Kennzeichen der Urgemeinde in Apostelgeschichte 2 (1.Teil)

Wir haben gesehen, was für Menschen die erste Gemeinde bildeten: Durch den Heiligen Geist wiedergeborene Menschen, die eine tiefgehende Überführung von Sünde erlebt hatten, sich von der Sünde abgewandt und Jesus zugewandt hatten, ihren „alten Menschen“ in der Taufe begraben hatten und durch den Glauben den Heiligen Geist erhalten hatten, und so zu „neuen Menschen“ wurden.

Sehen wir nun, was die Versammlung solcher Menschen für ein Leben und für eine Gemeinschaft hervorbrachte:

„Und sie blieben ausdauernd in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und in den Gebeten. Und es kam Furcht über jede Seele, und viele Wunder und Zeichen geschahen durch die Apostel. Und alle, die gläubig geworden waren, waren zusammen und hatten alles gemeinsam, und verkauften ihren Besitz und ihre Güter und verteilten sie an alle, gemäss dem, was jeder nötig hatte. Und sie blieben ausdauernd täglich auf dem heiligen Platz und im Brotbrechen von Haus zu Haus, und assen zusammen mit Freude und einfachem Herzen; sie lobten Gott und hatten die Gunst des ganzen Volkes. Und der Herr tat täglich zur Versammlung hinzu, die gerettet wurden.“ (Apostelgeschichte 2,42-47)

Beachten wir, dass all das auf natürliche Weise aus dem neuen Leben in Christus hervorging, das die Glieder der Urgemeinde erhalten hatten. Wenn wir also zu dem zurückkehren wollen, „was am Anfang war“, dann hülfe es nicht viel, wenn wir versuchten, alles so zu machen, wie es die ersten Christen machten. Sie folgten nicht einem „Rezept“ mit Anweisungen, wie christliche Gemeinschaft gelebt werden soll. Sie lebten gemäss dem, was der Heilige Geist in ihnen wachsen liess. Es sollte also vielmehr unser Ziel sein, dasselbe geistliche Leben zu erlangen, das sie hatten. Das wird dann von selber eine christliche Gemeinschaft hervorbringen, die der Urgemeinde ähnlich ist.

Andererseits denke ich, dass wir die Beschreibung in Apostelgeschichte 2 sehr wohl als einen Beurteilungsmassstab verwenden können: Wie nahe oder wie weit enfernt sind wir vom Leben der ersten Christen? – Diese oder jene Gruppe, die sich „christliche Gemeinde“ nennt: wie viel oder wie wenig hat sie gemeinsam mit dem Vorbild der ersten Gemeinde im Neuen Testament? „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.“

Sie blieben ausdauernd in der Lehre der Apostel.

Das bedeutet zuallererst, dass sie häufig von den Aposteln gelehrt wurden. (Nach Vers 46 könnte das sogar täglich gewesen sein.) Sicher sehnten sich die ersten Christen danach, alles zu erfahren, was Jesus gesagt und getan hatte. Aber das stand noch in keinem Buch geschrieben. Deshalb war es sehr wichtig, es von den Aposteln zu hören und von anderen Jüngern, die Jesus nahe gewesen waren.
Es versteht sich dabei von selbst, dass die Apostel keine eigenen Lehren erfanden. Jesus hatte sie persönlich beauftragt: „… lehrt sie alles halten, was ich euch geboten habe…“ (Matthäus 28,20). – Auch der Heilige Geist würde sie lehren im Sinne dessen, was Jesus ihnen gesagt hatte: „Aber der Beistand, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, er wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“ (Johannes 14,26) – „… er wird von mir Zeugnis geben.“ (Johannes 15,26). – Die Apostel gaben also Zeugnis von dem, was Jesus getan und sie gelehrt hatte, und was der Heilige Geist sie weiterhin lehrte. Sie erfanden keine „Predigten“ nach eigenem Gutdünken.

Aber wenn es heisst, die ersten Christen „blieben ausdauernd in der Lehre“, dann bedeutet das auch: Sie praktizierten sie; und sie wichen nicht davon ab und veränderten sie auch nicht.

Später schrieben die Apostel (bzw. ihre Mitarbeiter wie z.B. Markus oder Lukas) ihre Lehren auf, geführt vom Heiligen Geist. Das sind die Bücher, die wir in unserem Neuen Testament haben. Mittels des Neuen Testamentes können Nachfolger Jesu aller Zeiten bis heute, fast zweitausend Jahre später, auf die Lehre der Apostel zurückgreifen.

Es ist hier nicht Raum, auf die Argumente der leider im deutschsprachigen Raum weitverbreiteten sog. „historisch-kritischen Methode“ und verwandten Strömungen einzugehen, welche behaupten, das Neue Testament sei nicht von den Aposteln geschrieben worden, und deren Lehre sei darin abgeändert und verfälscht worden. Wie einmal ein Theologe zutreffend sagte, ist diese Methode in Wirklichkeit weder historisch noch kritisch: Sie übernimmt unkritisch rationalistische Vorurteile und Spekulationen des 19.Jahrhunderts, welche sich mit keinem historischen Dokument belegen lassen.

Hier haben wir ein wichtiges Kriterum, um die neutestamentliche Gemeinde zu erkennen: Die neutestamentliche Gemeinde gründet sich auf die Lehre der Apostel, wie wir sie in den Schriften des Neuen Testamentes finden. Diese Lehre hat grössere Wichtigkeit und Autorität als die Worte oder Lehren aller späteren Christen oder religiösen Leiter. Wo Lehren und Praktiken einer bestimmten kirchlichen Tradition oder einer bestimmten Gruppe von Leitern wichtiger genommen werden als das Neue Testament, da ist nicht neutestamentliche Gemeinde. Eine Gruppe, die mit ihren Worten oder Taten der Lehre des Neuen Testaments widerspricht, ist nicht neutestamentliche Gemeinde.

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