Posts Tagged ‘David’

Steht fest in der Freiheit, für die uns Christus frei gemacht hat! – Teil 5

17. März 2019

Galater 5,1

Eine Untersuchung autoritärer Lehren und Praktiken in evangelikalen Kirchen und Organisationen

Untersuchung einiger spezifischer Lehren des Autoritarismus

Die Vertreter des Autoritarismus benützen verschiedene Bibelstellen, um ihre besonderen Lehren zu begründen. Aber wenn wir ihre Argumente untersuchen, finden wir oft, dass diese Zitate aus dem Zusammenhang gerissen sind, oder dass sie nicht wirklich das aussagen, was der Autoritarismus behauptet. Betrachten wir einige Beispiele.

– „Der Leiter ist die Stimme Gottes für dich.“

Einige Gruppen lehren, die Leiter seien beauftragt, den Christen die Wegweisung Gottes für persönliche Entscheidungen zu vermitteln, z.B. betreffend Wohnort, Arbeit, Wahl ihrer Freunde, Heirat, usw. Sie begründen das mit einigen biblischen Geschichten, wo Gott tatsächlich durch besonders beauftragte Personen Weisungen erteilte.
In der Bibel finden wir zwei Arten von Menschen, die von Gott beauftragt wurden, Menschen sein Wort zu vermitteln: die alttestamentlichen Propheten, und die neutestamentlichen Apostel. Sie waren die einzigen, die mit voller Autorität sagen konnten: „So spricht der Herr.“
Wenn wir zu den Propheten des Neuen Testaments kommen, sehen wir bereits nicht mehr dasselbe Mass an Autorität: die Propheten des Neuen Testaments mussten von der ganzen Gemeinde geprüft werden (1.Kor.14,29; 1.Thess.5,20-21). Heute gibt es niemanden mehr, der anderen Weisungen erteilen könnte „im Namen Gottes“.
In der Ordnung des Neuen Testamentes möchte Gott vielmehr zu jedem Gläubigen persönlich sprechen und ihn persönlich führen, ohne die Einmischung eines Leiters: „Meine Schafe hören meine Stimme…“ (Joh.10,27). Gottes Kinder sind „von Gott gelehrt“ (Joh.6,45) und „vom Heiligen Geist geleitet“ (Röm.8,14).
Ein reifer, weiser Christ kann anderen Rat geben; aber er kann nicht „im Namen Gottes“ Befehle erteilen, die über das hinausgehen, was in der Bibel ausdrücklich geboten ist.

– „Man darf den Pastor nicht kritisieren. Taste den Gesalbten Gottes nicht an.“

Hierzu wird oft Psalm 105,15 zitiert: „Tastet meine Gesalbten nicht an, und tut meinen Propheten kein Leid!“ (ZÜ) Es lohnt sich, den Zusammenhang zu lesen. Der Psalm spricht von Gottes Bund mit Jakob (Israel) und seinen Nachkommen. Von ihnen heisst es, vor dem Auszug aus Ägypten: „Da sie noch wenige Männer waren, erst kurz im Lande und Fremdlinge dort, wanderten sie von Volk zu Volk, von einem Königreiche zum andern. Er liess sie von niemand bedrücken und wies Könige um ihretwillen zurecht: Tastet meine Gesalbten nicht an…“ (v.12-14, ZÜ)
Die „Gesalbten“ sind hier also das ganze Volk Gottes! Nicht ein autoritärer Leiter, sondern das demütige Volk, das als Fremdling „von einem Volk zum andern“ wandert. Und zu wem sagt Gott: „Tastet meine Gesalbten nicht an“? Zu den Königen der anderen Völker! Wir haben hier also keine Grundlage für den Autoritarismus. Im Gegenteil, es ist eine Verheissung Gottes, dass er auch das einfachste Glied seines Volkes in Schutz nimmt vor den Misshandlungen der „Könige“.
Im Reich Gottes gilt kein Ansehen der Person, es gibt keine hierarchischen Privilegien. Jeder Christ, unabhängig von seiner Funktion im Leib Christi, ist nicht mehr als ein Bruder unter Brüdern (Mat.23,8). So soll er auch brüderlich zurechtgewiesen werden, wenn er sündigt oder falsch lehrt.

