu Matthäus 16 anfügen:

Bei all diesem Interesse für Petrus könnten wir allzuleicht vergessen, dass er gar nicht die Hauptperson dieses Abschnitts ist. Das Gespräch begann mit der Frage Jesu: „Und ihr, wer sagt ihr, dass ICH BIN?“ (Vers 15) – Es ging Jesus nicht darum, darüber zu sprechen, wer Petrus war, sondern darüber, WER ER SELBER WAR. Und so sollten wir nicht übergehen, dass auch in Vers 18 Jesus sagt: „ICH werde MEINE Gemeinde bauen.“ Die Gemeinde gehört nicht Petrus; sie gehört Jesus und niemandem sonst. So sagt auch Paulus über den Aufbau der Gemeinde: „Denn niemand kann ein anderes Fundament legen als das, das gelegt ist, nämlich Jesus Christus.“ (1.Korinther 3,11). Und Petrus selber beansprucht in seinen Briefen nicht, Eigentümer oder Fundament der Gemeinde zu sein. Im Gegenteil, er erklärt, dass Jesus der „Grundstein“ der Gemeinde ist: „Tretet hinzu zu ihm (dem Herrn), dem lebendigen Stein, wahrhaftig von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und wertvoll; und lasst auch euch so als lebendige Steine auferbaut werden als ein geistliches Haus und ein heiliges Priestertum, um Gott wohlgefällige geistliche Opfer darzubringen durch Jesus Christus.“ (1.Petrus 2,4-5)
– Also kann kein Mensch ein Eigentumsrecht über die Gemeinde beanspruchen, auch nicht über das geringste ihrer Glieder. Alles in der Gemeinde soll auf Christus hinweisen, nicht auf irgendeinen Menschen. Eine Kirche, die als „Haupt“ jemanden anders als Christus hat, oder die ihre Glieder lehrt, sich vor einem Menschen verantworten zu müssen statt vor Christus, ist nicht neutestamentliche Gemeinde.

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