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Über die Einheit der Christen – Teil 1: Warum ich nicht mit der ökumenischen Bewegung mitmache

12. Juli 2011

Lange Zeit habe ich interdenominationell mit christlichen Gemeinden aus verschiedensten Hintergründen zusammengearbeitet, ohne mich aber einem bestimmten Gemeindeverband zu verpflichten. Man könnte das eine „ökumenische“ Gesinnung nennen. Manche Bekannte konnten es deshalb nicht richtig einordnen, dass ich andererseits aber die ökumenische Bewegung kritisch beurteile. Ist das nicht ein Widerspruch? Bin ich jetzt für oder gegen die Einheit der Christen? – Mit dieser Artikelserie möchte ich auf diesen Themenkreis eingehen.

(NB: Die meisten Zitate sind aus dem Spanischen (rück-) übersetzt und stimmen deshalb nicht unbedingt mit dem ursprünglichen bzw. offiziellen deutschen Wortlaut überein.)

Wem gilt die Einheit?

Die ökumenische Bewegung nimmt Johannes 17,21 zum Leitspruch: “…damit sie alle eins seien, wie du, Vater in mir und ich in dir…” Jesus betet hier für seine Jünger, und “für diejenigen, die durch ihr Wort an mich glauben”. – Die Verfassung des Weltkirchenrates (World Council of Churches, WCC – auch bekannt als „Ökumenischer Rat der Kirchen“, ÖRK) sagt: “Der Weltrat der Kirchen ist eine Gemeinschaft von Kirchen, die den Herrn Jesus Christus als Gott und Retter bekennen, nach dem Zeugnis der Schriften, und versuchen gemeinsam auf ihre gemeinsame Berufung zu antworten…” Das klingt zunächst ganz gut; dennoch stellen wir schon hier einen wichtigen Unterschied zu Johannes 17 fest: Jesus betet für die Einheit der Gläubigen, also Einzelpersonen; der WCC dagegen ist “eine Gemeinschaft von Kirchen”, also Organisationen.

Wenn eine Organisation “Jesus Christus als Gott und Retter bekennt”, garantiert das schon, dass deren Mitglieder auch persönlich Gläubige sind? Man muss nur die Situation jener Kirchen betrachten, die schon einige Jahrhunderte Geschichte hinter sich haben (und sich entsprechend weit von den Idealen ihrer Gründer entfernt haben), um zu sehen, dass dies offensichtlich nicht der Fall ist.
– Abgesehen davon gibt es auch Mitgliedskirchen des WCC, die überhaupt kein Glaubensbekenntnis mehr haben, wie z.B. die Schweizer reformierten Landeskirchen. (Wir werden in der Folge noch weitere Beispiele sehen, wo die Praktik des WCC seinem offiziellen Bekenntnis widerspricht.)

Wer ist ein Christ?

Gemäss dem Weltkirchenrat beruht die Ökumene darauf, dass “diejenigen, die im Namen des dreieinigen Gottes getauft wurden, zur Einheit mit Christus gelangten…” (in: “Ein Schatz in irdenen Gefässen: Ein Instrument zu einer ökumenischen Besinnung über Hermeneutik”, Kommission “Glaube und Verfassung” des WCC). – Ein weiterer Unterschied zu Johannes 17: Jesus betet für die Gläubigen; der WCC vereint Getaufte. Offensichtlich ist nicht jeder Getaufte ein Gläubiger; insbesondere in jenen Kirchen, welche die Säuglingstaufe pflegen.

An Pfingsten sagte Petrus zu denjenigen, denen seine Worte “mitten durchs Herz” gingen, und die fragten: “Was sollen wir tun (um gerettet zu werden)?” – und nur zu diesen -: “Bekehrt euch (kehrt um, ändert euch) und lasst euch taufen…” (Apostelgeschichte 2,38). Hier, und an manchen ähnlichen Stellen im Neuen Testament, sehen wir, dass die Bekehrung der Taufe vorausgeht. – Im Missionsbefehl nach Lukas wird die Taufe überhaupt nicht erwähnt; aber die Bekehrung und die Vergebung der Sünden (Lukas 24,47). – Nach alldem ist klar, dass biblisch nicht die Taufe (als Ritual), sondern die Bekehrung (des Herzens) Grundlage ist für die Einheit mit Christus.

Siehe dazu auch: „Wer oder was ist ein Christ?“

Glaubt der Weltkirchenrat wirklich an Jesus “nach dem Zeugnis der Schriften”?

Im Vorbereitungsmaterial zur Weltkonferenz über Mission und Evangelisation des WCC 1973 finden sich folgende Worte:
“Das Reden von Erlösung ist mit einer veralteten Religionspsychologie verbunden. (…) Ich als Mensch des Jahres 1972 habe kein Interesse an der Erlösung meiner Seele; … die ewige Glückseligkeit enthält beinahe nichts. Das Erlösungswerk Christi für uns ist ebenso unvorstellbar, denn er war so weit von uns entfernt in der Geschichte, und ist so anders als die meisten von uns. Die Kirche muss die Wahrscheinlichkeit in Betracht ziehen, dass die Erlösung der Seele für unsere Zeitgenossen keine dringende Angelegenheit ist. … Die Idee vom “Lamm Gottes” hat keinen Platz in der modernen verstädterten Welt; ebensowenig der Ausspruch, dass Christus uns erlöste durch seinen Tod am Kreuz. Was ich sagen möchte, ist dies: Die Erlösung in ihrem traditionellen Sinn ist wirklich unverständlich für viele Menschen heute.”
(George Johnston, “Soll die Kirche heute noch über Erlösung sprechen?”)

Diese Art von “Theologie”, die dem eingangs zitierten Bekenntnis des WCC direkt widerspricht, wird von diesem nicht nur toleriert, sondern aktiv gefördert. Im bereits zitierten Dokument “Ein Schatz in irdenen Gefässen…” heisst es: “Die Natur der biblischen Texte bedeutet, dass zu ihrer Interpretation der ständige Gebrauch der historisch-kritischen Methode nötig sein wird…” – In einem früheren Artikel habe ich die “historisch-kritische Methode” eingehend beleuchtet. Wir haben dort gesehen, dass die konsequenten Vertreter dieser Methode nicht “den Herrn Jesus Christus als Gott und Retter bekennen, nach dem Zeugnis der Schriften” – im Gegenteil, die Methode an sich beruht auf der Verleugnung dieses Zeugnisses. (Einzelheiten siehe im erwähnten Artikel.)

Bei dem zitierten Dokument handelt es sich um eine offizielle Erklärung der Kommission für “Glaube und Verfassung” des Weltkirchenrates. Dieser hat somit die “historisch-kritische Methode” zu seiner offiziellen Theologie erklärt. Das bedeutet aber zugleich, dass der Weltkirchenrat nicht offen ist für diejenigen Kirchen und Christen, welche die “historisch-kritische Methode” ablehnen. Die ökumenische Bewegung anerkennt in Wirklichkeit nicht die ganze Vielfalt christlicher Kirchen und Strömungen, sondern nur diejenigen, die sich dem Diktat der “historisch-kritischen Methode” unterwerfen. Dies ist für mich ein gewichtiger Grund, mich dieser Ökumene nicht anzuschliessen.

Wo ist die Grenze der Ökumene?

Die Verfassung des WCC spricht nur von christlichen Kirchen. Seine Praktik geht aber weit darüber hinaus. In einer offiziellen Erklärung von 1997 heisst es:
“Immer mehr Stimmen aus den Kirchen … sprechen von der Notwendigkeit einer ‚erweiterten Ökumene'(Makro-Ökumene), wonach die ökumenische Bewegung sich anderen Religionen und kulturellen Traditionen ausserhalb der christlichen Gemeinschaft öffnen soll.”

In der Praxis ist das schon längst Wirklichkeit. An den Weltversammlungen des WCC werden regelmässig heidnische Zeremonien aus dem Schamanismus, aus afrikanischen Ahnenkulten, usw. durchgeführt, wo direkt die Götter und Geister dieser Religionen angerufen werden. Im Gegensatz dazu hat m.W. der WCC noch nie die Vertreter solcher Religionen dazu aufgefordert, Jesus Christus anzubeten. Der vom WCC geforderte “interreligiöse Dialog” ist sehr einseitig. Eine Konsultation des WCC über religiösen Pluralismus im Ökumenischen Institut Bossey schlug in ihrem Schlussbericht (1999) Christen vor, “Rituale, Lesungen und hymnische Traditionen anderer Religionen in ihre eigene Liturgie und Anbetung aufzunehmen, z.B. Lesungen aus den Schriften des Hinduismus …” Andererseits hat der WCC bereits 1973 in Bangkok die christlichen Kirchen in Europa und Amerika dazu aufgerufen, keine Missionare mehr in Drittweltländer zu senden. Also: nach der Politik des WCC dürfen die Christen keine Heiden missionieren, aber Heiden dürfen und sollen Christen missionieren.

Da ich nicht dazu gezwungen werden möchte, heidnischen Bräuchen und Glaubensinhalten zu folgen, ist dies für mich ein weiterer gewichtiger Grund, mich dieser Ökumene nicht anzuschliessen.

Das Verhältnis zwischen christlichen Gemeinden und zwischen einzelnen Christen

Der Weltkirchenrat spricht sich in scharfen Worten gegen den “Proselytismus” aus:
“Mitglied (des WCC) zu sein bedeutet, die Mission der Kirche als gemeinschaftlich geteilte Verantwortung zu sehen, statt missionarische oder evangelistische Aktivitäten isoliert voneinander zu unternehmen; und noch viel weniger zur Konkurrenz gegen andere Gläubige oder zum Proselytismus zu greifen.”
(“Zu einem gemeinsamen Verständnis und Vision des Weltkirchenrates”, 1997)

Religionsfreiheit und Proselytismus. Es gibt keine Ausnahme zum grundlegenden Menschenrecht der Religionsfreiheit. … Wir bekräftigen die Notwendigkeit einer ökumenischen Disziplin, besonders in der Beziehung mit Ländern, die sich in der schwierigen Situation des Übergangs zur Demokratie befinden, und unter der Invasion ausländischer religiöser Bewegungen und dem Proselytismus leiden. Wir wiederholen, dass der WCC sich dem Proselytismus entgegensetzt, und fordern die Mitgliedskirchen auf, den Glauben und die Integrität der Schwesterkirchen zu respektieren…”
(Erklärung über Menschenrechte, Weltkonferenz des WCC 1998)

Was bedeutet dies im Klartext? – Der WCC versteht unter “Proselytismus” jegliche Form der Evangelisation, die sich an Menschen richtet, welche bereits Mitglieder einer “christlichen” Kirche sind. Nach dieser Definition dürfte z.B. in Ländern wie Perú, wo fast jedermann nominell katholisch ist, überhaupt nicht evangelisiert werden. Im Rahmen der sogenannten Makro-Ökumene (s.o.) wird dann der Begriff “Proselytismus” auch auf die Evangelisation unter Angehörigen anderer Religionen ausgeweitet.

Gemäss dem erstgenannten Zitat dürften Gemeinden und Christen von sich aus keinerlei missionarische oder evangelistische Aktivitäten unternehmen, sondern nur “gemeinschaftlich geteilte”, d.h. im Rahmen der ökumenischen Bewegung. – Das zweite Zitat steht im Zusammenhang mit dem Menschenrecht auf Religionsfreiheit, womit suggeriert wird, Evangelisation sei ein Angriff auf die Religionsfreiheit. (Nirgendwo wird hingegen gesagt, dass die Religionsfreiheit auch das Recht auf Evangelisation einschliesse.)

Wäre eine Einheit der Christen Wirklichkeit in den Kirchen des Weltkirchenrates, dann käme keine dieser Kirchen auf die Idee, ihre Mitglieder eifersüchtig vor “Proselytismus” schützen zu wollen. In Wirklichkeit werden dadurch die Mitglieder vom Glauben abgefallener Kirchen davor “beschützt”, das biblische Evangelium zu hören; und die Barrieren zwischen den Kirchen werden noch verstärkt, da die Mitglieder davon abgehalten werden, ihren eigenen “konfessionellen Zaun” zu übertreten – es sei denn im Rahmen der Einheits-Ideologie des Weltkirchenrates.
Wäre eine solche Politik in früheren Jahrhunderten in Kraft gewesen, dann hätte Luther nie die katholische Kirche zur Umkehr aufrufen dürfen. Wesley hätte nie seine von der anglikanischen Kirche nicht anerkannten Laienprediger losschicken dürfen, um Anglikaner zur Bekehrung aufzurufen. Selbst Paulus hätte nie in den jüdischen Synagogen über Jesus predigen dürfen.

Leider haben auch die evangelikalen Gemeinden und Allianzen in dieser Hinsicht, soweit ich beobachten kann, die Politik des Weltkirchenrates übernommen. Zwar nicht in bezug auf die Evangelisation von Katholiken, aber in bezug auf die Beziehungen der Mitgliedskirchen untereinander. (Statt “Proselytismus” benutzen sie den Ausdruck “Schafe stehlen”.) Wenn ein Evangelikaler in Perú die Gemeinde wechseln will, braucht er dazu einen Empfehlungsbrief des Pastors; und wehe dem Pastor, der diese Prozedur nicht beachtet! In manchen Gemeinden wird den Mitgliedern verboten, ohne Erlaubnis ihres Pastors einen Gottesdienst in einer anderen Gemeinde zu besuchen. Es gibt zwar gemeinsame Anlässe der Gemeinden unter der Aufsicht der Allianz. Wenn aber “gewöhnliche Christen” aus verschiedenen Gemeinden sich zusammentun, ohne dazu den “Segen” ihrer Pastoren einzuholen, dann werden sie argwöhnisch beobachtet, und meistens werden die Beteiligten von ihren Gemeindeleitern schnell und barsch zurückgepfiffen.
Dies ist besonders problematisch, wenn wir in Betracht ziehen, dass inzwischen auch viele “Evangelikale” nur Namenschristen sind, und dass auch in vielen “evangelikalen” Gemeinden nicht mehr das biblische Evangelium verkündet wird. Das “Nein zum Proselytismus” hindert auch diese Namenschristen daran, das Evangelium zu hören. Ausserdem wird dadurch verhindert, dass Leiter und Mitglieder von Gemeinden, die sich vom Evangelium entfernt haben, von Vertretern anderer Gemeinden auf ihren Fehler aufmerksam gemacht werden könnten.

Ich möchte mir nicht von Leitern, die sich “christlich” nennen, einen Maulkorb umbinden lassen bezüglich meines Zeugnisses für Christus. Deshalb bin ich nicht dazu bereit, mich dieser Ökumene anzuschliessen.

Ich hoffe hiermit auch dargestellt zu haben, dass “Ökumene” und “christliche Einheit” nicht gleichbedeutend sind. (In einer Fortsetzung möchte ich, so Gott will, darauf eingehen, wie ich christliche Einheit verstehe.) Aus den genannten Gründen mache ich nicht mit der ökumenischen Bewegung mit; und auch nicht mit “evangelikalen” Gemeinden, die im selben Fahrwasser mitschwimmen.

Hier in Perú (und anscheinend in Lateinamerika überhaupt) sind die Verbindungen zwischen Evangelikalen und ökumenischer Bewegung auf den höchsten Leiterschaftsebenen schon sehr weit fortgeschritten; aber das „gewöhnliche Kirchenvolk“ hat noch nichts davon mitbekommen. Das beunruhigt mich.
Bei Nachforschungen über diese Verknüpfungen stiess ich immer wieder auf dieselben Organisationen, und oft in Zusammenarbeit miteinander: Die United Bible Societies (UBS) und die ihnen angeschlossenen nationalen Bibelgesellschaften (die in Lateinamerika führend sind in der Verbreitung bibelkritischer Theologie); die Lateinamerikanische Theologische Bruderschaft (Fraternidad Teológica Latinomericana, FTL) – eine auf höheren Ebenen einflussreiche Organisation, von der aber die meisten „gewöhnlichen“ Kirchenmitglieder und Pastoren nicht einmal Kenntnis haben -; der Lateinamerikanische Kirchenrat (CLAI, das ist der lateinamerikanische Zweig des Weltkirchenrates); und das Sozialwerk „World Vision“ ( = „Weltliche Vision“ in der angebrachtesten – wenn auch nicht ganz korrekten – Übersetzung). Alle diese Organisationen vertreten mehr oder weniger offen die Ziele des Weltkirchenrates und die bibelkritische Theologie; werden aber von den Evangelikalen mit offen Armen als „Geschwister“ empfangen. Auch das beunruhigt mich. (Ich verbiete niemandem, ökumenische Überzeugungen zu haben und zu vertreten. Aber wo das auf diese verdeckte Weise geschieht, hintenherum und unter „bibeltreuer“ Tarnung, da kann ich nicht schweigen.) – Wie aus der Aufzählung hervorgeht, betreffen diese ökumenischen Verknüpfungen sowohl einheimische wie ausländische Organisationen.

