Posts Tagged ‘Christenverfolgung’

Wie die Gehirnwäsche im kommunistischen Deutschland funktioniert

4. August 2014

Leider etwas spät fand ich diesen offenen Brief von Dirk Wunderlich, dem Vater der deutschen Familie, der schon seit längerem die Ausreise nach Frankreich verweigert wird, und die ausserdem Opfer gewalttätiger Übergriffe von seiten deutscher Behörden geworden ist:

http://www.freiewelt.net/wie-laut-soll-ich-denn-noch-schreien-oder-die-schulpflicht-der-staat-und-der-tod-10036017/

Wunderlich analysiert darin eingehend, wie Deutschland 1968 eine (von der sogenannten „Frankfurter Schule“ initiierte) Kulturrevolution erlebte, und im Zuge der daraufhin einsetzenden allgemeinen Gehirnwäsche immer mehr zu einem Orwellschen Unrechtsstaat geworden ist. Es versteht sich von selbst, dass die Schulen ein entscheidendes Element dieser Gehirnwäsche sind, und dass von daher die Machthaber insbesondere die Schulpflicht mit brutaler und unverhältnismässiger Gewalt durchsetzen.

Dass die meisten Deutschen gar nicht bemerkt haben, dass diese Revolution stattgefunden hat, ist bei näherem Zusehen gar nicht so verwunderlich. Die Umstürzler haben aus den Erfahrungen des Sowjetkommunismus gelernt und wissen jetzt, dass es mehr Erfolg verspricht, ihre Revolutionen mittels allmählicher „Umerziehung“ des Volkes durchzuführen statt mit direkter Gewalt. „Der lange Marsch durch die Institutionen“ wurde diese verdeckte Operation von der „Frankfurter Schule“ genannt. Offenbar ist dieser lange Marsch jetzt an seinem Ziel angekommen, bevor es die meisten Deutschen überhaupt bemerkt haben.

Man vergleiche dazu den Fall Venezuela. Ausländische Beobachter erkannten ziemlich bald nach der Wahl von Hugo Chavez, dass er das Land allmählich in eine kommunistische Diktatur umgestaltete. Den Venezolanern selber ist das aber mehrheitlich erst in den letzten Jahren klargeworden, und einige haben es immer noch nicht bemerkt. (Als Chavez noch lebte, wurde er z.B. in mehreren evangelikalen Internet-Diskussionsforen als „Christ“ bezeichnet.) Wenn man selber das Ziel unterschwelliger Gehirnwäsche ist, dann bemerkt man das eben viel später als ein Aussenstehender – oder überhaupt nicht. Genau dasselbe geschieht anscheinend in Deutschland.

Es gab zwar einige wenige Warner (z.B. der dieses Jahr verstorbene Theologieprofessor Georg Huntemann), aber sie wurden anscheinend nicht ernst genommen. Man vergleiche auch den aufschlussreichen Artikel „60 Jahre DDR“.

Traurigerweise spürt man aus dem Brief der Wunderlichs auch die Verzweiflung einer Familie, deren psychische und physische Widerstandskraft durch den Staatsterror gezielt zerstört wurde. Und es gibt niemanden in Deutschland, der dagegen aufschreit?! Der Verdacht liegt nahe, dass die gegenwärtige Verfolgung christlicher Familien in Deutschland (schätzungsweise mindestens zwanzig Fälle in den letzten zehn Jahren) nur ein „Probelauf“ an einer gesellschaftlich isolierten Randgruppe ist (mehrheitlich „Homeschooler“), um zu erproben, wie weit man gehen kann, ohne dass die Allgemeinheit anfängt zu protestieren. Gleichzeitig wird daran gearbeitet, immer weiter reichende Gruppen von Christen auf dieselbe Weise gesellschaftlich zu isolieren (indem sie z.B. von der Evangelischen Allianz und verwandten Organisationen als „Fundamentalisten“ u.ä. beschimpft werden), sodass man nach erfolgreichem „Probelauf“ zu einer allgemeinen Christenverfolgung übergehen kann. Ein vereinter Protest zumindest des „evangelikalen“ Sektors könnte diese Entwicklung eventuell noch aufhalten; aber anscheinend hat man daran kein Interesse. Bis jetzt ist mir im deutschsprachigen Raum keine einzige evangelikale Gemeinde oder Gemeindeverband bekannt, und auch kein übergemeindliches Werk, das sich für verfolgte Christen in Deutschland einsetzen würde. Sollte mein Verdacht zutreffen, so werden sich die evangelikalen Organisationen bald vor die Wahl gestellt sehen, sich entweder der Staatsideologie völlig zu unterwerfen (was sie ja ohnehin zunehmend schon tun), oder aber selber verfolgt zu werden.


Zusatz für jene Leser, die über den „Fall Wunderlich“ nicht informiert sind:
Die Familie Wunderlich lebte längere Zeit in Frankreich, musste aber 2012 arbeitshalber nach Deutschland zurückkehren. Doch schon bald nach ihrer Ankunft wurde ihnen das Sorgerecht für ihre vier Kinder entzogen, weil sie aus christlicher Verantwortung ihre Kinder selber erzogen und ausbildeten. Den Kindern wurden die Pässe weggenommen, um eine Rückkehr der Familie nach Frankreich zu verhindern. Im Jahre 2013 überfiel ein Aufgebot von 40 Polizisten das Heim der Wunderlichs und verschleppte die Kinder an einen unbekannten Ort. Nach einem längeren juristischen Seilziehen durften die Kinder zwar nach Hause zurückkehren, aber nur unter der Auflage, dass sie eine staatliche Schule besuchen würden; und der Familie wurde gerichtlich die definitive Wegnahme der Kinder angedroht für den Fall, dass sie Deutschland verlassen würden. Das Sorgerecht und die Pässe der Kinder haben sie bis jetzt nicht zurückerhalten. Diese Familie wird also nach bewährter DDR-Tradition in ihrem eigenen Land gefangengehalten, nur weil sie in ein Land ziehen möchten, wo sie ihre elterlichen Rechte frei ausüben dürfen. Für dieses Ansinnen wurden sie in Deutschland ihrer Elternrechte sowie ihres Menschenrechts auf Freizügigkeit beraubt, und sowohl Eltern wie Kinder stehen in Gefahr, der Freiheit überhaupt beraubt zu werden. So ist es um die „Rechststaatlichkeit“ im Deutschland des 21.Jahrhunderts bestellt.

Siehe dazu auch die Presseerklärung vom Dezember 2013.

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Michael Wurmbrand distanziert sich von der „Hilfsaktion Märtyrerkirche“

29. Juli 2014

Michael Wurmbrand, Sohn von Richard Wurmbrand, ersucht die HMK dringend, den Namen seiner Familie nicht mehr zu verwenden.


Tom White, langjähriger Leiter von „Voice of the Martyrs“ (VOM), dem amerikanischen Zweig der von Richard Wurmbrand gegründeten HMK, beging vor zwei Jahren Selbstmord, kurz nachdem eine polizeiliche Untersuchung gegen ihn eingeleitet worden war wegen Kindsmissbrauchs. Daraufhin wurde die Untersuchung eingestellt.

Michael Wurmbrand, der Sohn von Richard Wurmbrand und Mitarbeiter von VOM, forderte in der Folge die Einsetzung einer unabhängigen Untersuchungskommission, die diese Vorgänge aufklären würde. Die einzige Antwort, die er darauf erhielt, war ein knapp gefasstes Entlassungsschreiben! Somit sah er sich gezwungen, an die Öffentlichkeit zu treten. In einem offenen Brief deckte er zugleich weitere unsaubere Vorgänge bei VOM auf, u.a. Betrügereien und massive Zweckentfremdung von Spendengeldern. (Die englische Originalfassung dieses Briefs ist u.a. hier zu finden: http://www.lighthousetrailsresearch.com/blog/?p=14889) Deshalb ersucht Michael Wurmbrand VOM und HMK dringend, seinen Namen und Person, sowie die Namen und Personen seiner Eltern Richard und Sabine Wurmbrand nicht mehr zu verwenden. Er bittet auch, diese Werke nicht mehr zu unterstützen, solange deren Leiter nicht bereit sind, die Unregelmässigkeiten in ihrer Mitte aufzuklären.

In einer zusätzlichen, auf Deutsch abgefassten Stellungnahme erklärt Michael Wurmbrand ausdrücklich, dass dies auch für die deutsche HMK gilt. Ich gebe diese Stellungnahme im originalen Wortlaut wieder:

„Michael Wurmbrand Postfach 36, 37285 Wehretal Email: wurmbrandmichael@yahoo.com

Von Mihai Wurmbrand, dem Sohn des verstorbenen Pastors Richard Wurmbrand, dem Autor des Buches „Gefoltert für Christus“.

Liebe Schwestern und Brüder:

Mein Vater verbrachte 14 Jahre um seines Glaubens Willen in kommunistischer Haft. Dieser Brief ist ein alarmierender Bericht über den starken Verdacht von Kindesmissbrauch, einem daraus resultierenden Selbstmord und die Abzweigung von Missionsspenden in Höhe von Zehntausenden von Dollars – das alles geschah innerhalb einer amerikanischen christlichen Mission namens „Voice Of Martyrs“ – ‚Stimme der Märtyrer‘ = VOM. VOM ist die Schwestermission der deutschen „Hilfsaktion Märtyrerkirche“ (HMK), und Sie unterstützen VOM deshalb indirekt mit Ihren Gaben.

Die HMK in Deutschland hat mein Vater, Pastor Richard Wurmbrand, ins Leben gerufen. Als Sohn von R.W. ersuchte ich die Leitung der HMK um Hilfe, diesen unchristlichen Aktivitäten einen Riegel vorzuschieben oder aber unseren Familiennamen nicht mehr für ihre Spendenwerbung zu gebrauchen.

Die HMK ist Mitglied eines internationalen Verbandes von Missionen, genannt „Internationaler Christlicher Missionsverband“ (ICA). So steht es im monatlichen Rundbrief der HMK.

Die HMK arbeitet eng zusammen mit der amerikanischen VOM, indem z.B. Photos und Artikel aussgetauscht werden.

Die HMK erhebt Anspruch auf die Arbeit und die Leistungen aller anderen Missionen, um Spenden zu bekommen.

Da die HMK ein Mitglied von ICA ist, erscheint das Gütesiegel jeden Monat auf dem VOM-Rundbrief.

Jahr für Jahr reisten die Leiter der HMK zu den internationalen Konferenzen, wo alle Missionen der ICA in Arbeitsgruppen in enger Zusammenarbeit mit VOM verflochten sind. Durch diese Zusammenarbeit mit VOM auf internationaler Ebene gibt die HMK der VOM ihr Vertrauen bezüglich der Verwendung der Spenden und ermöglicht somit VOM, diese Gelder missbräuchlich einzusetzen.

