Weiteres über die erste Gemeinde in der Apostelgeschichte (Teil 3)

In der neutestamentlichen Gemeinde kann Sünde nicht verborgen bleiben.

Das ist eines der auffälligsten Kennzeichen der Urgemeinde; und eines, das die heutigen Kirchen fast vollständig verloren haben.

Wenn wir eine Fensterscheibe reinigen, während es draussen bewölkt und dunkel ist, dann kann das Fenster sauber aussehen. Aber sobald das direkte Sonnenlicht darauf fällt, sehen wir unzählige Unreinheiten und Flecken.
So ist es auch mit der Gemeinde. Wärend eine Gruppe in geistlichem Halbdunkel lebt, und alle ihre Mitglieder sich an die Wege der Welt angepasst haben und sich daran gewöhnt haben, alle möglichen Sünden und unmoralischen Verhaltensweisen zu tolerieren, so lange lebt jeder von ihnen unbekümmert in der Täuschung, er sei rein. Aber wenn es am selben Ort eine Gruppe von Christen gäbe, die in Heiligkeit und im Licht des Heiligen Geistes lebt, und ein Mitglied der ersteren Gruppe käme in eine Versammlung der letzteren, dann würde er sehr bald „von allen überführt, von allen untersucht, und so käme das Verborgene seines Herzens ans Licht…“ (1.Korinther 14,24-25).

Die Urgemeinde lebte in einer solchen Atmosphäre der Heiligkeit und Reinheit, dass Sünde nicht verborgen bleiben konnte. Jede Unreinheit kam sofort ans Licht. Beim ersten Mal, als in der Jerusalemer Urgemeinde eine Sünde begangen wurde, starben die Schuldigen im selben Moment, als ihre Sünde ans Licht kam (Apg.5,1-11). Und es war nicht einmal eine „grosse“ Sünde nach den Massstäben der heutigen Christenheit. Es war eine Sünde, die manche Mitglieder heutiger Kirchen fast täglich begehen: eine Lüge. Wir müssen also annehmen, dass von Pfingsten bis zu jenem Tag kein Mitglied der Urgemeinde je gelogen hatte!
(Einige Ausleger sagen, die Sünde von Ananias und Saphira hätte darin bestanden, dass sie Geld veruntreut hätten. Aber das trifft nicht zu. Das Geld war ihr Eigentum, und Petrus erklärte, dass sie auch nach dem Verkauf ihres Grundstücks voll und ganz darüber verfügen konnten (Apg.5,4). Ihre Sünde bestand darin, dass sie den Anschein erweckten, grosszügiger zu sein als sie in Wirklichkeit waren; und das war es, was Petrus als „den Heiligen Geist belügen“ bezeichnet (Vers 3). )
Diese Geschichte ist für viele moderne Leser unbequem. „Wie kann Gott eine so kleine Sünde so drastisch bestrafen?“ Aber es ist umgekehrt. Könnte ein Miglied der Urgemeinde die heutigen Kirchen sehen, so würde er sagen: „Wie kann Gott alle die groben Sünden einfach übersehen, die sie begehen?“

– Ja, es gab wenige Fälle, wo Gott auf eine Sünde in der Gemeinde auf derart aufsehenerregende Weise antwortete. Aber das bedeutet nicht, dass der Fall von Ananias und Saphira aussergewöhnlich schwerwiegend gewesen wäre. Vielmehr war die Gemeinde zu jener Zeit noch genügend sensibel, um Gottes Botschaft zu verstehen. „Und es kam grosse Furcht über die Gemeinde und über alle, die davon hörten. Durch die Apostel geschahen viele Zeichen und Wunder unter dem Volk. (…) Und Gott tat mehr [Menschen] hinzu, die an den Herrn glaubten, eine grosse Menge von Männern und Frauen …“ (Apg.5,11-14). Das war das Ergebnis des drastischen Handeln Gottes: viel geistliche Frucht.
Aber die heutige Christenheit, die in geistlichem Halbdunkel lebt – könnte sie ein solches Zeichen Gottes überhaupt verstehen? Nein, moderne Christen würden kategorisch verneinen, dass dieser plötzliche Tod in irgendeinem Zusammenhang stünde mit einer Sünde der betreffenden Personen. Dann würden sie einfach in ihrer Sünde weiterleben wie vorher. Warum also sollte Gott seine aufsehenerregenden Zeichen an ein Volk verschwenden, das diese gar nicht zur Kenntnis nehmen will? Warum sollte er mit seinem Licht jene erleuchten, die sich lieber im Schatten eines äusseren Anscheins versteckt halten? Wenn in einer Kirche die Sünde verborgen bleiben kann, dann ist das ein Zeichen, dass sich die ganze Kirche weit vom Licht Gottes entfernt hat.

In den apostolischen Briefen haben wir die Bestätigung, dass es tatsächlich in der frühen Kirche als normal angesehen wurde, dass verborgene Sünden ans Licht kamen:

„Aber wenn alle prophetisch reden, und es kommt ein Ungläubiger oder Unverständiger herein, dann wird er von allen überführt, von allen untersucht, und so kommt das Verborgene seines Herzens ans Licht, und er wird auf sein Angesicht niederfallen und Gott anbeten und erklären, dass Gott wirklich in eurer Mitte ist.“ (1.Korinther 14,24-25)

So schreibt Paulus etwa fünfundzwanzig Jahre später an die weit entfernte griechische Stadt Korinth. Auch dort, und auch in jener Epoche der zweiten Generation, galt es immer noch als normal, dass Gott verborgene Sünden ans Licht bringt. Und nicht nur durch die besonderen Gaben eines Apostels, sondern aufgrund dessen, dass „alle“ prophetisch reden. Das heisst, Gott kann irgendein „gewöhnliches Mitglied“ gebrauchen, um verborgene Sünden aufzudecken und „Überführung von Sünde, von Gerechtigkeit und vom Gericht“ zu bewirken. Wenn er es heute so selten tut, dann nur deshalb, weil die geistliche Finsternis in den Kirchen so gross ist.

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