– „Man darf nie über einen Leiter schlecht reden.“

Zur Begründung werden biblische Warnungen vor Klatsch und Verleumdung genannt (Ps.15,3; Spr.16,28; 26,20). Autoritäre Leiter lehren, dass jeder, der etwas Schlechtes über sie sagt, die Sünde des „Klatsches“ oder der „Verleumdung“ begeht. Damit verhindern sie, dass Opfer von Missbrauch Hilfe suchen, und dass die Probleme offen diskutiert werden.
Die Wahrheit ist, dass die Wahrheit nie Verleumdung ist! Böse Taten sollen getadelt und ans Licht gebracht werden (Eph.5,11), ob der Täter ein „gewöhnliches Mitglied“ oder ein Leiter ist. – Paulus schreibt an Tiimotheus: „Alexander, der Schmied, hat mir viel Böses zugefügt; der Herr wird ihm nach seinen Werken vergelten. Und auch du hüte dich vor ihm! denn er hat unsern Worten grossen Widerstand geleistet.“ (2.Tim.4,14-15). Ist das „Klatsch“ oder „Verleumdung“? Nein, Paulus gibt Timotheus eine nötige Warnung. Auf ähnlich Weise spricht Johannes in seinem dritten Brief „schlecht“ von Diotrephes. Wenn jemand eine Gefahr für andere darstellt (z.B. weil er ein Sexualstraftäter oder ein Psychopath ist), dann müssen diese anderen gewarnt werden.

Ein ähnlicher Trick missbrauchender Leiter besteht darin, darauf zu bestehen, dass jede Konfrontation „privat“ zu erfolgen habe. Manchmal stellen sie sogar eine Menge von Vorbedingungen auf, bevor sie jemandem überhaupt erlauben, sie zur Rede zu stellen: „Bist du sicher, dass du selber ohne Schuld bist? – Hast du genau überprüft, ob alles, was du sagst, exakt den Tatsachen entspricht? – Ist deine Motivation rein, oder handelst du aus Bitterkeit?“ (Als ob es Sünde wäre, sich wegen einer erlittenen Misshandlung erbittert zu fühlen …)
Wenn diese Leiter selber alle diese Bedingungen erfüllen müssten, dann kämen sie nie dazu, ihre Leiterschaft auszuüben; denn sie selber konfrontieren, fordern, kritisieren und beschuldigen ihre „Untergebenen“ ständig, und aus ziemlich fragwürdigen Motiven. Aber in der Weltanschauung des Autoritarismus gelten die Regeln nur für „Untergebene“; die Leiter können tun, was sie wollen. Im Widerspruch zu allen biblischen Ermahnungen, die Person nicht anzusehen.

Ja, in Mat.18,15-17 heisst es, man solle den Täter zuerst privat konfrontieren, „wenn dein Bruder gegen dich sündigt“. Aber das gilt nicht in Fällen wie den folgenden:
– Wenn die Sünde öffentlich ist. Private Sünden sollen privat behandelt werden, aber öffentliche Sünden in der Öffentlichkeit. Deshalb musste Paulus Petrus vor allen Anwesenden zurechtweisen (Gal.2,14), weil dessen Heuchelei alle beeinflusst hatte. Dasselbe gilt für jemanden, der öffentlich falsche Lehren verbreitet: In diesem Fall ist es richtig, ihn öffentlich zu widerlegen.
– Wenn der Sünder ein Leiter ist, und es mindestens zwei oder drei Zeugen gibt. (1.Tim.5,19-20). In diesem Fall soll er öffentlich zurechtgewiesen werden.
– Wenn das Opfer sich in einer verletzbaren Situation dem Täter gegenüber befindet. Es ist ein wichtiges biblisches Prinzip, die Schwachen und Verletzlichen zu schützen. „Öffne deinen Mund für die Witwe, schaffe Recht allen verwaisten Kindern. Öffne deinen Mund zu gerechtem Spruch, und schaffe Recht den Elenden und Armen.“ (Spr.31,8-9, ZÜ). „… damit die Glieder alle sich umeinander kümmern“ (1.Kor.12,25). Es wäre unverantwortlich und nicht dem Geist Gottes gemäss, wenn z.B. verlangt würde, eine junge Frau solle den Mann, der sie vergewaltigt hat, privat und hinter verschlossenen Türen zurechtweisen. Keine Bibelstelle verbietet einem Opfer von Missbrauch irgendeiner Art, die Hilfe anderer Menschen in Anspruch zu nehmen, um sich gegen weitere Fälle von Missbrauch zu schützen.