Ein Großteil dieser Missionsspenden stammt von wohlmeinenden Christen wie Sie selbst und kam durch Verwendung der Person meines Vaters Richard Wurmbrand zusammen. Das heißt Monat für Monat und Jahr für Jahr bestand eine enge Zusammenarbeit zwischen der HMK und VOM.

Als die Leitung der HMK in Erwägung zog, meinen Namen Michael Wurmbrand und meine Lebensgeschichte zur Spendenwerbung einzusetzen, und das geschah erst im vergangenen Jahr, da luden sie mich offiziell ein, Mitglied im HMK-Ausschuss zu werden. Auch bat mich die HMK, schriftstellerisch für sie tätig zu werden.

Als ich sie nun ersuchte um christlichen Widerstand gegen das Böse in ihrer Mitte, blieben die allermeisten meiner Briefe an die HMK ganz einfach unbeantwortet. Ich beharrte jedoch auf meiner Anfrage und wurde daraufhin ganz offen um Stillschweigen gebeten. Wie Kain in der Bibel antworteten sie: „sollte ich meines Bruders Hüter sein?“ Ihr Bestreben war, den Spendenfluss nicht zu stören. Trotz all meinen Bemühungen erreichte ich nicht ein einziges Schreiben, das die unchristlichen Vorgänge bei VOM verurteilt hätte.

Ganz unvermittelt behaupteten die HMK-Leiter mir gegenüber, es bestünde kaum eine Verbindung zur amerikanischen Mission, also zu VOM, und sie würden fast niemanden bei VOM persönlich kennen – das sind, so leid es mir tut derartige Worte zu gebrauchen, verzweifelte Verdrehungen der Tatsachen, um nur ja nicht die Wahrheit offenbar werden zu lassen! Ich habe bei der Missionsgründung der HMK persönlich mitgewirkt, ich stand jahrelang in Zusammenarbeit mit der HMK, ich kenne einige Vorstand Mitglieder persönlich, ich kenne diese Missionsarbeit sehr genau, ich weiß „who is who“ (‚wer ist wer‘) und „what is what“ (‚was ist was‘). Wie sollte man mich da irreführen können?

Dies ist ein internationaler Skandal, der beigefügte Brief zeigt dies im Detail. Die christliche Lebensvision meiner Eltern ist missbraucht worden. Ich bitte Sie, stehen Sie auf als gläubiger Christ, für sich selbst, für Ihre Familie, für die Wahrheit. Die Liebe zum Geld ist die Wurzel allen Übels. Ein Weg das Böse zu stoppen heißt: aufhören, es zu finanzieren Das heißt, wenn die Leidens-Familien-Geschichte der Wurmbrands Sie inspiriert hat, Spenden an HMK zu geben, so bitte ich als einziger Sohn von Richard und Sabine Wurmbrand, in bescheidener Weise, diese Organisationen nun nicht mehr zu unterstützen. Die christliche Lebensaufgabe und Zukunftsvision meiner Eltern ist missbraucht worden.

Gottes Segen, Michael Wurmbrand“

(Es folgt die deutsche Fassung des obenerwähnten Briefes betr. die amerikanische VOM. Einzusehen bei http://wurmbrandmichael.com/GERMAN.)

Falls nun jemand unterstellen wollte, diese Briefe von Michael Wurmbrand könnten auch gefälscht sein, so muss ich dazu sagen, dass die Organisation „Lighthouse Trails“ sorgfältige Abklärungen unternommen hat, bevor sie den Brief über VOM im Internet veröffentlichten. Hier eine Übersetzung des betreffenden Abschnitts auf dem Blog von „Lighthouse Trails“:

„Am 14.März erhielt ‚Lighthouse Trails‘ eine e-Mail von Michael Wurmbrand, dem Sohn des verstorbenen Richard Wurmbrand, dem Gründer von ‚Voice of the Martyrs‘. Um die Echtheit des erhaltenen Briefs zu prüfen, kontaktierten wir zuerst VOM. Ein Mann, der das Telefon beantwortete und sich unsere Frage anhörte, verband uns daraufhin mit einem automatischen Anrufbeantworter. Wir hinterliessen dort unsere Anfrage, erhielten aber bis zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Artikels keinen Rückruf. Dann suchten wir im Internet und fanden eine Telefonnummer für Michael Wurmbrand. Wir riefen an und hatten ein zehnminütiges Gespräch mit ihm. Seither hatten wir mit ihm auch e-Mail-Korrespondenz. Nach unserem Telefongespräch mit ihm waren wir überzeugt, dass sein untenstehender Brief in der Tat von Richard Wurmbrands Sohn stammt. Wir waren auch in der Lage, viele der untenstehenden Aussagen zu verifizieren. Wir glauben auch, dass Michael diese Aussagen nicht etwa aus rachsüchtigen Motiven macht.“

Da ich bis jetzt in keinem deutschsprachigen Internet-Medium den obigen Brief von Michael Wurmbrand finden konnte, noch auch nur einen Kommentar darüber, fühle ich mich moralisch verpflichtet, ihm wenigstens auf diesem Blog eine Stimme zu verleihen. Nicht weil ich etwas gegen die HMK an sich oder deren Leiter hätte. Aber es bringt Schande über den Namen Christi, wenn eine Organisation, die vorgibt, verfolgten Christen zu helfen, in Wirklichkeit sich selber dient und sich weigert, dunkle Vorgänge in ihrer Mitte aufklären zu lassen.

Das Schlimmste daran ist nicht einmal die begangene Sünde. Wir wissen, dass auch Christen sündigen können; und so wie ich die Bibel verstehe, kann ein Christ auch nach einem groben Fehltritt geistlich wiederhergestellt werden, wenn er aufrichtig umkehrt. Schlimm ist dagegen, wenn er an der Sünde festhält und sogar andere dahingehend manipuliert, damit die Sünde nicht aufgedeckt wird. (Über die zugrundeliegenden Mechanismen siehe „Freikirchen als Biotop für Verbrecher?“) Dann müssen wir mit der unheimlichen Möglichkeit rechnen, dass es sich hier um den Fall von Hebräer 10,26-27 handelt: „Denn wenn wir vorsätzlich sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit erlangt haben, so bleibt kein Opfer für die Sünden mehr übrig, sondern eine schreckliche Erwartung des Gerichts …“

In früheren Zeiten war es eine Stärke der HMK gewesen, Unrecht zu bekämpfen, indem es aufgedeckt und bekanntgemacht wurde. Davon ist man nun offenbar abgewichen – besonders wenn es um das eigene Land oder die eigene Organisation geht. So leid es mir tut das zu sagen, aber damit hat die HMK das geistliche Erbe des Gründers verlassen. Ich wünsche sehr, dass die verantwortlichen Leiter zur Umkehr kommen.


Nachtrag vom 13. August:

Aus Rücksicht auf die Gefühle der HMK-Mitarbeiter habe ich einige allzu starke Formulierungen meines ursprünglichen Artikels gelöscht oder abgeschwächt, insbesondere den Titel. Was aber den Inhalt betrifft, so hat mir die HMK leider keinen Grund geliefert, an den Aussagen von Michael Wurmbrand zu zweifeln – im Gegenteil. Siehe „(K)Eine Stellungnahme der HMK“.

 

Eine blosse Formsache

17. November 2013

„In dem Masse, wie sich das Christentum (im Römischen Reich) verselbständigte, stiess es auf zwei grosse Schwierigkeiten: es war nicht als gesetzmässige Religion anerkannt, … und seine Gläubigen weigerten sich, an der Verehrung des Kaisers teilzunehmen, eine blosse Formsache von eher bürgerlichem als religiösem Charakter; aber (die Christen) betrachteten dies als Götzendienst. Ihre Weigerung, die verfasste Ordnung anzuerkennen … löste mehrere Verfolgungen aus, eher gegen die christlichen Leiter als gegen die gewöhnlichen Gläubigen, angesichts der grossen religiösen Toleranz, die in Rom herrschte …“
(Aus einem neueren Geschichtsbuch.)

Die Personen, Orte und Begebenheiten der nachfolgenden Geschichte sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit Ereignissen der jüngeren Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft können jedoch nicht ausgeschlossen werden.

Stolz kündigte Claudio seiner Gemeinde am Sonntag die Neuigkeit an:
„Die Regierung hat das Gesetz über religiöse Gleichberechtigung in Kraft gesetzt. Danke, dass ihr euch für dieses wichtige Anliegen eingesetzt und mitgebetet habt. Ab jetzt können wir als Religionsgemeinschaft staatlich anerkannt werden, mit denselben Vorrechten wie die Landeskirchen. Jetzt wird uns niemand mehr ‚Sekte‘ nennen dürfen, und wir erhalten dieselben steuerlichen Vorteile und Subventionen wie die Landeskirchen.“
– Was er ihnen nicht sagte: Dieses neue Gesetz verschaffte auch ihm selber verschiedene Vorrechte. Er würde auch persönlich steuerliche Vorteile erhalten, und würde in den öffentlichen Verkehrsmitteln zu einem ermässigten Tarif fahren dürfen – ein wichtiger Punkt für jemanden, der so oft unterwegs war wie er.

Claudio bemühte sich daher, die Papiere für die Registrierung seiner Gemeinde so bald wie möglich in Ordnung zu bringen. Pünktlich fand er sich im Büro des Regionalintendenten für Religionssachen ein und legte die verlangten Dokumente vor, unter denen sich ein genauer Plan seiner Kirche befand, sowie eine Liste der Namen und Adressen aller Mitglieder, und verschiedene andere. Nach Bezahlung der Registrationsgebühr reichte ihm der Regionalintendent ein Formular:
„Dies ist Ihre Loyalitätserklärung dem Staat gegenüber. Eine blosse Formsache. Unterschreiben Sie hier auf der gestrichelten Linie.“
Claudio unterschrieb, nachdem er einige der kleingedruckten Artikel überflogen hatte. Später erinnerte er sich nur noch an zwei davon, die lauteten:
– „Der Religionsdiener verpflichtet sich zu voller Loyalität dem Staat gegenüber, und zur harmonischen Zusammenarbeit mit den Beamten des Religionsministeriums bei der Wahrnehmung ihrer Verantwortungen.“
– „Der Religionsdiener verzichtet darauf, in die Funktionen staatlicher Stellen einzugreifen, und Stellungnahmen zu umstrittenen Themen der Staatspolitik abzugeben.“
Er dachte nicht weiter darüber nach. Es war ja eine blosse Formsache.
Der Sekretär sagte zu ihm: „Herzlichen Glückwunsch. Sie sind jetzt eine staatlich anerkannte Religionsgemeinschaft. Nächste Woche können Sie Ihre Registrierungsurkunde abholen.“ Und er erinnerte ihn: „Vergessen Sie nicht, uns jährlich Ihre aktuelle Mitgliederliste zu bringen.“

So erfreuten sich Claudio und seine Gemeinde ihrer neuen Vorrechte. Am Jahresende erschien Claudio wieder auf dem Regionalamt für Religionssachen mit der aktualisierten Mitgliederliste. Der Sekretär überflog die Liste und fragte dann:
„Sagen Sie, welche dieser Leute sind die aktivsten? Die eifrigsten Beter? Welche haben das Zeug zum Evangelisieren?“
Claudio konnte nicht sogleich antworten. Einmal, weil er überrascht war darüber, dass dieser Staatsfunktionär ein solches Interesse am geistlichen Wohlergehen seiner Gemeinde zeigte. Und zweitens, weil das nicht gerade die Punkte waren, auf die er selber das Jahr über besonders geachtet hätte. Nach einigem Nachdenken wies er auf drei Namen auf der Liste: Gottfried E, Theophilus D. und Peter J.

