Funktionen der Ältesten in der Familie Gottes – Teil 2

Aufseher bzw. Fürsorger

In der vorherigen Betrachtung haben wir gesehen, dass es in der neutestamentlichen Gemeinde keine „Pastoren/Pfarrer/Hirten“ gab, die über den Ältesten gestanden wären oder ein spezielles „Amt“ neben dem Ältestendienst gebildet hätten. Im Gegenteil, der „Hirtendienst“ ist eine Funktion der Ältesten selbst.

Es gibt ein weiteres neutestamentliches Wort, das fälschlicherweise als eine besondere „Leiterschaftsposition“ verstanden wurde, und zwar das griechische Wort „epískopos“ (Plural „epískopoi“), das in manchen Bibelausgaben als „Bischof“ übersetzt wird. Eine sinngemässere Übersetzung wäre „Aufseher“ oder „Fürsorger“. Zwei griechische Verben sind mit diesem Wort verwandt: „Episkopéo“ bedeutet „achtgeben, Aufsicht üben“ oder „sorgen für“. – „Episképtomai“ bedeutet „besuchen“ (fürsorglich oder prüfend), „nach etwas oder jemandem sehen“.
Diese Verben drücken nicht spezifisch „Leiterschaftsfunktionen“ aus. Im Gegenteil, sie werden mehrmals als „Einander“-Funktionen erwähnt, also als Funktionen aller Glieder im allgemeinen:

  • „Seht/Findet (episképtomai) also, ihr Brüder, sieben Männer von gutem Zeugnis unter euch …“ (Apg. 6,3)
  • „Ich war krank, und ihr habt mich besucht (episképtomai) … Ich war krank und im Gefängnis, und ihr habt mich nicht besucht …“ (Matthäus 25,36.43)
  • „Ein reiner und unbefleckter Gottesdienst vor Gott, dem Vater ist es, Waisen und Witwen in ihrer Bedrängnis zu besuchen (episképtomai) …“ (Jakobus 1,27)
  • „Trachtet nach dem Frieden mit allen und nach der Heiligung, ohne die niemand den Herrn sehen wird; und achtet darauf (episkopéo), dass niemand hinter der Gnade Gottes zurückbleibt …“ (Hebräer 12,14-15)

Das Verb „episkopéo“ erscheint auch in einer der Stellen, die wir schon in der vorhergehenden Betrachtung zitierten, als eine Funktion der Ältesten:
„Weidet die Herde Gottes, die bei euch ist, indem ihr [für sie] sorgt (episkopéo), …“ (1.Petrus 5,2)

Das Substantiv „epískopos“ kommt fünfmal im Neuen Testament vor. Eine dieser Stellen bezieht sich auf den Herrn Jesus (1.Petrus 2,25). In zwei Stellen werden „epískopoi“ zusammen mit „Dienern“ erwähnt, ohne dass daraus Genaueres über ihre Stellung geschlossen werden könnte (1.Tim.3,2, Phil.1,1). Die verbleibenden zwei Stellen sind jene, die uns klar Aufschluss geben über die Identität der „epískopoi“:

„Dazu liess ich dich in Kreta zurück, dass du das übrige in Ordnung bringst und in jeder Stadt Älteste einsetzt, wie ich dich anwies: Wenn jemand untadelig ist (usw. …) Denn der Aufseher/Fürsorger (epískopos) muss untadelig sein als Verwalter [im Auftrag] Gottes, nicht eingebildet, nicht jähzornig, (usw. …) (Titus 1,5-7) – Hier erscheint das Wort „epískopos“ im Zusammenhang mit der Einsetzung von Ältesten. Der Vers, der über den „epískopos“ spricht, beginnt mit „Denn …“ und schliesst damit unmittelbar an den Vers an, der über die Ältesten spricht. Von daher ist es offensichtlich, dass „Aufseher/Fürsorger“ (epískopos) und „Älteste“ sich auf dieselben Personen beziehen.

– Schliesslich finden wir das Wort „epískopos“ in der Abschiedsrede von Paulus an die Ältesten in Ephesus: „„Achtet auf euch selbst und auf die ganze Herde, in der euch der Heilige Geist als Aufseher/Fürsorger (epískopoi) gesetzt hat …“ (Apg.20,28). Paulus spricht also die Ältesten als „epískopoi“ an.

Damit sollte klargestellt sein, dass im Neuen Testament „Bischof“ (epískopos) und „Ältester“ gleichbedeutend sind. Die „Aufsicht“ oder „Fürsorge“ ist eine Funktion der Ältesten, nicht ein besonderes „Amt“.

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