– „Man muss dem Leiter gehorchen, auch wenn er im Irrtum ist.“

Zur Begründung wird oft die Geschichte von David und Saul zitiert. Als David sich in der Wüste versteckt hielt, hatte er zwei Gelegenheiten, Saul zu töten; aber er entschied, ihn zu verschonen (1.Samuel Kap.24 und 26). David sagte: „Nie werde ich meinem Gebieter, dem Gesalbten des Herrn, das antun, dass ich Hand an ihn legte; denn er ist der Gesalbte des Herrn.“ (1.Samuel 24,6 ZÜ). Und: „Denn wer könnte Hand an den Gesalbten des Herrn legen und bliebe ungestraft?“ (1.Samuel 26,9 ZÜ) Von daher lehren autoritäre Leiter: „David ordnete sich Saul unter, obwohl Saul böse handelte. So müssen sich auch die Christen ihren Leitern unterordnen, auch wenn die Leiter im Irrtum sind.“ Und: „Man darf einen Leiter nicht kritisieren; er ist der Gesalbte des Herrn.“

Entspricht diese Auslegung der Botschaft dieser biblischen Geschichten?

Erinnern wir uns, dass David ein Diener Sauls war. Aber als er verstand, dass Saul ihn töten wollte, floh er zu Samuel (1.Sam.19,11-19). Als Diener Sauls hätte er nicht weglaufen dürfen!
Erinnern wir uns auch, dass David eindeutig ein Rebell war in den Augen Sauls. Sonst hätte er ihn nicht verfolgt. Auch nachdem ihn David zum ersten Mal verschont hatte, sah Saul das offenbar nicht als ein Zeichen der Unterordnung an, denn er verfolgte ihn von neuem. Das zweite Mal sagte Saul: „Komm zurück, mein Sohn David, ich will dir forthin kein Leid mehr tun …“ (1.Sam.26,21 ZÜ). Aber David ging nicht mit Saul. Auch bei dieser Gelegenheit gehorchte David Saul nicht.
Trotzdem zeigt die ganze Geschichte klar, dass Gott auf der Seite des „rebellischen“ David stand und gegen „seinen Gesalbten“ Saul.
Betrachten wir nun die Worte „Hand anlegen an den Gesalbten des Herrn“. Es ging darum, dass Davids Leute Saul töten wollten. Aber einige heutige „Pastoren“ ertragen es nicht einmal, dass jemand sie mit Worten kritisiert: sofort beklagen sie sich, man „lege Hand an den Gesalbten des Herrn“. Zwischen Kritisieren und Töten ist ein riesiger Unterschied!
David kritisierte Saul sehr wohl, und das öffentlich: „Warum hörst du auf das Gerede der Leute, die da sagen: ‚Siehe, David sinnt auf dein Verderben‘? … Wen verfolgt doch der König von Israel? wem jagst du nach? einem toten Hund! einem Floh!“ (1.Sam.24,10.15-16 ZÜ)
Wenn wir also David als Beispiel nehmen, dürfen wir sehr wohl einen Leiter kritisieren, der verkehrt handelt. Und wir haben auch das Recht, einem solchen Leiter nicht zu gehorchen, wenn wir sonst sündigen oder Schaden erleiden müssten.

Ein letzter Aspekt: Wenn ein Leiter die angebliche „Unterordnung“ Davids als Beispiel darstellt, mit wem vergleicht er sich selber? Offenbar mit Saul, dem Verfolger, der selber Gott ungehorsam war. Wer also diese Geschichte benützt, um „Unterordnung“ zu lehren, verrät sich selbst als ein Rebell gegen Gott. Dieser selbe Saul verleumdete David und verdrehte die Tatsachen, als er zu seinen Dienern sagte: „…dass ihr euch alle wider mich verschworen habt und niemand es mir offenbarte, als mein Sohn sich mit dem Sohne Isais verbündete, und dass niemand unter euch Mitleid mit mir hatte und es mir offenbarte, dass mein Sohn meinen Knecht aufgestiftet hat, mir nachzustellen, wie es jetzt am Tage ist?“ (1.Sam.22,8 ZÜ)
So stellte Saul sich selbst als Opfer dar und David als den Angreifer, während es in Wirklichkeit umgekehrt war. So machen es auch viele autoritäre Leiter: Wenn jemand sich darüber beklagt, dass er von ihnen misshandelt wurde, oder sie zurechtweist wegen einer Sünde, dann sagen sie, sie seien Opfer einer „Verschwörung“ und des „Murrens“, und verlangen die Bestrafung des „Rebellen“, oder rufen die Strafe Gottes auf ihn herab und schliessen ihn aus.