Einige Monate später kam Theo D. besorgt und ratsuchend auf Claudio zu:
„Vor einigen Tagen erhielt ich Besuch von der Polizei. Irgendwoher hatten sie gehört, dass ich ab und zu einige Arbeitskollegen nach Hause einlade, um die Bibel zu lesen und zu beten. Der Beamte sagte mir, ich dürfe keine solchen ‚wilden‘ religiösen Versammlungen abhalten, da ich kein zugelassener Religionsdiener bin. Sag mir, was hat die Polizei damit zu tun? Und was könnte ich denn sonst tun, um meine Kollegen mit dem Evangelium zu erreichen?“
Claudio dachte eine Weile nach. Dann antwortete er mit dem besten Rat, der ihm einfiel: „Du weisst, dass wir der Obrigkeit untertan sein müssen, wie Paulus in Römer 13 sagt. Du hättest sowieso diese Versammlungen eingehender mit mir absprechen sollen. Ich empfehle dir, damit aufzuhören, und deine Kollegen stattdessen zu unserem Sonntagsgottesdienst zu bringen.“
„Aber sie fühlen sich nicht wohl in einer Kirche. Könntest du nicht zu mir nach Hause kommen, einmal in der Woche, und die Versammlungen leiten?“
„Es tut mir leid, aber meine Agenda ist schon übervoll. Überhaupt, wenn sie sich in einer Kirche nicht wohl fühlen, dann muss ich annehmen, dass es mit ihrem Interesse am Evangelium nicht weit her ist.“
„Aber Claudio, wenn du sie nur kennenlernen könntest … sie haben einen solchen Hunger nach dem Wort Gottes!“
Aber Claudio kannte seine bürgerlichen Pflichten. Und er kannte auch seine Agenda. Er konnte keine Unregelmässigkeiten zulassen.

Einige Zeit später begegnete Claudio seinem Amtskollegen Simon. Dieser sagte zu ihm: „Hast du schon gehört, dass die Kirchensteuer abgeschafft werden soll?“
„Wie gut! Endlich wird Schluss gemacht mit den ungerechten Vorrechten der Landeskirchen.“
„Ja, das ist wahr. Aber erinnerst du dich, dass wir unter dem Gesetz über religiöse Gleichberechtigung bereits dieselben Vorrechte haben wie die Landeskirchen?“
„Ach ja, das hatte ich vergessen. Aber jetzt werden die Landeskirchen ja sowieso keine Vorrechte mehr haben.“
„Das ist genau das Problem, das ich sehe.“
„Wie? Willst du sagen, dass …?“ – Claudio schwieg beim Gedanken daran, was dies möglicherweise für seine eigene Gemeinde bedeuten könnte.

An einem sonnigen Maitag erschien in allen grossen Tageszeitungen die folgende Nachricht:

„MUTIGE REGIERUNGSMASSNAHME GEGEN RELIGIÖSE PARALLELGESELLSCHAFTEN
Endlich hat es der Staat unternommen, in den chaotischen Zuständen der religiösen Organisationen Ordnung zu schaffen, in Übereinstimmung mit der Internationalen Konvention über Religionsfreiheit. Gemäss dem Regierungsdekret vom Montag werden alle Religionsdiener in die Kategorie von Staatsbeamten erhoben, und alle Liegenschaften der religiösen Organisationen werden in Staatseigentum übergehen. Das Religionsministerium wird Massnahmen ergreifen, damit sich keine religiöse Organisation der staatlichen Aufsicht und Ordnung entzieht in der möglichen Absicht, eine religiöse Parallelgesellschaft zu errichten.“

„Recht so“, dachte Claudio, „das wird jetzt zumindest den Machenschaften dieser Rebellen von der Freien Gemeinde ein Ende setzen.“ – Schon seit einiger Zeit verspürte Claudio eine gewisse Eifersucht gegen jene nichtregistrierte Gemeinde, die sich nur zweihundert Meter von seiner Kirche entfernt zu versammeln pflegte. Sie hatten vor wenigen Jahren als informelle Treffen in einem Privathaus begonnen; aber nach der Lautstärke zu schliessen und nach der Anzahl der Menschen, die ein und aus gingen, mussten sie bereits doppelt so viele Mitglieder haben wie Claudios Gemeinde. Und sie schienen nicht im Geringsten an den Vorrechten interessiert zu sein, die der Staat ihnen anbot gegen eine blosse Formsache.

Tatsächlich war zwei Wochen später während des Sonntagsgottesdienstes ein Aufruhr auf der Strasse zu hören, und sogar einige Schüsse fielen. Später erfuhren sie, dass die Polizei die Versammlung der Freien Gemeinde zerstreut und das Haus verschlossen hatte. Noch war nichts über den Verbleib ihrer Leiter bekannt. Claudio fühlte sich befriedigt, wenn auch ein wenig beunruhigt wegen der Schüsse. Aber er dachte: „Warum haben sie aber auch der Polizei Widerstand entgegengesetzt? Sie sollten doch wissen, dass sich ein Christ der staatlichen Autorität unterordnet.“

El selber erhielt jetzt ein festes Gehalt vom Staat. Freilich durfte er jetzt als Staatsangestellter keine Spenden oder persönlichen Geschenke von Gemeindegliedern mehr annehmen. Aber was machte das aus, wo doch der Staat seine finanzielle Situation sicherstellte?

Einige Zeit später stand Theos Frau weinend bei Claudio vor der Tür: „Mein Mann ist verschwunden. Vorgestern ging er zur Arbeit wie immer, und seither ist er nicht zurückgekommen, und niemand hat ihn gesehen.“
„Haben Sie die Polizei verständigt?“
„Ja, aber bis jetzt haben sie nichts herausgefunden. Lediglich ein Beamter hat angedeutet, Theo könnte eventuell in illegale Aktivitäten verwickelt sein. Ich kann mir bei ihm nichts Derartiges vorstellen, aber es beunruhigt mich …“
Die Tage vergingen ohne irgendwelche Nachricht von Theo. Das einzige, was Claudio herausfinden konnte, war, dass Theo seinen früheren Rat nicht befolgt hatte. Er hatte weiterhin Arbeitskollegen nach Hause eingeladen, und diese Zusammenkünfte hatten sogar noch an Teilnehmern und Häufigkeit zugenommen.

Eines schönen Sonntags hatte Claudio die folgende Ankündigung zu machen: „Nach dem neusten Regierungsdekret haben alle religiösen Veranstaltungen mit dem obligatorischen Gruss an den Staatspräsidenten zu beginnen und zu enden. Das ist eine rein bürgerliche Formsache, an der wir alle als gute Staatsbürger teilnehmen werden.“
Damit kniete Claudio vor der Fahne nieder, die den Versammlungssaal zierte, erhob seine Hände und rief aus: „Ehre unserem Präsidenten!“ – Die ganze Gemeinde kniete mit ihm nieder und wiederholte den Ruf: „Ehre unserem Präsidenten!“
– Um genau zu sein, nicht die ganze Gemeinde. Aus den Augenwinkeln konnte Claudio sehen, dass auf der rechten Seite etwa fünf Personen schweigend stehenblieben, unter ihnen Gottfried E. und Peter J. Natürlich würde er über sie Bericht erstatten müssen. Eine blosse Formsache.

Von da an begannen und endeten alle Sonntagsgottesdienste mit dieser Bürgerpflicht. Nur mit der unbedeutenden Änderung, dass nach einiger Zeit die Fahne durch ein Porträt des Präsidenten ersetzt wurde. Die wenigen Leute, die anfangs während dieses Aktes stehengeblieben waren, kamen nicht mehr zum Gottesdienst, und niemand fragte nach ihnen.

Eines Sonntags wurde Claudio beim Verlassen der Kirche von zwei Polizisten erwartet. „Könnten Sie bitte mit uns kommen? Wir haben einige Fragen an Sie.“ – „Natürlich, selbstverständlich.“ – Und Claudio folgte ihnen zum Polizeiposten, wo einer der Beamten sagte:
„Wir haben gehört, dass Sie weiterhin Minderjährigen religiösen Unterricht erteilen. Auch in ihrem Sonntagsgottesdienst haben wir die Anwesenheit Minderjähriger beobachtet. Was sagen Sie uns dazu?“
„Das machen wir immer so, die Kirche ist offen für alle, warum?“
„Ist das alles, was Sie dazu zu sagen haben?“
„Gut, und – und dass Jesus gesagt hat: ‚Lasst die Kinder zu mir kommen.‘ “
„Das hat nichts mit der Sache zu tun, es geht hier um die Gesetze unseres Staates. Sicher kennen Sie das Reglement für Religionsbeamte“, und der Polizist deutete auf ein umfangreiches Buch auf seinem Schreibtisch.
„Ich habe es gelesen, aber ich besitze es selber nicht“, sagte Claudio.
„Dann rate ich Ihnen, sich schleunigst ein Exemplar zu beschaffen und sich mit dem Inhalt vertraut zu machen. Minderjährige zu indoktrinieren ist ein unentschuldbarer Eingriff in den Zuständigkeitsbereich des Bildungsministeriums. Das ist ein schwerwiegendes Fehlverhalten für einen Religionsbeamten und kann mit bis zu fünfzehn Jahren Gefängnis oder Zwangsarbeit geahndet werden.“
– Der zweite Beamte ergriff das Wort, als er Claudios erschrockenes Gesicht sah: „Da Sie, Herr Claudio, bisher einen unbefleckten Leumund haben und dies Ihre erste Zuwiderhandlung ist, können Sie noch mit einer Geldbusse davonkommen. Aber ich warne Sie: Sollten Sie wiederum straffällig werden, dann werden Sie unweigerlich vor Gericht kommen. Und Sie werden sicher verstehen, dass wir als Gegenleistung für unser jetziges Entgegenkommen eine verstärkte Zusammenarbeit Ihrerseits erwarten. Erstatten Sie uns regelmässig Bericht über die privaten Tätigkeiten und die politischen Ansichten Ihrer Gemeindeglieder. Eine blosse Formsache.“

Claudio war erleichtert, dass sich die Justiz ihm gegenüber noch einmal gnädig erwiesen hatte, und versprach, zuverlässig Bericht zu erstatten. Dann ging er seine Busse bezahlen und kaufte sein Reglement.
In der folgenden Zeit verursachte ihm ab und zu das rätselhafte Verschwinden des einen oder anderen Gemeindeglieds äusserste Besorgnis; insbesondere wenn er feststellte, dass es sich um eine Person handelte, über die er der Polizei Informationen gegeben hatte. Aber er beruhigte sich jeweils sofort mit dem tröstlichen Gedanken, dass er treu seine Pflicht als Bürger und Christ erfüllte.