Hier in Perú muss ich auch die Evangelische Allianz zu diesen ökumenischen Verknüpfungen zählen (hierzulande CONEP – Concilio Nacional Evangélico del Perú – genannt). Im Internet-Verzeichnis der internationalen Mitarbeiter des Weltkirchenrates (Stand 2004) figurieren genau zwei Peruaner: Rafael Goto Silva und Tito Paredes. Derselbe Rafael Goto Silva war von 2005 bis 2009 Präsident des CONEP; Tito Paredes war ebenfalls Leitungsmitglied. Mehrere andere Mitglieder des siebenköpfigen Vorstandes sind ebenfalls Mitglieder bzw. Mitarbeiter von ökumenischen Organisationen. Somit sind praktisch alle evangelikalen Kirchen in Perú – obwohl sie offiziell keine Mitglieder des Weltkirchenrates sind – „inoffiziell“ via CONEP in die weltweite ökumenische Bewegung eingebunden worden. Auch das beunruhigt mich natürlich.

Ich betone nochmals, es geht mir hier nicht darum, dass die Evangelische Allianz keine ökumenische Ausrichtung haben „dürfte“. (Sie hat sie ja sowieso, egal ob jemand dies kritisiert oder nicht.) Es geht mir um die unredlichen Methoden, die dabei angewandt werden, damit die breite Masse der Gemeindeglieder und Pastoren (die der Ökumene mehrheitlich kritisch gegenüberstehen) nichts davon mitbekommt. Von den Kanzeln herab wird die Ökumene lautstark verurteilt, während die obersten Leiter derselben Gemeindeverbände selber Ökumeniker sind. Im Jahre 1999 wurde mit einem politischen Manöver (das in einem Pressebericht als „Staatsstreich“ bezeichnet wurde) die nationale Leiterschaft eines der grössten peruanischen Gemeindeverbände abgesetzt und durch andere Leiter ersetzt, die der ökumenischen Bewegung freundlich gesinnt waren und ihr z.T. selber angehörten. – An der Bibelschule, wo ich selber mehrere Jahre lang mitarbeitete, wurde offiziell die göttliche Inspiration und Irrtumslosigkeit der Bibel gelehrt; inoffiziell aber waren die meisten Lehrer Ökumeniker und Bibelkritiker. (Meine Schüler des Abschlussjahrganges fielen aus allen Wolken, als ich ihnen die Denkvoraussetzungen der Bibelkritik erklärte und ihnen zeigte, dass die Hälfte der Bücher in der Schulbibliothek bibelkritisch waren: „Bis jetzt hat kein einziger Lehrer mit uns über dieses Thema gesprochen!“) Klar, dass auch das mich beunruhigt.

Es ist bezeichnend, dass es ein Vertreter der peruanischen Bibelgesellschaft war, welcher vor der Regionalsynode eines grossen Gemeindeverbandes forderte, die Verbreitung meiner Schrift über den Ökumenismus (wo obige Informationen mit Quellenangaben dokumentiert waren) sei in den Gemeinden zu verbieten, und mir als Person sei ein Lehr- und Predigtverbot zu erteilen. Deshalb erscheint der vorliegende Blog-Artikel in der Rubrik „Zensurierte Artikel“.

Bezeichnend auch, dass die Schweizer Missionsorganisation, die mich damals noch (zumindest als Lippenbekenntnis) „unterstützte“, aus meinem Jahresbericht vor der Veröffentlichung einen Hinweis auf diese Situation wegstrich, ohne jede Rücksprache mit mir. Auch deshalb erscheint dieser Blog-Artikel in der Rubrik „Zensurierte Artikel“.

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95 Thesen über die Lage der evangelischen (evangelikalen) Gemeinden – Teil 3

20. Februar 2011

VII) Über christliche Weltanschauung

63. Das Wort Gottes ist auf alle Bereiche des Lebens, des Wissens und der Gesellschaft anzuwenden (Ps. 24,1).
Die Bibel präsentiert uns nicht nur ein religiöses System, sondern eine ganze Weltanschauung, bzw. ein „Paradigma“, um die Ganzheit des Lebens und der Welt zu interpretieren.

64. Die heutigen evangelischen Kirchen wenden im allgemeinen das Wort Gottes nur auf das kirchliche Leben an (und einige noch auf das Privatleben), aber nicht auf das Leben im allgemeinen. Deshalb verlor die Kirche ihre Funktion als „Salz und Licht“ in der Welt.
Viele Mitglieder evangelischer Kirchen wenden das Wort Gottes nicht einmal auf ihr Privatleben an, abgesehen von den kirchlichen Aktivitäten. Deshalb sind sie kein Zeugnis für den Herrn vor der Welt.

65. Es können nicht zwei Wahrheiten existieren wie z.B. eine „religiöse“ und eine „wissenschaftliche“ Wahrheit, die einander widersprechen.
Die Wahrheit ist eine einzige. Wenn also eine sogenannte „wissenschaftliche Wahrheit“ (die von fehlbaren Menschen aufgestellt wurde) einer biblischen Wahrheit widerspricht (die vom unfehlbaren Gott erklärt wurde), dann ist die „wissenschaftliche Wahrheit“ ein Irrtum und muss sich dem Wort Gottes unterordnen.

66. Die Leiter und Mitglieder der heutigen evangelischen Kirchen haben im allgemeinen ein gespaltenes Denken. Einerseits akzeptieren sie die unfehlbare Wahrheit der Bibel in religiösen Angelegenheiten, aber andererseits folgen sie fehlbaren menschlichen „Wahrheiten“ in Angelegenheiten der Wissenschaft, Politik, Bildung, Psychologie, Soziologie, Arbeitswelt, usw. Deshalb haben sie irrige Ansichten über diese Bereiche. Da sie diese Bereiche als „weltlich“ (bzw. ausserhalb des Wortes Gottes stehend) ansehen, nehmen sie kritiklos die Lehren weltlicher „Experten“ an, und untersuchen diese Lehren nicht anhand des Wortes Gottes. So erlauben sie, dass von daher alle Arten von falschen Lehren in die Kirchen eindringen.
Die politischen, pädagogischen, sozialen, (usw.) Vorschläge der heutigen evangelischen Kirchen haben im allgemeinen keine biblische Grundlage, und widersprechen sogar öfters der Bibel.

67. Das Reich Gottes ist da, wo Gott regiert, d.h. wo der Wille Gottes erfüllt wird. Die Kirche „ist“ nicht das Reich Gottes; aber sie sollte es repräsentieren mittels des Lebensstils ihrer Mitglieder. (Die heutigen evangelischen Kirchen tun im allgemeinen nicht einmal dies.) Da Gott über alle Bereiche des Lebens und der Gesellschaft regiert, sollte sein Reich auch in den Bereichen der Wissenschaft, Politik, Erziehung, Arbeit, usw. repräsentiert werden, indem Christen, die in diesen Bereichen tätig sind, entsprechende biblische Prinzipien lehren und praktizieren (statt sich von der Welt gleichgestalten zu lassen).


VIII Über christliche Erziehung

68. Der erste und grundlegende Ort der Erziehung ist die Familie, und die ersten und grundlegenden Verantwortlichen für die Kindererziehung sind die Eltern. (5.Mose 6,4-7, Ps.78,5-8, Spr. 1,8-9, 4,1-4, Eph.6,4)

69. In den heutigen evangelischen Kirchen vernachlässigen im allgemeinen die Eltern diese Verantwortung gegenüber ihren Kindern, und die Leiter helfen ihnen nicht und ermutigen sie nicht dazu, diese Verantwortung wahrzunehmen.
Die heutigen evangelischen Kirchen stellen im allgemeinen die Sonntagschule an die Stelle der Familie. Indem sie fast alle ihre Programme altersgetrennt durchführen, spalten sie die Familien, statt sie zu einen.

70. Die Schule ist kein biblisches Mandat.
Innerhalb der biblischen Mandate für die Gesellschaft gehört die Schule zum Bereich der Familie, nicht zum Bereich der Regierung oder des Staates (s.o. No. 68).
Die Bibel erlaubt christlichen Eltern nicht, einen ungläubigen Lehrer mit der Erziehung ihrer Kinder zu beauftragen. (2.Joh.9-11).

71. Die heutigen evangelischen Kirchen haben sich im allgemeinen den weltlichen Einflüssen der säkularen Verschulung unterworfen, und lassen ihre Kinder von ungläubigen Lehrern erziehen.

72. Das beste Alter um sich zu bekehren, ist die Kindheit. (Spr.22,6, Pred.12,1, Mark.10,14-15, Apg.2,39)
Deshalb sollten sich die evangelistischen Bemühungen viel stärker auf Kinder konzentrieren, mit Priorität auf jenen Kindern, die schon in der Gemeinde sind, weil ihre Eltern Christen sind.

73. Die Kinder eines Christen sind nicht automatisch Christen. Im Gegenteil, die Bibel sagt, dass ein Kind in Sünde geboren wird (Ps.51,5, Röm.3,23, 5,12) und wiedergeboren werden muss, um geretttet zu werden.
Die heutigen evangelischen Kirchen behandeln im allgemeinen die Kinder von Christen, als wären sie selber auch Christen, und evangelisieren sie deshalb nicht. Auf diese Weise werden die Kinder über ihren wahren geistlichen Zustand getäuscht; und zudem werden sie christlichen Verhaltensnormen unterworfen, die sie gar nicht erfüllen können, weil sie nicht wiedergeboren sind. Das führt dazu, dass es manchmal für Kinder aus christlichen Familien schwieriger ist sich zu bekehren, als für Kinder aus nichtchristlichen Familien.


IX) Über die Ausbildung zum geistlichen Dienst

74. Die Ausbildung eines wahren Dieners Gottes geschieht in der Gegenwart des Herrn selbst; ein wahrer Diener Gottes lernt mehr von Gott selbst als von Menschen (Joh.6,45, 14,26, Gal.1,15-16, 1.Joh.2,27).
Die wichtigste Vorbereitung für den geistlichen Dienst besteht darin, viel Zeit mit Gott zu verbringen. (Mark.3,14, Apg.4,13)

75. Die Ausbildung eines wahren Dieners Gottes geschieht auch mittels des Beispiels anderer wahrer Diener Gottes, und mittels des praktischen Dienstes. (1.Kor.11,1, 1.Thess.1,6-7, 2.Tim.3,10-11)

76. Akademische Titel und Diplome sind ein falscher Beweggrund, sich zum geistliche Dienst ausbilden zu lassen.
Studenten, die sich aus diesem Beweggrund „ausbilden“ lassen, erhalten lediglich theoretische Kenntnisse, welche „aufgeblasen“ machen (1.Kor.8,1b).

77. Eine beträchtliche Anzahl Studenten an heutigen Bibelschulen und Seminaren sind nicht wiedergeboren und haben noch weniger einen Ruf zum geistlichen Dienst.
Infolgedessen können wir auch von den Pastoren und Leitern nicht sicher sein, ob sie wirklich wiedergeboren sind.

78. Jene Christen, die wirklich einen Ruf zum geistlichen Dienst haben, passen oft nicht in die gegenwärtigen Bibelschulen und Seminare.
Manche sind nicht zu intellektuellen Studien geneigt und haben deshalb Schwierigkeiten, die akademischen Anforderungen zu erfüllen.
Manche sind innovativ, und passen deshalb nicht in eine unflexible und reglementierte Umgebung.
Manche leiden unter dem Unverständnis ihrer Lehrer und Mitstudenten, die ihren Eifer für den Herrn nicht teilen.
Manche spüren, dass die Atmosphäre einer Bibelschule geistlich ungesund ist, und ziehen deshalb gar nicht in Betracht, sich dort ausbilden zu lassen.

79. Die Ausbildung eines wahren Dieners Gottes sollte w.m. in frühem Alter beginnen (1.Sam.1,24-28, Spr.22,6, 2.Tim.3,14-15).

80. Die heutigen evangelischen Kirchen vernachlässigen im allgemeinen den Dienst mit (nicht „an“) Kindern, und ziehen das Potential von Kindern für den Dienst nicht in Betracht. So verlieren sie fast alle ihre zukünftigen Leiter, und haben dann nur noch mittelmässige Leiter.

81. Die Ausbildung eines wahren Dieners Gottes geschieht nicht nach humanistischen Prinzipien, und nicht durch eine Ausbildung in äusseren Formen.
Die heutigen evangelischen Kirchen und ihre Ausbildungsstätten folgen im allgemeinen der humanistischen Idee, wonach Bildung den Menschen verbessert. (Das war schon die Idee der alten griechischen Philosophen, und der Apostel Paulus widerlegt sie mit Entschiedenheit: Röm.1,21-24, 1.Kor.1,18-31.) Aus biblischer Sicht ist das einzige, was den Menschen verbessern kann, die Wiedergeburt und das Werk des Heiligen Geistes in einem Christen (Röm.8,7-14, 2.Kor.3,18, Phil.2,12-13, 3,7-11).

82. Die existierenden Bibelschulen bilden im allgemeinen ihre Studenten nicht zum geistlichen Dienst aus. Stattdessen bereiten sie sie zum „korrekten“ Funktionieren in menschlichen Organisationen vor, und lehren sie menschliche Methoden.

83. Viele christliche „Lehrer“ suchen Gott nicht selbst, sondern kopieren nur Lehren von anderen Lehrern. Somit lehren sie Dinge, die zu lehren sie keine wirkliche Autorität haben, weil ihre Lehren keine Wirklichkeit sind in ihrem eigenen Leben.
Sie folgen nicht der Regel des Paulus, der „nicht wagte, von etwas zu reden, was nicht Christus durch mich getan hat“ (Röm.15,18). Solche Lehrer sind keine wahren Lehrer. Deshalb haben wir in den Kirchen viel Predigt und Lehre, die zwar „lehrmässig richtig“ ist, aber geistlich tot, und deshalb keine geistliche Frucht bringt.

(Anmerkung zum deutschen Sprachraum: Hier stellt sich das zusätzliche Problem, dass für eine staatlich anerkannte Pfarrerausbildung anscheinend die Zustimmung zur bibelkritischen Theologie notwendig ist. In den ursprünglichen „95 Thesen“ bin ich nicht darauf eingegangen, da es im spanischsprachigen Raum keine reformierten Landeskirchen gibt. Das Wetteifern um staatliche resp. akademische Anerkennung führt aber auch hierzulande zu einer zunehmenden Ausbreitung der Bibelkritik.)


X) Über Erweckung

84. Eine Erweckung ist eine Rückkehr der Kirche zu ihrem ursprünglichen Zustand, wie er von Gott entworfen und in der Apostelgeschichte und den apostolischen Briefen beschrieben ist.

85. Eine Erweckung ist ein Werk Gottes, nicht von Menschen. Als Menschen (inbegriffen die einflussreichsten Leiter) ist unser Platz, uns der Bewegung Gottes unterzuordnen; nicht ihm vorzuschreiben, wie er sich bewegen sollte, oder seine Bewegung „machen“ zu wollen.

86. Eine Erweckung beginnt mit tiefgehender Umkehr innerhalb der Kirche. (Siehe Offb. Kap. 2 und 3.)
Erweckung geschieht, wenn die Kirche sich bewusst wird, wie tief sie gefallen ist im Vergleich zur ersten Gemeinde, und von ihrem Abfall umkehrt; und wenn sich zuerst die eigenen Mitglieder und Leiter der Kirche wirklich bekehren und von neuem geboren werden.

87. Die historischen Erweckungen führten im allgemeinen zu grossen und bewegenden Versammlungen, zu Bekehrungen grosser Volksmengen, und zu einer Umgestaltung der ganzen Gesellschaft. Aber das alles sind nur die nachfolgenden Früchte einer Erweckung, nicht ihr eigentliches Wesen. Das Wesen einer Erweckung ist die Umkehr innerhalb der Kirche, und die Rückkehr der Kirche zu ihrem ursprünglichen, von Gott entworfenen Zustand.