Andere gebrauchen das Beispiel Sarahs, die auf Geheiss Abrahams lügen musste (1.Mose 12,11-13; 20,13). Das sei ein „gutes Beispiel der Unterordnung unter ihren Ehemann“. Sie sagen, „in diesem Fall verurteilt Gott Sarah nicht, denn sie war gehorsam; nur Abraham trägt die Verantwortung, weil er die Autorität ist.“ – Aber das Wort Gottes sagt nirgends, dass Sarah richtig gehandelt hätte mit ihrer Lüge! Dass eine Tat in der Bibel berichtet wird, bedeutet noch lange nicht, dass Gott diese Tat gutheisst. Und erst recht nicht, dass es eine Norm für das christliche Leben sei. Die Gebote Gottes sind klar: „Du sollst kein falsches Zeugnis geben“ – egal, wer einem das aufträgt. Und: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ – Das Wort Gottes ist auch klar darin, dass jeder gerichtet wird nach dem, was er selber getan hat: „Denn wir alle müssen vor dem Richterstuhl Christi erscheinen, damit jeder erhält nach dem, was er mittels des Körpers getan hat, sei es gut oder böse.“ (2.Kor.5,10). Vor dem Thron Gottes kann sich niemand herausreden: „Mein Mann hat mich geheissen“, oder „Mein Gemeindeleiter hat mich geheissen.“
Wohin dieser Autoritarismus in letzter Konsequenz führt, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg offenbar. Viele Nazi-Kriegsverbrecher verteidigten sich damit, sie hätten auf Befehl ihrer Vorgesetzten gehandelt. So tötet der Autoritarismus das Gewissen des Einzelnen ab und verwandelt ihn in ein willenloses Folterwerkzeug.

Werbeanzeigen

David und Goliath – Eine endzeitliche Perspektive

19. September 2016

Von Hadyn Olsen, Neuseeland

Kürzlich, nachdem ich die Geschichte des historischen Zusammentreffens zwischen David und Goliath gelesen hatte, war ich betroffen über die Bedeutung dieser Botschaft für die endzeitliche Periode, in die wir eintreten.

Viel mehr als eine Kindergeschichte, spricht diese Geschichte vom Zusammenprall zweier Reiche. Das Reich Gottes und das Reich satans.

Die Heiligen Schriften bezeugen mehrere solche dramatischen Zusammenstösse zwischen diesen beiden Reichen. Denken wir an die Zeit Moses und den Auszug aus Ägypten, die Plagen, und das Rote Meer. Denken wir an Josua vor Jericho; oder an Elias auf dem Karmel. Und da ist natürlich der Herr Jesus selber und die vielen Gelegenheiten, wo er die Macht des Königreiches unter Beweis stellte.

In all diesen Ereignissen sehen wir etwas von der Natur dieser entgegengesetzten Reiche, und von der Überlegenheit des Reiches Gottes über das Reich satans. Wir können auch etwas lernen über unser eigenes Leben und über den Konflikt, dem wir selber täglich gegenüberstehen. Jedes dieser historischen Ereignisse kann uns Dinge lehren, die Gott uns wissen lassen möchte; und über den Sieg, den er mit uns teilen möchte.

Wir werden einen weiteren grossen Zusammenstoss zwischen Gottes Reich und dem Reich satans erleben. Zweifellos wird er ebenso gross, oder sogar noch grösser sein, als alle vorhergehenden. Und dann wird Gott einmal mehr seine alles überragende Grösse und seine Macht über satan zeigen.

Auf dieses Ziel hin ruft unser Geist aus: „Komm, Herr Jesus!“

Wenn wir in 1.Samuel 17 über die Schlacht zwischen David und Goliath lesen, können wir zuallererst sehen, dass es drei Hauptpersonen gibt, die drei verschiedene „Völker“ repräsentieren.

Da ist Goliath und die Philister. Sie stellen die Welt dar; oder genauer, die unerlösten, rebellischen Menschen. Sie können beschrieben werden mit „Der Geist dieser Weltzeit“.

Da stehen sie, herausfordernd und spottend. Absichtlich und arrogant stossen sie Beleidigungen gegen Gott und sein Volk aus. Sie repräsentieren den Menschen, voll von seiner eigenen Macht und Herrlichkeit.

Das ist die voll ausgereifte Frucht vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse: Der Stolz des Lebens, der herablassend auf Gott hinunterblickt. Die Fülle des Menschen, der „wie Gott“ sein möchte und sogar alles, was Gottes ist, zerstören möchte in seinem Drang, die Erde zu beherrschen.