„Du sollst den Namen des HERRN nicht missbrauchen“

6. Oktober 2013

„Sie reden in meinem Namen, aber ich habe sie nicht gesandt“, sagte Gott über die falschen Propheten. Es ist anzunehmen, dass er dasselbe über ein gewisses Internetportal zu sagen hätte, das sich ganz unverschämt „Jesus.de“ nennt. Nicht nur dürfte es den Betreibern schwerfallen, ein göttliches Mandat zur Vertretung der Person Jesu im Internet nachzuweisen; sondern die dort veröffentlichten Nachrichten und Kommentare verherrlichen auch zu einem grossen Teil nicht Jesus, sondern verhandeln blosse weltliche Kirchenpolitik. Das ist ein eklatanter Verstoss gegen das dritte Gebot (Missbrauch des Namens Gottes).

Es gibt auf jenem Portal zwar eine ausführliche Sektion mit dem Titel „Fast alles über Jesus“. Aber was für ein „Evangelium“ wird da verkündet? – Zitat:

„Gott ist bereit, die Verantwortung für deine Schuld zu übernehmen. Eigentlich hat er es schon damals am Kreuz vor den Toren Jerusalems getan und es kann auch für dein Leben Wirkung haben – aber nur, wenn du es zulässt.
(…) Gott sein Leben anzuvertrauen ist wie zu seinem liebenden Menschen zu gehen und sich in seinen Schoß zu setzen. Das kann zum Beispiel ein einfaches Gebet sein, in etwa so:
Gott,
ich möchte dir mein Leben anvertrauen. Bitte trage du die Verantwortung für meine Schuld.
Hefte du alles, wo ich je an dir und an anderen Menschen schuldig geworden bin, und sicherlich auch noch schuldig werde, an das Kreuz von Golgatha. (…)“

Zuerst einmal fällt auf, dass hier die Bedeutung und die Wirkung des Opfers Jesu ganz in das Belieben des Menschen gestellt wird. Die Erlösung wird lediglich als ein „Angebot“ dargestellt (so weiter oben im Text), das der Mensch „annimmt“ bzw. „zulässt“. Damit werden die Rollen vertauscht: Der Mensch befiehlt, Gott gehorcht. Aber Jesus und seine Apostel haben nie die Menschen dazu aufgerufen, „ein Angebot anzunehmen“! Vielmehr riefen sie dazu auf, von der Sünde umzukehren und sich der Herrschaft Jesu zu unterstellen. (Matth.4,17; Lukas 24,47; Apg.2,36-40; 7,51-53; 10,42-43; 14,15; 17,30-31; 26,18-20; u.a.) Im biblischen Evangelium geht es nicht darum, ob ich mich dazu herablasse, gnädigerweise Gott und sein Angebot „anzunehmen“. Im Gegenteil, es geht darum, ob Gott mich annehmen kann!

Schockierend ist zudem die Aussage, dass Gott „die Verantwortung für meine Schuld“ übernähme. „Verantwortung übernehmen“ bedeutet doch: Für das eigene Verschulden geradestehen; die Sünde bekennen statt sie zu leugnen; und davon umkehren. Also genau das, was Gott von mir erwartet, damit er mich annehmen kann. Aber jesus.de stiftet seine Leser dazu an, Gott die Verantwortung zuzuschieben. Etwa so wie Adam, der auf Gottes Frage „Hast du von dem verbotenen Baum gegessen?“, nicht mit einem schlichten „Ja“ antworten konnte. Stattdessen sagte er: „Die Frau, die du mir gegeben hast, hat mir von dem Baum gegeben.“ Mit anderen Worten: „Ich bin nicht verantwortlich; du bist schuld, dass ich gesündigt habe.“ Ja, der in Sünde gefallene Adam wäre ein vorbildlicher Christ nach der jesus.de-Theologie.
Das oben zitierte „Übergabegebet“ (es ist an sich schon eine unbiblische Lehre, dass man durch das Sprechen eines „Übergabegebets“ zu einem Christen würde) lehrt ausserdem den an Jesus interessierten Sünder, von vornherein mit weiterem fortgesetztem Sündigen zu rechnen. Das ist billige Gnade in Reinkultur. Eine Erlösung von der Macht der Sünde gibt es in diesem „Evangelium“ nicht. Im Gegenteil: Man sündigt fröhlich weiter und macht sogar noch Gott dafür verantwortlich. Dann kann man also, wie seinerzeit eine deutsche „Bischöfin“, betrunken am Steuer durch die Gegend rasen und sagen: „Macht nichts, Gott trägt die Verantwortung dafür“? – Nein, das hat Frau Kässmann nicht gesagt. Sie hat nach dem Vorfall zugegeben, dass sie für ihr Verschulden verantwortlich war, und ist folgerichtig von ihrem Amt zurückgetreten. Damit hat sogar diese erzliberale, modernistische Theologin mehr Integrität bewiesen, als die jesus.de-Theologie einem Christen für zumutbar hält.

Noch bedenklicher wird die Sache, wenn man in Betracht zieht, was alles in diesem falschen „Evangelium“ nicht vorkommt. Da steht kein Wort davon, dass ein Christ dem Vorbild Jesu folgt (1.Joh.2,6), seine Gebote hält (1.Joh.2,3-5), die Welt nicht lieb hat (1.Joh.2,15-17), sein Leben verliert um Jesu willen (Matth.16,24-26) – kurz, sich Jesus als dem absoluten HERRN unterstellt. In diesem falschen Konzept von Bekehrung findet kein Herrschaftswechsel statt. Trotz allem Gerede von „Gott sein Leben anzuvertrauen“ bleibt in Tat und Wahrheit der sündige Mensch weiterhin auf seinem eigenen Thron sitzen.

Um ganz sicherzugehen, dass ich nichts übersehen habe, habe ich auf der erwähnten Website mehrere Global-Suchen nach „Herrschaft Jesu“ und verwandten Begriffen durchgeführt. Kein Ergebnis. Nirgendwo auf dieser Website wird etwas darüber gesagt, was es bedeutet, dass Jesus der HERR über alles ist, oder dass ein Christ Jesus gehorcht.

Auch in der Berichterstattung zum „Fall Wunderlich“ wird deutlich, dass die Betreiber dieses Portals die Souveränität Jesu als HERR nicht anerkennen. Da wird unkritisch und einseitig die beschönigende Darstellung der Behörden übernommen, und die Familie Wunderlich als Gesetzesbrecher hingestellt. Die Sichtweise der betroffenen Familie kommt dagegen überhaupt nicht zur Sprache. Ebensowenig kommt zur Sprache, wem im Konfliktfall zu gehorchen sei: Gott oder der weltlichen Obrigkeit? (Apg.5,29) Und aus den Leserkommentaren ist ersichtlich, dass anscheinend die Mehrheit der Leser die Anschauungen der Redaktion teilt. Das ist kein gutes Omen für die Zukunft eines biblischen Christentums in Deutschland. Was ist davon zu halten, wenn ein „christliches“ Medium über eine christliche Familie ausschliesslich vom Standpunkt ihrer Feinde aus berichtet? Wird sich die deutsche Geschichte in baldiger Zukunft wiederholen?

Wie würde sich das ausnehmen, wenn über die Verfolgung von Christen in anderen Ländern wie z.B. China ebenso einseitig aus der Sichtweise des Staates berichtet würde? Etwa so:

„Vergangene Woche wurde der chinesische Dissident Li Sheng (Name frei erfunden) verhaftet und in einem summarischen Verfahren zu einer fünfjährigen Gefängnisstrafe verurteilt, weil er fortgesetzt illegale Versammlungen abgehalten hatte. Nach Auskunft der zuständigen Behörde war dieser Schritt unumgänglich geworden, nachdem Li jahrelang entsprechende Verwarnungen missachtet hatte. Er hatte in seiner Unnachgiebigkeit sogar das Kompromissangebot ausgeschlagen, sich der gesetzlich zugelassenen Drei-Selbst-Kirche anzuschliessen. Bei der Verhaftung sei es ruhig und ordentlich zugegangen, und eine angebrachte Behandlung des Häftlings sei sichergestellt, informierte der zuständige Beamte.“

Und dazu noch einige „christliche“ Leserkommentare wie:

„Recht so! Diese Gesetzesbrecher gehören alle eingesperrt. Wem sogar die Kirche noch zuwenig fromm ist, der muss ja gefährlich extreme Anschauungen haben.“

Oder:

„Unglaublich, dass sich sogar Christen dazu hergeben, die staatlichen Gesetze zu missachten. Hat dieser Herr noch nie davon gehört, dass man sich der Obrigkeit unterordnen soll (Römer 13,1)? Offensichtlich gehört er einer sektiererischen Randgruppe an. In diesem Zusammenhang von ‚Christenverfolgung‘ zu sprechen, ist eine Verleumdung der chinesischen Regierung.“

Den Christen der ersten Jahrhunderte war es sonnenklar, dass Christsein bedeutet, Jesus als HERRN über alle Lebensbereiche und über alle weltlichen Machthaber anzuerkennen. Deshalb weigerten sie sich, bestimmte Bürgerpflichten wie z.B. das vorgeschriebene Weihrauchopfer an den Kaiser zu erfüllen. Der christliche Apologet Francis Schaeffer erklärt hierzu:

„Wir dürfen nicht vergessen, warum die Christen getötet wurden. Sie wurden nicht getötet, weil sie Jesus anbeteten. In der römischen Welt gab es zahlreiche verschiedene Religionen. (…) Niemand kümmerte sich darum, was man anbetete, solange der Anbetende nicht die Einheit des Staates störte, deren Mittelpunkt die formale Anbetung des Kaisers war. Die Christen wurden getötet, weil sie Rebellen waren. (…) Was die Cäsaren nicht tolerieren wollten, war die Exklusivität, mit der sie nur den einen Gott anbeteten. Das galt als Landesverrat. (…) Hätten sie Jesus und Cäsar angebetet, wäre ihnen nichts geschehen (…)
Wir können den Grund, warum die Christen verfolgt wurden, auch auf eine andere Weise ausdrücken: Keine totalitäre Autorität, kein autoritärer Staat kann diejenigen tolerieren, die einen absoluten Massstab besitzen, nach dem sie diesen Staat und seine Handlungen beurteilen. Die Christen hatten einen solchen absoluten Massstab in der Offenbarung Gottes. Weil die Christen einen absoluten, universal gültigen Massstab hatten, nach dem sie nicht nur die persönliche Ethik, sondern auch das Verhalten des Staates beurteilen konnten, galten sie als Feinde des totalitären Roms und wurden den wilden Tieren vorgeworfen.“
(Aus Francis Schaeffer, „Wie können wir denn leben?“)

Genau diese Situation haben wir auch heute wieder. Es herrscht ein Anschein von Religionsfreiheit, da ja jeder anbeten kann, wen oder was er will. Das Handeln des Staates nach übergeordneten Massstäben zu beurteilen, gilt aber als ungesetzlich und zieht Verfolgung nach sich. Christen dürfen zwar „privat ihre Religion ausüben“ (was auch immer darunter zu verstehen ist). Sobald sie aber versuchen, auch in ihrem familiären und gesellschaftlichen Zusammenleben der HERRSCHAFT Jesu gemäss zu leben, werden sie angeklagt, eine „Parallelgesellschaft“ errichten zu wollen (d.h. dem totalitären Herrschaftsanspruch des Staates ausweichen zu wollen), und werden dementsprechend verfolgt. Die deutsche Staatsideologie unterscheidet sich in ihrem Wesen nicht von der altrömischen: die Staatsregierung wird absolut gesetzt, d.h. vergöttlicht. Wer in dieser Konfliktsituation dem Staat den Vorrang gibt über dem Anspruch Jesu, der hat nicht verstanden, was es bedeutet, Jesus den HERRN zu nennen. Auf Englisch hat es einmal jemand so gesagt: „Either Jesus is Lord of all, or he is not Lord at all.“ („Entweder ist Jesus Herr über alles, oder er ist überhaupt nicht Herr.“)

Nachfolge Jesu bedeutet, in allem den Willen des HERRN zu tun (Matth.7,21, Lukas 6,46). Der Wille Gottes beschränkt sich nicht auf einen religiösen Privatbereich. Es gibt klare biblische Anweisungen z.B. über Geschäfte und den Umgang mit Geld; über Kindererziehung; über die Aneignung und Anwendung von Wissen; über die Hilfe an Bedürftige; über den Staat und die Regierung; u.v.m. – Was die Kindererziehung betrifft, so gehört diese aus biblischer Sicht eindeutig zum Autoritätsbereich der Familie. Eltern werden angewiesen, ihre Kinder dem Willen Gottes gemäss zu erziehen und zu lehren (5.Mose 6,6-9, Psalm 78,5-8, Epheser 6,4, u.a.). Kinder werden angewiesen, ihre Eltern zu ehren, ihnen zu gehorchen und von ihnen Belehrung anzunehmen (2.Mose 20,12, Sprüche 4,1-5, Epheser 6,1-3, u.a.). Es gibt keinerlei entsprechenden Gebote betreffend den Staat, Schulen, oder andere Institutionen. Die Kinder gehören Gott, nicht dem Staat; und Gott hat die Erziehung und Ausbildung der Kinder an die Eltern delegiert.

Es kann offensichtlich nur eine einzige absolute Herrschaft geben; und diese absolute Herrschaft relativiert alle anderen Gewalten. Wenn wir Jesus als HERRN anerkennen, bedeutet das, seinem Willen in allem den Vorrang zu geben vor allen anderen Gewalten. Die Konfliktpunkte können dabei je nach historischem, gesellschaftlichem und kulturellem Umfeld ganz verschieden aussehen. Im Römischen Reich war das Opfer für den Kaiser der hauptsächliche Kristallisationspunkt des Konflikts. Zur Reformationszeit war es der Ablasshandel und die Kindertaufe. Im heutigen Europa kristallisiert sich der Konflikt offensichtlich um die Rechte der Eltern und den Schutz der Familie, was sich z.B. im Bereich der Lebensrechts- und Sexualethik äussert. In Deutschland kommt dazu die völlig unverhältnismässige Erzwingung der Schulpflicht, deren Brutalität weltweit ihresgleichen sucht. Die deutschen Kirchen und ihr obenerwähntes Internetportal stellen sich in diesem Konflikt auf die Seite des Staates. Sie wollen Jesus und den Kaiser anbeten. Damit verabsolutieren sie aber den Staat (im Gegensatz zur Herrschaft Christi) und fördern somit den staatlichen Totalitarismus. Sie fügen sich so „politisch korrekt“ in die gegenwärtige Weltordung ein, verleugnen aber den exklusiven Herrschaftsanspruch Gottes zugunsten des Götzen „Staat“. Ihr Anspruch, den biblischen Jesus zu vertreten, verliert damit jegliche Legitimität.

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Links zum Fall Wunderlich

15. September 2013

Zwei Internetseiten (möglicherweise gibt es noch weitere) setzen sich für die Befreiung der vier Wunderlich-Kinder ein, die von den deutschen Behörden gewaltsam aus ihrem Elternhaus verschleppt wurden:

https://www.facebook.com/pages/Free-the-Wunderlich-Kids-now/422001337912289

.
http://wunderlich-children.com/de/

 

Deutsche Behörden sind eine Verbrecherbande

1. September 2013

Wiederum haben deutsche Behörden eine gewalttätige mehrfache Kindesentführung begangen. Über den Vorfall kann u.a. hier (deutscher Kommentar) und hier (englischsprachiger Bericht) nachgelesen werden. Deutschland kann jetzt wirklich keinerlei Anspruch mehr darauf erheben, ein zivilisiertes Land genannt zu werden.

Auch scheint sich zu wiederholen, was bereits in der Hitlerzeit der Fall war, nämlich dass die sogenannten Christen (allen voran die Evangelikalen!!) eine solche Diktatur, welche ernsthafte Christen gewalttätig verfolgt, auch noch unterstützen. Verfolgte Christen in Deutschland werden regelmässig von ihren eigenen Glaubensgeschwistern im Stich gelassen. Hilfswerke, die sich angeblich für verfolgte Christen einsetzen (Open Doors, Hilfsaktion Märtyrerkirche) schauen einfach weg und machen sich damit zu schweigenden Komplizen.

Eine Google-Suche nach Nachrichten und Kommentaren zu diesem neusten Fall staatlicher Unterdrückung und Verfolgung ergab fast ausschliesslich englischsprachige Resultate. „Deutsche Christen“ (!!!) schweigen anscheinend dazu – mit Ausnahme derjenigen, die selber zu den Verfolgten gehören.

Nun hat ja schon vor Jahrhunderten Augustin in seinem „Gottesstaat“ erklärt, dass Staatsregierungen im Grunde nichts als grosse Räuberbanden sind, die den vorangegangenen Räuberbanden ihre Beute wegnahmen und sich lediglich aufgrund ihrer überlegenen Macht eine scheinbare Legitimität verschafften. An dieser alten Wahrheit hat sich offenbar auch unter den Bezeichnungen „Rechtsstaat“ und „Demokratie“ in Wirklichkeit nicht viel geändert, wie das jüngste Beispiel zeigt.

– Nachtrag: Bei einer neuerlichen Google-Suche sind jetzt doch auch einige deutschsprachige Artikel über diesen Fall aufgetaucht. Insbesondere möchte ich meine Aussage über das Schweigen deutscher Christen dahingehend relativieren, dass idea lobenswerterweise diesen Fall publik gemacht hat. Aber natürlich könnte idea noch sehr viel mehr tun, als nur darüber zu berichten. Z.B. Gebetsketten, Hilfs- und Protestaktionen starten; die Drahtzieher dieses Überfalls kritisch interviewen; den Aufenthaltsort der Wunderlich-Kinder ausfindig machen; usw.

Eine deutsche Übersetzung des Berichts von HSLDA kann hier eingesehen werden.

Die Untergrundkirche in Deutschland – Offener Brief an die „Hilfsaktion Märtyrerkirche“

20. Juni 2013

Sehr geehrte Hilfsaktion Märtyrerkirche in Deutschland,

vor einem Monat habe ich Sie zweimal per e-Mail auf zwei Fälle von Verfolgung deutscher Christen aufmerksam gemacht und Sie gebeten, sich für die Betroffenen einzusetzen und über diese Fälle zu informieren. Da ich bis jetzt darauf keine Antwort erhalten habe, veröffentliche ich jetzt diesen Brief in meinem Blog.

Sie setzen sich für verfolgte Christen in anderen Ländern ein, aber über die Verfolgung in Ihrem eigenen Land schweigen Sie. Der argentinische Zweig Ihres Hilfswerks hat mehrmals über das Leiden deutscher christlicher Familien berichtet (http://lavozdelosmartires.com.ar/), ebenso ähnliche Hilfswerke in den USA; aber auf Ihrer Website ist nichts darüber zu finden.

Richard Wurmbrand, der Gründer Ihres Werks, war vierzehn Jahre lang in Haft, weil er zuallererst in seinem eigenen Land Rumänien für die Wahrheit und das Wort Gottes aufgestanden war. Sicher kennen Sie den folgenden Abschnitt aus seiner Lebensgeschichte:

„Nachdem die Kommunisten einmal zur Macht gekommen waren, gebrauchten sie meisterhaft das Mittel der Täuschung gegenüber den Kirchen. Denn die Sprache der Liebe und die Sprache der Verführung klingen gleich. (…) Als die Kommunisten die Macht innehatten, wussten Tausende von Priestern, Pfarrern und Predigern die beiden Sprachen nicht zu unterscheiden.
Die Kommunisten beriefen einen Kongress aller christlichen Körperschaften in unserem Parlamentsgebäude in Bukarest. Dort waren viertausend Prediger, Pastoren und Prediger aller Religionsgemeinschaften versammelt. Diese viertausend Geistlichen wählten Joseph Stalin zum Ehrenpräsidenten dieses Kongresses. Gleichzeitig war Stalin amtierender Präsident des Weltverbandes der Gottlosenbewegung und ein Massenmörder von Christen. Aber einer nach dem anderen, ob Bischof oder Pfarrer, erhob sich in unserem Parlament und erklärte öffentlich, dass der Kommunismus und das Christentum in ihren Grundlagen gleich seien und friedlich nebeneinander bestehen könnten. Ein Geistlicher nach dem andern fand preisende Worte für den Kommunismus und versicherte der neuen Regierung die treue Mitarbeit der Kirche.
(…) Meine Frau sass neben mir und sagte zu mir: „Richard, steh auf und wasche diese Schande vom Antlitz Christi! Sie speien ihm ins Gesicht.“ Ich sagte zu meiner Frau: „Wenn ich das tue, verlierst du deinen Mann.“ Sie erwiderte: „Ich möchte keinen Feigling zum Mann haben.“
Da stand ich auf und sprach zu diesem Kongress, und ich pries nicht die Mörder der Christen, sondern Christus und Gott und sagte, dass wir zuallererst Ihm unsere Treue schulden. (…) Später musste ich dafür bezahlen, aber das war es wert gewesen.“
(Aus Richard Wurmbrand, „Gefoltert für Christus“, 1967)