88. Die heutigen evangelischen Kirchen suchen im allgemeinen gar keine Erweckung, oder dann haben sie eine falsche Vorstellung davon.
Viele verwechseln „Erweckung“ mit äusserlichen Ereignissen, mit organisierten Veranstaltungen, mit Gemeindewachstumsstrategien, mit einem bestimmten Lobpreisstil, usw. – während nichts davon mit einer echten Erweckung zu tun hat. Noch mehr im Irrtum sind jene, die glauben, eine Erweckung würde sich den Strukturen und Traditionen ihrer eigenen Denomination anpassen.
Deshalb stehen diese Kirchen in der Gefahr, einer Fälschung von „Erweckung“ zu folgen, wenn eine solche erscheint.

89. Jede Kirche (als menschliche Organisation verstanden) hat eine natürliche Tendenz, geistlich immer mehr zu erkalten, bis sie vom Glauben abfällt. Die heutigen evangelischen Kirchen sind im allgemeinen schon gefährlich weit fortgeschritten auf diesem Weg des Erkaltens. Nur eine Erweckung kann diese Tendenz aufhalten.

90. Die evangelischen Kirchen heute befinden sich im allgemeinen in einem solchen Prozess des Abfalls vom Glauben.
Dieser Prozess kann in den europäischen reformierten Kirchen vom 17.Jh. an historisch beobachtet werden; und derselbe Prozess geschieht jetzt parallel auch in den Freikirchen.
Die Schritte in diesem Prozess können folgendermassen beschrieben werden:

  • Tote Orthodoxie. Die Kirchen haben noch die richtige Lehre, aber sie haben keine wirkliche Erfahrung mehr mit Gott; sie folgen lediglich äusserlichen Ritualen und fallen in den Traditionalismus.
  • Es wird geglaubt, dass „die Kinder von Christen selber auch schon Christen sind“. Sie werden in einer christlichen Umgebung sozialisiert und daraufhin konditioniert, sich wie Christen zu verhalten; aber sie sind nicht bekehrt.
  • Da die wahre Bekehrung fehlt, hat der Glaube keine praktischen Auswirken mehr im Leben. Diese Kirchenmitglieder der dritten und vierten Generation „haben einen Anschein der Frömmigkeit, aber verleugnen ihre Kraft“ (2.Tim.3,5).
  • Parallel dazu dringt die bibelkritische Theologie ein, die lehrt, die Bibel enthalte Irrtümer, und ihre Wahrheiten seien nur relativ. (In diesem Stadium befinden sich z.Z. die meisten lateinamerikanischen Kirchen, und wahrscheinlich auch viele europäische Freikirchen.)
  • Es wird gelehrt, alle Menschen würden gerettet, ob bekehrt oder nicht (Allversöhnung), oder die Errettung sei gar nicht wichtig oder notwendig (Säkularismus). Über Bekehrung wird nicht mehr gepredigt.
  • Es wird verboten, über Bekehrung zu lehren; wer biblisch über Bekehrung und Wiedergeburt predigt, wird als ein Irrlehrer angesehen. (Das ist die gegenwärtige Situation der meisten reformierten Kirchen in Europa, und des ökumenischen Weltkirchenrates. Die anderen Kirchen werden schrittweise zu derselben Situation kommen, wenn Gott uns nicht eine Erweckung schenkt.)

91. Die meisten historischen Erweckungen begannen in Zeiten von „geistlicher Trockenheit“, nachdem einige Christen sich zusammentaten, um verzweifelt zu Gott zu schreien um Erweckung.

92. Die Tragik der heutigen evangelischen Kirchen besteht darin, dass sie gegenwärtig eine solche geistliche Trockenheit erleiden, aber sich dessen nicht bewusst sind, nicht umkehren und nicht um Erweckung schreien (Offb.3,1-2, 3,17-20).

93. Die historischen Erweckungen begannen mit „erweckten“ Gruppen innerhalb der bestehenden Kirchen; aber fast immer wurden sie von den bestehenden Kirchen abgelehnt, was zu Konflikten und Trennungen führte.
– Einige Beispiele:

  • Luther versuchte die katholische Kirche zu reformieren, aber er wurde exkommuniziert und sah sich gezwungen, eine getrennte Kirche aufzubauen.
  • Die Täufer wünschten eine radikalere Reformation, aber sie wurden gerade von den Reformatoren verfolgt und sahen sich gezwungen, sich von ihnen zu trennen.
  • John Wesley war ein ordinierter Pfarrer der anglikanischen Kirche (eine Kirche der Reformation) und begann die methodistische Bewegung innerhalb dieser Kirche. Aber die Kirche lehnte seine Methoden ab, und die Methodisten mussten sich als getrennte Kirche organisieren.
  • William Booth war ein methodistischer Prediger, der eine grosse Last dafür spürte, die Armen und Ausgestossenen zu erreichen. Aber seine Kirche verweigerte ihm die Unterstützung, und er musste eine neue Bewegung gründen, die Heilsarmee.

94. Die heutigen evangelischen Kirchen stehen im allgemeinen in einer grossen Gefahr, gegenüber einer echten Erweckung blind zu sein, wenn eine solche erscheint; und sie abzulehnen, weil sie sich nicht ihren Vorstellungen anpassen wird. Die Vorreiter einer kommenden Erweckung werden damit rechnen müssen, von den Leitern der gegenwärtig existierenden Kirchen abgelehnt und sogar verfolgt zu werden (Joh.16,2).

95. Das Gericht Gottes beginnt bei seiner Gemeinde (1.Petrus 4,17).
In der gegenwärtigen Situation, wenn wir sie anhand der Schrift untersuchen, müssen wir zum Schluss kommen, dass das Gericht Gottes über die Kirche nahe ist. Andererseits möchte Gott nicht den Tod des Gottlosen (Ez.33,11); er möchte Umkehr und Erweckung. Aber alles hängt davon ab, wie wir, die Kirche, auf den Ruf Gottes antworten werden.


SCHLUSS

Anmerkung: Durch einen Leserkommentar bin ich darauf aufmerksam geworden, dass die ursprüngliche Fassung des abschliessenden Aufrufs einseitig nur auf Fürbitte abzielte und andere wichtige Aspekte ausser acht liess. Ich habe deshalb den nachfolgenden Aufruf überarbeitet (Juni 2011).

Wenn diese Beobachtungen wahr sind, dann sind die heutigen evangelischen Kirchen meilenweit von der Urgemeinde entfernt. Sollen wir uns einfach mit dieser Situation zufriedengeben und sagen: „So sind die Zeiten, wir können es nicht ändern“? Meine Antwort ist: KEINESFALLS!

Darf ich für einige Momente direkt zu Dir sprechen, mein Bruder, meine Schwester, nachdem Du dies gelesen hast? Die Situation ist ernster als Du denkst. Wenn das Volk, das sich nach Gottes Namen nennt, nicht nach Gottes Wegen lebt und nicht umkehrt, dann kommt ein Gericht über dieses Volk – nicht nur im Alten Testament, sondern auch im Neuen (siehe 1.Petrus 4,17, Offenbarung 2,5 und 3,19).

Wenn Du bisher einfach den Traditionen und Gewohnheiten Deiner Kirche gefolgt bist, ohne diese an der Schrift zu überprüfen, dann ist es höchste Zeit, das jetzt zu tun und die gebotenen Änderungen vorzunehmen. Darf sich Deine Kirche mit Fug und Recht „christliche Gemeinde“ nennen? Hält sie einem Vergleich mit der ursprünglichen Gemeinde stand?

Wenn Du Dir andererseits der Problematik bereits bewusst bist, dann behalte diese Erkenntnis nicht nur für Dich. Paulus schreibt an den jungen Timotheus, nachdem er eine solche Situation des allgemeinen Abfalls vom Glauben voraussagt:
„Verkünde das Wort, tritt dafür ein zur Zeit und zur Unzeit, überführe, weise zurecht, ermahne mit aller Langmut und Belehrung! (…) Du aber sei nüchtern in allem, ertrage das Leiden, tue das Werk eines Evangelisten, vollbringe deinen Dienst!“ (2.Timotheus 4,2.5)

Lasst uns wieder ganz neu die volle Autorität von Gottes Wort auf den Leuchter stellen, über alle Theologien, kirchliche Traditionen und noch so „gesalbte“ Leiter. Lassen wir es zu, dass dieses Wort auch unsere eigenen liebgewordenen Traditionen radikal in Frage stellt, und lasst uns unser Leben danach ausrichten. „So denke nun daran, wie du empfangen und gehört hast, und bewahre es, und kehre um!“ (Offenbarung 3,3)
Lasst uns auch unsere eigene Errettung nicht vorschnell als gegeben voraussetzen. Haben wir wirklich eine von Gott geschenkte Wiedergeburt erlebt, mit Überführung von Sünde, Umkehr und Glauben; oder sind wir nur einem religiösen Zeremoniell gefolgt? „Stellt euch selbst auf die Probe, ob ihr im Glauben seid; prüft euch selbst!“ (2.Korinter 13,5)
Wenn Du die begründete Überzeugung gewonnen hast, dass Du tatsächlich zu Jesus gehörst, dann bitte ich Dich, auch zu „wandeln, wie jener gewandelt ist“ (1.Johannes 2,6). Nicht in einer selbstgemachten Frömmigkeit aus eigener Kraft, aber in einer echten Heiligkeit, die von Gott durch den Heiligen Geist geschenkt wird.

Nach was für Menschen sucht Gott in einer solchen gerichtsreifen Zeit?

„Und der Herr rief den in Leinen gekleideten Mann, der an seinem Gürtel das Schreibzeug hatte, und sagte zu ihm: Gehe durch die Stadt Jerusalem und zeichne ein Zeichen auf die Stirn der Leute, die seufzen und schreien wegen all der Greuel, die in ihr geschehen. Und zu den anderen sagte er, während ich es hörte: Geht hinter diesem durch die Stadt und tötet; eure Augen sollen nicht schonen und kein Mitleid haben. Tötet Alte, junge Männer und Frauen, Kinder und Frauen, bis niemand mehr übrigbleibt; aber jene, die das Zeichen an sich haben, sollt ihr nicht anrühren. Und fangt an bei meinem Heiligtum! – Und sie fingen an mit den Ältesten, die vor dem Tempel standen…“ (Ez.9,3-6)

Statt „Jerusalem“ und „Tempel“ müssten wir heute „Kirche“ setzen. Wenn selbst in der Kirche Dinge geschehen, die Gott ein Greuel sind, woran werden dann jene Menschen erkannt, die wirklich zu Gott gehören? Einmal natürlich, indem sie selber nicht an diesen Greueln teilnehmen. Dann aber auch daran, dass ihnen die Zustände um sie herum nicht gleichgültig sind: sie „seufzen und schreien“ deswegen. Sicher zuerst einmal aus eigenem Herzenskummer darüber. Ich glaube aber, dass noch mehr dazugehört. Ich glaube, diese Menschen flehen auch ihre Mitmenschen an, doch zu Gott zurückzukehren. Und ich glaube, sie flehen auch Gott um Sein Eingreifen an, damit Sein Name nicht mehr gelästert wird unter den Menschen, wegen eines Volkes, das sich „Gottes Volk“ nennt, es aber nicht ist. (Siehe Römer 2,24). Sein Eingreifen, entweder, indem er den Menschen eine solche Umkehr schenkt – oder aber, indem Sein gerechtes Gericht vollstreckt wird.

In diesem ganzen Zusammenhang sehe ich auch die folgenden Stellen:

„Den ganzen Tag und die ganze Nacht sollen sie nicht schweigen. Die ihr den Herr erinnert, ruht nicht und lasst ihn nicht ruhen, bis er Jerusalem wieder aufrichtet und sie zum Lobpreis macht auf der Erde.“ (Jes.62,6-7)

„Und ich suchte unter ihnen einen Mann, der eine Mauer machen und in den Riss treten würde vor mir für das Land, damit ich es nicht zerstörte…“ (Ez.22,30)

Wirst Du die Person sein, die in den Riss tritt? Ist in Deinem Herzen ein Schrei und eine Sehnsucht nach einer reinen Gemeinde, einer Braut, die ihres Herrn würdig ist? – Wenn Gott Deine Augen geöffnet hast und Du den Zustand der Kirche sehen kannst, dann warte nicht länger. Stehe auf, bringe Dein Leben vor Gott in Ordnung, rufe andere auf, dasselbe zu tun, und schreie zum Herrn um Erbarmen und Erweckung. Tue Dich mit anderen Geschwistern zusammen, die dasselbe auf dem Herzen haben.

95 Thesen über die Lage der evangelischen (evangelikalen) Kirchen – 2.Teil

11. Februar 2011

Zum Sinn und Hintergrund dieser „95 Thesen“, siehe das Vorwort im 1.Teil.  Hier die Fortsetzung:

V) Über einige Aspekte des Gemeindelebens

36. In den Versammlungen der neutestamentlichen Gemeinde „hat jeder“ etwas, um seine Geschwister aufzubauen (1.Kor.14,26).
In den heutigen evangelischen Kirchen ist dagegen die Mehrheit in den Versammlungen passiv und hat weder die Initiative noch die Möglichkeit, etwas beizutragen. Sogar in jenen Kirchen, die das Wirken des Heiligen Geistes betonen, werden nur einige wenige der Geistesgaben betont, und der durchschnittliche Gläubige erhält wenig bis keine Gelegenheit, sie wirklich auszuüben.

37. In der neutestamentlichen Gemeinde gab es „Einfachheit des Herzens“ (Apg.2,46) und Transparenz (1.Joh.1,6-7), gegenseitige Hilfe (Apg.2,32) und ungeheuchelte Liebe (1.Petrus 1,22).
In den heutigen evangelischen Kirchen gibt es im allgemeinen keine solche Gemeinschaft zwischen Gläubigen; stattdessen scheint es wichtiger zu sein, den äusseren Anschein und den „Status“ aufrechtzuerhalten.

38. Die heutigen evangelischen Gemeinden haben im allgemeinen eine Tendenz, sich immer weiter in verschiedene Denominationen und Parteien aufzuspalten. Die tiefere Ursache dieser Spaltungen ist meistens, dass „die Liebe erkaltet“ (Matth.24,12), und dass mit der Sünde nicht in der richtigen, biblischen Weise umgegangen wird.
Diese Tendenz zu Spaltungen und Parteiungen ist ebenfalls mit dem Mangel an wahrer Gemeinschaft unter Gläubigen verbunden.

39. In der neutestamentlichen Gemeinde bekannten die Christen einander ihre Sünden (Jak.5,16).
In den heutigen evangelischen Kirchen werden im allgemeinen entweder die Sünden überhaupt nicht bekannt; oder es gibt eine vertikale hierarchische Struktur wie in der katholischen Kirche, wo alle vor dem Pastor bekennen, aber der Pastor bekennt vor niemandem (ausser vor seinem übergeordneten Leiter); und der Pastor berät alle, aber niemand darf den Pastor beraten. Deshalb sind insbesondere die Leiter nicht transparent und legen vor der Gemeinde keine Rechenschaft ab, und es gibt keine echte, tiefe Gemeinschaft unter Geschwistern.

40. Die neutestamentliche Gemeinde investierte ihr Geld in die Hilfe an bedürftige Geschwister, und in die Unterstützung an die vollzeitlichen Verkündiger. (Apg.2,45, 4,34-35, 1.Kor.9,14, 2.Kor.8,14-15, Gal.2,10, Gal.6,6, Eph.4,28)
In anderen Worten, alle ihre Investitionen waren in Menschen, nicht in materielle Dinge (da die materiellen Dinge vergehen, aber die Menschen sind ewig). Insbesondere investierten sie nichts in Versammlungsgebäude, da sie sich an öffentlichen Plätzen versammelten und in ihren eigenen Häusern.

41. Die heutigen evangelischen Kirchen legen sich selbst im allgemeinen eine sehr schwere Last an Finanzen, Kräften und Zeit auf, wegen ihrer Bauvorhaben. Diese Mittel fehlen dann der eigentlichen Arbeit Gottes.

42. Die Christen im Neuen Testament öffneten ihre Häuser für (unangemeldete) Besucher und Versammlungen, und beherbergten wandernde Diener Gottes; sie waren bekannt für ihre Gastfreundschaft. (Apg.2,46, 5,42, Röm.16,23, 1.Kor.16,19, Kol.4,15, Phlm.2, Heb.13,2, 1.Petrus 4,9, 3.Joh.5-10)
Viele Mitglieder heutiger evangelischer Gemeinden haben nicht das Vertrauen, ihre Häuser anderen Geschwistern zu öffnen oder spontan andere Geschwister in deren Häusern zu besuchen (ausser sie werden offiziell zu Hauskreis-Gastgebern bestimmt). Das deutet auf einen Mangel an Gastfreundschaft hin, und auf einen Mangel an echter Gemeinschaft und Vertrauen unter Geschwistern.