Wir bemerken in der Beschreibung Goliaths wiederholt die Zahl sechs, die Zahl des Menschen. Er war sechs Ellen gross; seine Rüstung bestand aus sechs Stücken; und seine Lanzenspitze wog sechshundert Schekel. Wir könnten sagen, er repräsentiert alles, was im Begriff „Antichrist“ enthalten ist, so wie er dasteht, Gott lächerlich macht, und Gottes Volk zum Kampf herausfordert.

Wenn wir die heutige Welt ansehen, dann sehen wir, dass sich Goliath wiederum zum Kampf rüstet. Wir hören wieder die Herausforderung: „Wo ist euer Gott?“, und die Beleidigungen, die über die Gemeinde Jesu spotten und sie zur Konfrontation herausfordern. Das war schon immer das Wesen des antichristlichen Geistes.

Die zweite Hauptperson in dieser Geschichte ist König Saul und sein Heer. Diese Gruppe repräsentiert das Volk Gottes, aber unter der Herrschaft des Fleisches.
Sie sind ein geschlagenes Heer. Da stehen sie Goliath gegenüber, ängstlich, eingeschüchtert, ohne Salbung oder Kraft von Gott.

Wir mögen fragen: „Warum? Wie kann das sein?“

Wie kann das Volk Gottes sich in einer solchen Situation und in einer solchen Verfassung befinden? Die Antwort ist: Obwohl sie das Volk Gottes sind, werden sie immer noch vom Geist dieser Weltzeit beherrscht. Sie stehen unter der Herrschaft Sauls – die Herrschaft des Fleisches.

Lasst uns sie ansehen. Da stehen sie in ihrer ganzen weltlichen Rüstung. Sie sind ausgerüstet mit allem, was die Welt für wertvoll ansieht. Sie haben ihre Pferde und Wagen und fleischlichen Waffen – und natürlich haben sie ihren König, der so hoch über alle anderen erhoben steht. In so mancher Hinsicht sehen sie genau wie alle anderen Völker aus.

Ich kann nicht umhin mich zu fragen, wie viele unserer Denominationen und kirchlichen Organisationen genau wie die Armee Sauls sind. Sie sind voll von den Wegen der Welt, und ihre Macht kommt vom Geld, von Organisation, und von der Kraft des Fleisches. Wir sehen in ihnen denselben Geist dieser Welt, der sich selbst anpreist mit Werbetricks, Verkaufstechniken und allen Arten menschlicher Gewandtheit.

Es gibt noch eine weitere charakteristische Eigenschaft der „Saulskirche“: Ungehorsam gegen das Wort Gottes.

König Saul kümmerte sich mehr um den äusserlichen Anschein von Erfolg und Macht, als um den Gehorsam Gottes Wort gegenüber. Er gehorchte Gott, solange es ihm diente, und so lange sein eigener Ehrgeiz und sein eigener Wunsch, in den Augen des Volkes erfolgreich zu sein, nicht in Gefahr standen.

Dasselbe sehen wir heute in den Denominationen. Erfolg, Macht, und äussere Erscheinung sind die wichtigsten Kriterien. Gottes Willen und seine Ziele werden oft kompromittiert zugunsten von menschlichen Interessen und menschlichen Traditionen.

Deshalb werden sie an dem Tag, wo Goliath sie konfrontiert, alleingelassen werden. Sie werden entdecken, dass nach den Massstäben dieser Welt Goliath viel mächtiger ist als sie, und dass sie gegen ihn keine Chance haben.

Wie erschreckend wird jener Tag sein … auch wenn sie heute noch so erfüllt sind von ihrer eigenen Kraft, und hypnotisiert von ihrem eigenen Lobpreis und ihren positiven Bekenntnissen.

Dank sei Gott, gibt es eine dritte Gruppe in dieser Geschichte. Sie wird durch David repräsentiert.

Ja, David war einer vom Volk Gottes. Aber er gehörte nicht zu Sauls Armee. Ebenso gibt es auch heute eine dritte Gruppe. Sie sind überall zerstreut. Sie haben keinen besonderen Ort und keine besondere Organisation, die sie ihr eigen nennen könnten. Aber sie sind ausgesondert durch zwei besondere Kennzeichen:

Sie haben ein Herz nach Gottes Herz, und … sie gehören nicht zu König Saul.

Diese „David-Gruppe“ ist klein, unbedeutend, unbeeindruckend und unwichtig; genauso wie David damals. Aber Gottes Hand liegt auf ihnen.