Heute befindet sich Ihr Land, Deutschland, in einer ähnlichen Situation. Pfarrer, Prediger und Pastoren preisen dieses Land als einen „Rechtsstaat“, und erwähnen mit keinem Wort, dass dieser Staat den hingegebensten Christen, die ihren biblischen Erziehungsauftrag ernst nehmen, ihre Kinder wegnimmt, sie um ihr Hab und Gut bringt, und nicht wenige von ihnen ins Gefängnis gesperrt hat. Im Gegenteil, diese verfolgten Familien werden von prominenten Kirchenführern als Kriminelle hingestellt. Genauso wurden im seinerzeitigen Ostblock die Leiter der Untergrundkirche von den staatshörigen Leitern der registrierten Kirchen diffamiert. Die christlichen Homeschool-Familien in Deutschland verkörpern effektiv das, was Ihr Werk in den ersten Jahrzehnten seines Bestehens vertreten hat und wofür Richard Wurmbrand ein leuchtendes Symbol geworden ist, nämlich die Untergrundkirche. Das Wohnzimmer ist ihr Versammlungsort, und der geheime Unterricht ist ihr Gottesdienst.
In dieser Situation müsste ein ebenso klares Wort gesprochen werden, wie es Richard Wurmbrand damals auf dem Predigerkongress in Bukarest gesprochen hat. Aber Sie sind anscheinend nicht dazu bereit, dieses Wort zu sprechen. Damit verleugnen Sie das geistliche Erbe Ihres Gründers und machen Ihren Einsatz in anderen Teilen der Welt unglaubwürdig.

Zu Ihrer Information eine (längst nicht vollständige) Auswahl von Fällen von Christenverfolgung in Deutschland:

  • Im vergangenen Monat wurde für Thomas und Marit Schaum aus Fritzlar eine sechsmonatige Gefängnisstrafe gefordert, weil sie aus christlicher Überzeugung ihre Kinder selber erziehen. Diese Strafe wurde dann vom Gericht in eine hohe Geldbusse umgewandelt.
  • Im September 2012 wurde einem Elternpaar in Darmstadt die elterliche Sorge für ihre vier Kinder entzogen, weil sie diese aus christlicher Verantwortung zuhause ausbildeten.
  • Im Jahre 2010 wurden in Salzkotten mehrere christliche Elternpaare während bis zu 40 Tagen inhaftiert, nur weil sie aus Glaubens- und Gewissensgründen ihre Kinder nicht an der pornographischen Schultheateraufführung „Mein Körper gehört mir“ teilnehmen lassen wollten.
  • Die christlichen Aktivisten Johannes Lerle, Günter Annen und Winfried Pietrek verbrachten insgesamt über ein Jahr in Haft, weil sie Flugblätter gegen die Tötung ungeborener Kinder geschrieben und verteilt hatten.
  • Im Jahre 2008 wurden Jürgen und Rosemarie Dudek aus Archfeldt zu 90 Tagen Gefängnis verurteilt, weil sie ihre Kinder selber erziehen.
  • Im Jahre 2007 wurde die 15-jährige Melissa Busekros in Nürnberg von einem Aufgebot von fünfzehn(!) Polizisten von zuhause entführt und in einer psychiatrischen Klinik interniert, obwohl sie völlig gesund war. Gleichzeitig wurde ihren Eltern mitgeteilt, ihnen sei hiermit die elterliche Sorge für Melissa entzogen. Auch in diesem Fall bestand ihr einziges „Verbrechen“ darin, dass sie aus Glaubens- und Gewissensgründen ihre elterliche Verantwortung wahrgenommen und Melissa selber erzogen hatten.
  • Im Jahre 2006 drang die Polizei mehrmals mit Gewalt in das Heim der Familie Romeike ein und schleppte ihre Kinder unter Gewaltanwendung zur Schule. Es wurde ihnen mit Kindesentzug und Gefängnis gedroht, insgesamt fünfstellige Bussgelder auferlegt, und kurz vor ihrer Flucht in die USA ein Enteignungsverfahren eingeleitet, aufgrund dessen sie bei einer allfälligen Rückkehr nach Deutschland ihr Hab und Gut verlieren würden. Ein US-amerikanisches Gericht erteilte den Romeikes im Jahre 2010 aufgrund dieser Umstände politisches Asyl.
  • In den Jahren 2005 und 2006 wurde mehreren russlanddeutschen Baptisten im Raum Paderborn das Sorgerecht über ihre Kinder entzogen; mehrere wurden inhaftiert und gebüsst; und einige dieser Familien flohen ins Ausland. Der Hauptverantwortliche dieser Verfolgung, Landrat Sven Adenauer, gab als Motiv an: „Fundamentalisten haben bei uns nichts zu suchen.“ Die betroffenen Familien äusserten, das Vorgehen der deutschen Behörden sei mit der Verfolgung vergleichbar, die sie seinerzeit in der Sowjetunion erlitten hatten.
  • Im April 2000 brachen drei Polizisten gewaltsam in das Haus von Johann Harder in Schloss Holte-Stukenbroch ein, warfen Möbel um und zerbrachen seine Kamera, als er die angerichteten Verwüstungen fotografieren wollte. Dann führten sie seine elfjährige Tochter Anna ab. Der Schock bewirkte, dass Harders Frau ihrem Baby keine Milch mehr geben konnte. Harder musste zudem Bussgelder von mehreren tausend Euro bezahlen, und eine Gefängnisstrafe wurde angedroht.
  • Bereits im Jahre 1985 wurde der Professorin Adelgunde Mertensacker aus Dortmund der Lehrauftrag entzogen, weil sie in einer Vorlesung gesagt hatte: „Das menschliche Leben beginnt mit der Zeugung. … Abtreibung ist Tötung eines Menschen in der Entwicklung.“
  • (Editiert) In einem weiteren Fall bin ich von der betroffenen Familie gebeten worden, ihren Namen nicht bekanntzugeben.

Die Anzahl der Fälle, die nicht öffentlich bekannt werden, dürfte beträchtlich höher sein. Es wird geschätzt, dass zur Zeit rund 40 deutsche Familien – mehrheitlich bibeltreue Christen – aus ähnlichen Gründen Gerichtsprozesse hängig haben. Dazu kommt eine wahrscheinlich noch höhere Zahl von Familien, die nur deshalb nicht Verfolgungsopfer wurden, weil sie rechtzeitig ins Ausland flüchten konnten.

  • Aber einige von ihnen werden nicht einmal im Ausland in Ruhe gelassen. Im Jahre 2009 erschienen auf Geheiss der deutschen Behörden zwei Sozialarbeiter und zwei Polizisten am vorübergehenden Aufenthaltsort der Familie Wunderlich in St.Leonard (Frankreich), und führten ihre vier Kinder ab, weil sie „sozial isoliert“ seien und weil „Fluchtgefahr“ bestünde (wobei keines dieser Argumente der Wahrheit entsprach).

Deutschland wird damit punkto staatlicher Christenverfolgung innerhalb der westlichen Welt höchstens noch von Mexiko und Kuba übertroffen.

Eigentlich wäre die Aufklärungsarbeit über diese Dinge ja Ihre Aufgabe, nicht meine!

Mir scheint, Ihnen ist nicht klar, was diese Situation für den Fortbestand Ihres eigenen Werks bedeutet. Wenn die Entwicklung hin zum totalitären Polizeistaat unwidersprochen weitergeht, dann wird das in absehbarer Zeit auch für Ihre Arbeit das Aus bedeuten. Gerade die sogenannte Homeschool-Bewegung ist in Deutschland die einzige noch funktionierende Bewegung gegen den Staatstotalitarismus:

„Man muss den grösseren Zusammenhang erfassen, in den die Kriminalisierung des Heimunterrichts – und auch der Widerstand dagegen – gehört. (…) Insgesamt geht es um die umfassende Entmachtung der Familie, wobei der Anspruch des Staates auf Bildung der Kinder nur ein Teil des Ganzen ist.
(…) Tatsächlich leisten Eltern, die ihre Kinder zu Hause unterrichten, nicht nur einen wichtigen Dienst an diesen selbst, sondern auch an unserer Gesellschaft: An ihrem Platz stellen sie sich der Tendenz entgegen, den Oikos bis zur völligen Bedeutungslosigkeit zu entkernen. Sie entziehen sich dem Anspruch des Staates, sich für alle Lebensbereiche zuständig zu erklären und wirken damit seiner Totalisierung entgegen. Und dafür sollte man ihnen auch dann dankbar sein, wenn man selbst einen anderen Weg geht.“
(Zeitschrift „Factum“, Oktober 2012. Siehe http://www.geiernotizen.de/dienst-an-der-ganzen-gesellschaft.)

Sie wissen sicher, dass die deutsche Regierung ihre Verfolgungspolitik damit begründet, man wolle „die Entstehung religiöser Parallelgesellschaften verhindern“. Wenn das die Richtlinie staatlicher Politik ist, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis mit derselben Begründung z.B. auch Freikirchen verboten werden. Mit Ihrem bewussten Nicht-Engagement im eigenen Land sägen Sie den Ast ab, auf dem Sie selber sitzen.

Ich hoffe sehr, dass Sie über diese Zusammenhänge nochmals nachdenken und den Einsatz für verfolgte Christen in Ihrem eigenen Land weit oben auf Ihre Prioritätenliste setzen.


Nachtrag vom 13. August 2014:
In einer kürzlichen Mitteilung erklärte die HMK mir gegenüber, sie hätten doch auf mein damaliges Mail geantwortet. Allerdings ist eine solche Antwort nie bei mir eingetroffen; aber rechnen wir nun einmal mit der Möglichkeit, dass ein Mail aus technischen Gründen verlorengegangen sein kann.
Die HMK erklärt auch, sie leisteten doch einen „punktuellen Einsatz“ auch für Familien in Deutschland (Seelsorge, Angebot des Rechtsbeistands). Das ist begrüssenswert. Nur, was ich dabei vermisse, ist die öffentliche Stellungnahme. Zu früheren Zeiten war es einmal die Politik der HMK gewesen, Fälle von Verfolgung möglichst weit bekannt zu machen, da das Unrecht in einem Staat umso weniger überhandnehmen kann, je mehr Menschen davon wissen und öffentlich dagegen Stellung beziehen. Davon scheint man nun abgerückt zu sein.