43. Keine menschliche Organisation ist identisch mit „der Gemeinde“, und keine menschliche Person darf sich „Haupt der Gemeinde“ nennen. Die Gemeinde gehört Jesus dem Herrn, und niemandem sonst.
Deshalb ist es entgegen dem Wort Gottes, wenn ein Pastor, eine örtliche Gemeinde oder ein Gemeindeverband sich ein besonderes Recht über die Personen anmasst, die sich bei ihnen versammeln („meine Gemeinde“, „meine Schafe“). Die Bekehrung, Hingabe und Loyalität eines Christen richten sich an Christus, nicht an eine Denomination oder einen menschlichen Leiter (1.Kor.1,12-17, 3,4-9, 1.Petrus 5,3).
Die menschlichen Organisationen sind unvollkommen, führen immer ein gewisses Mass an Fehlern ein, und enthalten immer eine gewisse Anzahl nicht wiedergeborener Mitglieder.

44. Das Problem des Denominationalismus kann nicht gelöst werden, indem man einfach die bestehenden Denominationen verlässt, denn das bildet nur neue Denominationen, die ihrerseits in Konkurrenz stehen zu den bestehenden. – Es kann auch nicht gelöst werden, indem man „gemeindelos“ bleibt, denn ein Christ braucht die Gemeinschaft mit den anderen Gliedern des Leibes Christi. – Das Problem wird sich nur lösen, wenn die Gemeinde wieder anfängt, das christliche Leben des Neuen Testamentes zu leben.


VI) Über die Leiterschaft der Gemeinde

45. Die Gemeinde Jesu ist keine Diktatur (2.Kor.1,24, 1.Petrus 5,2-3). Die Leiter der Gemeinde Jesu sind dazu da, den anderen Gliedern zu dienen (Luk.22,24-27). Nicht jedes Wort des Leiters ist ein „Ausspruch Gottes“.
Viele heutige evangelische Kirchen sind Diktaturen. Leiter beschämen kalkuliert die Mitglieder, um zu erreichen, dass sie sich ihren Launen unterwerfen. Sie üben eine falsche Autorität aus, mit Manipulation und Drohungen, und missbrauchen oft den Namen Gottes, um ihre eigenen Ziele zu erreichen. Sie lehren, implizit oder explizit, dass ein Christ die Stimme Gottes nur mittels seiner Leiter hören kann.
Von einem Leiter, der so nach eigener Massgabe regiert, kann nicht gesagt werden, er sei von Gott eingesetzt oder repräsentiere die Stimme Gottes.

46. Die Gemeinde Jesu ist keine Demokratie. Es kommt Gott zu, nicht dem Menschen, Leiter zu berufen und einzusetzen (Joh.15,16, Apg.20,28, Eph.4,11).
Viele heutige evangelische Kirchen wählen ihre Leiter nach fleischlichen Kriterien; eine Mehrheit von gottfernen Mitgliedern wählt gottferne Leiter. Von solchen Leitern kann auch nicht gesagt werden, sie seien von Gott eingesetzt, denn sie befinden sich in ihren Stellungen entgegen dem Willen Gottes.

47. Die (örtliche) Gemeinde Jesu wird von mehreren Leitern geleitet.
Das Neue Testament erwähnt keine einzige Ortsgemeinde, die von einer einzigen Person geleitet worden wäre. Dagegen werden viele Gemeinden erwähnt, die von einer Gruppe von mehreren Leitern geleitet wurden (Apg.13,1, 14,23, 15,4.6, 20,17, Phil.1,1, 1.Thess.5,12-13, Titus 1,5, Hebr.13,7), und von einer Vielfalt von Diensten (Eph.4,11-12).

48. Im Neuen Testament wurde die geistliche Autorität von Personen dadurch erkannt und anerkannt, dass sie Jesus persönlich kennen und ihm nahe sind; und dadurch, dass sie mit ihrem Leben den Gläubigen ein Beispiel sind.
Die heutigen evangelischen Kirchen haben im allgemeinen irrige Kriterien für Autorität, wie z.B:

  • Kenntnisse oder akademische Titel,
  • eine durch menschliche Wahl übertragene Position,
  • die menschliche Fähigkeit zu überzeugen, zu manipulieren oder sich durchzusetzen,
  • die finanzielle Stellung.

Nichts von dem Erwähnten ist ein biblisches Kriterium für geistliche Autorität. Deshalb sind viele der gegenwärtigen Gemeindeleiter nicht jene, die nach biblischen Kriterien Leiter sein sollten.

49. Im Neuen Testament sind die Ausdrücke „Pastor“/“Hirte“ (insofern ein Leiter einer örtlichen Gemeinde gemeint ist), „Ältester“, und „Bischof“/“Aufseher“ synonym (Apg.20,17.28, Titus 1,5-7, 1.Petrus 5,1.4).
Es gibt keine „Pastoren als Vorgesetzte von Ältesten“, und keine „Bischöfe als Vorgesetzte von Pastoren“.
(Timotheus und Titus waren keine örtlichen „Pastoren“, sondern hatten einen apostolischen oder „ko-apostolischen“ (regionalen) Dienst als Beauftragte und Nachfolger von Paulus. – Siehe Titus 1,5 „in jeder Stadt“.)

50. Von den 5 Diensten, die in Eph.4,11 erwähnt werden, anerkennen die heutigen evangelischen Kirchen im allgemeinen nur den Dienst des „Pastors“/“Hirten“, und diesen verstehen sie erst noch falsch, indem sie einen einzelnen „Hauptpastor“ über eine örtliche Gemeinde stellen, was nicht biblisch ist (s.o. No.47) Deshalb ist das Volk Gottes geistlich unterernährt.

51. Die Gemeinde Jesu wird durch Konsens geleitet (Matth.18,19-20, Apg.15,22.28).
Ein Konsens wie er in den angeführten Stellen beschrieben wird, ist nicht ein gegenseitiges Abkommen zwischen unterschiedlichen menschlichen Meinungen. Vielmehr ist er die Harmonie, die entsteht, wenn alle Leiter ehrlich und ernsthaft Gottes Willen suchen (siehe Apg.13,1-3), und so zu einer einmütigen Entscheidung kommen. Um zu dieser Art Konsens zu kommen, ist das übernatürliche Wirken Gottes erforderlich, der jeden einzelnen führt.

52. Die heutigen evangelischen Kirchen kommen im allgemeinen nicht zu einem Konsens dieser Art, weil sie nicht ernsthaft Gottes Willen suchen; und weil einige ihrer Leiter nicht einmal wiedergeboren sind. Deshalb lassen sie sich von menschlichen Entscheidungen führen statt von Gottes Willen. Dieser Mangel an Konsens ist ein weiteres Zeichen dafür, dass die Kirchen und ihre Leiterschaft sich sehr weit vom Standard Gottes entfernt haben.

53. Wo die Leiterschaft das geistliche Leben hindert, oder dem geistlichen Leben gegenüber gleichgültig ist, statt dazu zu ermutigen, da handelt es sich nicht um eine wirkliche geistliche Leiterschaft.

Das geistliche Leben wird gehindert, wo z.B. …

  • … die Leiter die Zeit der Mitglieder mit geistlich unproduktiven Aktivitäten besetzen,
  • … die Mitglieder gelehrt werden, in erster Linie sich äusseren Regeln und Normen anzupassen, statt selber Gott zu suchen,
  • … die Leiter die Mitglieder von sich selber abhängig machen statt von Gott,
  • … die Leiter die Mitglieder als ihr persönliches Eigentum betrachten, indem sie z.B. verhindern, dass die Mitglieder geistliche Nahrung oder Rat erhalten von ausserhalb des Einflussbereichs des Leiters,
  • … die Leiter auf ihren Vorrechten bestehen, und besonders aktive Mitglieder mit Argwohn betrachten (insbesondere jene, die Änderungen vorschlagen),
  • … die Leiter die Mitglieder nicht zum Werk des Dienstes zurüsten (Eph.4,12), und ihnen weder Platz noch Freiheit lassen, dieses Werk zu tun,
  • … jede geistliche Aktivität vom Leiter „bewilligt“ werden muss,
  • … die Leiter sich nicht um die Ausbreitung des Evangeliums an ihrem Ort und in der Welt kümmern,
  • … die Leiter ihre Macht missbrauchen,
  • … die Leiter sich in das Privatleben der Mitglieder einmischen,
  • … die Leiter ihre Fehler nicht anerkennen, und keine Verantwortung dafür übernehmen,
  • … die Mitglieder den Leitern dienen müssen, statt dass ihnen geholfen wird, Gott zu dienen,
  • … die Leiter mit ihrem eigenen Leben zeigen, dass Gott nicht den ersten Platz in ihrem Leben hat,
  • … die Mitglieder entmutigt oder abgelehnt werden, wenn sie anfangen mit anderen zu teilen, was sie mit Gott erlebt haben.

Wo eine Leiterschaft in beschriebener Weise oder ähnlich handelt, da hat ein Christ KEINERLEI Verpflichtung, dieser Leiterschaft zu gehorchen oder sich ihr unterzuordnen (Apg.5,29).

54. Im Neuen Testament gibt es keine menschliche Leiterschaftsautorität, die über die örtliche Gemeinde hinausginge, mit Ausnahme des apostolischen Dienstes.
(Die Dienste der Propheten, Evangelisten und Lehrer können regional oder überregional sein, aber sie üben keine Leiterschaftsautorität über die Gemeinden aus.)

55. Die heutigen evangelischen Kirchen errichten im allgemeinen apostolische Strukturen (regionale und nationale Leiterschaften, Synoden, usw.), ohne dass sie überhaupt abgeklärt hätten, ob der apostolische Dienst heute noch existiert; und noch viel weniger, was die Kriterien dazu wären, dass jemand einen solchen Dienst ausübte. Deshalb haben sie Leiterschaftsstrukturen, für die sie keine lehrmässige Grundlage haben, und besetzen diese Strukturen mit Menschen, die die biblischen Kriterien nicht erfüllen für die Funktion, die sie innehaben.

56. Alle Christen sind Priester. (1.Petrus 2,5.9, Offb.1,6; 5,10; 20,6 – dies sind die einzigen Bibelstellen, wo das Wort „Priester“ für Christen gebraucht wird, und alle diese Stellen beziehen sich auf die Gesamtheit der Christen.) Kein Christ braucht einen anderen Priester (Mittler) ausser Jesus, um sich Gott zu nähern (1.Tim.2,5, Hebr.4,14-16, 10,19-22). Deshalb ist es unbiblisch und gotteslästerlich, wenn ein christlicher Leiter sich priesterliche Vorrechte über andere Christen anmasst. Nicht einmal die Apostel selber massten sich solche Vorrechte an.

57. Die Position eines „ordinierten Pastors“ gibt es im Neuen Testament nicht.
Die Leiter wurden aufgrund ihrer offensichtlichen geistlichen Autorität anerkannt (s.o. No.48), nicht durch einen Akt der „Ordination“. Niemand wird zu einem Pastor durch einen Akt der Ordination; sondern die Gemeinde anerkennt jene, die bereits „von gutem Zeugnis, voll von Heiligem Geist und Weisheit“ sind (Apg.6,3).
– Im Neuen Testament gab es zwar „Älteste“, und es gab die fünf Dienste, die in Epheser 4,11 erwähnt sind; aber beides war sehr verschieden von dem, was heute unter einem „ordinierten Pfarrer“ verstanden wird.
(Die einzigen neutestamentlichen Stellen, die im Sinn einer „Ordination“ verstanden werden könnten, sind die Hinweise auf die „Handauflegung“ in 1.Tim.4,14, 5,22, und 2.Tim.1,6. Aber diese Stellen sprechen einfach von einer „Gabe“, die verliehen wurde. Wenn einige Ausleger diese Stellen als „Ordination“ interpretieren, dann kommt das daher, dass sie bereits vom römisch-katholischen Konzept beeinflusst sind, s.u. No.58.
– Im Alten Testament wurden Priester ordiniert; aber das kann nicht auf die neutestamentliche Gemeinde übertragen werden, weil alle Christen Priester sind, s.o.
No.56.)

58. Das gegenwärtige Konzept eines „ordinierten Pastors“ kommt vom katholischen Sakrament der Priesterweihe, welche den „Klerus“ von den „Laien“ trennt und die „Laien“ vom Dienst des Herrn ausschliesst (während Eph.4,12 erklärt, dass es Aufgabe der „Pastoren“ etc. ist, alle Christen zuzurüsten, damit sie „das Werk des Dienstes“ tun). Deshalb haben die heutigen evangelischen Kirchen im allgemeinen noch ein viel eher römisch-katholisches als biblisches Amtsverständnis.
Eine andere Wurzel dieses irrigen Verständnisses liegt (in Südamerika) im Schamanismus, mit dem Glauben, der „Pastor“ besässe aufgrund seiner „Ordination“ gewisse mystische Kräfte (ähnlich einem Medizinmann), die andere Gläubige nicht haben.
Aus all diesen Gründen behindern oder entmutigen viele heutige „Pastoren“, „Pfarrer“ und „Leiter“ in Wirklichkeit Gottes Werk mehr als dass sie es voranbringen. Das geschieht, weil diese Leiter sich unersetzbar machen, und das verhindert, dass die „Laien“ effizient und vollmächtig dienen könnten. Die „Laien“ bleiben unreif und abhängig.

59. Die Austeilung des Abendmahls und das Taufen wird nirgends im Neuen Testament mit einer bestimmten Position der Leiterschaft oder des Dienstes in Verbindung gebracht.
Das Abendmahl im Speziellen ist die Fortsetzung des jüdischen Passah, und wurde in den Privathäusern gefeiert wie das Passah (Apg.2,46). Deshalb ist anzunehmen, dass das Abendmahl genauso wie die Passahfeier vom Familienvater geleitet wurde.
Was die Taufe betrifft, so wurde der Apostel Paulus von Ananias getauft (Apg.22,16), der weder Apostel noch Ältester war, sondern ein einfacher „Jünger“ und „gottesfürchtiger Mann“. Paulus selber erklärt, dass er nicht gesandt wurde zu taufen; somit waren es andere, die seine Bekehrten tauften (1.Kor.1,13-17). Der Missionsbefehl Jesu an alle seine Jünger (Matth.28,18-20) schliesst den Taufbefehl mit ein.
(Wir können nicht sagen, dass dieses Gebot sich nur an die Apostel richtete, denn es erstreckt sich „bis zum Ende der Welt“; und die Apostel werden beauftragt, „sie zu lehren, dass sie alles halten, was ich euch geboten habe“, was mit Sicherheit ebendiesen Taufbefehl mit einschliesst.)
Die logische Schlussfolgerung ist, dass das Neue Testament keinerlei Einschränkungen kennt, wer unter den Christen das Abendmahl austeilen oder taufen dürfte. Diese Funktionen gehören zum allgemeinen Priestertum aller Gläubigen.

60. Die heutigen evangelischen Kirchen sind jedoch nicht in der Lage, dieses allgemeine Priestertum auszuüben, weil viele ihrer Mitglieder keine wirklichen Christen sind; und auch unter den wirklichen Christen sind viele, die die Anzeichen einer echten Bekehrung in anderen nicht erkennen. Deshalb kann das allgemeine Priestertum nicht wirklich ausgeübt werden, solange die Kirche sich nicht wirklich reformiert.

61. In der neutestamentlichen Gemeinde wurden Personen, die in Sünde weiterlebten, ohne diese zu bereuen, von den anderen Christen gemieden (1.Kor.5,1-5, 5,11, 6,9-10), mit dem Ziel, sie zur Umkehr und zur Wiederherstellung zu bringen, wo immer möglich (2.Kor.2,6-11, 7,8-11).

62. In vielen heutigen evangelischen Kirchen wird eine verkehrte Art von „Gemeindezucht“ angewandt, mit dem Ziel, die Mitglieder zu manipulieren und zu bedrohen, damit sie den Forderungen der Leiter nachgeben.
Diese „Gemeindezucht“ wird nicht aus den biblischen Gründen angewandt, sondern um jene zum Schweigen zu bringen, die einem Leiter widersprechen oder ihn kritisieren (wie berechtigt die Kritik auch sein möge), usw. In allzuvielen Fällen, wo jemand eine Sünde eines Leiters aufdeckt, wird nicht der schuldige Leiter unter „Gemeindezucht“ gestellt, sondern derjenige, der die Sünde aufdeckte.