David hütete seine Schafe draussen in der Wüste, als ihn der Ruf erreichte, aufs Schlachtfeld zu gehen. Er tat, was Gott seiner Obhut anvertraut hatte – obwohl es etwas Unbedeutendes und nach aussen hin Unwichtiges war.

Ebenso fragen auch heute manche: „Was tust du für Gott? Was ist dabei herausgekommen, dass du das System verlassen hast?“ Sie messen alles nach äusserlichen Kriterien und verbringen ihre Leben damit, umherzurennen und grosse Dinge für Gott zu organisieren, aber letzten Endes erreichen sie damit wenig.

David kannte Sauls Wege nicht. Er hatte keine von Sauls Vorbereitungsschulen besucht. Er wusste nicht einmal, wie man eine Rüstung saubermacht; geschweige denn, wie man sie in der Schlacht benützt. Alles, was David wusste, hatte er draussen in den gewöhnlichen Umständen des täglichen Lebens gelernt. Er hatte die einfachen Dinge wie Wahrheit, Liebe und Treue gelernt. Er hatte gelernt, jeden Tag mit Gott zu leben.

Aber das ist der Weg Gottes. Er nimmt immer die niedrigen Dinge, die närrischen Dinge, und die Dinge, die nichts gelten, um jene zunichte zu machen, die etwas gelten.

Ebenso bereitet Gott auch heute ein Volk zu. Sie gelten gegenwärtig nichts. Einige von ihnen haben die Denominationen verlassen; andere befinden sich noch in ihnen und fragen sich, warum sie sich dem allem nicht mehr zugehörig fühlen. Sie können sich nicht mehr für das neuste Seminar oder die neuste Evangelisationsmethode begeistern. Stattdessen seufzen und weinen sie über den Mangel an Gottes Gegenwart in der Gemeinde; und sie trauern über die Art und Weise, wie menschliche Macht diesen Mangel ausgefüllt hat.

Als David auf dem Schauplatz erschien, unterstützte ihn keine Organisation. Er hatte keine Ausweise oder Empfehlungsschreiben. Er hatte nur die Salbung. Gott wusste, wo er David haben wollte. Gott brachte die Dinge zusammen, so wie er es immer tut … als die Zeit erfüllt war.

David konnte vor Goliath standhalten, weil Gott mit ihm war. Nicht mehr und nichts weniger. Sein Geist stand furchtlos auf gegen dieses Monster. Er wusste, dass ein noch viel Mächtigerer an seiner Seite stand.

Als David zu Goliath sprach, um ihn herauszufordern, war es vielmehr Gott selber, der sprach.

Als David den Stein nahm und ihn in seine Schleuder legte, war es Gott, der ihn auswählte und vorbereitete.

Als David den Stein gegen sein Ziel schleuderte, da war es wiederum Gott, der ihn an die richtige Stelle lenkte.

So ist aller echte Dienst für Gott. Es ist Gott im Menschen, der die Arbeit tut und die Frucht hervorbringt.

Viele heutzutage versuchen, grosse Dinge für Gott zu tun. Sie benützen alle Ressourcen dieser Welt, um es zu schaffen. Aber Gott tut es nicht. Sie denken, menschliche Anstrengung sei der Schlüssel zu göttlicher Fruchtbarkeit. Sie haben Gottes Weg völlig verfehlt.

Gott wünscht sich ein Volk, das gestorben ist gegenüber den Wegen der Menschen und gegenüber den Methoden der Menschen, was die Arbeit des Reiches Gottes betrifft. Er bereitet ein Volk vor, das bereit ist, auf ihn zu warten, und sich so zu bewegen, wie er sie bewegt, und zu arbeiten gemäss seiner Kraft, die mächtig in ihnen wirkt.

Es mag lange dauern, bis Gott einen Menschen zu dieser Haltung bringt … aber Gott hat Zeit.

Der Tag des grossen Konflikts wird kommen. Zu welcher Gruppe wirst du gehören? Zu Goliath? oder zu König Saul? … oder zu David?

Heute mag das schwer zu sagen sein; aber der Tag wird es ans Licht bringen. Das steht fest. Der Tag wird es ans Licht bringen. Denn dann werden wir uns an dem Platz befinden, den unser Herz sich ausgesucht hat.