Christenverfolgung in Deutschland – Offener Brief an „Open Doors“ Deutschland

6. Juni 2013

Sehr geehrte Organisation „Open Doors“,

danke für Ihre Antwort auf meine e-Mail vom 22.Mai. Ich muss sagen, ich bin sehr enttäuscht darüber, dass Sie nicht dazu bereit sind, sich für um ihres Glaubens willen verfolgte Mitbürger einzusetzen.

Sie schreiben über den Fall Romeike, er sei „bei weitem nicht mit dem vergleichbar, was Christen in anderen Ländern erdulden müssen.“ Dieser Satz zeugt von einer unbegreiflichen Gefühllosigkeit gegenüber leidenden Menschen. Und das bei einem Mitarbeiter eines Hilfswerks für verfolgte Christen!

Als in den Jahren 2005 und 2006 mehrere russlanddeutsche Baptisten im Raum Paderborn gebüsst und inhaftiert wurden, und mehreren Familien ihre Kinder weggenommen wurden, verglichen sie das Vorgehen der deutschen Behörden ausdrücklich mit der Verfolgung, die sie zuvor in der Sowjetunion erlitten hatten. Wenn Christen, die selber in der Sowjetunion aufgewachsen sind, explizit diese Parallele ziehen, dann muss wohl etwas dran sein.

Körperliche Misshandlungen durch die Polizei, Gefängnisstrafen, gewaltsames Auseinanderreissen von Familien, Zwangsenteignungen – ist das noch nicht genug? Ist es noch nicht genug damit, dass die Kinder deutscher Christen von Staates wegen einer Gehirnwäsche unterzogen werden, deren erklärtes Ziel es ist, sie dem christlichen Glauben, der christlichen Sexualethik und ihren eigenen Eltern zu entfremden? Was muss denn noch alles geschehen, bis Sie deutschen Christen den Status von Verfolgten zubilligen? Müssen erst wieder Menschen in Konzentrationslager verschleppt oder von der Polizei totgeschlagen werden, bis Sie es für nötig halten, etwas dagegen zu sagen?

Die Familie Romeike ist ja nicht die einzige verfolgte christliche Familie in Deutschland. Im vergangenen Monat wurde auch für Thomas und Marit Schaum aus Fritzlar eine sechsmonatige Gefängnisstrafe gefordert, weil sie aus christlicher Überzeugung ihre Kinder selber erziehen. Diese Strafe wurde dann vom Gericht in eine hohe Geldbusse umgewandelt. Ich habe auch diesen Fall in meinem Brief kurz erwähnt, aber Sie sind in Ihrer Antwort überhaupt nicht darauf eingegangen.

Hier eine (längst nicht vollständige) Liste weiterer Fälle:

  • Im September 2012 wurde einem Elternpaar in Darmstadt die elterliche Sorge für ihre vier Kinder entzogen, weil sie diese aus christlicher Verantwortung zuhause ausbildeten.
  • Im Jahre 2010 wurden in Salzkotten mehrere christliche Elternpaare während bis zu 40 Tagen inhaftiert, nur weil sie aus Glaubens- und Gewissensgründen ihre Kinder nicht an der pornographischen Schultheateraufführung „Mein Körper gehört mir“ teilnehmen lassen wollten.
  • Die christlichen Aktivisten Johannes Lerle, Günter Annen und Winfried Pietrek verbrachten insgesamt über ein Jahr in Haft, weil sie Flugblätter gegen die Tötung ungeborener Kinder geschrieben und verteilt hatten.
  • Im Jahre 2008 wurden Jürgen und Rosemarie Dudek aus Archfeldt zu 90 Tagen Gefängnis verurteilt, weil sie ihre Kinder selber erziehen.
  • Im Jahre 2007 wurde die 15-jährige Melissa Busekros in Nürnberg von einem Aufgebot von fünfzehn(!) Polizisten von zuhause entführt und in einer psychiatrischen Klinik interniert, obwohl sie völlig gesund war. Gleichzeitig wurde ihren Eltern mitgeteilt, ihnen sei hiermit die elterliche Sorge für Melissa entzogen. Auch in diesem Fall bestand ihr einziges „Verbrechen“ darin, dass sie aus Glaubens- und Gewissensgründen ihre elterliche Verantwortung wahrgenommen und Melissa selber erzogen hatten.
  • In den Jahren 2005 und 2006 wurde mehreren russlanddeutschen Baptisten im Raum Paderborn das Sorgerecht über ihre Kinder entzogen; mehrere wurden inhaftiert und gebüsst; und einige dieser Familien flohen ins Ausland. Der Hauptverantwortliche dieser Verfolgung, Landrat Sven Adenauer, gab als Motiv an: „Fundamentalisten haben bei uns nichts zu suchen.“
  • Im April 2000 brachen drei Polizisten gewaltsam in das Haus von Johann Harder in Schloss Holte-Stukenbroch ein, warfen Möbel um und zerbrachen seine Kamera, als er die angerichteten Verwüstungen fotografieren wollte. Dann führten sie seine elfjährige Tochter Anna ab. Der Schock bewirkte, dass Harders Frau ihrem Baby keine Milch mehr geben konnte. Harder musste zudem Bussgelder von mehreren tausend Euro bezahlen, und eine Gefängnisstrafe wurde angedroht.
  • Bereits im Jahre 1985 wurde der Professorin Adelgunde Mertensacker aus Dortmund der Lehrauftrag entzogen, weil sie in einer Vorlesung gesagt hatte: „Das menschliche Leben beginnt mit der Zeugung. … Abtreibung ist Tötung eines Menschen in der Entwicklung.“
  • (Editiert) In einem weiteren Fall bin ich von der betroffenen Familie gebeten worden, ihren Namen nicht bekanntzugeben.

Die Anzahl der Fälle, die nicht öffentlich bekannt werden, dürfte beträchtlich höher sein. Es wird geschätzt, dass zur Zeit rund 40 deutsche Familien – mehrheitlich bibeltreue Christen – aus ähnlichen Gründen Gerichtsprozesse hängig haben. Dazu kommt eine wahrscheinlich noch höhere Zahl von Familien, die nur deshalb nicht Verfolgungsopfer wurden, weil sie rechtzeitig ins Ausland flüchten konnten.

  • Aber einige von ihnen werden nicht einmal im Ausland in Ruhe gelassen. Im Jahre 2009 erschienen auf Geheiss der deutschen Behörden zwei Sozialarbeiter und zwei Polizisten am vorübergehenden Aufenthaltsort der Familie Wunderlich in St.Leonard (Frankreich), und führten ihre vier Kinder ab, weil sie „sozial isoliert“ seien und weil „Fluchtgefahr“ bestünde (wobei keines dieser Argumente der Wahrheit entsprach).

Deutschland wird damit punkto staatlicher Christenverfolgung innerhalb der westlichen Welt höchstens noch von Mexiko und Kuba übertroffen.

Eigentlich wäre die Aufklärungsarbeit über diese Dinge ja Ihre Aufgabe, nicht meine!

Sie schreiben auch, dass die Familie Romeike „über die HSDLA hervorragend vertreten ist“. Ja, wunderbar. Aber mit dieser Aussage stellen Sie sich ja selber an den Pranger. Warum müssen überhaupt ausländische Organisationen eingreifen in einem Land, wo es bereits „Hilfswerke für verfolgte Christen“ gibt? Doch nur, weil diese Hilfswerke (inbegriffen das Ihre) ihren Auftrag im eigenen Land nicht auszuführen bereit sind! Sie setzen sich für verfolgte Christen am anderen Ende der Welt ein; aber wenn Christen in Ihrer nächsten Nähe betroffen sind, dann müssen Geschwister aus Übersee kommen, um ihnen zu helfen. Dieser Umstand macht Ihre ganze Arbeit äusserst unglaubwürdig.

Was würden Sie von einem Hilfswerk mit Sitz z.B. in China oder in Pakistan halten, welches Menschenrechtsverletzungen in Europa anprangert, aber sich keinen Deut um die aus Glaubensgründen Inhaftierten in ihrem eigenen Land schert?

Im übrigen hat die deutsche Regierung – im Gegensatz z.B. zu Pakistan oder Iran – in keinem einzigen der mir bekannten Fälle aufgrund des Einsatzes von ausländischen Christen ihre Verfolgungspolitik geändert. Im Gegenteil, es gibt Hinweise, dass darauf abgezielt wird, die Arbeit von „ausländischen Ratgebern“ zu verbieten. Ein verstärkter Einsatz von in Deutschland beheimateten Werken wie des Ihren drängt sich daher auf.

Sie weisen darauf hin, dass die Familie Romeike durch Presseberichte bereits bekannt ist. Das mag in diesem speziellen Fall zutreffen; viele andere Fälle werden aber höchstens, wenn überhaupt, in der Lokalpresse erwähnt. Und manche dieser Presseberichte dienen den Betroffenen überhaupt nicht, sondern verstärken nur das Klischee von den „bösen Fundamentalisten“, womit überzeugte Christen gedanklich in die Nähe von Al-Qaeda-Terroristen gerückt werden. Ihre Leiden unter der staatlichen Verfolgung kommen dagegen in diesen Berichten kaum zur Sprache. Es ist Ihnen sicher bekannt, dass die deutschen Medien mehrheitlich dem christlichen Glauben gegenüber nicht gerade wohlwollend eingestellt sind.

Mir scheint, Ihnen ist nicht klar, was dies für den Fortbestand Ihres eigenen Werks bedeutet. Wenn die Entwicklung hin zum totalitären Polizeistaat unwidersprochen weitergeht, dann wird das in absehbarer Zeit auch für Ihre Arbeit das Aus bedeuten. Gerade die sogenannte Homeschool-Bewegung ist in Deutschland die einzige noch funktionierende Bewegung gegen den Staatstotalitarismus:

„Man muss den grösseren Zusammenhang erfassen, in den die Kriminalisierung des Heimunterrichts – und auch der Widerstand dagegen – gehört. (…) Insgesamt geht es um die umfassende Entmachtung der Familie, wobei der Anspruch des Staates auf Bildung der Kinder nur ein Teil des Ganzen ist.
(…) Tatsächlich leisten Eltern, die ihre Kinder zu Hause unterrichten, nicht nur einen wichtigen Dienst an diesen selbst, sondern auch an unserer Gesellschaft: An ihrem Platz stellen sie sich der Tendenz entgegen, den Oikos bis zur völligen Bedeutungslosigkeit zu entkernen. Sie entziehen sich dem Anspruch des Staates, sich für alle Lebensbereiche zuständig zu erklären und wirken damit seiner Totalisierung entgegen. Und dafür sollte man ihnen auch dann dankbar sein, wenn man selbst einen anderen Weg geht.“
(Zeitschrift „Factum“, Oktober 2012. Siehe http://www.geiernotizen.de/dienst-an-der-ganzen-gesellschaft.)