95 Thesen über die Lage der evangelischen (evangelikalen) Gemeinden (1.Teil)

31. Januar 2011

EINLEITUNG

Am 31. Oktober 1517 versuchte Martin Luther, eine öffentliche Diskussion in Gang zu setzen über den Zustand der Kirche seiner Zeit, und schlug einige Reformen vor. Das Ergebnis war viel radikaler, als er es sich vorgestellt hätte: statt die Kirche zu reformieren, entstand eine grosse Oppositionsbewegung gegen die Kirche; während die katholische Kirche selbst sich weigerte, sich zu reformieren.

Gegenwärtig haben die evangelischen und evangelikalen Kirchen ihrerseits eine Reformation nötig. Werden sie dieses Mal auf den Ruf des Herrn hören, oder werden sie die Geschichte wiederholen und wieder so handeln wie damals die katholische Kirche?

Viele der Beobachtungen in den folgenden Thesen kommen aus meiner eigenen Erfahrung im peruanischen Hochland. Die Situation ist in anderen Kulturen vielleicht anders. Aber ich erhielt ähnliche Berichte von so unterschiedlichen Orten wie Nordamerika, Europa und Afrika, sodass ich annehmen muss, dass zumindest einige der beschriebenen Missstände weltweit verbreitet sind.

Die meisten dieser Thesen sind einfache Vergleiche zwischen der Gemeinde des Neuen Testamentes und den heutigen evangelischen bzw. evangelikalen Kirchen. Wenn man mit offenen Augen diesen Vergleich vornimmt: wie weit sind wir davon entfernt, die Gemeinde zu sein, die Gott möchte?

Anmerkungen zur spanischen Originalausgabe:

– In diesen Thesen erscheint häufig der Ausdruck: „die evangelischen Kirchen … im allgemeinen“. – Ich bin mir bewusst, dass es unter den evangelischen Kirchen eine grosse Vielfalt gibt. Wahrscheinlich ist kaum eine Einzelgemeinde von allen aufgeführten Punkten betroffen. Aber wir alle sind verantwortlich, uns vor dem Wort Gottes zu prüfen.

– Dieses Dokument wurde nicht als fertige Lehrunterlage verfasst, sondern möchte zur Fürbitte und zu einer weiten Diskussion Anlass geben. Deshalb befindet es sich in einem provisorischen Zustand, und verschiedene Teile bedürfen evtl. einer Revision. „Thesen“ bedeutet ja: Standpunkte, die zur Diskussion vorgeschlagen werden; nicht eine fertig ausgearbeitete Lehrunterlage. Die Veröffentlichung war erst für einen späteren Zeitpunkt vorgesehen; aber ich kam zu der Überzeugung, dass diese Botschaft dringend ist und deshalb so bald wie möglich veröffentlicht werden sollte.

Anmerkungen zur deutschen Übersetzung:

Zum Zeitpunkt dieser Übersetzung sind über vier Jahre vergangen seit der Originalfassung. Die Reaktion darauf übertraf meine Befürchtungen noch: Es fand überhaupt keine Diskussion statt. Stattdessen wurden die vorliegenden Thesen von evangelikalen Leitern als „Unrat“ bezeichnet, zensuriert, verleumdet, oder zu „verbotener Lektüre“ erklärt. Diese negativen Reaktionen richteten sich unerwarteterweise mehrheitlich nicht gegen die eher kontroversen Thesen über Gemeinde und Gemeindeleitung, sondern gegen die These Nr.1, von welcher ich angenommen hatte, diese sei zumindest im evangelikalen Bereich noch unbestritten (göttliche Inspiration und Irrtumslosigkeit der Bibel). Mehrere evangelikale Organisationen und Leiter brachen öffentlich und ohne Begründung ihre Beziehungen zu mir ab. Ähnlich reagierten auch einige Leiter im deutschen Sprachgebiet, als sie sich einigen Grundgedanken dieser Thesen gegenübersahen. Zu einer konstruktiven Kritik auf biblischer Basis war bis heute (Januar 2011) niemand fähig. Deshalb konnte ich auch noch keine Revision dieser Thesen vornehmen. Sie erscheinen deshalb auch in dieser Übersetzung noch in der als „provisorisch“ vorgestellten Erstfassung (mit einigen wenigen zusätzlichen Anmerkungen).

Aus den genannten Gründen wird diese Artikelserie in der Kategorie „Zensurierte Artikel“ veröffentlicht.

So traurig auch diese Vorgänge sind, so bestätigen sie doch gerade eine meiner Hauptthesen: Die Kirchengeschichte ist in einem grossen Kreis zur Situation vor der Reformation zurückgekehrt. Nur dass heute die evangelischen und evangelikalen Kirchen die Rolle der damaligen katholischen Kirche spielen. Wenn sie mit klaren Aussagen der Heiligen Schrift konfrontiert werden, die ihren eigenen Traditionen widersprechen, dann reagieren sie nicht anders als die katholische Kirche des Mittelalters auf Luther.

Sprachliche Anmerkungen:

Eine Übersetzung ins Deutsche war nicht ganz einfach, denn die deutsche Sprache gebraucht einige spitzfindige Unterscheidungen, die in anderen Sprachen nicht vorkommen. So z.B. die Unterscheidung zwischen „evangelisch“ und „evangelikal“. Um nicht überall das Doppelwort „evangelisch/evangelikal“ schreiben zu müssen, gebrauche ich das Wort „evangelisch“ für beide. Wo spezifisch die reformierten Landeskirchen gemeint sind, schreibe ich „reformiert“.
Ebenso wird im Deutschen je nach konfessioneller Kultur entweder „Pfarrer“ oder „Pastor“, entweder „Kirche“ oder „Gemeinde“ gesagt. Auch diese Begriffe sind in den folgenden Thesen meistens austauschbar. In der Regel bevorzuge ich „Kirche“, wo eine menschliche Organisation gemeint ist, und „Gemeinde“, wo die neutestamentliche Gemeinschaft der Christen gemeint ist.
Betr. persönliche Fürwörter richte ich mich nach der Gepflogenheit des vor-feministischen Zeitalters, als bei Verallgemeinerungen das männliche Fürwort ausreichte, um alle, auch Frauen, einzuschliessen. Ich tue dies nicht, weil ich Frauen ablehnen würde, sondern lediglich weil mir der ständige Gebrauch von Doppelwörtern wie „er/sie“, „ihm/ihr“, zu umständlich ist.


95 THESEN

I) Über die Auslegung der Bibel

1. Die Bibel ist in ihren Originalhandschriften Gottes inspiriertes Wort, irrtumslos und unfehlbar.
– Obwohl die heutigen evangelischen Kirchen im allgemeinen dies in ihrem Glaubensbekenntnis festhalten, geben viele in der Praxis der kritischen Theologie Raum, welche die Bibel als ein menschliches Wort ansieht, das Irrtümer enthalten kann.

(Im deutschen Sprachraum haben viele reformierte Kirchen bereits die kritische Theologie zu ihrer offiziellen Theologie erklärt und sind hierin also wenigstens konsequent. Im Raum der Freikirchen dürfte aber die beschriebene Inkonsequenz – die in Lateinamerika allgemein verbreitet ist – auch vorzufinden sein.) Wenn einmal die Türen geöffnet sind für die kritische Theologie, folgen unvermeidlich weitere Irrtümer in der Lehre.

2. Die heutigen evangelischen Kirchen legen im allgemeinen die Bibel durch den Filter ihrer eigenen Tradition und gemeindlicher Gewohnheiten aus. Diese Tradition hindert sie daran, zu sehen, was die Bibel wirklich sagt.
Wenn sie „Kirche“ oder „Gemeinde“ lesen, stellen sie sich eine heutige Kirche vor, und sind sich nicht bewusst, dass die Gemeinde des Neuen Testamentes sehr anders war. Wenn sie „Bekehrung“ lesen, stellen sie sich eine Person vor, die an einer Evangelisationsveranstaltug ein „Übergabegebet“ nachspricht, und sind sich nicht bewusst, dass eine Bekehrung im Neuen Testament etwas ganz anderes war. Wenn sie „Pastor“ („Hirte“) lesen, stellen sie sich einen Pfarrer einer heutigen Kirche vor, und sind sich nicht bewusst, dass ein „Hirte“ im Neuen Testament etwas ganz anderes war. (Die Beispiele könnten beliebig vermehrt werden.)

3. Die Apostelgeschichte und die apostolischen Briefe sind Beschreibungen des Normalzustandes der Gemeinde, gemäss Gottes Willen für alle Zeiten.
Der Herr ist derselbe in allen Zeiten; Sein Wort besteht für immer (Jes.40,8, Matth.24,35); und wenn er irgendeine Änderung vorgesehen hätte für die Zeit nach dem Abschluss des Neuen Testamentes, dann hätte er dies zum voraus prophetisch angekündigt.
Die heutigen evangelischen Kirchen betrachten im allgemeinen die Apostelgeschichte nur als einen Bericht aus vergangenen Zeiten; oder sie interpretieren deren Inhalt um und passen ihn ihrer jeweiligen konfessionellen Tradition an; und auf beide Arten wird die Botschaft der Apostelgeschichte nicht wirklich auf heute angewandt. Dies ist ein schwerer Fehler, der die Kirchen blind macht dafür, wie weit sie sich von Gott entfernt haben.


II) Über die Wiedergeburt

4. Die Wiedergeburt ist eine Tat Gottes, nicht des Menschen (Joh.3,8, 6,44). Es ist Gott, der die Vorherbestimmten ruft und rechtfertigt (Röm.8,29-30). Die Verantwortung des Menschen besteht darin, auf den Ruf Gottes zu antworten mit Umkehr und Glauben (Markus 1,15, Apg.2,38, Röm.4,5).
Die evangelischen Kirchen heute (d.h. v.a. Freikirchen) glauben und lehren im allgemeinen, dass die Wiedergeburt eine Tat des Menschen ist (selbst wenn ihre offizielle Lehre anders ist) – das zeigt sich in ihren manipulativen Evangelisationsmethoden.
(Anm: Es geht mir bei dieser These nicht darum, eine spezifische Version der Prädestinationslehre zu diskutieren. Das genaue Zueinander von göttlicher Vorherbestimmung und menschlicher Verantwortung zu beschreiben, gehört zu den schwierigsten theologischen Fragestellungen überhaupt, und ich bin da durchaus offen für eine gewisse Bandbreite an Meinungen. Worum es mir vielmehr geht, ist die Grundsatzfrage, ob wir Gottes souveränes und übernatürliches Handeln in der Wiedergeburt anerkennen, oder ob wir eine Wiedergeburt als „menschlich machbar“ ansehen – und um die praktischen Konsequenzen, die die Beantwortung dieser Frage z.B. für die Evangelisation hat.)

5. Die Wiedergeburt geschieht nicht durch das Wiederholen eines Übergabegebetes, oder andere menschliche „Methoden“. Es gibt kein Beispiel im Neuen Testament, wo jemand auf solche Weise wiedergeboren worden wäre.
– Die evangelischen Kirchen heute nehmen im allgemeinen jemanden als „bekehrt“ an, wenn er ein Übergabegebet gesprochen hat (resp. die reformierten Kirchen, wenn jemand als Kind getauft wurde). Aufgrund dieser verfehlten Praxis sind die Kirchen verführt, und merken nicht, dass viele falsche Brüder unter ihren Mitgliedern sind.

6. Die wirkliche Umkehr besteht darin, Sünde zu bekennen und hinter sich zu lassen (Spr.28,13). Damit jemand zu einer solchen Umkehr kommt, muss er durch den Heiligen Geist von seiner Sünde überführt werden (Joh. 16:8-9).
Ein Sündenbekenntnis ohne vorausgehende Überführung durch den Heiligen Geist, und ohne den festen Entschluss, die Sünde hinter sich zu lassen, ist keine wirkliche Umkehr.

7. Die heutigen evangelischen Kirchen im allgemeinen verkündigen weder diese wirkliche Umkehr, noch praktizieren sie sie. Als traurige Konsequenz sind viele derer, die sich als Christen verstehen, nie wirklich von neuem geboren worden.

8. Der wahre Glaube, der auf das einmalige Opfer Jesu Christi zur Vergebung der Sünden und zu unserer Erlösung vertraut, führt zu einer Gewissheit, jetzt erlöst zu sein, nicht nur zu einer Hoffnung, „eines Tages“ erlöst zu werden (Joh.5,24).

9. Dieser wahre Glaube kann erst dann wirksam werden, wenn jemand vom Heiligen Geist von seiner Sünde überführt worden ist und wirklich zur Umkehr gekommen ist; vorher nicht.
Wer versucht, auf das Opfer Jesu zu vertrauen, oder das „Geschenk der Erlösung“ anzunehmen, ohne die Überführung von der Sünde erlebt zu haben, der lebt in einem falschen Vertrauen, weil er gar noch nicht weiss, von welcher Gefahr und welchem Urteil er erlöst werden muss.

10. Der wahre Glaube nimmt nichts von Gott „in Anspruch“, und macht auch keine „positiven Bekenntnisse“ über etwas, was er sich nur vorstellt, während die Wirklichkeit anders ist. Derartige „Rezepte“ stammen vom „positiven Denken“ des New Age her, nicht von der Bibel.
Der wahre Glaube vertraut schlicht und fest darauf, dass Gott tun wird, was er versprochen hat, nicht was ich mir vorstelle.

11. Wer von neuem geboren wird, der erhält in seinem Geist das Zeugnis des Heiligen Geistes, dass er Gottes Kind ist (Röm.8,16).
Dieses Zeugnis ist nicht dasselbe wie die menschliche Vorstellung, erlöst zu sein; es ist auch kein menschlicher Akt, es „im Glauben in Anspruch zu nehmen“. Wer dieses Zeugnis erhält, der weiss mit Gewissheit, dass dieses Zeugnis nicht aus seiner eigenen Vorstellung noch aus seinem eigenen Willen entspringt. Wer dieses Zeugnis nicht in sich hat, ist nicht wiedergeboren (Röm.8,9).


III) Über Evangelisation

12. Evangelisation im Neuen Testament ist: Menschen zur Überführung von der Sünde bringen, und zur Umkehr rufen, damit sie gerettet werden. (Matth.3,2, 4,17, Apg. 2,22-23.36-38, Röm.3,19-24)

13. Im Neuen Testament wurden keine Aufrufe gemacht, „Jesus anzunehmen“ oder ähnliches.
Es wurde zur Umkehr gerufen; aber jeder musste diese Umkehr aus eigener Initiative bezeugen, nicht als rituelle Reaktion auf einen Aufruf. (Die Anweisung „Kehrt um und werdet getauft…“ wurde nur jenen gegeben, die schon von sich aus gefragt hatten: „Was muss ich tun, um gerettet zu werden?“ – Apg.2,37-38, 16,30-33).

14. Die heutigen evangelischen (Frei-)Kirchen im allgemeinen rufen in ihrem Eifer, mehr Mitglieder zu gewinnen, nicht-reuige Sünder dazu auf, „Jesus anzunehmen“. Dies bewirkt viele falsche Bekehrungen und sehr wenige echte Bekehrungen.

15. Im Neuen Testament brachten die Christen keine Unbekehrten zu den Versammlungen der Gemeinde.
Im Gegenteil, die Nichtgläubigen hatten Angst davor, sich mit der Gemeinde zusammenzutun (Apg.5,13). Nur nachdem sie sich bekehrten, begannen sie sich mit der Gemeinde zu versammeln. (Dies sollte nicht mit den öffentlichen Versammlungen auf öffentlichen Plätzen verwechselt werden, wo jedermann die Möglichkeit hatte, der Lehre der Apostel zuzuhören, ohne Teil der Gemeinde zu sein.)

16. Die heutigen evangelischen Kirchen bringen im allgemeinen Unbekehrte zu ihren Versammlungen; diese Unbekehrten beginnen sich dann äusserlich wie Christen zu verhalten, bis sie als „Brüder“ angenommen sind, während sie in Wirklichkeit nie von neuem geboren wurden. So füllen sich die Kirchen mit falschen Brüdern.
Schon die Tatsache, dass Unbekehrte überhaupt keine Furcht mehr davor haben, sich mit der Gemeinde zusammenzutun, ist ein Zeichen, dass wir uns weit entfernt haben vom Zustand der Urgemeinde.

17. Im Neuen Testament bezeugte ein Sünder seine Umkehr, indem er sich taufen liess. (Apg. 2,38-41, 8,12, 8,35-38, 10,47-48, usw.)