Lasst uns heute den Herrn anrufen, solange es noch heute ist … Lasst uns ihn bitten, unsere Herzen zu verändern und uns zur Gruppe Davids zu führen. Mögen wir danach trachten und es lernen, mit Gott zu gehen und treu zu sein in allem, was er uns zu tun befiehlt. Mögen wir die Wege der Demut lernen und damit zufrieden sein, einfach jeden Tag vor ihm zu leben. Mögen wir uns auch ständig vor den Wegen Sauls hüten.

Gott sei gelobt für seine alles überragende Grösse und Herrlichkeit.

 


Anm.d.Ü: Ich denke, die ganze Geschichte von David und Saul ist eine grossartige Illustration mit vielen Anwendungen auf die Beziehung zwischen dem echten Volk Gottes und dem kirchlichen System der Namenschristen. (Siehe auch: „Die Haltung Davids gegenüber Saul: ein Beispiel bedingungsloser Unterordnung?“
In einem Punkt habe ich jedoch eine andere Perspektive als der vorliegende Artikel. Ich glaube nicht, dass die letzte Etappe der Endzeit durch eine Konfrontation zwischen „Goliath“ und „Saul“ gekennzeichnet sein wird. Im Gegenteil glaube ich, dass in der letzten Etappe „Saul“ und sein ganzes Heer sich auf „Goliaths“ Seite geschlagen haben wird, um gemeinsam „David“ zu bekämpfen. Die Anfänge dieser Entwicklung sind bereits sichtbar; die institutionellen Kirchen sind bereits stark infiltriert von Gedanken und Agenten des Antichristen. „Antichrist“ bedeutet wörtlich „Anstelle von Christus“. Der Antichrist versucht (meistens) nicht, das Christentum frontal zu bekämpfen; er versucht, es durch seine eigene Fälschung zu ersetzen. Die Religion des Antichristen wird sich „Christentum“ nennen.

Die Haltung Davids gegenüber Saul: ein Beispiel bedingungsloser Unterordnung?

21. Juli 2012

Die biblische Geschichte von Saul und David wird oft von institutionellen religiösen Leitern dazu benutzt, den Christen zu sagen, sie müssten sich ihrem Leiter unterordnen, selbst wenn dieser im Irrtum ist. Die meistzitierten Stellen in diesem Zusammenhang sind die zwei Begebenheiten, wo David die Möglichkeit gehabt hätte, Saul zu töten, aber sich dazu entschied, ihn zu verschonen (1. Samuel Kapitel 24 und 26). David sagte: „Da sei Gott vor! Nie werde ich meinem Gebieter, dem Gesalbten des Herrn, das antun, dass ich Hand an ihn legte; denn er ist der Gesalbte des Herrn.“ (1.Sam.24,7) Und: „Wer könnte Hand an den Gesalbten des Herrn legen und bliebe ungestraft?“ (1.Sam.26,9).

Von daher sagen diese Leiter: „David ordnete sich Saul unter, obwohl Saul schlecht handelte. So müssen sich auch die Christen ihren Leitern unterordnen, selbst wenn diese im Irrtum sind oder sündigen.“ Und ebenso: „Man darf einen Leiter nie kritisieren, denn das bedeutete, an den Gesalbten des Herrn Hand anzulegen.“

Entspricht diese Auslegung dem Inhalt und der Lehre der erwähnten biblischen Geschichten?

Erinnern wir uns, dass David ein Diener Sauls war. Aber als er verstand, dass Saul ihn töten wollte, floh er zu Samuel (1.Sam.19,11-19). Da er im Dienst Sauls stand, hatte er kein Recht, davonzulaufen! – Nach diesem blieb David vorsätzlich dreimal dem königlichen Bankett fern, an dem er hätte teilnehmen sollen. (1.Sam.20,5-7, 24-30). Das würde bereits als eine höchst „rebellische“ Haltung eingestuft von manchen heutigen „Pastoren“, die von ihren Dienern (Mitarbeitern) verlangen, dass sie an allen Gemeindeveranstaltungen teilnehmen.

Erinnern wir uns auch, dass David in den Augen Sauls eindeutig ein Rebell war. Andernfalls hätte er ihn nicht verfolgt. (Andere Personen sahen den Fall ebenso. Nabal z.B. nannte David „einen Knecht, der seinem Herrn davonlief“, 1.Sam.25,10.) Auch nachdem David sein Leben verschont hatte, betrachtete Saul dies offenbar noch nicht als ein genügendes Zeichen seiner Unterordnung, und verfolgte ihn wiederum. Beim zweiten Mal sagte Saul zu David, er solle mit ihm zurückkehren, und versprach ihm, ihm kein Leid mehr anzutun (1.Sam.26,21). Aber David ging nicht mit Saul zurück. Auch in diesem Fall gehorchte er also Saul nicht.
Dennoch geht aus der ganzen Geschichte klar hervor, dass Gott auf der Seite des rebellischen David stand, entgegen „seinem Gesalbten“ Saul.