Sie wissen sicher, dass die deutsche Regierung ihre Verfolgungspolitik damit begründet, man wolle „die Entstehung religiöser Parallelgesellschaften verhindern“. Wenn das die Richtlinie staatlicher Politik ist, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis mit derselben Begründung z.B. auch Freikirchen verboten werden. Mit Ihrem bewussten Nicht-Engagement im eigenen Land sägen Sie den Ast ab, auf dem Sie selber sitzen.

Ich hoffe sehr, dass Sie über diese Zusammenhänge nochmals nachdenken und Ihre Haltung revidieren.

Warum Evangelikale verfolgten Homeschool-Eltern in Deutschland helfen sollten

2. Juni 2013

Schätzungsweise etwa tausend deutsche Kinder werden von ihren Eltern aus christlicher Überzeugung selber unterrichtet. Gründe dafür sind u.a. der biblische Erziehungsauftrag; zunehmende Gottesfeindschaft, Okkultismus und Unmoral (Stichwort Sexualkundeunterricht) an den Staatsschulen; sowie pädagogische Gründe (die Familienumgebung erlaubt eine viel bessere Betreuung, sowie Rücksichtnahme auf die Eigenheiten und Bedürfnisse der Kinder).

Aber in Deutschland werden diese Familien von den Behörden brutal unterdrückt und verfolgt; eine beträchtliche Zahl von Kindern wurden ihren Eltern weggenommen und in Heime gebracht. Es wird geschätzt, dass gegenwärtig rund 40 deutsche Homeschool-Familien vor Gericht stehen. Eine grössere Anzahl solcher Familien sind bereits ins Ausland geflohen.

Der wohl bekannteste Fall ist die Familie Romeike, die 2010 in den USA politisches Asyl erhielt, aber noch ein Berufungsverfahren hängig hat. Bei einer allfälligen Rückschaffung nach Deutschland würden sie das Sorgerecht für ihre Kinder verlieren, sowie (aufgrund eines Enteignungsverfahrens) ihr Hab und Gut, und würden wahrscheinlich zusätzlich zu einer längeren Gefängnisstrafe verurteilt.

Hier eine (längst nicht vollständige) Auswahl weiterer Fälle:

Im September 2012 wurde einem christlichen Elternpaar in Darmstadt die elterliche Sorge für ihre vier Kinder entzogen.

Im Jahre 2010 wurden in Salzkotten mehrere christliche Elternpaare während bis zu 40 Tagen inhaftiert, nur weil sie aus Glaubens- und Gewissensgründen ihre Kinder nicht an einer pornographischen Schultheateraufführung teilnehmen lassen wollten. (Es handelte sich in diesem Fall nicht um Homeschooler.)

Im Jahre 2008 wurden Jürgen und Rosemarie Dudek aus Archfeldt zu 90 Tagen Gefängnis verurteilt.

Im Jahre 2007 wurde die 15-jährige Melissa Busekros in Nürnberg von einem Aufgebot von fünfzehn(!) Polizisten von zuhause entführt und in einer psychiatrischen Klinik interniert, obwohl sie völlig gesund war. Gleichzeitig wurde ihren Eltern mitgeteilt, ihnen sei hiermit die elterliche Sorge für Melissa entzogen.

In den Jahren 2005 und 2006 wurde mehreren russlanddeutschen Baptisten im Raum Paderborn das Sorgerecht über ihre Kinder entzogen; mehrere wurden inhaftiert und gebüsst; und einige dieser Familien flohen ins Ausland. Der Hauptverantwortliche dieser Verfolgung, Landrat Sven Adenauer, gab als Motiv an: „Fundamentalisten haben bei uns nichts zu suchen.“

Im April 2000 brachen drei Polizisten gewaltsam in das Haus von Johann Harder in Schloss Holte-Stukenbroch ein, warfen Möbel um und zerbrachen seine Kamera, als er die angerichteten Verwüstungen fotografieren wollte. Dann führten sie seine elfjährige Tochter Anna ab. Er musste zudem Bussgelder von mehreren tausend Euro bezahlen, und eine Gefängnisstrafe wurde angedroht.

Deutschland wird damit punkto staatlicher Christenverfolgung innerhalb der westlichen Welt höchstens noch von Mexiko und Kuba übertroffen.

Das Beschämendste daran ist, dass prominente evangelikale Führungspersönlichkeiten ihren eigenen Glaubensgeschwistern in den Rücken fallen. So beeilte sich im Fall der Paderborner Baptisten die Leitung des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) zu erklären, die betroffenen Familien gehörten keiner Gemeinde ihres Verbandes an, und es handle sich um „illegale Kleinstschulen, die ohne irgendeine staatliche Kontrolle vermutlich sektiererische Inhalte an Kinder weitergeben“.

Während ausländische Hilfswerke wie z.B. der US-amerikanische und der argentinische Zweig der „Hilfsaktion Märtyrerkirche“ über diese Verfolgung in Deutschland berichtet haben, ist mir bis heute kein deutscher Gemeindeverband und kein deutsches Hilfswerk für verfolgte Christen bekannt, die sich in irgendeiner Weise für die Verfolgten in ihrem eigenen Land eingesetzt hätten.

Die deutsche Regierung verletzt mit ihrer Verfolgungspolitik nicht nur Art.16.3. und 26.3. der Universellen Erklärung der Menschenrechte, sondern auch ihr eigenes Grundgesetz, welches den Eltern das Recht auf Pflege und Erziehung ihrer Kinder garantiert. Gemäss einer Erklärung des Bundesverfassungsgerichts von 1982 ist darunter ein „natürliches Recht“ zu verstehen, das „den Eltern nicht vom Staate verliehen worden ist, sondern von diesem als vorgegebenes Recht anerkannt wird“.

Dennoch behandelt die evangelikale Führungsspitze diese aus Glaubensgründen Verfolgten wie Kriminelle – nicht anders als die Stellungnahmen der staatshörigen Leiter der registrierten Kirchen gegen die Untergrundkirchen im seinerzeitigen Ostblock. Es scheint den Kirchenleitern nicht klar zu sein, dass sie damit den Ast absägen, auf dem sie selber sitzen.

Die deutsche Regierung hat deutlich erklärt, dass es ihr weder um die Bildung noch um das Wohl der betroffenen Kinder geht, sondern einzig und allein um die politische Verfolgung Andersdenkender: Es stünde im Interesse der Allgemeinheit, „die Bildung religiöser und weltanschaulicher Parallelgesellschaften zu verhindern“ (Urteil des Bundesgerichtshofs vom November 2007). Wenn das die Richtlinie staatlicher Politik ist, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis mit derselben Begründung z.B. auch Freikirchen verboten werden.

Gerade die Homeschool-Bewegung ist in Deutschland die einzige noch funktionierende Bewegung gegen den Staatstotalitarismus:

„Man muss den grösseren Zusammenhang erfassen, in den die Kriminalisierung des Heimunterrichts – und auch der Widerstand dagegen – gehört. (…) Insgesamt geht es um die umfassende Entmachtung der Familie, wobei der Anspruch des Staates auf Bildung der Kinder nur ein Teil des Ganzen ist.
(…) Tatsächlich leisten Eltern, die ihre Kinder zu Hause unterrichten, nicht nur einen wichtigen Dienst an diesen selbst, sondern auch an unserer Gesellschaft: An ihrem Platz stellen sie sich der Tendenz entgegen, den Oikos bis zur völligen Bedeutungslosigkeit zu entkernen. Sie entziehen sich dem Anspruch des Staates, sich für alle Lebensbereiche zuständig zu erklären und wirken damit seiner Totalisierung entgegen. Und dafür sollte man ihnen auch dann dankbar sein, wenn man selbst einen anderen Weg geht.“
(Zeitschrift „Factum“, Oktober 2012. Siehe http://www.geiernotizen.de/dienst-an-der-ganzen-gesellschaft.)

Deshalb – sowie aus schlichter brüderlicher Solidarität – sollten sich deutsche Evangelikale für ihre verfolgten Glaubensgeschwister in Deutschland einsetzen.

Unterzeichnen Sie diese Petition zugunsten einer verfolgten christlichen Familie!

20. Mai 2013

Im Januar 2010 hat die deutsche Familie Romeike in erster Instanz politisches Asyl in den USA erhalten, weil sie in Deutschland verfolgt werden aufgrund ihrer Entscheidung, ihre Kinder selber zu erziehen und auszubilden. Bei einer allfälligen Rückkehr nach Deutschland würde ihnen der Entzug ihrer Kinder drohen (sprich staatliche Entführung), sowie die Enteignung ihrer Güter und evtl. auch eine Gefängnisstrafe. Dies alles, weil sie aus christlicher Überzeugung ihr Menschen- und Elternrecht auf die Erziehung ihrer eigenen Kinder wahrnehmen.

Ich habe damals hier einen kurzen Bericht über jenes Gerichtsurteil geschrieben.

Vor wenigen Tagen hat jetzt ein Berufungsgericht jene erstinstanzliche Entscheidung umgestossen – merkwürdigerweise aber aufgrund einer Entscheidung von nur drei der fünfzehn amtierenden Richter. Ein Bericht darüber kann hier eingesehen werden:

http://derblauebrief.net/dieselbe-verfolgung-wie-vorher/

Die HSLDA,  welche die Romeikes rechtlich vertritt, wird weiter für ihre Freiheit kämpfen und das Urteil anfechten. Gleichzeitig ist eine Petition an die amerikanische Regierung lanciert worden, um eine allfällige Abschiebung der Familie Romeike nach Deutschland zu verhindern. Diese Petition kann von Menschen aus der ganzen Welt unterzeichnet werden. (Zuerst auf  „Create an Account“ klicken, Namen und E-Mail-Adresse eingeben. Dann muss noch ein Bestätigungs-Link in einem eingehenden e-Mail angeklickt werden, wonach die Petition unterzeichnet werden kann.)

https://petitions.whitehouse.gov/petition/immediate-action-requested-romeikes%E2%80%94grant-permanent-legal-status-persecuted-german-homeschool-family/06vqtgCp

Bitte schreiben Sie auch an Organisationen, die sich für verfolgte Christen einsetzen, wie z.B. die „Hilfsaktion Märtyrerkirche“ oder „Open Doors“. Solche Organisation, die sich weltweit gegen Christenverfolgung einsetzen, sollten zuallererst aktiv werden, wenn ein Fall ihr eigenes Land und ihre eigenen Mitbürger betrifft.

Der Blog „Der blaue Brief“ berichtet regelmässig über den Fall.