18. Die heutigen evangelischen Kirchen, soweit sie die Erwachsenentaufe pflegen,
– zögern oft die Taufe wirklich Bekehrter unnötig hinaus; während dieser Wartezeit kann der Feind alle möglichen Zweifel, Versuchungen und Entmutigung in die Herzen der Bekehrten säen;
– taufen aus mangelndem Unterscheidungsvermögen Unbekehrte, die einfach gelernt haben, sich an die äusseren Formen des Christentums anzupassen, nachdem sie viel Zeit zusammen mit Christen verbracht haben.

Ein wirklicher Bekehrter muss mit der Taufe nicht warten; und ein unechter Bekehrter wird durch eine lange Wartezeit nicht zu einem echten.

19. Die Evangelisation im Neuen Testament versprach nie etwas anderes als die Erlösung und das ewige Leben.
Es wurde weder Heilung, noch die Lösung persönlicher Probleme, noch Wohlstand oder Glück versprochen als „Belohnung“ für eine Bekehrung. Im Gegenteil, der Herr rief seine Nachfolger dazu auf, um seinetwillen alles zu verlieren, sogar ihr eigenes Leben (Matth.10,37-39, 16,24-26, Luk.9,57-62). Nur jene, die dem Herrn auf diese Weise nachfolgen, können dann auch die Verheissung erhalten: „… und alle diese Dinge werden euch hinzugetan werden“ (Matth.6,33) – was sich lediglich auf die Grundbedürfnisse des Lebens bezieht.

20. Die heutigen evangelischen Kirchen versuchen im allgemeinen neue Bekehrte zu gewinnen mit Versprechen von Heilung, Lösung persönlicher Probleme, Wohlstand und Glück, usw. Auf diese Weise gibt es falsche Bekehrungen, weil sich die Menschen aus falschen und egoistischen Motiven „bekehren“.

21. So wie ein neugeborenes Baby nach Milch schreit, sucht ein wirklich wiedergeborener Christ von sich aus die Gemeinschaft mit dem Herrn und mit seinen Brüdern.
Wer nach der Bekehrung keinen solchen Hunger und Durst nach dem Herrn hat, ist nicht wirklich bekehrt.
Viele Mitglieder heutiger evangelischer Gemeinden müssen ständig „angespornt“ oder „ermahnt“ werden, weil sie von sich aus diesen Hunger und Durst nach dem Herrn nicht haben; aber das zeigt nur, dass sie in Wirklichkeit nicht wiedergeboren sind.

22. Die heutigen evangelischen Kirchen unternehmen im allgemeinen irrige Bemühungen, an falschen Bekehrten „Nacharbeit“ zu machen, z.B. indem sie sie zum Gottesdienst schleppen, zu dem sie gar nicht gehen wollen; oder indem sie sie unter Druck setzen, sich „christlich“ zu verhalten, während ihre unbekehrte Natur sie nach der anderen Seite zieht, usw. Das alles ist eine Verschwendung von Zeit, Kräften und anderen Mitteln, während die wirkliche Arbeit Gottes vernachlässigt wird: Menschen zu einer wirklichen Umkehr und einem wirklichen Glauben zu führen, gemäss den Prinzipien, die Gott selber aufgestellt hat.


IV) Über Heiligung und Heiligkeit

23. Das Neue Testament nennt nirgends einen Ungläubigen einen „Heiligen“, „Bruder“ oder „Christ“; und nirgends nennt es einen wiedergeborenen Christen „Sünder“. Ein wiedergeborener Christ ist heilig, weil er der Sünde gestorben ist und für Gott lebendig ist (Röm.6,3-11).
Die heutigen evangelischen Kirchen sind im allgemeinen verwirrt, weil sich in ihnen Sünder befinden, die sich „Brüder“ nennen, und Heilige, die sich „Sünder“ nennen. – Luthers Ausdruck „Heiliger und Sünder zugleich“ ist nicht biblisch.

24. Ein wiedergeborener Christ lebt gemäss dem Heiligen Geist (Röm.8,1.4.9.12-13), und mit der Hilfe des Geistes wendet er sich von der Sünde ab und erfüllt so die Gerechtigkeit, die Gott verlangt (Röm.8,4).
Er reinigt sich, weil er den wiederkommenden Herrn erwartet (1.Joh.3,2-3), und sündigt nicht bewusst (1.Joh.3,6-9). Ein wahrer Christ „folgt der Heiligkeit, ohne die niemand den Herrn sehen wird“ (Heb.12:14).

25. Diese Heiligkeit erlangt niemand durch eigene Anstrengungen, sondern durch das Wirken des Herrn, „der in euch sowohl das Wollen als auch das Vollbringen wirkt“ (Phil.2,13, 1.Kor.15,10, Joh. 15,4-6, Eph.2,10).
Ein wahrer Heiliger bemüht sich nicht, das Gute oder Richtige zu tun; aber er bemüht sich, in Christus zu bleiben (und als Ergebnis wird er effektiv das Gute tun).

26. Diese Heiligkeit hat nichts damit zu tun, religiöse Rituale oder äussere Vorschriften zu erfüllen; sondern sie hat mit der Integrität des Herzens zu tun, die Gott in allem gefallen möchte (Ps.40,6-8, Ps.51,6.10).
Die heutigen evangelischen Gemeinden verstehen „Heiligkeit“ allgemein in einem rituellen Sinn (die „richtigen“ und äusserlich „akzeptablen“ Dinge zu tun). Sie unterwerfen sich äusseren Vorschriften, „du sollst nicht in die Hand nehmen, nicht kosten, nicht berühren…“, was einen Anschein von Weisheit hat, aber nichts ausrichtet gegen die Gelüste des Fleisches (Kol.2,20-23). Sie führen Rituale durch von „Gottesdienst“, „Lobpreis“, „Gebet“, „Bekehrung“, „Versöhnung“ – alles der äusseren Form nach, aber die geistliche Realität fehlt. (Matth.15,7-9).

27. Die heutigen evangelischen Kirchen im allgemeinen verkündigen weder die wahre Heiligkeit, noch praktizieren sie sie.
In ihrer Mehrheit entschuldigen sie entweder die Sünde und übergehen sie leichthin; oder sie versuchen, die Heiligkeit durch menschliche Anstrengungen zu erreichen, die in Wirklichkeit fleischlich sind (Phil.3,4-9). Deshalb sagt die Welt: „Warum soll ich Christ werden, wenn sie auch nicht besser sind als ich?“ Und der Name Gottes wird gelästert unter den Heiden durch unsere Schuld (Röm.2,24).

28. Viele Mitglieder evangelischer Kirchen nennen sich selbst „unwürdige Sünder“. Damit geben sie Zeugnis gegen sich selbst, dass sie nicht gerettet sind.
Viele benutzen diesen Ausdruck sogar als Entschuldigung, um weiter zu sündigen; und so zeigen sie, dass sie sich nie wirklich bekehrt haben. – Die Praktik, „um Vergebung zu bitten, um nachher wieder sündigen zu können“, ist völlig entgegen dem Willen Gottes (Jer.7,9-11).

29. Das Evangelium besteht (wie schon Luther hervorgehoben hat) grundsätzlich aus zwei Botschaften: die Botschaft des Gesetzes und die Botschaft der Gnade. Im Neuen Testament wird das Gesetz den Sündern verkündigt, damit sie von ihrer Sünde überführt und zu Jesus Christus geführt werden (Gal.3,22-24). Die Gnade wird den reuigen Sündern verkündigt, damit sie zum Glauben kommen (Röm.3,21-24), und den Gläubigen, damit sie in ihrem Glauben gefestigt werden (Röm.6,14, 1.Petrus 1,13).

30. Die heutigen evangelischen Kirchen haben im allgemeinen diese Ordnung umgedreht: sie verkündigen die Gnade den nicht-reuigen Sündern, und das Gesetz den Gläubigen.
Dieser Fehler bewirkt zwei entgegengesetzte Übel, die ich im folgenden beschreiben werde. In den heutigen evangelischen Gemeinden, wo eines dieser Übel festgestellt wird, da wird häufig das andere Übel als Gegenmittel vorgeschlagen, während in Wirklichkeit beides sehr grosse Übel sind:

31. Die „billige Gnade“ (Bonhoeffer) ist das Übel, das davon kommt, wenn den nicht-reuigen Sündern die Gnade verkündet wird.
Es ist nicht biblisch zu sagen, dass der Herr alle unsere Sünden vergibt, unabhängig davon, ob wir zur Umkehr kommen oder nicht (Lukas 13,3). Es ist nicht biblisch zu sagen, die Erlösung koste nichts (Matth 16,24-25, Matth.13,44-46). Eine solche Verkündigung produziert nicht-reuige Sünder, die zu Gott kommen und sagen: „Wir sind befreit, um weiterhin alle diese Greuel zu verüben“ (Jer.7,8-11).

32. Das „Joch der Pharisäer“ ist das Übel, das davon kommt, wenn den wiedergeborenen Gläubigen das Gesetz verkündigt wird.
Es ist nicht biblisch, die Heiligkeit eines Christen nach seiner Anpassung an äusserliche Regeln zu messen (wie z.B. die Häufigkeit seines Gottesdienstbesuchs, die Höhe seiner Spenden, usw.) – Siehe Matth.15,7-9.
Diese Verkündigung bewirkt, dass die Christen „von der Gnade fallen“ (Gal.5,4) und wieder an ihrer Erlösung zweifeln; sie werden dazu verleitet, wieder aus eigener Kraft zu leben statt aus der Kraft Gottes; und so werden sie unter ein Joch gezwängt, das sie nicht erfüllen können, und beginnen mit der Zeit tatsächlich den Glauben zu verlieren.
Ausserdem bewirkt diese Verkündigung, dass die nicht-reuigen Sünder, die in der Kirche sind, sich so zu benehmen beginnen, als wären sie Christen, indem sie die äusserlichen Vorschriften erfüllen, während ihr Herz unbekehrt bleibt. Daraus entsteht eine derartige Verwirrung, dass es fast unmöglich wird, zwischen den echten und den falschen Christen in der Kirche zu unterscheiden.

33. Ebenso ist es das „Joch der Pharisäer“, über das Verhalten der Gemeindeglieder Kontrolle auszuüben mit Hilfe von Reglementen und Disziplinarverfahren über äusserliche Angelegenheiten und Menschengebote; oder dieselbe Art Kontrolle auszuüben mit Druckversuchen und persönlichen Drohungen.
Diese Art „Behirtung“ verhindert die Entwicklung des Gewissens der Christen, und hält sie gefangen in einer immerwährenden Unreife.
(siehe No.61 und 62 über die „Gemeindezucht“)

34. Wenn in der Gemeinde des Neuen Testamentes Sünde war, dann kam diese Sünde ans Licht; und das führte zur Umkehr (oder wo nicht, zur Strafe Gottes); und in beiden Fällen war das Ergebnis Gottesfurcht. (Apg. 5,1-11, 8,18-24, Gal.2,11-14)
Es wurde als normal angesehen, dass ein Ungläubiger, wenn er zufällig in eine Versammlung von Christen geriet, dort durch Gottes Wirken von seiner Sünde überführt wurde (1.Kor.14,24-25).

35. In den heutigen evangelischen Kirchen geht im allgemeinen die Sünde weiter, ohne ans Licht zu kommen; und sogar wenn sie ans Licht kommt, gibt es keine wirkliche Umkehr.
In den Gemeinden geschieht Diebstahl, Betrug, sexueller Missbrauch, Ehebruch. Lüge und Verleumdung werden bereits als normal angesehen. Das übernatürliche Wirken Gottes, die Sünde ans Licht zu bringen und davon zu überführen, geschieht nicht mehr. Das ist ein Zeichen, dass die Kirche als ganze sich sehr weit vom Willen und Standard Gottes entfernt hat.

Über die bibelkritische Theologie und die Situation in Lateinamerika

2. Dezember 2010

Vorbemerkung: Der folgende Artikel beruht auf einer längeren Schrift, die ich ca. 2004 in Perú zu verteilen begann aus Besorgnis über das Vordringen der Bibelkritik in evangelikalen Gemeinden und Bibelschulen. Wie stark der Einfluss der Bibelkritik hier ist, wurde mir aber erst klar, als mir mehrere regionale Leiter die Verbreitung dieser Schrift in den ihnen unterstellten Gemeinden verboten. Diese Artikelserie erscheint deshalb in der Kategorie „Zensurierte Artikel.“

Die Gedanken der Bibelkritik selber sind ja in Europa nicht neu. Ich habe deshalb die diesbezüglichen Erläuterungen gegenüber dem Original ziemlich stark gekürzt. Eher neu ist hingegen, dass diese Theologie auch in evangelikalen und offiziell „bibeltreuen“ Gemeinden gelehrt wird, und z.T. sogar als die einzig richtige Theologie bezeichnet wird. In Perú (und überhaupt in Lateinamerika) stellen die meisten evangelischen Kirchen in ihrem offiziellen Glaubensbekenntnis deutlich fest, dass die Bibel Gottes inspiriertes und irrtumsfreies Wort ist. Ihre Praxis unterscheidet sich davon aber sehr, wie Beispiel zeigt. Ich frage mich, was Gott ein grösseres Ärgernis ist: eine europäische Landeskirche, deren Theologen ganz offiziell sagen, die Bibel sei nicht so ernst (und schon gar nicht wörtlich) zu nehmen, oder eine sich bibeltreu nennende Freikirche, die unter dem Etikett „gesunde biblische Lehre“ verdeckt Bibelkritik lehrt?


Haben Sie sich schon einmal gefragt, was die angehenden Pfarrer und Theologen in ihren Bibelschulen und Seminaren lernen? Sicher lernen sie tiefe Geheimnisse der Bibel, in die kein gewöhlicher Sterblicher eindringen kann?
In Wahrheit lernen die Schüler vieler Bibelschulen und Seminare, die Bibel nach einer Methode auszulegen, die sich “Bibelkritik” nennt, oder auch “Liberale Theologie”, “Moderne Theologie”, “Historisch-kritische Methode”, “Wissenschaftliche Theologie”, “Bibelwissenschaften”, und andere Namen. Aber wie auch immer die Methode sich nennen mag, in Wirklichkeit ist sie unvereinbar mit dem Glauben Jesu und der Apostel.

Ein unangebrachtes Vorgehen

Diese kritische Theologie unternimmt grosse Anstrengungen, um zu zeigen, dass die Bibel (angeblich) viele Irrtümer und Widersprüche enthalte; dass die biblischen Autoren nicht wirklich das sagen wollten, was sie sagen; und dass sie nicht von Gott inspiriert waren. Wer noch glaubt, dass die Bibel irrtumslos von Gott inspiriert wurde, wird von diesen Theologen als “unwissenschaftlicher Fundamentalist” abgestempelt, und damit nicht ernstgenommen.
Wenn jemand von dieser Theologie beeinflusst wird, verliert er allmählich das Vertrauen auf das Wort Gottes. Als Methode gilt der Zweifel: Es muss zum voraus angenommen werden, die Bibel sei ein rein menschliches und fehlerhaftes Buch.
Gott sagt uns dagegen, dass die einzig angebrachte Weise, uns ihm zu nähern, darin besteht, dass wir bereit sind, seinen Willen zu tun (Joh.7,17) und zu vertrauen (Hebr.11,6). Die einzige Art und Weise, Gottes Gedanken kennenzulernen, besteht darin, sein offenbartes Wort anzunehmen (Jesaja 55,6-11). Wer das Vertrauen auf das Wort Gottes verwirft, verwirft das einzige existierende Instrument, um dieses Wort zu verstehen.

Vorerst nur ein kleines Beispiel: Eine Einleitung zum Alten Testament sagt:

“(Das Volk Israel) bestand aus verschiedenen Stämmen, die sich nicht vereinigten, bis David einen monarchischen Staat errichtete mit Jerusalem als Hauptstadt. Die historischen Quellen zu jener Epoche sind sehr fragmentarisch, weshalb wir den Ursprung des hebräischen Volkes im Detail nicht kennen.” (Studienbibel “Dios habla hoy”)

“Die historischen Quellen … sind sehr fragmentarisch” – dann wäre die Bibel also keine historische Quelle? – Nach der Bibel waren die zwölf Stämme Israels vereint seit der Zeit Moses, lange vor David. Aber die kritische Theologie nimmt die historischen Angaben der Bibel nicht ernst und schreibt die ganze Geschichte Israels um.

Der Einfluss der kritischen Theologie

– in den theologischen Seminarien:
Die Mehrheit der “akademischen Theologen” betrachtet die kritische Theologie als die einzig wahre Theologie. An den meisten theologischen Fakultäten ist es fast unmöglich, einen Abschluss zu erhalten für jemanden, der darauf besteht, dass die Bibel Gottes inspiriertes Wort ist. Deshalb: je höher der akademische Grad eines Theologen, desto grösser die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um einen kritischen Theologen handelt.