Sehen wir jetzt, was die Worte bedeuten, „Hand an den Gesalbten des Herrn zu legen“. Es ging darum, dass die Männer Davids ihm anrieten, Saul zu töten. Aber gewisse heutige „Pastoren“ ertragen es nicht einmal, dass jemand sie mit Worten kritisiert: sofort beklagen sie sich, man versuche, „Hand an den Gesalbten des Herrn zu legen“. Zwischen Kritisieren und Töten besteht ein himmelweiter Unterschied!
David kritisierte Saul sehr wohl, und das in aller Öffentlichkeit: „Warum hörst du auf das Gerede der Leute, die da sagen: ‚Siehe, David sinnt auf dein Verderben‘? … Wen verfolgt doch der König von Israel? wem jagst du nach? Einem toten Hund! einem Floh! So sei der Herr Richter und entscheide zwischen mir und dir; er sehe zu und führe meine Sache und schaffe mir Recht gegen dich!“ (1.Sam.24,9.14-15)
Dem Beispiel Davids folgend, haben wir also alles Recht dazu, einen Leiter zu kritisieren, der schlecht handelt. Und wir haben auch das Recht, einem solchen Leiter ungehorsam zu sein, wenn ihm zu gehorchen bedeuten würde, eine Sünde zu begehen oder Schaden zu erleiden.

Ein letzter Aspekt: Wenn ein Leiter seinen Nachfolgern die „Unterordnung“ Davids als Beispiel vorhält, mit wem vergleicht sich dann dieser Leiter selber? Offensichtlich mit Saul, dem Verfolger, dem König, der selber in Ungehorsam gegen Gott lebte. Dieser selbe Saul verleumdete David und seinen eigenen Sohn, und verdrehte die Tatsachen, als er zu seinen Dienern sagte: „… dass ihr euch alle gegen mich verschworen habt und niemand es mir offenbarte, als mein Sohn sich mit dem Sohne Isais verbündete, und dass niemand unter euch Mitleid mit mir hatte und es mir offenbarte, dass mein Sohn meinen Knecht angestiftet hat, mir nachzustellen, wie es jetzt am Tage ist?“ (1.Sam.22,8)
So stellte Saul sich selber als Opfer dar und David als den Angreifer, während es in Wirklichkeit genau umgekehrt war. So machen es auch viele dieser missbraucherischen Leiter: Wenn jemand sich beklagt, weil er von ihnen schlecht behandelt wurde, oder wenn jemand sie zurechtweist wegen einer Sünde, die sie begangen haben, dann sagen sie, sie seien Opfer einer „Verschwörung“ des „Murrens“, und verlangen, dass der „Rebell“ zensuriert werde, oder sie rufen die Strafe Gottes auf ihn herab und schliessen ihn aus.

Weit davon entfernt, ein Beispiel bedingungsloser Unterordnung darzustellen, lehrt uns die Geschichte von Saul und David vielmehr manches über das Verhalten von Leitern, die geistlichen (und anderen) Missbrauch begehen, und über das Leiden der Opfer solcher Leiter. Das Beispiel Davids zeigt uns dabei, was solchen Leitern gegenüber getan werden soll oder kann:
– Sich von ihnen fernhalten.
– Wenn nötig ihre schlechten Handlungen konfrontieren, aber aus einer sicheren Distanz heraus.
– Die Sache Gott anheimstellen und vertrauen, dass er gerecht richten wird.
– Keine Rache gegen solche Leiter planen noch versuchen ihnen zu schaden; sich ihnen aber auch nicht unterordnen.
– Ihnen keinerlei Vertrauen schenken, auch dann nicht, wenn sie versprechen sich zu ändern und eine „Versöhnung“ anbieten. Ein „Saul“ ist durchaus imstande, Reue zu heucheln, nur um danach wieder seinen alten Wegen gemäss zu handeln. (Siehe auch 1.Sam.15,17-35).

Die Opfer von Leitern im Stil Sauls müssen viel leiden. Aber sie dürfen wissen, dass Gott auf ihrer Seite steht und sie wiederherstellen wird, wenn sie fortfahren, ihm zu vertrauen.