Weiteres über die erste Gemeinde in der Apostelgeschichte (Teil 2)

Die neutestamentliche Gemeinde wird verfolgt.

In der vorherigen Betrachtung haben wir gesehen, dass die grosse Verfolgung gegen die Jerusalemer Urgemeinde im Endeffekt zu ihrer weiteren Ausbreitung beitrug.
Tatsächlich erfuhr die Gemeinde von ihren Anfängen an Verfolgung. Kaum war durch die Apostel das erste Wunder geschehen, wurden sie sogleich bedroht, nicht mehr im Namen Jesu zu reden (Apg.4,17-21). Bald darauf wurden sie gefangengesetzt und ausgepeitscht (Apg.5,17-18.40). Einige Zeit später wurde Stephanus gesteinigt (Apg.7).

Warum heisst es dann, „sie hatten die Gunst des ganzen Volkes“ (Apg.2,47), und „das Volk machte sie gross“ (Apg.5,13)? Wie passt das zu den Verfolgungen?
– In Wirklichkeit war diese „Gunst des Volkes“ gerade ein Verfolgungsgrund. Die Christen lebten reine, ehrliche, Gott wohlgefällige Leben; und das wurde vom Volk gesehen und anerkannt. Aber das erregte den Neid gewisser Leiter, die selber nicht Gott wohlgefällig lebten: „Aber der Hohepriester und alle, die mit ihm waren, das heisst die Partei der Sadduzäer, wurden voll Neid.“ (Apg.5,17) – “ … aber sie waren nicht imstande, der Weisheit und dem Geist zu widerstehen, mit dem er (Stephanus) redete. So stifteten sie einige Männer an, zu sagen: ‚Wir hörten ihn gegen Moses und gegen Gott lästern.‘ Und sie wiegelten das Volk auf und die Ältesten und die Schriftgelehrten …“ (Apg. 6,10-12).
– Auch bei Paulus‘ Missionsreisen sehen wir, dass oft der Neid anderer zu Verfolgung führte: „Und als die Juden die Volksmenge sahen, wurden sie voll Neid und widersprachen dem, was Paulus sagte … und erregten eine Verfolgung gegen Paulus und Barnabas und warfen sie aus ihrem Gebiet hinaus.“ (Apg.13,45.50) – „Aber die ungehorsamen Juden waren neidisch, nahmen einige böse Männer von der Strasse, versammelten eine Volksmenge und versetzten die Stadt in Aufruhr …“ (Apg. 17,5)

Wir stellen fest, dass es sehr oft gerade die religiösen Leiter waren, welche die Verfolgungen anzettelten: die Priester, die Theologen, die Synagogenvorsteher … also gerade jene, welche die Bibel gut kannten und als religiös galten. Der Dienst der Apostel hatte dieselbe Wirkung wie zuvor schon der Dienst Jesu: Er stellte öffentlich die Heuchelei der religiösen Leiter bloss, die „sagen, aber es nicht tun“ (Matth.23,3).
Das ist schon immer ein Kennzeichen der neutestamentlichen Gemeinde gewesen: Sie erregt den Zorn der Leiter der offiziellen Kirchen. Wenn also eine christliche Gruppierung mit den Leitern der institutionellen Kirchen in friedlichem Einvernehmen lebt, dann sollte sie sich fragen, ob sie wirklich neutestamentliche Gemeinde ist, oder ob sie sich vielleicht auch an die Wege der Welt angepasst hat, so wie alle „respektablen“ Kirchen.

Die Anwesenheit oder Abwesenheit von Verfolgung ist allerdings kein untrügliches Unterscheidungsmerkmal der neutestamentlichen Gemeinde, denn das hängt auch von äusseren Faktoren ab. (Und es gibt auch Gruppen, die verfolgt werden, nicht weil sie Nachfolger Jesu wären, sondern weil sie schändliche Lehren oder Praktiken ausüben.) Aber wenn eine Gruppe von Christen lange Zeit unbehelligt wirken und sich ausbreiten kann, ohne den Zorn und Neid der etablierten Kirchen hervorzurufen, dann sollte sie sich doch prüfen, ob sie wirklich dem Weg der neutestamentlichen Gemeinde folgt.

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