– im Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK):
Der ÖRK (auch „Weltrat der Kirchen“ genannt) hat die “historisch-kritische Methode” zu seiner offiziellen Theologie erklärt. Die meisten Leiter der ÖRK-Mitgliedskirchen fördern deshalb diese Theologie und unterdrücken andere Theologien.

– in den Bibelgesellschaften:
Die Vereinigten Bibelgesellschaften (United Bible Societies, UBS) sind ebenfalls mit dem ÖRK verbunden, und verbreiten die kritische Theologie. Die vorliegende Untersuchung beruht weitgehend auf in Lateinamerika verbreiteten Veröffentlichungen der UBS.

– in der katholischen Kirche:
Interessanterweise wurde die kritische Theologie, als sie im 19.Jh. auftauchte, vom Papst verurteilt. Aber anfangs des 20.Jh. gab es einem Umschwung, und heute arbeiten auch die meisten katholischen Theologen nach der “historisch-kritischen Methode”.

– im gefallenen Verstand des Menschen:
Den stärksten Einfluss der Bibelkritik müssen wir aber nicht in irgendeiner Organisation suchen, sondern in unserem eigenen Verstand. Von Natur aus sagt unser Verstand: “Ich kann die Wahrheit selber herausfinden, ich bin nicht sündig, ich brauche keine göttliche Offenbarung.” Dieser Stolz ist seit dem Sündenfall im Menschen drin. Der natürliche Mensch kann die geistlichen Dinge nicht erkennen (1.Kor.2,14), aber er glaubt alles zu wissen. Das ist genau die “historisch-kritische Methode”: eine Untersuchung der Bibel mit unserem natürlichen Verstand, als ob es keine göttliche Offenbarung gäbe.
So entwickelt sich ein Teufelskreis: Der Mensch handelt gegen Gottes Willen. Dann findet er in der Bibelkritik einen willkommenen Vorwand dafür: “Das ist sowieso nicht Gottes Wort; ich brauche das nicht ernstzunehmen.” So wendet er die kritischen Methoden an, was wiederum neuen Ungehorsam gegen Gottes Willen produziert.
Die Bibelkritik ist nicht aus wissenschaftlichen Gründen so weit verbreitet. Der wahre Grund ist, dass der Mensch einen Vorwand sucht, um in der Sünde zu verbleiben.
Auch wenn jemand sich zu Jesus bekehrt, wird der Verstand nicht plötzlich verändert. Wir müssen bewusste Anstrengungen unternehmen, um von unserem intellektuellen Stolz umzukehren und Gottes Offenbarung anzuerkennen. Auch ein Christ muss ständig sein Denken erneuern (Römer 12,2), sonst wird er zu einer leichten Beute für die Bibelkritik.
Deshalb handelt es sich in erster Linie um einen geistlichen Kampf (2.Kor.10,3-5). Wir müssen unsere Gedanken “gefangennehmen unter die Wahrheit Christi”.

Vorsicht vor den “Experten”!

Ich höre häufiger als früher christliche Leiter sagen: “Die Experten sagen…”, “Die Theologen sagen…” – Und fast immer ist es eine falsche Lehre, was die “Experten” sagen.
Zur Zeit der Reformation konnten die Christen zum wahren Evangelium zurückkehren, weil sie das Wort Gottes selber lesen konnten. So konnten sie die falschen Lehren der Kirche erkennen und widerlegen. Aber die heutigen Evangelischen scheinen diese Fähigkeit verloren zu haben. Statt selber zu erforschen, was das Wort Gottes wirklich sagt, folgen sie blindlings den “Experten”. Deshalb sind die evangelischen Gemeinden heute in eine Situation gekommen, die sehr der katholischen Kirche vor der Reformation ähnelt.

Ausgewählte Probleme der kritischen Theologie

Im folgenden werde ich einige Methoden und Theorien der Bibelkritik untersuchen. Die Beispiele entnehme ich zwei Werken, die von den UBS herausgegeben wurden:
Studienbibel “Dios habla hoy”, Kolumbien 1994 – Der Bibeltext ist die spanische Entsprechung zu “Die Gute Nachricht”; diese Studienbibel enthält ausführliche (bibelkritische) Einleitungen und Kommentare.
“Descubre la Biblia – Manual de Ciencias Bíblicas” (“Entdecke die Bibel – Handbuch der Bibelwissenschaften”, UBS, Kolumbien 1998)

Beide Bücher erwecken den Anschein, die göttliche Inspiration der Bibel zu befürworten, während sie in Wirklichkeit eine Indoktrination in Bibelkritik sind. Beide wurden mit grossem Werbeaufwand, Spezialpreisen und begleitenden Seminaren (mit kritischen Theologen) weit verbreitet, insbesondere unter Pastoren und Bibelschülern.
Es ist besorgniserregend, dass die UBS in Lateinamerika praktisch ein Monopol über die Bibelverbreitung innehaben. Und noch besorgniserregender, dass die evangelischen Gemeinden den theologischen Hintergrund der UBS nicht erkennen (welcher dem Glaubensbekenntnis fast aller lateinamerikanischen Gemeinden direkt widerspricht).

Zweifel über die biblischen Autoren

“Keines der vier Evangelien nennt den Namen des Autors. Ihre Zuschreibung zu den vier ‚Evangelisten‘ ist ziemlich viel später als die eigentlichen Evangelien, und kommt aus einer mündlichen Tradition, von der wir ab dem 3.Jh. schriftliche Zeugnisse haben.” (“Entdecke die Bibel”, S.176 Fussnote)
“Wahrscheinlich im 2.Jh. wurde es üblich, in die Abschriften der Evangelien die Titel ‚Nach Matthäus‘ (usw.) einzufügen. … Wir haben keine Information darüber, wie es zu dieser Identifikation kam.” (Studienbibel “Dios habla hoy”, S.1458)

Diese Äusserungen sind ziemlich merkwürdig, wenn wir in Betracht ziehen, dass keine einzige Evangelienhandschrift existiert, in welcher die Titel (“Nach Matthäus” usw.) fehlen würden (mit Ausnahme der unvollständigen Fragmente, in welchen der Anfang überhaupt fehlt.) Hier sehen wir, dass die “wissenschaftliche Theologie” in Wirklichkeit gar nicht wissenschaftlich ist: sie verbreitet Hypothesen, die mit keinem real vorhandenen Dokument belegt werden können. Die alten Handschriften legen vielmehr nahe, dass die Titel von Anfang an integraler Bestandteil der Evangelien waren.
Welche Absicht liegt dahinter, Zweifel zu säen über die Identität der biblischen Autoren? – Die Bücher des Neuen Testaments wurden hauptsächlich auf der Grundlage anerkannt, dass sie von einem Apostel geschrieben wurden, oder von einem unmittelbaren Aposteljünger unter Aufsicht eines Apostels. Die Urgemeinde zweifelte nie an der Identität der Autoren. Aber als im 19.Jh. die Bibelkritik aufkam, wurde vor allem die körperliche Auferstehung Jesu kritisiert. Die Auferstehung ist der klarste “Echtheitsbeweis” des christlichen Glaubens. Wenn jemand den christlichen Glauben angreifen wollte, musste er zuerst die Auferstehung leugnen. Könnte man “beweisen”, dass die Autoren der Evangelien keine Augenzeugen der Auferstehung waren, dann könnte man die Auferstehung als reine Erfindung der Urgemeinde abtun. Das ist das eigentliche Motiv hinter dieser Theorie.

Hier sagt einer der berühmtesten kritischen Theologen, was er wirklich glaubt:

“Das Osterereignis als die Auferstehung Christi ist kein historisches Ereignis; als historisches Ereignis ist nur der Osterglaube der ersten Jünger fassbar…”
(Rudolf Bultmann, 1941)

(NB: Zitate deutschsprachiger Autoren sind z.T. aus dem Spanischen rückübersetzt und können deshalb leicht vom originalen Wortlaut abweichen.)

In den Büchern der Bibelgesellschaften haben wir noch keine solchen Zitate – der Abfall vom Glauben wäre zu offensichtlich. Aber im Grunde haben die Theologen der Bibelgesellschaften die gleiche Theologie wie Bultmann.

Hier noch zwei Argumente gegen die Kritik der Evangelien:
– Joh.21,24 sagt eindeutig, dass der Autor ein Jünger Jesu und Augenzeuge der berichteten Ereignisse war.
– Paulus erwähnt in 1.Kor.15,6 mehr als 500 Augenzeugen der Auferstehung, “von denen viele noch leben”. (Auch die kritischen Theologen können nicht abstreiten, dass 1.Kor. weniger als 30 Jahre nach der Auferstehung Jesu geschrieben wurde.) Wenn dies eine Lüge oder Erfindung wäre, dann hätte jeder Feind des Christentums den Betrug sofort aufdecken können, indem er zeigte, dass diese Augenzeugen nicht existierten. Dann hätte sich die christliche Gemeinde aufgelöst, denn Paulus selber sagte: “Wenn Christus nicht auferstanden ist, … dann ist euer Glaube vergeblich” (1.Kor.15,14).

Die Suche nach Widersprüchen und die Annahme von verschiedenen “Quellen”

“In 2.Mose 3,1-15 verbinden sich zwei theologisch-literarische Traditionen, die aus zwei verschiedenen Zeiten und Orten stammen. Nur so erklärt sich, warum in einem Abschnitt, der die Offenbarung des Namens Yavé als eine Neuheit erzählt (2.Mose 3,11-15), Passagen vorkommen (2.Mose 3,2.4.7), wo dieser Name als Allgemeingut gebraucht wird. Dies lässt uns denken, dass in 2.Mose 3,1-15 eine Tradition erscheint, die den Namen Yavé schon länger gebrauchte, zusammen mit einer anderen, die diesen Namen hier zum ersten Mal einführt.”
(“Entdecke die Bibel”, S.198)

Dies ist ein Beispiel, wie die kritischen Theologen Widersprüche suchen, um die Autorschaft Moses abzustreiten. Der Name “Yavé” war schon zur Zeit Adams bekannt (1.Mose 4,26). In 2.Mose 3 steht nirgendwo, der Name Gottes sei eine “Neuheit”. Aber Mose kannte Gott noch nicht persönlich; er brauchte eine Offenbarung, wer Gott wirklich war. Wir können dies mit der Erfahrung Saulus‘ auf dem Weg nach Damaskus vergleichen: “Wer bist du, Herr? – Und er antwortete: Ich bin Jesus, den du verfolgst…” (Apg.9,5) Hier argumentiert auch niemand, der Name “Jesus” werde als “Neuheit” eingeführt!

“Viele Bibelforscher identifizieren drei theologisch-literarische Traditionen, die in 1. bis 4.Mose miteinander verwoben sind. Diese Traditionen wurden J (Jahwist), E (Elohist) und P (Priesterschrift) genannt. … Vor seiner Endredaktion war der Pentateuch (die 5 Bücher Mose, Üs.) in Traditionen aufgeteilt, welche das Volk begleiteten auf seinem Weg durch die verschiedenen historischen Momente … J ist vor allem mit Juda verbunden, und gehört in die Zeit des vereinten Königreichs (10.Jh.v.Chr.). E ist mit dem Nordreich verbunden und stammt aus der Zeit der Reichsteilung (9.-8.Jh.v.Chr.). P ist mit Jerusalem verbunden, als die Nation nicht mehr existierte (nach dem Exil).”
(“Entdecke die Bibel”, S.198-199 Fussnote)

Hier haben wir die kritische Theorie über die angeblichen Autoren der Bücher Mose. Nach dem Exil, als der letzte der hypothetischen Autoren lebte, wären wir etwa 900 Jahre nach Mose! (Wir werden später sehen, warum die kritischen Theologen daran interessiert sind, die biblischen Bücher möglichst spät zu datieren.)
Auch diese Theorie lässt sich mit keinem schriftlichen Dokument belegen. Wenn z.B. die “Tradition J” 500 Jahre lang als eigenständige Tradition existiert hätte, dann müssten doch Handschriften existieren, die nur diese Tradition enthalten. Aber alle Handschriften enthalten die 5 Bücher Mose in der Form, die wir heute kennen.
Ausserdem (was der Autor der Bibelgesellschaft uns nicht sagt), sind die kritischen Theologen weit davon entfernt, miteinander übereinzustimmen über den Ursprung einer gegebenen Bibelstelle in “J”, “E” oder “P”; oder auch nur über die genaue Anzahl der “Traditionen”.
Und noch etwas sagt uns der Autor nicht: Es ist schlicht unmöglich, die Bücher Mose so auf die drei oder mehr angenommenen “Traditionen” aufzuteilen, dass jeder Teil für sich Sinn machen würde. Um ihre Theorie aufrechtzuerhalten, müssen die Theologen annehmen, die Orignal-”Traditionen” seien ständig verändert worden, Teile seien weggelassen und andere hinzugefügt worden, ganze Abschnitte seien vollständig umgeschrieben worden gemäss der theologischen Tendenz des jeweiligen “Redaktors”, usw. – kurz, das Ganze seien menschliche Erfindungen und Legenden, aber keine historischen Ereignisse und erst recht nicht Offenbarung Gottes.

“Die Pastoralbriefe (1./2.Timotheus, Titus – Üs.), im Vergleich zu den anderen Paulusbriefen, zeigen verschiedene Besonderheiten. Die Sprache dieser Briefe ist ziemlich anders. Es erscheinen Ausdrücke, die in den anderen Briefen nicht vorkommen; und andere, die typisch sind für Paulus, kommen hier nicht vor. Auch im Inhalt gibt es auffallende Unterschiede … Viele denken, dass die Pastoralbriefe in eine Situation nach dem Tod des Paulus gehören, und von einem Paulusjünger geschrieben wurden.”
(Studienbibel “Dios habla hoy”, S.1805)

Wenn wir im Bibeltext Unterschiede oder unterschiedliche Standpunkte finden, dann gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten:

1. Wir nehmen eine Haltung des Zweifels und der Kritik ein, und nehmen zum voraus an, die Bibel enthalte Fehler.
– Dies tut der Autor des obigen Kommentars. Er hebt die Unterschiede hervor und schreibt sie unterschiedlichen menschlichen Tendenzen zu, welche die ursprüngliche Botschaft oder die ursprünglichen Tatsachen abgeändert hätten. Wer sagt, gewisse Ausdrücke seien “nicht typisch für Paulus”, der nimmt zum voraus an, was er beweisen will. Um festzustellen, welches die “typischen Ausdrücke” Paulus‘ sind, müsste man die Gesamtheit seiner Werke in Betracht ziehen, statt zum voraus anzunehmen, gewisse Briefe seien nicht von ihm.

2. Wir anerkennen, dass wir nicht alles wissen, weil wir nicht die vollständige Information über die Situation haben; aber wir vertrauen, dass der Heilige Geist die biblischen Schreiber inspiriert hat, und dass es deshalb keinen Irrtum gab.
– Dann werden wir einen Weg suchen und finden, wie die Unterschiede erklärt werden können als verschiedene Aspekte derselben Wahrheit.
Wir werden dann verstehen, dass der Stil und Wortschatz der Pastoralbriefe anders ist, weil Paulus sie in einer anderen Situation schrieb (gegen Ende seines Lebens), an andere Empfänger (Leiter, nicht die Gemeinde insgesamt), und zu anderen Themen (die Leitung der Gemeinde). Paulus war keine “Maschine”, die mechanisch immer dieselben Ausdrücke verwenden müsste.
Würden wir die kritische Methode auf moderne Literatur anwenden, dann kämen wir zum Schluss, “Narnia” und “Pardon, ich bin Christ” könnten keineswegs vom selben Autor geschrieben worden sein. Wortschatz und Stil der beiden Werke sind völlig unterschiedlich. “Narnia” ist ein Fantasieroman für Kinder, in welchem christliche Ideen und heidnische Mythologie nebeneinander vorkommen. “Pardon, ich bin Christ” ist eine intellektuelle Verteidigung des Christentums. Aber in Wirklichkeit wurden beide Bücher von C.S.Lewis geschrieben.

Annahme des Gebrauchs von Pseudonymen

“Manchmal schrieb ein uns unbekannter Autor unter dem Namen einer Person von anerkannter Autorität, um die von jener Person ausgedrückten Ideen schriftlich zu sammeln, oder sie zu interpretieren … Es war sogar üblich, dies auch nach dem Tod des angenommenen Autors zu tun.” (Studienbibel “Dios habla hoy”, S.1698)
(Kritische Theologen nehmen dies an z.B. im Fall der Pastoralbriefe, und 2.Petrus.)

– Es ist wahr, dass diese Praktik im Heidentum vorkam (z.B. griechische Philosophen). Aber das Volk Israel und die christliche Gemeinde leben unter dem Gebot: “Du sollst nicht falsch Zeugnis geben.” Aus der frühen Kirche ist der Fall eines Ältesten bekannt, der einen Brief unter dem Namen des Apostels Paulus schrieb. Als dies ans Licht kam, wurde der besagte Älteste seines Amtes enthoben. Dies zeigt klar, dass die christliche Gemeinde den Gebrauch solcher “Pseudonyme” nicht erlaubte.

Sind diese Fragen wichtig?

Die Kommentaristen der “Studienbibel”versichern, dass solche Theorien in keiner Weise unseren Glauben beeinträchtigen. Der Autor des obigen Kommentars beruhigt uns sogleich:

“Diese Tatsache vermindert weder die Autorität noch den religiösen Wert dieser Schriften.”

Aber: Kann ich noch auf die Bibel als Wort Gottes vertrauen, wenn ich annehme, dass einige ihrer Autoren uns einen falschen Namen angaben? Kann ich auf die Bibel vertrauen, wenn ich annehme, dass einige ihrer Bücher aus verschiedenen Werken mit verschiedenen theologischen Tendenzen zusammengefügt wurden? – Viele Evangelische sagen ja; aber sehen wir, was die Konsequenzen sind.
Es geht hier nicht nur um so oberflächliche Dinge wie den Namen eines Autors. Es geht um grundsätzliche Unterschiede im Glaubenssystem dieser Theologie. Wenn wir die Schlussfolgerungen akzeptieren (Pseudonimie, usw.), dann werden wir allmählich auch die Denkvoraussetzungen annehmen, die hinter diesen Schlussfolgerungen liegen.

Z.B: Wenn ich annehme, die Pastoralbriefe seien nicht von Paulus, dann muss ich auch annehmen, der unbekannte Autor hätte Einzelheiten aus dem Leben des Paulus dazu erfunden (1.Tim.1,3, 2.Tim.4,9-18). Ich müsste dann allgemein an der Wahrhaftigkeit und Integrität der ersten Jünger Jesu zweifeln. Ich käme dann zum Schluss, auch die Worte Jesu in den Evangelien seien vielleicht keine authentischen Worte Jesu. (Tatsächlich kommt die Bibelkritik zu diesem Schluss.) Aber wie könnte ich mein Leben auf Worte aufbauen, die von Lügnern erfunden wurden?
Die Interpretationen der kritische Theologie erscheinen dem natürlichen Menschenverstand plausibel, aber sie sind wie Angelhaken: sie sind an einer langen Schnur angebunden, die uns immer weiter von Gott wegzieht.

(Fortsetzung folgt)

Von der evangelikalen Zensur

27. Oktober 2010

Ich sehe mich veranlasst, eine neue Kategorie in diesem Blog zu eröffnen: „Zensurierte Artikel“. Dies, weil in den vergangenen Jahren bereits vier meiner Artikel der evangelikalen Zensur zum Opfer gefallen sind – und hätte ich weiterhin versucht, mich in diesem Umfeld hörbar zu machen, dann wären es bestimmt noch mehr geworden. Zwei dieser Artikel schrieb ich „auf Verlangen“, aber dann wurden sie von der Organisation, die sie verlangt hatte, so massiv gekürzt und zurechtgestutzt, dass das Wesentliche wegfiel; oder gar nicht veröffentlicht. Die zwei anderen Artikel hatte ich aus eigener Initiative verbreitet, aber mehrere evangelikale Leiter verboten mir die Weitergabe dieser Artikel an Mitglieder ihrer Organisation, und/oder verboten ihren Mitgliedern, sie zu lesen.

Natürlich hat jede Organisation das Recht, darüber zu entscheiden, was für Informationen „vereinsintern“ an ihre Mitglieder weitergegeben werden. Wenn aber eine grundsätzliche „Informationssperre“ für Mitglieder einer bestimmten Organisation verhängt wird, dann ist das sehr bedenklich. Noch bedenklicher wird es, wenn evangelikale Organisationen Artikel zensurieren, die genau jene Werte verteidigen, welche die Evangelikalen offiziell auf ihre Fahnen geschrieben haben: die Notwendigkeit einer Bekehrung zu Jesus Christus, und die Autorität der Bibel als Gottes Wort. Eine solche Kluft zwischen offiziellem Bekenntnis und tatsächlichem Handeln wird von Jesus „Heuchelei“ genannt, und er verbrachte ziemlich viel Zeit damit, diese Sünde anzuprangern.

Hätte ich in meinen Schriften Grundlagen des christlichen Glaubens in Frage gestellt, dann könnte ich solche Zensur vielleicht verstehen. Ebenso, wenn ich am Thema vorbeigegangen wäre und statt über Mission und Gemeindeaufbau zu schreiben, z.B. für eine neue hausgemachte Zahnpasta Werbung gemacht hätte. Aber wenn ich gerade darum kämpfe, dass die Grundlagen des christlichen Glaubens wieder auf den Leuchter gestellt werden, und dann genau von jenen Leuten zensuriert werde, die sich offiziell als die rechtgläubigsten Hüter dieses Glaubens ausgeben, dann muss ich annehmen, da sei ein ziemlich dicker Hund begraben.

Da es sich bei den „Zensoren“ sowohl um Europäer wie auch um Peruaner handelt, und aus verschiedenen Denominationen, habe ich keinen Anlass, diesbezüglich irgendwelche Unterschiede zu machen. Ich spreche deshalb hier gesamthaft von der „evangelikalen Zensur“, und dies sogar international.
 – Vielleicht wird mir jetzt jemand vorwerfen, ich verallgemeinere zu stark, und sicher handelten nicht alle Evangelikalen auf die beschriebene Weise. Richtig, ich muss das (bisher einzige) leuchtende Gegenbeispiel hier auch erwähnen: Die STH (Staatsunabhängige Theologische Hochschule) in Basel hat einen Artikel von mir veröffentlicht und hat vor der Veröffentlichung alle vorgesehenen Kürzungen und Änderungen mit mir abgesprochen. Das ist das korrekte Vorgehen, das aber heute leider selten zu finden ist.

Wenn Sie ein evangelikaler Leiter sind und davon überzeugt sind, Sie seien auch ein Gegenbeispiel, dann hindert Sie nichts daran, hiermit den Tatbeweis anzutreten und die Artikel dieser Kategorie zu veröffentlichen. Die auf diesem Blog veröffentlichten Artikel sind frei zur Wiedergabe, sofern die Bedingungen beachtet werden:
– Diese Artikel sind und bleiben geistiges Eigentum des Autors.
– Sie müssen vollständig und unverändert wiedergegeben werden, d.h. ohne Kürzungen, Zusätze oder andere Änderungen. Ausnahmen nur mit vorheriger Zustimmung des Autors. (Offensichtliche Rechtschreibe- und Tippfehler dürfen selbstverständlich korrigiert werden.)
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Immer noch vermisst: Das neutestamentliche Christentum

27. Oktober 2010

Bem: Dies ist ein kleiner Nachtrag zum Artikel „Auf der Suche nach dem neutestamentlichen Christentum“, den ich ursprünglich vor einigen Jahren auf Anfrage der Organisation schrieb, die mich (zumindest als Lippenbekenntnis) unterstützte. Gleichzeitig ist er aber Anlass, die neue Kategorie „Zensurierte Artikel“ zu eröffnen; denn die betreffende Organisation weigerte sich, den untenstehenden Artikel zu veröffentlichen.

Zehn Jahre lang habe ich im peruanischen Hochland mit Gemeinden verschiedenster Denominationen zusammengearbeitet; hauptsächlich in der Mitarbeiterschulung zum Dienst an Kindern und Jugendlichen, und in der theologischen Lehre. Ich spürte aber eine zunehmende Ablehnung der Gemeindeleiter gegen biblische Kernaussagen; und als wir als Familie von tragischen und skandalösen Ereignissen in Mitleidenschaft gezogen wurden, erlebten wir keine Unterstützung, sondern noch mehr Ablehnung. So musste ich mir die Grundsatzfrage stellen: Sind die Gemeinden überhaupt christlich?

Ich kehrte zum Neuen Testament zurück und fand da grosse Unterschiede zu den heutigen Gemeinden.
Die Urchristen bekehrten sich nicht mit einem Übergabegebet an einer Evangelisation. Sie wurden vom Heiligen Geist in der Tiefe überführt (Joh.16,8), sodass sie von sich aus fragten: „Was muss ich tun, um gerettet zu werden?“ (Apg.2,37).
Sie ahmten nicht äussere Formen nach, sondern wurden von Jesus in der Tiefe verändert.
Sie wurden nicht Untergebene eines Pastors oder Missionars, sondern folgten selber Jesus nach (Joh.10) und „forschten in der Schrift“ (Apg.17,11).
Sie kamen nicht zu einem Sonntagsgottesdienst zusammen, sondern zu einer natürlichen, persönlichen Gemeinschaft, wo „jeder etwas hatte“, um die anderen aufzubauen (Apg.2,44-47, 1.Kor.14,26).
Sie waren auch nicht in Denominationen aufgeteilt, die ihre Schäfchen eifersüchtig für sich hüteten – ausser in Korinth, wo Paulus dies tadelte (1.Kor.1,11-15; 3,4-11).
Leiterschaft war keine Karriere und keine Machtposition, sondern wurde als natürliche Anerkennung jenen zuteil, die Jesus am meisten liebten und bereit waren, für ihn zu leiden (Luk.22,24-27, 1.Kor.4,9-14).

Solche Unterschiede sind nicht belanglos. „Kirche wie alle sie kennen, verhindert Kirche wie Gott sie will.“ (Wolfgang Simson)

Ich höre oft das Argument, man müsse die historisch gewachsene Situation anerkennen und es gäbe doch keine perfekte Gemeinde. Dann hätten aber auch die Reformatoren die katholische Kirche anerkennen sollen, wie sie war, und wir müssten alle nach Rom zurückkehren.

Ich glaube stattdessen, wir sollten zur biblischen Originalgemeinde zurückkehren. Deshalb suche ich jetzt nach Mitchristen, die dasselbe Anliegen im Herzen tragen. Bei einigen Gelegenheiten konnte ich mit Gruppen von jugendlichen Mitarbeitern diese Art Gemeinschaft praktizieren. Aber nur wenige sind dazu bereit, und diese wenigen werden oft von ihren eigenen Gemeinden zurückgebunden. Ein übernatürliches Eingreifen Gottes ist hier nötig. Ich bitte Euch, für dieses Anliegen zu beten.

Auf der Suche nach dem neutestamentlichen Christentum

1. März 2010

Der folgende Artikel ist schon einige Jahre alt, aber immer noch aktuell. Ich möchte ihn hier hineinstellen als logische Folge des Artikels „Meine zweite Bekehrung“ – d.h. er stellt den darauffolgenden Schritt in meiner Lebensgeschichte dar. Ursprünglich schrieb ich ihn zur Gebetsinformation für Personen, die mich damals via eine Organisation unterstützten. Leider stiess der Artikel auf wenig Gegenliebe: Die Organisation, die ihn damals zur Veröffentlichung angefordert hatte, strich (ohne Rücksprache mit mir) die wesentlichen Abschnitte weg. Er erscheint deshalb hier in der Kategorie „Zensurierte Artikel“.


Gerne würde ich Euch mit diesem Bericht den Beginn einer neuen Etappe in unserem Dienst ankündigen; aber Gottes Zeit ist anscheinend noch nicht gekommen. Eine Etappe ist zu Ende gegangen; den Neuanfang suchen wir noch.

In den vergangenen Jahren haben wir viele Sonntagschulmitarbeiter ausgebildet, Teenager gelehrt, und evangelistische Kinderlager durchgeführt. An diesen Anlässen sahen wir manche Teilnehmer Glaubensschritte tun, Dinge in ihrem Leben in Ordnung bringen, oder zum ersten Mal überhaupt ihr Leben in Gottes Hand legen.

Leider war aber die langfristige „Frucht“ nicht dementsprechend. Nachdem sie der „Obhut“ ihrer Gemeinden überlassen wurden, haben die meisten Sonntagsschullehrer ihren Dienst aufgegeben, sind die meisten Teenager im Glauben zurückgefallen, und sind die Lagerkinder in ihrem Glauben nicht weitergeführt worden.

Es tut weh, dies zu sehen. Ich musste meinen eigenen Dienst, und die Realität der Gemeinden, neu überdenken:

  • Bisher nahm ich an, meine Lehrangebote seien eine Ergänzung zu den bestehenden Gemeindeprogrammen, und die Gemeinden täten das übrige. Leider ist das nicht (mehr) so. Insbesondere werden junge Christen in den Gemeinden nicht in ihrem Glaubensleben weitergeführt.
  • Ich habe das Evangelium zuwenig klar verkündigt. Die meisten Gemeinden verstehen unter „Sünde bereuen“ einfach: „ein Gebet sprechen“, und unter „Jesus nachfolgen“ verstehen sie „sich einer Gemeinde anschliessen und deren Tradition folgen“. Solange ich solche Ausdrücke ohne klare Erklärung verwendete, wurden sie in diesem Kontext verstanden, und das führte zu mehr Scheinbekehrungen als echten Bekehrungen. Nur eine Minderheit der evangelischen Gemeindeglieder ist wirklich wiedergeboren. Sie brauchen eine viel deutlichere Erklärung des Evangeliums.
  • Viele Gemeinden haben sich vom neutestamentlichen Christentum entfernt. Drei Symptome möchte ich nennen:
    1. Autoritäre Strömungen machen die Mitglieder von menschlichen Leitern abhängig statt von Gott. An einigen Orten wird gelehrt, man dürfe den Pastor nie in Frage stellen, selbst wenn er in Sünde lebt oder Irrlehren verkündigt. Das führt zu einer Art „Papsttum in evangelischem Gewand“. Nur wenige Christen lesen selber in der Bibel, und noch weniger prüfen die Lehre ihrer Leiter anhand der Bibel.
    2. Bibelkritische Theologie ist in fast alle Denominationen eingedrungen. Und selbst manche „bibeltreue“ Leiter nehmen in der Praxis die neutestamentlichen Berichte und Anweisungen über das Gemeindeleben nicht ernst. Deshalb werden Entscheidungen immer mehr nach menschlich-politischen Erwägungen, statt nach biblischen Kriterien getroffen.
    3. „Organisation“, „Tradition“ und „Routine“ sind im praktischen Gemeindeleben wichtiger geworden als die persönliche Herzensbeziehung zum Herrn. Z.B. wird die „richtige“ Durchführung des Gottesdienstprogramms wichtiger genommen als die geistliche Auferbauung und Gemeinschaft der Mitglieder.

Nachdem ich all dies gesehen hatte, fragte ich mich: Wo sind Christen, die ernsthaft ein biblisches Christentum leben wollen?

Mit einer Gruppe von jugendlichen Mitarbeitern konnte ich einige Wochen lang im Hochland „von Haus zu Haus“ „Gemeinschaft und Brotbrechen“ praktizieren (Apg.2,42), wo jeder etwas beiträgt zur Auferbauung der anderen (1.Kor.14,26). – Auch konnte ich in einigen Gemeinden und Gruppen über Bekehrung und Wiedergeburt lehren, und über die zeitlose Gültigkeit des Wortes Gottes. Aber das waren seltene Ausnahmen. Besonders als ich das Thema der Bibelkritik ansprach, wurde ich von Vertretern der (theologisch liberalen) Bibelgesellschaften heftig angegriffen.

Deshalb bin ich weiterhin auf der Suche, bis Gott irgendwo, irgendwie eine Türe öffnet. Wir sind dankbar, wenn Ihr dieses Anliegen in Euren Gebeten mittragt. – Bis es so weit ist, reduziert sich unser Kinderdienst auf die Nachbarskinder, die uns besuchen für Spiele, Aufgabenhilfe oder improvisierte Kinderstunden.


Aktuelle Nachbemerkung: Die erwähnten Gruppen jugendlicher Mitarbeiter existieren nicht mehr, weil die Gemeinden ihren Jugendlichen die Teilnahme verboten. Dafür haben die zuletzt erwähnten Aktivitäten mit den Nachbarskindern im letzten Jahr zugenommen, wie ich im Artikel „Sie sehnen sich nach Familie“ berichtete.